Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-12-03 · Heft 1370 (3.12.1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1370 (3.12.1922)
Date
1922-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980450--13036-2999644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■ ‘v . ' ** ’’ , f ' BiwBiBsaapmaflmiJii »i iiMpwjwwi m ui > inrnit??ww «iwkkwwhk»mb* iriiiini)l|irMnr.iiiiTirjriiifniTfniMiiTirrifTriiyrTinir~'i-17" W!« h:ZnmAbholenin der Eicp«HiUoa7IX«*T aBbr^tf. 1-3, oder in einerVerscHJejimti&lle ^Trafik) monatl'.^K '28.000 Mit Postversatid für Wienp* Oeaterr. monatl. K 28.000 Tscheeho-Slowakei: Man, K17. Öngam :,Mob. 1^800. Ingoslawicn:Mon. Dinar M. Pole n: Mon. Mk. 3500, Deutschland: Mon. Mark 800. Frankr„ Belgien: Monatl. Frcs. 8 0Hy Nachzahlungen *08 bei Preiieehohungen Vorbehalten Nr. 1370 rschechö-Slowakel1 tSChech.K 1.20 It a 1 i e n: Monatl 10 Lire R umanien, Bulgarien: Monatl. 60 Lei bezw. Lewa Schweiz, und das übrige Ansland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44 »0-38,43-3-19, ab . 6. Uhr abends 16-301. Tel-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150:693 Wie«. Sonntag. 3. JezMber 1922 —7. Wie n. 3. Deiemder. Skm Ende des Monats November ist in Prag der deutsche parlamentarische Verband gesprengt worden. Dr. Lodgman, der Führer der (anti-semitischen) Kampfgruppe, war mit einer. Rede des agrarischen Senators Zuleger in Saaz, in der sich dieser für die Aussöhnung mit' der tschechischen Majorität^ also: für eittc > positive Politik ausgesprochen hatte, unzufrieden. Er richtete an dje Agrarier die Frage, ob sie mit Zuleger einverstanden streu, wohl in der Hoffnung auf ein Nein. Als die Agrarier zu seiner Ueberrcvschnng mit Ja antworteten, freute den Lodgman die ganze deutsche Einheit nicht Mehr und er kündigte die Gemeinschaft, an deren Stelle' eine kümmerliche Obmännerkonferenz treten' soll. . Die Spaltung im deutschen Verband machte sich schon seit langem geltend. Die Einheit war nur fingiert und ihre Unmöglichkeit würde zur offenkundigen Tatsache, als'Herr Medinger austrat, weil' er mit der Mhrung der Radikalen unter dem gewesenen Demokraten Lodgman und dem Theologieprosessor Naegle nicht mehr einverstanden sein konnte. Der Name dieses letzteren Herrn ist : in der Steinherz- Afsäre wiederholt genannt worden. Er war im Juli zugegen, als in Aussig die völkischen Jünglinge den Rütlis. SWvur leisteten,- keinen Juden als Rektor anzuerkennen, weil dies die'höchsten Güter des deutschen Volkes in Gefahr bringe. Die Anwesenheit des Senators Naegle, eines' gewesenen Rektors, Lei dieser erhebenden Szene war natürlich kein Zufall. Er hat gemeinsam mit Lodgman der Politik der Deutschen in der. Tschecho- Skowaker die breite uüd volkstümliche' Basis des AntistnWsnms gegeben und die ordinärste Hetze von der tstrschwiegenen Stille seines Arheitszünmers aus/ betrieben. Damit hat er sich die ShMpathien^W jternf * ^WlWost".- Mvorben. ' rieken, die vielfach ihre Wahl'.dem^MH^WW'Which». kanW'verdanken, konnten nicht MHM5 der Mhne Haegles und LoLgmaNsfokgen.Auch dieser Umstüm> trug zur Vertiefung der Spaltung'bei, die sich berefts am 29. November zeigte, als im tschechischen Wgeordnetenhaus der Antrag auf Einführung des Numerus clausus an der Universität, emgeüracht wurde. In dqm Antrag wurde die Regierung aufgesochert, „sobald M möglich einen Gefetzentwmf vorzulegen> wonach an sämtlichen Hochschulen für di« Hörer und Lehrern jüdischer Nationalität der Numerus clausus im Verhältnis zur Bewohnerschaft eingeführt wird": Das A also der gleiche Antrag, wie er in Wien von der deutschen Studentenschaft ausgearbeitet wurde und . den die Rektoren der Wiener HMchulen als Grundlage der Verhandlungen^ eines-Hochschultages angenommen haben. In der Prager Kammer stimmte für den Antrag die geschlossene Hakenkreuzfront bestehend aus dm Deütschnationalen, den deutschen Nationalsozialisten und den Christlichsozialen. Die Tschechen, mit alleiniger Ausnahme des klerikalen Ritualmordforschers Mhslivee, stimmten dagegen, und so gelangt der Antrag m das Archiv als > schätzbares: Material für die Arbeit eines zukünftigen Kultuphistorikers. Has Ende des deutschm parlamentarischen Verbandes weist nun die Politik der Deutschen, aber auch jene der tschecho-stowakrschen Regierung aus neue Wege. Die-'radikale Kampfgemeinschaft hatte durch ihr Programm der absoluten Negation des Staates eine vernünftige Losung deS Mnderheitsproblems sabotiert und der Grundfordevung der Deutschen nach SelbstveUvaltung das Terrain abgegraben. Wie konnte die tschechische Majorität einer Minorität Homerule geben, wenn diese sich-von vornherein.als unversöhnlicher Feind des Staates bekannte und offen zugab, mit allen Gegnern der Rchublik inneHM sowie außerhalb der- Grenzen zusammmzuwirken^-De)r deutsche Verband konnte auch deshalb keine einheitliche Politik .'betreiben, weil, innerhalb , stiner eigenen Reihen die'Radikalen — so wie sie dös überall tun / ihre demagogische Wählerfangmätzchen .aufführten, uich in dm Versammlungen ihrer Anhänger die, mchtradÄalen Kollegen als Feiglinge denunzierten, insbesondere aber jede^prinzipielle ürw taktische Vechindung^tnit der deutMn Sozialdemokratie hinterkrWn. s.Durch siestärch oer deutsche. / Verband' unter dem direkten Kommando der Münchener' Orgesch - und' ihrer 'Mdapesstr Filiale.Nunmehr Met' sich'den Führern der^ chMchischm Mehrheit die Möglichkeit, mit' einer 'deutschen Partei zu,' verhMeln,. D den Staat «lyar nichts lwbt,° fich aber doch mit ihm ausgleichen will. Für'beide Partner '^ÄMet 'sich 'hie 'WgÜWtt, wemg- 8W sü eistemwirtschaftlichen Programm zu gelangen. imd der Sberradbiner beim Bundeskanzler. In der letzten Sitzung des Vertreterkol« legiums -es Vorstandes der Wiener jüdischen Kultusgemeinde hatten die jü-ischnaLionalen Vertreter den Antrag gestellt, bei der Regierung Verwahrung gegen das üverhaudnehmende Treiben der antisemitschen Hetzer, insbesondere der d e u t s ch u ationalen Studenten und eines Teiles der Hochschulbehörden, zu erheben. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. In Anssührung dieses Beschlusses erschienen gestern die Herren Präsident Professor Dr. Pick, Vizepräsident Dr. Fried, mann und Oberravviner Dr. Chajes beim Bundeskanzler Dr. Seipel. Die Deputation gab dem Regierungschef gegenüber den Gefühlen der jüdischen Bevölkerug Ausdruck und führte aus, daß eine Stellungnahme der Regierung nicht nur im Interesse der jüdischen Bevölkerung, sondern auch im Interesse des Staates gefordert werden müsse, dessen Ansehen im Auslande durch dieses kulturwidrige . Gehä. Ven geHädllgt wird. \*r ‘ ‘ 1 * en M-HMnesM Hochschuttag hin« uuf .MMem- Ämter nähme und Mitwirkung ber RekLoren und Dozenten über die EinfÜhüuüg des Numerus elausus für jüdische Lehrer Nnd Hörer beraten werden soll. Im gegenwärtigen Augenblick sei, Oesterreich mehr denn je ans die ghte Meinung des zivilisierten Aüsländes angewiesen. Der Bundeskanzler Dr. Seipel, welcher ans die Ausführungen dev Herren mit besonderem Ernste eingingstellte die Herausgabe eines Eommnnitznes Ätzer den Inhalt der Aussprache in Aussicht nnd dankte den Herren für ihr Erscheinen. DaS vom Bundeskanzler angekündigte Communigue besagt: Beim Bundeskanzleramt erschien der Vorstand der Wiener israelitischen Kultus» gemeinde, bestehend ans dem Präsidenten Generaloberstabsarzt des Ruhestandes Alois Pick, Oberrabbiner Dr. Chajes . und Rechtsanwalt. Dr. Desider Fried man«, um ihr Befremden über die Formen ansznspvechen, die in den letzten Tagen die antisemitische Bewegung unter der Wiener Studentenschafit angenommen hat, nnd zugleich darauf hinznweisen, daß in einer Zeit, in der das ganze Ausland auf Oesterreich blicke und sich zur Mitarbeit an dev Sanier ungsa kt ton anschicke, eine, Wiederholung oder Verschärfung der gekennzeichneten Bewegung auch vom patriotischen Standpunkt aus bedenklich erscheinen müßte. Die Abordnung wendete sich insbesondere gegen die Forderung nach dem Numerus elausus für die jüdische Studentenschaft an den Hochschulen nnd nach einem A u s s ch t u ß j ü d ischer Professoren von den akademischen Würden, weil sie darin einen Angriff ans die durch die Verfassung gewährleisteten staatsbürgerlichen Rechte per jüdischen Bevölkerung unseres Landes erblicken müsse. Der Bundeskanzler antwortete, daß die Bewegung unter der Studentenschaft diesmal nur durch die bekannten Vorgänge an d er Prager Univerfttät ausgelöst worden sei- und durch die .. fuS sei nicht meu, WMrn hätte auch schou in der Vergangenheit wiederholt eine Polle gespielt. Der Bundeskanzler trete selbstve^ ständlich dafür ein, daß die staatsbürgerliche«Rechte aller Staatsbürger, welcher Religon und Konfession sie seien, gewahrt werden müßten. Zu Befürchtungen hätte die Judenschaft bei dem friedlichen Charakter unserer Bevölkerung, der durch lange Erfahrungen bekräftigt ist, kein e n Anlaß. Die politische« Parteien hätte» es immer verstanden, trotz Festhaltens an ihrer verschiedenen programmatischen Stellungnahme zur Judenfrage alles zu vermeiden, was unser Land um den Ruf, eine Stätte der Ruhe und Ordnung z« sein, bringen könnte. Daß es auch in Zukunft so bleibe, dazu wird der Bundeskanzler, dem nichts mehr am Herzen liegt, als in der Zeit der allgemeinen Not alle, die guten Willens sind, zu gemeinsamer Arbeit an der Rettung .des Vaterlandes znsammenznfaffen» das seinige tun. innerhalb dessen eme der berechtigtesten Beschwerden aller. MinoritätsnaLionen in der. Tschecho-Slowakei, die Kriegsanleiheftage, eMich geregelt werden könnte. Im deutschen Lager stehen freilich sehr sWere Kämpfe bevor, da die Radikalen alles daran setzen Wewen, ihre Pysition für' die' kvmrnenden Wahlen. zu starken. Da hierbei der JMnpÜnkt wicher maDGekühr ansgebeutet werden wird, so kann man sich für die Zukunft auf eine sehr lebhafte Orgesch-Ngstation - in dev^ Tschecho-Slowakei gefaßt machen. Die Halenlreuzler an den - Rekwr Gumtzel Reivtz Das PwstssorenkolbeMm der Hochschille Mr WÄcharchÄ sttzönde- ÄunvM^mg M Ne' Hörer v-oschilossein: " >^£0(03 bMitzt' daS^Verhailtvlr ibeS RckwrS''iT^vlM^ Ei'Jössf''Gr u-n^tz eVas ^vollste 'BevtväMr mis 'Mid n-imnrt'>Ne• "nich t zu.r Kenntnis. Es dätz M Worsall <m fcr Hochschule 4n rreWre Kvoift der ^lb^Uenschckst KtraM nnd zum .Gs^tMd von BerhaMMgen' an'zj«jte ünderenHoch« s &" it - ANiEM MiMiW Wkx, ihn auf eigkMm Boden in volksteir ObjerLivitSt zu -einer beftÄd'iMndvn Lösimg zu kbvmgm. Es beda-riert und m-rtzH-illigt stvnsr die Bv-rgLnge auf -cckadMchchem Boden, welche zu dm Mtzhell-i-Mifn unter dm Hörern ge-jiöhvt habm und rügt -inSbsslmdsre das VechaLtm jenes Vertreters der jüdischen Hörer >m der MrtischaftSstelle, der seimn deutschm Kdllegm beleidiigt ha-t. DaS Professorenkoll«gMm M seiner Befvredigung Ausdruck Über' Vre von der HövSrschcht der HochschuLe für' Wslchandel wWond-der schweböndm DiffevsnM düviesem musterhafte Ruhe und Ordnung mch erwartN WeirsichMch, daß. rmmnchc alle Höver im fviMcher ArbeA chveu Aufgaberr gevecht.tv«vd«t." Morgen Mooiwg begimrm wiwer sämtüche DockssungLn . — Diese' Kundgebung P eine schache Verurtoi>lung des Bov- WtenS deS RektmS Diene», Korfu unter . . Rom,; 2. Dezember. Wie '. der Agencia Sstfani ': Ms Ath en LLnreldet wird, seien in Patras mrd MilfsolonGr sowie üius Korfu emste g e g e n r e v 0 l u t i 0 u a r e B eweg u ng«n auSgebvochen. Auf K orfu fyN di« «nq- Nstze Fla gge ■nMitsjife'.'Cd fr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.