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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-02 · Heft 1369 (2.12.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1369 (2.12.1922)
Date
1922-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«J 'W <W?W *-w W'F^' '«V‘ ({,f^^lJif^li ^*"77^' l-W.\Y',‘^ -' s" ' ’ - ) ' -> 1 \vy r // Einzelnummer K1100 Vien: Zum Abholern in der £xpeditibnfU.,T aborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstella (Trafik)monatl. IC, 28.000 \Mit Postversand furWicn u. lOesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-SiowaKel i taehech.K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien: Monatl. 60 Lei bezw. Lewa Schwei2 und das übrige Ausland monatlich Frcs. ,3. Ps che ch o-Slowakei; (Mon. K 17. Ungarn: Mon. / IC 600. fügdslaWieh: Mon, Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 3500. Deutschland: Mon. Mark 800. Frankr., Belgien: Monatl. Frca. 8 Nachzahlung« Redaktion ü. Administration. Wien, II., Taborstrassei-—3 Telephone- 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends. 16-301. Tel-Adr.:,Morgenseitang“ . Wien Oestenreichisches Postsparkassen «Konto Nr. 150.693 u “Wm . »ei Prei*erh5hun{ren Vorbehalten —y. W i e n. 2. Dezember Der Kapitän Ehrhardt. Vi-e nationalistische Mordagitation in Deutschland hat zu einem bis 10. Dezember befristeten Ultimatum Der Botschafterkonserenz <m Deutschland geführt. In drei Ztädten sind fremde Offiziere von aufgehetzten jungen Leuten insrrltiert worden und die Entente fordert nun Genugtuung. Sie schreibt die Erstattung von Kontriöntionen vor und beauftragt mit der Ausarbeitung der Forderungen für Schadenersatz und Strafe ihre Militarwnrrollkommission, also Funktionäre, die im Krieg mit solchen Dingen sehr viel und sehr oft umzugehen gelernt haben. Da für die Kontributionen die bayrischen Staaisrinnahmen aus der Pfalz als Pfand bestimmt werden, vollzieht also die Entente eine sicherlich in-Bayern sehr unerwünschte Anerkennung der Reservatrechte. Die Vorfälle, die das Motiv für das Ultimatum örlhen, haben sich nämlich zum größeren Teil in Bayern rreignet und gehören in das Kapitel jener unerfreulichen Erscheinungen, an denen die Politik dieser Zelle -der antisemitischen Ordnung so reich geworden ist. Die gefaulte Regienmgslätigkeit des Herrn . Kahr und seines Nachfolgers Lerchenfeld stand unter dem Einfluß der Offensive des Hcvkenkreuztums, das sich in Bayern besonders kräftig entwickeln konnte. Auch.der neue Ministerpräsident, Herr v. Knrlling, hat mit diesen Dingen sicherlich mehr als ihm lieb ist, zu tun, und er hat gerne die Ein- DllliMng zu der von Berlin aus geforderten Verhaftung des Führersaller aktiven Antisemiten, des Kapitäns Ehrhardt,- gegeben. Dieser Held hatte nach der Erinor-. rung Rathenaus in einer Ueberschatzung der Energie ^er preußischest Polizei die Flucht nach Oesterreichergriffen uns. setzte, sichseelenruhi'g nach Innsbruck;. qls' n)W weiter Mchah, kehrte er. mach München zurück- und bewegte sich Mftt Aster ULkinMWGWErMs . fein Werk fort. Dä man seinen MorderveGänd „Cönsmf' * für aufgelöst erklärte, nannte er ihn ,fneüer Schutzbund". Das war die einzige Konzession, die er der Erregung, machte. Während des Prozesses. gegen Techow und Genossen, die-jugendlichen Opfer seiner Befehle, befand er sich rtt München. Niemand dachte au ihn, niemand kam auf den Gedanken, diesen Mann.doch wenigstens als Zeugen vor das Leipziger Tribunal zu ziehen. Er konnte ungestört seipe Pläne fortspinnen, uich da kam ihm seine mrch unterirdische Verbindungen' erworbene Kenntnis Des Musfolimschen Füszismus sehr zustatten. Er organisierte aus fanatisierten Gymnasiasten neue Terrortrupps mit der Aufgabe, überall Beunruhigung zu schassen, die >er Schaffung einer gegen die' Republik gerichteten Massenstimmung günstig sein sollte. Was diesem Zweck Dient, ist gut; erzeugt man außenpolitische Schwierigkeiten — um so besser, wenn es sich nur gegen die deutsche Republik, gegen den Frieden und natürlich gegen die Juden gebrauchen läßt. Er schickt also, seine Leute nach Budapest, h>a sie mit den Erwachenden und der mysteriösen Mission Romayellis - zusginmentreffen; seine Agenten organisieren in Prag den Sturm aus den jüdischen Rektor/ um die tschechische Oeffentlichkeit zu provozieren; bei der Anlage des Wiener Radaus gegen die Juden ist die technische Anlage des Streichs durch gute militärische Leitung unverkennbar. Er verbindet sich mit Hitler und Riehl, die beide — an gespornt durch .Mussolinis Erfolg — eine faszistische Aktion gegen den Parlamentarismus in Deutschland, in Bayern und in Oesterreich vorbereiten. Damit störter aberdie Kreise des Herrn Knilling) und derfreut sich, als Berliner Detektives, die den Kapitän Ehrhardt erkannt haben, gehorsam anfragen, ob es genehm wäre. Ja, es ist genehm. Aber der Unfug, den Ehrhardt angerichtet hat, läßt sich nicht mehr zurückpfeifen. In Passau, in Ingolstadt sind französische Offiziere verprügelt worden und auch, in dem fernen Stettin hat sich etwas'derartiges ereignet. Die Entente versteht in solchen Dingen keinen Spaß. Man'darf Juden erschlagen, Armenier morden, man darf für Frankreich oder für England oder für Italien Gewalt anwenden. Aber ihre Vertreter im besiegten Land sind unantastbar. Diese Antithese entschuldigt natürlich uicht die Tat der Ehrhardt-Schüler, die ihr Meister, soweit er sie nicht als Geheimverband organisiert,' zur nationalsozialistischen Partei zusammengefaßt, dem Hitler übergehen hat. Mit Sozialismus haben diese Bestrebungen nichts zu tun, und weder in Bayern noch in Oesterreich zählen sie eine nennenswerte Anzahl von Arbeitern als Mitglicher. Es sinh Beamte, Offiziere und hauptsächlich. Hoch- und Mittelschüler von der Sorte, wie sie am letzten Mittwoch vor dem Diener an der Universität paradiert chat. Ihre wirtschaftlichen Ziele laufen sehr weit auseinander. .Gemeinsam ist die Parole der ZomumöVWÄie im englWen MerhMe. London, 1. Dezember. (Reuter.) (Unterhaus.) Laufe der., Debatte über die Arbeitslosigkeit kam Asqniih auf die. wirtschaftliche Lage Mitteleuropas zu sprechen, wobei er darlegte, man hätte in den Friedensvertragen Maßnahmen treffen Men, vm der Aufrichtung künstlicher wirtschaftlicher Schranken zwischen Oesterreich und den Nachfolgestaaten vorzubeugen. Premierminister Bonar Law erklär!e, er gebe zu,-atz dce Trennung der Donaunronarchie für kehres der in Betracht kommenden Länder von Nutzen war,-er müsse aber daraus Hinweisen, das; damals in den Gemütern dieser kleinen Staaten nichts so stärk ausgeprägt gewesen sei, wie per Gedanke der Selbstbestimmung. Wie schwer es gewesen wäre, sie zum Aufgeben des Gedankens der Wirtschaftlichen Unabhängigkeit zu bestimmen, sei zu ermessen, wenn man sich an die Schwierigkeiten bei der Regelmtg der irländischen Frage erinnere., Eingängen der von der östeveichischen Regierung nach dcNn Plane des Völkerbundes anfzun-öhrnmden garantierten Anleihen rückzahlbar. In UebLveiüstimnMng mit den übrigen Gläubigerstaaten habe die britische Regierung ihre Bereitwilligkeit erklärt, die R ückzahlungsfrist zu erstrecken, so daß die Rückzahlung ratenweise. aus den ansernanderfolgenderr Abschnitten der garantierten Anlecheu erfolgen könne. London; 30. November. (Neutsr.) Im Umerhauft kündigte PreiMermiuister - Bonar L a w an, daß die Ha-ndelLerlei-chterun'gSbU, die in ihren Beftinrnrungen die W a r a nt re de r. ö ft e r r.e i ch i f sch cit A n leih e eiw schließe, nächste Woche.c-ingehracht / wepdeu würbe. . In Erwiderung auf eine Anfrage, ob der Vorschlag 'gemacht' Wörden sei, die im.Februar rückzahlhäve letzt e b r i t rs che'K n l e ih e für.' Oesterreich zu -..prölmlgieren,- erklartr 'Schatzkanzler B a l dw i ü,' die AÄÄhe sei aiis Eien Bern, 1. Dezember.. (Schweiz. Dep.-AgeMur.) Der heute im Bundesrat genehmigte Entwurf AU einem Bundesbeschlus; über die finanzielle Beteiligung der ' Schweiz an der Wiederausrichtnug Oesterreichs besagt: „Der Bundesrat wird ermächtig.!, sich an dem vom Völkerbund unternommenen Werk der Wiederaufrichtung Oesterreichs finanziell zu beteiligen. Die Beteiligung der Eidgenossenschaft wird auf den Betrag von 20 Millionen Goldfranken beschränkt. Sie kann durch direkten Vorschuß von Geldsummen oder in irgend einer mrderen Form, die dem Dnndesrat zweckmäßig erscheinen wird, erfolgen." Die Botschaft des Bundesrates wüst einleitend auf die früheres Hilfsaktionen zugunsten Oesterreichs hin und betont die, Notwendigkeit, die Hilfeleistung für Oesterreich mit dem Bestreben in Einklang zu bringen, sich nicht in die Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen. Paris, 1, Dezember. Die Agence Havas meldet: Da de» von der Militarkontrollkommission formulierten Forderungen nach Entschuldigung und Wiedergutmachung wegen der Vorfälle in Stettin, Passau und Ingolstadt, von denen Offiziere der interalliierten Militärkommission.. betroffen wurden, von Deutschland hur in sehr unzureichender Weise Genüge getan worden ist, hat. d i e- B o t sch a f t erkonseren Z an den deutschen Botschafter m Paris im Name» der alliierten Negierungen eine 9wte gerichtet/ worin das Deutsche Reich von folgenden Entschließungen der Alliierten in Kenntnis gesetzt wird: Die von der deutschen Regierung noch nicht gewährte Genugtuung für' die Vorfälle in Passau und Stettin mutz b i s zu m l 0. D c.z e mb e r gegeben fein. Was den Vorfall in Ingolstadt betrifft, so müssen die Wiedergutmachungen oder Strasmatznahmen, die der deutschen Regierung von der Militarkotttrollkommifsion werden vorgeschriehen werden, bis zu dem gleichen Datum ausgesührt sein. Der bayrische Ministerpräsident hat an die Militärkontrollkommission ein Schreibe» zu richten, worin er seine Entschuldigung wegen der Zwischenfälle in Passau und Ingolstadt zum Ausdruck bringL ° Jede dieser Städte hat eine Geldbuße von 50V.VVÄ Gold mark zu zahlen. , Falls die Bezahlung bis zum 1V. Dezember nicht oder nur teilweise erfolgt, werden die Regierungen der alliierten Mächte die Summe von einer Million Goldmark, bezw. den Fehlbetrag ans diese, Summe zu ihren Gunsten von den , Einnahmen vorwegnehwen, welche die bayrische Regierung t ans der Pfalz bezieht. Jud", die . sie nnl Genossen m Budapest und wahrscheinlich auch in Warschau und Lemberg verbindet. Denn das antisemitische Prograinm ist leicht faßbar und es verlangt keinerlei Sachkenntnis. Die Inden — das ist die Demokratie, die Freiheit^'der FriedM, die Völkerversöhnung, die Arbeit. Also nieder mit den Juden! Sie sind das erste Kampfziel des konzentrierten Faszismns.'Die Demokratie kmnmt später dran. Re und die Berlin, 1. Dezember. (Tel.-Konrp.) „United Telegraph" meldet > aus Lausanne: In den Privaten Besprechungen zwischen dom. ainvrikanischen Beobachter Child rnhd -Jsnret Pascha iv-uvde vön dom' türkischen Delegierten die Frage angeschnitten, öb das StaatMpärterneM ün Prinzip beveit sei, mit der Angova-Regievung Vertväge albzuschließen und zu verhandeln. . V.> . . , Botschafter CHWd erklärte, daß er gegenwärtig keine Zusrcherüingen '.machen-' und auch nicht in Berharidlungen emtpeitm könne, weil'devLvtvge' SoMwechandAmgen von den alliierten Mächten als eine Kollision mit den Arbeiten der Konferenz ausgefaßt tverden könnten. In den Kreisen der türkischen Delegierten hevscht über die anrerlkan'lsche ZurückhalMng eine starke Enttäuschung, denn die Türken hätten zuversichtlich mit der amerikariischen Unterstützung gerechnet.- Die .Halümz Jsmet Pasäias, der eine-Reihevon.englischen Vorschlägen zurückgewiesen hat, ist ga>nz ans die wirtschaftliche Zusammenarbeit mii den Bereinigten Staaten eingestellt. Da bei dem jetzigen Stand der Dinge 4wc türkische Delegation eine offizielle Nnierstützung durch Amerika kann: erwarten wird danui gerechnet, daß sich Jsmet Pascha im weiteren Verlaufe der Konferenz den englischen Konzessionen gegenüber zrigängckicher zeigen wird.als bisher., - - - Rom, 1.' Dezencher. (Tel.-Konch.) Die italienische Re- .gievgng nimmt eine sehr energische Haltung gegeniiber Griechenland wegen der Hinrichtung vor Minister-ein. Als Mussolini von der Mordtat-Kenntnis erhielt, - beautragte er den.italienischen Vertreter in Athen, die griechische Regiermbg nicht anzuerkennen und die Lage aufmerksam zu verfolgen. Er behielt sich vor, den italienischen Gesandte'.! abzubernftn,- wenn es ihm nützlich erscheine. 1 : 1 : 1/ I ' '-VJ:;:'. li'1 m :ib M

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