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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-14 · Heft 1381 (14.12.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1381 (14.12.1922)
Date
1922-12-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 ‘ ,* 5 ,. * . „J ' Tf~t '!' -, . .,. .«., '> '. ., > ■•-;v MvwMwerLlW Wien: Znm Abhole» i» der Expedition» H.,Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisqteUe (Trafik) mcnatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oestcrr. monatl. K 28.000 Tsche c h o-S 1 owak ei: |Mon. K17. Ungarn: Mon.. [KI6bÖ. Jug-oslawien; Mon« Dinar 30. Polen: Mon. iMk. 3500. Deutschland: jMon. Mark 800. FVankr., 'Belgien: Monatl. Fics. 8 f. ■ V '94T Nach tahluoje» -HR8 ibei PreUerbobungeii Vorbehalten Nr. 1881 ibei PreUerbobungeii Vorbehalten n; r;-r V, '" »itn, Donnerstag, 14. SVember 1922 Tscn^ho-Slowakei sl «Scheck. K 1.— Italien: Monatl. 10 km Rumänien, Bulgarien Monatl. 60 Lei bezw. Lewa 'Schweiz und das übrige i Ausland monatlich Frcs. 3.1 Redaktion u. Administration; Wie», 11., T ab orstraSac 1 *—3 i Telephone: 44-0-38,43-3*19,: ab 6 Uhr abends 16-301.! Tel.-Adr.: vMorgenzeitung'6' Wien Oösterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 4. ZaHrgMg Jer ML näher hekannLe AM. —v- W i t n, 14 Dezember. Das Zentralovgan der Sozialdemokratie Deulschosterreichs, die „ArbeiterzÄtung", hat-sich endlich entschlössen, ihre Stellung zu den Skandalen au der Universität fest zu bestimmen. Sie will keinen Judenschütz betreiben , und rückt deshalb von der ganzen Sache ab. Nach ihrer Auffassung handelt es sich um einen kleinen Krawall deutschnationaler Studenten/ dessen Entstehungsursache und weiteren.Hintergrund sie nicht kennen will. „Sie haben in Wien Krwvall gemacht, erstens überhaupt, zweitens, weil irr Prag Krawall war, und drittens - aus einem nicht näher bekannten Grunde." Ueber diesen Grund, der der ^Arbeiterzeitung" nicht näher bekannt ist, , hat män. inzwischen einiges erfahren. Der Grund ist, daß 'die Deutschnationalen Hilfsgelder für bedürftige Hörer der Hochschule fiir Welt Handel entgegen'd^r Bestimmung her Widmung zum größten Teil, für sich beschlagnahmen wollten. Da also Bäürftige das Opfer waren, müßte sich eigentlich die „Arbeiterzeitung" mit der Sache näher beschäftigen- Aber ein Teil dieser Bedürftigen sind Juden, also sieht sie die Notwendigkeit für eine Bestechung der Angelegenheit nicht ein. An diese Bedürftigen-Sache schloß sich eine Kette von Vorfällen, hie immerhin auch für die „Arbeiterzeitung" und ihre. Partei von. Bedeutung wären. Der Rektor der Wie-, «er.Universität hat sich ohne jede weitere Untersuchung ans die Seite der Nationalisten gestellt, hat die Inden gerügt, weil sie . sich nicht wider spruchs los beleidigen lassen wollten, hat zwei Zeitungsartikel geschrieben, in hat schließlich nach eigenem WtömdM eAe Kommissionoamlt betraut, die geeigneten Vorschläge zur Ausschaltung von Staatsbürgern aus dem wissenschaftlichen Betrieb zu erstatten. Die „Arbeiterzeitung", die sich sonst als die berufene Hüterin von Freiheit und Recht gibt, hgt sich dazu bequemt, das Auftrtten des Rektors, als ein Moment eines Zwistes zu -betrachten, der zwischen den Bankjuden.und dem Prälaten Seipel ausgwrochen ist. Sie hat sich damit getröstet, daß sich „das Pack, das sich heute schlägt, morgen wieder vertragen" wird. Es scheinen nämlich Wahlen zu kommen. Die „Arbeiterzeitung" fühlt oder meint zu fühlen/daß es opportun wäre, nicht alle populären Schlagworte der Reaktion zu überlassen, und sie tut deshalb so, als ob die Vorgänge an dervUmversitat nur eine vereinzelte Erscheinung wären, als ob sie . sich auf die Juden beschränken würden und als, ob Verfassung und Staatsgrundgesetz etwas wäre, mit dem man am hellichten Tag ein Spielchen treiben darf. Die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, die Freiheit des Lehr-ens und Lernens sind Errungenschaften der Revolution, der Auflehnung der Unterdrückten gegen privilegierte Klassen. Unh da der Sozialismus die Solidarität aller Unterdrückten ist, so sollte man meinen, daß die „Arbeiterzeitung" die Ereignisse, die sich gegenwärtig in Wien abspielen, genauer, auf ihren Zusammenhang mit den Vorfällen außerhalb Oesterreichs Prüfen müßte, ohne erst die Gretchenfrage zu stellen: „Wie Hältst du es mit der Religion?" Es ist für niemanden ein Zweifel, daß es sich hier, um eine sehr gilt vorbereitete,, politisch und technisch lückenlos organisierte Attacke gegen alle Errungenschaften der Revolution handelt und daß der Angriff an verschiedenen Punkten zur gleichen Zeit vorgetragen wird. Es ist überall die gleiche Erscheinung: . die Chauvinisten frühen zuerst die schwächste Stelle des Stoatsorganismüs, erzeugen Unruhen,- um den Bodensatz der Bevölkerung in die Höhe zü wirbeln und dann zu sehen, was sich weiter.unternehmen läßt. Die Sozialdemokratie hat ja auf diesem Gebiet schon einige Erfahrungen -sammeln' können. In Ungarn'ist die Horthy-Bewegung von den Universitäten ausgegangen, hat die ‘ Juden niedergeschlagen und immi die Arbeiterschaft wehrlos und mundtot gemacht. In Italien griff der Faszismus erst die Kommunisten und dann die deutsche Minorität in Südtirol an. Da ihn die Sozialdemokraten -gewahren ließen und keinen ernsten Widerstand, versuchten, wurden sie/ Von Mussolini mit'leichter Muhe binnen.eines einzigen Tages überwältigt. . In Oesterreich marschieren die Hakenkreuzler- Schulter.an Schulter mit den Klerikalen gegen die Juden, weil sie/diese -— ob mit Recht' oder mit Unrecht/ ist' hier nebensächlich — als Bekenner'des Sozialismus anseheu und bestrafen wollen. Sollte es glücken, die Juden von den Hochschülm zu vertreiben und sie für alle Zukunst aus drr iorjchenden und arM- Keine Cinmischung in innerösterreichische AMleseHMen. Minister: Benesch besptzsich rm Auswärtigen Ausschuss die Dst err eichische K v n g e soweit sie mit der Ratifizierung dev Genfer Protokolle zusänsinentzängt. Ans dix Anfvnge Dr. Käfkgs, wärtzin sich die Tschechv- Slowakei nicht so verhaltr wie die Schweiz,/ die sich dev Vertretung im Ausschuss begehen Habe, schildert Dv. Benesch die ganze Entwicklung dev: österreichischen Mage in Gens und konstatiert/ dass dev Standpunkt der Tschecho-Slowakei in dieser Mage vollkommen richtig gewesen sei lmd dass die Tschecho- Slowakei in dieser Mage/, an der Oesterreich ein immensesMteresse habe, eine vollkommen uneigen nützi ge Polt t i k verfolgt habe. Es sei Pflicht der Regierung, wenn sie irgend einen Vertrag garantiere, alles zum Schüsse der Interessen der Bevölkerung des eigenen Staates zu tun für den Fall» Lass sich die Situation eventuell so entwickeln könnte. dass die Lschecho-Slowakei zahle«' müsste, ^er Minister versichert, dass sich das G a» rantiekomitee i n> -i e initeren Angel eg e n h e i t en O e st e r r e ich s nicht ein mischen werde. , Abgeordneter Hollitscher (deutscher Sozialdemokrat) erklärt im Namen seiner Partei, die Genfer Protokolle nicht a k? ze p tierett.au können, weil man nicht -er Ansicht sein könne, dass damit die Verschuldung Oesterreichs liguMert werde. Im weiteren Verlauf der Sitzung ersucht Dr. Benesch, die Verhandlung über die Protokolle zu vertagen, so lange der Referent nicht den Bericht erstattet habe. Er konstatiert, dass Hie Beratung in London k e i U e A l l i i e v t e n k o n s e r e n z war und dass es sich nur um eine p e r s ö n» liche Zusammenkunft gehandelt habe. L ö n d o n, 13. Dezember. jfWolff.) Der diplonmtische Berichterstatter das „Daily Telegraph" erfährt,. dass, falls Frankreich die Besetzung des Rnhrgebietes ausführen und Grossbritannien sie ohne Protest zulassen sollte, sich die Stimme der Bereinigten Staaten in e n e r g i sch e r W e i s e gegen eine Sanktion erheben würde, die als schädlich für -en Welthandel angesehen sverde. Der HflttMBnBBnuuMaaaaManMU wandten Mffenschaft zu verdrängen, sollte also ^Unrecht zu Recht werden, dünn ist der Weg zur Arbeiterschaft ftoigelegt, wenn erst einmal ihr natürliches WÄerstreben gegen die Duldung des Unrechts überwunden ist. Die „Arbeiterzeitung" sieht aber nur die Juden, deren Mß- . Handlung sie nicht weiter aufregt. Sie glaubt durch ihr Schtveigen Wählerstimmen zu bekommen. Aber zumindest die jüdischen Wähler werden ihr ihre Haltung am Wahltag honorieren. - . Re BudaWer Mfe des Ir. Seipel. Wien, 13. Dezember. Wie die Politische Korrespondenz erführt, ist im Ginvernchmen zwischen der österreichrschen und der ungarischer'Rvgi-wuug der Termin für die 3wts-e des Bundeskanzlers Dr. Seipel «ach Budapest, böc sich formell als die Erwidevuug des semerzeAFen Besuches des/onAeische» MinisterpräsidelÄen Grafen Bethlen in Wien darstellt, für die ersten Jännertage bestimmt worden. Der^ Ausentha-Ü des BuNdeskanzsers uud -drs Muisters des Aeuß-ern Dr. Gvüirbvvger in Bridaipest ist nach den vorlürlsigsn Dispo-sitionen aus zwei Tage i»l Aussicht geiromuleu. AngaMe SchlmMMz. Wegerr komumnistischer Agitation zu lebenslänglichem Zuchthaus verürtMtl Budapest, 13. Dezonrber. Der kormnunistische Agitator Eugen K i ß' ist heute wegen des Verbrechens des Hoch-' Verrates, bsgau-gen durch feine Agitation unter den.ungarischen Kriegsgefangeneu, zu lebenslänglichem Zuchthaus venirteilt worden. - . v ' > . - Warschau, ^1S. De.Mirber. (Po>lu.' Tel.-Ag.) Der gestrige -und dtt kMtiige Dag fiivd im /ganzen Lande in vollkomntmer. - Ruhe verlaufm. Die von don Bchördm Hetrofftnen Borkchruü- . gen haben allgerniein'e ÄE^MUng^^ geMden/^^Hmsichtbich der BorfäÜe .von^ MÄntag ist LinL euergische Un-tersuckM^; eingelötet wordcn, äbor deren Ergeönis ein änr-tlicher Beuicht der» l Lfselülichi/werÄTlr wird.- Für die'morgDe Sitzung. des Sejm ist'. >im ZrisannnMhang mit dcht Vorfällen ckve Interpellation feitons. der Linken und des Zeniimms ameknudigt wordw. BerrchLerstatter evWrt, dass in sehr massgebenden amerikanischen Kreisen, die eine genaue Kenntnis der deutschen wirLschafLlichen und sozialen Bedingungen besäßen, die von den alliierten Staatsmännern verworfene deutsche Note vor ihrer Ünterbreitnng geprüft' und als angemessene Grundlage der Eröterungen angesehen worden sei. FrMkreich WAt freie $otd. Paris, 13. Dezember. Wolfs.) Ministerpräsident Poineave hat. gestern obens nach seiner Rückkehr mrs London die Vertreter der Presse empfamgen und erklärt, auf der Konferenz sei ein sehr i n t e r e s s a n t e s Ergebnis hinsichtlich der alliierten Schulden festgestellt worden, nämlich die Zurückziehung der Note Balsonrs und die Möglichkeit, daß Frankreich seine Schulden an Großbritannien mit Hilfe der Schatzbons der Serie 1L auch unabhängig von der Haltung der Bereinigten Staaten regeln könne. Zweifellos sei noch^ keine endgültige Entscheidung getroffen worden., Es handle sich hier um eine Frage, die im Monat Jänner wieder werde behandelt werden, aber der Gedanke sei doch von Bonar Law freuMich ausgenommen worden, der übrigens hierüber im Unter- .hause eine Erklärung abgeben werde. Das sei schon ein sehr großer Fortschritt, da Llotzd^ George sich immer geweigert habe, die Frage der Schulden Frankreichs an England M erörtern, solange nicht Amerika' seinerseits eine Streichung oder Herabsetzung, seiner Forderungen ins Auge ftssen werde. Es sei in London wedcr von, Garantien, noch vym Kontrolle und noch, weniger von Pfändern gesprochen worden. Niemand habe auch die Absicht geäußert, Herrn Bergmann zu sehen, um von ihm Aufklärungen zu erlangen. Er, Poincare, sei der erste gewosen, der eine Ansicht über die deutschen Vorschläge bekanntgegeben habe, und er habe die Befriedigung, festzustellen, ttafj sie ohne Rückhalt von allen seinen Kollegen geteilt worden sei. Poincare sagte dann, nach dem „Petit Parisien", weiter In der Fvage der Pfänder dürfte das nicht genau so sein. Nach dieser Richtung scheiden sich der französische und der britische Standpunkt vollkommen. Die öffentliche Meinung Englands in diaser Frage sei erregt. Er habe in der klarsten Weise erklärt,-und er werde es am Freitag im Parlanvent wiederholen, daß Frankreich kein Moratoriunl, so wrz es auch sein möge, bewilligen könne, ohne Pfänder zu nchnren. Er habe sich formell seine Handlungsfreiheit Vorbehalten, hege.jedoch die Uchrezeugüng,-daß, wenn im Verlauft dev neuen Beratungen im Jänner ein EinvetU'ehmen Englands für eine gemeinsame Aktwn nicht erzieltÜverden würde, es t dock nicht zum Brucks a^rda

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