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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-18 · Heft 1355 (18.11.1922) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1355 (18.11.1922)
Date
1922-11-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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ßk. 1855 I Wien, Samstag Mener Morgen-eitrrng. 18. November" velle > ©toter in der letzten Hand, beim Detailhändler, nur bei einem sehr geringen Steuerprozent durchführbar ist, gleichgültig, ob in der beabsichtigten Form (Finalsteuer) oder in der. Form der Bolettensteuer. Letztere muß schon als schivere technische Belastung der DerkausSarbeit abgelehnt werden. Dagegen müssen die Gefahren der Phasenfteuer, die in einer Betrchiebuug der. Konkurrenzverhältnisse und in überflüssiger, also amwivtschaftlicher M-chrarbeit liegen, soweit als. möglich, durch Zusammenfassung der Umsatzsteuer bei jener Phast, in der es wirtschaftlich und technisch jeweils am zweckmäßigsten ist (sogenannte vertikale Pauschalierung) ausgeschaltet werdm. DieSist beispielweist im Lebensmittelhandel anläßlich der Ginfuhr sowie bei der Urproduktion der Fall, bei den meisten anderen Waren gruppen bei der Einfuhr und beim .Endproduzenten. Für den Export ist völlige Freilgssüng von jeder Umsatzsteuer sicherzustellen/ den Bedürfnissen des börsrnmäßigen Verkehres, des Jfih unsere Wirtschaft hochwichtigen Kommissionsgeschäftes, ist durch. Berücksichtigung der von dem Gremium bereits erstatteten Detaildovschläg-e Rechnung zu tvagen. Lebens-, Unfall- und Einbruchsverstcherungeu — entbehrlich. Alle an den Berftcherungs-c'inrichtunItr in-teressl'erk'n Kreise haben bereits seit längerer Zeit ihre Bemühungen darauf vereinigt, von der Devisenzentrale die zur Bezahlung der in auswärtiger Währung abgeschlossenen Versicherungen notwendigen Prännerrbeträge z»gewiesen zu erhalten, da bekanntlich die Prämien in derselben Währung wie der versicherte Betrag zu bezahlen sind. Mit Rücksicht auf die mangelnde Wertbestänidigkeil der österreichischen kxown und die Gefahr, daß bei einem Steigen des Kronenkürsts viel zu hohe Prämien zu zahlen sind, bei Sinken des Kronenkurses die Versicherung unterdeckt ist, bestehen mm eine große Anzahl von Unfall-, Haftpflicht- 'und Eiwbruchsversichemngen in ausländischer Währung. Die Devisenzentrale hat die Devisenznweisnng für diese Art von Versicherungen als unnötig abgelehnt. Es scheint also Oesterreich ein Lastd zu sein, wo weder Einbrüche Vorkommen noch Unfälle sich ereignen. Verband 'österreichischer Linoleum-, Wachstuch- und Kuustlederhandler. Vorgestern fand im Grcmimn der Wi ner Kaufmannschaft die konstituierende Generalversammlung des Verbandes österreichisch"!: Linoleum-, Wachstuch- und Knnstlsdevhändlsr statt. Die Diskussion beschäftige sich yanp-tsächlich mit der unhaltbaren Praxis des Hanöelsmiyisteciu.ms betreffend di« Verweigerung der Einfuhrbewilligungen für' Linoleum. Das Handelsministerium stehe auf dem Standpunkt eines unbedingten Jndnstrkschiwrs. obwohl in gcm,', Oesterreich nur eine kleine Fabrik mit qualitativ und quantitativ vollkommen unzureichenden Leistungen bestehe. Es wurde her Beschluß gefaßt. bei allen maßgebenden Stellen mit der größten Energie eine die Interessen aller Bevölkerungskrest'e und di« Industrie nicht emfeitr r*"*' fnlMnsuchen zu fördern. Industrie nicht einseitig begünstigende Behandlung der Gin- . In de» Bereinigten Staaten beschlagnahmtes Eigentum. Dre Concopd Finanoe Corporation, Now-AoU, die Bevtrouensstelle des Bundes der Auslandsd^rtscheU. macht darauf aufnrarkkam, daß sich die dem amevikanischen Kougneß vorliegende Re- MUtjon. nach welcher, .zunächst die Wert« bis zu zehntausend Dollar auch aus den größeren Vermögen den Angehörigen ehemals fe-indftcher^ Staaten zurückerstattet -werden sollen, auch auf die früher ö st e r r «i ch i s chn n g \ schon dtficntümer. in Amerika beschlagnahmter Vermögen besteht. Da. die Beschlagnabm-e über die in Frage kommenden Beträge jedoch Nicht ohne weiteres aufgehoben wird, sondern es hierzu in iedem einzelnen Fall eines verhältnismäßig komplizierten Reklamationsverfahren bedarf, ist es zwecks Beschleunigung der notwendig lendenden Aktion vatsmu, daß die einzelnen Berechtigten jetzt die Vorbereitungen für di« gegenüber den. amerikanischen Behörden erforderlichen Maßnahmen troffen. Mit besonderer Beschleunigung sollten vor allem diejenigen früher' österreichisch-ungarischen Eigentümer einen Freigabeantrag einveichen, di« durch den Friodensvertrag eine andere als die österreichische Staatsangehörigkeit erhallen haben, da für sie schon vor Annahme der oben erwähnen Refolnton bestimmte Möglichkeiten gegeben sind, die aber am 1, j «IIII mumm» - (S. Fortsetzung.) 2. Jänner 1923 erlöschen. Die erforderlichen Formulare sind' beim Bund der Ausländsdeutschen (Abteilung Amerika). Berlin, Burgstraße 30, erhältlich, der auch nähere Auskünfte erteilt. Prager Eisen. Aus Prag, 17. d., wird gemeldet: Die Prager Eisenin dustere gesellscha ft schließt, den Blättern zufolge, das Bilgidzsahr 1621—32 mit einem Gesarntverlnst von 9,2 Millionen Kronen ab. Die Hafenbauten in Budapest. Die ungarisch« Regierung, -beabsichtigt, das im Zusammenhänge mit dem Budüpester Handels- und IMsstrieyafm zu errichtende zollfreie Ha senbas sin zusammen mit einer Gruppe' franjWcher KapieMstm zu bauen. Diese FinauzMrppe, in deren Namen die Pariser Firma Schneider n. Co. mit foea: Regievmrg derhaudelt hat, wird eine Aktienges-ellschaft bilden, die für den Betriebs die BertvaltU'Ng und die IusiuuidhMnng des Hafvns eine fünfzigjährige KonMion erhalten Wird. Sechzig Prozent des Stammkapitals werden sich in den HäMn der nngarischen Regiernm befinden. Zur Deckung der gege-irtvartig auf ettna zwei Milliarden Kronen veranschlagten Dankosten werden der ÄktiengLsellschaft von -der mrgavischeu Regievnwg di« notwendigen Beträge z-"r Bersiianng, aestell^ werden. Der zweite Teil des Kavit-a'ls wird durch in französischen Franken zu «mitteerende Obligatiomn gesichert werden, deren Wert sich auf etwa 14 Million«» Franken beziffert. Im Simve des mit der ungarischen R-egieruna abgeschlossenen provisorischM U>ebevein>kmnmens hat die Finna Schneider,». Cv. die Banauboitnr bereits in Angriff genommen. v Eine französische Naphthabank in' Warschau. Aus Warschau wird berichtet: Eine Gruppe französischer Kapitalisten bewirbt sich um die Erlaubnis zur Gründung einer Bank, die sich ausschließlich mit Naphthageschäften befallen soll. Wiener Mrse. Die gestrige Börse war von einer lustlosen und schwächeren Haltung getragen, da sich die SpekuLatton mit Rücksicht auf die bevorst-chonde Versorgung, bei der man wegen der fortgesetzten K a P i t a l s e r h ö h u n'g e n Ge-ldknapphoit befürchtete, zu entlasten bestrebt war. Die Mgeiki'mdigte Kapitalserhöhung der Alpine Monwngestllschast dürfte mindestens ein Erfordernis. von 100 Milliarden stellen, damit aber waren noch immer nicht all« M-sprüche, die au den Geldmavkt heraMpelmr, wschöpst, da auch bei anderen Gesellschaften' jdapitalSerhöhirngSpläne Mtchon und kein Tag vergeht, an dom nicht irgend eine Neu-Emission vorgenonunLu wurde. Ailpine-Aktieu lagen gestern während der ganzen drsezeit schivach und verloren, schließlich 33.066 K. Sämtliche Knlissepapi-ere, mit Ausnahme von Skoda- Mion, welche. mit einer Steigerung von 44.000 K. auf Käufe für Präger Rechnung den MaÄi verließen, schlossen zu derl tiefsten Tageskursen. Die Rückgänge waren keineswegs auf drängendes Ausgebot, sondern auf die germg-e Anfnahmsfähigksvi deS Marktes 'zn-rückzuführem Im Schranken tarnen nm vereinzelt KnrsbÄvegungsn ' vor. Bevorzugt waren. Zucker-M-ien, sinzslmr tschechische Papiere, wie Borg und Hütten, Brunner Ddaschimn und >.vHkosteletzer, ferner Türkeulyst, wogegen. die Lbvigen in den Berkeihr getzogslien Effektengattnngen MrSabschtvöchlmgonaiufzu-- tvvison hätten. Auf -dom A.n!age märkt" waren österreichische Renten schwächer/ dagegen erhöhte sich ungarische Kvon-Lnrente wn 1000 Punkte. Bezugsrechte: JhvcheMterr, Mkoirchte 6300, Mer4u«- BM 1600, A. E. G. Union 3830 bis 3330, Oefiw. Eisenbahn- Verkehr 76.000. Von dm Exoten notierten: Armaturen 78.000, Apollo- Film 34.000 bis 35.000, Caro u. Jellinök W.S00, Eos 3600 bis $100, Jvjag 180.000 bis 190.000, Mrasnioa 33.000 bis 86.000, Steirisch» Kohle 22.000 bis 38.000, Tepoge 64.000 bis 69.000 und Erdöl 18.000 bis 19.000. (Eigenbericht der „Wünzer Morgenzei-tung".) Der sn jchästi 09 Verkehr an der gesingen V'meobörse HM sich in allererrsten Grenzen u»d d'e Umsah'ätigknt nahm M<n nur aanz wringen Umfang on, da allseitig Zurüä;hal!uNg beobachtet wurde, tziicktsdestonentaer konnie man von einem Abflauen der Tendenz ntwts bemerken, im Gegenleii. für ein ge Ga jungen wurden sogar l)!'l)ere greife reforöert. Einigermar-en Interesse war noch ' vorhanden ,ür Chlormagnestum, Borsäure und Azelon. Sonst wurden a n s g e b o t e n: ' Alaun in SlUcken zu 40.0 K., B'itcrsaiz zu 65 Mark, Vleibergor Bleiolültr oemahlen m 10.400 Bteiweiß chem. rein zu 11.000 Ckromalaun?u 9500 §, Ctzromnatron zu 10,560 Ä., Chrom- Kali zu 19.( 00 .fl., (Sjilgl.iire tedmifcb 30°/«, «u 6500 fi., Glyzerin 28" chemisch rem zu 27.560 K.. miündischer Kardunkel zu 5 00 A., ßtibblmifames Koi> zu 61.000 .si., Katisatp ier -m f 00 5 rrmstrwe'st zu IL.coo ft.. Lilhopone BoMegel zu 72(0 K.. Ble bersser MmiuM zu U) -00 ü, Paraffin 52<54 r. eis; Laftlu are zu 6000K. ab W>en. Pottasche zu 920» ä., Salpejrrsüure lef risck 36 Bs zu 3t0» S.. Salzsäure 1921 technisch rein zu 140 Mmk ob Passuu, Sw'.r'esetnalr'um 60-68 bonz. zu 5000 A.. SHweielsäure 66" zü 8200 K., Sodabikarbonat B. zu 3000 Ä.. Sododt' a'bvnat W. B B. zu 4200 intandische« Terpentmöi zu LL.: 0 > Ä., Mantannach» m 225 Mark. Weiustemsäure zu 40.wo S., gelbes BluUaugensatz ^u 61.000 &, Gotdbroni« zu 65.000 A„ QueÄji der zu 118.000 &. Abgeschlossen w u r b c: Ammoniaksoda 96/98 zu 7 jugost. K. ob Passau (exrkuüv). Oel« und Fett«. Die Arlitzel Kokosöl ceolonariis. siokosölsetitärre. Büvöt, Pflanzenspeisesetl. Eloin, Dindert^lg. Schmelstalg und Penztl'knochensttt wurden z« unveränderten Pre, en auSgebvten. Sonst waren roch erh ltUch choll. Lemöl zu- 15/0» Ä. l4- StOÄ.). Eewmvl l Pressung zu 18.250 K. (— 850 A.), Speiseöl Soja zu 16.0.0 L. (— 500 K.) und Schweinefett zu 25.800 u. - Lebensmittel- und Kolonialwaren waren in Äakao-Produtzien, Gewürzen und Reis zu unveränderten Preisen au?gebo!en. Offerten lagen vor in Kaffee Rio M Wille zu 8K00 'Ä. Tee erhotzle den Preisstand um je 500 K. in Panyvng Suä ong auf 6ö.5V0 .si., Mon'ag Kynrv auf 38.800 & gegen im Wechentauf.'. Sn Zucker lagen verschiedene Anbote in bw?u 100 K. billigeren Preiien vor und zu ar Raffln rde .stristall zu 8000 Ä., Wür ei in Kisten zu 8750 K. ab Wien. Kru.rll zu 79»0 K. Würiel zu 6600 §. in Gan waggon ob ösbrref sicher Fabrik. Sandzucker zu 7850 Ä., bosnischer Ledwar zu 8500 Ä.» Pflaumen 95/100 S ch rare zu 5800 A. in Kisten zu 6600 K. Zum öfftirt rchsn Verkaufe gelangteii laut Art. 343 des K.-G-B. 212 Kifichen Liebigs Fieiichexirakt zu 125 00^ K. per Kiile ab W en. L e d e r. C« notieren: Sohlen'eder Vacheleder 42.000 dis 47.000 K.. Vozkalf schwarz l5."i 0 bis 18OüO K. A 0 b häu te. Es notieren: Kalbfelle UO.o o K. per Et.' ck^ Vin-shSute 11.500 K. p'o Kilog -mm, Doßtzäute zu 17 .000. K. pro Stück, Schaffelle, Sü afblößen und Ziegenfelle je 30 020 K. je nach Ge«' wicht und Grütze. Zum öffentlichen Verkante gelangen am Sl. d-, %1 ll^r, 28 Fässer Ia ga izifches fZetrolenm raff. Berlin, 17. November. Dw Bejrannng des Gensra.!drveE« wrs Cumr »wu der Ne-ubilvung des Kabinetts wirkte ab« schwächend auf den Devisenmarkt mck befestigend auf da» Efsektenverkchr. Mch< anfänglich nicht einheitlicher Eröffnung t-tat auf letzterem eine allaÄuvine Befestigung om, doch LHetben die Kursbessepungen^ eLgenübsr 'den Vortagen in mäßtgerW Grenzen rmdbetrugen nm vereinzelt; 1000 bis 2000 PwMtt und für ein-ige Mrenide Papivve darüber hinaus. Schwach lagen dagoaen BalntawMr im Einklanae mit dem Mchzange ber Dwisenkurse. Das bisher stürnrische Geschäft in Len zu EinchsitSkursen gehandelten Jnidustviewevt-en rst infolge der heute m Kraft geirsteuen Einschränkungen von seiiM dev Großbanken stiller geworden. >s ch i U tz ir u r j e : Türkische Lote 96.350.—, Qestarr. Slaalsbabn 18.400.—, Rordd. Lloyd ISLO.--, Ver. Eldeschiff, fahrt 78- 0,—, Verl. Aandelsgeseliscbcif! 8500.—. Kommerz. Mival* dank ilLö.^, Darmitädler Bavk.1250.--. Deujs^e Bank 4000. Diskonto-Kvmmandit —. Dresdner Bank 1950.-^-, National» bank iür Deutschland — .-• / Oes'err. Kredit 1185.—. Oesterr. Ländbbank 2700.— Beicksbank 1250.—. Wiener Bankverein sums«»?« Von F. Zangwill. „Joseph, was fehlt dir?" fiel MviamS sanfte Stimm-e dazwischen. „Was Haft du getan? Wo hist du gewesen?" „Bist du hier, Miriam?" Jetzt erst gewahrte er sie. Mrst dn doch mrt mir dort gewesen!" , „Wo?" ' - „In St. Peter. Pch, die himmlische Musik!" . „In St. Peter!" wiederholte Rahel tonlos. „Du, mein Sohn Joseph, der Gottesrecht studiert, du ha>st dich so he-- fleckt?" > „Wein, es ist keine Befleckung", warf Miriam besa-nf-- tigend dazwischen. ,^Hast du uns nicht selbst erzählt, wie unsere Väter an SaLafnachmittageu in die Sixtinische Kapelle gingen?" „Wohl, aber das war damals, als Michelangelo Buonarroti seine Fresken aus der Geschichte Israels malte. Sie gingen auch dahin, um die Gestalt unseres Gesetzgebers an des Papstes Grabrnal zu sehen. Auch habe ich sogar vom Juden gehört, die sich heimlich nach St. Peter stahlen, um eine» Blick auf die gedrehte Säule <mS dem Teuchel Salomos zu werfen, die dies« lingläubigon wn imserer Vergehen willen behielten. Aber es war ja die MitternachtSmesie, die dieser l^pikuräer dort gehört hat." - „Die war es," sagte Joseph, teife ww inr Traum, „die Mitternachtsmesse Weihrauch, Äichtevglang, die Gestalten der Heiligen, wundervoll gemalte Fenster und eine große Menge weinender Andächtiger. Und die Musik schluchzte mit ihnen, bald in schrillem Ton, wie der heftige Schvei von Märtyrern, hach wie der Friedenshauch des „Und wie wagtest du dich in den Doin?" stöhnhtz Rahek. „Wie sollten sie ^gerade an einen Juden denken in diesem ungeheuren Gedränge? Draußen war es dunkel, drinnen düster. Ich verbarg mein Gesicht und weinte. Sie blickten ans die Kardinäle in ihren kostbaren Göwändem, auf den Papst, auf de» Altar. Wer Hätte Augen für mich Schabt?" „Aber dein gecher Hut, Joseph!" „In der Kirche trägt man -einen Hut, Mutter." „Entblößtest du dein Haupt, du Gotteslästerer, und' betetest an?" „Ich wollte nicht anbeten, liebe Mutter. Eiire große Neugier zog mich dorthin ich wollte sie mit eigenen Auge» sehe» und sie mit eigenen Ohren hören, diese Anbetung Christi, die meine Lchver verhöhnen. Da fühlte ich mich von einer mächtigen Woge der Orgelmusik gepackt, und sie wallte von dieser niederen Erde ans zum Himmel. An dem Schenrel Gottes in dem kvistallnen Firmament, da brach sich die Woge. Und plötzlich erkannte ich, wonach meine Seele geschmachtet. Ich ^vnßte, was das vrcheLost Sehnen bedeutet hatte, das mich stets verzehrt, trotzdem ich nie darüber sprach — jene seltsamen Heimsuchungen, jene düsteren Empfindungen —, jcht plötzlich erkannte ich wie -durch -rnien P-litz das Geheimnis des Friedens." „Und das ist — Joseph?" fragte Miriam saust,'denn Rahel rang so nach Atem, daß sie nicht spvechen konnte. „Opferung", sagte Joseph welch, . hinHevissen, „leiden, sich freiwillig 'der Welt opfern; hinstevben i» köstliche» Schnrevz, wie die letzten zitterirderr Töne der Men Knabenstimme, die sich bei dem Lobgesang Mariä zu Gott emporschwang. O, Miriam,'Mute ich doch unsere Brüder aus dem Ghetto führen, könnte ich sterben, um ihnen zum Glück zu verhelfen, sie zu fteien Söhnen Roms M machen." - ,Mn guter Wunsch, nrein Sohn, aber die ErWmlg stcht bei Gott allein." - „Gleichviel. Saßt ünS «m. Glauben flehen. Sind wir Christen, Jo werden die Tore des Ghettos fallen" „Thorsten!" klang es wie ein Echo aus Rahels und Miriams Munde in gleichem Entsetzen. „Ja, Christen", sagte Joseph nnerschüttert. Rahel lief zur Tür und schloß sie fester. Ihr bobien die Glieder. „SW!" hcmchte sie. ,^ah deine» Wahnsinn mcht zu weit gehen. Gott Abrahams; Iveyn dich einer hörte und dvim Geschwätz dem Vater berichtete." Verzweiftlt rang sie die Haitde< . A / v „Jastph, komm KU dir", bat Miriam, aufs tkfsst betroffen. /^Jch bin kein Gelehrter, sondern rmr ein« Frau. Aber du — du, der so viel geLernt — du Hatz dich dock «wte etwa von diesen Taschenspielern mit ihren heiligen Evangelien betören lassen? Sicherlich vermagst du ihnen auf ihre Verdrehungen unserer Propheten zu antworten!" „Ach, Miriam", erwiderte Joseph sanft. „Bist du auch so wie unsere Brüder? Sie halben kein Verständnis dafür. Das Herz kommt dabei nur in Frage, nicht die Worte. Was fühle ich als das Höchste, Göttlichste in mir? Opferung. Daher muß er, der ganz Aufopferimg, gam Märtyrer war, göstlich sein." „Verschwende kein Wort mehr an ihn, Miriam", schrie die Atutter. „Ach, du Ungläubiger, den ich zur Strafe für meine Sünden geboren! Marmn vernichtet dich nicht das himmlische Fouer hier auf der Stelle?" * „Du sprichst von Märtyrertum, Joseph", rief Miriam, sich selbst vergrsiend. „Wir Inden sind die Märtyrer, nicht die Christen. Wie das Vieh sind wir eingesperrt. Mit schimpflichen Merkmalen sind wir gekennzeichnet, llnser Talmud ist verbrannt. Uirseve Besitzungen sind uns abgenonrmerr. Von jeden: achtbaren Beruf sn».d wir mrsge-' schlossen. Nicht oiamM Misere Toten dürftn wir ehrenvoll begraben oder rhiren eine Grabschrift widmen." Die Leidenschaft in ihrem Antlitz kam der seinen gleich. Ihre Sanftnyrt hatte,/sich in Feuer verwandelt. Sie glich einet' Judith, einer Jael^ „Unfevs vigene Feigheit macht, daß sie auf ititä speien, Miriam. Wo ist der Geist der'Makkabäer gebt toben, dem wir <ttn Chanukasest. lobsingen? Der Papst erläßt Bullen^ und wir gehorchen -- äußerlich wenigstens. Unser Widerstand ist gelähmt, schweigt. Er befiehlt gelbe Hüte, wir-tragen sie; doch allmählich werden die gelben Hüte dunkler, sie werden omuge. ockerfarben, bis wir schließlich mit roten Hüten gehen' wie manche Kardinäle rmd ein neues Edikt hemuPeschwoven. Wir werden auf eine Synagoge beschränkt; wir haben deren fünf für unsere Leute, aber wir bauen jk ümwr einem Dache und nennen vier davon - „Schweig, du Judenhasser", schrie die Mutter. -„Sage so etüvas nicht laut. Meirr Gott! Vkein Gatt! M» habe ich mich E'N dich versündigt?" Fortsetzung folgt.)

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