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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-16 · Heft 1353 (16.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1353 (16.11.1922)
Date
1922-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einz'JmmnnerKllOO Wien :Zuin Abholen in der Expedition j II.,T aborstr. 1 -3. oder in einerVerschleisstellc (Trafik) monatl. R 30.000 Mit Postversänd'fur Wien u. Oesterr. monatl. K 30.000 Ts ehe ob o-8! owa k e i: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 2800. Deutschland: Mon. Mark 600. Frankr., Belgien* Monatl. Frcs. 8 * N aeb'Kah I anjen '9H PreiserhJhungen . Vorbehalten Tsehdcho-Slowakei a tschech.'K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire 'Rumänien, Bulgarien: Monatl- 60 Lei bezw. Lewa Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs:’ 3. Redaktion u. Administration Wien, 1I„ Taborstrassc 1—3 Telephone: 44-0-38,43-349, ab o Uhr abends 16-303. Tel.-Adr.: .Morgenzeitung" Wien Oesterrdichisches Postsparkassen» Konto Nr. 150.693 , 16. November 1922 Ar. 1893 —y. W i e n. 15. November. w' Die deutsche Regierung Hat die Demlsiion gegeben. §lt. . .«.it; .“-*1.>»ncC OVll liikö uan). tCdjftö reichenden'„großen, - Koalition", die die Deutsche . Volks Partei und die Sozialdemokraten an die Regierung binden sollte., scheiterte, und. so mußte die Regierung znrücktteteu, ohne Vie von ihr so sehnlich gewünschte Programmatische Einigung der Parteien erreicht zu haben. Dieses negative Re- '' ''7'ivp-h;' .st'st. als das .Haupt der Deutschen.'.Dostspartei, Herr. Stinnes, im wirtschafts-' politischen Ausschuß des Reichtstages die Stabilisierung., der Mark für unnötig und alle dahin , zielenden Bemühungen der Regierung für praktisch unbrauchbar erklärt hatte. . Diese Aeußerungen erfolgten im Zeitpunkt der Der-. haMungen mit der Reparalionskommisiion und wurden, deshalb als.ein taktischer Vorstoß gegen die Erfüllungspolitik aufgejaßL' Die Sozialdemokraten ließen sofort im „Vor-. Worts" Herrn Stinnes den schärfstzn Kainpf ansagen, weil. er „Pie deutsche Volkswirtschaft in den. Abgrund reiße, weil., das ihm und einer Handvoll Schwerindustrieller Nutzen bringt. Damit war die Koalition ' unmöglich ge-, macht und die Regierung wartete nur mehr den formellen Beschluß der.' sozialdemokratischen ReichstagsfvakLion ab, der: vorgestern abends erfolgt ist. ' Diese Vorgänge sind symptomatisch für die Entwicklung,, die ''die politischen Verhältnisse nicht allem in Deutschlandnehmen. 'Üeberall vollzieht sich in der Sozial- Aügmblick '. für ' Paffend ' zu. finden, ahre^ -Tendenzen noch schärfer zu. akzentuieren und in das Licht der Oesfentlichkert/zu treten. Deutlich ist dies in Jfaliengeschehen und. Äe..' DeMisfiytL ^es'. Kabinetts Wirth ist imr ein Ausschnitts aus dem Kampf, der in 'Deutschband/ bislang Unterirdisch geführt wurde? Deutschland muß nicht nur gegen die Reparationen, sondern auch gegen den inneren Feind sich Wehren, dessen taktisches Klavier alle Töne, umfaßt: von der. bewußten, planmäßigen Aussaat - des Pessimismus und '.der. Sabotage der Ersüllungspolitik! bis zum Mord. An' der Spitzel dieser Aktion stehen die Elemente, die stets am lautesten 'von Opfern der Nation' reden, aber selbst jedes Opfer für sich ablehnen. Sie tragen durch ihre'Ruh-/ rigkeit die Verdrossenheit bis in-die letzte Hütte und machen jede, Möglichkeit einer Ausgleichung mit Frankreich zuschanden.' Die Konzentmtion der wirtschaftlichen Kräfte, von der in , jeder Rede Dr. Wirths gesprochen würde/ ist bewußt' Hintertrieben worden, und der „Manchester Guardian", ein deutschfreundliches Blatt, hat das Treiben dieser Gegner der Republik'gekennzeichnet: ,Herr. Stinnes hat. seine eigenen Gesichtspunkte für die Reparationszahlung: sechs Prozent für ihn selbst und zehn Stun-, den Arbeit für die Arbeiter." Von diesen Kreisen ist eben auch der Zusammenbruch der Mark gefördert worden, weil sie erstens'daran fest .verdienen und weil sie zweitens , den Zusammenbruch der Republik ersehnen^ der ihnen die Gelegenheit zur Rache im vollsten Ausmaß bringt. Der Rücktritt der Negrrrung Wirst) ist eine Folge dieser inneren Spannungen, die in den Morden an Erzberger und Rathenau dramatische Höhepunkte fanden, aber auch in anderen, gemäßigteren. Akten sich, zeigen. Diese Spannungen sind' durch keine innerpolitische Methodik aufzuheben. Sie Liegen in der Natur der Dinge. Die Republik ist allzu säumig und allzu vertrauensvoll gewesen; sie hat ihre inneren Gegner ruhig gewähren lassen und zugesehen, wie dir antideutsche Strömung in Frankreich die besten Agitationsmittel aus Deutschland selbst geliefert erhielt. . Mit. hemmungslosem Haß steht, der nationalistische . Monarchismus. der Republik ,gegenüber, obzlvar. er, wenn er zur Regierung käme, binnen kürzester Zeit.zur Annahme der Erfüllungspolitik gezwungen würde. Er hat auch niemals im'Ernst gegen sie gefachten; er hat strts sein Kampfgebiet Innerhalb des deutschen Volkes selbst gesucht, und dämit die Erstchrung bestätigt, daß jeder Chauvinismus im innersten Wesen feige. und' korrupt , ist, wie jede Bewegung; die.sich auf 'eine negatives Ideologie beruft. Cr hat Len Krieg verloren. Aber er schreit ununterbrochen, d,:ß die -Folgen drr Niederlage von der demokratischen Retmblikverursacht werden. XCitb darum ist auch der Rücktr»tt Wirihs keine Lösung der Krise, die mit der Konsequenz der Logik auf den Zerfall Deutschlands Kstauisgrtztz B V tli tt, 15. November. Ael, der „Wr. Morgenzeituyg".)' Von zuständiger Mte wird erklärt, der' PÜÄtritt der Regierung berührt in keiner Weise das in der Note vom 14. d.. an die ReParätionskömmission niedergelegte .Stab 11 isierüngsptdzramm. Die Reschsregierüng hat die Note erft überreicheu lassen, nachdem sie mit den Führer« der bisherigen KoaUtionsParteien, der der Deutschen und der Bayrischen Volkspartei eingehend erörtert war. Jede kommende Regierung, wie sie auch gestaltet seinmöge, wird daher Wer diesem Programm Wen müsse». ./ / . .Der Reichspräsident hatte, heute vormittags mit dem Reichstagsprasidenten L o ebe sowie mit den Vorsitzenden der Sozialdemokratische» Partei, des Zentrums: n»d. der Bayrischen Volkspartei eine Besprechung über die. Lüge. Ein Auftrag z«.r Kabinettsbildun g \\t vom Reichspräsidenten bis jetzt n och nicht erteilt worden. eint ßrfFtaraa der gentruW. Berlm,15. November. (Wvlfs.) Die Zentrümsf r a k t i o s' des Reichstages hetont in einer Erklärung als Ihre einmütige Aüfassnng,' haß »ach der innerpoüti-!scheu Entwicklung .der letzten Tage nder Zentrumspartei 'kei.»erlei I »itiative bet W Neubildung des Kabinetts züsalle.. An ihrem Lertrana» fiir Dr.', Wirth habe sich yiW Mndert^ Das^ einzig Erfreuliche gn her geW-?srok^ki s cho KFär h eit. MerdiW^ hestichedie G efä 1)r, dah der außenpolitische Ersotg durch iunerpolitis che Schw ierigreite«, für die die Zentrumssrattion keinerlei Verantwortung 'treffe, park beeinträchtigt wvrdtn könnte. ' Der dentsche Fasrismnr. Paris, 15. November. (WoM Zur Kanzlerkrise in Deutschland schreibt „Er« Nouvelle", das einzige, was man zu befürchten habe, sei, daß diejenigen, die den Stnrz des Kanzlers gewünscht hätten, Herr e n d e r' Lag c seien. Während die Rechtsparteien sich mtteinander Verschwörten, um die a b s che ul i ch st e Diktatur wiederherzustellen, brachen in Köln und Düsseldorf k o mm u n ifi i sch e Revolttn aus. — ,Figaro" sagt, die Lage in Deutschland scheine im Lichte der letzten Borfälle in Jt al i e n an Klarheit zu gewinnen. Denn' man auch nicht bereits das Wort „Faszism«s" üussprechen müsse, so sei nichtdaran zu zweifeln, daß man eine neue Gruppierung der bürgerliche» Parteien erlebe. Es bleibe in Frage, in welcher-Weise die extremen,Parteien reagieren würden, deren stärkere Organisation die Möglichkeit biete, erustereu Widerstand zu leisten. 6in Todesopfer der ftanzöWen Skknpation. Frankfurt, 16. November. (Wolfs.) Wie die „Frankstrrter Zeitung" aus Wiesbaden meldet, ist der vom srünzöstschen Major Dupie durch fünf Revowerschüsse schwer verletzte Max Cohn im Krankenhaus« gestorben. Me KomnmnWenlrawMe im Aheinlnnd. . Köln, 15. November. (Wolfs.) Amtlich wird mitgeterlt/daß in der Stadt gestern bis 6 Uhr abends Ruhe herrschte. Zu diesem Zeitpunkte versammelten sich etwa 1001). Personen, welche die Aufforderung: der Polizeibeamteu, ausemanderzugehen, mit S t ein w ü r f e n und S ch i mp f r e d c it beantworteten. Die. Straßen wurden hierauf gesäuherL Aus. dem Neuen Markt wurde um HM 7 Uhr eine große Ansammlung mit- Hilfe der Polizei zerstreut, die von der Schußwaffe Gebrauch machen nmtzte. . Aus Düssel do rf/wird gemeldet: In dem amtlichen Berichte über die Vorfälle von gestern vormittags heißt es: Zn Geresheim wurde heute vormittags gewaltsam der Betrieb der Glashütte stillgelegt. Ein großer TM der Demonstranten versuchte, von Geresheim aus das HyMe der Ktüdt zu.erreiKN,-DH1wv7BWpv vUDW, lkzeil"ztzrstrent. Dw PöNzei ist -in^tüstcheü durch Heranziehung erheblicher Verstärkungen so verwehrt, daß sie Herr der Lage bleihMAE Sie' hat Anweisungen erhalten, gegen die Demonstranten rücksichtslos mit d e r W a s f e vorzugehen, und. es besteht die Ueberzeugüng, daß die Polizei auch in den nächste Tagen imstande sein werde, einen kommunistischen Putschversuch zu rmterdriicken. Nach der sozialistischen „Rheinischen Zeitung" sollen bei den Krawallen von Montag abends Schansenster im Werte von 50. Millionen Mark zerschlagen und Sachwerte im Werte von 10 Millwnen gestohlen worden sein. Mittwoch vormittags ist eine merkliche Entspannung eingetreten. Während der Nacht und auch während des Bormittags sind keine weiteren Ruhestörungen vorgekommen. Ausständige, die versuchten, die Bewegung nach Mühlheim zu tragen, um in die THYssenhütLe einzudringen, würden von der Polizei abgewiesen. Zurzeit' sind Verhandlungen zwischen den Streikenden, den Gewerkschaften und den Arbeitgebern im Gange. - Kr.. W i«u. 16. November. AnwaMu-Wn von Rechtsgeft'Mn und Gefetzmäßig- .keit finden in llivgarn seit dem Horthy-Regime auch dann nirgends Glauben, wen» sie sich an einer Stelle kundtun, deren verfasiungsmäßige Wicht ch wäre, nicht anders-als gesetzmäßig zu handeln und .aus ihren Amtshandlungen alles auszuischalten, was das öffentliche Rechtsgefirhl verletze» könnte. In Horthh-lingarn hat' man uns jedoch an anderer Stelle verletzt. Bon Zeit, zu Zeit, wenn, die Saat der reaktionären Haßpolütt zu üppig in die Halme schießt und ihre eigeilen.Positionen zu gefährden droht, oder-wenn vom Auslmch her eine. eMrgische. Strnrme .sich gegen die Vechohrmng der Meyschenrechte bon Megierungs wegen an ihre Ohren, dröhnt, sehen sich die Rvgierungsmänner gezwungen, Worte zu sprechen, welche die Hofsmmg Vortäuschen, daß man auch in Üngarn der Perfolgw^gaMr Bolksschichten und Berufsklafsen satt geworden seiMs bleiben aber immer nur Worte, denen keine. Taten folgen. Im Gegentell, man beginnt in den liberalen Kreisen Ungarns nachgerade Angst zu bekvnnnen vor aufmunterüden, demokratisch klingenden und liberal schillernden Versprechungen der Regierungs-. Männer. So oft ein. Minister-sM-ÄWdernng-seiner.Rechtsbeschraukungen öffeWch in Aussicht stellte, wurden' dem öffenÜi'chen Recht, gewissermaßen Äs, SAM, noch schwerere Fesseln auferl«zt. ' - v. Bor kurzem erft ^hat der MWer für Ku-lttrs und Mnternchi . Graf Kstno Klebelsberg durch. eine Rede , überrascht, in welcher er' als die: Unerschütterlrchstett Grundsätze für ddn Wichevaufba«. Ungarns in wirtschaftlicher.und -kultu-Mer. i BezwhulNg das Aüswahlpri'nzip. hinstellte und dgbei bewnte, { daß für diese Auswahl einzig, und allein die Befähigung,, dia ^«chtMit MÜ dox MW.MtztztzbWd -lein dürstNz der dem Staat aus der Arbeit dieser Befähigten erivachjen kann. Wird jedoch die Auswahl nach Klassen- oder sonsügen Unterschieden vollzogen so meinte der ungarische Kultusminister —, so werde die segenbringende Solektton^zur staatsgefährlrchen und schädlichen Äntisetektion. In jenen Kreisen Uugavns, in denen die Sehnsucht nach dem inneren Frieden, Mch Rechtsgleichheit und nach tatsächlicher Gleichberechtigung aller Klassen, Nationen und Konfesiionen besteht, hat man diese Ausführungen freudig begrüßt. Man hat sie dahin' gedeutet, daß die ungarische UnterrichtsverwalttMg endlich den Numerus clausus an bsn ungarischen HochschÄen als eine Gefahr für. die geistige. Entwicklung des Landes erkannt habe und entschlossen sei, dieses Schandmal einer Gesetzgebnng aus dem ungarischen tz^'setzbuche zu streichen. Man' hielt einen solchen Schritt' der. ungarischen Regierung schon deshalb nicht für unwahrscheinlich, weil es bekannt geworden war, daß die Delegierten der ungarischen Regierung in 'Genf die feste Zusage, gemacht hatten, daß der Numerus clausus aufgehoben wird. Aber wie schon so oft, kam es auch diesmal anders. Während Graf Klebslsbeyg diese unaufrichtigen Worte bei einer Promotion sub auspiciiS gubernatoris im Namen des Reichsverwesers in Debreczm sprach, wurde in feiner-Kanzlei in Budapest einem Gesetzentwurf gearbeitet, - welcher '■; ..g des -Rw» . merus claufuS auch auf die techr. . .-rochju,ium in vollem. Maße Vorsicht. Eine stärkere ' . serielle Felonie würde selbst rn deni rückschrMichsteu kein aktiver Staatsinanu magen. In Genf gibt de'-' 6evollMach^iKte der ungarischen RMerung, bedrängt io.. Europäern mit europäischen. Anschauungen, und Argumenwn, die bindende Zusage, daß Ungarn den Weg des Rechtes und, der Gesetzlrchleit betreten werde. Per einem feierlichen Akt in einer ungarischen Hochschule spricht der Uirtertichtsminister die Worte, die Graf Banffy iü Genf pon jüdischer und nichtjüdischex Seite zu hören bekam; die Regierung aber straft

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