Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1370 (3.12.1922)
- Date
- 1922-12-03
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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TT“ ■y yy E 1SM Wien, Sonntag (7. für den Montagseleoring (jl, i>.) Jbemt Einreichungsschaller des Llearlntsbureau (Oberko Irollor Sia'ler) zu erfolge»./ Die Kassaiage für den Wechlelsludmverkehr werden hievon nicht berührt. Krone und Mark. Die österreichischen ZMum-gsmittckl bllebsn gestern in Zürich Mvvevorwert, dagegon erfuhr frie Reichsmark eine Mschwächuing von 0,0725 auf 0,0092. Der französisch« Franken erhöhte sich von 87.45 aus 37,65. In Berlin D nn Zusammenhang mit der Abschwächuny des Zürichar MarMuvfts neuerlich «ine Auswärtsbewvgung der snsnvdvn ZahlungSiniM emgetreton, wobei der Dollar den Stantz von 8200 überschritt und Zahlung Wien sich von 11,07 auf 11,52 echöhte. Die nfutn Vcknderbanbaktte». Don mvraen an werdm d,» neuen Ländert ankakven zu je ico französische Franke" Rom» nal« börsenmäitg peOanbdt werden und auch als solche im amtlichen Kursblatt »,o,iert werden. Erleichlerrmsen im Maren vermehr mit Angar». W»e uns die Austro°llng''tt che Km delskammer millei t. bat die ungarische Regierung m Zusammenfassung der in der letzten Znt herousgeaedenen V rordnunaen über Y.Msfuhr und Mnfubr ein olle Fragen d?s Warenverbehre- sowie der Kompetenzen der verschiedenen Ministerien umfassendes endgültiges Requlai'v herausgegeben. Eine wesentliche Erleichterung für den Warenverkehr bereu'el jene Verfügung, wonach von n»n an die Grenz'vllömler auch solche Sendungen nicht zartlchweisen, die nicht mit-den vorgefchrrebenen Eiufuhrsdokumente« verletzen find Dagegen mutz die versügun sber'ckljgle Parlei .nnerlmlb vierzehn Tagen entweder die kinludrvöaull'aung beschaffen oder die Eenrung wicder nach dem Auslände befördern lasse» oder auch sie m emem Zoi'ager (Vormerkungslager) deponieren. Heber d,e näheren Bestimmungen erteil I"teres!«nlen koslenfrei dos Bureau L-r Austro-Ungar,scheu Handelskammer (8. Bezirk. Ma.xergaffe Z) Auskunft. Umtausch russischer Geldzeichen der Emission 1921. Die Frnanzabloittmg dvr devollmächtiigleA Vertretung der russischen SMvjvt-vepuLlÄ m Oostvrroich teil* mit: Der Rat der Bo8skommMre der R. S. F. S. R. bestimmte, daß alle russische Ge-Dzeichen des Jahres 1821 außer Umlauf gesetzt wer-- dm. All« Besitzer dieser Geldzeichen in Oesterwich können ihre außer Verkehr gefetzten Notcar in der FmanzciLreillung der bevollmächt-igien Vertretung der R. S. F. S. R. tu Lestrrrsich, Wien, 4. Bez., BellvedercgLsst 34, bis zum 1. Jänner 1823 »Wem «im Um'Kwlf beflnWche Geidzeichvn des Jahres 1028 in nominellem Werte Umtauschen. Erhöhung der deutschen Roheisenpreise. Die R-oheisonhöchstpreise für Lieferungen ab 1. d. erfahren nachstehend« Erhöhungen: Häma-tit um 43.631 auf 174.4-60 Mark, kupferarmes Stahleisen um 43.661 auf 173.792 Mark, Gicßereirichoism 1 um 48.800 aus 156.665 Mark, Gießereivohsisen 3 um >18.960 aus 156.593 Mark, SiegeMnder Stohlüoisen um 70.758 aus 172.792 Mark, Spiogüledfon (8- As lOpwMÄg) um 7V.A8 aus 181.752 Mark. Gießeveiroheiiisen Luxemlburgor Qualität ,m 46.546 aus 149.538 Mark, Tomperrvheisen. mn 42.609 auf 171.078 Ddark, FerrvsMorum (lOpwzenidig) um 58.114 aus 210.502 Mark, Forrvmangarvciisen um 50.830 auf 320.406 Mark, Ferwmmvgan (SOprazeutig) um 73.566 auf 200.548 Mark. Diese Preise gel-tm für das erste Viertel des Dezember. Die deutschen Tariferhöhungen. Berlin, 2. Deyenllbsr. (Wo'lff.) Staatssekoetär Streler wies 'bei der Beratung des Etats des Dewkehrsmtn'steriuims im Hauptousschutz des Reichs- (Mges idarauf hin, daß die Persönentarise das Neunzigfache des Friedenspreises beitragen werden. Vom 1. Jänner an!s!rfa.ngcn werden sie in der vierten und drillten Klasse das 20Ofache, in der zwvit-m- Klasse das 366fache und in der ersten Klasse das 344fache betragen. Der Gütertarif «rtrug bisher das 673fache und wird vom 1. d. angefaugen das i980sache >betragm. Demgegenüber ist der Preis für inilandische Wiener Morgettze^ttns. Kohle aus das L8Mache, der für englische Kohle auf das 4248fache, im Durchschnitt Zuf daK?746fachie Mlstieg-on. Am 15. November sind die SoWkasten auf das 1638sache und. am 1. d. auf das Ä40fache gestßeAn. Der Verkehr hat die StÄgtzvungen aM aufMoMmen.^- DG.Gdmahnchn. .«Märte der/ Staatssekretär,. Mn stürM Wiegen' ÄS M.^iferhöhungvn.i Zusammenbruch der Mährisch-schlesischen Bank. Prag, L. Dezember. We gvmeldet Zwilch, wurde gestern in Brünn der- Direktor der Mähuisch-Mesischm Bank Anton , Rokvs int ZnsammLichailg mit dem Zus-ammem-lwuch des Instituts in. seiner Wohnung verhaftet. Gegen mehrere andere Beamte der Bank wurde der Haftbefehl erlassen. OberiÄvektm Kacire? entging nur dadurch, daß er labensgefährililch erkrankt fft, der Verhaftung. Die tschechischen Blätter betonen, daß nach der bisherigen Untersuchung die Dockuste der Mährvsch^chlestschen Bank elwä 216 Millionen tschechische Kronen be-> tvayen. Noch für den 87. November war eine Ge-iveraiversammkung aildevaimnt, in der man dir Liquidation des Instituts 'b-e,schließen ivolltr. Diese Gen«ew>MeirsvmMiMdg ist aber aufgeschoben worden. Znm Schutze der Ginleger hatte Finanzmi-mister Dr. Ra sch in schon früher bei der Ddähvisch-schlvsi-- schen Bank jedwede Erfüllung ihrer BerbiMichksitoN s i stiert, um so die gleichmäßige Ansteilnng der Aktiven zu sichern. Börse Kr la«rw!rts«aWche Pratzurte. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitnng".) Mgemeiner.Preisrückgang. Der Samstagmavkt zeigt« wieder starken Besuch von Jnteresienten des In- und Auslandes, die Kauflust timt indes rmr zaghaft hervor. In Weizen und Roggen läßt der Absatz viel zu wünschen übrig, das Angsbot in hsimirjcher Ware m. mehr als ausreichend und es kommen in jüngster Zeit auch reichliche ameri'kaniische WavenvsfertL hinzu. Ungarischer Weizen ist spärlicher offeviert und wird hier und da zu Saatzweckon aus denn Markte genommen. In Gerste ist so gut wie keim Geschäft mt Markte, die Brauereien LoschrLnken sich auf Maggo-nkäu^ und die -andere arrsteveoarbeite-nde JmdustvW habt sich mit Rücksicht auf den allgemein schlechten Geschäftsgang vor Käufen zurück. In der Slowakei birgt MeOantiilgerste gleichfalls sehr Whig und wertet 1.30 bis 1.35 tschech. K. a!b Moochegg. Feinste flowakische Gerste bloiibt.für den Export gesucht und wären für Aus'tichgersden 1.50 tschrch. K. ab slowakischen Stationen leichtest durchzusetzen. Die Kauflust für Mais hat stark nachgolassen, trotzdem dir Zufuhren absollni nicht wichAch sind, die Preise norgen zugunsten der Käufer. tafer liegt tvohl flau, verMichmet aber mmAechin einigen bsatz. Für Bohnen herrscht bessere NachfMge zu unvaranidevt'en Pvoifen. Für Hirse bekmudst der Markt nur geringe Aufnahmsfähigkoit. Es lioMN Offerte.in gerinsm rumänischer Ware zu 6.60 Lei und in buigavischar Schleppware zu 7.10 Lei ex Schlepp Wien vor. Dir Ankünfte in Kartosseln sind urehr als bodarfdeckend. Bevorzugt wird der schönen Qu>alitäton wegen tschecho-flowa kische Wore. Rois tendiert in Wien ziemlich ruhig; dir Preise für Burma stellen sich aus etwa 14 Schillmg 6 Pence waggonfrch Hmnburg. He u und Stroh ist werter lebhaft Mfragt. In Sämereien gelanM das Geschäft zu keiner Eutwicklung; KÜc-esEten neuer Ernte werden 3. Dezelnber 192S Seite 13 nur sporadisch offeriert,' da dieser hsuer vollkommen enttäuscht, hat. MmäarisckM RoMee' waM 45 VlH 46 Lei mrd Huzevue 16.000 bis 24.060 K. . . . Die Mehlst reise ze>i>gen dürchiv-egs zum TM^rhsb" liche RÄ'&g'äng«. Das Llngeibot ist MnM veichllich uchv hi« Preise VepMiiMn sich> fast, von Tag >zu Dag. Äuch dir RogM" mehlpwise z^iigsn' Rückgänge. 'Futt-svimihi und Klei« tvWm^ gleichfalls gern unter amMcher Nobiz abHegelbe«. Es > ."iercn pro Äiloäiümm ab Wim: Wnzm 'nlänfisrher 3750 bis : 85 K.. mmor sckirr 46 0 K., Hmtw Wer N 4150 K., Roggen inländl'cher?5 ö bis -WO K. We>.ern 11 holl. fl. waggonsre. Hambu-g, Gerße mlänechb' 30>-0 K bis 31« OK., slow -kiiche 3200 K.. lsutteigerste 8300 K., Mws ,3200, bis 3300 K , Ha» r r"nta"iicijrr 260» b.iS. vßoo K.. Reis italienischer 210 bis 31üL r ab Tawis. Burma 57(0 K, Bruchreis 4800 K., Mohl.ia >t 19« Oi> bis 20.0CO K.' 596 bis 610 ung. K . Wer^ b'bnn ungi isbe 4200 blS 4l00 K-, Eibe» inländische 5 00 bs 5660 K.. Lir.ien »nländiche klein 10000 K., groß bis 16.000 K., K ntoff ln inläpdl che 550 biß 70(> K., slowaki'che 480 bs 550 K-, Zweveln italcenuche 280!) tiS 29 O K.. NÜffe l l indische 150) bis 9500 K., Malz' ruwäm'ches 4100 bis t600 st., Hm öfter,e chi c!, s gep ßt 2760 bis 2750 K., buraenlä d"'ches 2100 (rin 2500 K, Bundstioh inländ scheS lo,e 1650 b S 19t 0 K. ab Stai onrn, Wei enaues 7400 K., MaiSgrieS 5000 K. '>pe z nmenl lniändckches 6 Og K, unga>-''cheS dovv-lgriisig 6n 0 K-, 210 ung. K. a iffig 6lv) K-, DO ung. K.. Bi otmehl r»Iaadlsches prima tOro K., tschecho slomalisches 185 lschrch. K., Fnttermew SuuO bi? 2100 K., Nogge>'meh1 mländiichc/ ptimi ü'00 bis 5 00 K.,?5 rorwia 4».00 b,s 4bv0 K-, Schwär; eoggen 3700 K., Kleie 1600 b,S 1700 K. Sie DevIseMrse. Zürich» 2. Dezember. (Devisenkurse vor. 18 Ahr 25 Min. — Dtirgeteill von der Echweizerischen Kreditapilalt.) Berlin 0, 65/. (0 07»/.). Kolland 211.25 (212.—). Nrw-Pork 53350 (536.50), London 24.12 (24.15), Pons 37.65 (37.45), Ma land 25.95 (25.70), Brüssel 34 80 (34.50). Kopenhagen WO.— (!L9.—), Stockholm 144.25 (144.25), Christians 98.90 (99.—), Madr d 82.- (82.30). Buenos A,res 197.50 (198.—), rag 16 S5 (18.95). Budapest 0.23 (0.23). Bukarest 8.30 , (3.30), v oram. 1.85 (1.77'/,)» Sofia 3.90 (8.90), Warschau O.PSVa (0.03‘/g), Wien Geld -.0076 (—.0076), veslerr. gest. Kronen Geld —.0076 (—.0076). , Berlin» 2. Dezember. (Devisenkurse.) Am erdam 3331.80 . (2927.66). Belgien 538.65 (498.75). Ehrisliama 1506 22 (1331.66), Kopenhagen 163340 (1511.20), Stockholm 2164.57 (2014.95). Italienische 399 - <366.58). London 36.9c7.50 (33.416.' 5), Rew-York 8229.37 (7630.87), Paris 581 04 526.18), Schweiz 1516.12 (145176). Sp ulen \ 1266 82 .11.2 03). Wien 1153 (11.07). Drag 26* 84 (244.88). \ B.-d rest 3.52 (3.36), Sofia 6154 (56.86), Belgrad 112.21 (103.74). Berlin. 3. Dezember. (No'enkurst.) Roten: Dollar 8229-35(7650.55,. Pfund 37.057.10 (33.141.90), 5iaiient>che 396.— <367.05), Poiniiae 47.37 (45.—), Tschecho« slowakische 25b 35 (244.35), Veslerr. gestempelte 11.25 (11.—). - Lu-axest, 2. Dezember. (Kurse der Devifenzenttale.) Amsterdam 925.— b's 940^—. . Bukarest 14.50 bis 1550, Kopeniwgen 475.— b>s 485.—/ Christian'a 433.— bis 443.—, London 10.600.— bis 10.900.-. Berlin 0.30 dis 0.35, Liatlen. 113. - ms 116.—. P-.ns 163.— bis 169.—, Prag 74.— d s 78 —, Siockho m 83 .— bis 645.—, Zürich 440.— bis 455.—, Wien 0 0 50 bis 0.0360, Sofia 18.- bis 19.-. Agram 7.40 bis 7 80, New-Pvlk 2350.- bis 2425.—. Warschau 0.15 bis 0.16. ' Amsterdam, 2. Dezember. (Devisenkurse.) London 11.51'/, (11.41'/,). Berlin 0.0307'/^ ^0.0325). Barls 17.77'/- l 17.77'/,). Schne,z 47.30 (47.35). Wien 0.CO34 (■ .0037>/°) Kopemwgen 51.40 (51.50), Stockholm 6780(68.20). Christiama 46.60 (46.70). New York 25-7.50 (253.12), Brüssel 1635 <16 42'/«). Madrid 38.70 (38.80), Siahen 1215 (12.15), Budapest 0.1 i (-.-). Warschau, 2. Dezember. Dollar 17.190.-. Wien 0.24'/«.! (IS. Fortsetzung.) Zoseph, der MMer. Von I. ZangwM. „Nicht der Himnrel, sondern der Hapft hat sie verflucht," eriwi'derbe er heftig. „Warum verbannt er sie nicht aus s-slnem Gebiet? Nein, er weiß zu gut, wie dienlich sie dem Staate sind. Als er sie vmr überall mit Ausnahme der drei Schutzstädte Verbannte nnd die jüdischen Kaufleute der östlichen Seehäfen unseren Hafen von Ancona in den Bann taten, so daß wir keine Lebensmittel erhielten, rief da nicht Seine Heiligkeit die Juden schleunigst zurück und gab damit ihren Wert zu? Da denr so ist, sollten wir ihnen Liebe bieten, nicht Ha-ß und hunderte erniedrigende Erlässe." „Für dieses Wort sollst dir auf bent Forum verbrannt werden," drohte der Richter. „Wer bist du, daß du dich gegen Gottes Stellvertreter austehnst?" „Er, der Stellvertreter Gottes? Nein, Her bin ich es! Gott spricht durch mich." Sein bleiches, aibge^eihrtes Gesicht leuchtete in überivdischer Entrückung; dem ehrfürchtigen Volke erschien er wie -in Riefe. „Das ist Verrat und Gotteslästerung. Verhaftet ihirl" schrie der Richter. Fest und ohne zu Mtchen. blickte der Mönch den Soldaten ins Gesicht, obgleich nur der Leichnaim des alten Juden ihn von ihren wild bäumenden Pferden trennte. „Nein," sagte er farojt, und ein mildes Lächeln umspielte sein Antlitz, wahrend ans seinen Augen ein feltsmnes Mysterium blickte. ,/Gott ist mit mir. Er hat dieses Bollwerk, den Tcd, aufgerlchtet zwischen euch und mermm Leben. Ihr sollt nicht kämpfen unter dem Banner des Antichristen." „Tod dem Abtrünnigen!" rief eine Stimme aus der Menge. „Er neimt den Papst Antichrist!" „Ja, der nicht für'uns ist, ist wider MS. Er beherrscht wohl Ront dn Sinne Christi? Quält er rmr die Juden? Hat nicht seine Sucht nach Macht den Feind an die Tore Roms gebracht? Haben nicht seine Banden fremder Hilfstrnppen mÜWL WüMr.MHMZ flfos wißt, wie RöM .nnter ^den Ränken fernes Bastavdsohnes gelitten hat mit seiner wüsten Schar von Mordgefellen. Um Christi willen hat er wohl diesen Schrecken unserer Straßen gezeugt?" „Nieder mit Baceio Balori!" schrie eine Stentorstimme, und aus einem Dutzend enthusiastischer Kehlen schallte das Echo. „Ja, nieder mit Baceio Valori!" ries der Dominikaner. „Nieder mit Baceio Valwei!" wiederholte die leicht zu beeinflusien'de Menge, deren Feststmmumg schnell in eine andere Art von Zügellosi-gkert überging. Einige, die den Mönch liebten, waren ehrlich empört, andere, die ihrer Tollheit und VerdeBtheit so recht die Zügel schießen ließen^ waren zu j-eder Art von Zeitvertreib bereit. Manche, unv zwar die lautesten, waren Raufbolde und Beutelschmider. /-Ja, aber nicht nieder mit Baccio Balori allein!" schrie Fra Ginfeppe mit D-onnerstimme. „Nieder mit all dem Bastardgezüchi, das in dieser Hauptstadt des Christentums sein Wesen treibt. Nieder mit dieser Höllenbrut, ifris Christus verleugnet; nieder mit dem WlaHrämer! Gott ist kein Handelsmann, der um die Vergebung der Sünden schachert — noch viel weniger — oh, diese Lästerung! — um nicht begangene Sünden. Unsere heilige Jungfrau braucht nicht eure Wachskerzen. Gin reines Herz, das Leuchten einer unbefleckten Seele verlangt die Gottesmutter. Fort mit euren Rosenkränzen und eurem Muanmenschanz, eurem Paternosterbeten mrd dem Ans-den-Knien-ilve-gen! Fort mit eureen Karneval, eurem gottlosen Entsagen des Fleisches! Unrein seid ihr! Das ist keine Stadt Gottes, sondern eine gedungener BaMten, ehebrecherischer Greuel und schwelgerischer Gastmähler, eine Statte sinnlicher Begier und Fleischeslust. Nieder mit dem schändlichen Kardinal, der am Mbar Reden HAt unld von den geschmähten Juden Geld borgt, um seine geheimen Laster zu befriedigen! Nieder mit dem Mönch, desieu Metzbnch Boceaccio ist! Nieder mit dsrn Statthalter Gottes, der mit Kardinalshüten Handel treibt, der nicht ohne Vorkoster des herlige. Abendmahl zu nehmen N«agt, der ganz und gar in profan« griechische Texte vertieft ist, in kirnstreiche Juwelenarbeit, in politische Manöver und häusliche Jntigen. Er, der in Scharlach und Samt gekleidet auf seinem stolzen ne<rpolitanischen Roste dahevtrabt, gefolgt va» -?men barhäuptigen Kardinalen und seinen Hunderten/glänzender Reiter. Er soll der Stellvertreter des schlichten Herrn Christus sein, der auf seinem Esel ritt und sagte: „Verkaufe, was du hast, ud gib es den Avnreu; komm und folge mir nach!" Rein!" Die Leidenschaft der Gerechtigkeit durchlebte seine Gestalt nnd fesselte seine Höver. — „OVschon er den Vatikan bewohnt, öbschon hmrderte prächtiger Bischöfe sich neigen, feinen 'Fuß zu fuffat,. so erkläre ich hier, daß er eine Lüge, ein Fallstrick, ein', übertünchtes Grab ist — kern Beschützer der Armen, kein liebender Vater der Vaterlosen, kein geistlicher Herrscher,l kein Stellvertreter Christi, sondern selber der Antichrist." „Nieder mit dem Antichristen!" brüllte die Menge. Der langunterdrückte' Haß gegen die herrschende Macht schaffte sich endlich in einem UebevschwaW hysterischer Erregung Lust. ,Hcmptmann, tue deine Pflicht!" schrie der Richter. „Nein, der Mönch spricht die Wahrheit. Trage den alten Mann fort, Alesiandro!" ,J)st Rom wahnsinnig geworden? Eile nach der Städte .wache, Jaeopo!" Schnell Hand Fva Giuseppe das Palladium an das Kruzifix atailb indem er das rote Gewand durck» die Luft flattern -ließ,'rief er: „Das ist das wahre Banner Christi! Das, ein Symbol des Martyriums unserer Brüder! Schet, es ist die Farbe des Blutes, das er für uns -vergossen. Wer für Jesus ist, folge mir!" „Für Christus, für Jesus! ViMrt Gesu!" wie von fern .heranrollender Dmuier brach dieser Schrei aus tausend . Kehlen. Sein Feuer entzündete sich noch heftiger an dom ihrlgen. j' ';t% „Folget mir! Dieser Tag soll für Christus Zeugnis ablcgen; laßt Uns se'm Königreich m Rom aufrichten." Ein wilder Tumult entstand. Die Soldaten spornten ihre Pferde an, Leute gerieten unter ihre Hufe und wurden niedergetrampelt. Ein Moment dex Raserei entstand^ Dev DMiuikauer eilt«.'weiter, immer das rote Pgllmin^'Zwingend; seine Anhängerschar wuchs bestaMg, denn aus jeder Seitenstraße strömten sie ihm zu. Ungehindert erreichte er die groß-r Piazza, auf der eine neue Papststatn-.? w.'iß und majestätisch glänzte. (Fortsetzung folgt.) M »jipL!