Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1328 (22.10.1922)
- Date
- 1922-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnzeHrammer KilOO Wien: Zorn Äbholen in,der Expedition, II-.,TaboTstr. 1 -3, oder in einerVeracbleissteile (Trafik) monatl. K •90.0QÖ Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. IC 30.000 Tsehech o-Slowakei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K 600. J u g o s I awie n: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 2200. D ent sc Ixland: Mon. Mark 300. Frankr„ Belgien: Monatl. Frcs. 8 19* Nachzahlungen'J4di bei Preiserhöhung«» Vorbehalten lener Tschecho-Sta^siuri i tschech. K llifF Italien: Monatl,.-,, Rumänien,'-Bul&ar . Monatl. 69 Lei bfczwi I&rjr S c h w e i z und di8sEfijjw; Ausland monatlich Redaktion u. ÄdministratioiK Wien, II., Taborstrasse'lv-S Telephone: 44*0*38^34^ ab 6 Uhr abends TeL-Adr;: .Morgenzeitung^ Wien, - ,‘t ' •* Oesterreichisches Postsparr. MM kassen - Konto Nr. > Nr. 1328 Wie«. Sonntag, 22. Oktober 1922 4. IahrtzaNA Französisch-russische Verständigung. P. W i e n. 22. Oktober. Die französische, Orientpolitik, welche in Geineinschaft mit ihren kemalistischen Verbündeten arbeitet und ihre deutliche Spitze gegen Len britischen Ententegenossen richtet, scheint ihr Programm, Englands'Position im Orient zu schwächen, nach einer neuen Richtung ausweiten zu wollen. Ungefähr zur selben Zeit, als bekannt wurde, daß die Sowjets .das Kvischen Krassin und der bvitisch-asvatischen Gesellschaft Urquhart geschlossene Abkommen nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern wegen der Haltung Englands in der Meerengenfrage aügelehnt haben, ist der französische Sonderdeilegierte Herriot, Bürgermeister von Lyon und Präsident der Republikanischen Liga,, aus Moskau zurückgekehrt. Herriot äußert .sich überaus optimistisch über die russischen Verhältnisse und die Möglichkeit der Schaffung von französisch-russischen Handelsbezichnn- . gen, und.die .Pavffer. Presse . läßt über das Ergebnis . von Herriots Unterhandlung mit den Moskauer Machthaber laute Triumphgesänge ertönen,, welche sich in einem för-mlichenLicibes- Iverben um die russische Freundschaft überbieten. Wohl hat vor Herriots rusiische'r Reise die französische' Regierung betont, daß er , nicht als offizieller Delegierter gelten hab^, aber ein von der .Sowjetzeiiüng' ,^Jswestia" veröffentlichtes . Interview mit Herriot, daß dm charakteristischen .Titel' ,^Äm. Vorabend -der Annäherung" führt,- weiß.unter anderem.', von.einein Dank- Wgvamm Poineares zu.urebden,- der,in der. guten. Ausnahme Herriots eine. Frankreich . erwwseye 'AnfmerksM'keit. echlickt. Es ist eine Depesche'desseMn Pontc«ire,.. her 'vor' nichts-allzüi .MMM^MchM.tz«r.M»MschE» Ovesf^eine'MWichigUM mit den.^owjeis^.äuss: WM-, .bekämpfte/-. und7HÄ..cyif.der, Konferenz von'Genua diese Verständigung N -die' Pruche gMtt' ließ/ welche man auf.; verschiedenen ©eitat,. 'Mn-cchr bevorstehend betrachtete.',, / / Der Stimmungsumschwung gege»ckber: Sowjetrußland^ welcher sich in, Paris anzubcchnen scheint, kommt recht überraschend, wenn, man sich die bisherige Politik Frankreichs den Bolschewiken gegenüber vor Augen, hält. Das Programm des ^Stachekdra'htMnns" Um Sowjetrußland, . dessen Durchführung nicht nur für dieses, sondern auch für das übrige Europa in mancher Hinsicht verhängnisvoll geworden ist, trägt die unbeftrittene Autorschaft Herrn Clemenceaus, und diese Direktive' bestlmnrte auf Jahr, und Tag hinaus, die europäische Politik. Nur zögernd und nach Ueberwindung vieler Widerstände und Hindernisse gelangten einzelne Staaten zu Wirtschaftsverhandlnngen mit den Sowjets, ohne sich jedoch zu der von den Bolschewiken sehnlichst' erwünschten de jmve-Anerkennung der Sowjetmacht bereit zu finden. Alle diese Bemühungen aber, denen bisher bedeutendere Resultate versagt geblieben sind, gingen unter der schroffsten Ablehnung von Paris vor sich, und als England vor eiMndei'ichalb, Jahren als erste Macht ein Handelsabkommen rnit den Sowjets abschloß,. konnte der offiziöse „Temps" nicht genug warnen und unterließ es auch nicht, darauf himzuweisen, daß ein erstarktes Sowjewußland ein ge-, fügiges Instrument in Deutschlands Händen sein würde, welches auf solche Weise in die Möglichkeit versetzt würde, au England in Asien Revanche zu Wen. Nunmehr aber schlägt man in Paris ganz andere Töne an, man hat gänzlich vergessen — oder möchte, doch so tun> daß Frankreich es war, welches die Wrangel, Denikin und die übrigen „weißen" Abenteuerer anerkannt und gefördert, mit Kriegsgerät aller Art und reichlichen Mitteln versehen hat. Als vor mehreren Monaten Herriot in seiner Eigenschaft al§ Präsident der Republikanischen Liga fiir eine Verständigung mit den Bolschewiken vintrat, trat ihm und.seinen.Parteigenossen von beu Linken der „Temps" mit der entrüsteten Frage entgegen, ob sie ihr Ideal von Freiheit in der bvlfchewikrschen Tyrannei verkörpert sehen. Das war noch im Februar. Vor wenigen Tagen aber war anläßlich Herriots Rückkehr von Moskau ein der russischen Frage gewidmeter Artikel.des „Temps" zu lesen, in dem cs heißt, die Möglichkeit/einer Verständigung zwischen Frankreich und Rußland'würde in dem Mäße wachsen, als Moskau die nationalen Interessen Rußlands verteidigen würde, - denn die'Rechte der" russischen Nation seien von den.gleichen Kombinationen bedroht, welche die Rechte Frankreichs? bedrohem Da Rußland gegenwärtig seinen Platz iw der europäischen Politik wieder gürückgewonnen habe, sei diese Politik für Rußland nicht so anzusehen, als würden, dessen Interessen nicht berührt. Es wäre für Rußlands Interessen nicht günstig, wenn ein Dleerengenabkommen ohne seine Zustirmnung geschlossen würde. Auch muffe man sich, ftasien/ ob es Rußlands Jntereffen entspreche, wenn Deutschland vov Rußland in-den Völkerbund ausgenommen würde. ' ' ' ' Die Sprache des ' führenden Pariser Blattes läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Pariser Politik Mmr öM Ntmy.' M Mom Schlage' tMey zu woHn. Mm Bor der Auflösung des Parlaments. — Neuwahlen a« 16. November.»-» Parteideratnnge« in London. London, 21. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Das Kabinett Bonär Law wird ein Uebergan gska bin ettznr Veranstaltung der Wahlen sein. Das Parlament wird rm Laufe der nächsten Woche aufgelöst und die Neuwahlen erfolgen am 16. November, worauf am 28. November das neue« Parlament zusammentreten wird.: Es wird dadurch möglich, die i r i s ch e B i l l vor dem letzten zulässigen Termin, das wäre der 6. Dezember, zu erledigen. ' ' . Der Wahlausschuß der ' Lavour-Party hat beschlossen, bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die einzelnen Wahlkreise die Lehren der Niederlage von 1918 zu berücksichtigen und so zu disponieren, daß die Führer der Partei Henderson, Smillie und Mac Donaldin.Wahlkreisen ausgestellt werden, die als sichere Domänen der Urbetterpartei anznsprechen sind. Es ist daher anzuuehuien, daß die durch die Khakiwahlen ausgeschifften Arbeiterführer wieder ins Parlament zurückkehren werden. . InnerMb der. . - Asquith-Partü . finden Beratungen über deren Stellungnahme zu den Lide- - ralen skatü Bpn eittzeluen einflußreichen Politiker« Md.- nach^d«m^PWch Wschen KGservsiDey Mh KoalittonWe- - rKckerreinHrffaMMMmmE den'jliWren- Wogen.Mch : nur für den Fall wögliH, weM Lloyd.rjSeö^i^RiiKt^weft« ans der Bildung einer neue« Partei - besteht. Die endgültige Stellungnahme Asquitys kann also erst erfolgen, wenn Genaues über die Plane Lloyd Georges bekannt wird. Die Reise Lloyd Georges riach L e e d s, wo er sprechen wird, glich einem Triumphz u g e. Ueberall, wo der Zug anhielt, wurde Lloyd George von Meuschen umringt, die ihn begrüßten. Auf dem Bahn- Hofe von Leeds erklärte Lloyd George in einer Ansprache, die Hitzköpfe der Konservativeu Partei hatten ihm den Fehdehandschuh hingeworfen. Er beabsichtige, im Interesse des Landes den Kampf zu fuhren. Lloyd Georgförderte die Wähler aus, ihn hierbei zu unterstützen.; . , In der 4; -;V , Konferenz der Unionisten am Montag soll Lord D e r b y zum Parteiführer gewählt, werden, wenn Donar Law die Uebernahme des Amtes' auf ärztliches Anraten ablehnen sollte. Lord Derby besitzt/namentlich im Norden Englands starken Einfluß^ doch.haltM maßgebende Unionisten seine Wahl nur für ein Proviso- > rium, da er trotz seiner unbezweifelharen pylitischen Betza« bung noch keinerlei Beweise fiir seine staatsmännischew Qualitäten gegeben hat. . In der nächsten Wsche werden ' die liberalen Mitglieder des Ober- und des UnterhauseA eine Konferenz in London avhalten, in der Beschlüffe^von weittxageltder Bedeutung gefaßt werden, sollen. Auf^der. Tagesordnung steht als erster Punkt die Stellungilahm'e dep bisherigen Koalitionsliberalen zur Asqnith-Grlippe. Es/ ist ltzahrschcinlich, daß der l i n k e F l ü g e I d e r L i b e zu Asquith abschwenken wird, während die. Mehrheit 'W' mit dem linken Flügel -er Unionisten zu einer n ati o N Illiberal e n. P a r t eV n t <r F ü h.r u.n g K'l.?Ad - G e o r g e s, zusamptettschtietzen wird. '? Das; KonfeMtivem '; / 'Paris,.21. Oktob-LMV-S.) bet aus London: Eine hochgestellte konservative Personlichkeit erklärte, daß -ex außenpolitische Standpunkt' der> Konservativen v o n d e n W 8 h l e r n bestimmt Merde^ würde. Die Konservativen seien entschlossen,, keine Kit iwunnützen Beratungen ZU verlieren, jeden Konflikt ans demi Festlande zu vermeiden und alle Kräfte auf die Entwicklung der politischen und wirischastlichen Beziehungen mit/den- Dominions sowie auf die Eröffnung der Markte in. R-uitztand, dem äußersten Open und: Südamerika zu köuzentrieren. ' r > miiiiri'iiwünn im iif<)iiiiiiiiijiwiwwHHi!«aB8 Betätigungsdrang des ftanzösischen Kapitalismus scheint Vas As zur Rätifizi.erung perfekt gewesene Urquhart-Aükomulen, tvÄlchcs den .ersten Fall konkreter ökonomischer Betätigung des Auslandes in Rußland auf breitester GrmMage bedeuten würde, die Furcht vor einern Züspütkommen der Fraugosen eingejagt zu haben.. Die französische Außenpolitik aber schiebt den linksbüxgerlichen Vorkämpfer der VevstäMgüng mit Rußland, Herriot,. vor, um sich einen Kampfgenossen in Moskau für die türkische und Meerengenfrage zu sichern. In London hat man rasch begriffen, wohin der Vorstoß zielt und „Daily' Chronicle" erklärt, Herinot habe in Rußländ diesMe Rolle gespislt, «die FranMn-Bouillon (der französische UnteHändler bei den Angora-Türken) in der Türkei spielt. Auch in Rom sicht man sich wieder von FrMkreich' den Rang abgelausen und mutrnaßt, -daß Herriot eine Gchenmnission gehabt habe, die wichtiger gewesen sei als die offizielle. Die Einbeziehung Sowjetrußlands in da§ europäische Wirtschastslchen wäre geeignet, Tatsachen zu schaffen, die vom gesMnteuropßischen Standpunkt nur zu begrüßen wären. Es hat lange-gebraucht, che man sich in Paris entschloffen hat, ven^ „Stacheldrchll-Standpünkt auszugeben, eine Politik, deren Folgen ganz. Europazü spüren bekommen, hat. Wennaber das jüngste Pariser. Liebestoerben um Moskau lediglich' poWschdiplomätischen 'Ränken dienen und die Entente, zwischen 5ke»nal, Moskau und Paris festigen soll,-so. werden dadurch nur-neue Perwicklungskeime; geschaffen. - Ein derartiger französischer RechtZbolschewisrnuS konnte auch Fvankrslch eines schönen Tages harie^^ Mffe zu rnacken - geLetn /- AKMifcher Weltkongreß, : : Von Robert Stricker (Wien). Wir veröffentlichen den folgenden Aufsatz im Pahmen der von uns curge- - " - . lMten Dlskuffivn. - (Dur Ree.) ■' . , ' I. - - Kurz nach Bestätigung des Palästina-Manötts durch den Völkerbund ist der Ruf nach Veranstaltung cin-Z alljüdischen Weltköngreffes laut geworden. Die .endgültige Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes, auf seine nationale Heimstätte hat in vielen zionistischen Kreisen das degrMiche VMrsM MgeM, alle Zudeu m Äsiarbett am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausbau deK-ÄMW' Gemeinwesens au^unrfen, und der Gedanke, daß das sic'-- cignetste Mittel zur-raschen'Verständigung und Füsaminenfasftmg der Kräfte ein alljüdischer Weltkonar-ß/ die- Versammlung der Führer aller jüdischen Orgauisationctr' und der Vertreter aller Schichten der jüdischen Geftllschast sei, war naheliegend. Er hat auch sofort Ausdruck Muü-' den und die Diskussion beherrscht. Die erste nach M Erteilung des Palästina-Mandats abgehaltene zroMffchK Tagung, die Fahreskonftrenz in Karlsbach hat sich -auch. vorwiegend mit der Erörterung der . Frage des jüdischen Weltkongresses befaßt. Die'Umstände haben es gesüsi^ dH ich in Karlsbad einer der Wortführer gegen die Pxyklä^ rnienmg des alljüdifchen Weltköngreffes war. . Ich: wA einige der Gründe, die mich zur . ablehnenden ..MtWnötigten, hier änWren und zur Diskuffion stellen.' Der Präsident der Zionistischen Organisation Doktor. Weizmann hat in seiner Eröffnungsansprache namchs der. Leitung ein feierliches Bekenntnis zur Kongreßldee abgelegt. Ich habe in der Sitzung, des AktionskonnteeL, wllche' der. Jahreskonferenz unmittelbar voranging, gogen-^diese' Art. der Behandlung der Frage Stellung zrnommen. JH bemerke, daß ich dies auch dann getan hätte, wenn ech Att- Hänger der Kongveßidee gewesen, wäre. Es schien^ mÄ zlveckwidrig und gefährlich, die Diskussion aus dex KM, ferenz mit offiziellen Kundgebungen der Parte uei'ung M'' belasten, sie durch die Rücksichtnahme aus c'.ue CrkläruüK. welcher scheinbar der Charafter des Resultats voxheW'-. gangener eingehender Beratungen in der LLitusig ' chj--. haftete, einzuschränken. Ich äußerte die Besürchtuig, Pß; hierdurch Verwirrung und Unaufrichtigkeit in di^, MR einandersetzungen gebracht würden. Ich forderte, baß zil-- erst diskutiert und beschloffen, dann erst proklauriert, Wille der Organisation ausgerufen werden solle. JiA.Wte^ darauf hin, daß eine ausreichende Fühlungnahme 8tzj;..Än^ srchten weder innerhalb der Leitung, noch auch in der Vertreter der Landes- und Sonderverband?. snnden hat. Mein Antrag wurde nicht. berückstchtiEWp.' der Verlauf der Konferenz hat ihn gerechtfertigt..Ditz-ÄA, spräche hat gezeigt, daß Lei den Kongreßtciln:hme!'n, )yor allem aber bei den Mitgliedern der .Leitung,' fthildene Ansichten über die Zweckmäßigkeit, die - 'Mt h§p.' EmbeMuim, iW itsMiixt». irniv Ui'WWMM