Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1369 (2.12.1922)
- Date
- 1922-12-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 2 Wien, Samstag Wiener Morgs«Mrm§. 2. Dezember 4922 Nr. 136- Hke ÄMch-WchMen TMchmVL. Lausanne, 1. Dezember. Zu Len Besprechungen, die! L« Donnerstag, abends, zwischen Lord Cmrzon und j DeNiseloh statigcfunden haben, erfahrt die- Schweizerin , M Dep.-Ag., daß sie in durchaus frenndschas u liFer Weise verlaust n sind. Die allgemeine Politik Englands gegenüber Griechenland soll durch die Athener Er-! eignisse keine Aenderung erfahren haben. Weder für die Engländer nach für die Griechen sei ein Grund vorhanden, von der Konferenz ferne zu bleiben, da der Abbruch der diplomatischen Beziehungen lediglich den Charakter des P r o t e ste s gegen d ie A t h e ne r A b u r-.. t e i l u n g darstelle. Das Fernbleiben .Venisclos von der. Kommissionssitzung am Mittwoch wird als bloßer Akt der Höflichkeit hingestellt. ~ * In englischen Kreisen herrscht auch die Meinung, daß sich die Russen mit der ihnen am Mittwoch enteilten Antwort der alliierten Mächte abfinden und an der Diskussion! über die Mcerengensrage teilnehnien werden. ÄtifS IsliPew. I Lausanne, 1. Tczenrbo«. (Wolfs.) Tschitstherin ist hoirte Lends.hier ei-npvtwssen.- - Ter- Bahnhof - war. pvli^Nch «bge*! sperrt. Auch die Pressevertreter tmrrt>eu nicht <mf bm Bahnsteig zugelassen. Zum Empfang Tschitschcrms waren Rakowskv und 'üowwsky erschienen. Tenefch in Lmsame. Lausanne, 1. Dezember. (Sü^vc.iz. Drp.-Ag.) Der -ischecho-slowakische Minister des Aeüßern Dr. Benesch hat anläßlich seines Aufenthaltes in Lausanne mit Lord Curzon, dem französischen Botschafter Barrere, der italienischer, Delegation. und den Vertretern Jugoslawiens und Rumäniens, Nincic und Dnka, sowie mit dem Generalsekretär der Friedenskonferenz konferiert, um die Zulassung der Dschecho-Slowaiei zu der Konferenz zwecks Behandlung aller die Tischecho-Slowakci 'berührenden Fragen zu erreichen. Falls die Tschecho-Sloüvakei diese Ermächtigung erhält, wird sie' durch den tjchecho-slo-vakilcheu Gesandten in Bern, Flieder, vertreten sein. Ser Vertreter ZAgoslawiens. Zer Mtm her der Der j i'r d i i ch e Hoch schulausschuß hat vorgestern im Namen des Gesamwerbandes. der jüdischen HochschAev. Judäa an den Rektor der Universität eine eingehend motivierte Dies geschah am 28. November. ES ist nötig," dieses Datum hervorznheben. Dcun schon m.der am se'liben Tag. erschienenen Morgenausgabe der „Zreichspost" war von' den Völkischen das Deulschcift gerichtet, Welcher gegen die-durch Rektor Diener ausgesprochene P a u s ch a l r ü g e Protest erhoben wird. Es wird darin eine detaillierte Darstellung des Vorfalles an der Exportakaidenne Mgöben, die sich-mit den von uns veröffentlichten'Mitteilungen deckt und die Korrektheit der jüdischen Studenten uachweist. Neu ist jzr der Eingabe die Mitteilung, daß di,?, so feins-ühlenden Völkischen am 23. November,'also am Tage nach dem Vorfall, van den jüdischen Hörern der Wrlthandälshochschulc als Satisfaktion für die Beleidigung die sofortige Zurückziehung der beiden jüdisch-nationalen Dertve-ter, also nicht bloß des Beleidigers gefordert und den Wortlaut eines demiiLigendrn Entschuldigungsschreibens textiert hatten, das bis 29. November, 11 Uhr vormittags, 'befristet war. Das ist die. in jünglingshafte kopierte Mbmatumirote an Scvbien. Die jüdische Stndentenschast rief mm die B e r m i t t l n n g des Rektors Grunze! au, der»auch für den 28. Ndvonvb-er Verhandlnngon ansetzte. Diese kanren wicht Zustande, da die Völkischen nicht einverstanden waren. Sie nahmen den Anlaß wahr, das deutsche Volk für bedroht zu erkläret und formulierten ihre Bedingungen betreffs der Pro- Zenteinschränkung^sür Lehrer und-Hörer. ' Diese Darstellung ist ein klarer Beweis für die verrlogcne Aufbauschung der Affäre und fiir die Parterlichkvit des Rektors Diener, folgende offiziell nsitgeteilt worden: . > ,.D?n' Vertretern der Kammern der deutschen Studentenschaft der Universität Wien, Herrn cand. rer., pol. Walter Kolbe und cand. Phil. Hans Ki nzl erklärte Se.Magrlrfft.enz der Herr Rektor Hofrat Pros. Drt Karl Diener die Denkschrift z n r Grundlage für V c rha.ndlungen mit dem akademischen Senate und lud uns sowie die jüdische.. Studentenschaft für Dienstag dm 28. d. lim 10 Uhr vormittags zu einer gemeinsamen Sitzung ein, auf der die jüdische Studentenschaft verhalten wird, die von uns verlangto Genug- 1 <iiltg z:> (pS?u, widrigenfalls er 'der jüdischen -Studentenschaft die Mißbilligung des Rektors aussprechen -wird." ' Hier ist der aktcmnäßige Beweis erbracht, daß 'der Rektor schon am Tage vor den Verhandlungen, also noch ehe er die Erklärungen -ber jüdischen Studentenschaft gehört hatte, bereit war, als Diener der Völkischen seines Amtes zu walten. Denn die Mitteilung an die „Reichspost" war doch am Tage vorher geschrieben worden. Mt -Füg und Recht haben der Rektor und sein. Wumanec dann die solenne Ehrung durch eine Parade der Orgesch erhalten. Es ist.nicht überflüssig, angesichts dieses - Tatbestandes immer wieder auf die als Ursache der Rüge und des Streiks angegebene Angelegen-!Mt. v * an der Hochschule für Welthandel der sich ohne jeden Anlaß in die Sache einmengte mb trotz der , chm in Anwesenheit des Kanzleidirektors Bl « mau er — das ist ein ganz besonderer Antisemit, der natürlich den Schutz der j Judenpresse genießt — gewordenen Aufklärungen seine Rüge notifizierte. Er tat dies, nachdem mrd trotzdem die jüdischen Vertreter eine Ehrenerklärung angeboten, von den Völkische^ jedoch — alles im Beisein des. Rektors — abgelehnt wovden war. ZurückKukommen. Der Streit ist entstanden. weil die Völkischen das von dem amerikanischen Joint, einer jüdischen Körperschaft, gespendet«, zur paritätischen Verwaltung bestimmte Geld zum größten Teil für sich beanspruchten und den Juden nur einen kleinen Teil zukommrn lassen wollten, obzwar die jüdische Hörerschaft in der Mehrheit ist. Es hat sich um jüdisches Geld gehandelt. Paris, 1. Dezember. (Wolfs.) Der jugostawifche Gesandte far Paris hat sich als Vertreter Jugoslawiens zur Konferenz rach Lari-samre bogeben. Eine Revolte in Mstthrazien. Lorrdon, 1. Dezember. (Tel.-Ko.mp.) Aus Konstantiiwpel wird gemeldet, daß die Aufruhrbswegung i« Wsstthrnzien einen ' besorgniserregenden Umfang annmmnt. In Gurmildschina haben die Aufständischen eine Provisorische Regierung gebildet und die BertridigMg der Diadt organisiert. - In- Dsdeagat-sch. und Karragatsch sind Straßenkämpfe im Gange, bei denen die ReLÄlen mit Maschinengewehren und Geschützen gegen die griechischen Truppen Vorgehen. Die Telegraphenlmie zwischen Karragatsch und Saloniki ist von den Rebellen zerstört worden. AuZtaKsch griechisch-ttittischerKriegsgesakgener Lausanne, 1. Dezember. (Schweiz. Depeschen-Agenibur.) Die Kommission für territoriale und militärische Fragen hiM bmte nachmittags eine Sitzung ab. Ueber Antrag Lord CurzonZ wurde Dr. Nansen über die Frage des Mi-norrtät-enfchutzes sowie des Austausches^ von Jlüchtlin-gen mtd Krie-zZgesimHenen z-o-ischen Griechenland und der Türkei cmgchört. Nach einer Msbusiion, an der sich Lord Gurzon, JSmet Pascha, Ve-nisekos und Barrere beteiligten, wurde befchlosien, eine UMerkvmmission einzui^tzM, der Vertreter Großbrütanniens, Frankreichs, JtÄiens, der Türkei und Griechenlands angehören sollen. Dieser Unterkommission, die unter dem Vorsitz eines Italieners tagen wird, soll die Mission übertragen ftenben, unter Berücksichtigung des notwendigen Btzweismaterials den möglichst Laldigen Abschluß einer Konvention Mischen den Ärteressierten Staaten vorzuLeratem. tzMte nächmiirags find auch die dritte und, die vierte Unterkommissiou der Wirtschaftskommission Jusammvivgetretem. SOerrerch. ZK GmKr Brotokolle. Zum zweiten Male.im Natioualrat Die gestern über Beschluß des Bnndesvcrles wiederholte erste .Lesung der Genfer Vorlagen wurde von dem Führer der SoZialdemoLraten Präsidenten Seitz zur Erstattung einer Art Rechewschaftsbericht an die gesamte Oeffentlichkert benützt. Seine parteinräßigen Darl-Lgnngen beinhalten nichts Neuesdas einzig Beachtenswerte ift die Erklärung des sozialdemokratischen Redners, daß der parlamentarische Kampf rrm das Wi-ederaufbaugesetz fernen A bs ch t u ß gestmden hat nnd daß die Partei nicht daran Lenke, die schon einmal geführte Debatte zu wiederholen. Die Gesetze weM« also nur formell den gangen Instanzen- Lnrg zu durchlcntfen haben, um dann kundgemacht zu werden. Allerdings wollen die Sozialdemokraten dann ihren Kanrpf gegen das Genfer Werk m. Wort wnd Schrift sertsetzen. Nach der ersten Lesung wurden die beiden Genfer Gesetze an die Ausschüsse göwiesen. Der Genfer Sonderausschuß versamittelte sich sofort mrd beschloß, den Beschluß vom 24. November zu wiodevholem Heute,nachmittags folgt im Natioualrat die zweite Lesung. Die fteirischeu WafferkräfwieM Graz, 1. DeMübtt.- Der. steirische Äandtag beschloß-heute eÄrsimmnig, namens des Landes Steiermark die ^Haftung |ür_ die von der St-oirischen Wasstrkwftand EleAvizitäts-A.-G. (Weag) zur BegeibWwg ausgeschvieLelve dcktte Aktienemission im Betrage von 300 Millionen Kroner, zu übernehmen. Mit Rücksicht ans die günstigem Fortschritte des AuZbaues der TeigÜ.sch- Kraftwerke und die bestimmt 'zu erlvartemde große RentMlität des Unternehmens ermächtigte per Landtag die Landesregierung, tau Einvernehmen mit dem Hauptausschuß des Landtages auch für die weiteren Begebungen von TvilschrtldverschrsKungen der Weag die Hasnu^g mourens des. Landtages füc deren Berziusuug und gnotenmäßige Rückzahlung zu Äbernehmon. ErgeLaislose kimMigsbestrebmigm der ° WenekchWm Monarchisten. Innerhalb.der österreichischen monarchfltischen Kreise, die in drei Parteien, und zwar die österreichischen Monarchisten, die schwarz-gelben Legitimisten und die österreichische Staa-tspavtei, zersplittert sind, bestand in Bester Zeit die Absicht, sich zu einer einheitlichen Partei der österreichischen Monarchisten zusammenzuschließen. - Wie die „Wiener Nachrichten" aus. informierten Kreiftn erfahren, sind die in den letzten Tagen zwischen den Parteiführern der drei Gruppen gepflogenen Verhandlungen ergebnislos verlartfen. Während es zwffchen der Partei der österreichischen Monarchisten mÄ der österreichischen Staatspartei noch zu einer Einigung kommen dürste, ist cur einem Zusammenschluß zwischen der Partei der schwarzgelben Legitimisterr (Oberst Wolsf) und der österreichischen Staatspartei (Kuno Hoynigg) mcht zu denken. Ungam. Dank Nom Hanse Horthtz: Budapest, 2. Dezember. („Tel. der „Wr. Moryenztg."). In den Kä-nvpfen Lei Budaörs gegen den verstorbenen König Karl ist eine beträchtliche Anzahl junger Leute, dir für Horthy gegen Karl in den .lkampf zogen, gefallen. Nach dem Sieg wurden, diese jungen Leute unter großen Feierlichkeiten als Helden der Nation bestattet. Allerdings nicht alle. Einrr, der gleichfalls für Horthy sein junges.Leben ließ, tvar nicht unter den feierlich Bestatteten, ihm wurde diese nationale Eh-re nicht, zuteil. Es war der jüdische Techniker Emmerich Klaus, der ohne Teilnahme der offiziellen Kreise seinerzeit am Budapester jüdischen Friedhof zur ewigen Ruhe gebracht IvUrde. Vor einigen Tagen fand die Enthüllung des Grabdenkmales für Emmerich Klaus statt. Von jüdischer Seite wurde der Gefallene als Patriot gefeiert, aber alle sogenannten Spitzen der heutigen Gesellschaft fehlten. Es fehlten die Vertreter Horthys, die Vertreter der Krregsderwaltung und auch feine Kriegskamenaden, die bei Budaörs mit ihm für Horthys Ruf und Ehre kämpften, glänzten durch ihre Abwesenheit. Nicht emnral der Athletik- und Fußballklub bßr Technischen Hochschule, dessen Meisterschwimmer Emmerich Klaus gewesen ist, fand es mit seiner Ehve für vereinbar, dem jüdischen Klubgenossen die letzte Ehre zu erweisen. FarMe» mid krwachende. . ^Dje Wiener italienische Gesandtschaft teilt mit: Die Nachricht von einem angeblichen Geheimabkommen zwischen, ita l ien is che« F ä s z i st >r n und Legionär en, < ttvti 6. it s ch e n E'm i g va nte n - und Mr wa ch e n d e n - Ma gh a r e n" g e g c n A u g o j l a w i e u, dje^in der Belgrader Zeitung „Wreme" erschienen ist und von einigen Wiener Blättern verbreitet wurde, beruht auf Erfindung und entbehrt jeder Grrmdlage. Im Bu'dapcst-rr „Magyar ^irlap" schreibt der Führer -der „Erwachenden", Abg. Georg Hegedüs, sein Verein sei nicht identisch, mit der von Stephan Friedrich organi--. . sierten Bewegung. HegedKs macht dann die unklare Bemerkung: Die Mitteilung, daß dje Urkunde' über dvö Uebereinkommen mit den italienischen Faszisteu, den'Kroaten und den ungarischen Faszistm seinerzeit Friedrich eiltgehändigt wurde, ist eine willkürliche Verdrehung. Die Faszisteubewegung Friedrichs stcht diesen Dingen fern, itnb ich kann mit Entschiedenheit behaupten, daß Friedrich nicht nur nicht der Führer der ungarischen Faszisteu ist, sondern nicht einmal davon unterrichtet ist, wer in Ungarn der Führer des Faszismtls ist." v Danach besteht also die Möglichkeit, daß es in Flngaru zwei faszistische Organisationen gibt, die unabhängig von einander erst das Waer trüben wollen, um damr gemeinsam fischen zu können. Das oben erwähnte Dementi dev italienischen Gesandtschaft wird jedenfalls durch die-Aeußerungen Hegedüs entwertet. Aumönien. AntisemWche Provokateure. Klausenbnrg, 1. Dezember. (Tel. , der „Wr. Morgenzeitung".) In jüngster Zeit mehren sich hier die vou Horthy- Agenten nach Budapester Vorbild insszenierten nächtlichen .antisemitischen Unruhestiftungen. Wie in Budapest nehmen auch hier diese Raufereien in irgendeinem Kaffee'hause ihren Anfang, wobei die Brranstalter die geheime Hoffnung hegen, daß die antisemitischen Hetzen sich über die ganze Stadt verbreiten würden. Die letzten Zlusschveitungerr wuMn von den Antisemiten im Paik-Ease hervorgerufetr, wo eine Gruppe dir-^er Gesellschaft die Zigeuner mit vorgehaltenem Revolver ztvangen, das magyarisch-antisemitische Lied „Evger, zu spielen. Sie wurden aus dem Kaffeehaus gedrängt und zogen dann in die übrigen größeren Kaffeehäuser. Schließlich kam es im Cafe „Dacia" zu einer großen Schlägerei, der erst durch ein Polizeiaufgebot ein Ende bereitet werdn konnte. Die. Polizeipräsiktnr stellt in einem amtlichen Kommunique fest, daß'es sich hier um eine organisierteHetze ent-er Gruppevon AntiseMiten handelt, und daß die. Polizei alles aufbieten werde, diesen Hetzern das Handwerk zu legen. Es wurde auch bereits verfügt, daß Samstag und Sonntag -nachts bewässnete Patrouillen^ die Lokale beobachten, um jebent Bersnch. einer antisemitischen Hetze die Spitze abMtzrechen. Ein Msgyarom. Klausenburg, 1. Dezember. (Del. der „Wr. Morger^ zeitimg".) Vor einigen Tagen wurde hier die Vereinigte rlugarische Partei gebildet, welche mmmehr die Bertvet-rmg 'der politischen Interessen der Magyaren in Rumänien zu besorgen haben wird, Große Entrüstung unter den Inden 'Rmnäniensruft die ..Haltung des - Dr. Salomon. B e r -k-e 8 »herpor, 'her in der'Hrün-MgSverfamnflu^ng'.der Ungarischen Partei erHrte, daß säimtüche Judry Rumäniens sich heuie und ür alle Zeiten zuni MagYarenüM bekennen und das 'Ungartum - in Sieheubürgen bitten, die Rechte der Iudett M verteidig;,;. .Cr begründe-t fcmri Protest geM die^Er-