Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1337 (31.10.1922)
- Date
- 1922-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ki1;.1 i f t linzslDunnerKllOO Wien; Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstil.l*3, oder in einerVetschleisstelle (Trafik) monatl. K 30.000 Mit Poslveraand.für Wien u. Oesterr, monatl. K 30.000 Ts chcchd-Slowakei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mön. Mk. 2800. Deutschland: Mon. Mark 600. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 VDg" Nachzah 1 unfen *M - bei Preiserhöhungen Vorbehalten t.«-5.M? *,,r'^vf' -' <"\Ty lii*''!vf 'rsehaeho-SIowafeftl i tschech.K 1.2Q Italien: Monatl. lO Lira Rumänien, Bulgarien: Monat]. 60, Lei bezw* Lewa Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs« 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse i— 3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends. 16-301. Tel;-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postspar* hassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1337 Wien. Dienstag. 31. Lttober 1922 4. FahrgMg 7' " in der Macht der Faszisten. Rom besetzt. — Feierlicher ßmhsMg Mussolinis. — Am «eite Kabinett. Da» Kabinett MnffoiiÄ. Rom, 30. Oktober. (Stefan:.) Das neue Kabinett ,rtzt sich wie folgt zusammen: Präsidium, Inneres und auswärtige Angelegenheiten —• Mussolini, Krieg — General Diaz, Marine —Thaön di Revel, Schatz — Jnaudi (Nationalist), Jndustne — Theophil Rossi (Nationalist), Finanzen — d e Stefan! (Faszist), Kolonien — Federzoni (Na.iionalist), Mnistcrium fiir die befreiten Gebiete —. Guiriati (Faszist), Justiz — Oviglio (Faszist), öffentlicher Unterricht — Gentil (Demokrat), Ackerbau — de C a p l t a n i (Faszist), öffentliche Arbeiten — Carnazza (Nationalist), Post und Telegraph — Colo nnadi Cesaro (Nationalist), Arbeit und soziale Fürsorge — Cavazzoni (Volkspartei). Die UnterstaatssekretärsLeNen wurden folgendermaßen besetzt: Vorsitz — A e e r b o (Faszist), Inneres — F i n z i, Aeußeres — Pasqualirr: Dass a i l o (Demokrat), Krieg — D e- Lone (Faszist), Marine — G i a r o-(Faszist), Pensionen — Deveech^. (Faszist). ^MMo W irr SS»m..v,',V-v; ' , OkDer. (Hapash Wussolin: hat, -bG Mh-^ «e-tn-tausend MWen^hegHW' sMWntMeDa eine Ncde gohalten, worin er -die' Faszisten.' astffvrdepte, Mche zu belvahren und die Königs--urch 'BatoölaMhychmU zusii>mnten. Mussolini ist heute vormittags in Ron: angekommen, wo ihn eine große Vkenschetm:enge b e g e i st e r t b eg r L ß r e. Ec begab sich in den Quirmal, wo er.vom König m Audienz empfangen wurde. Die Stadt ist beflaggt. Im Lande herrscht Ruhe. Man glaubt, daß das Kabinett im Laufe des Tages gebildet sein wird. Rom, 30. Oktober. (Havas.) Als Rdussolim den Onirmal verließ und von der ihn erwartenden Menge durch Zurufe berußt wurde, rief er aus: „Bürger! Ihr ,werdet rn einigen Stunden nicht nur ein Ministerium/ sondern eine Regierung haben!" K Rom, 30. Oktober. Die ganze Nacht hindurch ivarteie cuie dichtgedrängte Menge auf der PiaM Bacherrni, wo. sich die Wohnung MtsiMuis befindet, auf dessen Ankunft. Auch heute vormittags waren der Quirinalplatz und die Piazza Barberini von einer großen Menschenmenge besetzt, die der Ankunft Mcholims und des Einmarsches der Faszrstenmiliz harrte. Es wurd die Schließung der Geseifte und das Hissen der Trikolore angeovdmt. Rour, 30.. Oktober. Wie. aus Civrtavecchia gemeldet' wird, hat Mussolini dort eine Parade.Wer die Faszistenunlir abgenommen, worauf er nach Ron: werter reiste. Aus Tivoli wird berichtet, der Komnumdcwt der Faszistenmiliz, der Abgeordnete Bottai, habe gestern: ftüh in einer Ansprache ervlarh das Mlitär weche nicht-auf. die Faszisten I schießen, und geschworen, daß das Kommando der Faszisten nie beschlen werde, aus italienische Soldaten zu ftuern. Sodann habe eine Feldmesse stattgtzfunden. Rom, . 30.. Oktober. (Tel. d. „Wr. Movgonzeitung".) Die w ichtigsten Punkte der Stadt: sind in den Händen, der Faszisten. Sie haben die Eiseubahtchöfe unddie wichttgsten Straßetckrouznngen besetzt und' beherrschen sie Lage. Der Eisenbahnverkehr ruht vollständig, nur werüge Züge verkehren in der Provinz.' Die Zettungen wurden in Rom bis auf einige, den Faszisten genehme, verboten. Andere haben chr Erscheinen selbst eingestellt. Die erwartete Gegenaktion der Linksparteien, besonders der Sozialisten, scheint in sich zusammengebrochen zu stin.-da die entscheidende geheime'/Beräkmg zwischen den I Sozialisten und den Komnmni-stzn ein negatives Resultat! ergab. : A«MuW Zer KmtzHer. I Rom, L0. Oktober. (Teli-Kotnp.) Der Generalsekretär. I Faszisten,. Bianchi, evkläxte, -daßdie/fäszistische- ^ogie-f. | nmg. die Känuller .sofort M. NhUlMW I WEll.WM, ' . SolvmM Ler RütimMsten mV de» FasMen. Rom, 30.. Oktober. (Tel.-Komp.) „Jdea Nationale" erklärt die Solidarttät der Nationalisten unt den Faszisten. Die . neue, naiionalisttsche Regierung Müsse die Zahl der Ministerien herckbsetzen und die. der U-n-terstaatssekretare einschränken Älle. Staatsbetriebe^^ müssen selbständig gemacht ynd, de«. Privatwirtschaft- Möführt werden. Aste öffentlichen Aemter sind zu. verkliemern. Die. Außenpolitik Italiens soll von.rein nationalen Goslchtspurckben aus geführt Werden, besonders in. der Richtung der Lösung der Orrentfrage und in. der Verknüpfung, der italienischen Schulden mit den Wiedergutmachungeu Re Spmrüouen der AasMe« dr der Provinz. Paris, £0. Oktober. . Nach einer Meldung des „Petit Parisien" nehme die FaSf.iftenbeweguug' m der Provinz den von den. ParteiMrern festgesetzten Verlaus. Die Lage lasse sich. folgendermaßell zufammenfassen: Süditalien ist von den Übrigen Teilen des.^Lande^ durch, die: Miliz, die unter dein Befehl des Deputierten Ca ra d o n n a stcht, vollständig isoliert worden.. Cbesiso wie Kaläbrien sind auch Toscana und lirnbrieN. in. dött Händen. der Faszistem In' Mailand, sind mehrere tausend Faszisten aus den rnnliegenden Städten . eingetroffen. Zxn. Turin leisteten, die Behörden anfangs einigen Widerstand, doch wurde das Programm der Faszisten gleichwohl dnrchgcführt.. Im Aul s sch e n Be netten ist dse MöLUißermvg 'ay^Ä>ivet''!MÄ«», mn einen . eventuellen Handstreich der I ug o sla w e n' vorzübeugen. Die' Faszisten..stehen Puter dem' Befehle - des. 'Deputierten bÜNrsta. Huch.daZ'T'r. t n t i n o. ist.in die Hastds der -'Fastiertm.S t ef a n r MsHrt werden. Hie Straßen, .M nach Rom führei:, werden von. faszistischen PatrduUen bewacht. In Vintinritzlia, Wrdighera, Ospodailetti und San Remo haben die Faszisten LaftwMn Md Automobile requiriert. ' AuftuchM des Rfeubahsüetnebes. Rom, 80. Oltober (Tel.-Komp.).'Mach Mitteilung des Generaldirektors der Staatsbahnen ist fett heute der Betrieb der italienischen Staatsbahnen wieder in vollem Umfange ausgenommen worden.; ' Mine MchmMe. Mailand, 30. Oktober., (Tel.-Komp.) Während der Sountagvormtttag ruhig verlief, brachte der Nachmittag einige Zwischenfälle. Die Faszisten erstürmten die Kaserne der Zollwächter, doch verfügte Aousiolmi sofort deren Rännmng fow:e die Auflösung fasziftrscher Ansamnüuingen in der Stadt. Mailand, 30. Oktober. „Eorrieve d'Jbälia", „Avanti und „Müstizia" sind am Erscheinen veichmdert. Eine Grirppe von Faszisten Versuchte, das Hans des „Avanti" zu stnunen, worauf'Militär auf die Angreifer feuerte und sie zurüschlug. Sechs Soldaten und'sechs Faszisten wurden verwundet.: ' Kapitulatton der Kommmisten. Rom, 30. Oktober. (Havas.) „L'Azione" meldet, die Kommunistische Partei stelle Hre Tätigkeit ein. Den Komnmnisten werde begiiglich der Disziplin und der Pflichten gegenüber der Parte: volle Freiheit gege^bem Man glaube, daß die ) konrmuuistrfchen Abgeordneten auf ihre Diarrdate vkWchten wechen. M FasMm r« SÄMrol. / Die '. Kv rr e spon de u z> tz er zog. meldet / aus In nsb r.uF: Ai:f.Grund von alarnnerenden Nachrichten aus.Len GwchbezWn, wonach sich die Faszisten an der Grenze. Tirols vässarmneln, ging gesteM eme starSe GendarmtzrieabteilÜNg von -JnusLruck riach LandeL ab. Den FaSzisten. prickelte es sich darmn, -im Junen: Italiens^ freie Hasid'. zu.höben und sind die Faszisten inzwischen' : wWr<pöm?.Bvemver ''mch' Nanders . abgezögein Der W*' kehr Zwischen TiM uNÄ Kalten ist unwrbvotzen. Seit heute früh sst. auch ^'r -tolephönische und" telegraphische Verkehr, ernge-siM.''Hichexen'. Mitteilungen,z:rfolge haben sich die. Faszisien äu ch. ^der.'Herrschaft. in' Südtivoll bsmachtigt, ohne - . W WiKWÜM MMveL'-yaK» Ser LMM der FasMm. . Bis vor kurzem hat eS als Dogma gegolten, daß die Kriogssolgen in ihren mrangenehnurn Formen eigentlich nur in den besiegten Staaten - in die Erscheinung treten. Nun schlägt die große Welle arich über einem Siegerstaat zusammen imd ganz. Europa steht heute, unter dem EinÄmck eines großen Ereignisses, dessen Tragwette noch gar nicht ermessen werden kam:: die Faszisten Haben von der Regierung Italiens Besitz ergriffen. Itau >das Wesen und die Ziele der Faszistenbewegung begreifen zu kölvnen, :nuß man ans ihren Ursprung zurück^ gehen. Kurz nach Beginn des Weltkrieges haben es die Gvoßkapitalisten in Italien versucht, allmählich eine öfter- .reichfeindliche kriegerische Stimmung, die in ein chauvinistisches Mäntelchen gehüllt wurde, zu entfachen. Dieser Stttnrnp-ngsmache lvuvde plötzlich , von unverhoffter Seite starke Hilfe. Der Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei Italiens, Mussolini, stieß plötzlich zu.den Kriegshetzern und tmt mit-flammenden Worten für den Krieg gegen die Mittelmächte. ein, der allein Italien dis ihm gebührerche Stellung in Europa undam Mittelmeer und den Artschluß der rmerlösten Gebiete sichern könne. Seilbst-verständlich. konnte, er. bei solchen Grundsätzen nicht mehr in der sozialistischen Partei verbleiben. Er mußte mit einigen Anhängern ausscheiden, und nachdem er. in MaÄarrd ein eigenes Organ, „Popolo d'Jtalia", begründet hatte, ging er mit allen Kräften an sein Werk. Mussolini, der über eine ganz außergewöhMche, selbst in den: cn: redegewartdten Persmren durchaus nicht armen Italien auffallende Rednergabe versiegt — er wich von seinen AnhangeM mit Cicero verglichen —, begründete vor allen: eine zweckdienliche,- tatkräftige Organisation . und forderte von. Tag - zu. Tag in schärferer Tonart das Eingreifen Italiens in den Krieg, die sogenannte „Intervention". An Mtteln fehlten es wahrhaftig nicht. Ließ sich doch die lmnbqZcdische Schwermdustrre,--' die hinter Hm stapd, > MHyttESNMW Mcht lizmpLn.^ Er infzemerüe nrtt raffinierter GoMckliMD' ünb'un^ichk"VMsE^WWkM^kr' und Umgtige in allen Städten des Künigveiches. Das Volk ließ sich durch volltönMe ^Miasen bezahlter Agitatoren betören und Atussvlini konnte Mit Recht darauf Hinweisen, das Land fordere den Krieg. ÄuHerövdenklich tüchtig und vorsichtig ivar er auch in der Auswahl feiner Mitarbeiter, Er war es, der das Talent d'An nunzios für seine politischen Zivecke einspannte und ihm den Weg ebnete. Es kam zmn Kriege und Mussolini trimnphrerte. Während des Krieges, solange die. künstlich ^rngefachtt Begeisterung dauerte, bchielt Mrssolini Oberhand, gegen Ende des Krieges jedoch, als . Italien 1917 die große . Niederlage erlitt, schien es, als ob der Stern Mussolinis.sich zu verdunkeln begärrne. Er verzagte aber -nicht, rief seine- Getreuen zusanmren und es gelarg Hm, unter dem Eindmcke der. Niederlage,;Lls die Stimmung eine ähnliche war wia in De-uiMand nach dem Kriege, als die Orgssch entstand, eine nationalistische Orgainisation, F a s c i o, ürs Leben zu rufen, die berufen war, die erloschene Kriegs- ^begeisterung wieder zu entfachen. ' Nach dein Kriege, als die italiernsche Valuta ^deub» . kich zu sinken begann- und die Arbeitslosigkeit, insbesondere Hattet den Heimkehrern, sich immer unangenehmer bemerkbar machte, hat der Instinkt des Konjunktur- Politikers Mussolini aber die Lage sofort begriffen und seinen Zwecken dienstbar gemacht. Die Weigerung der Mrierten, allen Forderungen Italiens nach Ueberlassnug gewisser Gebiete, imtnentlich Fiamres, gerecht zt: werden, erfüllte mit Bitterkeit die leicht erregbaren Italiener, andererseits erschien am politischen Horizont das Gespenst des Bolschewismus, das die Großindustrie erzittern, machte. Dre ausgebe-utetcn und znm großen Teile ärbeitslosen.Arbeitemnaffen ivandten sich' den extrem-kommamistischen Ideen zu,' natürlich ohne eine Ahnung vom . praktischen Bolschewrsrmrs zu habet:. Sie sahen darin ein .Ideal, das dom arbeitenden. Menschen zu seinem Rechte verhelfe.. Es garte in.ganz Italien, es kam fast täglich' zu Aufftänder: und Unruhen. Mussolini ging wieder ans Werk. Er organisierte mit d'AtMUnzro den Fiumaner Staatsstreich. Mit' dem' Wahlspvuch: „Fiume oder der Tod!" fiHrte er seine Schwarzhetndert, die. Arditi, nach der mnstrittet:en adriati-- stz'en' Küstmstadt. Der Effekt war wundervoll, ganz Italien überschäMnte vor Begeisterung. Dänn ging her Meister daran, den Widerstand gegen die Arbeiterschaft zu organisieret:. Mit Frsuden begrüßtet: die. italienischen Industriellen dieses Vorhaben Mussolinis mw ließen es wieder einmal, an Geld nicht, fehlen, da er mit dem Wahlspruch „Nieder Mit dem Bolschewis-mats" daran ging, ihre heiligsten .Güter zu wahren. So entwickelte -sich der Vetbänd der MlMW-LM. der «FMis";,. iA ZM'Wd Tqs.,