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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-30 · Heft 1336 (30.10.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1336 (30.10.1922)
Date
1922-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ll8zeInommerE700 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Tabor str. 1-3, oder in rinerVerschleiastelle (Trafik) monatl, K 30.000 Mit Postversand für Wien u. Gestern monatl. K 30.000 Tschecho-Slowakei: Mori. K 20. Ungarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 2800. Deutschland: Mon. Mark 600. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 WV Nacbifthlungen *1HB bei Preiserhöhungen Vorbehalten 4 tithMhesSiowik«! t «schech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien: Monatl 60 Lei bezw. Lewa Schweiz und das übrige Ausland monatlich FrCs. 3 Redaktion «; Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19,. ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.:.Morgenzeitung" ' Wien Oesterreicbisebes Postspar» - kassen - Konto Nr. 15T693 Nr. 1336 Wien. Montag. 3Y. Stztober 1922 4. AaHraang Uoller Sieg der TaszistenrewlKtloii. Mussolini mit der Kabinettsbildung betraut. Rom, 29. Oktober. tStefani). Salandra Hat die Bildung eines Kabinetts abgelehnt. Der König betraute Mussolini mit der Bilrnng eines Ministeriums. Die künftige Politik Italiens. Paris, 29. Oktober. (Havas.) „Chieatzo Tribüne" meldet aus Nom, die Faszisten hatten ihre auswärtige Politik in den Grundzügen festgelegt. Sie treten für die Verwerfung aller zwischen Italien und Jugoslawien betreffs der dalmatinische« Küste abgeschlossenen Vertrage und für eine Abänderung des Abkommens von Washington ein, die Italien gestatten würde, die. Stärke seiner Flotte zu erhöhen. Italien solle ein größerer Anteil an den Wiedergutmachungen zuerkannt werden. WeiterS mutzte die Konferenz von Lausanne. ausgeschoben werden, um Italien zu ermöglichen, das Orient- Programm aufmerksam zu prüfen. Die Königlichen Garden ergeben sich. Nach dem „Popolo d'Jtalia" sind die Faszisten in mehreren Städten, besonders in Pavia, Növara, Tortona, Mortara, Novi Liguro und Alefsandria» Herren der Lage. In Altssandria sollen sie b e t r 8 ch t l i ch e s K r i e g s m a t e r i a l, namentlich Telephon- und Telegraphen-Material b e s ch l a grahmt haben. In Pavia hätten die k 8 nig l i chen Garden den in die Stadt einziehenden Faszisten die Waffen iibergeheui . Die Wszisten M MMeistd. Die Faszisten haben in der Nacht die Berfa gl i er i-Ka ferne ohne Zwischenfall besetzt. „La Nazione" meldet ans Cremona, daß bei der gestrigen Besetzung der Prafektür durch die Faszisten vier Faszisten getötet wurden. Wertere Mobilisierung. „Secolo" meldet aus Nom: Der Oberkommanöant der Faszisten hat den Befehl zur Mobilisierung der Legion unterzeichnet, um die Ordnung äufrechtzuerhalten und die strategisch wichtigen Punkte zu besetzen. Auf den Bahnhöfen in den perschiedenen Gemeinden haben bereits die Zusammenziehungen der Faszisten begonnen. Kein Ansnahmsznstand. Rom, 28. Oktober. Die Widerrufung des AusnahmZzustandes ist erfolgt, weil der König sich geweigert hatte, das bezügliche Dekret zu unterzeichnen. Abends fand vor dem Quirinal eine große Kundgebung für den König statt. Um 10 UKr.vormittags gaben die Militärbehörden den B 'fehl zur Eins! llung deS E'lfenbahnverkehre'L Die Züge wurden in die Halle zurückgeführt. Zwischen Palo und Civitaveechia ließen die Militärbehörden in einer Lange von 200 Metern die Schienen ausbeben. Starke Kavallerieabteilungen halten seit dem Abend dre Hauptpunkte der Stadt besetzt. Die Blätter erscheinen unregelmäßig und in beschränktem Umfange. . Gerüchte über Ermordung -es Königs. Auf Grund einer New Aorker Z;itungsmeldung war gestern in den europäischen Hauptstädten das Gerücht verbreitet» der König von Italien bi einem Attentat zum Opfer gefallen. Wie wir auf Grund von Informationen von authentischer Seite Mitteilen können, entbehrt dieses Gerückt jeder sachlichen Grundlage und ist daher vollständig unwahr. Ein Appell des Bapstes. Nom 28. Oktober.(Siefani.) DerP ap ft hat an die Bischöfe Italiens ein Schreiben gerichtet, worin er dem Bedauern Ausdruck gibt, daß die Rühe noch nicht wiederhergestellt sei, und an sie neuerlich Worte der Liebe und des Friedens richtet. Er .Mt den Jtglienern die Worte ches heiligen^ Stephan ft s er dB r üd er,-einig t euch untereinander! Zn dem Schreiben ermahnt der Papst die Bischöfe, ihren Eifer an dem Werke der Wiederherstellung des Friedms zu verdoppeln und erteilt ihnen schließlich den apostrli chen Segen. Vorwürfe gegen GioliM. Rom, 28. Oktober. „Jdea Nazionale" greift Giolitti heftig an, weil dessen Einmengung die Lösung der Krise verwirrt habe. Das Blatt bestätigt,^ daß Senator Lusinogli gestern im Namen Giolittis mit Mussolini verhandelt habe. Die Verhandlungen seien jedo'» gescheitert, weil sich Mussolini der Uebernahme des M nisteriums des Auswärtiaen durch Orlando und des Schatzamtes durch Rolando Ricci widersetzt habe. Mussolini habe jede Kombination mit Gioluti oder Orlando abgelehnt. Tas Blatt erhebt gegen die Linksdemokraten die Beschuldigung, daß sie einen Bürgerkrieg wollen, indem sie den Nationalstaat ablehnen, und richtet heftige Angriffe gegen die Militärbehörden wegen der von ihnen getroffenen übertriebenen Maßnahmen. Lloyd George in der Opposition Die Auflöfurr , -er Koalition — ein mutwilliger ^abvlaqeakt. London, 28. Oktober. (Reuter.) Lloyd George, Lord B i r k e n h e a d und Sir Robert Harne sprachen. tn einer großen Versammlung in Glasgow vor 6000 Zuhörern. Lloyd George bezeichnete die Auflösung der Koalition als einen mutwilligen Sabotageakt und machte ironische Aeutzerungen über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts. Er betonte die Gefahr einer negativen Politik gegenüber dem Arbeitslosenproblem. Notwendig sei die Einigkeit unter den Anhängern einer gemäßigten Anschauung. Wenn man einen Mittelkurs einhalte und sich von dem Abgrund zu beiden Seiten fernhalte, werde man durch alle Gefahren hindurchkommen. Der eingetretene Bruch dürfe nicht unheilbar sein, sonst würden die gefährlichen Elemente geradewegs auf die Zerstörung der City losmarschieren. Die Zeit sei nicht danach angetan, sich gegenseitig anzugreisen. Don links, von rechts und von vorn sei man Drohungen ansgesetzt. Wenn bei der Wahl ein Part ei sieg herauskäme, würde der Kamps damit nicht beendet sein. Die sozialistische Partei sei jung und stelle das Volk vor eine gewaltige Alternative. Das Programm der Arbeiterpartei sei eine furchtbare Heranssordernng. Bonar Law droht mit „festerer Politik". London, 29. Oktober. (Havas). „O-server" meldet, Donar Law Habs sich gesichert,-atz er gegenüb er Deutschland eine festere Wolitik befolgen werde a s Hlytzd Deorge. Er habe Hefazt: „Äüf dem Wege der NM» giebigkeit sind wir zu weit gegangen." Nrrsstsch-frairzöfifche AnnSherung. London, 29. Oktober. (Havas.) »Observer" meldet aus Moskau: Lenin habe in einem Interview erklärt, eine Annäherung an Frankreich sei möglich,, ja selbst unvermeidlich und notwendig für die Interessen Rußlands, das mit Frankreich und England gleichzeitig freundschaftliche Beziehungen anzuknüpsen und die wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen bestrebt sei. Ohne letzteres würde zwischen den beiden Alliierten ein Gegensatz hervorgerufen, deren freundschaftliche Beziehungen mit Rußland im Gegenteil die beste Garantie für den Frieden bieten würden. Rußland beanspruche die vollständige Teilnahme an der Friedenskonferenz, da eine aus die Frage der Meerengen beschränkte Teilnahme wirtschaftliche Reibungen zwischen Frankreich und England httvorrufen würde. Ruhe in Rom. Rom, 29. Oktober. (Stefani.) Die Stadt zeigt bas gewöhnliche Aussehen. Tie Straßenbahnen und übrigen Transportmittel verkehren wie sonst. - Zu Zwischenfällen ist es nur vor einigen faSzistenfeindlichen Zeitungen gekommen. , Rom. 28. Oktober. (Siefani.) Die Behörden haben Weitgehende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Seit heute früh sind dieBrücken, an deren Zugängen spanische Reiter aufgestellt wurden, von Infanterie und Artilleriebewacht. Wie d"r „Mondo* meldet, haben die Truppen den formellen Befehl erhalten, faszistischen Elementen den Eintritt nach Rom zu verwehren. Mit Gewehren bewaffnete Abteilungen, die aus Pisa, Äiareggio, Florenz, Neapel und Livorno heranrückten, wurden auf dem Marsche aufgeholten. Gestempelte Krone — —.0077 Centimes. Auszahlung Wien --- —.0071 Centimes. In Zürich notierte die österreichische Äronr . . 0.0071 ( 0.0072 am 28. OM.) die vslerr. gestempelte Krone. 0.0077 ( 0.0078 am 28. OM.) die tschechische Krone .... 17.50 <17.40 am 28. OM.) die Mark..0.13'/, ( 0.13’/, am 28. Okt.) Agram.. . 2.30 ( 2 82»,, am 28 Okt., Bukarest ........ 3.55 ( 385 am 23. Okt.) Sofia . . . .. 3.80 (3.10 am 28. OM.! Budapest.. 0.29 ( 0.22 am 28 DM.) Warschau. . . . 0.03% ( 0.037, am LK. OkU Zusammenstoß zwischen Faszisten und Kommunisten. Rom, 29. Oktober. (Havas.) Nachmittags kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Faszisten, wobei eine Person getötet und mehrere verletzt wurden, Nach Meldungen aus der Provinz haben die Faszisten weitere öffentliche Aemter besetzt. Es ereignete sich kein ernstlicher Zwischenfall. Keine Koalition Mit SaLandra. Rom, 29. Oktober. (Havas.) Wie das „Giornale di Roma" meldet, habe Mussolini in der Erwägung, daß der Faszismus vollständig die Macht ergreifen könne und müsse, die Kombination Salandra aufgegeben und in vollkommener eindeutiger Weise seine Kanditatur als Ministerpräsident ausgestellt. Die Senatoren und Deputierten der Lombardei hatten Faeta ersucht, die Ziele Mussolinis zu nvterstützen. Süditalien vom Norden abgesckmLLten Die Faszisten haben Süditalien vom übrigen Lande avgeschnitten,. ferner Toscana, Umbrien und das Trentino besetzt und Automobile und Lastfahrzeuge in Bentimiglio, Bordighera, Ospedalleto und San Remo requiriert. Weiters haben sie die strategischen Straßen des julifchen BenetienS beseht, vm eventuellen Handstreichen seitens der Jugoslawen zuvor'nkömmen. Mehrere tausend Fas isien sind in Mailand. Foligno , iwd Monte Rotoudo bei Rom rusammeuLezogen, - Ab 1. November hundertfacher Zins. Die Hausbesitzer haben gestern in einer im Sophieusaal abgehaltenen Versammlung den vom Präsidium des Zentralverbandes der Hausbesitzervere'me gefaßten Beschluß genehmigt, den Hausbesitzern zu empfehlen, am 1. November den hnnderfachen Friedenszins vom Fahre 1914 als Akontozahlung aus die bevorstehende gesetzliche Mietzinsblldung einzuheben, und zwar zur Deckung, beziehungsweise Zahlung der dringendsten Betriebsauslageu, wie Hauszinssteuer, Stiegenbeleuchtung, Rauchfangkehrer, Wassergebühr usw. Der Jnstandhaltuugsbeitvag (kleinere und größere Reparaturen) sei im obigen Vielfachen nicht inbegriffen. Die Mietzmsabgabe soll im Ausmaß des Februartermins separat eingehoben und abgeführt werden. Aber selbst in Häusern, wo der gegenwärtige Zins den hundertfachen Friedenszins bereits überschreitet, soll ein höherer Zins eingehoben werden, wenn die Berechnung der Auslagen eins Mehr, ergibt. Das ist der Beschluß der Hausbesitzer angesichts des Umstandes, daß die Beratungen über das schwierige Problem der Erhöhung des Mietzinses und die Abänderung des Mieterschutzes im Nationalrat noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Mehr als ein Beschluß des einen Vertragsteiles des Mietvertmges ist er nicht, zu dessen bindender Abänderung in einem so wesentlichen Punkte, wie es der Zins ist, auch die Willensmeinung des anderen Vertragspartners, des Mieters, erforderlich ist und in den heutigen Verhältnissen auch noch eines Dritten, des jeugts. ' ‘ ■' '' . "r

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