Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1346 (9.11.1922)
- Date
- 1922-11-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wi euer Pelzw^renm arkt Breitfeld & Lander, Wien, II. Kl. Sperigasse 8 (Ä'Li Engroa_ ML«, ' v^L«W»8«M»»» JEagjiun»ir,< ÄBWkW^MPPkMWBWWWMMMHM'MBWWHWWWWWHMBWWWWWUWW Me«» S. November 1922 Wien, Donnerstag WWW s...° r'm: WahlSrwxgung rniD PMstiua-PoUM in PnqJanb. Lord Balfour über die Stellung der üieüen Regierung zur Palästina-Politik. ' London, 6. Novem-ber. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) „Daily Expveß" teilt mit, daß Lord Balfour während seines Aufenthaltes inEdinbourgh dem dortigen Rabbiner Dr. D a i ch e s erklärt hat, er empfinde eine besondeve Befriedigung darüber, daß der neue Unterftaatssekreiär des Kolonienministerimns Ormsb y Gote rst. Kapitän Ormsby Gore, sagte Lord Balfour, ist ein begeisterter Anhänger der zionistischen Politik und hat sie immer richtig eingeschätzt. Lord Derby sei Ebenfalls ein Anhänger dieser Politik. Judische Kandidaten bei den englische» Wahlen. London, 8. November. (I. E. B.) Bon den verschiedenen Parteien sind bei den jetzigen englischen Wahlen 22 indische Kandidaten aufgestellt worden; unter Liesen sind 8 mrabhängige Liberale, 4 Notionalliberale (Gruppe Lloyd Georges), 9 Konservative und 1 Kandidat der Arbeiterpartei. Die unabhängigen Liberalen Und Pälastina. London, 6. November.. (I. C. B.) Nach der .Rede des Unabhängigen Liberalen John S i m o n, der die Forderung rmch Räumung Palästinas und Mesopotamiens aufstellte, hät nun Mr. Asquich selbst seine Stellung zur Palästinafvage ftstgelegt. Während einer Rede in seinem Wahlbezirk erklärte AZqmch, es sei notig, daß die englischen Verpflichtungen m Palästina und Mesopotamien und anderweitig b! s zur letzten Möglichkeit emgeschräE weichen. Es ist unmöglich, ans Kosten des englischen Steuerzahlers in allen Teilen der europäisch-asiatischen Welt ein philanthropisches Experiment zu unternehmen. Wir haben alle Verpflichtungen, die wir übernommen, , bereits erfilltt nnd es ist Zeit, daß wir uns zurückziehen. Es ist demgegenüber interessant, fostzuftellen, daß Asquith in seiner Parlamentsrede am 9. Marz 1922 festgestellt hat, daß England mit Bezug auf Palästina besondere Verpflichtungen den Juden gegenüber habe, die in jedem Falle zu erfüllen sindmag es richtig oder falsch gewesen fein, sie zu übernehmen. sammenarbeit mit Rumänien wünsche: Auch auf, 'wirtschaftlichem Gebiete sei ein inniges Zusammengehen erwünscht? Weiters erflorte StamllÜliski, er beabsichtige, d'e. Komitatschibanden zu beseitigen und engere Beziehungen zu den Kalkanstaaten herzustellen.. Er dementierte alle Nachrichten über eine Verbindung der bulgarischen Regierung mit Moskau und der Regierung von Auaora. Bulgarien stünden Rumänien und die anderen Balkanstaaten bezüglich der Meerengenstage viel näher. M Berfotmwg he« zionismu« in Rnbland. Der russische Sonderberichterstatter des I. C. B berichtet: Die,in Kiew wegen Verdachtes zionistischer Betätigung verhafteten 40 Personen wurden nun auf freien Fuß gesetzt, nachdem sie sich schriftlich verpflichtet hatten, sich Mr zionistischen Betätigung zu enthalten, bis ihre Angäegenheiten durch das Mtizdepardement untersucht «worden ist. Unter den aus der Hast entlassenen sind zu nennen: Zwi Kaschdai, früherer Mitarbeiter des -HaMoach', der wegen seines hohen Alters bloß rn Hausarrest geilten wurde; Herr W e i n s ch e l b ö um, eine wegen seine- Arbeit auf dem Gebiete der Eichung bekannte Persönlichkeit; Herr Ganonolski, ein populärer Misch tationaler Redner, sowie eine Reche jüngerer Mitglieder der rechten und der linken Zeire Zi,on, der Organisation Hechaluz und des Verbandes Makkabi. Bor ihrer Enthaftung wu^en sie noch über ihre Beziehmvgen zu der zionistischen Ooltovganisatünr. über, ihre Stellung zu Jabotinski und' seinen Abmachungen mit dem Parteigänger Petljuras, Slavinski, befragt. Die zionistische Arbeit in Kiew ist gänzlich lahrngelrgt. Ser datzrischk MtMerhrSsident. Münch««, 8: November. (Südd. Korr.-Bur.) In der heutigen Sitzung des Landtages wurde Dr. v. K n i U i n g mit 86 gegen 143 abgegebenen Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt. Segen AemßtenftreÜ». ' Madrid, 8. November. (Havas.) Die Regierung be-. reitet ein Gesetz vor, dcvS de« Beamten untersagt, in den Streik zu treten, sie MA berechtigt, Gewerkschaften zu bilden. Tagesbericht. > Me mnerikmifchen Wahlen. Sieg der. Demokraten. < New-Aork, 7. November. (Tel. d. „Wr. Morgenzektung".) Nach den bishrigen Meldungen haben teilweise sehr heftige Wahlkämpfe stattgefunden. Die Teilnahme' der Wahlen ist sehr groß. Die Republikaner haben die üandlichen Bezirke im Staate Nöw-Aork verloren. Namentlich die Niederlage Millers für den Gouvevneurposten wird hier als beachtenswertes Zeichen angesehen. Die.demokratischeMehrhert wird auf 200.000 bis 500.000 Stimmen geschätzt. Im Jahre 1920 betrug die demokratische Mehrheit 1,100.000 Stiminen. In Washington sind, soweit , sich ersehen läßt, die Demokraten an der Spitze. In Boston führen sie bisher. . Paris, 8. November. Nach dm gestern abends in Washington bekaimtgswordenen Wahrergvbmssen steht es bereits fest, daß die republikanische Mehrheit <mt Ropräsenia-nteichüiuse einen Verlust von 38 Sitzen mtstveisen werde, die den Demokraten zufallen. Der Wahlsieg der Dsmokvachen, der ihnen die' Majorität verschaffen dürfte, könne nur mit jenem Wahlsieg verglichen weiden, dm im Jahre 1920 die RepMik-mer davontmgen. Man könne selbst anllehmen, daß -boe jetzige Niederlage der RepilbMoner weitaus empfmAicher sein werde» als es die Wahlverluste der Denrokratru im Jahre 1920 gewesen waren. Im Senat dürften die Republikaner. fünf oder sechs Mandate verlieren und sine Keim Majorität behaupten. Re Wer des ungarischen Numerus clausus itt Men. Hunger wtd Rot. ' Das Horchh-Reginre hat viele .tausende Juden um ihr Leiben oder um Hve Exvstmrz gebracht, ä'roß ist die Zahl derjenigen, die unter den* Deckmantel der FrcrudenbehaMung arts dem'Lande gewiesen wurden, obgleich sie selbst, seit Jahrzehrrten m Ungarn leben, viele von ihnen daselbst geboren und exogen wurden. Aber die brutalste Tack der unter der Zuchtrute der Erwachenden Ungarn und anderer unverantwortlicher Elemente stehenden ungarischen Regierung war die Vertreibung MMrischer Staatsbürger aus den ungarischen Hochschulen nnd als Folgdavon ihre Ausweisung ms Ausland. Von diesen Opfern des Nuuierns 'clausus leben in Wien rund 700. Sowohl in Budapest als muh in Wien haben sich. Mische Hilfskomite-es zur Unterstützung dieser Studenten gebildet, und vor einigen Tagen erschien in Wien ein Delegierter der Budapester Hilfsaktion Dr. Desioer Sebeokum an Ort und-Stelle die Verhältnisse kennen zu rernvn und eine rationelle Hilfeleistung in die Weg? zu leiten. In Wien nimmt sich dieser Mglücklichcn Studenten der aus Ungarn stammende Univechtätsprofessor Dr. Heinrich Neumann Ln. In bem Äudapester Mischen Blatt „Eghenlöseg" berichtet nun Dr. Sebeök über seine.Erleb-' Die Mayolgegner, New-Pork, 8. November. Meuter.) Die Wahlersolge der Demokraten werden als Mißerfolg der Politik. Harldin gs .Mutet.>- Die, republikanische Mchcheit hat tm Setrat abgenor.rmen, doch verfügt die republikanische Partei noch immer über eine MsthnLiche Majorität.. Die Gegner des AlkohoLv erbot es haben' einige Sitze gewonnen^ . . . ... MMulM in NelsrO. Belgrad: Nach Berichtenaus^Bu4mr,est^DMHühialersHe' Msttisterprysident StÄH'^HDrD ||sj| r BÄ^rad ^bgereip. Bor seiner^. Abrerse^.MßeÜ^ eiüufc,, WrellevertvetLrn aeaermber. daß Bulsarreu eme Me Z nnisfe in Wien. In em-er im Hörsaol der.Neumaunichcn Klinik abge» haltenen Bersamrnlmrg der Studenten lr-:fer r der Medi-' ziner Ladislaus Steiner statistische Daten über die in Mm lebeMst Opfer detz Pmn-ems clausus. Danach studieren qn den Wiemr Hochschulen gegerkwä'tii 701. nngaüsche jüdisch^ StMrnten, VM denen 302 auf UnterstützMg . angewiesen sind. Bon: den Nnter'tÜ^ten sind 126 aller 'Mittel ervtMßt rrttd erhalten von keiner anderen SM irgendwelche Zuschüsse. Auch von den Hörern der ersten ,Semester sind 38 untevscktznnMedü^tig, 122 dieser ^vtm. sind. geMWgen. zu/Wien H^KlWtt .Mte^zu EKM -gg .wurde brveirs ''S« ng e N'tu b e $ kn lose .. gentuve'rrnlss MUtelW währen-. 12 mit schwören MaMeideü in WWdlnNg ^sind. Jin vorigen KW M 51. ungarische Krsche StuderNen M.rMtjöstn Krankheiterl.Mtorbeu. 158 Ärderibm sind schon die lanW Kii »M itt der Lage, zu frühstücken, und zu Mittag irgend etlvas z« essen. Die meisten dieser jüdischen Studenten sind M e d p z i ne r. Einige besuchen die landwirtschaftlich» Hochschule, vier die Kunstakademie. Biele diese» Studenten haben auch neben ihrem Studium irgend enu. Anstellung, aber groß ist die Zahl auch derjenigen, die sich durch Trägerarbeiten bei Eisenbahnzügey einiges verdienen, es gibt unter ihnen sogar solche, M« auf dem Rindermarkt bei der Wage beschäftigt sirch und ein großer Teil erhalt sich durch Verschleiß vor Zeitungen. Bekannt sind die hohen 4FnskriPtionsgebühren und Kollegienoelder, die zwischew600.000 unÄ 1 Million Kronen variieren. In den einzelnen Kursen müssen 12 bis 20 Goldkronen bezahlt werden, zwei Drittel der jiwischen Studenten besucht die jüdische Mensa. Dis Höver des evs^n Jahrganges erhalten jedoch keinckklei Be^- gün'stigN'ngen. Prof. Dr- Heinrich Nsmnann, der bei diesen Beratungen anwesend war, urachte die erfreuliche Mit-« teöluing, daß er in der Lage sei, aus einem ihm zur Ver> fügung stehenden Betrage 10 Millionen Kronen zu widmen. Der „EgyeNlöseg" -hat, laut seinem jüngsten Ausweise, für den gleichen Zweck 25 Millionen Kronen gesamnrelt. Es ist geradezu haarsträubend, daß in Budapest ein Regime sich so lauge hallen kann, welches tacksächlich alle diese Opfer an Gut m\b Leben und an Jntellekl fordert. Es verschlägt wahrlich wenig, daß Dr. Sebeok seinen Bericht mit der Feststelftmg würzt, daß diese Horthy-Opfer ihn geschmückt mit rot-weiß-grünen Bändchen empfangen und ihre Beratungen mit der ungarischen Volkshymne begannen und erschlossen. ' V Klebelsberg gegen den Rnmerns elaO«? , Aus Budapest wird uns berichtet: Minister für Kulltus und Unterricht Graf Kuno Kl ebelsberg hielt dieser Tage in Debreezin, wo er bei emer Promotiorl „sub ausspicris grchernatoris" den Reichsverweser Horttür vertrat, eure Rode, die deshalb. Auffehen erregte, weil sie ihrem Wesen nach den Numerüs clausus verurteilt. Mi nister KWelsberg sagte unter anderem: Jch'dche m diesen schweren Zeiten nicht gerne zu Festlichkeiten, deun der Ungar hat heute keine Ursache, Feste zu feiern. Dennoch. ' kam ich gerne hierher, weil dieses Fest eiy Fest der Nswahl fft. DaS Land bedarf der Selektion in'.hohem Maße. Die Befähigten müssen ausgewählt werden. Schon die Eltew müssen die Fähigtetteu?rkennen, die Lehrer und Professoren müssen sie weiter ertt-'. wickeln und für diese Enttvicklung der.Talente »ruß, Opfer gebracht werden. Geschieht jedoch die Selektion nicht nach den Fähi?ske'lien, sondern aus gesellschaftlichen oder anderen Rücksichten, dann wird aus ihr eine Antiselektion. Das ist' jedoch äußerst, gefährlich, auf jeden Platz muß der richtige Mann, muß derjenige gestellt werden, der seinen Platz an, besten aitt- M. > Eine boiveiskrLstrtzere und überzeugendere Argumentation gegen den auch vom Kultusminister Klobelsberg aufrecht erhaltenen Nmnems clausus hatte selbst der größte Gegner dieser mittelalterlichen Jnstrtutioir nicht an« führen können! Las Wohlfahrtrwesen der Stadt Wien. Die Ausgaben van 1,7 ans 48 Alilliarden gestiegen. Im Mlliardenhaushalt der StM Wien nimmt das , Wohlfahrtswesen, M8 bekanntlich unter der Leitung des ebenso' rührigen als humanen Professors Tandler steht; einen hervorragenden Platz ein. Es ist bekannt und nicht zuletzt von seinen politischen Gegnern anerkannt, daß er bahnbrechend aus diesem Gebiet ist nnd daß er mit seinen Reformen geradezu^ vorbildlich geworden ist. Allerdings erfordert dieser Zweig der städtischen Verwaltung ungeheuer viel Geld, denn täglich wachsen die Änsörderungen, die an die städtische Fürsorge gestellt werdep, Ein klares Bild von dem riesigen Aufwalch fiir dieses Resser' geben die Ziffern, die Stadtrat Prof. Taichler gestern in einer Konferenz 'mit Pressevertretern mitgeteilt hat. Danach warm im Voranschlag für das Jahr 1922 die Ausgaben für das Fürsorgereferat mit 1,7 M i l l i ap d e n Kronen eingesetzt. Bereits am Ende deS ersten Halbjahres erhöhte sich der Betrag auf 20 Milliarden, und nun liegt tleuerdings ein Nachttcrgsbudget vor, in welchem weitere 28 Milliarden Kronen angesprochen werden, so daß — wenn nicht noch tmerliche Steigerungen Eintreten — die G c s a m t a n sgaben im heurigen Jahre nicht weniger als 48 Milliarden Kronen betragen werden! Davon entfallen auf die Altersfürsorge 18,6 Milliarden, wobei der 'Hauptanteil, nänilich. 18,8 Milliarden, die Hauptstätte! der geschlosseneil MerssÜrforgö, drs Bersorgungs-heims in Lainz, erfordert.' Die Ingeüdpflege erfordert 8 Milliarden, die Jrrenpf t e g« ,11 MMtarden, das Kranke n h a u 8 d e r S t a d t 'di« TÄ-ö*?‘ <: W MÜiö^n mck das..FMe-d h o f 8 tv^je üWtzÜ Millionen , Kkbnem Die im heurstchi' Jahre ins-,.2Dttt' getusene Sich.u I-. ä u S.ßp ei| u uD-ast. il»tt ll-ntzt, lveniger atzs.1,6 iNilliardeir..deravjchlagt, M dk "J 'u g e n d e r h o l u n g s j ü r j o r ü e M