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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-12 · Heft 1349 (12.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1349 (12.11.1922)
Date
1922-11-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ElnzelRHmmerKllOO W i e n: Zum Abholen in dar Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle [Trafik) monatl. K 30.000 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 30.000 Tschec h o-Slow.akei: Mon.JK.20. Ungarn:,Mon. K 600.JJ'u;go's 1 awi en: Mon. Dinar 30. Polen.: Won. Mk. 2800.' Deutschland: .V^on. Mark 600. Frankr., Belgien: Monatl. Pres. 8 N ach sah 1 ungren "NW »ei ' Pfeiser^öhunsösn Vorbehalten IBiWftMIIMMMBMBMMWWPaM Nr. IW / -y. Wie n. 12. Nonember. . Das fouveräm: Volk Oesterreichs feiert heute zum fünfte« Male den Tag' der Proklamterung Oesterreichs zur Republik. Die Vorgeschichte dieses Ereignisses erklärt die ^nyvlcklung. der Republik in den vier Jahren ihres Bvftan- -)es.' Nur -langsam und zögernd hat sich in den Oktobevla-gell 1918 das österreichische Bürgertum zur Republik oerstanden. Der Begriff der Volksfouveränität ist. i>hm nicht rrnigewurzeltgewesen, wurde vielmehr durch die. unentcmubave Macht, der. Verhältnisse aufgedrcmgt. Das-ist die Erklärung für die Widerstände, mit denen die RePuAltt im Innem zu kämpferr hatte und die sich ihrer Befestigung noch . heute enbgegenstemmen. Die. französische Revolution ist heroorgegangen aus der Literatur der großen bürgerlichen Denker, de-r Enzyklopädisten, Rousseaus, Voltaires, welche die Fäulnis - des .französischen Staatsgobäudes vor den Augen der ^Gesamtheit dargelegt hatten. Die Revolution >oareine, gang' bestimmte Phase in der Entwicklung des sianzösischen Bürgertums. In Oesterreich war sie ern Eleinentaverelgnis. Der unglückliche ÄuSgapg des, Krieges, die Piavekatastrophe zerstörte alle Heuwrnngen, trug den in der Arheitörschast ruhenden Gedanictl der Denrokratie empor,' und so'kcniute mit Zustimmung der Chvistlrchsozialen und. der Deubschnationolen am 12. November 1918 die Ausmmsng der .Republik improvisiert und als Grundgesetz der» kündet ltverden: Alle Geivalt geht auf das Volk über., .Daß die Gowalt vom.ganzen Volk, nicht von einer Klasse, mirs geübt Bird, daß bei ihrer Ausübung aber auch keine-Klafle abseits bleiben darf, dieses erste «td letzte Prinzip .der- TNnokratie ist in Oesterreich nicht, begriffen, also Mch rmchterMk' worden. In der MoMrchie eMmPfte sich.'das. MxMtum Perfassungstnid.Parlament. LsbeA;hgM> strebbstderr Tschechen und den Arbeitern,-Ker/Mchtibcwe - nationale' Gedanke, der die Pflege mÄ -Förderung der nationalen Kultur will, entartete m deutschen Bürgertum zum' Nationalismus, der die Macht und die Machtmittel zur Unterdrückung anderer Nationen verwenden WA. Die Pflege des, eigenen Volkstums Wurde zum Aushängeschild sür'den rrtederträchtigen Rädau-Ehcmdinismus, der zum Krieg, zunr - Verlust des 5kvieges führte, und rmmnchr nach dem' 'StmffrieÜen von St.-Gennain rvnter MeuMu-ng seiner' Verbrechen alle Schuld denJuden zuschteben will. Das-deutsche- Bürgertum, die Professoren/ Industriellen, die Träger des Handels, -der - Kunst, der Technik hätten Kraft-undMacht gmmg besessen, die tollgeilvordew 5bcvmavrlla zulrückzuischeuchen. Aber sie wagten es nicht, sie krochen unter, liehen sich vom Kriegsüberwachmvgsawt einschüchtevn und z«n Sp itzelünn hevabwürdigen. Jetzt Plärren sie von dem Dolchstoß aus dom Hinterland rmd reduzieren ihr Bolkslmn aus das Hep Hep. Dieser geistige Zustand des Bhrgertums bestimmt fein Verhältnis zur Republik. Und so hat sich der demokratische Gedanke der VokkSsouveramtät und der Bollsfrechert zum Proletariat und zu den Bauern gefluchtet; das Proletariat will ihn zur Diktatur feiner Klasse enttvickeln; das Bauerntum,' das . von der Republik aus der Fron der Kaserne be-■ freit -wurde, erstickt ihn im Misthaufen. Das Bürgertum lebt in einer'Welt, die längst vergangen ist. Es weiß nicht, ,vas ihm die Demokratie zu bedeuten hat, die tausend pwduktive Kräfte frei macht aus den Fesseln des mittelalterlichen . Feudal isurus, Es läßt die Btlvvcmkvatie regieren und - Nagt, wenn es diese mitleidlose Faust xn-stark verspürt, über die Denrokratie rmd die Republik. Aber beide 'stellen' die Teilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten nicht als ein Recht, sondern clls die Pflicht des Mannes hin. Dieser Pflicht hat sich das Bürgertum entzogen; soweit es' sich nicht entzogen hat, -greift es nur hemmend in die demokratische E'itwickluug em, an der es vor allem beklagtdaß sie dem Solz des Bürgers, nicht aber 'dein Säbel des Militarismus anvertraut ist. . *- _ ' . Die- RepMik. ist 'nicht aus 'dem frewtt Mllen.der Bür-, gcr entstanden nnd sie leben heute noch ne!benoman>der her. Sucht umn die Gründe, weshcEb die Republik am Beginn, ihres fünften Lebensjahres unter Kontrolle gestellt wird, dann sehe mau zunächst die Resisterlz an, die'das Bürgertums » leistet,' -und.mit' der es sich selbst schlägt. Ss'mbn Groll wegen ' der Mrtzi-chltng der Burgnlusrk bezahlt es selbst, und' zwgr' fahr' hoch. Denn es ist schließlich uni Endlich, doch mir die. Tatkraft des Bürgertums geävesen, das .em'NÄ^'Äke die tefl)-! üischen Mid-inidnstrieklen Mlagen.desStaates, alle *Jüstitute einer feinen und schönen Knlkl-r geschaGn hat. Diese Ta tkrgft war. erzefdgt und' getragen von dein Mist entes an ^iMchorn Muster ernpovgeüvachsenen Liberalismus. Er ist ist siefen.Schlaf verfallen und einejMrnenhecke von, HakeustMvrt mir sein Bett^ Tscheche-Slowake ii tschech. K 1.20 11 a l ien; Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien: Monatl. 60 Lei bezw. Lewa Scb w ei z und das Übrige Ausland monatlich FrCS. 3. Redaktionu. Administration Wien, II.', Taborstrasse l —3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Ühr abends 16-301. Tel.-Adr.: .Morgenzeituncr“ Wien O esterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 Wien. Sonntag. 12. November 192S , 4. SahrgMg Aeutzeruvgen Wedgewoodr. New-Aork, 10. November. (I. C. B.) Colonel W e d g o w o o d, der Führer der englische« Arbeiterpartei/, der eben eine von großem. Erfolg begleitete Prop-gWtzgMe, für den jüdischen Palästina-Vufbgusonds . absolviert hat, erklärte vor seiner Abreise Wem BeÄtzterstatter des J. C. B.: - ' „Am fifnfte» Jahrestag her Pakfour-DeAaration möchte ich i m Na m e» d e^r en glische«.Arb:esi>t eri. Part e i die Bereitschaft betonen- NichtW«: die Betwirk-. lichüng des Mandats iM bnchsWlichett Sinne, sondern auch nach dem G e iste des Beschlnffes der englischen Regierung vor fünf Fahrest/ «aMch Palästina rin eine Heimat der versolgken Fnden vmzntpMdeln, vurchzusetzem! Die Juden dürfen üVetMgt sW, daß die Ei nw anber»ngsbeschranckunge» in Palästtya-sür die unbewittelte« Inden stbgeschafft Wchen, die Tore von PWttna werden für alle. Arbeitest d e w e i t o f fW flehen. Die Inden dürfe» ftrner überzeugt fein, M PalL'stina sehr bald in j ein aqtomomüs stub freies Land mtt Home j RÄe (SBWerwaÜnng) «achäheP Muster der estgchche« ' Dominions »«gewandelt MW« wiW statt Wetter nn?- j ter dem eMMen ManM - .' . I Das wird geschehen, sobald die.Aahl der Juden ' in Palästina stark genug sein wird, um Palästina ' vor allerlei Angriffen zu beschützen. Dank ^diesem llm- '• stunde werden die Juden einen - Platz in der Familie der steien Völker einnehmen und dem allgemeinen Fortschritt großen Nutzen bringen/" Vortereitmig der Wahlen. Jerusäleur, 10. November. (I. C. B.) Dte -pMsünen. fische Regierung hat mit der Publikation, der Wählerlisten und mit dest übrigen Vorbereitungen' zu den Wahlen bereits begonnen. . Die Wahlen sell>st finden End e dieses Monats statt: / - . - Sie arMche Iüegation. London, 11. November. (Wolfs.) Die „Tünes" melden arts Ka-iro: Die ara bische Ab o rdnuug aus Pal'ä st i n a,' die seinerzeit in London Mit englischen Regierungsvertretern verhandelt hatte, .ist irach Konstantmopel abgeveist, um sich von dort n a ch T n g o r a zu begeben. Das Ziel der Abordnung ist, bei Mustafa Ke mal darauf zu dringen,, daß die' nationalistischen Vertreter in Äm- ' sa>n>ye an dem nationalen PEfeschalten, der . die. U n ahh-ä.n gi g k eit aller srirher.'zum UMchen Reich. gehörigen araAschen ÄäGerwerlad.,. ^.;; /■. . I A . . 1 I i . ' .. -i L ) •/' : 'J *<■ Paris, 11 November. <M. d»' Morgenzervwg".) Pierpout M o r g a n reP heute von Londonwo er vor einigen Tage» aus Rck» eiugetroffen ist, nach Paris und wird sogleich eine Besprechung «nt der Repa? rationskommission im Hotel Astoria haben. Es wird mtt Bestimmthett angenonnnen, daß als Ergebnis dieser Besprechung ein Zu faminentrht t der Bankierkonferenz unter hem Swrsitze von Morgan selbst schon in der nächsten Wo che in Paßis stattfinden wird. Morgan ist durch seine Reisen nach Rom und London Der die Wünsche und Absichten der neuen italienischen und der englischen Regierung unterrichtet und wird in Paris Aufschlüsse über die Wünsche der französischen Regierung erhalte«. AA Montag trifft in Paris Professor Jottks ein, der eine so hervorragende Rolle bei der Ärttiner SstchverftSw' -igevkonferenz gespielt hat. Jonks lvird Morgan eingchrnd über die Berliner Situation «nterrichten, so daß Morgan vor Eröffnung der zwetten Bankierkonfereuz über ei« vollständiges Bild der Finanzlage Europas verfügen loird. Äneu Hauptpunkt der Besprechungen der Bankierkonserenz wird die Markstabilifiernng bilden. fatze/ dich alle Verbände ausgeschloffen M müßtech die mtt der Internationale znsammmMgen. KeiueRegienmiskrifeinDeutschland? Berlin, 11. November. (Wokff.) Wie de» Zeitungen mitgeteilt wird, bestehe keine Regierungskrise. Eine offizieller Auftrag zur Umbildung des Kabinetts liege nicht vor. Mne MillionFasMey Kampf gegen jede FuLerMtionale. Bologna, 11 November. Gestern ist hier der Kongreß der faszistischen Gewerkschafte» eröffnet wordenderen Mitgliederzahl bereits eine Millio n anfweist.. Berichterstatter Ros s o n i erörterte die Statuten der faszistischest Orgatrisation, die Klaffenkampf uyd Kollabo-. ration ausschlietzen und statt dessen den Grundsatz vom Siege des Tüchffflsten anssteslen. Die faszistlschen Gewerkschaften lehnest Me Zwangsorganisationen ab und!Men das Interesse der uatio««Den Produktion voÄ«. Sie verlanM -atz die PwIMionMeW^rte gerecht zivische« Jndvsttie und Arbettem autzuteile« säen. Die Revolution, M es MMch, U M W Aufstand Von Sklaven gewesen/ sondern Verfölge die Befreiuhg des Staates von de« Parasiten. Ein zur Verlesung gebrachtes Begrüßungsschreiben M u s s o l i n i d erklärt,, der faszistlsche Staat werde alle aktiven Kräfte der Pätiöst verMftchen usttpr/deP WLHlsprnch „Anfban n n d F b r t sch r 111"; Der K'ongtetz förderte die Auflösung' - ÜfrfttfltPrrHti» «sti» heCCII «ach hnm GrUNd- Der Sultan will nicht abdanken. Paris, 11. November. Wie die Ageme Hüvas aus K onstantin opel berichtet, hat dererste Sekretär des Sultan s am 9. d. formelle erklärt, -atz der Sultan um keinen Preis abdankeu werde. Die „Times" melden aus Konstantinopel, der Sultan befinde sich noch in Konstantinopel und werde von britischem Militär bewacht. Ile Wahle» iv Amerika. Paris, 11. November. Nach den letzten Mtttellungen ans New-Novk werde das Reprafentcmtenhcms folgendermaßen zusiamnengeseht sein: Republikaner 214, Demokvaten '219, Sozialisten einen Sitz, Unabhängige eine« Sitz. Die Demokraten weäen daher in der neuen Kcanmye die absMte.MchWtt von drei Stimmen besitzen. Miß Alice Robertson, -das einzige weibliche Mitglied des Kongresses, das der vepublÄanischen Partei WgehörtewuÄe nicht wiedevgewLhlt. Im Staate Illinois sprachen sich die Wähler in Beantwortung der Frage Aufvechterhaltung oder Abschasflmg des AKohölverbotes für dw Bewllligung des Verkaufes von Bier und leichten Wunen aus. In Birginten wurde 'die ganze demokratische Liste gewählt. Die Republikaner verloren das einzige Mandat» das sie in diesem Staate hatten. In Mafsachussetts konnten sich die RepM-ikaner bchauptem Senator Lodge und Gouverneur Knox wurden wi>Äm:g-ewählt. Im Süden haben die Demokraten fast überall Erfolge, auszuiweisen. So wurde in Alabama und Oklahoura die ganze demokratische Liste gewählt. In Keuürcky verloren die Ztepublikaner drei Mandate. Me Kommmiste» in der deutschen ReiiemM Berlin, 11.. November. Wie der „Vovivärts" ans Dresden meldet, haben die Sozialdemokraten beschlossen,! die Komnmn'iften hurch ein offizielles Schreiben auMfordern, uinter/dor -Bedingung >der Anerbennnng der Reichs» rmd -LandeZversassmig in die Regievlmg einzlvtveten. KNnmlnng der FinamzminWers Segur. . Wien, 11. Novernber. Bn-itdesmrnister sär Finanzen - Ästgstsl' Segur ist, wie berichtet,, m -'der Montagsitzmdg -des 9battonalvätes von einem Unwohlsein befallen worden. - Mmister Ssgur hat sich vor einigen Tagen in das Sanatormm Gutenbrmm m Baden begeben und muß sich da-! selbst wogen, eines Herzleidens einer längeren Kur unter-! zi-Hen. -Bundeskanzler Dr. Seipel -l)at'M-'EÄwMest'he^' i LML ftWä. -

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