Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1315 (9.10.1922)
- Date
- 1922-10-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980395--12459-2999012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■€ 11 1 , 1 * w r 1, w , ' > < /i ■* Klnzelninunerk700 iWieh: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, ''oder in einerVerschleisstelle {(Trafik) monatl. K 30.000 {Mit Postversand für Wien u. [Oesterr. monatl. K 30.000 jTschecho-Slowakei s iMon. K20. Ungarn: Mon. . iK 600. Jugoslawien: Mon, Dinar 30. Polen: Mon. ‘!Mk. 2200. Deutschland: |Mon. Mark 300. Frankr., Belgien: Monatl, Frcs. 8 'WG* Nach Zahlungen “WU bei Preiserhöhungen Vorbehalten rsefiechö-Slbwakel) tschech. K 1a20! Italien: .Monatl. 10 Lire1 Rumänien,. Bulgarien:! Monatl. 60 Lei bezw. Lewa,' Schweiz und das übrige, Ausland monatlich Frcs. 3.! Redaktion u.Adminii tratiön! Wien, II., Taborstrasse 1~31 Telephone: 44-0*38,43-3,-J9, l ab o Uhr <abends 16.-3Q1;. Tel-Adr.: »Morgenzeitung“ ■ . - Wien Oesterreichisches Pöstspärkassenl^onto Nr.. 150,693 wm 9tr. 1315 Wie«, Montag, 9. Oktober 1922 4. IaHrgangj Die Annahme -es Genfer Abkommens gefährdet? Heftige E)pp,fition der Sozialdemo- *" Krate«. Me die 5korr. Herwei «eldet, stellen die Genfer Vereinbarungen nach der Auffaffung rer Fachmänner auf dem Gebiete des Derfafsungsrechtes vor allem mit Rücksicht auf das verkürzte Budgetrecht und die zu gebende Generalvollmacht eine Verfassungsänd er u n g dar, zu deren Zustimmung bei Anwesenheit von mindestens der Hälfte der Mitglieder des Nationalrates die Zweidrittelmehrheit notwendig ist. Das Uebereinkommen könnte also nur wit. Zustimmung aller Parteien ratifiziert werden. Darin liegt der Angelpunkt der ganzen politischen Situation. Oh es möglich sein wird, alle Parteien auf das Sanierungsprogramm zu vereinigen, das den Genfer Bedingungen gerecht wird und gleichzeitig den Nahmen für die der Regierung zu erteilende Vollmacht abgeben kann, das ist vorläufig noch eine offene Frage. , Dazu ist zu bemerken, daß die Sozialdemokraten m der gestrigen „Arbeiter-Zeitung" eine heftige Opposition gegen das Genfer Abkommen ankündigen. Die, ,,A.-Z." schreibt u. a.: „Die ungeheure Anstrengung, die notwendig ist, unserem Volke die schmählichste Kapitulation zu ersparen, ist nur möglich,.wenn es in diesem Lande noch Bürger und Bauern gibt, die Mit uns bereit sind, lieber die notwendigen Opfer freiwillig zu bringen, als sich sie von einem fremden Zwingherrn aufzwingen zu lassen. Wo sind sie, die deutschnationalen Intellektuellen, Lehrer, Beamten? Das Selbstbestimmungsrecht, eines deutschen Stammes ist in Gefahr! Wo sind sie, die sreiheitsstolzen Bürger und Bauern? Ugser Volk soll unter die Herrschaft von Tschechen und Welschen fallen! Gibt es nur noch Finke und Franke in diesem Lande? Die Arbeiterklasse wird bereit sein, die große Anstrengung für die Rettung unserer Freiheit zu wagen; ist sie allein?" Die Fortsetzung des Prozesses gegen die Rathenarr-Mörder. Berlin, 9. Oktober. Wie die Blätter melden, wird der Staatsgerichtshof.-in Leipzig heute um 9 Uhr vormittags die Verhandlung wiedbr aufnehmen, da das Befinden der erkrankten Angeklagten sich so tveit gebessert hat, daß sie. der Verhandlung wieder beiwohnen können. Die chemische Untersuchung der Pralinees hat bisher ergeben, daß diese präpariert waren. Durch die polizeiliche Untersuchung wurde weiters sestgestellt, daß die Schokolade, die Warnecke und Jlsemantt übersandt wurde, nicht aus einer Schokoladefabrik, sondern von anderer Seite stgmmt. Es wurden umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen, da man für heute neue Attentate auf die Angeklagten befürchtet. Zuhörer werben nur in beschränk-' 'lern Maße gegen polizeiliche Legitimation eingelassen. Das neue tschechische Kabinett. , Prag, 8. Oktober. Die tschecho-slowakische Presse begrüßt die neue Negierung, die der vollkommene Ausdruck des parlamentarischen Stärkeverhältnisses sei und die Gewähr in sich trc?ge, daß die großen wirtschaftlichen und politischen Aufgaben, die ihr obliegen, gelöst werden. Gestempelte Krone Auszahlung Wien . Ln Zürich notierte!kie österreichische Krone . . . die öslerr. gestempelte Krone. die tschechische "Krone . . . . die Mark., Agram . . . Y.f. . . Bukarest . . . .'''.V1; . . 6ößa . « « » »^» » » BudapestV.".,’. . . MärlckauV.*^v - i —,G07/S Centimes. —.OO3/* Centimes. o.oo5/i 0.007. 18.25 0.22y8 2.T- 3.30 3.40 V.21 V.0S7. ( 0.00V* ( 0.007, (18.05 ,( 0.24V* (2.- (3.40 (3.40 (0.21V, ( 0.057* am am cm cm am am am am am 7. Okt.) 7. Okt.) 7. Ofct.) 7. Okt.) 7. Okt.) 7. Okt.) 7. Okt.) 7. Okt.) 7. Okt.) Athen, 9. Oktober. (Hnvas.) Der Ministerrat hat beschlossen,' das Telegramm Benizolos' in Erwägung zu ziehen. Die Regierung nimmt die Räumung vo n. O stthrazien an und wird die Verhandlungen lediglich bezüglich der Frist der Räumung weiterführen. Widersprechende Meldungen von der neutralen Jone. Konstantinopel, 8. Oktober, 21 Uhr. (Havas.) Das britische H a u p t q u a r t ier teilt mit. daß nationalistische Reiterei und I n f a n t e r i e bei I smiddie neutrale Zone überschritten haben. v - . Demgegenüber hat General Harrington nach London gemeldet, daß durch die Missionen und. Kommissionen der Alliierten sowie durch Erkundungsflüge der Militärflieger sestgestellt wurde, daß in Thrazien und der neutralen Zone O r d n u NL h errsch e. Wiedereröffnung der Konferenz von Mndania. Paris, 9. Oktober. (Tel.-Komp.) Die „Chicago Tribüne" erfährt 'aus Konstantinopel, daß die Konferenz von Muidanra gestern wieder eröffnet wurde. Ismid Pascha erklärte, daß die neuen Vorschläge der Alliierten über die thrazrsche Frage ihn persönlich b'e fr i e d x g e n, daß er aber zuerst seiner Regierung Mitteilüüg Machen müsset deren - Antwort er heute erwartet'. . ■■■ - Das Pariser riebereinkvmmen . » , ratifiziert. London, 7. Oktober. Das britische Kabinett hat heute das Ueberemkommen zwischen Poinearä und« Lord Curzon bezüglich Thraziens ratifiziert. Nach Schluß der Kabinettssitzung wurde ein amtliches Kommunique ausgegeben, das die bereits bekannten Abmachungen aufzählt. Das Abkommen wird dem türkischen Delegierten in Mudania eingehändigt werden. Es wird jedoch nur dann wirksam werden, wenn der türkische Delegierte auch die übrigen in der Note der Alliierten vom 23. September 1922 enthaltenen Bedingungen annimmt, insbesondere die Bedingungen hinsichtlich der neutralen Zonen an beiden Küsten des Bosporus und in den Dardanellen. / E - •* M Hungersnot in Athen. Athen, 8. Oktober. (Havas.) Der Ministerrat beschloß, den'Delegierten in Mudania die Weisung zugehen zu lassen, daß sie in der Frage von Thrazien nur bei einstimmig gefaßten Beschlüssen der Alliierten nach geben sollten. / ' V ' Ein von Venizelos eingelangtes Telegramm gibt den Rat, die Haltung unbedingter Unnachgiebigkeit aufzu geben. In Athen herrscht allgemeine Bestürzung. ' - „Chicago Tribüne* meldet aus Athen, daß dort eine Wasser- und .Lebensmittelnot. drohe. Die Zahl * der in Saloniki angekommenen Flüchtlinge aus Kleinasien beträgt nach Blättermeldungen 150.000, die Zahs der im Piräus Angekommenm 25.000. Unter den Flüchtlingen seien Cholera und Typhus aufgetaucht. 35.000 Menschen seien aus der , Insel Samos vom Hungersnot bedroht Lebensmittel seien unterwegs. 'V. König Konstantin rechtfertigt sich. Paris, 9. Oktober. (Wolfs.) König Konstantin hast einem Vertreter des „Petit Parisien" erklärt, seine Abdankung s ei elr Wg ü l t i g. Die Ereignisse, die sich jetzt in Griechenland vollzögen, könnten seiner Politik nicht zur Last gelegt werden, sondern eher der der veni> zeliftischen Regierung. Venizelos habe Griechenland in cm Abenteuer von großer Ausdehnung gezogen, ohne du. notwendigen Garantien erlangt zu Haben. Griechenland allein habe'die Anstrengungen nicht durch, führen können, die.der Kampf in Kleinasien erforderte.. Zuerst sei es Mandatar? der Großmächte gewesen und zuletzt ohne ^jede Unte^tützung von seiten der letzteren ge,, blieben. Die Engländer entwaffnrn Konstantinvnopel. ' Paris, 9. Oktober. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Könstantinopel sollen'gestern abends die Engländer sämtliche Waffen der Konstantinopeler Stadt-? und Hafonpolizei beschlagnahmt haben. Die Abbeförderuw' der Frauen und Kinder dauert an. i - Lord EsrzoA ist zuversichtlich. London, st. Oktober (Tel.-Konch.) Lord Curzon, dev gestern in Londorr eiisgetroffen ist, erklärte Pressevertretern gegenüber, daß in Paris ein günstiges Abko m men getroffen worden sei. Ällevdings bestehe noch viel Zünvstoss im nähen Osten.'Das Zusammengehen mit Frankreich und Italien iverdc es aber möglich machen, den Gefahren verzubengen. . . % Lord Curzon wivd heute früh eine Besprechung mit L l o h d George haben. Nachmittags um 4 Uhr findet ' ein KabiMtsrat statt. . . . - Französische Enthüllungen über den Ansbruch des Weltkrieges^ ' Zar Nikolaus und Kaiser Wilhelm. Paris, 8. Oktober. (Havas.) In einen: Interview mit einem Atitarbeiter des Blattes „Exzelsior" erklärte Paleologue, der im Jahre 1914 französier Botschafter in Petersburg war: „Bis zun: letzten Augenblick glaubte der Zar nicht an die Möglichkeit eines Krieges und an: 20. Juli 1914 hatte er sogar gesagt: „Kaiser Wilhelm ist ein Charlatan, doch halte ich ihn nicht für toll genug, um gleichzeitig Frankreich, Rußland und Englaitb anzugreisen. Am 29. Juli richtete der Zar an den Kaiser eine Botschaft, worin er.ihm empfahl, dem Haager Gerichtshof das österreichische Problem regeln zu lassen. Der Zar erhielt keine Antwort, worauf er an den Kaiser ein Telegramn: richtete, worin er ihn: ohrenwörtlich versicherte, daß während,der ganzen. Dauer der diplon:atischen Verhandlungen die russischen Truppen keine. Provokation begehen würden. Deutschland erwiderte ■ mit einer Mobilisierungsorder. Nichtsdestoweniger telegraphierte der Zar nochmals und ersuchte hei: Leiser, die Verhandlungen zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens fortznsetzen* Der Krieg brach aus und sechs Stunden nach der Kriegserklärung telegraphierte der 'Kaiser dem Zar, es hänge nur von letzterem ab, den Konflikt anfznhalten." Der StreLK in Havre beendet. Paris, 9. Oktober. (Wolfs'.) Wie „Journal inbu-' aus' Havre'meldet, hat das Streikkomitee der Metallarbeiter nach. 110 tägiger e r f v l g l o s e r A rb eit - r u ü e den Streik für beendet erklärt. Poinearö> der Unentwegte. Oie OrienkpolttiK Frankreichs. , Paris,-8. Oktober. (Havas.) Anläßlich der Ein» weihung des Kriegerdenkntals in Baucouleurs hielt Ministerpräsident Po in ca rä eine Rede, worin er sagte, daß. seit Menschengedenkcn kein Krieg härter für die Sieger und kein Friede milder, und liberaler für die Besiegten gewesen sei. Frankreich verlange heute nicht, daß die Friedensbedingnngen verschärft werden, aber es wolle, daß sie erfüllt werden, und es wünsche die Wiedergutmachungen zu erlangen, aus. die es einen Anspruch Habs. Es wolle uttb fönnc jt ch keine n c u e n Z n g e st ä n d n i f j e abzw iilg eu l a sseiü ' Frankreich, fügte Poincarö hinzu, würde aber auch nicht einwilligen/ seine großen, jahrhundertealten Interessen im Orient nufzngeben. ES will sein Mandat im Libanon und^ Syrien ausüben, es hält die Freiheit der Meerengen für unerläßlich für die ganze Menschheit. Der Redner schloß: Als wir jüngst in Meaux dev Jahrestag . der. Marneschlacht begingen, haben wir gcs schworen, daß. wir die uns versprochenen Wiede r g it t{ m a ch n wg e n zu,, fordern wissen würden. Um die auswärtjge Politik Frankreichs in ihren Grundzügen vollende festzüsetzen, wollen wir heute diesen Schwur ergänzen nn^ uns verpflichten, d a ß w i r u n s e r e A n st r e n g u w gen v e r d o p p e l n, um der Menschheit neue Hekas tomben zu erspären. ' - -:•■■■ :t. " # y. .ü1;: t! L