Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1375 (8.12.1922)
- Date
- 1922-12-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sit. 1376 Wien, Freitag_ Vnnln tfflr jaJlscln eschlnht» and Literatur in WIen Samstag den 9. Dezember l.J. im Saale des Ingenieur-und Architektenvereines, I., Eschenbachgassc 9 des Herrn Unlversitätsprofessors Dr- Leon Kellner über des Herrn Universitätsprofessors Dr- Leon Kellner über „Die luden In der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Beginn 7 Uhrabends Eintritt frei Oäste willkommen den und tätigen Vaterlandsliebe in unseren Herzen hegen wollen. , Reichsverweser Horthh antwortete: Wärmste Freude hat mir diese Kundgebung der Jugend bereitet. Mit gläubigem Vertrauen blicke ich in die . Zukunft, wenn ich in echte ungarische Herzen schaue. Die ungarische Jugend gibt das edle Beispiel, die Jugend, der ein kampfreiches, schweres Leben , zuteil geworden ist. Verzaget aber nicht, denn dies verleiht Kraft zu den weiteren Kämpfen, Heute noch blutet dieses arme Land, doch ich weiß, daß wir uns auf dem Wege der Besserung befinden. In den jungen Augen spiegelt sich die Zukunft, eine vertrauenerweckende ungarische Zukunft. Die Rede des Reichsverwesers wurde mit stürmischen Ajen-Rufen ausgenommen. Hierauf löste sich der Zug, an dem etwa 10.000 Personen teilnahmen, auf. Pole«. Witos als Kandidat Mr die MMer« Präsidentschaft. Warschau, 6. Dezember. (Tel. der „Wiener Movgenieituirtz".) In den Kreisen der Minoritätengruppen herrscht große Verstimmung, weil deren Vertreter zu der mit P ilsudski albgehaltenen Konferenz, nicht erngeladen wuÄen. Dies« Verstimmung richtet sich insbesondere gegen die sinken Parteien, diedie Forderung der Minoritäten Nicht tatkräftig unterstützt haben. Wie verlautet, werden die Minoritäten diese Ignorierung nicht tolerieren und demgemäß die Kombinationen der Linksparteien nicht unterstützen. Man kann den Zusammenschluß der Witos-Gruppe mit ten NatromÄdemokraten als vollzogene Tatsache ansehen. Allerdings sind die radikalen Elemente der Witos-Grnppe damit nicht einverstanden, da sie auf keinen Fall die Ueberzabe der Regierungsrnacht an die Nationaldemokraten zufassen wollen. Man rechnet sogar mit einer Spaltung der Volkspartei, falls Witos seine Koalition auch weiterhin aufrecht erhalten wird. Wie in gut unterrichteten Kreisen der Volkspartoi verlautet, aspiriert Witos auf den Posten des M in ist e rp r äsr de n te m Er soll, wie seine Freunde behaupten, beolbsichtigen, ein Mmisteriuw, dem größtenteils Nationaldonrokmten , amgehören würden, zu Hilden. Einige Ministerportefeiülles will er seinen Parteigettosfen und -der nationalen Arbeiterpartei lassen. In diesem Falle lvüvden die Anhänger Mtos die Wahl eines gsmäßighen nationaldomotvatischen Kandidaten zum Staatschef unterstützen. Prlsudski dagegen soll als Konzession an die linken Parteien, das Oberkommando der Armee weiter behalten. Die Nationald§inockraten haben bereits die Kandidatur des jetzigen SenatSmavschalls Trompezynski zum Staatschef proklamiert. Witos bestrebt sich nun innerhalb seines Klubs für diese Kandidatur Stimmung zu machen. Schon die erste Interpellation der Nationaldemotraten auf Nnbrrngung eines Kreuzes m den Beratungssälen des Sejms, um die Suprematie der katholischen Kirche in Polen siir unterstreichen, beweist, »velche Tendenz der neugeschaffene Block der Nationalde-mokraten mit Mtos zu verfolgen gedenkt. Einen unangenehmen Eindruck hat der deimmstrative Exodus der Ukrainer unk Weißrussen wahrend der Rede des nengewählten Marschalls Rataj (Wttos-Partei), gevwcht. In einem Gespräch mit Journalisten erklärte der Präsident des'ukrainischen Klubs, daß dieser Exodus als eine Demonstration gegen die gegenwärtige Führung der Witos-Partei auifzusassen sei. Die Ukrainer und Weiß-!mssen 'werden den scharfften Kampf gegen Witos führen, so lange er seine Ausrottarngspolitik gegen die nicht politischen, slawischen Minderheiten in den östlichen Gebieten, speziell aber die Kolonisationspolitik führen wird. Obzwar Rataj mit Hilfe der nationaldemokvatischen Stimmen zum Sejm-Marschall gewählt wurde, hat kurz vor ferner Wahl ein Teil der nationaldemokratischen Presse, insbesondere der „Dziermik Poznanski", scharfe Angriffe .gegen ihn erhoben und ihn beschuldigt, der Freimaurerorgwmsation amzugehören. Diese Presse befürchtet, daß Rataj als Freimaurer das tun iverdc, was die Großloge >on chm verlangen werde. Ae Studentenerreffe. Warschau, 4. Dezember. (Tel. der ,Mr. Morgonzevtung".) Jir der letzten Svjmsitzung interpellierte Abg. Dr. Thon namens des jüdischen Kliulbs m Angelegorchert der Unterstützung der antisemitischen SdudvnterlexKesse durch die Behörden, . Asserrtirnmgen in Lemberg. Lemberg, 6.Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenztg") Der Lemberger Magistrat publiziert Ausschreibung der Assentierungen für die Jahrgänge 1900 und 1901. Alle Wiener Morgenzeitrrng. 8. Dezember 1922 Seite 3 ♦ Sie Folge der UnibetütätS’ÄratoaHe. Herr Diener, von arisch-völkischen Gnaden Rektor der Wiener Universität, ist eine verkannte Größe. Er ist ein Mann, der. fest, mit beiden Füßen, voll und ganz, auf dem Boden des Gesetzes steht. Es ist ihm gar nicht m den Sinn gekommen -77 so läßt eine „ihm nahestehendes Seite in der „Neuen Freien Presse" erklären die ganz unmöglichen Forderungen des arischen Memorandums zu billigen. Er habe es ja gleich gesagt. Dass Nämlich die Forderungen unerfüllbar seien und den Stöktsgrundgesetzen zuwiderlanfen. Aber das arme Rektorat habe sich in einer Zwangslage befunden. Schade, daß sich der Diener in seinen Gesprächen mit den Ariern so undeutlich ausgedrückt hat, daß sie ihn mißverstanden haben. So gründlich mißverstanden, daß sie ihm das „Vivat academia" vorsangen und ihn am folgenden Tag durch einen strammen Parademarsch ehrten. Auch in der Verhandlung'mit den jüdischen Studenten hat , er offenbar mit unklar gesprochen und sie wegen einer Affäre gerügt, die ihn überhaupt nichts anging. Er hat auch am Tage vorher seine Bereitwilligkeit, sie zu rügen, wahrscheinlich nicht ausgesprochen. Die arischen Studenten haben die ganze Geschichte offenbar nur geträumt. Seine Magnifizenz hat sich einige Tage Zeit vergönnt, ehe er diese neuen unschuldsvollen Mitteilungen machte. Er hätte wahrscheinlich, der brave Mann, noch länger geschwiegen und die Vertrauenskundgebung der Großdeutfchen Volkspartei studiert, wenn nicht ein unerwartetes Ereignis eingetteten wäre, das ihm das Gedächtnis schärft. Das Ereignis besteht darin, daß sich die Judenschast diese ganze Wirtschaft nicht gefallen lassen will und alle die braven Herren dort faßt, wo sie verwundbar sind. Die Juden wollen kein Geld mehr hergeben und sie wollen es nicht länger dulden, daß mit ihren Mitteln ihre Todfeinde ernährt werden. Die Herren sind Antisemiten. Gut. Sie nehmen jüdisches Geld-sehr gerne an. Zwischen diesen beiden Dingen stellen sie keine Verbindung her; denn nach dem Moralkodex der Arier heißt bekanntlich deutsch sein, eine Sache um ihrer selbst willen tun. Juden für vogelftei ansehen und außerhalb jedes Gesetzes stellen, ist eine Sache, die um ihrer selbst willen zu geschehen hat. Sich von ihnen aushalten lassen, fällt gleichfalls in . das Schema der arisch-völkischen Doppelmoral. Aber nun stellt das Judentum die Verbindung zwischen den beiden Dingen her: Wenn ihr uns schon so bitter haßet und uns für unwürdig der akademischen Ehren und des Studiums haltet, so bezahlt euch eure Mensen und Professorentische, über denen das Hakenkreuz prangt, aus eurer Tasche. Das steht so fest, wie die „Wacht am Rhein". Es ist den Rektoren in der. ganzen Affäre niemals der Gedanke gekommen, wie denn eigentlich das Judentum darüber denke. Sie haben sich, wie der Antisemitismus überhaupt, in die Idee versponnen, daß das Judentum immer nur der passive Tell sein müsse. Sie waren sicherlich zu dieser Annahme berechtigt. Denn bis zu dieser Angelegenheit verharrte das gesamte Judentum, so oft es provoziert wurde,-in lächelndem Schweigen. Es schluckte seinen Zorn hinntner und blieb weiter lammesgednldig und ergeben. Aber die schändliche Art, in der jetzt eine Attacke gegen die Anteilnahme der Juden an Bildung und Wissenschaft eingeleitet und durchgesetzt wurde, hat in dem Judentum voll heute ganz anders gewirkt. So lange die Rektoren sich vor» sichtig im Hintergrund hielten, konnte man so tun, als glaubte man an keine allzu starke Ueberschreitung der Unparteilichkeit. In dem Augenblick aber, wo der Rektor das die Inden diffamierenden Memorandum der Arier als brauchbare Grundlage zu Verhandlungen erklärte, mußte jede Selbsttäuschung zur Lächerlichkeit werden.-Man sicht nicht mehr aufgehetzien Jungen gegenüber, sondern den geistigen Führers dieser Jugend, die mit der Autorität ihres Amtes die Demagogie decken. An dieser Tatsache kann selbst die entschlossenste Assimilation nicht mehr vorbei, und sie muß so Stellung nehmen, wie sie es jetzt in Wien tut. Das ist aber erst der Beginn. Auch die Judenschast des Auslandes wird das ihre darzntun müssen, daß die beamteten und bebarteten Hetzer zumindest etwas vorsichtiger werde». Eingestellte UnterWtzuugen. Wie der „Tag" meldet, hat der „Verein zur (£** Haltung der Wiener Universität" als Antwort aus die jüngsten Krawalle der völkischen Studentenschaft ustd deren aktive Unterstützung durch die akademischen Behörden seine Tätigkeit eingestellt. Eine sehr erhebliche Geldsumme, die in den letzten Wochen Schweizer Mäzene der» Mein zür Verfügung gestellt haben, wird nicht mehr zu Händen des.Rektors erlegt werden, sondern sie soll Prrn fessor Tandler ubergeben werden, der sie nach seinem Gutdünken im Interesse der Wierrer Wissenschaft verwette den soll. Die ausländischen Freunde der Wiener Universität sind in keiner Weise geneigt, statt wissenschaftlicher Arbeit völkische Paraden za finanzieren.; Vor einiger Zeit ist ein holländischer Abgesandter mit 100.000 holl. Gulden ans dem Ergebnis einer Sammlung seiner Heimat nach Wien gekommen, die den geistigen Arbeitern zugedacht waren. Er verlangte die Einsetzung eines Kuratoriums, dem neben den Wiener Vertrauensmännern der' Holländer auch der Rektor Diener artgehört hat. Die von dem Kuratorium beobachtete Praxis, Unterstützungsgesuche, die von den Vertrauensmännern der Holländer befürwortet waren, zu verschleppen oder unberücksichtigt zu lassen, dagegen jene aus den Kressen, die dem Rektor naheftehen, zu bevorzugen, veranlaßte die Vertrauensmänner der Holländer, aus dem Kuratorium anszuscheiden. Bor einigen Tagen traf der holländische Delegierte mit einer neuerlichen großen Spende in Wien ein. Als er von dieser Praxis und von den Vorgängen an der Wiener Universität erfuhr, richtete er an den Rektor D i e^ n e r unmittelbar die Aufforderung, aus dem Kuratorium auszuscheiden. Wenige Tage nachher haben die hoU löndischen, englischen und schwedischen Ko^ mitees, die sich für die Wiener Universität und für unsere geistigen Arbeiter interessieren, den Beschluß gefaßt, alle weiteren Zuwendungen einzustellen, zumindest bis zu dem Zeitpunkte, in welchem ihnen wieder Sicherheiten für die unparteiische Verwendung der gespendeten Mittel geboten werden würden, : Männer, ohne Unterschied der Nation nnd der Religion, die in diesem Jahre geboren wurden und sich im Gemeindebereich befinden, müssen sich zur Assentierung melden. Diese Kundmachung wird auf Grund eines Erlasses des Kriegsministeriums veröffentticht. Die Frage der MdWea Lchvnkkrmzeffionen. Aus Warschau wird uns berichtet: Wie bekannt, ist durch den früheren Sejm die Reduzierung der Schenker in Polen beschlossen worden. Diese Frage beschäftigt den gegenwärtigen. Jüdischen Klub, insbesondere aber die Abgeordneten aus Ostgalizien. Durch ein Gesetz des letzten Sejm werden Tausende von jüdischen Existenzen bedroht. Das Elend der jüdischen Schenker wird von Tag zu Tag größer. Fast in jeder Orsschaft werden täglich den Juden die Schankkonzessionen weggenommen und Christen, deren wirtschaftliche Positton derart gut ist, daß sie zu den Reichen gezählt werden, übergeben. So wurde in K o l o m e a pom Kommissariat ein Vorschlag ausgearbeitet, an Stellender bis nun bestehenden 100 Schankhäuser nur 17 zu bewilligen. Auf diese Wesse wurden 83 jüdische Existenzen glatt vernichtet. Aehnliche Vorfälle geschehen in den übrigen Ortschaften und Städten. Fast alle jüdischen Schenker stehen seit Jahrzehnten im Schankgewerbe und sind durch diese Maßnahmen, an dem Bettelstab gebracht worden, wogegen die christlichen Schenker, denen die Konzrssi.men weiter überlassen n crocit. in den kleinen Städten zumeist auch Feldwirsschaft betreiben. Bor einigen Tagen hat beim HanLeksminssternmr eine spezielle Deputation der Organisation der jüdischen Restaurateure und Schenker Vorgesprächen und der Minister versprach, die Angelegenheit sobald als möglich zur Zufriedenheit der Organisation zu erledigen. Im Jüd i s che n Klub wurde nun eine spezielle Kommission aus den Abgeordneten F r o st i g, Dr. Sommer si e i n, E i s e nstein aus Ostgalizien und Abgeordneten Wislicki beauftragt, sämtliche Verhandlungen mit den Maßgebenden Faktoren im Finanzministerium und Ministerral zrt führen, um gewisse Abänderungen fiir die Besitzer von Schankkonzessionen zu verlangen. Wie verlautet, ist fü, die Schenker eine ungünstige Wendung eingetreten. Der Jüdische Klub wird noch im Laufe dieser Woche alle notigen Schritte zur Abwehr des wirtschaftlichen . Ruins vor» tausenden jüdischen Existenzen unternehme». Litauen. LegaMenmg der Wahlrechtrraubes. Stowno, 6. Dezember. (I. C. B.) Der lÄmussche Srjm verhandelt« den Bericht der MandMskommnssiokN lbvtvsffend dir ÄrmMievung der Dkvmdate der nationalen Minderheiten durch die Hwupkwvhlhonnch'fion. Die Sejrnrnckhrheit stimmte dem Vorschlag der Mianda>tswmmchwn-Weyen der Einschränkung der Aernst-evschast der nationalen Wlmderheiten zu. Die Snjmmchrheit bewirkt« durch 'ihren Beschluß, irnf auch die als «getvLhl-t anerkannten Vertreter der nationale» Minderheiten mmm-chr definitiv dem Sejm fern' bleiben werden. PaLWrm. Die Frage der Fewksh Agenrh. Jerusalem, 30. November. (I. C. B.) Am 29. Na vemler empfing der Oberkommissär von Palästina Sr' Herbert Samuel den Präsidenten der Zionistischen Welt organssation, Dr. Chaim Weizmann. Dr. Weizmann besprach mit dem Oberkommsssär eim Reihe Fragen, die aus die jetzige Lage Bezug haben, bv sonders die Fragen über die Zusammensetzung da „Jewish Ag eney" in Palästina und über die Be zjehungen zwischen der palästinensischen Administration EINZIG IN WIEN!!! 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