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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-09 · Heft 1346 (9.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1346 (9.11.1922)
Date
1922-11-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der „Daily Expreß" Hat endlich den Faktor erlischt, der für die bedrohliche Gestaltung der Djnge im nahen Orient verantwortlich gemacht worden kann. Dcr Zionismus ist es. Und innerhalb des Zionismus, ist rs wieder dessen Führer Dr. Wetzmann, der an allem schuld ist. Bisher hatte man von den orthodoxen Konservativen gehört, daß'Lloyd George seine eigene. Politik gemacht habe, daß er es am rechtzeitigen Einvernehmen 4Nt Frankreich habe fehlen lassen, daß seine Impetuosilat'die heillose Verwirrung angestiftet habe, die sich jetzt nutz Anatolien über Europa und Vorderasien ergießt. Lloyd George ist gestürzt, die Konservativen konnten-die .Regierung bilden und die Wahlen leiten, Aber im Ment konnten sie nichts anderes erreichen, als daß .sich, freilich ohne ihre Schuld, das Verhältnis zu den türkischen Nationalisten noch weiter verschärft hat. Müstapha Kemül ist von dem imperialistischen Frankreich und dem ebenso imperialistischen'Rußland so lange gefördert und als liebes Kind unterstützt worden, , bis er sich als großer Mann fühlte und nun gegen alle austritt. Die Angorakatze zeigt ihre Krallen. Durch Konstasttinopel' rast der antieuropäische Haß, der Sultan mußte sich'an Bord eines englischen Kriegsschiffes begeben, die in.Mudania beschlossene neutrale Zone an den Dardanellen ist-von Kemals Mannschaften besetzt. Eng? land erntet jetzt die Früchte des französischen Doppelspiels und es zeigt sich klar, daß die systematische Methode, i-n der während des -kritischen PMromalstadiums der Orientkrise die Autorität Lloyd Georges erschüttert wurde, sich jetzt zu rächen beginnt. Die Konservativen Panik in .Frankreichs befinden. JlM Presse aber sucht nach anderen/ die sie'vor dem englischen Wühler als den Prügelknaben ankreiden könnte. Lloyd George wehrt sich sehr'-energisch und so muß der Jude herhälten. -Das ist!seine traditionelle Rolle, und in dieser Beziehung gibt es im internationalen Antisemitismus nur graduelle!, aber nicht prinzipielle Abstufungen. Wie schon bemerkt,! greift „Daily Expreß" Herrn Weizniann heraus.-Er'ist der böse Geist, her England in den „palästinettsische.n Sumpf" gelockt hat und es dort festhält. Irr geheimnisvollem Dunkel chibt dieser Kenner der Chemie seine analytischen Künste auf das Hirn der - Regierung nnd das Herzdes Auswärtigen Amtes. Und da Bileam, als sein Esel redete,: zu segnen statt zu fluchen begann, zollt her Entdecker dieses Mysteriums der chemischen Retorte auch dem persönlichen Töesen Dr. Welzmanns seine-Anerkennung. Er ist ein Niann von unwiderstehlichem Charme und magnetischer Kraft. Es freut, ryls, unseren Führer in so schönem Licht zu sehen. Aber die Geschichte von dem palästm'enfischen Sumpf hat sich.beuch'doch.ganz anders zugetragen. Die Balsonr-Erklärung war, wie Dr. Weizmann in einen: Brief an -„Daily Expreß" mit ersrensicher Bestimmtheit seststellt, das Ergebnis einer sorgfältigen Prüfung der politischen Lage durch das damalige Kabinett:md wurde von Frankreich, Italien und Amerika akzeptiert, Lloyd George nimmt -die gleiche Konstatierung im „Daily Chronicke" noch'schärfer vor. Er nennt, die ganze. Propaganda mit .herzerfrischender Deutlichkeit „ein antisemitisches Element". Churchill, der Kolonialminffter in dem gestürzten Kabinett, meldet sich gleichfalls Mit einer Erklärung, die der Pikanterre nicht entbehrt.' Danach saßen in dem Kriegskabinett, das die Balfour-Deklaration billigte, auch die Konservativen Bonar Law und Lord Curzön. Sollten sie von den übernommenen Verpflichtungen zurücktreten, so würden sie Wortbruch begehen.! Die Existenzfrage der jüdischen Nation ruht nur in der Nation : selbst, kann nur von ihr gelöst oder der Lösung nähergeführt werden. Es -ist' deshalb auch nicht die Sache des: jüdischen Volkes, ob eine im englischen politischen Leben'immerhin maßgebende Partei, sich nnt der"'Schande .'des. .Antisemitismus -'besudeln'-will. Wir nehmen trotzdem als Kulturinenschen gerne zur Kenntnis, daß!die Attacke', gegen den Zionismus so rasch und' so unzlveidentig als: ein: antisemitisches" Manöver abgewiescn wurde. „Der Ziynismns'wird weitergehen,' auch. wenn England' morgen. Palästina räumen: sollte^" l^hreibL Weizmänn rn seinem Pries, urtd es. gibt keinen Zionisten,^ der anders empfinden würde. Es handelt sich lediglich um eine 'Ehrensache Englands und die liegt in guten Händen. -„Daily Expreß" wollte das ans seiner Suche nach dem 'Weisen - von• Zion sicherlich nicht be^ weisen, über es -hat dies bewiesen, sind das ist, wie deL_MmM.davo.lL. -—" — . — P a r i s, 8. Novenrber. (%d. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die lchten Ereignisse im nahen OAent htchen z« elftem regen Meinungsaustausch. Mischen den Kabinette« von London, P aris und Hö in geführt. Tag - und Nacht 'befördert der TelegraphdieNoten, die zwischen den drei Regierungen über die zu ergreifeichen Maßnahmen ansgetäuscht werdet j ‘ [. ‘‘ Wie ln Kreisen des Qüäi dDrsah verlautet, gehtaus den Noten der englischen Regierung hervor, daß sie u nter'keinenümstä n denvor den TLrkenzurüäweichen und alles äüfbieten will, nm die Autorität der europäischen Mäcksteim Orientzn währen. Ale hät aus diesem Grunde vorgeschlagen, neuerdings'eine gem ei n s ch aftli ch e 'F l o'i i ew d e Mon st r ä t i o u ift beft Meerengen Vorzunehuien. In fr an z ö s ischen Krei s e n scheint man mit dieser Demonstration und der Entseftdung von Kriegsschiffen einverstanden zu sein: Denneuesten Nachrichten zufolge gewinnt die nationalistische Bewegung ift Konstantinöpel weiter au Umsang. Aftch die Le i b gar de des S u s t ans ist nicht mehr zn- VerlWg i und soll sich bereiterklärt haden, sich iw Falle eines Aufftandes auf die Seite der Nattonälisten zu schlagen. In den Hauptstädten der alliierten Machte ist man über die Maßnahmen der Angora-Regierung außerordentlich beunruhigt. Die neue tüMcheWeßierung hat die gemischten GeriHtßhSfe aufgeW'-WV'' Meotdnet, daß die 'Z ockl-t a r iffe ' der "ÄngdMHWMg -kft"A«MkdÄ«g kommen Wen. Alle Zollämter^ die Pon euroPäiWn Äääg jt lost Uno i Hie europLftHMWemfttMt <msgesordert>.. oas türkische^ Gevictnsv ffchftAh W iMMl stl verlasfeL'Mst: . Aüs'we i s u n g d e r e u r o P 8 i sehen Beamten hat Me^Evregüng! .u^tev<.lwr'«phaW»hiückisch«r'- -LevSÜsrnng' gesteigert und . -besonders H en gli s ch e n u d i t a lü e N ische Staatsaugehör'ige tzer^n in noch stärkerem Maße als bisher belästigt.: Fortgesetztkommt es? zu Zwi- 'schenfallen. Diese Vorgänge werben in Paris sehr ernst beurteilt, und der Ministerrat hat den Beschluß gefaßt, unter allen Umstanden gemeinfam mit Eftgdand und Italien gegen die Angora-Regierung vorzugehen. J s m i d Pas ch a,. der Außenminister der Angora- RegiHuugf der - qls Delegierter nach.' Lausanne gehen soll, ist in ^onstaniinopel eingetroffem Er hatte gestern eine Unterredung y, it den iitteralliierten Oberkommissären, die ihm e in Ult int atum überreichten, in dem die Regierung von Angora aufgesordert wird, die Bestimmungen des B e r t r ä g es v o n Mn.dä stia zu respektieren und ans die Gefahr von Zwischenfällen hingewiesen wird.; Üeber die Lage des SüttänD kursieren die widersprechendsten Gerüchte. Bald heißt es, er sei entführt worden, .bald wird behauptet, er habe entfiiehe« wollen und sei -daran verhindert wördem Taffächllch hefindet sich der S ul t a n, der gestern abends noch eine styterxebung,mit dem. englischen Oberkoftlnrissar hatte, . ay Bord eines Kriegsschiffes, am Bosporus.. . v M Pera herrscht große Erregung. Die christliche und ottomanischeBew^ den kommenden EreigNissen entgegen. Lord H a r d i n g anläßlich der Überreichung der englischen Noch in der eine Verschiebung der Lausanner Konferenz auf den 27. November vorgeschlagen wird, dätz seiner Ansicht nach unter den gegenwärtigen Umständen die O rients r i ed e n s k o n s e r e n z n ich t l 8 n g e r v e r z ö g e r t werden dürfe. Die Lage in KonstanLinoPel habe sich derart verschärft, daß die alliierten Oberkommissare ihren R ü cktritt angeboten hätten, wenn ihnen nicht Vollmacht zur Verhängung des B e l atz e r n n g s z n st a « d e s gegeben wird. Die ^Konferenz von Lausanne müsse nach Möglichkett an dem bereits festgesetzten Tage/den 13. Ro- " eröffnet werden. ‘ Harding hat seiner Regierung den Standpunkt Poinrares mitgeteilt. L o u d o n, 8. Nyvelftber. (Tel. d. „Wr. Morgengertmig".) Lloyd George berührte heute die Frage des nahett Ostens in einer Rede in Newcastle. Er führte ans: Der nahe Osten, der anfängt, Symptome eines nenen Brandes zu zeige::, ist eine Frage, die jetzt in Betracht, gezogen werden mnß. Was immer auch eintritt, die englische Fahne w ird nicht ftiederge-hojt werden. Wir haben schwere VeräntWrUichkeiten auf 'uns geladen, nm die Gefahr praktisch äuMhälten. Ich fordere jetzt die Re- ZlerHtg M, den T u r ke n zu zeigen, daß sie vernünftig Mn Müsset daß die von ihäen vor wenigen Buchen, unier- MWeneu/TWUMe -M^Me/vi^ in Mfft Mb " und Mß, ya^ was EngLänd ist. Dib MWrung Mtz eMich. aufwachen, bie Zmslauds' Der Galgen. - , P a r i s, 8. Zkovernber^!(Tel. d. „Wr. Morgenzertung".) P o ine a ve, erklärte gWpn r dem Londoner> Botschafter London, 8. November. ' (Tel. der „Wr. Morgen« zeftu-ng".) Nach Mitteilungen aus Konstantinopel sind dem erzwungenen Rücktritt der Regierung dramatische S z e « e n Vorattsgegoingen. In seiner^ Unterredung mit dem Sultan bestand Rifaad Pas ch a auf dem sofortigen Rücktritt des Kabinetts Uftb dem bedingungslosen 'Verzicht d es S^u lt a'n s. Als. dieser dem Generalgouvernem seinen gegenteiligen Standpunkt darznlegen versuchte, brach Rifaad Pascha die Unterredung brüsk ab und erklavte, daß, wenn, die Regierung, sich mit Hilfe des Ausländes zu halten versuMn würde, a l l e am Galgen enden werden. . '' Sechs englische Torpedobootzerstörer sind als Vorhut des englischen Geschlvaders in den Dardanellen eingelangt, fünf leichte Kreuzer und drei Panzer werden heute vor dem Bosporus erwartet.-Dev englische.Oberbefehlshaber in Kon-- stantinopel hat in einer P r o k l a m a t i o n die europäische Bevölkerung zur Ruhe und Besonnenhett ermahnt und .erklärt, daß alle Vorkehrungen zum S ch n tze d es Lebens und-des Eigentums getroffen seien. : /, ' Die „Times" melden aus K'onstantinop.sl:' Dfe drei alliierten Oberkommissäre haben die Freilassung des von den Kemalisten verhafteten liberalen ^Ministers des Innern Ali Keniftl^B'ei gefordert. Indes wi^d berichtet, daß Ali Kemal in Jsmed gehnngt worden sei, nachdem er vorher von der Bolksmeflge beinahe gelyncht worden war. der internationalen Sachverständigen. Berlin, 8.'NovAnM> (Wölff.) In den: ersten der von den .kern'a ti'ofta-l-en'M'achberständigen' der'' Re-i<hs- " 1 “ ^lr t a-ch ten, das' von Bmnd/ " " •ttn regierüng' - ÄHer-gMuen Jenks und Keynes nnterzeichnet ist, wird-erllävt, die'Gn-wchßeü seien -von.- der-örvtzgenven R -o t w'e'nd' i gk e i.t,- die M a r^k u nv e-r^zü-g ls chz-u, ftM.iM<süeven,/ üb,erz«l^t. Die: SWA -siemn-g müßte in eHer^Lwöe^vom Dmtschländ' selbst ausgehen, sväve Zecher: unter MnM^eMvärtrgen -Umstäüde« aus - inneren mW Lußeyeu GvnniM?.uchnöAl)lch. Zu letzieven Gründen 'gchöven - bosoichers/di« '-Lcckt-eu'-.MS^dM..PeMMer- Hevtvag, die für nMdesteus - -Koei-. J-ahve' utMringt - iftWall-eu -'müßten, nämlich - so lmdg-e, -bis die .Zahlungen cius. einem wirU-iche-n Löberschütz'im .Mch u-W'. 'ans.'<rmer LnAaL-nm Lviolmn'-köun-.. ten. Bei einer Geivätzmng dieser vorlänsige». Entlastung hänge der Effolg - des - StadMffev:udgspl<m-es 'im übrigen nicht von einer - anÄvävtigtzn -AftlMe, sondern vielmehr 'von' der Gestaltung der P xodukti'ö nsverhältn'i-sse nnd.'-des Sta'nds- Ha'ft.'shalte'-Deüsichland.■ sowie von einer möglichst schneller: end'güli i-gen Re ge.lüng'des Repa'^ra-1<ionsp r obkem's' ab? Indessen würde -ome Unterstützüng durch ein mi-e,rnatioEes '.KsnsortnA:hi Gestalt' von iKvddi'teinräm:mr:- gÄl für den'Podärf sehr->-lMtzÄch sem, wegen Nver'Wirkung ans 'die.Stmuft-Wg-des PM-iÄms. Zn' dieftml "'Zwecke sollte ein K o in i t e e. von ' B a'n' k i e r s möglichst'" schnell'- zu-smnmen- .bevnsen werdem ' ' ' ' . .. RLaeluüa - --ffifci I ■ :■! ( /* iüf-i \

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