Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1359 (22.11.1922)
- Date
- 1922-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Administration Wien, H.,Tahorstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16*301., Tel.-Adr.: .Morgenzeituog*4 Wien Oesterreicbisches Postsparkassen - Konto Nr. ,150.693 1. gahrgans Der WensShel der Bandtteu. llr. W i e p. SS. Number. Der herrschende v christkichnationale Kurs ttt Ungam hat unter Aufwand des bei solchen Szenen-Micherl Pompes dem italienischen 'Obersten Romanelli einen GhreusLbel überreicht. Romanelli hat sich dieses nach magyarischer Aufsässig größte Ehrensymbol, dadurch verdient, daß er zur Zeit des kommunistischen Terrors m Ungarn, als Führer der Ententemissian in/Brrdapest, dem Morden^durch sein machtvolles. Einschreiten Einhalt gebot Und dadurch viele in den Kerkeru der Kommunisten schmachtende Geiseln vor dem sicheren Tode rettete. Es wäre vom menschlichen Gesichtspunkte, aus. begreiflich uitto erklärlich, wenn die damals als Gegenrevolütionäve zum Tode verurteilten Personen, unter denen'sich auch eine Anzahl ,Juden befand, ihrem Erretter aus Dankbarkeit eineEhrettbezergung widmeten. Aber vom Standpunkte der höheren Moral, die keinen Unterschied zwischen , Lorbeer und Mördern, zwischen Verfolgern und Verfolgten macht, betrachtet/ mußte jene Komödie, die in Vichapest vor. einigen .Tagen mit diesem sonst verdienstvollen Vertreter Italiens ausgesührt wurde, widerlich und abstoßend'wirken. Wohl hat Oberst Romanelli jede Anspielung auf die Bedeutung des Säbels als. Kriegswaffe'vornehm zurückgewiesen; er erklärte, daß er den Säbel ’ nicht als Zeichen der. Erinnerung an den Krieg annehme, * da fein Vaterland firr den Frieden wirken wolle. Aber welche Gefühle mußten in Romanelli wach werden, wenn. er. sich die Gesellschaft ansah, die rhu ehren wollte? Mußte er sich nicht fvagen, Hb es wirklich eine dankenswerte, mo-' .r^lisch hochwertige,'Mk,'.war,..Mördtt''^üh/ Mörderhand zu. retten? Di^lben Menschen; die Obe^tRclmaneM und seine . ühriHLn Kollegen in $a|. "verschiedenen'' ^»Ssntenti^iHk: wWrhaben EH« wM; OchänH^iten ^Hbst aüsgö-" führtdie das' EutseW' der ^ämteuKüWrwM riefen. Romanelli häs den EhrensäM^vbn ÄwMpbaftntauten eines RegiMes ^UtgegLngenommen,dasden Mord, die Erpressung, die VtzAolgmtg - und Bedrückung unschuldiger Menschen zUm System erhoben und der Rechtsungleichheit der Staatsbürger den Stempel der Gesetzlichkeit-aufgedrückt haL Dadurch, daß. der einflußreiche Vertreter Italiens es mit seiner Wirde als Kulturinensch firr vereinbar hielt, sich von -Menschen feiern zu lassen, die unter dem Deckmantel des Christentums ' die. Politik der Unmenschlichkeit zur Staa-tsräison erhoben,' hat er sich mittelbar mitschuldig gentacht an all den Gräueltaten, die in Ungarn seit dem Regiemngsavtntte Horthys verübt - tvirrden. Oberst Romanelli. und die übrigen Ententevertreter hatten die Möglichkeit und die Macht, .den Machthabern klar zu machen, daß sie damals die Befreiung der Gegeyrevolutionäre nicht: zu de-nc Dveck durchsetzten, um au die Stelle der kommunistischen Mörder weiße Mörder zu setzen. Pflicht der Ententevertreter in' Budapest wäre-es gewesen, die magyarischen Machthaber daran zu erinnern, daß es den Mächten nicht mncher Wahrlich erscheine, wenn Ungarn unter christlicher Flagge - ein, >Herd der Unsicherheit, ein. Mördernest ist, als wenn rote Terroristen ihr Unwesen' treiben.' Statt dessen haben die Vertreter der Ententemächte trotz aller Ermahnungen der unabhängigen Presse ty ihren eigenen Ländern und im Auslände ruhig zugesehen, wie die Rechtsskandäle in Ungarn sich täglich häuften, wie Menschen, denen nichts, anderes vorgehalten werden konnte,. Äs daß sie Juden, oder anderer politischer' Ansicht waten , als die Herrschenden, m die Kerker geworfen wuÄen, dort den grausamsten Torturen ausgesetztz und. schlieUich ermordet wurden; wie Männer von Sadisten verstümmelt, Mädchen und Fragten von den -Offizieren des Detachements geschändet wurden,, wie, tausende Menschen ihrer Freiheit und ihrer Existenz beraubt wurden unh wie 'Wießlich die jüdischen Studenten, ans den ungarischen Hochschulen verjagt, heute ausdie Mildtätigkeit der Jltden Än Auslande angewiesen sind. In beglaubigten Berichten und Memoranden wurde die englische Regienmg auf die trostlosen Zustände in Ungarn aufmerksam gemacht, darüber aufgeklärt, daß ihre offiziellen und offlzivserr.Vertreter in . Budapest unfähig oder mitschuldig sind;die englische Reachrung-schenkte ihren Budapester. Vertretern, die ihre Kenmniss^auf den Iatzdschlösftvu der Magnaten' oder im Kasino erwarben, mchr Glauben. als den emwandfveien BerMen, ihrer eigenen selbstlosen, Politiker. oder der gut infoMiertm, von der Horthh-Regierung. unabhängigen - PMe. Auch die französische RegieMyg) ließ^M von magyarische« Abenteurern hinter das Licht führen und zu einer PolitU verleiten, di« Fmnkreich bis he u te M r teuer zu sttheuftän, für Ungarn ahxr den BorM hatieÄ^baß stch- M Regvyte chorthh ge- Wiffermaßen mntzw MtrvMflg FrynkreW Mrrer «il» satten Wurzel WÜM Urau^- : vv!-, Das PalMna-Mandat bleibt aufrecht. Berlin, 21. November,-.A^l. der „Wiener Mor«nzeitung"h >,United Telegraph meldet aüß Lausanne: Hie FriedenSbedingunge« der Miierten laste»' erkennen, daß das englisch-franzSfische Pragramm nur nüwffentliche Konzessionm M dix Türkei vorsieht. Die Bedingungen enthalten folgende Punkte: 1. Ünöehingte Sicherheit der Freiheit der Metrengen. Die DnrdanÄr« müssen auch in Kriegs« zeiwtt für Schlachtschiff« stMeihrn. Die Brschiguntzen lanßs det Meerengen find zu schleifen. 2. Äie Äapttnlairowen wrmekl abgeschasst. Hie den EuropLern durch die Kapitulationen eingeraümten Borrechte bleiben bestehen. 4L Die Mandateüber Mesopotamien, Sy r ieN ü n d P a lLpi na v leihe n.au fr < cht. L Alle Konzefsioneu, die die. Türkei frchndm Staatsangehörigen vor dem Kriege eingeraumt hat, bleiben bestehe», mit Ausnahme der d en D e « t scheu gewahrten Konzessionen, die-erloschen sind. Der Dod<ttaneS komW unter italje«is.che^ Kontrolle, bis die Alliierten untereinander Mer das endgülttge Schicksal dieser Inselgruppe schlüssig geworden x find. 5. HaS türkische ßchr in AnMien wird herabg e s e-tz t. In Europa darf die Türkei nur freiwAtge Hrtbande nnterhM». , - - 7. 3)^ W Wird LNW MMtetMieE HoWWOmis^ anSgeWt.' s||k - die^ denWwdew chaatSemmWiM Wrchd deb KpiWS zugefügM' Berlüfte. '' S.' Die Türkei verzichtet anf/Me parat i oa e n von . seiten. Griechenlands für die in Äleinäfieu angerichteten Schaden. 10. Der WaffenpAstandSvettrag Von Mud an i a bttibt bis zur Ratifizierung dÄ Friedensvertrages in Kraft. ' 11. K onst ant in o pel und die Neutrale Zone an den Meerengen bleibt von de» Alliierte« besetzt bis zur Ratifizierung des FriedenSvertrageS durch die interalliierten Parlamente. M AMffmlg AMnid». Lausanne,«^21. November. sM der „Wiener Morgenzeitung"») ^ie Türke« verlange», daß' die Beratungen öffentlich geführt werhen/ über -die Alliierte« bestehen darauf, daß das größte Stillschweigen über die Arbeiten beobachtet wird. Des weiteren haben die Dürfen die Frage der Zviassün.g der Rufsen zur Konferenz aufgeworfen, lks wurde ihnen erwidert, daß die Rnssej, nicht ein geladen worden seien, well sie die Fragen, die vor einiger Zeit an fie gerichtet wurde», nicht beantwortet habe«. MuffolknirForderungeq. Lausanne, 21. November. Wl. der „Wiener Morgenzeitung".) Bei den gestrigen Vorbesprechungen hielt Mn fsoli n i eine lange Rede über die Teilnahme Italiens. am Kriege Poincare g<ch während der langen Rede Mussolinis Zeichen der Ungeduld. Lard Curz o « Unterbrach endlich den Redefluß RüffoNnis mit de» Worten: „Meine Herren, es handelt fich hier «m die o r ien tal Is che Frage. Lasseü ' wiv dir VeWNgenhett «nd k ü m m e r «wir « ns« « d i e ZulvnfL Die wichtigsten Ansprüche Jlaliens bestehen in einer Erhöhung des Reparationsanteites gemäß den Abmachungen, von Boulogne, ferner in einer R e v i s i o « des Vertrages von San Remo, durch den die asiatischeu Besitzungen der Türkei zwischen Frau k r e isch « u d E n g l and, aufgeteilt wutden, in einer Redifiop des englisch-griechischm Ber- , träges bezügfich des Dodekanesoz. Dagegen scheint Mussolini geneigt zu sein, militärische Zusagen für dö» Fall zu machen, dass ein Zwang auf die' Türkei notwendig Werde« sollte. In der letzten Stunde scheint er Übrigens auf seine Forderung bezüglich der Zuweisung des Ge-! bietes von M o s n l mit seinen reichen P e t r o l e n mfetder« verzichtet zu habe«. Dieses Gebiet rönne seiner Ansicht nach bei England verbleWÜ. ' Besonderen Wert legte « darauf, daß Italien in Kleinasien die gleichen Vorteile «halte wie Frankreich und .England. Die italienrschen Forderungen sollen noch im Laufe des heutig« Tages von den Sachverständigen geprüft; werden. , Iie «Wellen SommM'Mes. . Lausanne, 21. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) U« 11 Uhr vormittags fand heute im Schloßhotel Ovchy die erste Sitzung der Fr i e d en s konser e n z statt. Sie war streÄg vertraulich. Es wurde kein'Communiqne avSgegche». ' Lausanne, 21. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) In W Vollsitzung der Orientfriedenskonferenz wurde die Bll» dvng dreier Kommissionen beschlossen. Die erste behandelt die t«rritorialen und milit8rischeu Fragen sowie das Probleim: der M e e r en g e n, die zweite das Regime,; dem die Wu s l au d e^r iMünfüg unterworfen > werden svlle» sowie die Min d er h eiten fr age, didritte die finimstelken,' wirtschaftliche«' hygienischen Wb GseNbahnftaM W le Ko m MiMnwen WMw» fa ter "ersten zkomnchsio« fiihrt ^rd C «V» z ou; A der zweiten G^N^köu i, in der dritte» V a-rr:e r e. Vollsitzungen sollen Nur wenige stattfiude«. Als die drei wffiziellen Sprachen der Konserenz wurde» -aS Französische, das Englische und das FtaNenisch« erklärt. Die drei Präsidenten der Kommissionen gelten zugleich als Vorfltzende der Konferenz. Die nächste Bollsttzung findet heute abends statt. Muffolini Wer die innere PolM Italiens. Lausanne, 21. November. (Schweiz. DePeschvn-AgeMmr.) Der italienische Ministerpräsident gewährte em«n Bertveter der Schweizerischen Depescheir--Agentur ein.-Interview, worin «er erklärte, er sei vor^allem erfreut, zu sehen, daß Italien au der Friedenskonferenz terlnchme. Er betvachte dies als Anfang einer größeren Aktivität seines Landes aus. dem Gebiete der . hohen Politik. Er sei überzeugt, daß die EnteMe notwendig sei und sich immer kräftigen werde. Muffolini . äußert« sich Wer -^ie -innere PoWk Italiens. Die neue Regierung, so , sagte er, wolle im.keiner Weise eine Politik gegen die Arbeiterschaft betreiben. Man. muffe überhaupt unterscheiden .zwischen Syndikalismus und der sozialsstischen' Bewegung. Was die Äsung der Frage - des Grundbesitzes in Italien .^ betreffe, so sprach sich Mussolnri mit Bestimmtheit für den Kinbesitz mk Er sei überzeugt, daß es möglich 1er, eine bäneMche Demokratie jir schafft», die übrigens in ihren Anfängen beroits bestehe. Muffdlini erNartr weiters, er sei religiös gesinnt und keiueÄvegs Anhänger einer antMrikalen Politik. Er hofft daher, daß seine Regierung mit dorn -Vatikan gute Beziehung^ Mechalten werde. ' Vollversammlung der Konser««». Lausanne, 21. November. (Schiveiz. Dep.-Ag.) Dir Orrenffriedens-Kousevenz hielt 'heute abends eine weitere Bollversamlung ab. Lord Curzon forderte die Delegierten auf, allgemeine BemeMmgen über bie zahlreichen und kmnplizrerten Fragen, die den Beratmrgen der Konferenz »nterlvorfen sinh, Vorbringen. Marchese Garroni, Lord Curzon und BaLon Hayashi gaben der Hofflmng Ausdruck, daß die Arbeiten der Kouffrenz von Erfolg gekrönt sein und zu einem raschen Abschlrch eines daueHafwu Friedens führen werden. Die Uebervtzichung des Ghrensätzels an RomanM hat diesen seit mehr als Avei' ^chr^vme^tzM'Angeiä Europas sich' «bspiÄendm Ungeheuerltchkeiten' die Krone aufgesetzt Wäym^di« Ententemächw nicht so Verblendet und wü'chen sie nicht immer um cme Stunde zu spät die Bedeutung der Ereignisse erkennen,' so hatten^ sie den Obersten Romanelli ersucht» anstatt dw hohlen Phvaftn der ihn Feiernden über sich ergehen zu lassen, r» den VerhanMngssaal des Militargerichtshofts sich, zu bemichen und dort hinzuhorchen, was .«milder Sd»flik der Weißterroriiten aus d»» Klmteu wih ffvv ^stos^^^twvsiwv* ywivnws der Kommunisten angerichtet hat. Der Prozeß Landau und all die Musigen Schilderungen aus den Zellen der Gefang-- nisse des Horthy-Regvmes' hätten ihm darüber Ausschlüß geben können, daß das ungarische Volk, nicht die Oligarchen, die das Volk in Schrecken halten, ihm und den Vertretern der übrigen Mächw wenig DankwiM daß er piese^Ur- Heber, von Pogromen und geineiuen ' M seinerzeit nicht ihrem Schicksal überließ. Oberst Romanelli Hai gar keinen Grund, auf . den von solchen. Härchen gespendeten Ebrevsäbel stolz zu sein. . ri :! /; » . ‘j; « •Kai’ «ja*.j. k-'LV .Wsweü ’ixsmr «MmuMs nnm&AnKfTrix-ir-