Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-12-13 · Heft 1380 (13.12.1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1380 (13.12.1922)
Date
1922-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980460--13144-2999762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

*nr-r ^^^vg^gTr^rs-p- >fW‘^p?,r ,’ '1' - , ' ^. >v' ' . EinzelnrnmnerKlOOG Wien: Zum Abholen in der Expedition, U.,Taborstr.l-3, oder in «inerVerschleisstelle (Trafik) monatl« K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tache eh o-Slowakei: Mon. K. 17. Un g a r n: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 3500. Deutschland:- Mon. Mark* 800. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 Wiener MT Naetigabluns'en “9t trti Preiaeriiphunjeti Vorbehalten Dfl Nr. 1380 _Wien. Mittwoch. 13. Dezember 1922 rsehechooSlowakeS i ftschecti.K 1*20 Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, 'Bulgarien: Monatl- 60 Lei berw- Lewa Schweiz und das Übrige Ausland monatlich Frcs. 3« Redaktion u. Administration ^Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-A19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: .Morgenzeitung"' Wien Oesterreichisches Postsparkassen Konto Nr. 150.693 gWBWWMWBW» j illllllllllllll 4. Jahrgang Das Moratorium der ßntente. —y. Wien, 13. De'ember. Die Ministerkonferenz in Lyndon ist abgebrochen worden. Der französische Ministerpräsident, der den Auftrag hatte, unter Ausnützung der schwierigen Verhältnisse des englischen Kabinetts eine Einigung über die Behandlung des-deutschen Moratoriumsgesüches schon jetzt dnrchznsetzen, ist unterlegen und kämpft vielleicht heute um die Erhaltung seiner Regierung. Er hat zwischen den ihn drängenden Nationalisten, die die Sprengung Deutschlands und die Besetzung, des Nuhrreviers verlangen, und den Industriellen lavieren und ein ihren Wünschen entsprechendes Programm vertreten wollen, welches ein Moratorium für Deutschland unter Pfändung des Ruhrgebietes in Bindung mit den französischen Schulden an England und Amerika bringt. Wer England warf selbst die Frage seiner eigenen Schulden an Amerika auf uwb Italien ließ durch Mussolini einen kräftigen Anteil an den, Reparationsgeldern reklamieren, die bisher nur in die französischen und belgischen Kassen geflossen waren. Da eine Einigung unmöglich schien, ehe Amerika gesprochen hat, vertagte man die Konferenz >und hofft sie anfangs Jänner fortsetzen zu können. Bei dieser Gelegenheit will man zu Beschlüssen gelangen, die Mitte Jänner einer Plenarkonferenz der großen und der Mnen Entente vorgelegttwerden sollen., . Es würde also scheinen, als läge die Entscheidung wieder 'bei Amerika, von dem jetzt ein Schuldnachlaß öderem Ausgleich derErttenteschulden mit den Neparationssummen verlangt werden wird. Nun schuldet Frankreich an England allein11 Milliarden' Goldnrark, an Ämerika ebensoviel, verlangt aber von Deutschland insgesamt 130 Milliarden Goldmarki Deutschland müßte aifc M Jeittcn; als dieser zu bezahlen W, und in iE vom MutsÄWüh' behaupketen ll'nmöglichkert der' A'usbvingüitg einer svl-> chen Summe bei dem. derzeitigen Stand der Papiermärk stecktdas eigentliche Problem. Denn selbst eine Streichung .der .französischen Schuld durch.Amerika oder selbst ihre Kompensierung, durch deutsche Zahlungen vorausgesetzt, bleibt noch ein Rest von.elloa hmlliert Milliarden Goldmark, zu deren - halben Leistung sich seinerzeit Rathenau bereit fand, die aber heute kaum mehr aus der Papierwirtschaft Deutschlands herausgezogen werden Vnnen. Da sich nun das Kabinett' Poincare entgegen allen Warnungen des re gl und nüch tern rechnenden Loucheur aus diese Summe festgelegt hat, ist das Problem wiedsr in den Brennpunkt der französischen Innenpolitik geschoben worden und die Poincaresche Blockmajoritat der Kammer setzt ihrem Meister scharf zu- Sie rechnet ihm' vor, Laß Frankreich für-den Aufbau der im Krieg verwüsteten Norddepartements bereits 90 Mil-, liarden Franken vorgeschossen und die Steuerschraube gewaltig, angezogenhat. Solcher! Argumenten - kann ein Ministerpräsident schwer widerstehen,'- der. selbst -aus das chauvmistische Programm eingesclMoren ist und zudem Tag für Tag die Nacheschreir . der alldeutschen . Chauvin'rsten vernimmt. Er muß -in der Entente mit England bleiben, die heute bei der Unverläßlichkeit Italiens eine unbedingte, Notwendigkeit fihc Frankreich ist, und, er muß jede Freundlichkeit Englands mit einer schwer wiegenden Konzession, in Bovderasien. honorieren- Die französische Diplomatie hat. in, Lausanne mit großer Geschicklichkeit bisher jede Entscheidung vereitelt und es ist ihr sehr zustatten gekommen, daß die russischen Vertreter gleichfalls aus eine Vexschleppnng hinarüeiten, um ungestört die Bereitstellu ng ihrer militärischen Kräfte für eine kriegerische Lösung zu betreibend Die Ergebnislosigkeit der Londoner Konferenz muß jetzt auch auf die Lausanner Beratungen wirten, in die jedenfalls ein schärferes Tempo kommen wird. Die Entente steht wieder vor einer Probe auf ihre, Festigkeit und das auf einem Gebiet, wo, ihre heikelsten Interessen in Frage kommen und wo, Inas das Wichtigste ist," England heute nicht mehr so unbedingt ans die Unterstützung Frankreichs angewiesen ist. B isher hat sich' in Lausanne keine besonders üefe Memungsdifferenz zwischen den Ententestaaten ergeben- und es hat ganz Len Anschein, als ob sie die deutschen Reparationen nur zum Anlaß nehmen wollten, abseits. von jeder -'Beobachtung durch Türken und Russen eine Untersuchung "der -psychischen Grundlagen ihres Bündnisses anzüstellem. Auch nach dieser Seite hin hat die Londoner Konferenz nichts ergeben. Natt M drei Tage lang beraten - und/ ist dann "auseinander gegangen mit dem Borsatz, später wieder zu beraten. Jede Macht kam Mit anderen Vyrjätzen: England wollte die Entente so wie tze' besteht," Hue sie dex Gejaür eitles Warschau, 12. Dezember. Nach einer offiziellen Mit- ' terlung wurde gestern durch die militärische und polizeiliche Intervention die. Ordnung wieder hergestellt. Bei den , blutigen Zusammenstößen zwischen den Demorrsiraten und Arbeitern gab es, wie „NzeczPospMta" mitteilt, vier Tote und zehn Schwewerl-etzde. Unter den Schwerverletzten befindet sich u. a. der sozialiftische Abgeordnete Piotrowski. Die beiden jüdischen Abgeordneten E r b nt a n n und K o >w a lskr to n r d e n m i ß h a n d e l t. Die Demonstranten nr Iß handelten auch einige Mgeordnete 'Mt Volkspartei, unter 'ihnen dieLbgeordmien Amsz und Szvdlowski. Dian befürchtet, daß Abgeordneter Piotrowski seinort Verletzungen erliegen wird. . Wie die Blätter melden, riefen die Straßenkundgedungen unter den AbIvondneten der Linken große Aufregung hervor. In den Couloirs des Sejm kam es zwischen dem ehemaligen Ministerpräsiderr ten Mornczöwski und General Haller zu einem Wortwechsel. Dtoräczewsti beschuldigte den Getteral, daß, er die nati'-rla!-' demokratische Jugend zu -den Straßenunruhen a-ufgeforde.rt habe. Als sich Mimfter. -de^Iß^m,.Katmenski :vrr. Parlament zeigte-, machte Han W;iN-Marschall' Rataj Vorwürfe, daß er nichts getan habe, -um die Unruhen zu, verhindern. Abgeordneter Dr.' Diamant forderte den Mi fort. Abends wurde, wie bereits genteldeh der Kommandant der Warschauer Polizei Szitows'ki vom -Amte suspendiert und heute der Staatsanwaltschaft überstellt. Der Minister des Innern entschloß sich, z-uvnckzutreten und seine De» misiion wur>. sofort angenommen. Zn seinetu Nachfolger wurde provisorisch der bisherige Minister für öffentliche Arbeiten und soziale Fürsorge Davowski bestimmt. ' Abends fand eine gemeinsame Sitzung der Vorsitzenden der parlamentarischen Klubs statt, in der beschlosion wurde, eine genreimsame Kundgobug an die Bevöllevung zu richten, worin diese zur Aufrechterhaltung der Ordung ermahnt wird. Die rrationalidemokratifchen Blätter erließen Nrch oestern abends eine K-nndmachung an alle Detn-onstcanten, sich weiterer Kundgebungen zu enthalten. Eine ähnliche Kundmachug Mrde auch von seiten der Regierung an die Bevölkerung erlassen. Die „Polnischen Stimmen" melden aus Warschau: Der Grund des gegen den Ausgang der Präsidentenwahl von unverantwortlichen Elementen inszenierten StraßenaufMes, ist die der Enttäuschung zu sucMc, dH nach der Rtsderlagedc-3 uatiormMAOkrätisch-en^rkandida-ten brr einem Teile der Natiönaldemokvaten sich einstellte und in Demön'ftrationen sich auswirtte. Heißsporne glaubten, die PräsidestiMwahl dadurch zu vereiteln, baß sie die Ayge- - Äettg^oahltettt Präsidenten. durch toevl^inheteit M' hsttfällig erwies m-MDkästdent Na ruto W'i ez j^tk' von der' Konsüt-ttion Ä^WM'vtckbenen E id g e l e i ste t hat, entfiel für die. Demonstranten -der Zweck , weiterer Rtlhesiörungen und deshalb gaben , sie auch ihr Spiel auf. Wa'hingkon, 12. Dezember. (Funkspruch.) Die Regierung hat beschlossen, auf die Erledigimg des Gesetzentwurfes t^urch dr» Kongreß noch in -er, laufenden Tagung zu dringen, durch den die Ermächtigung erteilt wird» 30.000 Depots im Betrage von 1000 bis 10.000 Dollar freizugeben, die der Verwalterbeschlagnahmten fremden Eigcnwms in Verwahrung Hatz. Nach amtlichen Schätzungen betvagen die kleinen Depots 93 Prozent der Gesamtheit. Der Depotverlvalter - ist der Menmng, i datz durch die Zurückhaltung von 7 ProzeM der Gesamtheit die berechtigten amerikanischen Gegenforderttngen/ an Deutschland reichlich gedeckt würden, und daß die amerikanische vor dem Kongreß. Regierung durch die Freigabe der kleinen Summen fcfc tvirts Gastliche Erholung Deutschlands unterstützen könnt:. Bon den 500 Millionen Dollar amevt» kanrscher Forderungen entfallen 190 Millionen aus Schadenersatzansprüche ' wegen Versenkung der - „Lusitania". Einige amtliche Persönlichkeiten sind der Meinung, daß diase Ansprüche d u r ch Nachprüfung wesentlich herabgesetzt werden könnten. Der Senat genehmig t e die Vorlage,' durch die die Frist für die Einreichung voor Anträgen auf Rückerstattung fretnven Eigentums bis. zum 2. Jänner nächsten -Jahres verlängert wird. deutschen Zusammenbruches äuszu setzen; Fvankreich wünscht freie Hand gegen Deutschland und Italien blieb fest bei der Mussolimschen. Opportunitätspolitik. Positives nicht zustande gekommen. Da aber in der Politik manchntal auch das Negative eine wichtige Tatsache ist, so kann man das Resultat der Londoner Beratungen dahm zusammenfaflen, da^ die En^nte noch nicht auseinanvergefallen ist. Es wird sich nunmehr darum handeln, welche Macht das stärkste Jnteresie an dem Fortbestand dieses Bündnisses hat und ob Poincare imstatche sein wird, der'Estttäuschung seiner Majorität die Stirne zu bieten. Einsttveilen hat er, wieHiü Gesinnungsfreund - und ungeduldiger Nachdränger Tardieu sagt, ein Moratvrium erhalten. , . Der GeneralkommWr kommt. G e n f, 12. Dezernber. (Havas.) Der Völkerbund läßt verlautbären: Die holländische R^ierung hat Dr. Zimmermänn einen urlnub vewilligt «nd ihn bis znm 1. April 1923 von seinem Poften als Bürgermeister von Rötterdam etlthö-rm Dr. Zimmermann wttdL in W i e n rsfiTr ii piniiii in irr r in— n-iinniirnrniminiiiwi i—n iiiim i' am 18. Dezember seine Stellung als Gene» roilkommissLr des Völkerbundes antrete«. -ir Bürgermeister Dr. Zimmermann. -''' -An die österreichische Regierung ist gestern vomGe» nevalsekrttär des Völkerbundes Sir Eric Drummond folgendes Telegramm emgelauftn: Dr., Z i'm m e r m a n n übernimmt entsprechend der an chn ergangenen Einladung des' Völkerbundvates. — zunächst provisorisch -his z u m 1. A p r i l — dje- Funktionen des GeneralkvwMissärs für Oesterreich. Er wird in den nächstett Tagen m Wien einttoffmi / Daß Gvnevalkommifsär Dr. Z i m m ermann am 1. Aprll nach Holland^ zurückkehron will, wird an informier-- ter Stelle dahin interpretiert,' daß Herr Dr. Zimmermann,!«r.bekcm-üterwei!se die.amtliche Stellung eines Oberbürgevmeifters von Rotterdam, innehat, zu dom an- Mvbonen Zeitpimikte zwecks Liquidierung seiner Acktsage nden nach Hause fahren muß und nachher wieder nach Wen zurückkchren wird. . . . 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.