Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1340 (3.11.1922)
- Date
- 1922-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 MrsHMMiir KllOO Vien: Zant Äbholen in der. Expedition, IkTabbrjrtr. 1-3, oderin einerVersehlertsteHe (Trafik) monatl, K" 30.000 ienec Mit Pbatreraand für Wien u. Oesterr. monatl. K 30.000 Tacheeho-Slovrakei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K 600. J ugoslawien: Mon. Dinar 30. P o len: Mon. Mk. 2800. Deutschland: Mon. Mark 600. Frankr., Belgien: Monatl. Frfs. $ WU- Nach*»hlungo« bei F - ei . Preiserhöhungen Vorbehalten Ttchecho-Slowaknl * fechnch. K 1.20 11 a I i e n: Monatl. 10 Lire R umsnien,:Bulgarien: Monatl. 60 Lei besw. Lewa Schweiz and das übrige Ausland xnpnatüchFrCa. 3. Redaktion u. Administration Wien; II.» Taborstrasse 1 —3 Telephone: 44-0-33,^.3-3719^ ab' o Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.:,Morgenzeitung“, Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 «r. 1840 Wien. Frettas. Z Mvember 1922 4. ZaHrgMg PaWag i« Wle». —y. Wie n, 6: November. Sonntag den 5. November finden auf dem Gebiete der polnischen RepübM die Wahlen zum Landtag statt. Der Sejm zahlte ' -bisher 635 Sitze. ./ Das- Wahlgesetz fixiert nicht die Zahl ' der Mandate, sondern macht sie von dem - zu Hevochnrndeu. Wahlköeffizrenten abhängig. Es kommt also auf die Beteiligung an.der . Wahl an und es dürften, nach Schätzungen, die derNamr der Sache mch nur approximativ sein können, etwa 450 bis M Mandate zur Setzung , gelangen. Die. Kompliziertheit des Wahlversahrens bedingt es, daß das/ Resultat der Wahlen erst in der .Mitte des Monates - November genau hekanntgvgeben werden kann. Am 12. November werden die Wahlen in den Senat vor.sich gehen. / . Der Wahltag trifft diesmal den polnischen Staat in ungleich besserer Bersassnng als bei dem. letzten Dermin. Die Republik hat sich' durch die FriedostspolM der Regierungen befestigt und auch nach innen ist eine ansehnliche Konsolidierung der Perhältniffe zu vecheichnen. Dw Beziehungen zu den Nachbarstaaten haben sich im freundschaftlichen Geist gestaltet und unter den Randstaaten halt Polen seine l führende Stellung ttme. Es war nicht leicht, den Ariedenskurs zu 'halten und es/ war insbesondere d« nationaldemvkratische. Partei, die ummterbrochen die nationÄlrstische/ Lärrntrompete handhabte. Dies« ^Partei--der* tritt -in Polen die Stelle der ewig gereizten Patrioten und ihre Umtriebe sind stets eine . Gefahr für Me/ iOreye Ruhe. Auch 'die Art, wie . sw den Wahlkampf aüfge-nostunen hat, Zeigt,- haß' sie im Rahmen; der . chauvimMschen - Tradition bleibt. Es sind kürzlich vertrauliche. RüMchrefhen dieser Partei aufgsfaMN und veröffentlicht.wo ^en, tzie in -sehr deutlichen Worten eine gegen die MnorftHech twünishMich gegen die Juden,iiüi/|e. Deutschen, gerichtete bewaffnete nach dem 'Ton ', der' ^natto^oemokmUHK Presse...Mhrinden aus das geimiveste kopieren wolle. Den National demokraten treten insbesondeve die Gruppen des Zentrums entgegen, die in maßvoller Weise für die Grundsätze liberal- LemoLwtischer Weltanschauung erntvetest. Das politische .Schwergewicht liegt jedoch -bei dem zum erstenmal gobllde- Den Block der Minoritäten, dem - für die Zukunft eine für den polnischen 'Staat und für die e>uropäffche Politik sehr! bedeutsame. Rolle Mommt. Schon der bisherige Verlauf des Ärrfmarsches der Parteien hat gezeigt, daß die Minoritäten die Wichtigkeit des strategischen - Zusammenschlußes voll erfaP Wen mid daß sie durch-M einheitliches.Vorgehen bei den bevorstehenden Wahlen den gewünschten Erfolg erzielen werden. Die Notwendigkeit dieses Zusammengehens braucht nicht bewiesen zu werden. Di« jüdische Bevölkerung Polens steht bis auf wenige ve«schwmde>nde Grüppchen geschlossen hinter der Blockidee. Sie 'Mickt darin eirle Getvähr für die. Durchsetzung einer kraftvollen, zielbewußten Delegation, die die Forderimgen des jüdischen Teiles der Bevölkerung in. Politischer und wirtschaftlicher Beziehung auf dem . Boden des Parlaments vertreten wich. Diese Forderungen ergeben sich aus der Sache selbst und stehen im vollsten Einklang mtt den Lebensinteressen des. Staates. Es kann keine polnische Regierung geben, die gegen die nationale und kulturelle Selbstverwaltung der jüdischen Staatsbürger etwocs Ernstes cinwenden kannte. In wirtschaftlicher Beziehung tritt das Judentum Polens für eim Eöstartttng der Industrie, für den Schutz, der koirsumiewnden Schichten,. für fvo're Wirtschaft ein. Sie stcht damit auf dem. Boden des. Staates,, dessen Gedeihen, und Blühen sie will. Das Judentum in Polen wünscht dasselbe wie das JudentOn in allen anderen Landern: Den inneren Frieden, Freundschaft mit allen Völkern, freie Entfaltung aller Ktafte. Ms.Judentum ist ein Elemmt des Friedens und es,bDM''sich überall'und ' unter allen sinMMn zu den Prinzipien des Ausgleiches von Volk .Zu Volk mch für die. schW'MAchsiMt. Dieses Progmuml spricht für; sich selbst, und. seine Werbekvaft kann 'durch'' ÄdertaMsemitischer^"' .MxrdrismüS," durch keimn BaHve-vat /aAinMwrtMr'/Mdschkor abgeschwächt weiden.'' Das Judentum /. Polens wird am Soimtay beweisen, daß es' W'.-'M'.'.^ösitrsche und wirtschaftliche.Entwicklung Polens, für Frierest, Ordnung und Freiheit - zu kämstsen w?'tz./'EÄ^Wrhe' eMeobtw bblkstreuer Maiftrer - tritt am. SmUtaß' vor das jüdische Bl-lt und heischt seiy Verträum -- jm/Mine«.'der ewiger^ jüdischen Me des/Fortschrittes '.dtzh Mnschheit. Für diese Männer zu stimmen ist nationaieS Mot/' Für. dir Inden besteht WaMicht. Die Berliner Berawngen. Berlin, 2. November.. (Wolfs.), Die Reparationskommisston und der ReichsfinanzministerDr. Hermes, der vorr Mehreren Staatssekretären, unterstützt wurde, höben drei Besprechungen abgehalten, inneren Verlaufe die Vertreter der deutschen Regierung die'' den Haushalt für 1922 und für 1923 betreffenden Fragen: . sowie die Fragen der Stabilisierung her Mark und der schwebenden Schuld dargelegt' haben. Im» weiteren VeplMe der Verhandlungen Mrde unter Zurückstellung .Mr/Mwiffen: Anzahl von Fragen zur späteren Erörterung, .vereinbart, daß Doktor Hermes in der morgigen Nachmiftägssitzung eine schriftliche Erlegung der von der Reichsregierung vorgesehenen Lösungen vorlegen werde. Die wertere- Erörterung wird auf der Grundlöge dieser offiziellen Mitteilung geführt werden. London, 3. RoveMer. . His/Deuw^che Bureau.meldet aus/B.erlin zu.Ven Berha^lungeN ^wischen der deutschen. Regierung.und der Repamtionskommisirön, es herrsche die eiMüiige Ansicht vor, daßdie 'Heiden .dringendsten Folgen des Augenblicks.die.SLabibisierung der Mark und die Ausglei'chüng des'.'Püdgets seien.. Die Miglieder der.Kommission! sejen .der . Auffassung,, / daß DeUtschlg-nd/wirklich den, Wunsch hgbe'/. mtt der Kommisinm znsamMtizMirken, Und Äe' - dmtDe.MHierung - fcheüre - voll-, kommen' gewillt zu fern, alle erforderlichen Informationen zu gehew Hs 'herrsche tatsächlich eme/ vrel bessere AtMo-' sMre/ als .bei/jrgerä» einer srü^ren Gelegenhett. MTEmMmittzruMrrnllüonalen "" ' llE/ ' __^ wMHn'/WMrWalsst/ MM^MMeu mit einer An-' spvache, -worin er ausMrte, - die. Tatsö.che, daß - alle Herren der Einladung gefolgt ftkn, bewerse, 'daß der Entschluß> der Reichsregierung' die der Mark-Stalbilisrerung einem- MÜachtär:WMMMr:.^chverMndiger zu unterbreiten, richtig,. mch, . daß; die Währmigsswbllisierung^ eine., gesänüeu-rvpärsche.AngeftgeWLt^ ja sogar enve Angelegenheit der MüvuHchaft. fti.-.Jö.-.meh,r die Entwertuing der Vlark mit ihren verhängnißvolleu Folgen fortschreite, um so wtknfiver fti die MöglHkeit ihrer Stabilisierung schon in Deutschland ^PnM/worden. Die einen hätten gemeint, daß der Versuch einer Stabl- Usieruug verfrüht wäre, solange die Balanzierung des Budgets und die Balanziernug der .Handelsbilanz nicht erfolgt, seien,' solange^ die Warefteinftthr die Warenausfuhr so stark. übevsteige.. UWückli^riveise .hänge die Erfiillung dieser Boraussetzungen zum großen Teil selbst wieder von der Stäbilisierung der Mark ab.' So gingen Ursachen, und Folgcerschesnutt'gen .itzeimrMr'.'übLji.'..Die anderen meinten man müsse' dwsen Cireulüs vitrosuD verfassen und . zunächst einnml'die MÄ ai^.irgoB'LMtz/MM/ftstlegerr, wenigstens provisorisch Und so schnell wie//Mglich. AUS dieser ungeklärten Situation heratrs habe die Reichsregierwng die ausländischen Sachverständigen eingeladen, um zu hören, wie man diese Probleme ün Auslande betrachte. Nach.deur bedeutsamen Gutachten des Schverständi-gen-Ausschusses auf'der Konferenz von Germa müßten, wenn die äußere Schuldenlast eines Landes Mue. Zahlungsfähigkeit übersteige, die AnstrenMngen, diese Verpflichtungen ohne äußere Anleihe zu erfüllen, schließlich die Märkte in anderen Landern stören, und. eine fortgesetzte Entwertung der Währung des Schuldner'landes, würde dieses HWevn, die Währung zu stabilisieren. . , . / Jetzt handle es sich daMm, diese Fragen besonders im Hinblick auf die deutsche Währrmg zu. prüfen und ein. Gutachten darüber abzügeben, ob unter den. gegenwärtigen Umstanden eine Stabilisierung möglich fei, factum nicht, welche Dovaussetzuugen geschaffen werden müßten, um sie zu ermöglichen, und welche Maßnahmen zu treffen wären, sobald diese Voraussetzungen vorliegen. Die Sachverstäudigen hättur völlige Freiheit, ihre Arbeiten nach eigenem / Ermessen durchzuführen rmd an. die deutschen Mlnistorieu Fragen zu richten. Ihre Gutachten würden sicher ün Inland und Ausland tiefe Beachmug finden. - Her MWüg Äer HeMWirst«!. . Berlin, 2. November. 'Irr einer Denkschrift an den. Reichskanzler, an die Reichsminister und die Parteien schlagen die Gewerkschaften aller Richtungen Mittel 'zur Verhütung des weiteren Verfalles der MarktvähvMg..vor.. In: der Denkschrift 'heißt eslaut „BorwäM^' Mtev anderem: -Mt der Erhaltung'! der deutschen Alavk als ZäMHjZMittel und WevtMsfer. ist das Lobchsiutevtzsse Verbraucher -sowie das Schicksal - des ' deutschen Staates verknüpft. Eine Stütze deV^dmtschen -Mark wird uutev anderem erreicht wer^n'durch di« Einführung einer wertbeständigen inneren Anleihe. Ferner: muß eine Gesundung der Statssinantzen aus dem Gebiete der Stemr-Erfafsung erlangt werdetr.' Die Devisenverordnungbliebe ein Schlag ins Wasser, 'wenn sie nicht durch eine pmktischeve Ausgestaltung der Devisenkontrolle ergänzt würde. Wir erwarten, daß die Verhandlungen zur Erreichung einer . Ausländsanleihe behufs Stabilisierung der Mark mit erneutem Flachdruck ausgenommen und durchgeführt werden. Die Denkschrift fordert schließlich Sparsamkett und Berernfachung in allen öffentlichen Betrieben und Vevwaltttngen sowie die Vorlegung eines großzügigen Planes für die SteigeMng der Produktion, der. die ‘ Befriedigung der lebensnotivendigen Bedürfnisse des Volkes sichert. JentschlM kauft englische Kohle. Berlin, 2. November. Das „Berliner Tageblatt" teilt mit, die deutsche Regierung habe bisher für m§gefQmi 30 Milliarden Mark englische Kohle zur Aufrechterhaltungi des Eisenbahnbetriebes' kaufen nuissen.. Py» Dr.-/OWp-K-ärhL ch. Zwei große»,' Zielen strebt vre jüdischnationale' Bewegung nach: her Rückkehr zum ältest Volkstum und der Lösung der-jüdischen^^ Frage. / /^ . Als nach den Jahrzehstten der Widerspruchs- und schmnkenlösen. Herrschaft. der. Äfsimilationsidee der Rllf zur SammHng unter der eigeneu Fahne erscholl, da war sein. Eindruck .mit Alotwendigkeit ein so. starker, daß, er . dös Intdresie an dem, mit ihtn zwar^innigst verknüpften, doch seinem Wesen nach gesonderten Problem der weitblickendeüsBesierüng^ und 'Konsolidierung: der äußere» VtthältMe des Mischen Volles verdunkeln, konnte. '. Wahrend fohin.. die? Ansichten über Ziele und: Mittel der Mischen Renaisiancebetvegitng,;w deren Mittelpunkt die MfriDüng/einer n a t i o n ai eZ. Hei m st ä t t e steht, sich rasch zu.gapz' bestimmten Systemen verdichteten, 'blieft das Gebiet der „inneren Politik" nahezu unbestellt, obschon die, rasch emsetzestde' Organisierung der. bewußten Inden ihm ständig erhöhte 'Bedeütung versieh und das HePuANiS - sich bÄL^^ räche» sollte^ - . / Es war so eine treffende Charäkteristll der Situation, daß GeMeinderat' Dr. P l öftch k e s sein Referat Mer die inner'eHvlisik Mf dem letzten Parieftag der österreichischen Zibnisten mit der Feststellung begaftn, daß alles, was in der BerichHeit^ttNkenwmmeN: würde, voik außen her Veranlaßt worden sei; im wesesttsichen also sich rn der Abwehr von Angriffen erschöpfte: die j'ü-d'i:s'chna 1 ionale Politik ermangelt der Initiative. - Es bedarf Mm keiner inerteren ÄUsführurrg, daß eine Interessenvertretüng allein-, zumal wenn sie nicht nach ganz bestimmten Gesichtspunkten orientiert ist» rwchmcht Politik ist: ebensowenig dürfen jedoch die großen Schwierigkeiten übersehen werden, die sich gerade dem Ausbau eines bottfpmriten geschloffenen Progvammes: in der Mentalität der jüdischen Maffen selbst entgegenstellen. - Ohne Gelegenheit, sich polttisch zu schulen, sind diese in der wum ein Menschenalter wahrenden Spanne seit den ersten Anfängen unserer Bewegung noch nicht imstande gewesen, sich gerade auf politffchem Gebiete völlig aus dem Ideenkreis loszulosen, der ihnen aus der vorhergegangenen Epoche der ausschließlichen Affimilationsherrschast' überkommen war. So stößt Mer Versuch, auch hier neue Gesichtspunkte in dis Betrachtung emzufühven, auf altemgewurzelte Ansichten und Vorurteile über das Verhältnis zur Umwelt mtb ist e^r geeignet zu ^beunruhigen mrd abzüstoßen, als einen Erfötz zu verbürgen: diese Erkenntnis: eEaüMd^vs^iHt'^,.BevhÄten.der' Leitung, di«, von den': nächstsiegenden Aufgaben sehr in Anspruchi genommen, üstmoglich' auch-noch den Prozeß des Umlevnens der Maffen selbst in die Hand nehmen kann. ' . Ob also' die jndischnätionale Bewegung ihren ihr nach innerem Wert und äußerer Bedeutung zükommenden Platz bei Lösung der jüdischen Frage einnehmen, , damit ihr r bcheÄsamen'.'WM.'gegenüb?r. der Allgeweinheit Rechnung