Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1333 (27.10.1922)
- Date
- 1922-10-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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VR,' TO09 «irir» ^fi-nncrg Evremev Moegenzerrung. 37. Moder W22 Seite fi Letzte Nachrichten. Girr Aufruf Bonar Laws. Glasgow, 36. Oktober. (Reuter.) In einem an bk Wähter gerlchteten Aufruf setzt sich Bonar Law für die möglichst, vcrsche und vollständige Wiederkehr der normalen Verhältnisse <m dorn Kriege oin und kündigt an, taft er beabsichtige, das KabinettWretariat in seiner gegenwärtigen Form aufzulassen. Die VMvbundorgW>ifation werde dem Foreign Office übertragen werden, das auch die Veranstaltung internationaler Konferenzen zu übernehmen haben werde. Aus die auswärtige Politik Groß'bvitmmienS übergehend, erklärt der Premierminister, die Negierung werde die übernommenen. Verpflichtungen loyal erfiillen, ohne jedoch nme einzugchen. und die bereits übernommenen nötigenfalls einschränken. Cr gibt weiters der Hoffnung auf eine rasche Regelung der Frage des nahen Ostens Ausdruck, die zu einem wirklichen und dauernden Frieden führe. Die Regierung werde vom ganzen Herzen und in werktätiger Welse dem Völkerbund unterstützen. Die Aufrecht« erhaltnn; der Freundschaft und deS guten Einvernehmens mit den bereinigten Staaten von Amerika müsse eine Hauptrichtlinie der britischen Politik bleiben. ^Die Regierung, werde sich die baldige Ratifizierung des englisch-irischen Abkommens angelegen sein lassen und sei bereit, mit Irland auf Grund der durch den Vertrag geschaffenen nmen Beziehungen und im Rahmen des brmschen Reiches zusammenzuavbeiten. Sie wünsche auch, die ruhige und friedliche Entwicklung Indiens entsprechend der diesem durch das Gesetz vom Jahve 1919 gewährten Verfassung zu fördern. Auf dem Gebiet der inneren Politik werde die Hauptsorge der Regierung dem Handel sowie der Frage gewidmet sein, allen Arbeit zu verschaffen. Die von der früheren Regierung in8 Auge gefaßten Pläne würden neuerlich überprüft und alle Maßnahmen, die sich als notwLnd'g Herausstellen sollten, ohne die geringste Verzögerung »rgrttscn werden. * Jüdischer GvttesvienfS. >^eu!e um S Ubr nachmittags findet im Tempel, II., Tempelgasse Nr. 3. ein Gottesdienst mit PrebW statt. * Der DoppelraubmSrder von Agram in Men verhaftet. S die nmfaßenden Maßnahmen des Wiener SicherheitSuS ist eS gestern vormittags gelungen, den Wiährigen vdergchilfen Johann Schroth, der in der Nacht zum Sl. d. in Agram die beiden Schneidergehilfen Zivkoff und fagic mit einem Hammer erschlagen und ihnen 17.009 in» oslawiscke Kronen geraubt hat, zu verhaften. Di« Mit« rilung über die Verübung der. Tat ging der Wiener Polizeiiehörde am Srnmag telephonisch.zu und besagte, daß Schroth» ier bei dem Schneidermeister Stipetic in Agram in Arbeit stand, seine beiden Kameraden meuchlangS überfallen und getötet hat. Sie gab der Vermutung Ansdruck, daß Schroth, sin Wiener. sich auch nach Wien wenden dürfte. ES wurde erj»-ben, daß Schroth vor Jahren bei einem Schneidermeister jnrf dem Neubau gearbeitet hat und daher di« Möglichkeit in ba§ Auge gefaßt werden mußte, daß er diesen wieder aufuchen könne. Der Schneidermeister wurde von der Tat seines rüheren Gehilfen durch Kriminalbeamte verständigt und als ich tatsächlich gestern Schroth boi seinem früheren Meister anfautd, wirrte er verbal'et. Bei de?n Verhafteten fand man fine Brieftasche mit 4000 jugoslawischen Kronen, 110 Dinars >md 6,800.000 ^erreMischen Kranen. Sck>rM, ein barttoser stämmiger Bursckie mit blondem Haar, halbe stch schon für die koutige Vorstellung im Burgtheater um 80.000 Kronen einen Logensto besorgt, der gleichfalls gefunden wurde. Er ist am jäo. Dezember 1900 in Wien geboren, und hat bei seiner Einvernahme ein Geständnis abgelegt. Koynigq wteder frei. Der Monarckist Kuno K v y« g i g g, der bekannt>i^ am Montan von lscheckv-ssowakisklier Seit« verkettet und nach Preßbura gebrockt worden war. wurde, da sich kerouesittltt. daß. seine Verballung nur snsolge einer MyÜ'sizierung d^r i'ckeckv-slaV'kiscbkn Behörden erfolate. aet'ern mittags aus dieser Käst erlassen und ist bereits wieder in Wien einoeirrffen. Wie fick derausaestellt dat, ist die ganze Verbastunas« astaire out eine auf unwahr- Angaben oufoebaute Denunziatton einiger ukrainjfcker Abenteuerer zurückzuführen, die sich bei den tschechischen Behörden eine Geldprämie für d'e Auslieferung eines „gefährlichen Kochverräker»- heraus'chlggen wollten. Sie wurden verhafte'. Das Fnterestänte an dieser Sache stt die hier bewiesene Verbindung zwischen den österreichischen 'adckal-Legilim'sten und. ukrainischen Parleigängem. 9 Ritt MMionenbelrÜgee verhaltet. Aus Berlin wird gemeldet: Ein R'e ensckwtndrl mit gefälschten Coupons ist durch die Aufmerksamkeit eines Berliner Banklehrlings aulgedeckt worden. Der Bankier Bernhard Erich Christian Schulze au» Hannover haite falsche Coupons d-r 4'/,*/«igen Provinzal« arleihe von Duenos-Aires, die auf enali'che Pfund lauien, in De« trägen, di« in die Kunderle von Millionrn gehen, an Berliner Banken und Bankiers vertrieben. Schulz«, der iv Bank, und Spekulationskreiim sehr bekannt ist. »mde verhaktet. Cr dr- Häupter, die Coupon» io wie sie waren, von einem Schweizer Bankhaus zum Vertriebe erbalien zu Hoden. * Geheimnisvoller Tod eines Dermitzlen. Samstag den 30. v. M. entfernte stch der mit Mutter und Sckwester zu« iammenwohgende Maickinenschlosser der Rordwei bahn Aon M u t h aus seiner Wohnung m der Leiligenstudierstratze. um feinen Wochenlokn im Bett ge von 702.0L0 K. und Dirnpkleider zu beheben. Seit die'er Zeit ist er v e r s ch w u n d e n. Vor« gestern wurde nun aus dem Donaudanal eine Leiche gezogen, welche einen Stich in fcer Brust haite. Die Leiche wurde als die der verschwundenen Mulh agnosziert. V-i dem Toten fand man die schwarze Brieftasche mit einer Ci'enbahnlegitimetton und nur einen Betrag von 1800 fl. in einer Noie zu tausend Kronen un» je drei Noten zu hundert Kronen. Nach den kr.minalistischen Crheduneen dürste Much. der. wie .erwiesen ist, noch an dem erwähnten Samstag in Gesellschaft zweier Männer und einer Frau in ein-nr Gast- und §afstetiaus gesehen worden war und später mehrere Gasthäuser besucht hatte, im Rausch verwundet und dann ins Wofstr geworfen worden sei. Um drei Uhr früh wurde Muld, wie die Erhebungen, di« svrtgr eht «rrrden. ergaben, an dem erwähnten Samstag noch gesehen. * Wem gehören die Bordeauxsardinm? Am L4.H. mittags wurde der Markthelfer Eduard Beckmatzer, von einem Sicherheitswachmann dabei betreten, als er eme Kiste mit französischen Bovdouxsardinen zu einem Gemischtwaren« Händler in Favoriten tragen wollte. Er gab an, daß er die Kiste mit sturem Bruder auf der Favoritenstraße von einem Fuhrwerke gestohlen habe. Der Eigenlülner der Kiste, die die Aufschrift ,»Vordem,xsardiuen in Olivenöl trägt, konnte bisher nicht ermittelt werden. JBR J&J JL^dl «RUr JRV VL# JHCNL JL^Hl JKSd (Freie iöd oHcobühne) Ensemb!e-öastspTel der WilLNAEE TRFPPE Heute Freüag.den 27. Oktober 1922, 7 UJbr abds. oiksstiiek in 4 Akten von Percz Hirschbein. Sffltmfsg den «j. 7 Uhr abends mm K» w ® u Drawst »<he i.c,: >nlo von t'cii. An—sk>. * Selbstvtord aus Furcht vor dem Deamtrnabbau. Gestern früh hat stch in einer hiesigen Großbank eine Beamtin aus Furcht vor vem Beamtenabbau ans einem SwckwerkeS ihres TienftorteS in den Hof gestürzt und blieb auf der Stelle tot liegen. Cii v^raessette«" Kind. Gei ern »urae im W chnuras« ami «in etwa 18 Monaie ott-’S Mädchen, dar .Mizzl" beißen toll, zurückgelassrn. <fg bas dunkelblond-s Kaar und graue Augen, trägt blaues Mollkieidch'M mitgrünen Rändern, blaue Mütze» Bevilakleidchen, blauen Schal, schwarze Gamaschen und schwarze Schnürschube. * MsklerdeeichL. 5°ü Oesterreich ist der ÜMromef meist bedeckt. tonst in Wtlte'. u d Me europa vor«vi->ge d heiler. V o rau sage-. Meist bedeckt, leichte Nederchläge nicht ausgefchlosten, Katt. * Verein^ DortrAge und Versammlungen. Der Verband drr Körer des hebräischen P S d o q v gl n m S. N.. Obere Dpnaüflratze St. L. Stiege, 2. Stock, empflehtt Sausiehrer für hebräische Sprache, Bibe». Tatmud utw. — 9 ü d i s ch e V o l k r b i b l i ot h e k Zion. Samstag den 28. d., oroer Nicke Generalveriammlung. Um zuverlSisige» Lricheinen wird ged,len. » Vorträne für d i e Wien e,r Lehrerschaft. Samstag den 28. ch. V,5 Uhr nackmlttavs. Ctekttoiechnifcher Instilut. IV.. Sutzhausstratze SS. Dozent Dr. Sllexander Sänke: .Die Zerjetzung und KonfervielMg der Radrungsmittel tm allgemeinen? O e st e r r e t ch i t ch r» Mu feu m. tkvnniag den 29. d. piin' ii'ch %\ \ U r, Führung dura» d e Eammmngen vvn Emait. Versammlung: 1.. Etudenrmg b (Läutend- >. Die Sammlungen sowie die Ausstellung von Gläiern und dis Photo-Aur evung jttd an diesem Tage von 9 dir 1 Uhr geSstnet. Eintritt Lvv K. Dld'ioihek und Lefeiäle v»n S dir 1 Uhr, bei sreiem Eintritt. T r Ä n i l ch e » Museum. Samstag den 28. d.. 8 Uhr nachmittags. Fü r«n. »evrlraq von 3na. E. Stelzer: Lichidildervortrag von Kustos Sng. Dr. F. Sedlacek: Technischer Monaisdericht üb-r neue Erkennintffe und Erfindungen. LeopvldstLdter Volkshetm. ll.. Zirkus, gast« 48. 7 Uhr: Felix Älez': Allgemeine Eiaatrlehre und btterreichifä es Versastringsrecht «it Uebungen; Dr. Joses Monat r Einführung in die Ezperimentdchemie nach dem Prinzip der Arbeiisschuie; Dr. Grete Mecenjesty: Ueberblick über die Wettgeichtchie der Neuzeit. Urania. Keuie. S Uhr (Großer Saal): Durch Len West-Sudan. Uhr (Kleiner Saal): Univ.«Prof. Dr. Rodert F. A r n o l d : Ein Vierteljahr itz England. 11t. ^8 Uhr (Kurs« satt); Dr. Rudolf Ameieder: KiinsttensLt Eraenart. l. l/,6 Uür (Klubsaal): Ferdinand M a t r a s : Eprechkurs. VI. »/,8 Uhr (Groher Sasii: Att-Wiener Quariett Schreinzer. >/,8 Uhr tKisiner Sask)r Univ.»Prof. Dr. Strshan S e t! i nrk: Die Gefährdung des Lebens durch den eledkijchen Slrom. IV. %S Uhr (Kursfaatt: Prof. Dr. Margarete Müller: Die einfachen mechanischen Maschinen und ihre Anwendung, lll. V*S Uhr (fUubföfl!): Prof. Dr. Gerlrud K e r z o g- Die Retigwn der Grieche». 1. 7 Uhr (Mikroskopiersoal): Direktor Dr. Ludwig A r n h a r i: Präparierung des. Bienenkörpers. 1U. Z « «i g st e!!, W i e - e n,!V.. M i t i e r st e i g 15. */,6 Uhr: Beherricher der Lüste. D U,r: Kart Matin von Weber. Die in de» Andrtke» mit o »ezetchnsten Notizen A«d LEG find rntgelNiche AnkSndr« gungrn <ß LS de» Prefzgefehes). GrnShrung. Die Leben»miLtelmärkte. , Zn der Grotzmarkthall« waren gepe,« Rekordzufuhren an Fttisck zu verzeichnen. Mit drr Bahn kamen 33 Waggons mit rund 160.0CO Kilogramm verschiedener FleisÄsorttn. per Achse 188.0M Kilogramm, Rindfleisch, und Schweinefle'schpreise gingen etwa» zurück, erste!r um 1900 K., lrtz'ere um 500 K. pro Kilogramm. Die Nachfrage war etwas lebhafter als an den letzten Tagen. Die Zufuhren auf dem Na^chmorkt an GZrtner-emUse waren etwa» geringer ourgefalizn. doch trat trotz der stärkeren Markt* dejucher kein« Knapphrtt ein. Die Anlieferungen an Kartostrln. Weißkraut und Obst wie'en dageg'N eine bedeutend; Zunahme auf. Kastanien und Mispeln, letztere zu 900 dir 1200 K. pro Kilogramm, begegneten als Neuheit gröberem Äniereffe. Die Preise blieben »m allgemeinen auf der vorgesttigen KSH«. Das Angedot an S'ern ist tnsoferne genügend, als der steigende Preis de» Umsatz stark hemmt. Bühne und Kunst. Gastspiel der .Wilnarr". (Znm ersten Mal«: „Die puste Krejtschme" (Die ver« lassen« Schenke) von Perez H i r s ch b e i n). Tin Liebespaar er feurig und lost, sie frisch, hingegeben, aber gelegentlich erschreckt durch die Wildheit, des Jungen — wird auseinandergerissen. Bvuch der GelöbnisteS ist Widder — wie in HirschbeinS Drama „T'kiaS-Äaf" — die Sünde der Väter, die an ihnen selbst gerächt wird. Der Dorsiude Bendet Gsetzt de« Bräutigam seiner Tochter durch einen anderen, der ihm würdiger scheint und , stellt rasch den Trauhimmel auf. Dridben. die verlassene Schenke, > in der es „umgeht", wird er abbrechen und an ihrer Stelle I dem jungen P»ar ein Haus bauen. Aber die HochzeitSnacht! vernichtet BendetS Pläne. Ungeladene Gäste, ungeladene Mnfikanten sind gekommen. Sie kamen von unweit. Geister aus <.her Wstcn KpMchwe. .Die Unttka-yW» Und Bendet Will-- konvnener als der verstoßene Brauttgam, der keck und heiter an der Hochzeit teilnimmt. Sie werden herzlich geladen, denn sie stellen Woin und Backwerk in reichster Fülle anf die Tische, breiten Goldketten» Geschmeide, köstliche Tücher^ vor der Brand aus. Plötzlich merkt der. Hausvater, merken di« Verwandten, daß böse Mächte im Spiel stnd. Der Großvater tanzt mit der Flasche am Kopf. Sie fällt herab. Das Glück zerbricht. Allen ist cS' in die Glieder gefahren. Dann ersticken sie die.Angst im Tanzwirbel.' Am steigenden Taumel haben sie nicht gemerkt, daß der verstoßene Bräutigam die Geliebte in die Nacht entführte. Draußen beim -einsamen Nachtfeuer halt sie der geliebt« Räuber umschlungen, rauh, fündig, dunkel spricht er, wie vom Bösen ^besessen, das Grauen packt das Mädchen, sie schreit nach den Eltern, bis sie. kommen und-die Erschütterte heimführen. Bendet ergibt sich nicht, wie der Vater in „T'kias-Kaf". Mit dem Feuer will er sein HauS reinigen, wirft alles Hausgeräte, daihm zur Hand ist, in den Ofen, zündet die puste Krejtfchme an, kehrt dann keuchend zurück, stürzt in das Zimmer» indem zmn Schrecken feiner Leute, eine schwarze Henm faß» Gläser Mrrm, Schränke stürzen, ein Feuerschein verbreitet sich — und der verstoßene Bräutigam trägt auf den starken 'Schultern die Braut auS dem verfluchten Hause ihrer Eltern. Bon berufener Seite wurde an dieser Stelle das Werk behandelt und gepriesen. Wir fügen unS der -besseren Einsicht ornes ManneS. der dem Dichter und seinen Gestaltungen gewiß naher steht, lins sind ander« Stücke HirschbeinS lieber alß diese Volksball-ade mit Getsttrspuk, magischen Gewalten und schwarzen Hennen. Höhepunkt der Darstellung ist natürlich der bunte, Prachtvoll inszenierte zweUe Akt mit dem schwellenden HochzeitStrubel, unterbrochen von einem Augenblick des Schrecken-, dann wieder zu buntester, bewegtester Tanzlust hsnaufgeführt. Bon elemen-- tarer Kraft die Braut deS Fräuleins Eva Braz, herzerquickend der Großvater des Hhrrn Nire N a ch b u s ch, vortrefflich wieder insbesondere Judith Bares und Leib Kadi so». Anders Darsteller nicht gleichwertig und nicht nach unserem Geschmack, so der verstoßene Bräutigam der Herrn Alexander Stein. Cr sah aus, wie der schöne Rigo, wie ein dämonischer Zigeunerprimas, der Fscauenherzen bricht. (Klügelt die Regie nicht zuviel?) Die Gesamtausführung auch diesmal hervorragend. Jubelnde, stürmische Begeisterung des vollen Hauses, rief nach dem letzten Fallen deS Vorhangs alle Darsteller immer wieder vor di« Rampe. O. A. Ra1«u»d-The«»ter. („Erde" von Karl SchSnherr. —» GastftM Mlly Th aller.) Kein zweites von den Dramen SchörcherrS bringt die uit* ttbevbvückbave Kluft zwischen GtM und Land so deutlich zum Bewußtsein. Denn wenn wir chvlich sein wollte« — waS aller-- dings zum Glück nur selten der Fall ist — müßte« wir iins eingestt-hen, daß wir zu den Gestalten und Vorgängen aus der Bühne eigentlich „kein Vochaltnis" hcibon, daß uns jede Urteölsmügkchkeit -fchü. Was wissen wir Stadtknck>er von dem GesülhlÄÄben des Bau-vrn? Gewiß, wir können uns i>n die Ssele deS alten Grutz versetzen, deS ,/tßw Heiden", der Grund uwd Boden mit abgöttischer Lvvbe bvelbt, in die Sesle der jungen Wra-gd, die sich in e>me vdchatzbe Ehe deuvauft, um das bißchen Erde unter ihren Echichsohlen, daS ihr gchöven soll, m die Seel« des KnechtHl, der vm Novembernchel die Lerche trillern hört auS dem gewaltigen Ällgesühl echaihrner Zeftlosigkevt. Das alles können wir verstchen, .nachfühlen — aber gerade, daß wir daS kvrmvn, müßte unS mißtrauisch machen. Vielleicht ist das alles nur hinvingedacht, hinemgelagi, vielleicht sind es nu-r — StaMlMt-GÄdanden. Diese Schnsucht nach der eigenen Scholle, diese demütig-attbetende Liebe zur Mutter Erde, vielleicht vermag sie nur der Städter zu empfinden, vrellsicht ist die Liebe vor Bauern imr Mckter Besitzhunger. Wir wissen es nicht und könmn eS nicht wissen, denn uns fehlt jeder Maßstab für die Gsschchmsse jener anderen Welt. Schließlich denkt jeder von uns mehr oder minder hsinnlich bei >dttser Tragödie ans dem bäuMlichen Löben doch nur an some Sopimerfrischeneriunevungeu. Hat man diesen Wstand und dieses Draußsnst-ehvn aber gebuhveud anerkannt, dann darf wohl auch gesagt wevden, daß sich der Wucht dieses Werkes nur wenige entziehen können. Das Raimund-Dheater trug düvck eine vorzügliche Msführung viel zur Berdiesung dieser Wnknng bvi. Willy Th aller bot m faiamt havt-rn, starren, eigensüchtigen Gvutzsnhofbouern eine Meisterlefftmig, ohne m Virtuoseamnarten zu verfallen. Dieser Alte lebt und zeigt die SelbstverstäMWett lebendigen Lebens. Fraulein Markus als Mona war vortrefflich, beherrschte auch die Mundart ausgezeichnet, was leider nicht von allen Darstellern gvsagt werden kann. Frau Hetsey otwaS schwankend und forbloS, im AuSse-hen auch zu >dsutlich verwahrlost ■— dich Trine sst immer noch ein« Kämpfende und hält die Hoffnmrg aus ihren Sieg aufrecht. Fraulein Karo ly stand als Totenwe'M wohl nicht an richtiger Stelle, den Herren K i r s ch n e r, L a ckner und Danegger kann nur Gutes nachgsfagt werden. Die Regie zeigte viel Verständnis, di« einzige unverzechlichs StiDvidrigkeit ist vom Dichter selbst diktiert — die Personenwage im Bauernhaus. Wie man den knorrigen, ou§ härtestem Holz geschnitzt«« Alten, dsr alle Medikament« wegschüttet, pazu gebracht hat, fein artig sein Körpergewicht zu kontrollieren -~ das möchte vielleicht mancher der Zuhörer ganz gerne wissen. Da «S aber schwer in Erfahrung zu bringen ist, schrieb man e? zu den anderen Rätseln der fremden Welt und begnügte sich damit, für den gslnngenen Abend mit reichem Beifall zu danken. K. M. . Aü» de» Theater«. 8m B u r g t i, e a t e r gei^nat > Samstag den 28. v, zu erhöhten Preisen die Komödie „D e r A r z t o m S ck e i d e« w e g" von Beincrd Shaw, deutsch von Siegtt'ed Trebifsch, zur Ausführung. CS wirken mit. die Domen G>ossy, Mede!«ky und Mike, d'e Kerren Da'enger. E'dlih, Auber, Moser, Pautten. Pttuwer. Schmidt. Schmvle, TMüLuni) Trehttr. AnsanL 7 lrhr.