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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-25 · Heft 1331 (25.10.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1331 (25.10.1922)
Date
1922-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JahrgyM Gedampfte Hoffnungen. ' —y. W i en. 25. Oktober. . Mit hellem Jubel hatte die ftanzösische Presie den Rücktritt Lloyd -Georges, gefeiert:! Traf er doch zeitlich mit zwei anderen. erfreulichen Ereignissen zusammen, mit der Sprengung der kommunistischen Partei und mit der Rückkehr Herriots aus Moskau, der in seiner Aktentasche neuevielversprechende, wenn, auch noch unfertige Abschlüsse mir der Sowjetregierung mübrachte. Zwar hat der Bürgermeister, von Lyon seine' Reise nur als' Privatmann unternommen. aber da heule Frankreichs »Politik durch die-'türkische Frage bestimmt. wird rnw neben Kemal auch' Trotzky marschiert, so sind- „die Freunde meiner Freunde auch meine Freunde". Wenn ver Zar einstmals' die Marseillaise' salutierte, so kann heute Poincare -lächelnd die ‘ Moskauer Diktatoren grüßen,.- die ihm', durch Herriot die Zahlung ihrer Borkriegsschuldenangebotenhaben. Das Wort oon den Freunden -läßt sich, da man nun einmal soweit hält, leicht variieren^ Die Feinde der Freunde sind meine Müde. Lloyd George war in Moskau .unbeliebt. Da er nun daheim gestürzt, in die Opposition gedrängt ist, so kann' mran in Paris sich freuen,: das. eines unbequemen Partners entledigt ist. Aber der festliche Lärm hat sich inzwischen ein wenig verflüchtigt. Man beginnt bie Muation schärfer zu prüfen. -Die englischen Konservativen, in . deren intime' Freundschaft Paris anfänglich so viele Hoffnungen setzt, yäben die Regierung übernommen und. ihr neugewäht-- M -.Dührer- Herr- Bomr Law hat, obwohl, schwer krank asidMüde) die- - BiÜMNgeines Ilebergangsmsiristeriums übernommen. Hie drsten Handlungen ferner Regierung Var Programm der Ei« Empsang bei» BundesprLstdeÄe«. - Bedeutsame Erklärungen de» Delegierte« Ia»ssen. — Die Antwort bes Präsidenten Hainisch- . sche AbkoÄntrn, dasdie KonservativLN Mampften und BmwesPräsideuL Dr. Hämisch hat gestern die. Dele-! gierten des Bötterbrmdes, die Herren Janffen, dlvenol, Ferraris, RieMeyer, Pospisch Samsin und Strakosch,; empfangen, die m Begleitung des Sekretärs de Bordes! erschienen waren. Die Delegieren wurden vom Ms uisteriälrat K l a si e r cky der Präsidentschaftskanzler em- \ geholt und zürn Bilndespräsidenten geleitet. Nach der . Be-- j grüßuug hielt der 'Präsident der Delegation a n sse n j an den Bundes Präsidenten folgende Ansprache: 1 Herr Präsident! Die provisorische Delegation des Völkerbundrätes hat gleich nach' ihrer Ankunft den Wunsch! geäußert, Eure EMlleuz zu begrüßen, um dem höchstchr verfassungsmäßigen Bertretw Oesterreichs ihre Ehr- -! erbietüng zu bezeugen. In - Befolgung des Appells - der \ österreichischer Regierung und gestützt aus das Bertraüe« des Völkerbundrates haben es die Mitglieder der Delegation als ihre ehrenvolle und heilige Pflicht erachtet, die Zusammenarbeit -mit der oste'rreichrschen Regierung . im Geiste einer vollkommerren Selöstentätrßerung sofort äus- - züüehttM.und --das'' Refvrin- und Mmerungsprogranmi ^zur Wiederherstellung, des budgetären 'Gleichgewichtes; OesLeMHL' flrtigzüstellM ch MeHem chan eine unerläß- Auf diese Weise ^virb eia doppelter Resultat -erM -! werden: 1. Der Kredit Oesterreichs, wird gekräftigt, wodllrch die. Krediwperationen für die-Uebergangszest ev" '.leichtert werden und das erste Element der Stabilisier rutch des österreichischen Geldes erreicht wird. - L. Die garanüerenden Stagtm..Pettzen rHveu - Par». > lamenten gegenüber besser in der Ltzge Mu, das Per-- langen nach Ratifizierung ihres Garantieanteiles zu, rechisertigen, indem sie den.MotivMknchtch. Yen. Text der -vom österreichischen ParlamM'r« "chLssUMMg'-lpeL Genfer Vereinbarungett angenommenen Gesetze und,die ..Lift< der zum Zweck, der Reduzitztuug -des - Budget- - desiEts bereits in Durchführung' sWltz^'VMatzkaWpn anfützen. Jede-Verzögerung Ware von großem Nebel, da gemäß dem. in. Genf ausgearbeftetetz. ünd veMn-' . .barten Plane die Garantie ab 1. Jänner 1W3 wirksam Iein muß, was nach unserer -MÄrzesigüng auch der, ' Fall -fein wird, wenn das österreichische Parlament, ohne ' Zeitverlust die Ratifikation der Genfer Protokolle vornichmt und die.dqdnW.-'gögeMerl -«ÄwDlitzcht'. votiert. ‘■■v’ ' h :■ . i Ähne dre^ unvernmdlicheu-Opftr^ aip welchen Äle scher'Mrksämkeit .steht. Dann wäre die^OrieirLftage zu lösen. Sie. war der unmittelbare Anstoß zur Äegiecuygskrrseund.die.Friedenskonferenz, deren.Einberüfuug Paris und-Angora mit viel Ungeduld betrieben, sollte den sehnlich erhofften Sieg über Lloyd George bringen. Aber, die noch nicht ins Amt eingetretene Regierung müßte um Aufschub, nachsuchen, da ihr die parlamentarische Situation zu viel der inneren Schwierigkeiten j; bringt. Auch sie muß .Zeit gewinnen und sich mit allen ' Einzelheiten des Borgehens Lloyd Georges vertraut machen. . Keine englische Regierung kann ihren Vorgänger desavouieren und da es sich um heikle Punkte der englischen Weltmachtpolitik handelt, ist es kaum möglich, daß Bonar Law noch vor der Entscheidung des Wahlkampfes das'Land in so schwerwiegenden Angelegenheiten - wie der Dardanellensrage und der gesamten Orientpolitik festlegt. Man muß in Paris Geduld lernen und auch Kemal und den neugewonnenen Freund Tschitscherin zur ^Ruhe mahnen. > . -Zudem ist es nicht so sicher, ob die konservative Regierung Englands den Standpunkt Frankreichs sich voll zu eigen machen wird. Bonar Law hat in dem offenen Briefe an die „Times", der den entscheidenden Kampfs gegen Lloyd George einleitete, dessen wrientpolitisches Konzept angenommen. Würden die Franzosen, so schrieb er, -bei ihrer Ansicht beharren, so müßte sich England ganz von den europäischen Dingen zurückziehen und der Splendid isolation gegenüber dem bisherigen Zustand den Vorrang geben. Diese Stelle seines Briefes war in Paris in jener Zeit — das ist vor drei Wochen — nur sehr flüchtig gelesen worden. Sie gewinnt heute an Inhalt, da Bonar Law an die Stelle Lloyd Georges getreten ist und dch eS sich ergibt, daß die Politik des gestürzten Premiers keine persönliche Politik war, sondern eine-Resultante aus den Lebensnotwendigkeiten des? britisäyep -Imperiums. In der Orientsrage' ist jede englische^ Regierung an die Gründprobleme engli. scheu Lebens gebunden und sie kann sich niemals dazu verstehen, die Meereirgen im vollen Besitz eines Schwertträgers ihres ' frdnzösisch-rufsischen' Konkurrenten zu dufden. Sind 'die. Bardanellen nicht neutral oder frer> daftN' ist es für/Rußländ (und damit-auch für Frankreich) ein Kinderspich hie Feüetfünken) im vorderen Orjeut zu -einem hellen antihritischen Brand auzMasen. Keist' englischer Prerttier ^. ulch ' gehörte'er..selbst der Lastour party aix ^- kann.die Kontrolle über die Lehensadcrn des britischest Handels aus der.Hand geben-.. Aber-auch in dchDrundaüffasiung der europäischen Fragen zeigt sich keine so deutliche Kongruenz - zwischen der. französischen-und der nettem englischen Poütik>Lloyd George war in dem Reparationskonflikt immer sehr itttmer M . am ' wesiteM 'zft GnüW'M. der sL^tÄrW'ftüd'Hr-^Wdtts d^rMstep.gewesen.; ' Lörr.'.habeü>mrt-siefer DefMbMng festgestellt, daß die österreichische Regierung ihre übernommenen Verpsttch'-- wngen. gehalten hat, indem sie uns gleich nach unserer Ankunft ein detailliertes Reformprogramm vorgelegt hat. Die Pünktlichkeit , in der Durchführung der in Genf> gefaßten Befchlrisse ist ja tatsächlich emp etementave. Grundbedingung für eiste glnöfliche Vollendung de§. groß--. angelegten und schwierigen MÄes, däS wir unternommen ' Unsere ersten Koitferenzen Notwenmgkeit der waren der dringenden 'Mcherp»g..die^ ’ bis züm Ende des JahreS gewidmetl rmd die unmittelbar 'vor dem Abschluß stehende^Pewinbärung, die die Siche-/ rung dieser Fiumdbalamtz -ohne.Istanspruchnahnw der: Notenpresie für -direkte Rechnung dw Staates zum Ziele hat, istvon güÜr Vorbedeuürng sirr, -die noch zu fasienden - Beschlüsse; handelt es sich chstr doch um einen Plan, in: dem -jÄer Punkt gleich den Gliedern einer Kette seinen Platz.hat-und/in-'-welchem 4«de.ainzMr Handlung zu ihrer Stunhe und ohne Verzögemng durrhgeführt werden mutz., Wir wollen 1 e i n e Mü h e u ftd l c i n e!: Z e i tf fpcrr.e n, nm'die Prüfung 'des Programms' bis zum End e - die s er Woch e zu. vollenden, so daß das österreichische Parlament sofort in' der Lage sein wird, zu denschweren Problemen sveimütig Stellung zu nehmen, die ihm zur Beratung unterbreitet werden und deren dringende Lösung im höchsten Interesse der österreichischen. Demokratie' liegt^ Die eMe- Mnahme her notwendigen Gesetzes- Vorlagen wird Nicht genug sein; die Regierung muß auch gemäß den in Genf übernommenen Verpflichtungen schon jetzt alle^ in -ihrer Macht stehenden- Maßnahmen ergreifen, um entsprechend den Vereinbarungen von Genf ..... M Defizit zu verringern. / kung ein' schmerz- ' voller." ' ' ' " / ' ' In Gemäßheit des WMlautes uftd des ^-Geistes her Genfer Deren barungen erklären - wir^ ausdrücklich, daß nichts geschehen wird, was m irgendeiner Weise der . politischen Jutegrität, der wirtschaftlichen UnahhaugWit .Md'-der S»MrL»MOeswr«M-MriWch.- tun könnte; das Ziel und die Pflicht des Völkerbundes ist. es ja gerade, die Jntegricht der Staaten, welche seine Mitglieder sind, zu wahren. Der Hauptzweck der Mitwirkung des Völkerbundes, dessen- Mitglied auch Oesterreich ist; wird ein vollkommen harmonisches Zusammenarbeiten mit der österreichischen. Regierung zu dem Zwecke sritt, für die. Finanzen und chas Wirtschaftsleben Oesterreichs feste Grundlagen wiederztkgewiüüen, so daß v Ihr Land seinen Platz an der Seite des . Völkerbundes haben können wird, als ein freier uuäb->' hängiger Staat, dem keiiierlei Mbrüch 'tzeüm'''wwche/.-'-- Die Antwort des Bttttdesprösidente«. Hierauf erwidere der Mydespräsident: '' ' . Sehr--geehrte Herren! W gereicht mir zur btzsiinderen Freude^ Sie a>!S Delegierte .des Völkerbundes auf 'unserem^ Boden iM Nauren der .Republik Oesterreichs Änf? das herzlichste begrüßen zu - können. Ich darf Ihr Erscheinen als - ein erfreuliches Sym-- bol daW werten, Laß die . großzügige und '-länmaßigc' Hilfe der Kulturnationen, auf die wir seit Friedensschlusse von St. Germain sehnMst warten,! miftmehr zur Tat ivevden soll. Ich/halte Oesterreich / wie ich noch mr Folgenden nsiher ausführen werde, für durchaus lebensfähig. Aster wir Müssen uns in die neuey Verhältnisse erst schicken.' Das österreichische Problem ist . in Wem Ägenbllck 7 i eift Anpassungsproblem. .:! Iahrhundeyhealte --«Mschaflliche'-.LKzfehftftgen'. sind aufgelöst, die Arbeitsteilung,, hie sich zwischen dvn einzel- S^B'PSSupH' Eine englische' Kvnservativemegierung würde sich einer, MrMHuntz.de-"'-R.etzära^jonLdritckeS' auf Deutschland wenigerernst tvidersetzen tvie die Koalition^ aber auch sie wirst 'M. englischen - Jntereflenkreis bleiben und für iM-Köftztzssipn in Europa / eineDgönkonzession: im Orient verlangen. Lloyd-GeorgsTaktik ist stets-darauf hinau^gegangdn,^ Frankreich in'-'Europa möglichstfest- und möglichst lange zu binden. Ruch die Konservativen MeyA'tstwnnd' HB Freundschaft Mgli^darfttchokütnentieren^daß lie'KankreiDrtichtMran^ hiWevn-MeÄen^dieHHäWionDstraM noch schärfer^ anzuziehen und sich' mit der abrnWenL?en Mark abzuplagen. Für alle Falle bleibt Frankreich Englands.. »“Mir WMLW .fetfUiMi8i« iMife fli>a iite «Metiaotilxn werden de« von Vorohne Frankreich angestrebttzn' Verzicht aus - Englands - schüsse nicht unterschreiben -—'wenigstens nicht schwerwiegende politische- Zugeständnisse. "? - ' /' Die.UnsichörheiL 'm der mterNationaleniHoWk -ist i also keineswegs glichen. Im. Gegenteil,^MWt^sich' durch 8ön-HystM^chse!'!m'-'Englän8!.yeWM'.um'es' tritt noch der nicht, gering einzüschä^enste l^niftp^ hinzu, daß. Lloyds George in.der.DpPosiHnPeisttiünd'.ssi'üe. agitatorische 'U-räst'..'srei 'Port, jeder' Verantwortung, elü-.. sakWW kann. Er ''hinn--MHhe)VN^1>'ho^' Mhe-'PüHM'' -oW''EeanMschew'AmpeWi^!inM ^'8esskn-'.''B'ebÄWn-' - losigkeit und Schwächen er kennen gelernt ha!) an den' Leib gehen. > ,v;:- "•'r V x> -

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