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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-10 · Heft 1377 (10.12.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1377 (10.12.1922)
Date
1922-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IfmelnnmmerKiOOQ Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL.Tabbrstr. 1*3, oder in einerVerschleisstelle' Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschech o-Slowakei: Mon. K17, Ungarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 3500. Deutschland: Mon. Mark 800. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 QSV* Naehxahlunjren "UW %ei Preiserhöhungen Vorbehalten Rr. 1177 Besuch in Mdapest. —y. W i e n. 10. Dezember. In Budapest werden für den Besuch des österreichischen Kanzlers Dr. Seipel große Vorbereitungen getroffen. Die Verantwortlichen und die Unverantwortlichen rüsten sich, dem Besuch einen ihren Zielen entsprechenden Charakter zu geben. Es soll eine große, mit den bewährten Mitteln magyarischen Festefeierns in Szene gesetzte Verbrüderung ausgefirhrt werden, von der man sich eine tiefe Wirkung in den angrenzenden Ländern verspricht. Da beide Staaten durch die Friedensverträge in ihren berechtigten Interessen verletzt und in der freien Entfaltung ihrer wirtschaftlichen Kräfte gehindert werden, so glaubt man in Ungarn, bei der österreichischen Delegation gleichklingende Saiten berühren zu können. Oesterreich soll mitgerissen werden in dem aktiven Protest gegen die Friedensverträge und zu Aeußerungen der Sympathie für das in Ungarn derzeit herrschende System veranlaßt werden, die dann nach außen und nach innen zu verwenden wären. Nach außen, um im Völkerbund, dem Oesterreich und Ungarn angehören, die Isolierung des Horthy-Staates zu überwinden, nach innen, um durch die neue Freundschaft die murrenden Stimmen der Unterdrückten zu übertönen. Natürlich wird auch; bei dieser Gelegenheit der Versuch unternommen werden, eine glänzende Parade des internationalen Antisemitismus zu reiten. Wie es in Ungarn damit steht, ist bekannt. In Oesterreich haben sich in der letzten Zeit neue hoffnungsvolle Keimlinge dieser Drachensaat gezeigt und hier wie dort gilt das Judentum als der zuerst und am leichtesten erreichbare Teil der Demokratie. In Ungarn ist der Kampf vom der Niedertretung des Judentums ausgegangen und hat sich entwickelt, das das ganze Land in einen Kerker perwach delt, an dessen Toren die Ebredö-Garde des Horthy Wache hält über den „christlich-magyarischen Charakter" des tausendjährigen Königreiches. Den Juden hat man es besorgt. Man hat sie erschlagen, ausgeraubt, »aus den Wohnungen gesagt. Ihr Widerspruch ist von den wöhldressierten Gerichten erstickt worden. Nun das Experiment gelungen ist, steht seiner Ausdehnung auf alle Schichten, die sich dem weißen Terror nicht fugen wollen, kein ernstes Hindernis mehr im Weg. Wer sich widersetzt, wird eingesperrt und es gibt in Ungarn Richter genug, die es genau verstehen, was Horthy als Widersetzlichkeit imfgesaßt und bestraft wissen will. Für dieses System, das für sich allein nicht bestehen kann, suchen die diversen ,,'Errvachenden"-Ausschüsse, die sich den Namen nick) die Macht der Regierung usurpiert haben und denen der Staatsapparat bedingungslos gehorcht,- Verständnis und Unterstützung. Die stehen in ständiger Verbindung mit den „Constll"-Mördern in München, mit den Wiener Orgeschlcuten, mit den Warschauer Nationaldemokraten. Sie haben durch ihre Agenten eine Universitätsrevolte in Klausenburg entfesselt, bei der ein jüdischer Mediziner ermordet wurde;, sie berauschen sich an dem Elan, mit dem Mussolini seine Schwarzhemden zum Siege gefi'chrt hat, und erwarten von ihm den Kriegsruf gegen Iugostawien. Sie suchen in aller Welt die Elemente des Hasses und der Reaktion auf, um sie zu einem festen Bund zu vereinen, der nach ihren Prinzipien einheitlich arbeitet und auf dessen Weg als erstes Opfer das^udentmn fallen soll. Es' ist eine sonderbare Gesellschaft, deren Hände-' druck und Freundschaftsgruß der Kanzler entgegennehmen wird. Der Pazifist Seipel, Lammasch' Freund, wird zwischen enragierten Kriegshetzern stehen und ihr Säbelrasseln wird' ihn an die Art erinnern, wie sie ihrem gekrönten König die homagiale Treue gehalten haben. Es wird ihn auch an ihren Einbruch in das Burgtznland erinnern und an ihre Kunst des Abstiminens, die sie vor jetzt genau einem Jahr in Oedenburg geübt haben. Er wird daran denken müssen, wie diese Gesellschaft die österreichische Krone heruntergeahrfeigt hat und-wie sie vom'ersten Tag ihrer Herrschaft an die Konsolidierung der/ österreichischen Republik mit allen Mitteln her Korruption und Erpressung zu hintertreiben bemüht war. Alle, Länder, die an dieses Ungarn grenzen, begegnen diesem System mit berechtigtem - Mißtrauen und meiden nach Tunlichkeit den' Verkehr mit ihm. Sie werden auch, den Besuch des Kanzlers Seipel mit der schärfsten Aufmerksamkeit beobachten und Herr Seipel wird sich mit' viel- Vorsicht wappnen müssen, Um seine Höflichkeit nichtder' Gefahr der Mißdeutung und des Mißbrauches aussetzen zu lassen. - rener Ts£hechosSlo«8kei t tschech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lira Rumänien, Bulgarien] Monatl. 60 Lei bezw. Lewa Schweiz und das Übrige Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Tabcrstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab o Uhr abends 16-301, TcL-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Wien. Sonntag. 10. Dezember 1922 4. Fm fünfte« Wahlgang gewühlt. Rarutowicz, Präsident der polnischen Warschau, S, Dezember. (P. T. A.) Zum Präsidenten der polnischen Republik wurde der gegenwärtige Minister des Aeustern Narutowiez gewählt. Die Sitzung der Nationalversammlung begann um 12 Uhr mittags und dauerte bis halb 8 Uhr abends. Formell waren fünf Kandidaten ausgestellt, und zwar seitens der Sozialdemokraten der Abg. Ignaz D a szynski, seitens der Volkspartei der ehemalige Ministerprüfi-ent Wosezech o w s k i, seitens der Radikalen Volks- Partei der gegenwärtige Minister des Aeustern Narutowiez, seitens der Rechten der Polnische Gesandte in Paris Graf Zamoyski und seitens der Minderheit Prof. Bandoin de Conrtenay. Im ersten Wahlgang erhielten Zamoyski 222, WoseLechowski 103, Narutowiez 62, Baudot n j de Courtenay 163 und Däszynski 48 Stimmen. Im zweiten Wahlgang erhielten Zamoyski 228, Wosezechowski 152, Rm rutowiez 151, Bandoin de Conrtenay 10 und Däszynski eine Stimme. Im dritten Wahlgang erhielten Zamoyski 228, Nartrtowiez 158,. WoZezechowski 150, Bandoin de Conrtenay 5 Stimmen. Im vierten Mahlgang erhielten Zamoyski 224, Narutowiez 171 und WoZezechowski 146 Stimmen. Iw fünften Mahlgang erhielten Narutowiez 280 und Zamoyski 227 Stimmen. Da also der Minister des Reustern Narutowiez die absolute Mehrheit de« abgegenen gültigen Stimmen aus sich vereinigte, erklärte der Vorsitzende der Nationalversammlung Präsident Rataf, dast Minister des Aeußern Narutowiez zum Präsidenten der polnischen Republik gewählt sei. Nach Verlesung des Protokolls wurde die Sitzung geschlossen. Montag findet die Angelobung des neuen Präsidenten der Republik -statt. €>© „Wirtschaftliche , und nicht das Siel." S o n d o n, 9. Dezember. (Wolfs.) Bonar Law besuchte heute vormittags die Ministerpräsidenten P o i n e a r e und M n s s o 1 i n f im Hotel und hatte mit ihnen eine vorläufige Besprechung. Lon don, 9. Dezember. (Wolfs.) Die gesamte Presie weist ans die Bedeutung der Konferenz der vier alliierten Ministerpräsidenten über die Reparationsfrage hin. „Daily Telegraph" meldet, Japan habe neuerlichen Antrag auf Zulassung zur Konferenz gestellt. Bonar Law habe die Premierminister Belgiens, Frankreichs und Italiens für heute abends zu einem Essen im kleinen Kreise eingeladen, an dem auch Bradbury und Lord Derby teilnehmen werden. Wie „Times" schreiben, habe die Konferenz das Ziel, eine wirtschaftliche Wiederherstellung zu erreichen und nicht Zwangsmaßnahmen, wie die Besetzung des Ruhrgebietes und die Uebertragung der Verwaltung der Rheinlande an französische Beamte, durchzusetzen, die eine finanzielle Erholung Deutschlands und eine Stabilisierung der Mark unerreichbar machen würden. Strenge Pressionsmastregeln und Sanktionen dürfen nur angewendet werden, wenn sich die deutsche Regierung weigern sollte, die ihr auferlegten Maßnahmen durchzuführen. Eine Anleihe irgendeiner 2lrt sei unmöglich» bevor die deutsche Wahrung stabilisiert sei. „Daily Telegraph" schreibt, in der Mehrheit der britischen Kreise herrsche eine hoffn un gs volle Me in ung über gewisse Seiten der deutschen Anleihevors ch I age, da die neue deutsche Regierung eine Regierung der deutschen Industriellen sei. Frankreich fei sich bewußt, dast eine Beschlagnahme des Ruhrgebietes und eine Ueber nähme der Rhein lande in eigene Verwaltung in der britischen öffentlichen Meinung auf Ablehnung stoßen würden und daß sich die Amerikaner gewiß noch energischer widersetzen würden. Wen« England abseits stündewürde Amerika die Aktion verurteilen. Diese Erkenntnis erkläre zweifellos die Poineare zngcschriebene Neigung, die Erörterung auf ein von Garantien abhängiges Moratorium zu beschränken. Für ein bedingungsloses Moratorium trete niemand mehr ein. Der Reichslanzlerlsnferiert mlt dem ftauzSfi. Men Gesandten. Berlin, S. Dezember. Nach dem „Berliner Tageblatt" hat Reichskanzler Cuno heute den neuen französischen Botschafter zu einer längeren Unterredung empfangen. Re Antwort der Deutschen Regierung. Verlin, 9. Dezember. Wie die Blätter Melden, wird die Reichsregieryng die Antwortnote an die Botschafttrkonfererrz wegen der Vorfällevon Passau und Ingolstadt heute abstydgn. Morgen dürfte die Antwort-: note wegen der Umwandlung dev militärischen Kontrollkommission in ein Garantiekomitee abgehen. Sauffd. .Gesandter in Paris. Budapest, 9. DeFMbvr. Die Blatter bezeichnen die Gr- «enmmg deZ MmWrs idcs Aoußoni Graf« V-ÄokmL BemK» zum rmgemlschM ©qmtfotoit m Paris als volleaiDete DatsaF-e. Ueiber svmen Mchfolger sei noch leine Entscheidung, getroffen. Die ursprünglich geplau!« Ern«mumg «des Abg. Grafen Wni Teleki zum Minister 'des Ae-nßern sei durch dessen schwere VrkvaN'krng hmfällig geworden. Sin Semen« der bulgarischen Rrgiernm. Sofia, 9. Dezeinber. (B. T.-Ag.) Das heule aus Paris verbreitete Gerücht'über die Ermordung der ehemaligen Minister Geschow, Ternew uud Malinow . entbehrt jeder GruMäge. Die Mitglieder der Regierungen Geschow, Da-- new .und Malinotv, befinden sich . mitz. Ausnahme von Geschow, der seit sechs Monaten im Ausland Iveilt, in voller Sicherheit im Gefängnis von Schumla. Eine Goldkrone 14.59Q Pavierironen. Die GeMstslellnng -der Oesterreichifch-un garischrn Bümk teilt mÄ, daß die Goldparität (Umrechn ungsverchÄtnis betreffend die Aollzählnngen in Gold) fist die Periode vom 11. Dezembsr biS17.DeKAwber 1932 M 14.600 K. tzoie in der Bor-- > Woche) festgesetzt worden 1

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