Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1318 (12.10.1922)
- Date
- 1922-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iÄÄpW* HjurtBommer Kiiou Wi en: Zum Abholen in der Expedition, IlMTüborstr.1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 30.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 30.000 Tschec H.o-Slowakei: . Mon. K 20. Ungarn: Mon. K600* Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. 2200. Deutschland: Mon. Mark 300. Frankr., 8elgien: Monatl. Frcs. 8 Naeh'aahlungren “Wtt bei Preiserhöhungen Vorbehalten m TlC. 1318 Wie«. •onncc9taj),12.' Oktober 1922. 'fi tschech.K1.20 Italien: Monatl. 10 tJ»jl Rumänien, Bulgarien! Monatl. 60 Lei bezw. Lewa; $c h w e i z und da* .Übrigi Ausland monatlich FrCs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II.,Taborsjtrassel—Ä Telephone: 44-0-33.43-3^11» ab 6 Uhr’ abends 16-I0I. Tel.- Adr.,Morgenzeituh ff* Wien Öestcrreichisches Postsparkassen - Konto > Nr. 150,693 4. Jahrgang Genf und Venedig. 7-5. W j e Kt, 12.. Oktober. Die Begegnung, zwischen den Außenministern Italiens mH. der Tschecho-Slowokei hat, wie die amtlich ansgegebene Mitteilung besagtdie Äeberemstimmung der beiden Regierungen in der Betrachtung des österreichischen Problems und des in Genf beschlossenen Projektes sestgestellt. Die beiden Minister drückten das Vertrauen aus,'daß durch die Ausführung der Genfer-Be-' fchlüsse die finanzielle und politische Erneuerung Oesterreichs gesichert werden wird. Diese Mitteilung bedeutet, daß auch dieneu gebildete Lschecho-slowakisckze Regiernng, der Herr Benesch, bisher Ministerpräsident, als Leiter der auswärtigen Angelegenheiten angehort, seine politischen Richtlinien auch .für die nächste Zukunft enthalten will und daß das auf die Ordnung Mitteleuropas hinzielende Prvgraynn weiter Geltung behält. Die in Venedig erfolgte Feststellung erhält demnach für Oesterreich besonderes Gewicht. Die beiden Nachbarn der Douaurepubli? müssen in der Aufrichtung Oesterreichs zu einem sich normal entwickelnden Staatswesen ein Unterpfand fiir ihre eigene innere rtnd äußere Ruhe erblicken. Jede Aenderung der Integrität Oesterreichs würde die Labilität aller Anrainer einer gefährlichen Probe ausfetzest, upd es ist hier der leider so seltene Fall eingetreten, daß sich das moralische Prinzip von dem politischen Selbstbestin^mungsrecht mit den politischen Interessen der zunächst Beteiligten deckt. Die Hilfe, die Oesterreich gewährt wird, kommt auch seinen Machbarn zugute, politisch sowohl ivie auch wirtschMich, M ist kein'>schlechtiS'--^Mft7,^chWWürDDtMHMMs''^^ rotteten, über durchaus lebensfähigen rmd rvchenÄviMqen Staat berzuspringen. , Das mitteleuropäische Programm des Ministers Benesch läuft letzten Endes darauf hinaus, einen 'Zollverband aller neuen Staten Zu bilden. Der rein militärische Ztveckverband der kleinen Entente soll schon in der nächsten Zeit durch fest fundierte Mrischfatsverträge ausgebaut und dieses System durch parlamentarisch - girierte. Konventionen auch bei den bisher abseits stehenden Staaten gesichert werden. In diesem Plan ist Oesterreich wegen seiner zentralen Lage, seinen garstigen Verkehrslinien und der ans der Zeit der Monarchie herilbergeretteten Handelsorganisation eine wichtige Stelle zngewiesen. Daß sich die Tschecho-Slowakei für Oesterreichs einsetzt, ist keine Zufälligkeit oder die Laune eines Ministers, sondern eine Notwendigkeit ihrer politischen Situation. Die Tschecho-Slowakei fühlt die Reflere der Differenzen zwischen den Großmächten bis in den letzten Maschinensaal und sie ist gezwungen, führend ans die Aufrichtung einer Konstellation hinznwirken, die Mitteleuropa zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammen faßt, woher sie für die staatlich-politische Unabhän- . gigke.it jedes, einzelnen Gliedes die Garantie aller stellen muß. Die Sanierung Oesterreichs ist eine unerläßliche Voraussetzung für das Gelingen des Planes, dei: schon längst Wirklichkeit hätte werden können, wenn die österreichische Politik mehr Aktivität gezeigt hätte. Daß man drei Jahre lang bald vom Anschluß an Deutschland, bald von der Kredithilfe'gesprochen und alle Kräfte verzettelte, hat Mißtrauen und Kühle erzeugt. Es ist an der Zeit, daß Oesterreich die Vorteile seiner geographischeu Situation und seiner. Naturschätze politisch ausnützt, die es jedem Nachbar als wertvoller Freund erscheinen lassen. Die Ereignisse seit der durch den Kanzler Seipel betriel>enen Ansrollung der österreichischen Frage lehren, daß nach nie der Zeitpunkt für eine Neuorientierung der Politik so günstig lag wie. jetzt. Eine Fortführung der Staatswirtschaft in der bisherigen Weise würde jede Aussicht ans Hilfe vernichten, aber auch den Weg mr Eingliederung in das kommende mittelcnropäische Sy- [teilt versperren. Die Staaten, die das Genfer Protokoll unterzeichnet haben, rechnen ans den ernsten Willen Oesterreichs, .mit ihrer Unterstützung sein Almosett-Da-- jeiu zu beendigen und ftef). ans seinem Elend aufzuraffen. Eo ist kein Zweifel möglich, daß aste diese Staaten einen weiteren Verfall Oesterreichs nicht mit ansehen : und durch Passivität.fördern wollen, weil die Gesundung Oesterreichs eine. Bedingung' für die Gesundung Europas ist. Alte die Worte von einer Ausplünderung durch den Kapitalismus, von der Vernichtung Oesterreichs such nur parteipolitische Mätzchen. Die so schreien, haben Oesterreich die papierne Sündflnt gebracht, in der alles Leben, alle Arbeit zu versinken droht. Der Völkerbund bittet eine Anssicht auf Rettung. . ♦♦ Entlastung des B»d«ets. — Erhöhung der Stenern und Gebühre». Der auswärtige Ausschuß österreichischen Rationalrates hat gestern dm Bericht des Bundeskanzlers Dr. Seipel über die Genier Konvention zusttmmend z n r K e n n t nis gen 0 W wrA Hin Mißbilligungs" antrag der Sozialdemokraten wAde a b ge l e h.n t. Der Kanzler ersuchte, den Ausschuß, W Abkommen noch v^r dem 4. November zu ratiftzieten^ Hamit den Parlamenten der Garantiestaaten der nötlgrTHeLranm zur Dotierung der bWglichttr Gesetze blttqst Im FinaitzministerinM fftchM seiL einigen Tagen ununterbrochen' Beratungen stach i» denen Bestimmungen für die Regelung des Staatshaushaltes für die Uebergangszeit, bis. zur Derwirklichüng der Genfer Beschlüsse, getroffen werden sollen. Das Budgetdefizit wurde mst 160 Millionen Goldkronen errechnet. Es soll daher Borsorge getroffen werden, damit die Ausgabe .inbedeckter Notert auf ein Mindestmaß reduziert werde. Da Oesterreich vor Ende dieses Jahres auf die Aufregung der Bölkerbnndan.-.ihe und Eingänge aus dem Anl: heerlös nicht zu rechnen hat, sc stehen ihm nur die Kre d i tr estr aus dem sranzosischen und italienischen Vorschuß im Betrage von öL Millionen Goldkrone« undder Rest des Liquida! lonsschatzeder Otsierreichisch-urr.arsichm Bmik »m Betrage von 35 Millionen Goldkronen zur Verfügung. Das unbedeckt» Defizit, das sich somit auf 8« Millionen Goldkronen beläuft,, soll nun nach dem.Plane des Völkerbundes dtchurch möglichst eingeschränkt werden, daß' G e b ü h r e n, Tarif e und MonopolPreise mit sofortiger Wirksamkeit neuerdings beträchtlich hinaufgesetzt und die Steuer n in forcierter Weise eingetrieben werden. Was nun die Kreditreste und den Rest ans der Liqut« dationsmasse der' Oesterreichisch-ungarischen Bank bei» trifft, so bestehen hierüber Verpflichtungen, die einerseits gegenüber Italien und Frön kr eich, andererseit» gegenüber den Wiener Großbanken eingegaugen worden sind, und zwar sind sie zugunsten der künftigen Nationalbank gesperrt. Die Verhandlungen bewegen sich nun in der Richtung, den Staat aus diesen Verpflich« tungsverhaltnis zu entlasten. Der Völkerbund ist damit um so eher einverstanden, als diese Betrage nach den Genfer Vereinbarungen ans der großen Anleihe refnndiert wer» den''sollen. Griechenland unterschreibt uichtl /-Ä*.; atzs Ä o n st a üt i n 0 p e l gemrldrr wnd, habenHch die Griechen g eweigert, das Protokoll von Mudania zu unterzeichnen. Außer den gyneldeten Bestimmungen sieht das Uebereinkommen von Mudauia für die türkische Gendarmerie in Thrazien eine Höchstzahl von 8000 Mann vor. Die Miierten werden einen Siche r n n g s k o rdon ans dem westlichen Ufer der Maritza anfstellen. Die Türken nehmen eine neutrale Zope innerhalb einer 15 Kilometer von den Dardanellen entfernten Linie an, ferner eine neutrale Zone auf dep Halbinsel innerhalb der Linie Chavzen-Schlloh, , Meuterer uud Plünderung in A-riudopet. Konstantinopel, 11. Oktober/ (Tel.-Komp.) Rach den neuesten Meldungen aus Ädrianopel beginnen die dort lagernden griechischen Truppen gegen ihre Offiziere zu meutern. Mehrere Personen wurden bereits if tlich a n ge grisse n unH sch we r ve r wu nd et. Rote Fahnen wurden entsaftet. Die meuternden Soldaten beginnen Adrianopel und die weitere Umgebung zu plündern. In Konstantinöpel ist man deswegen sehr bennruhigt. Abdankung Ms HuLtaus. London, 11. Oktoher. (Reuter.) Wie die „Mornittgpost" meldet, habe der Sultan feine e N d gültig e A bd a n kn n g angeboren, die die große Nationalversammlung a n z u n e h m e n beschlössen^ habe. China und der PSlkerbuud. graphrnägentiir E L i n a " in L o n tz o n, C H a 6 * Hsi u - C l) n, dem Vertreter Chinas bei der diesjährigen Per- .fammlüng ^des Völkerbundes 'in G,ens ciupfcnigen. Der Botschafter äußerte.-sich, bei der Unter^vn'ng über die Erwartungen, die China au die 'letzte' Tagung des Völkerbundes, knüpfte. Drei Dinge sind' es vor allem, die unser Interesse beanspruchen: die A b r ü st n n g, die W e l t h i l f ssprüch.e und die Bekämpfung des. Opiums. Auf jode Weise unterstützen wir die ^Vorschläge von Lord Robert Ce ei l, von denen uns der Punkt über die allgenieiue Abrüstung und über d!as G a r a n t i e-U e b e r e i n l § tu m c n bc« sonders am Herzen liegt. Die chinesische Regierung bat sich entschlossen, alle irgertdwie entbehrlichen Soldaten zn : entlassen und nur die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung unentbehrlichen Truppen znrückznbehalteu. China wünscht nichts als Sicherheit und Frieden. Gibt man ihm Garantien gegen Angriffe von außen, dann ist cs bereit, das Abrüstungsprogramm des Völkerbundes-anzunehmen. Vorbehaltlos unterstütze ich den Vorschlag Lord Fishers wegen der Abrüstung zur See, denn er trägt den Verhält uifsen aller Staaten Rechnung, die derzeit iiber keine hin-' länglichen Seestreitkräfte zu ihrer Vereidigung verfügen. Eüsperanto unterstützen wir, da unsere Beziehungen zur übrigen Welt unter der Vielsprachigkeit Europas sehr zu leiden haben. Eine neutrale Hilfssprache, und zwar die gleiche für alle Lätcker, die als' erste Fremdsprache nach der Muttersprache zu Pflegen ist, scheint uns die g erechteste Lösmig. Denn endlich und schließlich wird sonst jede Sprachenfrage zur Machtsrage. Kemalistische Gendarmen in Thrazien. Paris, 11. Oktober.. (Test der „Wiener Morgenzei-. tung".) Das vöü der Entente in. Mupania vorgelUte Protokoll, das von den Türken ang enommen wurde, besteht ans 14 Punkten, die die Nebergabe Ostthraziens von Griechenland an die Alliierten und von diesen an die Türkei festsetzcn. Die Räumung durch die Griechen soll binnen einem Monat vollzogen seih, tvöranf eine Zivil- Verwaltung der Regz>e.rüSM vou Angora begleitet von nationalistischen Gendarmen, das MnA überrttmmt. Bis zur Ratifizierung des Friedens wird die Regierung von Angora keine Truppen nach Oftthräzien senden.. OO .Wer ZeMche WiihM^askrach.' ' Maßnahmen gegen die Spefttlaiion. Berlin, 11. Oktober. Wie die Blätter mitteilen, haben feit löngerr Zeit zwischen dem Reichssinanzministerinnl und dem :)ielch»:oirtschaftsministeMm Vorbesprechungen über Mas;» nahmen gegen die A u s lo ü ch s e d e r Devise n s p e k ul ativn stattgefunden. Wie die „Bossische Zeitung" erfährt, sind diese Bevatnngen zum Abschluß gekonnnen'und es sei nicht auZ- . gelchlosien. daß sie beute otsiziell bekanntüv-vben 4vevden. Aus diesen Erwägungen hat China bereits in vielen Schulen Esperanto eingeführt und gedenkt es in kurzer Frist allgemein lehren zu lasien. In der O p i u ut frage hat China alles getan, uw die Haager Konvention von 1912 durchzuführen. Es hat den Handel mit Opium verboten. Und tatsächlich haben viele Opiuiimtucher von ihrer Leidenschaft abgelassen. Wer dennoch OpiuUr rauchr, wird dem Gesetz entsprechend bestraft. Es wird China sehr schwer gemacht, dvn Opiumhandel ganz zu-unterbinden, dennin den angrenzenden Ländern und Kolonien gibt es Staatsmonopole, welche die Opiunrerzeugimg' fördern. Daher wich viel Opium in Miseren Staat cingesch mu g ge l t. Eine andere Beschwerde. besteht wegen der, geheimen Einfuhr von Morphium. Morphiuminjektionen sind zehnmal verderblicher als das OpiumvauchKi, unserem Volke droht von diesem Gifte buchstäblich Verseuchung! Im Namen meiner Regierung habe ich daher den Völkerbund angerufen, er möge' von den Nachbarländern - die st r.e n g st e Durchf ü h r u n g des § 9 der Haa>ger Konvention sordexn. In diesen Sinne habe ich cher fünften Kommission des Völkerbundes, einen Bejchlußantrag unterbreitet, i-er -e i-n ststmt» M; L angenommen wuchjL. '