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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-27 · Heft 1364 (27.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1364 (27.11.1922)
Date
1922-11-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1’ § l "I: V UsiyT7VT p Einz8liQiinerK7oo Wien: &n> Abholen in der Expedition, HLTaborstr. t -3, eder in imerVersehleiRKtcQe (Trafilc) w«*at1. IC Ä000 mrer Wt Peatversfend führ Wien tu Qestenr. monatl. K 28.000 Ts ehe eh o-S lovalcei: Won. IC 17. Unfern: Morn. K 600. Jf« g o s 1 atwi e n: Men* Dinar 30. Polen: Mob. Jyfc.3500. Deutschland: Mon. Mark 8C0. Franko Belgien: Monatl. Frea. 8 Ni|)liii1il«i>y«a __ kd Prei*«$i3hu*!ea verfaekattsa Ts<h.«cii»e3fowah«iCr^ Vts<hech.K 1,20 , Italien: MenatL 10 Urar^W» Rsninie», Buljjarieat Monat! 60 Lei bezw. Lewa Schweix and da« flhrifC Aaslaad monatlich Free* 3» Redaktion u. Administration Wien : ft., Tahorstrasse 1 —3 Tel« ab »hone; 44*0*38,43-S-19, » Uhr abends 16*301* Tel- Adr.: ,Morg enzehung“ Wien . Oesterreichisches Postsparkassen «Konto Nr. 150.693 2Rr. 1364 Me«. Wostag. 27. Stovemlier W2 4. Zchrgssg Der WmWche Nach der Wahl deS PermauertzauSschusseS erftottefe der PrLsLent des L. K. In«. R: Stricker das Refe-. i A t über, die all ge me i it < L a H e i m ZkonismnS. DaS Pa.lästina-M«Lat schaffe eine 'ganz neue Situation. Die politische Basis ist gqgeben^ und . wir stehen vor den Wfgaben des ArHaues. Dies' gilt aber nur mit einer geyMen Einschränkung, den» von g'merabfolntmSichevumig styrm noch nicht gesprochen DeÄ^n.. Die ErLm;gMdg des Mnidats trotz aller Mderstwade-tpar; ein einzig dastshercker Erfolg, und England hat hier feind politische Einsicht «Miefen ryÄ gesagt- Das Mrsäze Pollbesteht für imS aus jencht, wvlche die Zukunft ihres Polfts wollen. ES ist nun die Ftage, ob die Erteilung des'Mvn^ unseren Geg üern «inen solchen Gesinmku^uMschü«Mg vollzogen hat, wir ruhig i» die Zivkunst' hlicken können. Frankreich tmd England werden sich dom Spruche des Völkerbundes, Lpi dem.sie mitgewirkt haben, gewiß fügen, aber an ihrer Hültmig bei allen Eventualitäten sind' dich Zweifel erlaubt. Kas Mandat ruht auf zwei Tragsäulen: der Mandats- Macht und dcmDAkevb-und. Daher müssen wir den Kontakt mit' Men Mächten suchen, die. unsere' Sache noch fremd ^genKberstehen ' und drwnochfür'unsere Sache gestünntt Wen. . ' Wir nmffen unser« Außen p.olitit ausgestal- N und eine'Prvpa.^anda entfalten, welche nuferer Sache M dett AuÜurv'Slketn 'der We^'Be'rMusdnis wecken soll. Fsir den Z i o n i st e n als solchen besticht die V e r p f l i ch" Eng, mit allerKraft für den Völkerbundg < d a n k e n e i n z u t r e ten, denn alle Verträge stehen ünd fallen mit dem Völkerbund: Weitcrs liegt es m zio« Dischem Jntevesie, Eng'land gegenüber loyale Pokrtik zu machen. Redner ^tzricht die KMk. die von äffinnkatorischer Seit« an dett pMioniMchen BawsggrLnden Mgl^M^wZch'MrauchW Mn kritische Anschiu^O.M-MD'hÄsje». Wissen» dich Mfere Politik ans lange Zeit hinaus von Englands Haltung abhanden wird. Nicht das' mcherialistische, ' sondern 8aS freiheitliche England war unser Freund, die Arbeike r und die fre i h ei tl ich r n Elemente unter den sogenannten Konservativen haben unsere ^dje getragen. Das ftwfte Problem, daS' jetzt vor uns ste-ht, ist der Husöan Palästinas. Wir müssen alle Kräfte dazu eustrengen, ober auch die^ Hysterie ve-rnwiden. Man dürfe nicht sagen, wenn »ran nicht s e tz t' Palästina «uslbaüe, seien wir verloren. Gbenfowemg haben wir das Mandat unter der Bedingung erhalten, Pckl^tina in einem bestimmten Aitraum autzubauen. Es ist gut, wenn man nachdrücklich die Konzentration aller Gmvzien fordert, aber man darf nicht so wert gehen, durch Hysterie Mutlosigkeit zu produzieren. Die Resultat« deS Ke r e n Hajes so d sind g u i, wenngleich di« prAimrnier^w Beträge nicht erreicht sind, denn diese Frage ist eine Frage längerer Erziehung zum t>pfer. Im gwße« umd' ganzen ist der Keren Hasessod «rf gutem Woge,' akche-wirtschaftlich kann PaLLstrna durch ihn nicht aufgeb<urt Seme Aufgabe ist die BorbereLt'ung für den Aufbau, nicht der Aufbau seW, rmd wir weiden dem wirtschaftlichen Aushau in Miserer Ovganifation näher treten müssen. Wirtschaft baut sich aus Ka p t tal auf, ob dies den Dogmatiker» recht ist oder nicht. Di« Privatinitiative hat für Palästina nichts geleistet, aber «n Zionismus hat man auch nicht versucht, ihr ernstlich den Weg zu bauen. Das Kapitol verlangt Sicherheit und Ehaneen. Es bedarf eines Führers und das ist die Bank. Unsere^BäM muß ausgebaut^werden, denn ihr heutiger Zustand ist völlig unbefriedigend. Wirtschaftlicher Aufbau ist nichtJ bloß JdealiSnvlS und ÄnfopfevU'Ngsfahigkeit, sonder» «S müssen auch d« entsprechenden Mittel vorhanden fern. Eine vernünftige Wirtschastöpolttck in Palästina ist das beste Mittel, um die anderen heranzuzie^n. Jüdisches Kapital ist mit jüdischer Gesinnung nicht identisch. Wir müssen trachten, jüdisches Kapital zu bekommen, «S aber nicht zu unserem GesinnüngS-, sondern zu unserem GeschäfMomPagwon zu machen. In der Frage deS Weltkongrestses bekennt sich Redner chls Kongreß geg ne r. Wir wetd^n darüber sprechen, aber Seme« Antrag stellen, denn der' Kongreß ist beschiosiene Sache. Aber Klarheit darüber ist notwendig sowie über das BechältmS der Opganisatiou zum Kongreß.' In erster Slerhe interessiert uns die Frage: Soll d» ZionP'.sche Hrganisatüm aufhören cder nicht? LS sind die folgenden l^chankenfläit.ie, welche zur Kougvestbse gtzWvt haörn: 1. daß drL Mandat dom ganze» Volke züfomme, weshalb'*? ein« Moralische Pflicht bm Kongreß emzüberuftn. Ferner gLnugr dichnchbr, so wevde tzeWchtet,^dre Liuzfamtz-^Mtzlpjjp. .der ^-e.-L»Wio«. MtzMMr Schnellrgkeit ein großer Teil des VMS erfaßt werden. Der E-nflutz der anderen auf die zionistische Arbeit sei nicht zu befürchten, denn die, zionistische Id« werde immer vorherrschen. Redner verzichtet davrüf, ftine Gegenargümente, gegen den Kongreß dcchzulMN, dä er seine Ansichten ausführlich in der „Wiench:^ Movgenzeitu'd^ auseinmldev^Lsttzt habe. Nur über t ^ne s'-soll jetzt gesprochen werden.'Mn Teil der Mitglieder^der KaÄsbccher Jahreskonftrenz hat erklärt, der 5bongveß,- den sie meinen, sei di« Ablösung der Zionistischen/Organisation durch eine arvdeve Form. Dies g^lte > für den M i s r a chi. Die MajontLL aber, welche den i Kongreß WÄ, will auch die Zionistsche Organisation. MM der .Parteitag dazu konunen sollte, einen Antrag für Sen KvWvetz mizscnehmen, dann müssen wir fragen: Wolle» wir, daß die Organisation weiter bestche, dann Essen wir diesen Willen zum Ausdruck bringen.: Sollte es sich Herausstellen, daß der Kongreß nur unter Auslosung der Organisation möglich ist, dann müßten wir fwgen, wir lchnen diese Dache ab. (Acbhafter Beifall.) Zu Beginn der Sitzung von Sonntag vormittags gedenkt der Vorsitzende der Toten, tvplche wir zu beklagen haben. (Die Delegierten rrheben sich von ihren Sitzen.) Der Borsitzerrde hält den verstorbene» Gesinnungsgenossen Nathan Gr ö ß, Go rdon» Lr. Martin Fö rster, Felix Leder er, Emil R e i ch und Jsvael P.e r! ste i n einen warmen Nachruf. Hierauf wird eine B u d g ei?, eine R e s o l u 1 i o n s- und eine S t a t u t e n k o m m i s s t o n eingesetzt, worauf das Parwigericht als Legitimationsausschutz srinen Bericht über die Mandate erstattet. Nach üner längeren .Debatte, tvelche ttrr Keren ^ljesiod-Leistung^ der Delegierten gilt, wird beschlossen, dieMM^ßeMeter-., Dr. G e l b e r Eläulerungen zuck Tätigkeitsbericht des abtvetenden Landeskomistes^ welcher 'den Delegstrtrn gedruckt, vorliegt. V In der Generaldebatte tritt Schwertf.i n g e r für den Weltkongreß ein und weist darauf hm, iLitz auch in Oesterreich der Boden für eiye Miöarbeit der Nichtzionisten auf palästizvensischer Gtutstlage reif sei. Auch in der Agrckah gäbe es zwei Richtungen, und die eine Seite wevde ma-n für Palästina haben. Wir müssen möglichst rasch in Palästina Wurzel fassen, die politischen Vorgänge beweisen wieder diese Notwendigkeit. Auch Feldsckreiber weist dttvaus hm,, daß die Zionistische Organisation heute edn Ausgaben in Palästtna allein nicht gewachsen ist, wir brauchen daher den Weltkongveß, um diese Arbeit zu leisten. Dr. Isidor Schallt bekennt sich al§ absoluten Anhänger des Weltkongvesies. Der Hinweis des OberrabLiners Dr. Chajes, daß die Frage deS Kongresses erletkigt sei, muffe unterstriche» weichen, denn eS war?» bei uns Anschauungen verbreitet, daß die Frage »och nicht bereinigt sei. MS keinem der Artikel Wer. den Kongreß konnte man ersehen, daß man von einem bestehendem B^chlnffe spreche. Ebenso wurr-r in den Versammlungen zur Vornahme der DÄlegiertenwahle» dis Sache vielfach unrichng dargestellt. Mit solche» Methode» dürfe man nicht für die Idee agitieren. Redner zitiert die Rede WeizmannS auf der Jahveskonferenz, welche der Auffaffung widerspricht, daß man den Kongreß nicht ernsthaft gewollt hat. Herzl wurde bei feinem ersten Auftreten ebenso von den ChowewerZion Lekanchft, wie man heute b« uns gegen den Kongreß auftritt, indem man sagt, daß durch ihn der Zionismus geschwächt wurve. Auch dje Chöwewe-Zion konnten es nicht fasten, daß außerhalb ihrer Organisation Kräfte vorhanden sein loerden, welche .ihr Werk stützen können. Das zionistische Budget für das kommende Jahr rechne mit der Stabilisierung von 4V0Y neuen Mensche» in Palästina. Das ist nicht der große Zionismus eines Volles, welches eine Hemrstatte sich schaffen will. Der Standpunkt des MiSrachl.und der Linken darf uns.nicht huddern, eine notwendige Sache zu wollen. Jeder'Recht,-zu unS zu kommen, der feine Pflicht erfüllt. Die-Arbett für de» Kongreß wich, unsere ziouistlsche Arbeit 'befruchten, well wir in einen neue» KrxiS kommen, zu dem wir noch nicht gesprochen haben. Mit drr Elnbemsung .de-: WelttongrePS werden wir den Weg für das ganze Bo^ bahnen. Wir vertreten daS BolkZinlevcsfe, urch wenn . wir. d'.eses Weü schaffen, kauwrn wir nie an die Wynd gedrückt werden. (Dsbhaster Beifall.) WrZetzmtt dSK lSevichteS NM Das Genfer SMerMgswerk erkdM Mm ftchzehnfiLndlge Dauersitzung des Natlonalrüles. StunnsMen. Mit. der Formalität der dritten Lesung des Wied^ränfbaugesetzes, die der Nattonalvat heutr vormittags in einer kurzen Sitzung vornahm, sind die drei Genfer Sanierungsgesetze endgültig zum Be-> sch t u f f c. erho b e n. Der BundeZrät wich sie morgen nachmittags genehmigen. Die Schlußsitzung des Nationalrates säuerte mit zwei längeren. Unterbrechungen von Samstag 9 Uhr vormittags bis gestern halb 7 Uhr abends. Dis Debatte, wurde fast nur von Sozraldentolraten' be- MMr» die Chrifttichstzialen beschränkten sich auf Zwischenrufe, deren Um uüd. Auf der „Jüd" war. Dem Äbg. Dr. Bauer wurde rm Laufe der Lärmszenen wi^derholb zugerusen „Jud,. Saujud, Judenbuo, jüdische Frechheit/ freches Judenjünstll, frecher Saujud!" : .. M SkWhalfMMi. .. Schon wahrend der Rede des Präsidenten Seih tonnte morn äine wachsende Unruhe, besonders auf der rechirn Sertr des Hauses beobachte». Näme»Mch der immer wrederkehreude Vorwurf deS Hochverrats rief bei der Mchrheit lärmsnde- Zwilchrnrnse hervor. Zu wüst e n Szene» kam cs aber bei brn folgenden NuSsührüngen des Bundeskanzlers, der die Bs» hauptung oufstellie, daß weder im MnSfchutz noch wahrend der zweüen Lesung irgend eine Neue Idee ober ein neues Wort vorgebchcht worden sei. Ms de» Banken der Liuseu entstand nach diesen Worten ein ungeheurer Tumult. Der Abgeordnete De. Bauer schlug mit den Fäuste« aus das Pult und schrie: ^Das ist «tue bewußte Unwahrheit! DaS ist ein« Löge!" Diese Zwischenrufe waren wieder daS Signal für die rechte Geste, z« reatzieren. i '. ^Rieder mit thw!" scholl.etz ^ALN.er entgegen. übische Forchhest^--'UNd^M-MüWoEchDtt"Ä Mü:'' de» .Sozialdemokraten herüber: WBa»psaff! Bewußte Unwahrheiten!- ' Der Lärm setzte nur zeitweise aus, so daß ein großer- Teil der Ausführungen deS Kanzlers ans der Galerie unverständlich blieb. AlS De. Seipel schließlich mit Befriedigung seststellt«, daß di« Mehrheit des Hauses und der DeEerung hinter ihm stehen, brach der Ar« ans seiten der Opposition von neuem los. Sr wurde bis zur Siedehitze gesteigert, als der Kanzler tea AlEssrdueten Dauer persönlich apostrophierte und ihm vorwars, daß er seinerzeit als Ctaatssekretär das^ deutsche Volk nicht verstanden habe. Nur mit Mähe nnd nntrr wackirndem Lärm konnte Dr. Seipel seine' Netze sortsetze», und als er im Verlauf derselben dem Präsidenten Settz vorw«f, daß er der bodeustäudigen christlichen Bevölkerung Oesterreichs gerate« habe, auszuwandern,: da ging der Skandal von neue« los. Ab^rdueter Sei'tz rief: ^Das ist eine Der-. drehung!" Abgeordneter Schiegl rief: „Frecher Lug«^ »er! DaS will Profaffor der Moraltheolog.re sei»!" Aus der Rechte» folgte» wegen dieser Zwischeuruse stürmische Gegarrnfe. Abgeottzueter Kunfchak rief, zum Yräsidrntm geweudetr ^Habe» Sie für deu Schiegl keine Zwangsjacke?^ - Der Kanzler krm»tt nur unter größter Anstrengung seine Rede vollende». Seine wi^rerholte Feststellung, daß er das SanierunzSwerk im Interesse der christliche» deutschen: und bodenstaudige» Bevölkerung geschaffen habe, löste neuerlich , bei den SoziÄdemokraien eine» Wutausbruch aus. Präsident Seist rief: „Und wo sind di« jüdischen Banken?"' Ohne irgendwie zu «agieren, schloß der Bundrskanzler unter stürmischem Beifall der Majorität seine Aussiihmnge». s'-:* Nachstehend der Sitzungsbericht: Nachdem das WiedLra-U'fba'Uigesetz gegen die Stimme» der Sozialdemokraten angenommen worden war, referierte Abg. Miklas über *' daS vollmachtgefetz. Mg. Seist: -;.V-:, Wir wAtzte« an dem Tag, a» dem Seipel uns* verriet und verkaufte, daß wir jetzt das Joch der interuaLionale« Kapüalmachte uicht abschüttelu Suuen. Mer wir werden w»n heute o» alledara» fetzen» daß dieses Dentschösterreich »ich t z« eiue« Banernstaat werd«, souder« rin Industrie, staat Lleibe, «i» Staat der Kultur, ei» Ltaat e!u:s srsieu PolkeS. Daher gilt vo« heute a» »ur da» eiue Ziel: Abba«: deS Projektes Seipel bis zur letzten Stuft, Abbau des Hochverrates, der au der Republik begangen wurde (Lacheu «chtS), Sicherung ihr« Berjaffuug nutz Lampj Ur die Mchmmmmü

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