Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1352 (15.11.1922)
- Date
- 1922-11-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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T-TTf^TTT:^ mf"’iartr MrN, MMkvMY TTitmv Worge«zerr»WSi lö. November 1022 «eite 7 20. d. wird außen d»m Fohre--- und Stammsih-Avön"emenl (kein An-luwerkauft da? Schau'piel ,F r a u 6 u t t n e r * von Karl Echt nherr aufgef ytt. Anfang 7 Wr. A«r VmMmü des Puratheäters W Llßademie- S h e a 11 r wird ^onnerslaa die Komödie Die L oü ü lbahn* von Luiuvlg Troma ffeaeben. Aniavg %8 Ut)r. — Monika den 20. -. wird der Schwank «Der Raubder S o v i n e r t n n e n* von Franz una Paul Srhönihan ausefühtt. Anfang 7 Uu. Sm Deuts ch e nDolk 'stk e ater stdek morgen. ^/,8.llhr abm^s, em» Feslov'flllluno von Leskinos „Nathan der Weife" anläßlich des 40Mr>aen K''nst!erjudilSums AdoliM r i f i e s fait. Die Titelrolle spielt der F.lb>iar. Aitt Bem'lljauna der Leitung de? Burglheaters wirken Auguste W'lbrandl-BaudiuS als Data und K-go Thimig als Äloller- Lruder mit, ferner Albert Ke'nr a'S Deiwisck und Ferdinand Omo als "ullan. Slle Düln n Danegger und Vo'ckmar. die Kerrev Klitsch und Gchre'ber speien — zum Te.le zum elften Male — die illtloen Kaupltvllen. In der Neuen W i e n e r B ü h n e findet morgen die Premi-re von Ärtur Slnih>ers Tramkomödie ^Das weite Land" ftait. Ws Friedrih Hoireiter seht') rno d A o r s f sem Gastspiel fort. D-e Rolle de''Genia sp el> Mana Karsten, d'e Rolle der Erna Lili Kertmenger vom Echa»svielhaus in Frankfurt am Min. Die Beietzuna .der Übriaen Rollen ist folgende: Anna — Schill n»; Otto — Smytt; Dr. v. Aigner — Pawero; Iran Wohl — Fö i'er; t-ul'av—- ^endnchs: Nalter — riedrich; Adele — '.vad^ay; Dr. Muer — Meracher; Sta z des — Fungmtchl; Paul Kreindl — Lan>ho; Rohn — Farkas; Marie — Wal ls; Aöjens.'ock — S-ttSer; Penn - Ailr>noen. Reale S rnvld Korst. Artur Schnitzler wird der Erstaufführung beiwohnen. 3m T h e o t e r i n d e r S o s e f st a d! vetb'eib! die Lus'sp'elnvviiät...L asanooas Sohn" alladenvlich uuf dem Spielolan. Nur heute findet eine e nmaliqe Unterbrechung stall. Zur Darstellung kommt als Literarischer Abend „Mullerliebe* pnd ,<Kespenl!ersvnate" von August S'rindberg. Die Hanoi-ollen in „Gespenster-onaiewerden' dargr-stellt von Laura Zoller» Josef Äarno, Keimich Ienjen und Kemnch Füchr. -'Wiener K o m ö d i e n h a u s feierte Edmllnd Eyslc-r m>t feinem ,L a ch e n d e n Ehemann" am Samstag emen wahren Tnumph. Dte Operetltz. mit den Damen Kilos Schulz. Lvu Ehrich, den Herren Tust, Turl Wiener und Kugo Dauer in den KnipUolen, unbr persönlicher Leiluna des Komponisten, er.stelie einen durcksch'aaenden Erfolg und ble'bt bis Ende November im Repertoir. Eysler wu.de wiederholt und stüim'lch gerustn. Die Wiener jüdisch» O p e r e i t ent r u p p e veronfiatet Freilag.vor Ausritt iltzer Eristsplelrcii» nach der Tscsteä o Slowakei einen A b s ch i ed - a b e n d im Lotet Bayrischer Kos. Laborstratze'39. Z,r Aufführung pe° lang! die beliebte Opereile a n k a I e". m>t dem Wunder, kl ine Ciüi Bell in der Lite'rclle. der Op^rnsängcrin Paula G u n und des Schauspielers Dr. B a l a g u r. W o ch e n f p i e l v l a n .d e r Kam m erspiele: Keule, und die sollend'n T"ne, 7 Uhr abends, Ga! spiel Ferdinand Bonn in „S i m i v,n". 10 U r abends iNachtvorstell.'ng) »A dent euer in Marokko". Sonntag. 3 Uyr nach» miltagr, r m i n a". W o ch e*v l p i e sp tan der R e n a i s' a n e ebüh n e: Keule«Mit'woch, 7 Uhr abends, Gastspiel Paul Wegener »D fr Vater". Dvnmrsi a< 7 Uhr abfnds, Gaispiel Pau' Weaener zum ersten Ma e „Die Pt a s ch h. v f f s", Drama in fünf A'nen von Kermann Suder naNn. Freiia-i bis inklusive Sonntag, 7 Uur abends, GastspMi Paul Wrgener ..Die Rasch- Hof f s". CvN"tag, 3 Uhr nachMNlags, «D e r B a i e r". — Da» Gastspiel Reinbold SMnztl. dar die U auffünmug von Ludwig KcrschfeldsThralerslück E pie! d-r Sinne" brinot. begmUt Die-siag den 2l. November. Für die weibtlchs Kauptrolle in ^Spiel der Sipne"^ wurde Ber ha Gast vom Siadtthearer m Kambmg verpflichtet. Reg'» Karl Forest. . » , August Luesbarg geftorbeu. Sonn lag starb hier nakurzer ichwerer Krank» eit. m 56. Lebensjahre der bekan»-ie Violinvirtuose und Püdagoae Auyust D u e s b e r g. Er wa'' vor 3. Fahren der Be-runder der voiksiümil' en Äammerm>:sik» Konzile in W e.i und tM während eines Viert-l'ahrhundsris in Üunder'en Konierien die W^rke der Klastiksr and neuer Meister dem Publikum zu Ge^ör gebracht. I_ wi. .!!,!. iMlJggigjll’m. ■ giig'jJ! E!»»«, Der erschaffene Wachmann. . Ms erster Zeuge würbe gestern Regierungstai Doktor M a t t e r. von Sicherheitsbüreau einvernommen, der die Erhebungen in dieser Krimlnalsäche geführt hat. Er gibt an, daß »Üe Beschuldigten anfangs geleugnet habest ustd nicht einmal den Einbruch bei dem Wirtschaftsbesitzer MitierMayer zugaben. Später l-egte Frau Marzial ein Geständnis ab und gab zu, daß sie das im Prater vergrabene Fleisch -des gestohlenen Schlveittes mit den anderen Frästen abgeholt hübe. Dann , wurde der in der Strafanstalt Garsten befindliche Franz S l r a l vernommen, der dort weM großer Cinbruchsdiebstähle eine neunjährige schwere Kerkerstraft verbüßt. Der Angeklagte Holik hatte nämlich angegeben, daß er früher allerdings .elne Pistole mit größerem Kaliber gehabt habe, diese aber" dem Birak, mit dem er in der Untersuchungshaft zusammen war, verkauft habe. Sirak, der in Sträflingskleidern vorgeführt wird, sagt/über diesen Waffenhandel-, sehr unbestimmt aus und Fibt an, er könne sich auch nicht Mehr genau erinnern^ wo er mit Holik zusammestgetroffen sei. Der Angeklagte Holik erhebt sich und sagt: „Er wird sich erinnern, daß wir in Schweinitz in Böhmen miteinander eingebrochen und dann miteinander verhaftet worden sind. Zeuge Sirak: „Ja, ja. jetzt kann ich mich schon erinnern, es komwt eistem halt so viel zusammen" Hofrat Professor Haberda erwähnt in seinem gerichtSmedizinischen Gutachten, daß der Wachmann Demel ein« Schutz- Verletzung erhalten hat, die eine aufwärtsgehende Richtung zeigt. Die Einschußöffnung befand sich linkK vor dem Ohr, die Äusfchußöfsnung rechts über dem Ohr. Die Schußverletzung hatte zunächst einen Schädelsprung und starken Blutaustnit zur Folge. In dem Augenblick, wo der Wachmann getroffen wurde, war er schon ein Si-erbender. Kurz danach war der Tod eingetreten. Der Schuß ist aus unmittelbaoer Nähe mit einer Waffe, die nrit ra-uchschwachem Pulver geladen war, abgegeben worden. - , r: ■■■• '. Professor Mea-Wickenthal erklärt die vier AngeWgten Marzial, Holik. Musil und Burbtla als Typen psychopathischer Menschen.. Sie hatten.von Natur aus, wie es eben körperlich Mißgestaltete gibt, morallsch-echlsche Defekte, die sie zu Stief- 'kindern der'Natur gemacht haben. Aus diesen moralisch^eihischen Defekten lassen sich alle gemeinsamen Züge erklären,. die solche Psychopathen auszeichnen. Es fchlt ihnen das Gefühl für den Altruismus. Sie haben keine Hemmungen, sie sind impulsiv in ihrem Affektiven, ihr ganzes Triebleben ist primitiv, egoistisch, zügellos. Diese moralischen Defekte sind häufig mit intellektuell-en Schwächen gepaart. Sie sind nicht geisteskrank.-aber es ist doch ein Sckwachsimr, der allerdings forensisch nicht kn Betracht' kommt, daß man ^ihnest die Emsichtslosigkeit' in die strafbare Handlung zubilligen könnte. Bei diesen Menschen treten häufig allgemeine nervöse Störungen auf, die durch ihre Lebensführung,' durch den Hastg zum Alkoholismns verstärkt werden. Alle diese Anlagen bieten dann die Gefahr einer Psychose, einer wirklichen geistigen Erkrankung. Bei Mörzul ist dieser psuchotische Chock zweimal eingeweten. Er befand sich im Jahre 1914 und im Jahre 1913 im Irrenhaus. Seitdem war er nicht mehr geisteskrank, wir haben auch keinen Anhaltspunkt dafür, daß er es wahrend der Tat gewesen fei. - Bei Musil kam zu seinen hereditären Beranlagungen Noch eine Geyirnschädigung im Kriege und eine schwere allgemeine luetische- Infektion. Das Urteil. Auf Grund des Geschwornenverdikts wurde Stephan Holik zu sieben/ Franz Marzial zu. sechs Jahren, Rudolf Musil zu sechs Monaten, Rudolf Burdela zu 10 Monaten. schweren Kerkers, Maria Marzial zu vier Monaten Arrest rrnd Boatrice Holik zu zwei Monaten Arrests verurteilt. Dve Mrad» der beiden Frauen wurden für bedingt erklärt. Las Attentat gegen Harden. Berlin, 14. November. iTel. der ,,Wr. Moreevztlluug".) De, Pro.z tz wea?n des Mordan^g-s auf MoximMn K-rdea wird malirsctei'vlich ansastas Dezember zur Dkrhlindlung komstt n. Der Kauptläter A n K e r m st n n konnte t' mer st o M nicht fefiievommen rrerdev. Die unter dem Verdacht ker M tläier'chast veryasteten beide" Angeklagten Gten z ustd W ei wert werden der A'stlflung zum Mvrdverjuch be>w. der Beihtls« beschuldigt. _ Gestempelte Krone AnsMlnng Wien Fn sWrtch notierte die österreichische Kron^. . . 0.0074 die öslerr. pesiempelte Krone. 0.0076 die tsä'sckifche Krone-« . ... 17.40 die Mark... 0.07»/,' Aaram .......... LÜS B^kotrst . . . 3.50 Sofia.. 385 Budapest ......... 0.22 vs Warschau. « ....... 0.03V, -.0078 KttttiMS. -.0074 «entim«. (0.0074 (0.0073 (17.35 ( 0067/* (2.227s ( 3 50 ( 3.P0 (0.22t/, (OM1/« am 13. am 18 cm 13 am 13 am 1$ am 13. am iS am 13 am 13. Növ.) Növ.) Nos.) Nvv.) Nov.) Nov.) R0v.jj Nov.) Nov.) BMnotMistnlanf S'S-S BMonen Krone«, Nach^dem AüslvÄs der Österreichisch-ungarischen Bank vom 7. November hat sich der Banknotenumlauf um 8,4 Milliav- ' den auf 2,979 Billionen K. erhöht. Der Wechsrleskompke von 899F Milliarden hat e'ne Erhöhung von 23,1 Millimden, die G i r 0 g u k ha b e N eine solche vo^t 47,3 ans 155,5 Mlliarden erfahren. ErmrakversamMluW der Kreditanffatt. Unter Vorsitz des Präsidenten der O-esterreichischen Kredit» ansiM Loms Rothschild -hat gestern die außerordentliche Genevalversamm'lung stattgesunden. Hie Versammlung ge» nchmigte einstimmig di-e von -der Verwaltung gestellten Anträge: Die nach Durchführung -der letzten Kapitalserhöhurdg vm Um» *ktitf befindlichen 4,687.500' Aktien von Nominale 8200 K. pro ( Stück aufzustempeln und die hierzu erforderliche Summe vo» 's 13.600,000.000 K. in der Meise aufzubringen^ daß 13.499.966.000 Kronen durch Aufwertung dauernder GeschäftsbeteiligunP« aufgebracht, während' 44.000 K. dem außerordentlichen Re» sewefonds entnommen werden. Ksone Und Mark. In Zürich sind re{lem die 8 ff e rrei ch i s ch e n Z a k l u n g s m H f i 1 unverändert geblieben, dag-wen ersichr die Reichsmark eine Besserung von u.06^, auf 0.07V, und der i ran-,ö-fische Fran ke n eine solche vost- 34 85 am 36.7o. D>e L t re st eg dort von 34.35' aus 2 - 80. In B e r I i n schwächten sich die tremden Zäh'ungs» miltel zuwlqe der Besserung der Reichsmark -ab. Don ekmäninte sich .Kabel New°York-von 8104.-68 auf 7032.3/, Zahlung P a r i 5 von 516 -70 auf 4*8.85 und Zahlung Wien gma von 10 2 > auf 9.57. Aus -L r « a wird eine Priest gung der Reichsmark von 0.29*/* <uf 0.36 und eine Steigerung den f r a n r ö i i i ch e n Noten von 199.25 M 202 2? anm<»ld»t. Zn 'Wien fand aellern kein Clearing siasi. Das italienische Bndget. Aus Rom wird gemeldet: Anläßlich eines Empfanges der ausländischen Berichterstatter sprach der Antcrstaatssekr-etär. des Schatzamtes die Zuversicht aus, innerhalb von Mi Jahren das Budget auszugleichen. Er Kes r? (4. Fortsetzung.) M'ma Sftßef. Bon Jizchak Löb Pettz. Anb'^em Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz. Es ist, als hörte inan ^»1e Weichsel rauschen. Ihre Wel- Xoit wiegen sich in Mondertschein und sie singt Hr eigenes Lied mit zitternder Stinune zü Ehren des Bräutigams und der Braut. UeLer den Wassern schwebt ein Böglein und singt traurig ein Klagelied. Singt die Schechinah ihren Klagegesang? Denket ihr, die ihr im Golus seid, an das Golus der Schechinah?... Dazwischen fährt plötzlich die Helle Freude mit rauschenden Tönen, die Freude über die Vereinigung von so viel Schönheit'des Leibes und der Seele in diesem einen. Raum. Alle Instrumente cherden von dem Rausch ergriffen und fallen mit ihren höchsten Freudentönen ein, immer freudevoller, immer höher, als erhebe sich ein Mensch freudigen Herzens von einer Stufe zur anderen, höher, immer höher... es rauscht, es leuchtet, es tanzt, es blitzt... Plötzlich bricht alles ad, als wären alle Saiten gerissen, alle Hörner geplatzt... Stille. Und in der großen Stille hört ntan es: Bu—bü—buu... Abraham, der Baß» geigsr, spielt weiter. . . Mer Augen heften sich auf ihn. Keiner, rührt sich, keine Wimper mckt; nur' Abr. hams Hand führt den Bogen nnäufhArtich: Btt—bu—buu... Die Tomaschower Musikanten haben ihn mit Absicht nicht zurnckgehalten, um den Hochzeitsgästen Freude zu bereiten. Aber diesmal ist es ihnen nicht gelungen. Die ^pielleute schauen^ erwartungsvoll in die Menge, wann sie in Lachen ausbricht. Doch die Gäste wenden ihre Augen von Äbrahahm zum Krakauer Rabbi. In seiner Gegenwart lacht man.nicht, wenn er nicht lacht. Die Gesichter verziehen sich, die Lippen zucken, die Aug^n lachen, aber man blickt auf den Krakauer Rastbr usid das Gelächter bricht nicht aus.. Und der Ktakauer Äabbi sitzt ätt seinen Stuhl gelehnt, die Augen gesenkt . . . Ist er etwa eingeschlummert? Und weiter tönt des Basses Melsdie: Bu--du—bttiti Allen wird es unheimlich. .. Alles wendet. Plötzlich die Augen zur Mifteltür. Draußen hört man Tritte; di- Drenw laufen hinaus-und rufen: „Nein, nein! Ihr bek>rmnt später das Irmrnmahl'." Alles begreift! Arme Leute wollen hereinkommen. Der Krakauer Rabbi hebt feine Augen und öffnet die Lippen, einen Befehl zu geben; doch schon erscheint, in der Tür ein'alter'Mann in zevLrmpten Kleidern, ein grüner Bart umrahmt wirr sein Gesicht, eine BettlevgeMt ist's, wie tausend andere. Doch der Mann hat Angem deren Blick ist wie der eines Königs; .seine Handbew-egnng ist' könUich. Ohne es zu. wollen, begegnen die erschrockenen Dmier seinem Blick mit scheuer Ächtung. Der Alte macht eine befehlende Geste mit. der Hand und unwillkürlich bildet der Dienerhaüse verlegen eim-Gasse. Und der Mann Kleid eines Beit'le'rs und nrit dem Gebaren eines Königs schreitet in den Saal. 'Hinter ihm zieht sich eine lange Reihe von Bettlern.' In der Mitte des Saales blecht der ganze Zug stehen. Alles sieht schweigend dem seltsamen Vorgang zu, auch der Krakauer Rabbi, nur Mra-ham führt den Bosten. Sein gekrümmter. Rücken' zittert und er spielt. Und dumpf und ernst klingt es: Bn—brr—buu . .. Der,Alte öffnet den Mund... Alles beugt sich vor oder stellt sich auf die Fußspitzen. Sie hängen an seinem Munde doll Erwartung und ihre Augen haften an seinen Lippen, um sein Wort zu vernehmen. Ern einziges Wort spricht der Mttler zur Menge: „Mitternacht!" Dann weMt er sich zum Krakauer Rabbi und sagt: „Höre, Rabbi von Krakau, mein lieber Mvaham spielt das Mitternachtsgsbet. Du glaubst es nicht, Rabbi von Krakau? Du sollst es Höven. Denn «uf daß du es hörest, wie Ahraham das Mitternachisstebtzt Wicht, wach es dir beschieden, M Tochter des Lnbliners zu heiraten; denn Tomaschow liegt inmitten zwischen Krakau und Lublin. Und uch deinetwillen sollen alle Abrahams Gebet hören, nur picht so, wie du'es Horst, denn du bist ja ein Muschkenner." Bu—du—buu — tönt es weiter durch den Raum- Die Muge schweigt wie gebannt. Da hebt der alte Bettler die' rechte Hand und das Dach spaltet fid» und seine blühen Hälften legen sich um. Und wo oben nodj das Dach war. dort blickt der Himmel m den Raum, ein dunkler, sternbesäter Himmel. Still zicht der Mond über die OeffnUng und ergießt sevn weißes Licht. Noch eimnal hebt der Bettler die Hand; der HimmÄ spaltet sich und zitternder G'anz liegt in der Wölbung, did sich den Blicken aufgetan. Und man hört aus der lichten Höhe ein Singen und Spielen; die Himmelshöhen. sagen ihr Atitternachtsgebet. Engel singen einen Ghor, Engel spielen die begleitende Musik des Orchesters. Und in diese Symphonie des himmlischen Gebetes Paßt wundersam'der Ton von Abrahams Fnstrunrent. Sei» Ton evgießt sich m die lichte Harmonie, welche die Klänge verbreiten, die den HimmelsKiNM mit dem Lichte der Töne erfüllen. In ^zitternder Ghrfurcht. steht die Menge dev Gäste . . . ' Wieder winkt der Alte: Der Himnrel schließt sich, die Musik hört man nicht mehr, nur die Sterne funkeln ms Gemach hinein und erzittern in stiller Freude . . . Wieder winkt der Me und die beiden, Hülsten des Daches fallen zurück. Wie versteinert sitzt die Menge; Keiner traut sich zu atmen und mau hört nur Abrahams Baß: l3u—bu—buu .. . Da entsinkt der Bogen und das Instrument Abrahams Hand, ep-wendet sich der Atenge zu, und erhobt senve Stimme zUm „Schema Israel",.. Cr sagt es in derselben Melödie. mit der er im Himmelsorchester mitgesPW. Wie er endet, sinkt er tot ni-eder- Der Alte fangt ihn in seinen Armen auf und befiehlt den Dienem: „Tragt ihir hinaus!" Und sie tragen ihn hinaus. - ,^rcckaner Rabbi," ruft der Alte, „nicht zu einer Hochzeit seid ihr. gekommen, sondern zu einem Begräbnis.?lbraham, der Baßgeiger, ward ins himmlische Orchester berufen;, dort hat sm Baßgeiger gefehlt." Mt diesen Worte» vev»' schwand der Alte und mtt Hm alle Bettler. £ Zwei Taste darauf ward Abraham, .der Baßgeiger, he» gvMn; der KtaNver Rabbi und alle Gast« gäben ihm das Geleite. - - - - 'Man sagt, der Alte sei Rabbi Leib, S-rachs Sohn gewesen . . ., : . ... r ... I . .; . 1