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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-07 · Heft 1344 (7.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1344 (7.11.1922)
Date
1922-11-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Etazetaraosr K1100 Vien: Zmn'Abhclen in <•>.- Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in ewerVersehleisotelle (Trafik) monatl. IC 30.000 lener Mit Pnatversaad für Wien n. Oesterr. monatl. K 30.000 Tacho eh o>S Iowa keil Mon. K20. Ungarn: Moa« K 600. Jugoslawien: Mon» Dinar 30. Polen: Mon. Mle. 2800. Deutschland; Mon. Mark 600. Frank r.. Belgien: Monatl..< Pres. 8 MT Nukitkliii«« *M k« PreUerh3lMiaf«i> wwrWulleo Tschacho*Slew«kel^ «schach.K 1480 Italien:Monatl 10 Lira R umanicni j^ulgarienj Monatl. 60 Lei bezw. Lewi. Schweis and da« Ubriga Analand monatlieh Fr««, 3, Redaktion u. Administration Wien, Qn Taboi«trasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr, abends-16-301. TeL-Adr.: .Morgenzeitnng" Men. O österreichische» Postsparkassen* Konto Kr.; 130.693 SK. 1344 Wien. Lienstag, 7. November 1922 4. ZkchrgMg Der Wetterwiukel. -V. W i e n. 7. Nooember. Es ist fraglich geworden, ob die QrienLkonferenz bie nach Lausanne einberufen worden war, am 13. 9tovember zusammentreten wird) Pie poütischen Krisen, die in England und in Italien 'eingetreten sind, legen den Gedanken einer Verschiebung nahe. Es ist verständlich, daß die englische Regierung das Resultat der Neuwahle« abwarten möchte, auf Grund dessen sie ihre Haftung zur Orientftabe bestimmen will; die saäzistische Regiemng hat noch nicht Mt gesunden, sich mit der außenpolitischen Lage so vollstäMg vertraut zumachen, daß sie zu präzise» Anschauungen kommen konnte. Es ist auch nlxh nutzt geklart, ob -die Konferenz däS Problem deL nahen Ostens unter einem behandeln oder die Materie deS DardaneAenstreites herauDheöLn und einer.an- -deren KonferenL anvertrauett wvche. Jyr erswn Falle müßten auch.dje SowjatregiernngLN' Rußlands, der Ukraine und Georgiens als gleichberechtigt, zu und ihre Kompetenz anerkannt werden, bei der Schli tung europäischer Differenzen mitzuwirken. Der Antrag ist den türkischen Mtwnalisten von Moskau her ejnge- 'blasen worden zu einer Zeit, als Lloyd George noch die Geschäfte Englands leitete. Die'Sowjetdiplomatie versprach sich aus dem Gegensatz z)vischen England und Frankreich -eine -a-usgichige T.rübusig des Wassers. Da ' inzwischen Lloyd George ins Pribätleben. zurückgetpeten ist, hat man in Rußland nicht halb so viel Freude an der Sache und prophezeit schön^jM.tzas-'SckMetndev BerhaMungen, für welchen -ZwM ällerdings alles geschieht: Bor allem ist , der; Wkische Hreund Rußlands und Frankreichs eifrig ibemüH HaHf sich unklare-Lage. Noch Iveitet M verwirren. - - - - ' . - ' v ",'j; . - V-7. ' , - '1 > '■ r ‘ ■ '' Das Angorü-Parlchnent hatdas.'Ende.des' türkischen Kaiserreiches proklamiert, W'Rtz'MrMg'in. KoNftantinopel für nicht'existent erkläAund einen Mil.itärgouverneur 'mit der Kontrolle der Hohen Pforte betraut. Es ist weiters der Versuch gemacht worden^ die kemalistische Gendarmerie in Thrazien' durch Rekrutlerungen;u'verstärken, was wieder zu zeitraubenden Verhand- 'lnngen-'Anlaß gab? 1 In KönstantinopelsindDem'onstratjoüen veranstaltet "Wörden/ dieeinen sehr ernsten ansichrropäischen Charakterangenommen. haben- - Da 'aber die alte türkische Regierung noch nicht zurückgetreten ist, so hat-man auch sie nach Lausanne, geladen. Es find also 3to<’t türkische Delegationen zu erwarten, die,, wenn es dazu'' kommt, für alle' Intrigen der Diplomatie willkommene Objekte bilden werden.' Griechenland, das gleichfalls keine feste 'Regierung besitzt, macht“ alle Anstrengungen, seine Vereinsamung zu losejr und sich die Urüerstützuna,der kleinen Entente zu sichern. Es ergibt sich also das Bild, daß drei oder vier Kraftegruppen vorhanden sind, deren jede das . Problem von einer änderen Seite anfassen will: 'Zwischen, ihnen eine einheitliche' Meinung zu bilden, erscheint' gegenwärtig; fast aussichtslos, so länge England diplomatisch aktionsunfähig 'rst. - ' , / - : .Die Orrentfrage bleibt das ewige.. Depressionszentrum der europäischen Politik,- so lange sie. nicht ge- Der IiouiMus im englischen Wahttamys. London, 4. November. Das Organ der Lloyd George« Partei „Daily Chroniele" schreibt über die englische Politik in Palästina: Palästina ist das einzige der während des Krieges übernommenen Gebiete, daS schon heute die Kosten seiner zivilen Administration selber deck t. Die Mandalskoste« betragen 2 Millionen Pfund Sterling (im kommenden Jahre lverdeu es 1,5 Millionen fein), welcher Betrag für die Unterhaltung der britischen Garnison verwendet wird. ES mutz in Betracht gezogen werden, daß für die UnterHaltung dieser Truppen Geld ausgegeben werden mutz, ohne Stücksicht darauf, wo sie sich befinde«. CS kau» also nur ein Lell dieser Betrage auf das Palästina-Konto verbucht werden, nämlich der Unterschied zwischen dev Unterhaltungskosten in Palästina und anderwärts. Hätte auch die Frage des jüdischen nationalen Heimes nicht existiert, die Truppe» hätten doch für den Schutz des Suezkanals gehalten werden müssen. Bleibt Palästina unter nnserew Mqndat, können Wir unsere Truppen aus Aegypten zurWiehen und Jerusalem statt Kairo als Basis für den Kanalschutz verwenden. Es ist ein großer Vorzug für England, besonders in den Vereinigten Staaten, die Stellung eines Hüters einer internationalen Bewegung, wie es der Mvismüs .ist, einzuyehmew Wir würden uns dagegen in der gmrzen Welt Todfeinde machen,, wenn wir diese St'elsMg.cherli^eL 'Würden;-; das piürde uns—. und.nicht ohne WMÄß Lreu- MF, MhMKWfDt es Md - B eW e r^b r o-o.k,^"Mr'' Ms' daran "setzt,.' daß 'Pakästtya ünd.MHfösiotaOlen von. Hugländ gEüwt. werden. Im Kern hex WroPägauda fsir die Räunnmg Palästinas -steP''er»-.Wei^am^.'DtisM-- tisches Element. Es P j^dLnftÜls' nngeheneEM zu glauben, daß wir den Zionismus aus der Welt schaffen könnten. Er existiert seit 20-0 Jahren und wird weitere 2000'Jahre 6cstehen. Die'einzige Frage ist nur, ob der Zionismus unserem Landö freundschaftlich gegennbtzrstehen uttd'Mit ans an nuferen 'ReichsaufgaVen Zusammenwirken' wirrh' öder ob, er ans unfreundlich gegenüberstehen und mit änderen Freundschaft halten wird. Wir furchten, es gahe eine Menge andererdie glücklich sein würden, unseren Platz'einzunehmen. '(J.C.B.) . I. C. B. gegenüber folgend« Erklärungen übex die Haltung der englischen Arbeiterpartei zur Palästina-Frage gegeben: : Die Arbeiterpartei stellt ihre Kandidaturen in 400 Wahlbezirken auf. Die Arbeiterpartei wird eine, sehr starke Fraktion im neuen Unterhaus bilden. Die Arbeiterpartei sympathisiert nicht mit denjenigen, die auf die Per-utwortnng verzichten wollen, die die englische Regiernyg mit Bezug auf Palästina freiwillig vor der Welt Lh^nchumen hat und die in dem jüngst für die englische Siezhvrimg Seftätigte« Mandat formuliert wurde. k ' . Die Arbeiterpartei glaubt, daß die Verpflichtungen der englische« Regierung in Palästina bis zur letztml Mögllchkeit erfüllt werden müssen. Sie glaubt, datz dere« Erfüllung die ökonomische Wohlfahrt, di« politische AntonoMe und die geistige Freiheit sowohl der jüdischen als auch der. arabischen Bürger i» Pälastina sichern kann. ' '. Diese Erklärung wurde von sämflichm Londoner Blattern - veröffentlicht. „Daily Expreß", i ein <mtiziottMsches Organ, wqndte sich an Hendexson mit der. telephonische» Anfrage/ ob daS Interview seine Worte richtig wiedergibt. Henderson antwortete, das Interview sei vsllkommen richtig. Die RedaMou fragte darauf, ob Heichersons Erklärung als offiziell «tgesehen Werden kan»..;Henderson mrtwortete: „Die Erklärung ist abtzegeven vnd es bleibt dabeü" WMische ParlameMMWÄmM ' Lonöän» -5 November.' tzer>Mien^ ptoi zeiiung".) Neben Sir Alsted Mo«S' (in-SÄMMM-' didieren bei der jetzigen P'arlämenMahl nochfolgende Zionisten: Leontzach S t e in, politischer Sekretär; '.'der Zionistischen Oraanisation, Äs unabhängiger; Liberaler (Independent' Liberal) in Dover; SchriststeÜer - Philipp Guedalla, ebenfalls Independent Liberal, mit Hüten Aussichten in einem Londoner-Bezirk (Hacknry) ünd -S al o m o n.in London-Mile-Eud. ,. i;:. : , HrmM-Tsre km Itelattlefess; metrtjant. jn.it allen' anderen offenen Fragen entschieden wird. Auch in ihrer Entwicklung.zeigt sich der unlösbare' Zusammenhang aller aus dem Krieg entstandenen Sorgen, gleichgültig,. lvelchen Erdteil' sie' berühren. Die Friedensverträge, die unter Clemenceaus Leitung zustande kanten, sind eine einzige lückenlos' geschloffene Kette der schwersten politischen Fehler und es bessert sich nichts, wenn der eine oder'andere Vertrag herausgcholt und schlecht oder recht korrigiert wird. Der Vertrag von Sevres besteht nicht mehr und soll jetzt' in Lausanne durch ein anderes Dokument ersetzt lverden.' An 'chm aber hängt direkt der bulgarische Vertrag,- an-diesem' der Triänon-Traktät.. Das Werk , war als eine Einheit gedacht. , .; - Jede Erschütterung an einem Punkt pflanzt sich automatisch - auf das ganze. Gebiet fort und stiftet überall neues Unglück. Erschwert wird die Heilung der Schaden^ durch die Uneinigkeit der Mächte, die auf dem Pariser' Kongreß gemeinsam handelten, seither ^bep infolge der- Jnteressenverschiebungen in Zwiespalt geraten, - sind. Dieses Umstand tritt-am stärksten in der L)rientftage heraus, die eich der wesenyichsten Ursachen des Krieges war und imkner wieder zum Krieg. zuruMhrt, fy lange sie nicht gelöst;rst, Gelingt diesden euroPKrschey/ Mäch« ten nicht, dann wird' der Orient - sÄhst /'an. di« Lösung schreiten und die /Machtstellung Europas' zechrechen. - . London, 4. Nvbsrnberv Wie berichtet, hat daS Kabinett Bouar Law sich bereits vervollständigt. Hervorznhebe« ist die Ernennung. des Deputierten O r m s b yG o r e zum Unterstaatssekretär des Kolonialamtes, dem nun die Verwaltung der Palästina-Angelegenheiten unmittelbar unterstehen wird. Onnsky-Gore ist ein notorischer Freund der Palästina-Politik und ist auch Englands Vertreter in der Mandatskommission des Völkerbundes. Er ist wiederholt mit größter Entschiedenheit für die zionistische Politik eingetreten, war zur Zeit der ersten Zionist Commiffion in Palästina und ist ein guter Kenner des Orients. Ormsby- GoreS zionistische Reden auf dem großen Meeting in der Londoner Albert-Hall im Juli 1920 sowie bei der Unterhaus abstimm ung über die Palästina-Politik Lloyd Georges am 4. Juli sind noch in frischer Erinnerung. Die folgenden Mitglieder der Regierung haben am 4. Juli für die Palästina-Politik Lloyd Georges gestimmt: Der neue Arbeitsminister Sir Montagu Barlow, der neue Kommiffar für öffentliche Arbeiten Sir John Baird, der neue Unterstaatssekretar des Luftschiffahrtsministeriums Herzog von S ü t h e r l a n d, der Unterstaatssekretär für Indien Lord W i n t e r t o n, der Sekretär des Gefundheitsministeriums Lord O » s l o w, der parlamentarische Sekretär des Schatzministerinms Colonel Wilson. Ein entschiedener Gegner der prozionistischen Politik ist dagegen Sir' Johnson H i ck s, der znm Staatssekretär des Departements für Aeberseehandel ernannt worden ist. Was Idie anderen Ernennungen anbetrifft, so find Mr. Jnskip, der neue Oberstaatsanwalt, Mr. Roland Rae N e i l l, der neue Unterstaatssekretar des Auswärtigen Amtes, Lord W o l m e r, StaätSfekretär des HanvelSdepartemeuts, Colonel Afhley, Sekretär des ArbeUSamtes» Gegner des Zionismus.! Ir« Werzmmns Antwoü an „Dally Wretz". London, 5. November. (I. C. B.) Der Brief, de« der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmann an „Daily Expretz" z«r Abwehr der Angriffe dieser Zeitung gegen den Zionismus gerichtet hat, lautet unter anderem: - „Sollten die Engländer morgen Palästina ränmen, so wird die zionistische Bewegung wettergehen. Die Kolonisation Palästinas kostet de» englischen Steuerzahler nichts, nur die Erhaltung der Garnison kostet Güld und Minister Churchill hat erklärt, daß diese Last im . laufenden Jahre vermindert werden wird. Die zionistische Erklärung war das Ergebnis einer sorgfältig durchdächten Politik, des englischen Kabinetts in jener Zeit und hat die völlige. Zu-« stimmung Frankreichs, Italiens und. Amerikas gesunden. Die Behauptung, daß Lord Balsour ans eigene Pexmitz- Wortung diesbezügliche Verpflichtungen^ übernommen hat, ist unwahr. Alles wurde im Einverstanduis mit dem; gesetzlichen Kabinett und mit seiner Znstkmmnng getan. Was mich persönlich aubetrifft, so bin.ich englischer Untertan, 1910 .in England naturalisiert, vorher war Ich Universitätslehrer an der Universität in Manchester." Die Haltimg der Arbeitttdarte?. London, 6. November. Der Sekretär der englischen Arbeiterpartei, das führende Mitglied des englische« ^riegLkabiuettS, Arthur Heuderfon, ^tt de« Londouer Das Fokal Forrkga EommMee für Palästina. London, 5. November. (Tel. der „Wiener Morgelr- Zeitung".)In der letzten. Sitzung der A n g l o I e w i s h Association.wurde u. a. auch der Bericht des Ioint F o r e i g « Committee verlesen, wonach djeses eine Resolution angenommen habe, dem Bölkerbund für die Ratifizierung des Palästina-Mandats den Dank auszusprecheu. Das Joint Foreign Committee werde a l l e s, was in seiner Kraft steht, tun, vm die.Berwirklichung der Politik der englische« Regierüna betreffs des Palästina-Mandats zu fördern. Rnhkger SrrlMf der SMoar-Llgesm Femsalem. Jerusalem, 8. November. (I. C. B) Der S. November der Tag der Valfonr-Dellarattou, ist in Jerusalem ruhig verlaufen. Während die Juden de« Dag . Mich Vegttigev, proklamierten die Araber zum Protest gegen die Deklaration eine» eintägige« Demanstratipnsstreik. Die von Mancher Sette befürchteten Ruhestörungen aus Anlaß der Arbeitsniederlegung find ausgeblieben: es waren alle Borkehrnngen getrofstu worden. - ■ntiM

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