Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1341 (4.11.1922)
- Date
- 1922-11-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■V . t c /leite 4 _Stet, gftttHtefl (n Genua und Kirnt in Genf wurde m«Äinisttr Ban ffy vereinbart, daß die im BöHahre MMnvMmenen Der- -handlmigen wieder angeknüpst werden sollen. Sie betreffen ich« Reihe wirtschaftlicher, Transport- und auch Politischer Drdgen. ES Handelt sich um denMschlutz eines Handels- -Vertrages, um die Bedbesierung dev BeÄehtsbeziehungen [wnä» der KonsirlarangelegenheiteN, ferner UM die Mten- Wb Archivtrennung, um einen Vertrag über die Rechtshilfe Wb die Staatsbürgerschaft und eine Reche anderer Änge- Hegeicheiten. Me diese Fragen wurden bereits mit den Wisten übrigen Staaten gelöst. Die Verhandlungen schrecken Heuer erfolgversprechend vorwärts. Airs, beiden Seiten macht sich die gleiche Stimmung und der Wunsch geltend, ein Einvernehmen zu erzielen. Ich yofss, daß. dies heuer der Fall sein wird, und daß hierdurch die politischen und die wirtschaftlichen Beziehungen gegenseitig erleichtert werden. ZlouMscher Partektag. Mährisch-Ostra«, 2. November. (TÄ. d. ^Wr. Morgen« Leitung".) Gestern wurde m Gegenwart von 76 Delegierten aus den verschiedenen Teilen der Republik die Tagung der zionistischen Konferenz eröffnet. Als Vertreter der Londoner Exekutiveder zionistischen Weltorganisation war Dr. Artur Hantle bei der Konferenz anwesend. Zum ersten Präsidenten wurde Dr. Ludwig Ringer (Prag) 'gewählt. Aus den verteilten Druckberichten geht hervor, daß hrt tschecho-flowakffchen zionistischen Verband außer 1000 Msrachisten (Orchodoxen) rnild zionistischen Sozialisten 9092 politische Mtglreder in 207 Ortsgruppen organisiert sind. Ter Finanzberichtdes verflossenen Jahves, weist eine Einnahme von 5,61)0.000 K. auf, von denen 5,200.000 K. für Palästma-Zwecke abgeführt wurden. Nach einem Bericht der Kommission für Palästina-Angelegenheiten wurden -168 Personen (117 Männer und 51 Frauen) nach Palaistinr aügefertigt, die sich zum größten Teile in der zienistischeu Kolonie Nuris in der Ebene JeSroel angefiedelt haben. Die Konferenz befaßte sich unter anderem auch mit der Frage des Bannes autonomer Rabbiner in der Slowakei, deren Tätigkeit einstimmig verurteilt wuicke; sodann behandelte sie das hebräische Schulwesen und die antisemitischen Grausamkeiten der ungarffchüi Regierung. An den Präsidenten der Republik wurde von der Konferenz ein Begrüßungstelegrmnm geschickt Mener Mmrsengettrtns- 4. Nm^mher ILds Nr. 1«4t Was die Hoteliers erzählen. tofitoit ich Ihnen erzähle, daß gerade die soliden, einwand« freün Käüfleute aus der Frenche alle „Die sinnlose Hetze einzelner Wiener Leiiungen und dir demagogische Schlag Wortpolitik mancher BolkSfüchrer har öS nun enRich so weit gebracht, daß Wien fast ebenso dasteht wie einst vor Beginn aller Bemühungen: ohne Fremdenverkehr. Es ist geradezu grotesk, wenn man sich vor Augen hält, welche seltsame Entwicklungskrivbe btt Wiener Frentdenverfchr genommen hat. Zuerst M möglichen und unmöglichen Bemühungen, den Fremdenverkehr zu heben, die vor dem Kriege manchnrül so weit gingen, daß man nicht ohne Berechtigung wehr oder minder , gute Witze darüber machte. Dann die Plötzlich einsetzende Hochflut, die Hausse an Fremden, und nun die.shstematische Bertreibmw der ernst so sehnlichst HerbeipewÄischten!" Ein erster Wiener Hotelier war es, der einem unserer Mitarbeiter gegenüber sich in dieser Weise äußert«, und sich tu Worten schärfften NnumtS über die halben» falschen und verkehrten Maßnahmen gegenüber den Fvenßden, die nach Wien gekommen wären, erging. „Es ist natürlich ganz Mch", führt unser Gewährsmann weiter aus. „daß der Fremdenverkehr nur schädliche Folgen nach sich zichen mußte. Durch vernünftige Maßnahmen hätte man wohl den so übel ungeschriebene» Ausverkauf Mens und Oesterreichs wohl verhüten können, ohne deshalb gleich die Fremden vertreiben zu müssen. So ist aber wieder einmal das Verkehrte geschehen. Wir ließen uns zuerst ausverkaufen,! hetzten die Bevölkerung gegen die Fremden auf, die angeblich unsere Not zu ihvemVoHeil ausnützten, mck> erst dann, als bei uns nichts mehr auszuvevkaufen war, trieb man durch die unmöglichsten SWcmen die Fremden wieder aus Wien hinaus. Wir haben in Erfahrung gebracht, daß die Fvemdenhetze in Wien draußen sehr übel vermerkt wurde und die großen auswärtigen Reisebureans infolge der Wiener Zu stunde unsere Stadtbei der Zusammenstellung ihrer großen Zteiserouten absichtlich übergehen! Wie man in Wien die Fremden Vertrieben hat, ist ein Kapitel für sich und e8 ist fast schon selbstverständlich, Unannehmlichkeiten des FrimLeirhaffeS zu fühlen bekamen, die unsauberen und Schieberelemenr» aber, die Wien beglücken, immer wieder Miml und Weg« fanden, es sich bei uns Wohlsein zu lassen. Auch im fetzigen Zeitpunkt müssen wir uns wieder Deutschland zum Muster nehmen, wo der Fremdenverkehr infolge des Marksturzes in rapider Werse ansteigt, ohne daß eS jemandem einfiele, diese Erscheinung änderS als eine erfreuliche aufzusasien. Deutschland hat eben rechtzeitig Bestimmungen getroffen, dem MSverkcmf vorznb e u g e n (?), es kann die Fremden ruhig bei sich empfangen. ES ist wohl müßig, darauf hinzuweisen, wie viele Existenzen an dem gute« Geschäftsgang in der Hotelrndustrie partizipieren und welch böse Folgen andererseits ein Niedergang des FremdenwesenS in Wien mit sich bringen muß. CS ist leider eine erwiesene Tatsache, daß z die Arbeitslose« einen ganz bedeutenden Zustrom ouS'dem Kellnevgewerbr erhalten haben, ja in weit stärkerem Maße noch erhalten werden. - ~ ES ist nicht vielleicht uninteressant, zu hären, daß gerade jetzt die einstige Hochburg des Fremdenve«khrS> die Schweiz, die unglaublichsten Anstrengungen macht, den Fremdenstrom wieder ins Land zu lenken. Die Bemühungen sind aber, wie ich erfahren habe, inWer noch vergeblich geblieben, weil Oesterreich und Deutschland eine allzu große Konkurrenz geworden sind. Zu einem solchen Zeitpunkt geht man bei unS mit so ganz verkehrten Maßregeln vor. Leider ist nicht anzuneihmen, daß die begangenen schweren Fehler, die sich ja sehr bald noch deutlicher als bisher zeigen Wecken, wieder g u tzir machen sind. Selbst wenn der gute Wille hierzu bestehen würde, glaube ich nicht, daß es gelingen könnte, die Fremden wieder nach Wien zu „lotsen". Sie haben h'" allzu üble Erfahrungen machen müssen. —ner. WPnlgerLerhlmdlmlsm derFlvaazmlMers. Belgriw, 3. Novemib«. Mtanzucknister Dr. K uma- «u d i c fft gestern aus Prag zurückgekehvt. Er dementierte pst Gespräch mit einem Rcktckteur des Mattes „Pravda" die Gerüchte, daß er mit Minister Raschln über eine Anleihe verhandelt habe. Die Besprechungen hätten in erster Reche . der gemeinsamen Arbeit zwischen der jugoslawischen Natioucckbank und der BarckabteLuNg des Hchecho-skowakischen Fimlnzmmistermms betreffend die Kursr^ulierung des Dinars und der tschecho-slowakischen Krone gegolten. Werter erklärte Dr. Ku-umnudic» daß di-e tschechoslowakische RegieMng bereit wäre, eine nähere Verbindung btt tschechoslowakischen Banken mit den jugoslawischen bchuss Gewährung eines tschecho-flowcckischen KronenkreditS zu unter- . stützen. Zuletzt ftr die BNdung eines BankeickonsortinMS mir einem Kapital von 200 MAionen tschecho-flowakifchen Kronen zum Bau von staatlichen Gebäuden und Beamtenwohnungen in Jugoslawien prinzipiell «cheptiert worden. In allen berührten Fragen sei Jolle BetstäüdiMmg etzielt worden. . - ., . Kchilta) sagte mir, dieser Man» Habs etwa 30 Kinder ges Hör Jahre ISIS ungefähr ka m «S in Südorabien zu erbittert«» Kämpfen zwischen de» «rfftäMsche» Arabern und den Türken. Die Juden hatten von Lews» Seiten zu leiden «urtb ya allen anderen Schrecknissen de» Bürgerkrieges kam der Hunger. Da entsandte die Zionistisch« Organisation einen Delegierten nach 'dem Jemen und luv die Temanim ein, nach Erez Israel auszuwandrnr. In hellen Scharen folgten die Jemeniten dem Ruf. Ganze Dörfer wurden verlassen; wer irgend konnte» schiffte sich nach Palästina ein. Hier wurde die Ankunft dieser * fern uns fast vergessenen Brüder mit Begeisterung ausgenoulmen. Waren doch die Jemeniten die natürlichen Konkurrenten der Araber, an Klima und Landessitten gbwohnt, anspruchslos und imstande, von geringem Lohn zu lebrn. Wer eines tat Not: man mußte den Jemeniten Wohnungen ba>nen; mußte ihnen die Möglichkeit geben, hier Haushalte zu errichten. Da sprang der Nationalfonds «in. Er organisierte röten neuen SpeNdenzweig: ^Jemeniten-Häuftr" uNd stellte den Einwanderern zunächst unentgeltlich kleine Häuschen mit einem Heilten Stück Gartenland zur Verfügung. Die Spenden 'flössen nur sehr spärlich. Man hatte schafft, taufende von FamÄ-ien aus der .Holle Südarabiens zu retten: das jüdische Volk verweigerte aber seine Unterstützung. Und so mußte sich /die Zionistische Organisation damit zufri-chen geben, von den ,2itoa 30.000 Juden des Jemens und den insgesamt -etwa ' UOO.OÖO Juden Südarabiens nur etwa 4000 bis M00 Svrilen nach Palästina zu überführen. Ein ZehntÄ davon-wmde vom Nationalfonds m den 'drei Kolonien Rischou le Zion,. Petach- Tikwa und H^era angefiedelt. ÄuS Mangel an Mtteln mußte das große Werk der Repatrkrerung der Brüdep aus Arabien eingeschränkt werden. MS man es später wieder beginnen wollte, verhinderte es der Ausbruch veS^ WÄtkrieges. Eine große Hoffnung unseres Kolonisationswerkes Rieb bis heute «veBM« Äse arabifchen Juden dttsbLu bx der GMch. - Pole«. Mr «Wen. Anschluß ^lgndah an den jüdischnationalen Bahlblock. Lemberg, 1. November. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Agudath Israel, welche noch vor einigen Tagen in einer Veröffentlichung ihr Zusammengehen mit de» Wischnationalen Parteien bei veir Wahlen in Abredtz gestellt hatte, fordert in einem heute . deröffenüichten Communique die orthodoxe Devöllemng auf. einmüihg für die Liste der Wischnationalen Parteien zu ft^mien. Rabhin-w Aron Lewin aus-Sambvr, der in den Wahlkreisen Sambor, Lemberg (Bezirk) und Przemysk als Kandidat auftritt, gilt auch als der offizielle Kandidat der Agudah. Die Wahlbewegung in Ostgalizien. Lemberg, 3. November. (Tel. d. „Wie. Morgenzeitzwg".) Welche Drmensronen die WvMaktton ist Ostgalizien erreicht hat, mag daraus zu ersehen fern, Laß am letzten Sonntag nicht vreniger als 134 jüdische Wähler- Versammlungen unter starker Beteiligung stattgefunden haben. In manchen Orten leistete die in den Synagogen versammelte Mrrge den Kamdidaten aus eigenem Antrieb sin Gelöbnis, mit aller Kraft für die Liste Nr. 17 einzutreten. Schr ^ührig beteiligen sich' auch die jüdischen Frauen an der Arbpit. Die in mehreren Orten als Kan« .dwatmr austvettnde Präsidentin der ziouistffchen Frauenovgcmisation Frau Rosa Melzer-Pomeranz sprach bisher mehrmals in Lemberg, Przemhsl, StaniSlau, Tarrropol und Stryj. In mehreren Wahlbezirken haben bereits die ans der Zeit.der österreichischen Schlachzizenwirtschast bekannten Wahlmachinationen zugunsten der Zentrumsliste wie- <urch 'der Nattonaldemokraten eingesetzt. So hat zum Beispiel der Bezirkshauptmann von S okal die dortigen Juden vorgeladen und sie in Gegenwart des Steuerinspektors dafür verantwortlich gemacht, daß alle jüdischen Stimmen auf die Zentvumsliste als die dem Staat Mehme fallen^ wobei er ihnen mit verschiedenen Drangsalierungen droht». Achnliche Nachrichten kommen äüS Rozdol, Radziechow, Mikolajow. Auch die -m verschiedenen Orten konsignierten Soldaten, iusbeson-- dere jene der so vielgenannten P o s e n e r R e g i m e nte r, l^vben sich bereits mqnche Ausschreitungen gegenüber jüdischen Bürgern zuschulden kommen lassen. Me HMMe Intervention in Wien setzen die weftukrainische Prchagandil. Warschau» 2. November. (TÄ. d. ,Me. Mvrgenzeilü^.) Wie dre hiesigen Blätter meldLn, hat' die polnische Regierung der der ö sterrei chische » Regierung in Angelegenheit der in Men befindlichen Petruszewyez- Regierung, die ihre Mipo^msche Tätigkeit dem Gebiete der österreichischen Republik entfalte, irttervru'rert. Die österreichische Regierung soll die Züsichemng gegebm' haben, entsprechende Schritte einzuleiten. Ungar«. «ne MWe Mensa delogiert. Lndapep, 2. November. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) In Debreczin war von der jüdischen Eimvohnerschaft anläßlich der Gründung der Tisza-Universität ' ein Wisches Internat, verbunden mit einer Wischen Mensa, errichtet 'worden. Im vorigen Jahre hat das Haus, in welchem die beiden jüdischen Wohlfahrtsanstalten nntergebracht waren, den Besitzer gewechselt, und der nem Hausbesitzer, Universitätsprofeffor Stephan K i ß, hatte nichts Dringenderes zu. tun, um die Evakuierung der Mensa und des Studentenheims einzuschreiten. Das Wohnungsamt war humaner, als -der Hochschulprofessor und wies das Ansuche u ab. Der wegen seines Antisemitismus gefürchtete Obergespan Ludwig M r s k o.l e z y, der gleitMt^g das Amt eines WohnungZkmnmissars für das Debrecziner Gehiei beneidet, setzte sich über-die EntscheLung des Wohnungsamtes hinweg und ordnete Re Del ogier.Ä n g der Mensa und des Studentenheims an. Wr MemomiÄmm der Budapester Kultusgemernde an den Minister für Volks ' Wohlfahrt blieb unberücksichtigt. Der libevale Abgeordnete von Debreczin Paul Kiß versuchte persönlich Leim Minister zu intervenieren, wurde jedoch nicht vorgelasimr. Hingegen bestätigte der Minister für Bolkswohlfahrt den Dclogierungsbeschkuß des Debrecziner Wohnungskolnrmssär, wodurch dieser rLchtskrästig wurde. Tatsächlich wurde letzten Montag um halb. 8 Uhr früh die Räumung der jüdischen Menstr und des Studentenheims in der brutalsten Weise durchgeführt. Beamte intd Träger erschie»ren im Internat, warfen die Kleider, Bücher und sonstig? HabseliMten der Studenten sowie die Möbelstücke auf die Gasse. Dasselbe geschah Ln der Mensa. Dadurch wurde-r die armen jüdischen Studenten obdachlos und für einige Zeit auch der Möglichkeit bewubt, ein, wenn arnch dürftig^'. Mittagmchl zu genießen. Ma«e«. Die Unterdrückung der MiuorMeu. Kowuo, 1. November. (I. C. B.) Eine Delegation der nationalen Minderheiten erschien bei dem Präsidenten der litauischen Republik S t u l c z i n 8 k i, um gegen die E »ir e ch t u n g der Mtümaten Minderheiten durch die'H a u p iwahlkommission zu protestieren. Der Präsident erwiderte, er sei nicht in der Lagd, auf die Hauptwahlkom- Miffion einen Druck auszuüben, das letzte Wort in di:ier Angelegenheit werde der kommende Sejm selbst haben. Wahltag ta «merSa. Pari-, 3. November.. Wolff.) Rach einer Meldung aus WLshingtön sind die Wählen für die Erneuerung eines Drittels der Mitglieder des Repräsentanren, bauses und des Senats den.7, NqvWhex ftstsejetzt»