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Wiener Morgenzeitung · 1922-10-05 · Heft 1311 (5.10.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1311 (5.10.1922)
Date
1922-10-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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'HW^''Don'WW 5. Oktober 19SS Der Prozeß gegen die Mörder Rathenaus. ' i. Die Brigade Ehrhardt. Leipzig, 4. Oktober. In der heutigen VerhaMuug im N a t h e nau -- P rb z e ß wurde der Angeklagte Ernst Merner-Techow vernommen. Er sagte aus, er habe ^-omerlei tzolitrschen Partei angchört, -Wohl aber der Organisation E. Für diese Organisation sei er gereist und er habe AufwattdgÄder von ihr erhalten. Weitere Aussagen darüber der w e i g e r t eer. Sem Bruder habe chm von dem Plan des Gymnasiasten S tu der rauch. erzählt, Rathenau zu ermorden. Hjrt Günther jü darüber gesprochen worden, abernicht in dem -Sinne, daß eö wünschenswert tväve, die Tat , auszuführen. Auch habe man sie kaum für ausführbar gehalten. Spater habe er Kern und Fischer kennengelernt, die . sich als Mitglieder der Ehrhardt-Brigade vorgestellt hätten. Techow Hecke sich örhoten, sie durch seinen Bruder mit StubenrauchzusamWnzubringen. Kem, der Mvende Teil, habe dann Techow verpflichtet, ein Auto zu steuern, das zur Befreiung eiües im besetzten Gebiete verhafteten Deutschen Neuen sollte. Es sei daun.die Fahrt nach Dresden und Freiburg angetreten wordeir. In Dresden habe er Bredt getpofstn, ' der in Fveiburg mit dem Fabrikanten Küch^nm>eifter verhandelt habe. Bon Kern sei die Schweigepflicht auferlegt worden. Er habe Kern als Vorgesetzten betrachtet,- J-n Dresden hätten sie das Bureau des Beveiwes-'-^atimU'' gesinnter Soldaten besucht. EMrch hqttenrsie.am Bahnhof in Dresden, das Auto vorgefupdcn. Küchenmeister' habe seinenr Chauffeur die Papiere abgenpmmcü/dre für den Ausweis über den Besitz eines Autos nötig sind,- und. sie- Techow eingehäNdigt. Von einer Ermordung Rerthenaus sei nicht die Rede gewesen. In Berlin hätte Techow das Auto in einer Garage in der W'ckmers- Hrferstraße untergebrachl. 7 , Techow sagte weiter aus, am 2\. Juni seien er, Kern mnd - Fischer, zu denen später Günther gekommen sei, mit der^Au-to Mch Njkolshöhc gefahren. Hier habe Techow ccksÄts Kaffe getrmäen und an deM Wagen eine Reparatur vprgonmnmen, während die drei anderen im Walde Schießübungen Vornahmen. Letzteres habe er aber erst später e-rsilhren, er hätte auch Waffen nicht gesehen.'Später seren sie in der« Richtung auf Hündekohle gefahren, wo Kern und Fischer'ausgestiegen seien, während Techow den Wagen nicht verlassen hätte. Am nächsten Tage habe er Kern, Fischer und später Günther in der Staiddt herumgyfahren. .Sie hatten anr Tempelhofer Ufer den jüngeren Techow getroffen.. : . .Her Angeklagte Techow erklärt weiters, beinr . Besuche "in Berlin -sei ihm in der Wohnung,-in der Kerneinquar- Hevt. tvar,.^das verhüllte?1?aschiNengewehr ausgefallen. Auf die Fvagä/.wozu ^s diene, habe Kern sich geäußert, daß die Lage Deutschlands nur durch die Errichtung der nationalen Regierung gebessert werden könnte, die durch innere Unruhen '. erreicht tverden müßte. Techow' habe daraus entnonchr^n, haß es.sich uni Beseitigung eines republikanischen Fühpetzs handle, und glaubte, daß es auf Beseitigung eines Führers, der Linken abgesehen sei. Später sei * über Rathenau gesprochen worden, den Kern als schweren Schädling bezeichnet. Ravhenaus Schwester sei mit Radek Verheirakk. Rathemm beabsichtige, die gesamte Produktion upd Industrie in die Hände der Juden zu bringen. Sein Abkommen mit Frankreich begünstige die Entente und müsse Ärn Zusamnvenbvuch Deutschlands hevbeifühven. Bei dieser Gelegenheit, sei . viel getrunken worden. Schließlich habe -Techow dem Kern das Ehrentvort gegeben, daß er bei dem Attentat Mitwirken wurde., ' , Auf eine Anfrage erklärte Techow, daß sein Großvater mit Rgchönvu tm Anffichtsrat der A. E. G. gesessen und Mch in der Berlmer Handelska-mmer mit ihm zusammen tätig gewesen sei. Auch einer seiner Onkel hatte Beziehungen zu Rathenau gehabt. Es sei beabsichtigt gewesen, das Auto Rathenaus zu überholen. Ms dies geschehen war, Hörte Techow 10 bis 15 Schüsse hmtereumuder fallen. Ein dritter Mörder. G r a z^ 4. Oktober. Die «TagespostE«el- M aus Belgrad : Nach eiuer Melduug aus E s s e g g «urbe festgestevt, -atz fich dort ei» Ingenieur namens Ko«rad BIo& aufyehakte« habender bei der Holzpr«a„Lea«d,a" chugestellt war. Vor eiuigeu Tage« habe er de» Besuch zweier Reichsdeutscher erhalten, die ihm eiue große Meuge Geldes zur Derfliguug gestellt hätten. Bald darauf feien zwei deutsche Detektivs au- Zekommen, doch sei V l o ck recht z eit 1 g e » t t o m m e n. I» Block sei ein d r i t t e r Teil neh mer an der Er« o rd »« g deS deutschen Ansienministers R a 1 h e u a « erkannt wordene Die Konferenz von Mudania. Paris- 4. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzertung") Die Konferenz von Mudaniä hat nach einer Besprechung NI,. Srtiotfenfeldgasse Zf «— Telephon 39-1-03 >» ■« GRÖSSTE AUSWAHL IN LUXUS- UND STIL- MÖBELN GEBOGENE SESSEL MÄSSIGE PREISE 440 der verbündeten Gonevale Har rington, Caa r p i e und Monbelli gestern um 4 Uhr nachmittags zwischen den Genannten und General'Jsmed Pascha begonnen. Die Beratungen wurden jedoch nach' kurzer Dauer auf heute vertagt, da der griechische Delegierte :wch nicht angekommen war. General Harringtmr hatte erst noch Sondevbesprechungen mit den türkischen Delegierten über die Räumung v o.n Tscha na k, da nach englischer Auffassung diese Frage getrennt von den übrigen zu behandeln sei. - Lord C urz o n hat dom französischen Gesandten mrtgeteilt, daß General Harriugton beauftragt sei, folgende Forderungen in Mudania vorzübriugen. 1. Rückzug . der Türken aus der neutralen Zone bis zu einer Entfernung, die eme Beunruhigung 'der englischen Truppen ausschließe. 2. Bcrbleibm englischer Truppen am Ostufer der Darärnelken. 3. 5teine Räuumng - Ostthvaziens, solange die Angora-Regier'mg die Note der Verbündeten vonr 2Z. Deptembir nicht beantwortet habe. 4. Keine Erörterung über die'künftige Verwaltung Thraziens, da diese Frage vor das Forum der Friedenskonferenz gehöre. Die türtischcil Delegierten gingen mit folgendönr Programm zur Korsprcnz: BereiübavU'Ng einer Denmrkatiouslinie. die von den. türkischen" Truppen nicht überschritten wird, Räumung des asiatischen Davdanellenufers durch die Engländer,. äußerst-önfalls Belassung schwacher Tvuppenabteilungen, Abzug der Griechen aus Ostthvazien, Ovaanisation der Lckalverwaliunq Thraziens u-ud Uebevlmchuug des Landes durch türkische Gendarmerie. Rlltzland und die Da^dMellen. London, 8. Oktober. (Wolff.) In der Note, worin die ruffifche Sowjetregierung gegen die Wockierung der Dardanellen und des Bosporus durch die britische Flotte Einspruch erhebt, wird erklärt, Rußland habe zahlreiche Bestellungen m Europa und Amerika gemacht und.der Seetransport »ach den Häfen des Schwarzen Vkseres fei für die Mehrzahl der Waren der beste Weg. Durch die Sperrung der Meerengen hinde'Nl. die Mächte den Wiederaufbau Rußlands. Die. Froibei.t der Meerengen, für die Europa wieder Bkilt -zu vergießen bereit sei, bedeute Mr die' Freiheit' der Enttntemächte, die Meerengen in jedem AuyenMck und unter jedem Borwand zu schließen. Die russische Regierung bestehe auf der A'u f.hebungderBlockadeder Abrertzngen sowie auch der anderen Beschränkrngen, die von GroßbrrtannkLN und fernen Alliierten bezüglich der Durchfahrt von .Harckelsschiffen durch die Dardanellen und den Bosporus angeordnet worden seren. Me das Reutersche Bureau von nmßgebender Seite erfährt, sei von der Verhängung einer Blockade nichts bckaimt. Die Faszisten aus. Bozen äbgezogen. Bozen, 4. Oktober. (Tel.-Komp.) Infolge der Besetzung des Rathauses mrd des Schulgebäudes von Bozen durch di» Faszisten hat der Gonreindevat die Gesamtdemission überreicht, was der italienischen Regierung sofort nritgeteilt wurde. An der Spitze der Verüvaltung steht mrnimehr Dr. Guerrevi, der zusammen mit dem ZivilkonMissär Dr. Gotthavdi die Faszisten von der Demission unterrichtet. Der Regierungskommissär hat als ersten Akt seiner Arntstätigkrit den Faszisten die Schicken als ttaliernsche Anstalten zugeteilt unter der Bedingung, daß dort auch die deutschen Schicken unterkrmft finden. Die Faszisten erklärten sich damtt einverstanden und nach erfolgter Demobilisieru-ng zogen sie aus Südtirol ab. Tagesbericht. Die Holz- und Kohleuaktion des B«nderkauzlers. Eine 315 Mill'onen-Spende der Banke«. t Jn emer Sitzung, welche gestern abends im Finanzministerium unter Vorsitz des Finanzmmisters Segur unter Beisein des Bundesministers für soziale Verwaltung Schmitz stattgesimden hat, haben die Vertreter der Wiener Banken mitgeteilt, daß sie für die Aktion des Bundeskanzlers Dr. Seipel „Holz und Kohlen für die Arme«" den Betrag von 815 Millionen Kronen dom Bundeskanzlevrmt überwiesen haben. Die Bertreirr der Holz- und Kohlengroßfivmen halben der Aktion ,weitestgehende Unterstützung zugesagt. Bei dieser Gelegenheit wird anfnrecksam gemacht, daß Spenden iür die Aktion bejedem Postamt auf das Postsparkassenlonto Nr 9700 entgegengenommen werden; wrßevdem^hLben die Bankfirmen veranlaßt, daß bei allen ihven Filialen Spezialkcntos geführt tverden, auf welche Speüden für die „Holz- und Kohlenaktion für die Arnren" entgLgengenommen werden. - - Der Aausbesitzerftrerk. ' In den Verhandlungen der Regierung mit den Ver^ tretevn der Hausbesitzer ist eine Pause omgetreten. Hin«» gegen bildeten die Forderungen der Hausbesitzer gesterir im! Parlament den Gegenstand unverbindlicher Erörtevnngen.^ Der Unterausschuß zur Beratung des Mieterschutzgesetzes ist für heute vormittags einberusen, um die Forderungen^ der Hausbesitzer zu erörtern. ' Wi/ die Korrespondenz Herwor erfährt, verschließt sich: k e i n e P a r t e i des Mti'oualrates der Nottvendigkeit einer^ Novellierung des Mieterschutzgesetzes. Auch besteht bei deü Parteien die prinzipielle Geneigtheit, den Häüsbositzevn! e rr t g e g e n z u k o m m e n.. Freilich wurde dies durch berr, plötzlichen Ausbruch des Streiks, bei denr die Mieter' arg: in Mitleidenschaft gezogen werden sollten, sehr erschwert.: Wie von Abgeordneten versichert wird, kann von einer-Er-: Höhung der Mietzinse um etwa das i900sache, wie dies dw Hausbesitzer verlangen.'absolut keine Rede sein, tvecksdadurch wieder eine neue Teuerungswelle hervorgerufen: würde. Das äußerste wäre eine Steigerung in der Höhe, daß der künftig zu leistende Mietzins ein Prozent des: den Mbengebühren hcrangezogen werden. Ltuf dieser Basis^ wäre eine Lösung des Konfliktes möglich, wenn die Ber-i tveder der Parteien des Nationalvates und die Vertreter, der Hausbesitzer, mit welchen die Regierung heute oder^ morgen wieder verhandeln wird, dem Vorschläge znstimmen. Dte Lohnverhandlungen in der Metallind»strie. Das Kompromiß vo» den Arbeitgebern genehmigt.. ( Der Wiener Industriellenverband teilt mit: Der am- MittwqK stattgestutdenen Dolldersamnckuug des Wiener IM dustriellenverbcindes wurde die vom Lohnkomitee der Wiener Metallindustrie über Vermittlung des PräsidmmS fee«: Abgeordnetenhauses geschlossene Vereinbarung zur Beschluß-, fassung vorge-legt. Sämtliche Redner wiesen ans den Ernst der Lage hin, die stir die österreichische Industrie durch diese neuer-! lidjc Lohnerhöhung geschaffen wurde. Einstimmig kam die Auf- , fassung zu Tage, daß das vorgeschlageue Komprouckß vom, Standpunkt der wirtschaftlichen Lage der Wiener Metallindustrie: nicht mehr verantwortst werdenkönne., lieber e>indringliche^ E'upfehkrng.der Vertreter des L-ohirkonntees wurde die vorge«: legte kurzfristige Vereinbarung im Interesse der! Allfrechterhaltuug des sozialen Friedens genehmigt. Die: Annahme des Beschlusses erfolgte m i t k n a P P e r Mas o«: rirät. - ' \ In der gleichen Vers-a-mnckmrg tvnrde auch das Eigebnis der Verhandlungen zwischen dern Wiener Indnstriellenverband: und den -Jüdtlstrieangestellten-Organisdtwnengenehmigt. Die? gleitende Teuevirngszül'age für -die vom Wiener Industriellenverband abgeschlossenen und,per Ende September ablairseivdeu^ Angestellten-Koll-oltivverträge beträgt 6700 Prozent im Sep-. tember, gegenüber 40M Prozertt im August. Außerdenr erhalten die Angestellten^ als Aequivalent für die den Avbeitern'piieser. Jndusrrie>Muppen im August, bezw. schon im Juli gewährten^ Atehrleisrnngen eine Nachzahlung ans die Angüstbezüge in be<-, stimnrter Höhet (13 Grundgehalte für Angestellte unter 22 Jahren, 18 Grundgehalte für Angestellte über 22 Jahre, 22 G^undgchaltc für Angestellte nnt Franenznlagc.) . „'. A«tisemMsche DemanstraLignen an der Budayester Technik: Budapest, 3. Oktober. (Tel. der „Wr. Morgenzeitmtg".) Mit Rücksicht auf die Nachricht, daß eine hiesige Firma die Anstellimg eines Ingenieurs, der sein Diplom an der Budapester Techirischen Hochschule erworben hat, init der Begründmvg verweigert hatte, daß nur Ingenieure mit ausländischen DiPlmncn angestellt würden, beschlossen die. Hörer der Technik in einer honte nachmittags, aibgohaltenen Versammlung,-von der Regierung zu verlangen, daß-die ausländischen D is.üomc im Sinne/ des Nu in er us clausus nostrifrzicrt und bis zur Erledigung dieser Frage die j ü d i s ch e n H o ch s ch ü l e r von der Polytechnik fern-, gehalten werden. Da die. Führer der Hoch-schuljugend erklärten, für die Aufvechterhaltnug der Ordnung nicht haften zu können, wurden vom Rektorat die Vorlesungen für zwei Tage si stiert. Der Unterrichtsminister ordnete sofort eine Untersuchung an, erteilte jedoch dem Rektorat die Weisung, die Vorlesungen unverzüglich wieder auszu- Mhmen. Die Teuerung i« Budapest. Slratzenbahuverreuerung. Budapest, 4. Oktober. (U. T.-K.-B.) Die Verkehrs» Kommission Budapests bat geilem die Tariferhöhung der elektrischen Slrotzenbähn bswilligt. Darnach kostet wom 22. d. an eine ftohit auf der Elektrischen 20 Kronen und im Nachtverkebr 4« Kronen. Las Bier. Budapest, 4. Oktober. (U. T.-X.-B.) Die Bierbrauereiei. haben den Bierpreir um 40*/° erhöht. * FÜrf»rgefo«d« ftte Ehalvzim. Indem wir allen, Svendem, die wahrend der Feiertage dar Ebaluzim°Kilfsw»rk> in Wien bedrcht haben, zunächst auf diesem Wege unseren^ wärmsten Dank ousiprechen, bitten wir die töbl. 2em n«(«; v » r e i n e hdstichst, uns die eingelaufenen Beträge mit größter Befchlernizung überweisen zu wollen, da diese Gelder dringend benötigt «erden. Palästina-Amt, L, Bauernmarkt 24 (Konto: Fürsvrgefordr für Palästinaemigrante«, Allg.» Depositenbank^ ■ lL. Laborßraße 7). Ist «HsPiMbkott, tzusUbkb u rotosto Ä.uvvsbNu'kstpstav. «nxlisovsL StoSo», Rysovtt-Lt-Va, u. LsrrouvS.sodo, r» ätrlokwüü im VLrs«L3«s II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-70 res En detail

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