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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-10 · Heft 1316 (10.10.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1316 (10.10.1922)
Date
1922-10-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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* ^' > ‘ ti “ t i,^f§r'/, 4;, * * 1 ' * 1 * '' . , ( , t CinzBlonmnier LNM Wies: Zam Abbolen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, vder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 30.000 Mit Postversand für Wien u,: Oesterr. monatl. - K 30.000 Ts ch ec ho-S 1 owak e i;. Mon. K20. Ungarn: Mon, ' K 600. Jugoslawien: Mon, Dinar 30. Polen: Mon,* Mk. 2ä00. Deutschland: Mon. .Mark 300. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 lag* Nachzahlungen ^WB bei Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1316 iw Tschsche»9lowiksl * tschech. K 1.?0 Italien: Monatl.' 10 Lire : Rumänien, Bulgarien: Monatl. 60 Lei berw. ]Lewa Schweif und das Übrige Ausland monatlich F?CS. 3. Redaktion u. Administration Wien, Il.j J’aborstrasae i— 3 Wien, Dienstag» IO; Oktober 1922. Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 1{6>301. Tel.-Adr.: ,Morgcnzeitüng“ Wien , Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr..150.693 4. Jahrgang Rettung oder Untergang. —7. W i e n, 1v.'vklober. In dieser Woche werden sich die Parteien des österreichischen - Mlionälrates über ihre -Stellungnahme zu den Bedingungen 8er Genfer Protokolle schlüssig werden müssen. Die Stüdienkonmnssion des Völkerbundes, die am. 17. Oktober in Wien eintrifft, wird mit der Regierung und den Referenten des Finanzmmisterimns das Finanzprogramin durchbe^aten, das in erster Linie die Verhältnisse in der Uebergangszeit, d. h. vis zum Einfließen der Kredite, regeln soll. Es wird also notwendig sein, daß die parlamentarische Situation bis dahin so weit geklärt ist, daßmmn erkennen kann, ob die in Gens geforderte zweijährige Blanko-Vollmacht für die Regierung erteilt werden wird oder nicht. Die Christlichsoziale Partei, der die Mehrheit der Kabinettsmitglieder angehört, wird keine Schwieriäkeiteil machein Die- Grotz- ' ' cv , deutsche Partei ist in einer eigentümlichen Lage. Presse läuft täglich Sturm, gegen die Genfer Bedingungen, ihre Minister akzeptieren sie. Der Vizekanzler Dr. Frank, einer der Vertratlensniänner der Parteien der Regierung, hat den aus der,Schweiz zurückkehrenden Bundeskanzler mit einem Glückwunsch zu den-Ergebnissen seiner Reise begrüßt. Die Partei wird es, wie man annehmen'kann, im Plenum des Nütionalrates bei einem Protest be-lvenden lassen und im übrigen mit der christlichsozialen Regierungspartei stimmen. Die Sozialdemokraten haben sich noch nicht endgültig entschieden.' Sie überlassen das entscheidende Votum' ihrem Parteitag. Es -wird erklärt, daß die Führer der Partei erst noch die Einzelheiten des Berichtes des Bundeskanzlers abwartest, ehe sie ihres: Standpunkt klarprcmjierm. Es>smdnst!dieser Partei dtzntlich Lver-Sirö- -MWMWßWWDtzMeWMWMMMWW^ dre^Pe^M'^'MttWsführen/ am mbristest Frage des Finanzprogramms und der Mnanzköstkrolle unter 'dem Gesichtspunkt behandeln will, ob nicht die Reform des Staates auf eine" 'MiM/We'ise; erreicht, werden köttnte; sollte sich dies als, unmöglich erweisen, so wäre das Genfer'Programm, da es sich unr eine Staatsnotwendigkeit handelt, anzunehrnen.-Die andere Strö- . mung ist radikal; da ihr das führende-Organ der Partei, die „Arbeiterzeitung", zur Verfügung steht, so dringt^ ihre Stimme viel starker hinaus. Dürfe Gruppe operiert unt 'den stärksten Worten. Sie haranguiert die Bürger und die Bauern, die „schmähliche Kapitulation" nicht zuzulassen. Ist diese Haltung, sind diese Worte Theaterdonner oder ernst? Wahrscheinlich soll durch solche Beschwörung der, opbortnnistffche Flügel der parlamentarischen Fraktion an allzu weitgehenden Kompromissen gehindert werden. Aber es ist doch Möglich, daß die aufgeregte Betrachtungsweise des Zentralorgans von der Majorität der Partei angenommen wird, daß also der Stoß zu weit gerät und daß-sich die Partei dazu entschließen muß, die Genfer Bedingungen abzulehnen. Was dann?-Ist die Sozialdemokratische Partei wirklich in der Kage, dem Staat nicht nur mit Ratschlägen,-sondern auch mit einem akzeptablen Vorschlag beizuspringen, damit er die Beamteu abbaut, die Notenpresse einstellt und die- Staatsbetriebe aktiv macht? Hat sie für den Fall ihres Sieges ein Programm bereit, auf das sich auch die Bürger und, die Bauern stellen könnten? Oder müßte nicht vielmehr eine Ablehnung der „Kapitulationen" zu einer Situation führen, die die Sozialdemokratie nicht meistern kann? Die Entwicklung Ungarns, das seit der KarolyisckM Revolution durch die Proletariatsdiktatur bis aufdas Horthysche -Galgensystem gekommen ist, ist, wie wir meinen, eine genügende Warnung vor solchen: Radikalismus, der nur zu einer Stärkung der Reaktion führt, und dessen Kosten nicht die Reichen, sondern, die Arbeiter bezahlen. Der intransigente Flügel, der österreichischen Sozialdemokratie -hat schon allzu, viel Unglück angerichtet. Von ihm ist-die Paroleder Lebensunsähigkeit Oesterreichs ausgegangen und gemeinsam mit den Großdeütschen verarbeitet worden. Von ihm ist der Internationalismus zurückgeschoben und durch' einen deutschnationalen Chauvinismus ersetzt worden, aus dem die asttisemitische und antislawische Propaganda der Völkisä)en zu einem großen Teil ihren'Bedarf an zugkräftiger:Schlügwürten bezogen hat. Die geistige Ver-Wandtschast, die hier besteht, hat.sich wiederholt zum Unglück des Staates erwiesen, und es entsteht jetzt die Frage, ob die vielen demokratischen Elemente, die zur Bekämpfung der Reaktion sich der Sozialdemokratie. angeschlofsen haben, auch diesen neuesten Kurs mitmchchen wollen, der zunächst zur blutigsten sozialen Revolution, dann aber zur Zerstücke- /lung Oesterreichs 'führen muß. Die .vielen jüdischen An- Mgex^ Sozialdemokratie.!ne trotz afe Unfreund- Die Lage Mieder kritisch. — Eine Demarche der Alliiertetz» . London, 9. Oktober -Dps' ^Reutersche Bureau meldet unter dem gestrigen: Die Türken haben die neutrale Ao n e.b ei Is m i i> v ertetzj. Eine D»v isiost hat die Jaremdjrk-Linie sthersMitten^ und Karajastij b e s est t, während Kavallene M Schile an her K üstr d e s Sch w a r z e n Mestr 'e.st pprgebruygen ist. Diese Truppenbewegungen .ideS.' B e r sp r echrns, zwecks Vermeidung eittes Zwischcnfallcs» alle Bewegungen zu unterlassen. DiststkanMischen und italienische» Generale haben Jstnet Pascha ein Schreiben j»es Generäls Harrington.MLLxeicht,' ist hestr: aus den ernsten LhaxÄter dieses Bruches des ^Bersprechens Kemals und der pösiiiden Zusage Jsmets htngewiesen ünh erklärt Wird, daß die Verantwortung für die Verletzung der neutralm Zone auf seilen der Türkest liM, ha die britischen Truppen größte Nachsicht an M Tag'gÄegt nyd im übrigen die Mächte jetzt zugcsiiurmt HLÜen, die Besetzung Thraziens durch die türkische Gendansterie innerhalb eines Monatszu gestatten, votätzsArfttzst Hatz sich die Türken ans der neutralen Zone z nrÄ ck^z i e h e n. Infolgedessen ersucht General Hätringiost,) Jschet -Möge die türkischen Streitkräste zurückziehen, da sonst die-Folgen auf die Nationalisten falle» würden. - - , Wellers wird ans TsHrstak beüchtet, dich an Stelle der Kavallerie in der dortigest - Getzend Infanterie eingesetzt worden ist. Am 3 sthsthraMe der Adjutant Jsmets ein chchreiben des letzteren an^ General Harrington. Dieser ) jgtzt - hie Instruktionen her britischen Regse^ Wlfene^startest ferestz," M ^^äus WÄWnäHmma^ stiWseWMr, wurde däher - bis znm Abend, verschoben und» esi? wurden Z e rftöret nach Konstüutinopel gesandt, »m-die feWnden Jnstuckttonen zu holen. "' Bor ewe« Kabi«ettswechsel itt - E«gla»d? ■ London, 9. Ollobec. Wölfs.) Der Wütische Berichterstatter des „Observer" kommt tn eineul Artikel ans das Fchlschlagen der Orrentpoliti?' L l o y d G e o r ge s zu sprechen und -fördert den Rücktritt Äs-PrAnierln-inifters. §üese Haltung' des Blattes, das bisher. §u. den Irenesien Züchangern.''des.' Premierministers gehörte, wird Ist der übrigen Presse viel kommentiert. -, -Nach der Mitteilung ' des „Öbserver" herrsche, unter Sen Uniönisten aller Schättierungen - jetzt der -allgemeine Wünsch, die Koalition -in der jetzigen Ärt zu beenden und von der Koalition >der Liberalen getrennt zu marschieren, selbst wenn beschlossen werden sollte, vereint' zu schlagen. Die Uniönisten wollten nicht, daß Alotst.George in'frtzendeiner 'Weise Äs Hr Führer'-istscheine..Nismgnd.eWiartet,. daß Lloyd George -nachden allgemeinen Wählen Premierminister'ble-ibe.- Unter wiesen allgemeinen. Wählen Premierminister' Umstanden wäre cs für/den Preinierminifter selbst besser,'wenn' -er'.-jetzt? ging«.'-Es wird angenommen,' daß,' falls Lwyd Wovge vor'- der Äbhaltung her Neuwahlen zürücktveten sollte,.. Chämberlain 'mrfgefordert Müde,' dst-ÄegienMg: zu' Äermchnstn.-. - Kie ResvlE»« des Rrw-Borker B««Lterkoagresie». Paris,.9. Oktober. (Tel. der „Sr. Morgenztg") „Petit Parisien" erhält ,a-u§ New-Aork die' Nachricht,,'daß der Kongreßder Mstriewereinigurrgen. die , folgestde- Resolution: angenommen.habe: 1. Die Blmdesregdemng muß in kürzester Zeit dafür sorgen, daß der ämerikanische Delegierte bei der Repavationskommiffion nicht mehr offiziössondern als voll- L e r e ch t i g L e s Mitglied au den Beratungen tellrwhmen kstmr, 2. der Kongreß muß die Vollmachten der Schuwenkoimnisiion erweitern, damit diese wirkungsvoll mit den Schuldliernationen^ verhandeln kamt,.8. Präsident -Harding muß darauf hinwirken, daß der neutrale Zolltarif in einigen Teilen geändert'werde, damit der internationale Hanhek wieder belebt wird', 4. die, Bilndespotitrk muß stch -mit einer Politik einverstanden erklären, Vre es Anterikt erlaubtan dem wirtschaftlichen Wiedermffban Europas teilzunchmen. Die -Bereinigung der Bankiers vertritt durch ihre Mitglieder die Ansichterr der -Finaupvelt und repräsentierte Mo, geschlossen die Finanzmacht'.der Bereinigten Staaten. Aus diesem Grunde-ist die Resolnfior sehr wichtig. / ' Die GntrevAe Benesch-SchüAzcr Mailand, 9. Olio-str. .(S* l.-Komp.) Heute: vormittags begannen im Hotel, Danie'lo in Venedig die Besprechungell zstuscheu dem isch^chlschen 'Alchwtiliinlster. Dr. Benesch,, der in Begleitnstg des' italienischen Gesandten in Prag erschienen . war, und dein italienischen Außenminister Schanzer, in. dessen Begleitung sich der tschechische Gesandte in Rom befand. Die Besprechungen werden verschiedene, keidl Länder interessierende politische rurd. wirtschaftliche Frager zum Gegenstand haben. ' ,'Wre"srA«zö,fische5K«Mrtter. Päris, ,9. 'Okkohestb DouMrstatz ireten Kauuner .und Senat' zusammen. In der'Äammer wird die parlam^ntari- , sche,' Zession mit eurer großen politischen-Debatte uayrentlMüher chie'äußcre Pülitik' beginnen. Seit dem / Schlüßler -iäptt -JuterpellatiopMein-. gMaMswördvn- Wmnstr Md des Radikalen Margaiue über" . cii^erse-;^1)11111*.^^ $ß: 9101)01^«: Leon. Dchldet, übercheir bolschewrkischen Mstflüß ist Frankreich, hes Sozialisten Leon Blum über die Reparationssrage, des Konrurnnisten Cachin über die äußere PoW und Georges- Mandels über die allgenreine Hölstik., Die Debatte über die erwähnten Interpellationen dürste die Sitzungen vom Donnerstag nnd Freitag rmd wahrscheinlich die ganze nächste Woche in Anspruch nehmen. Man hofft, Dwnstag den 24. d. mit der Beratung des Budgets beginnen zu können. In der Kammer sind .30- Sitze sreigeworden. Tie Zahl der-Deputierten beträgt demnach augenblicklich. 39''» statt 626. - - - . Das ParLMna-Mandirt Englische Denkschrift über den Schutz der Heiligen Stätten. Gens, 6. Oktober. (Tel, der „Wiener Morgenzermerg".) In der gestrigen' nrchtöffenlllchen Sitzung des Völkerbundrates legt Lord B a l f o,n r eine englische D e n k sch r i ft mit Vorschlägen über die im ArtikÄ 14 des. Paläftina- -Ma>«dcktes vortzeseheste' Kommission für, die. Heiligen Stötten vor. Ans Mer abends vpm- Völlerbu ndsstkretariate veröfftntlichten MrttMing geht hervor, daß es, zu einer Einigung Mer' die englischen Vorschläge n i ch t g ck o ut m en ist. Die Verschiedenheit - derpolitische,: und' religiösen Interessen sowie die Rivalität dDe verschiedenen religiösen Gemeinschaften imtewinalnder nlachten, wie es in Mitteilung heißt,.eine sofortige Lösung nnnröglich, so t-aß Lord Balfour auf seinen Vorschlägen nicht' beharrte. Er forderte die anderen Rätsnritgliöde'r auf, sich nach ' Kräften für die Ueherwindung der bestehenden Schwierigkeiten emzusetzen.. Aentzernngen Tschitscherinö. .. Warschau, 8. Oktober. (I. C,. B.) -Der Kymmissat für auswärtige ArMsgeHert-en' .der' MöMner Reg'ierWg, T f ch i ts'ch e ri n, äußerte sich wH«Md,lse-ines'.-AufcnHaltes m Warschau gegenüber Vertretern der Warschauer jüdischer:- Presse - über 'seine Bezichnngen zmn Zromsnms 'lichkert,' mit der -sie von /den Führern ihrer Parte: behandelt werden,' jede Phase getreulich mitmachten, müssen sichjetzt. sagen, - daß' die laute oder stille Zustimmung zu dieser Taktik auch ihnen Verantwortung auserlegt. > Die Annahme oder Ablehnung des Genftr Protokolls entscheidet über weit wehr als die österreichische Sanierung'. Es-handelt sich um einen Versuch der-Konsolidieruüg .inr Zeniru:n Europas. Der Völkerbund, der die Republik unter die Kontrolle eines ihn: verantivortlichen 'Generalkonnnissärs stellt, will damit sagen, daß er das Reformwerk ans den Parteienwirrei: heraus- Lebest will, weil es mit ejn wesentlicher, Wt., des Friedensprogramms für Europa ist. Wir haben gesehen, welche politische Crregustg die Ausrollullg'der österreichischen;- Frage Heworgerufen chat. Alle Staaten mußte:: ' die Ueberzeugung aüssprechen, daß Oesterreich im Interesse des Friedens erhalten werden müsse. Sie wollen - helfen, seinen- Haushalt wieder iw Ordnung, . zn bringen. Die : Hilfe kann nur gelingen,' ivenn sie in has Politische Bewußtsein der österreichischen BtzvoWrung ausgenommen und von ihr unterstützt wird. EM Sabotage des Werkes. aus Gründen des oder jenO^KDteidogrnas würde der Partei rnchts,.-Hessen,'aber Oesterreich tzgüends y v‘ y' - ' « -' '

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