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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-30 · Heft 1367 (30.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1367 (30.11.1922)
Date
1922-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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EiBzelnnimnerKllOO Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, odei In i nerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversahd für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschech o-S1owak ei: Moji. K17. Üngarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 3500. Deutschland: Mon. Mark 800. Fr ajik r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 W* Nachzahlungen bei Preiserhöhungen Vorbehalten 91t. 1367 Wie«. Donnerstag. 30. November 1922 T scnecno-Stowafc»! \ tschech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Läuft Rumänien, Bulgarien:' Monatl. 60 Lei bezvv. Levva Schweiz und das übrigo Ausland monatlich Frcs. 3« Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1 —3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab 6 Uhr abends 16-30V Tel,-Adr.: .Mergenzeitung** Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69? 4. Zahrgang Der Rektor als Diener. - —y. Wien. "0. November. Die Wiener Universität steht wieder enunal inr Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit und wieder einmal ist es die Jndenfrage, deren. Behandlung durch die Verantwortlichen akademischen Behörden die alten, ausgefahrenen Geleise des Skandals nicht verläßt. Keine Hochschule eines auf kulturelles Ansehen bedachten Staates kennt solche Vorgänge und in keinem solchen Staat würde die Oesfentlichkeit, die Regierung und das Parlament dieses Treiben auch nur einen Tag lang dulden. Der Rektor der Hochschule, der beispielgebend für die anderen Rektoren Oesterreichs wirkt, hat vor der Forderung einiger sich als „Kammer" ausfpielender Jünglinge, es seien die akademischen Würden nicht mehr an Juden zu verleihen und es seien Juden fortan nur im Ausmaß von zehn Prozent zuzulassen, bedingungslos seinen Kotau gemacht. Er hat diese Liste von Postulaten nickst mit der Disziplinierung ihrer Ueberreicher beantwortet, sondern in die Veranstaltung einer Tagung emgewilligt, auf welcher die Rektoren und die Führer der Radauftudonten , gemeinsam beraten sollen. Der Herr Rektor ist überhaupt sehr entgegenkommend. Er hat, so wie es ihm geschasst worden war, der jüdischen Studentenschaft eine Rüge erteilt, weil ein jüdischer Student cm einer Anstalt, die diesem Herrn Rektor ' gar nicht Untersteht, keine mißbräuchliche Verwendung jüdischer- Spendengelder dulden wollte. - Diese RüHr hat der Herr Rektor, ohne sme Untersuchung einstrleitvn, ans die Anzeigeder nationalen Führer hin ausgesprochen, hat sie assichveren lassen und außerdem Höchst persönlich auf der Straße vor der Universität dem Harrenden Volk mitgeteilt. Brauserwer Jübel schloß die schöne Feier. tor nichtaÄnn. Die^gMV^^nBorstÄ^ÄMMreren Hochschulen schließen sich Hm anstnd miKilligen gleichfalls. Sie wissen gar nicht, um was es sich handelt und wie unwürdig es für ihr hohes Amt ist, derart heratbgedrückt zu werden. Sie mißbilligen also und sie siiw mit der gemeinsamen Tagung einverstanden, auf der die Hörer über die Lehrer bestimmen sollen. Der akademische Futterneid der Professoren, überden alle deutschen Geistesführer, von Schopenhauer, bis Nietzsche, so schöne Morte geschrieben haben, wild da kodifiziert und dre unbequeme Konkurrenz jüdischer GeistrBert feierlich verdammt werden. Gm Stück Mittelalter 'tut sich da wieder auf, eine Zeit, in der die Professoren einander Hre anonymen Spottverse an die Haustüre annagelten und einander als Jrrlehver und Fitzer denunzieren gingen. Me akademische Lckhr- und Lernsteiheit ist zu einem Popanz degradiert, mit den: die akademischen Herren Buben ihr alkoholisches Spiel treiben und dabei die Mithilfe ihrer älteren Lehrer finden. Es gehört zu diesem Bild ekelhaftester Entartung, daß diese Jugend stramm in Viererreihen, den Heldenblick im treuen Auge und den Knüttel in der Hand vor dem Rektor defiliert, der vom Pakkon aus, inmitten seiner deutscharischen Korporale, die Parade abrrimmt. Dieser Diener , als Rektor ist ein Zeichen, das den Tiefstand des . österreichischen Bildnngswesens sehr scharf markiert. An ihm und seinem Benehmen, an dem Verhalten seiner Anüskollegen, kamt man erkennen, wie weit dieses Oesterreich schon rm Sumpf steckt. Das .Hochschulwesen ist aus Mangel an Mitteln schwer kvank. Es fehlt an den notwendigsten Behelfen. Darunter leidet die wissenschaftliche Arbeit und der für sie so notwendige Verkehr mit den: - Ausland. Der Staat kann nicht so helfen, wie es augezeigt wäre. Die Hochschulen mußten also die Sympathie der gesamten. Kulturwelt «untjm Sie haben das getan und —- das Judentum hat ihner; geantwortet. Es schickt ihnen Geld, damit sie ihre An^hörigen, Lehrer wie Höver, wenigstens notdürftig vor Hunger schützen und sie dieser Sorge. . entheben. Die Quittung dafür ist der HinaUswurf, wobei die Rektoren als Hausknechte stmgieren. Ihre Provokation der tvestlichen Zivilisation wird erfolglos bleiben. Dafür wird gesorgt werden. Es.wird auch die notwendige Aufklärung. der Freunde der- Universität im Ausland erfolgen. Es ist winInteresse'her europDschen Kultur, daß hier .ist . Wien eine Stätte hvhWpftgsten Reaktion als. Schützpark, eingerichtet tnerde mch dgß Wien mif die SMst von Budapest sinkt. In dem von allen Berufsdeutschen so hochmütig belächelten Polen wurde die gleichartige antisemitische.Agitation von den Hochschulsenaten abgewiesen. In Wien ist der Rektor der Diener der HabÄbcstizler. As Hakenkreuz auf den Wiener Hochschulen. Die Parade vor dem Rektor. Der Rektor der Wiener Universität, der bezeichnenderweise Diener heißt, hat in der von Dsutschvöllvfchen für ihre Zwecke aufgeputzten Beleidigungsaffäre Partei ergriffen. Die BerhaMungen, die. er einleitete, gipfelten darin, daß er dem Gesamtverband der jüdischen Studentenschaft seine Mißbilligung ausspvach, obzwar die Beleidigung nicht an der Universität gefallen -ist, und obzwar der Rektor gar keine Untersuchung borgenrimnen hatte. Me er sein Urteil ausgeführt hat, darüber ' belehrt die folgende Mitteilung des Deutschen H o chfchulauss chusses, die von den antisemitischen Blätterrr cvbg^dmÄ wird: Da die jüdische Studentenschaft die verlangte Genug- : tuung verweigerte, sprach Seine Magnifizenz, der Rektor der U n i v e r s it ä t, in Anwesenheit der beidevsÄUgen Vertreter der Studentenschaft die Mißbilligung des Rektors aus. Seine Magnifizenz erklärte sich bereit, persönlich diese Kundmachung der vor der Universität versammelten ' deutschen Studentenschaft Wiens zur Kenntnis zu bringem Brausender Jubel und as „Bwat aeädenria'/ bedrüßterr- Seine Magnifizenz; voll Spannung lauschte die Studentenschaft dsm-Bericht des Rektors mch faierte Hn mit lebhaften Heilvusen als deubschen Rekt'or. Damus! sprachcanid, rer., pol. Walter Kolbe Seiner Magnifizenz den Dank dy: deutschen StstdentenfKesk.' MS-tznd. fo»err. M -Byc» ' sämutlung auf/'drrrch veiEschtz iSadem^che Sitten HM-Dan? 1 M beweisen und Wen WihMMtchMitechiW vertttmensvoll ) FoMMMtestMt ÄrckM WlMWas heuTE Völk ischloß ' ' dev Rediwr ünd „Dmtfchland, DeutMand .über alles^ bildete den Schluß dieser ernsten ustd «Mvucksvollen Kmtdgobüng. Dank gchmirt allen denendeutschen' Studenten, die durch mustergültige Ordnungrmd. Ruhe das ihre zu dieser Entscheidung beigetragen haben. - Man muß Äaber festhalten, haß dieser Rektor der leitende Fuinktronar der Universität fft und über den Parteien stehen soll. Es komnt aber noch viel f^net Der dontischs Studentenausschuß erzählt weiten . wupde beschlossen, bis 20, Jänner 1923 einen — daß ist eine gemeinsame Tagung aller Rektoren und Führer der deutschen. Studenten ,Denffchösterreichs — zu verladen. Auf diesem soll endgültig über die in der überreichten Ldenkschrfft gestellten Fordermcgen beschlossen werden. Ein Teil der Wiener Rektoren, Hochschültaa irationallerr H-ochschuler leisteten in der Mehchell der Parole, der Abstinenz Folge. Die Rampe der Universität war seit dem frühen Mor-. gen von den Völkischen, die Hakenkreuze und monarchistische! Abzeichen trugen, besetzt. Sie erhielten gegen 10 Uhr vor-, mittags ZuZug von anderen Hochschulen. Große Gruppest von Studenten kamen hebbei und nahmen in der schnullest Fahrbahn vor dem Univevsitätsgebäude Aufstellung. Gegen halb 12 Uhr, als der Rektor Professor Dr. Diener, umgeben von den Vertrauensmännern der deutscharischen Studenten, aus die Freitreppe, vor das Gebäu de trat, waren etwa 1600 HoHschüler versammelt. Jndenr sie rings, um das Universitatsgebäude marschierten, fovnüevten sie sich zu einem großen einßeiNchen Zuge und defilierten vor dem Rektor. Die Anführer dop einzelnen Zirge konMimrdierten ,H> a b t ach t?‘ und Kcpfivendnng, mrd die Studenten Marschierten, ihre Stocke wia Sabel in der rechten Hand haltend, stumm vorbei Dev große Studentenzug bewegte sich daun durch die Wäh-, vingerstvaße gur Hochschule für Welthandel, und von den Posten der Deutrschnationalen wurde dann der Zutritt 'be-tz den Wiener Hochschulen -fveigege'ben. Briefplchier ntii und ohne Hakenlrenr ' Den ustmsttelbaM Anlaß zu derr HochschultraSvallest gab das M>e Vorgehen ststs Verhandes „Deutschg Stludentenfchaft au' der Hochschule für Welthandel". Dieser ehrenwerte Verband ist naÄrlich streng antisemitisch. Das Verbandsabzeichen zeigt eine (Me,! welW auf einem Sockel stcht. Der Sockel wägt das Hake nk r eu z. Aber wicht immer! Es rvnrden uns Schreiben dieses ehrenwerten Verbandes vovgelegt und wir konntenj fosjstellen, daß die gesirmmrgstüchtige Körperschaft auch! Stampiglien mit dem gleichen Wappen-! bilde, aber ohne Ha'Lenkreuz besitzt. Wohl siiv Gesuche um Unterstützungen und wenn es sich um die OuTttrerN'Ng jüdischer Gelder handelt. Diese Bereinigung von Gosimmngs-tüchtigkeit Md Sinn siir ge-, schästliche Interessen ist bewluidernswsvt. domn dieser Wunsch Egeteilt werderr konnte,?hat seine Zu- . sicherung hierzu bereits gegeben." Die Denkschrist, die auf dieser gemeinsamen Tagung durchberaten werden soll, enthält die Postulate, daß kern Jude ein HochschuLamt bekleiden dürfe und daß. die Lehr- und Lernsteiheit auf 10, Prozent für die Juden herabgesetzt wird. Zu dieser prozentuell zugemessenen Freiheit haben sich also einige Rektoren» mrter ihwn sicherlich auch jener der Aniiversität, 'bekannt. Nicht, so konsrqrtent arisch ist die Bchandlnng der Wischen Gelder aus Amerika. Wir haben über das Meritum, des Streites an der Exportaka-dsmie berichtet. Der Präsivent des „Joint" Herr Marburg, dessen Bruder in Hamburg auf der MvMiste der EHrM» Brigade stand, hatte in einem Brief an Herrn Hoover die paritätische Verwendung seiner Spende verlangt, Die Völkischen wollten dagegen filc „Auslärrder" ~ das sind die Jupen — nur 30 Prozent bewilligen. In der Aussprache Über dieses Verlangen kam es dann zu der so aufgMrüschten Beleidigung. Dieser Griff in die jüdische Tasche ist das jüdische Attentat und die jüdische Begehrlichkeit, die zur Nmnevus Äanfus-Denkschrift rmd zur MrßMigung des Rektors führte. Der Rektor der Exportakademie, Herr Grunze!, hat seine Demiflion gegebeir. Veranlaßt wurde -er zu diesem Schritt durch das merkwüMge Benehmen des Herw Diener, das er als einen unberechtigten Eingriff in seine Kompetenz ansieht. Ex hat den an seiner Hochschule entstandenen KaMDt a»chmom"WstN 'P 'aber durch den UuivevsitäMrektor. brüsk desavouievt «ivvrden. . Daghgen hat Herr Diener Astern die Defiliemug der Deaisch^MAen entgegengenÄnmeM Vorher waren die Emgänige zu den JnsMtur wieder' dort den Posten der Arier besetzt worden, die keinen Jüdm oder jüdisch aussehenden Hörer, passieren ließ. Es kbiur wnder zu erregten Szenen, wobei wiederholt die in Massen L*lSa&S&K AMi fctoijssbwB lwM. We EM- Ae ltkraknischen Studenten nntem Hrrkenkrenz, In der jüdischen Studentenküche esien auch 250 uLvar«! srische Studenten aus Ostgaligien. Nachdenr nirgends fütz sie Platz war, haben die jüdischen Studenten sie gastlich ausgenommen. Der Dank dafür ist nicht auMblrchen. Auläßlich der Krawalle ha- Len sich diese ukrainischen,Studenten best deutschnatioinalen Antisemiten angeschlossen und sich mitihrem Borg eh eng egest die jüdischen Studenten solidarisch erklart! Aber sie gehen, als ob nichts geschehen -wä've, wevtrrj Zum und vour Juden essen! Kavaliere unterm Hakenkreuz.' Allerdings dürste ihre Eßhervlichkeit bald eirr Ende nehnrem! Jüterefsant Ware es, Zu erfahren, was die in Wkst »verlenden irLrarmschen Führer aus Galizien zu dem Vor^ Men ihrer Studentenschaft zu bemerken haben. Bisher! gab es zwischen den JMn wird dem nkmrnischen Volke m, Ostzttltzien ein fveuudschaMches Verhältnis. Nuin sehen wir! Ukrainer mit arrtifermtischen dentfchnationalen Lärnr-! »mchevn nnterm Hakenkwug. Da ist wol eine Aufklär-Mgj erfoMrlich. Ser Hm RÄtor und die Israelitische Knvnrgemeinde. Bei der Wiener FMeng«memdc liegt ein interessant Schriftstück. Der Rektor der technischen Hochschule bittet dst Kultusgemeinde rmr Geld für die Er-, pichtung eines Denkmals Zur Erinnerung au die im Krivgc! tzejhllenen Höver, der Technik. Er begründet fein Gesuch mit, der-^Angabe, „daß 18 Prozent der Gefallenen! Iuden feien"! Auch dieser Herr Rektor ist ein Maam^ von 'hakenkrsnzsevifcher. Gesnmung. Seine Geyofsen brüllen in den Versäinmnlungen, daß die Inden feige Verräter waren stlck sich vom Felddkenst gedrückt haben. Mnn wir nichts irren, ist der Herr RÄtor Anhänger des ZLunrerus clausils für Juden. Aber werm es um GAd geht, nmGeld der i&u&A&Jfr ihML. Bis. ÄL

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