Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-11-23 · Heft 1360 (23.11.1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1360 (23.11.1922)
Date
1922-11-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980440--12928-2999526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

"V f £ r'jt‘'f' / £ f T| •' y4’ ,-j|% . /. ■. y i . I, ■ jS *■ ■' ■ ^3f '’ ' - - •/;.. 1 i •* .. * j' ■ i. ■: ■ ■ ■ \ , „■■ EiaztlNurnnerKUOO Vi •«: ZyxA Abliolen in der Expedition, lI.,Taborstr.l-3, oder in eiflerVer schlei »stelle Trafik) monatl. K 28;000 Vtit Postversand für Wien n. Öesterr. monatl. IC 28.000 '‘ü c h e c h o-S 1 ewa k e i: on. K17. U nxar n: Mon. ' 600. lu^os 1 awienrMon. >inar 30. Polen; Mon. >'!k. 3500. Deutschlan.d: -Ion. Mark 800. Franko Belgien: Monatl. Fr«. 8 MT NaehiabluDSea "W9 ->ei . Preiserhöhungen; »ikakilto» mmmmmmmtwum Tschtcho-Slowakel i iichochi K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien: Monatl. 60 Lei bezw. Lewa Sc h w ej z und daa Übrigp Ausland monatlich Frcs.«'1* Redaktion n. Administration Wien, U* Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab o Uhr abends 16-301. TeL- Adr.: ,Mo rgenzeituag“ Wien Oesterreiehisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 9tr. 1360 Me», Donnerstag, SZ. Noveucker 1922 4. Zahrgnng —y, Wier 28 November. Die euglisch-franzostschen Bedingungen für einen Frieden nnt der Ängöra-Türkei liegen nunmehr vor. Die beiden Machte sind nicht geneigt, so weit über den Vertrag von SevreS hinauSzügtzhen, als es Kenia! Pascha verlangt. Sie Basis dieses Vertrages war die Tatsache, daß d've Türket an der Seite der Zentralmächte in den Krieg eingetveten war und daß sie mit diesen gemeinsam den Krieg verloren «at. Der Friedensvertrag war nach dem Stand der Dinge abgeschlossen worben, wie sie sich im Augenblick des Zu- 'ammenbmches der türkischen Front in Vardevasien hernrsgebildet hatten. In der Folge war der Vertrag durch crschiedene Nektenabkommen durchlöchert worden, die von rarckreich und Italien' mit der türkischen Militärmacht ('geschlossen woräen waren, die sich längs der Küste des öchwarzen Meeres gesammelt hatte und'mit Hilfe der Kur-' die auatolische Ebene beherrschte. Die neuen Bedinmngen Frankreichs und Englands stellen den Ursprung- .ichen Stand. wieder her, und tragen^ der heutigen politischen, Konstellaition insoweit Rechnung, als die europäische Kousulargevichtsbarkeit rn der Türkei aufgehobenwird. . Einstweilen sind es nur Frankreich mch England, die gemeinsam austreten. .Italien ist mit - einer ansehnlichen Liste von^KomPensa-tionsforderangen gekommen, die durch Mussolini persönlich vertreten «werden und sich von der -traditionellen Politik Italiens' nicht allzu wert entfernen. Italien ist . in der Entente immer der nehmende Teil gewesen . uüd will diese Haltung von nun an wieder schärfer akzentuieren. Aber das faszistische Programm ist aus dem Dur - der Parudeversaimm m die .Molltonleiter der drpümmtischen.Govflogenheit transponiert wychen und der scheiMNg als an der Spitze seiner SchMHhW^t. .'M ist , Piräus bedacht,, die schon vpn feinen Vorgängern ° ange-' knüpften -guten Beziehungen zur Angöva-Türkei nicht abzuschwächen und verlangt kern türkisch^ Territorium, sondern lediglich - wirtschaftliche Konzesiionen in Kleinasien,. greM also im Wesen aus das zilizische Programm Orümdos zurück. Sr sucht den Gewinn sür Italien auf der Linie geringsten Widerstandes, also bei Griechenland, und fordert den Uebergang der zwöllf ägäischen Inseln in den' Besitz Italiens. Das Schicksal-dieser Ittfeln^ ist eine der merkwürdigsten Episoden der Mittelmeerpolitik. Die Inseln gehoben bis zum Jahve 1911 der Türkei und wurden im Frieden von Ouchy nach dom Tripolis-Feldzug an JdBen abgetreten. Nach der Beendigung der zwei Balkankriege sollten' sie ä« Griechenland übergehen, doch wurde diese Bestimmung der Londoner und Bukarester Konferenzen niemals erfüllt. Als die Entente den Eintritt Italiens in den Weltkrieg forcieren wollte/bildete wieder der Dodekanes mit seiner fast ausschließlich griechischen Bevölkerung den Gegenstand des diplomatischen Handels und die Inseln wurden wieder Italien zugesagt. Während' des Krieges waren sie Stutzpunkte für die Kriegsschiffe der Gutente und sichen gegenwärtig im Machtbereich der italienischen Flotte. Kompliziert scheint die Frage dadurch, daß die Inseln auch Beinzelos zugesagt wurden, al§ er während deS Weltkrieges über den Beitritt Griechenlands zur Entente verharwelte. Da aber Griechenland rnzwischen in. Kleinasien geschlagen worden ist, so ist sein Anspruch gegenüber der ausgesprochenen Machtpolitik, die heute Europa beherrscht, der schwächere. Die Bevölkerung der. Inseln, um deren Schicksal es sich handelt, wird nicht gefragt. Würde man ihr Urteil verlangen, so käme die Tatsache zutage, daß sich diese Inselgriechen weder nach der griechischen, noch nach der italienischen Herrschaft sehnen, sondern lieber für die Türkei optieren würden; unter dem türkischen Regime zahlten sie nie Steuern und mußten keine Rekruten stellen. Die griechische Herrschaft würde ihnen Kasernen und einen nicht allzü gering bemessenen Anteil an den griechischen Staatsschulden bringen. Das gleiche wäre bei dem Anfälle an Italien ihr Mos. Die Bormachte der Lutente haben auch diese Frage nur provisorisch gelöst und die. italienische Kontrolle oinsöwLilün, wohl als Konzession an Mussolini, bestätigt. Bezüglichher Mandate' im nahen Osten tritt keine Aenderuüg ein. England und Frankreich bleiben aus der durch die.VölkerbundVeschlüsse' .vvrWchrdeftü- Lim«, und die Politik Lloyd Gwrges wird 'nunmehr von der konservativen: Regierung in. demselben Umfange aheptievt, als sie von ihm'inauguriert worden war. Durch den Beitritt Frankreichs erfährt sie eine Bokräftigung. Sie wird, von .-erden Mächten giHenüber der Türkei und den mi^ ihr konkurrierenden arabischen.Separatisten, aber auch gegenüber Italien' bevtreten, das sich .der arabisch-katholischen Front bezüglich Palästina hat gefällig zeigen wollen. Die Verhandlungen der nächsten Tage werden zu erweisen ben, ob sich die europäischen und asiatischen -Äeäner dieser Ne Srienttonserevr in Lausanne. We AM Aem der emopSischen PoNM. Paris, 22. November (TeL ttrr „Wr. Mergenzjg.") In Kreisen des Quai d'Orsay b^ichnet man den zwischen England und Frankreich zustande gäommenen Akkord als das wichtigste politische Ureignis seit Abschluß des Wassenstillstandsvertvag^. im Jahre 1.91L Die Vereinbarungen beziehm sich nicht Mr auf die Orientfvage, sondern auch aufdas RepamirorOProblem und das Bet-. hältn-is zu Rußland. Zwischen Lord Curzon sind P oineare. ist in großen Umrissen ein Pwgvamrn ^vereinbart worden, das nicht Mr den bisherigen Gegensatz zwischen den Alliierten beseitigt, sondern auch die cäte Freundchast neu befestigt. Der Akkoä» wird von ringeweihtest. Kreisen-als der Beginn einer neuen Aem der europäischen Politik gewertet. Mnffoliui Wer die SrientgMr. >, 22. November. (TeL' der „Wr. Morgenztg") M n siso l i n-i gewährte dem- Lausanner Korrespondenten des „Matin" eine Unterredung, in der er unter anderem aüsführte: Frankreich - ist Mf dein - Frieden nicht einverstanden, und dgS mit Recht, dt^M der Friede ist ein schlechter Fr«de. De.r Wrg ist nicht W -Mjeinem MtürlWn nicht bezahslen und eMhsisich außerdem Äl Dröhusi--' gen. Ich habe es noch vor tveZigru Monaten durchreist i und genau studiert. Deutschland bildet nicht nur eine Ge-- fahr für Frankreich, soydeM astch für: Italien, denn hinter ihm. steht Rußland. In Ost« und Mitteleuropa herrscht gegenwärtig das größte Chaos^. Der Orient ist von der bolschewistischen Geisteskrankheit ergriffen, die auch spater aus Deutschland übergreisen wird,, das nach Revanche trachtet. C h a u v i n i s m u s und B o l s che w i s m u s sind zwei Angriffskräste. die sich sehr gut verstehen. Ich glaube nicht an die WidersMndskraft Zentraleuro Pas gegeüüber dem Bolschewismus, aber ichglaube an die Widerstandskraft der westlichen Zivilisation. Belgien, Frankreich, Italien und England häben ein wahveS Interesse daran, den verderblichen Einflüßen des Orients Widerstand zu'leisten. 'Mit F r a' n k r e i ch wünsche ich eine dreifache Verständigung: eine wirtschaftliche, eine militärische und eine Politische. Die beiden Länder müßten in Hauptstädten Europas die gleiche Politik betreiben. g r o tz e n P r e i S für Poineares begrenzte Mitwirkung in ■ Lausanne zu zahlen hatte. Man höre erzählen, daß es ein Rh ein-B os p or u s H a nd el sei, der augenscheinlich das Tageslicht nicht vertragen könne. . ' Sie UeOneationsfrage. Lausanne, 22. November. (Schweizerische Depeschen-, agentur.) In den Besprechungen zwischen Poincave, Musfolmi und Lord > Curzon ist unter anderem auch die Reparationsfrage behandelt worden. Dem Vernahmen nach ist: .Poineare gebeten worden, im Laufe der Woche mit' dem ,belgischen Ministerpräsidenten Theumis in Paris wogen Enivberufung einer Vorkonferenz der Alliierten nach Brüssel, die in der ersten Hälfw des Monats Dezember abguhalten' tväre, in Verbindung' zu treten. Die künftigen Grenzen der Wchi. Lausanne, 22. November. (Schtveizevische Depeschen-' ageutur.) Die Koumrission für territoriale und militärische^ ' Fragen begann mit dem Studimu der ' tüMscheu Grenze auf europäischen EMet. .? ‘M begründete bk* FöÄemnsi der Türkei', Mzelös 'gab inmtens" tzev.gHechiAn ' ^,vn»toe bekaruft, tMs^^GM^nland nur den Greitzen vom Jahre ISisi 'zufLilWewWnne und tveshälb M gvie- -! chrsche.Delegation der Ansicht sei, daß das ' westthrazische : Probleqr auf der Konferer^ nicht äufgerollt'werden solle.; Der jugoslaiwische Delegierte, Niucic gab dem Wunsche s Ausdruck, daß die Grenze entsprechend der ÄLote der älliier- ' ten Mächte vom 23'. September an der Maritzalinie festj gelegt werde, wobei eine noch zu bestimrnende demilitari- \ sierte Zone auf beiden Seiten der Märitza vom Schwarzen.. - Meer bis zum Aegäischen Meer geschaffen werden solle.'! Er bekämpfte den Gedanken der Durchführung eines Ple-. \ biszits in Westthrazien und .irgerch "einer Abändemng des. i Vertrages von Neuilly. Duca Nmeic an. (RrvnÄuien) schloß sich den EErungen^ r ci'lLrb?« wollen. MrdeWen UM W FrnnkrM. London, 22., November. (Wolff.) Wie die Matter aus Kairo melden, werde dort offiziös vrttgeteilt, daß Fvcmkrvich beschloffen habe, N o pd -Syrien, zu behalten und es den KeumÜsten.nicht abzutveten. Aus Aleppo werde die Errichtung vyn Ber.teidigungsanlagen gemeldet. Der Beschluß . Frankreichs sei, wie veilautet, ein Ergebnis der letzten Unterredungen zwischen Poiucave und Lord Cu-rzon. - NnMein-Bosvorne-HlMdel. London, 22. November. (WoW Der Sonderberichterstatter des „Daily Chronicle" auf der Lausanner Konferenz schreibt, das in letzter Stunde anscheineUL durch übermenschliche Anstrengung Lord C u r z o n s gegen den hartnäckigsten Widerstand Poineares erzielte e n g l r s ch - f r a nzosische Üeb er einkomme n werde wohl allmählich im Lause der Konferenz und auch wahrscheinlich aus der bevorstehenden Brüsieler Reparationskönferenz zutage > treten. JMrmann scheine anzunehmen, sowohl in Lausanne als auch in Paris, daß Lord Curzon möglicherweise e i n e n Re Genf, 22. Novemberl Das Koutrollkonritee der Regiemugen, die für die Hilfe an Oesterreich Garantie loisten, tritt Morgen in Genf unter dem Vorsitze d s ttalionischen Delegierten Pemduce zusammen. Gegenstand \% Beratt'itgen wird das Gosetz sein, das die garantierenden Mächte den Parlamenten vorlegci werden, um die BvllnmK für die Garantien zu erhalten. Frmet Pascha bei Muffalrni. ....... Ouchy, 22. November. (Schweizerische Depeschenageutur.) Mussolini empftil-g heute vormittags im Hotel BoaU'Rivage den Besuch Isnvet Paschas und des Botschafters der Regierung, von Angora m Rom. Die Unter-- redmig dauerte ettva drei Viertelstunden. Fottsetznng der 8erhMdkur,gM. Lausanne, 22. November. (Schweizerische Depeschenagentur.) Die erste Kommiffion hat heute nachmittags ihre BeraMngey' fortgesetzt. Der bulgarische Delegierte erstattete ein Expose über die Zulassung Bulgariens zum Meere. Lord Curzon, Barvede und Garroni präzisierten darauf den Standpunkt ihrer. Regierungen, während die Türken ihren Standpunkt erst morgen darlegen werden. Sie Knheitsftont der BWnnstanten. Lausanne, 22. Noveniber. (Schweizerische Depeschen agenttir.) Der Präsident der jugoslawischen Detegatio-i Ninoie hat heute abends dir Vertreter.der Balkaustaaten zu sich geladen. Es fand ein Gedankenaustausch über Li< Schaffung einer Einheitsfront, bezüglich dei. Statuts Westthvaziens und über die Zulassung Bulgarien. zum Meere statt. In dieser Konferenz, nahmen außer Nincie auch Dnoa (Rumänien), . Stambuliski (Bulgarien/ und Venizelos (Griechenland) teil. AsffuW. Führer der unaWmlm 2f6eraler London, 22. November. (Wolff.) Ascjal'ith wurde z-nn Leiter^ der Unabhängigen Liberalen wi'edevgewLW, SW Jchr. Samon zu s-omem Stell-vort'veter. Der 'vonnätttze' Schasikanzler Sir Robert Hör ne wunde - gestern zmn/Direktor de- .großen StMsi.rma Bald Win Ltd. ernannt. B-srnevkenswe-. M, daß dieses Amt früher in den Hän-den des gegeOvartigr i Schatzkanzlers StAwley Ba ldw i n lag.'Dieser hälfe 'M Am', dom Herko-nnueu gernätz niedergelegt, 'weil er zwu ersten Malc in die Nchierung tritt. 728^833883

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.