Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1307 (30.9.1922)
- Date
- 1922-09-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r; IlBZBlmnniner K1100 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Tabörstr. 1-3, oder in ein erVerschleis*t eile tTrafik) monatl. K 30.000 luntPoatversand für .Wien u. Oesterr. monatl. K 30:000 Ts eh e e h o* S l owa k e i: Moii. K 20. Llngarn:' Mon. K 600.1ugoalawi.en:.Mon,. Dinar 30. P o l e n: Mon. Mk. 2200. Deutschland: Mon. Mark 300,/F rank r., Belgien: Montztl. Fred. 8 ■jpP N » e.hxalil« Bf en bei PreiKrkohuB^»!. Vorbehalten * , N * x’ ' ' ,■ . 1 v /' ' '' '/.sV. ■' . V"/. ■ ■ r ■. 1X .v;- ’ r ' ' /" ■ '1' r .V' ■ /; ‘ '' T schecho- Slowakei i tschech. K 1.20 Italien: Monatl 10 Lire Rumänien,.. Bulgarien: Monat). 60 Lei bezw. Lewa Schweiz und das übrige: Ausland monatlich Fres. 3. Redaktion^.Administration Wien, 11., Taborstrasse 1—37 Telephone: 44-0-38,43-3-19. i. ab 6 Uhr abends T6-301.7 Tel.-Adr.: ,Morgenzeitüngr‘l!' Wien Oestetreichisches Postspar«: kässeh-Konto Nr. 150.693 Rr. 1307 Wien, 6am*tag, 30. September 1922 4. Jahrgang Das wahre Wesen des türkischen Problems. Kr. W 11 n, 30. Sevtembet. jämmerliche Verwirrung angerjchM Oie /Deffentlichkeit wird je nach! dem Grade der Verständnislosigkeit oder der parteipolitischen Abhängigkeit der Publizisten in einer Weise in die Ftre gesthrt, die geeignet ist,' aus dem türkischen.erst recht eine Gefahr flir Europa zu' rnachen. 2)ie alte 'Erfahrung, daß der Sieger Hecht , hat, hat sich wiä>er einmal als richtig eMiesen. Genau dieselben Kreise, die die ganzen Jahre hindurch in -mitleidsvollen Worten. von. den: kranken V^änn.am Bosporus spachen und , schrieben, liegen jetzt vor dem türkischen Sieger auf den Pqüch. Nüchtern dem türkischen Problelm wenn es ein solches in des Wortes eigentlichem Sinne überhaupt gM, ins. Gesicht zu slchlüesi und der Oeffentlichkeit eine von nationalem l^er.',parteipolitischem Vorurteil freie Betrachtung der Frage.vorzulegen, haben bisher die wertigsten unternommen. Auch vom Gesichtspüükte des'Judentums, dos. in Hielön Beziehungen an dein türkischen Problem das lebhafteste Interesse hat, wurde diese' Frage noch nicht mit der nötigen Klarheit behandelt. . ' Würde, es sich tatsächlich nur UM di? Existenzfrage der türkischen Nation handeln, so wäre der Standpunkt des Judentums leicht gegeben. In dem Kampfe zwischen Türken und Griechen muß die Sympiathie in größerem Maße auf der Seite der Türken sein. Di? Türken wareu'- im Gegensätze-zu" Gren-Wit«rsaMrtts-rüimraV^'AnW-' nuttzn, sie WMW JWstMs ReWpns^ pder Volkse! MMjnsHMstWlals verfolgt! 'ZMMKWHMJ'nden^ vchW^lnD^in Türkei^ den jüdischen Flüchtlingen Ms gM? ' -ihr?^- gastlichen '. Tbre geöffnet. Die Geschichte des Kitzchischen Volkes hingegen ist reich , an Gehässrgkesten ' gegen das jüdische Volk und die jüdische Religion. Dies?' Tatsachedarf jedoch nicht' zu einer Stellungnahme verleiten,. Ä Ä: Interesse des jüdischen' Volkes zuwAMaust. Es muß ohne alle Umschweife' darauf hrngewvesen ' werden, daß die Türkei heute kaum' eyi/stlbstandtzeS) ivott freiem Willen diktiertes politisches Leben führt, ■ sondern genau so wie ehedem nur der vorgeschobene Posten anderer, dem tiirkischdtt Nationalgefühl, fremder Mächte ist. Nur diejenigen, die sie als WerkMg der eigeNen'--MAschm'''JnieVe1ffen' verschieben, sind heute ändere' als vor dem Kriege und während des Krieges. Heute sind die Türken das'Mittel des Bolschewismus, des -roten auf pereinen, des weißen. cvüf der anderen Seite. Es muß daran festgehalten wer von welchem auch derpolitische.Äüiä heute schön weiß, daß es nicht bloß aus 'Liebe'- firne dhe/türKsche -Aktion und nicht um dieser, zu ihrer nationalen Freiheit - zu verhelfen, dieser ihre Untörstiitzung leiht. Die Moskauer Regierung will, nachdem sie bei ihrem Versuche, die BolschÄvisienlng Europas durch den Westen zu erreichen, auf den Widerstand der westlichen Kultur gestoßen ist, dieses ihr politisches Programm nber die NMiger widchstandfähkgewMntaliW Route durMtzen.Blerbt Kemal, der Verbündete. Sowjetrnßlands, endgültig - Sieger, so hat nicht so 'sehr die Türkei ihreHreihert errungen,. als vielmehr der Bolschewismus einen gewaltigen Vorstoß bis in den Balkan Hinein erzielt. Auf der ayderen Seite macht sich der .-schädliche und gefährliche Einfluß der gesamten mitteleuropäischen Reaktion auf die Türken und ihreFührer in ynmer fühlbarerer Weise geltend. Deutsche Offiziere nehmen in der kemalistischen Armee einflußreiche Stellen ein, das weißterroristische Ungarn fraternisiert mil den Türken und leistet ihnen durch ihre politil'ch^u Agepten und Spione in den slawischen Balkanländern wetivölle ,-DMste.. Es -ist' - nicht Vas erste Paradyxon in der- Weltgeschichte, daß sich drei m .ihrem Wesen sogrundverschiedene Volksgrmppensind politische Richtungeu wie.sie Las^^extrenrrevölüfl'osiäre'!^Sowjetrußland, die jedenl,PMiä^sWus innerlichsabhoSe Türkei,' und dieultrareäktiönäre.;deuffchqrjngärffche^ '-EÄigarchfe' '.dar- Men> zir. eisiem'Ring Enitzen,''mnerhalL^ deM 'die MachtstHung dev Slawen in . Mitteleuropa vernichtet werden soll. .Gefahr-jfür das Slawentum''hat zunächst Jsigosl-awien.gesüylt, und es ist tzu^zu'-begreiflich,' daß JtMslawien. ents.chloffen ist, nötigenfalls sich mit seiner Wien sabotiert die SslmeWM Ei» Appell »e* Kanzlers «» de« Völkerbund. - Gefahr der DerzSgerü«, her Kreditaktio«. Genf, 29. September. In,der Heutigen Sitzung des Lsterreichischien Komitees konnte der Delegierte der italienischen Negieruflg rniLteilen, daß diese für dev gleichen Prozentsatz wie England, Frankreich sind die Tschecho-Slowakei tzie Garantie für die öMreichische Anleihe übernehme. Dies:.Uebernahme ist aber an Bedsingungen geknsipst, die die Form der Finanzkontrölle und die Einrechnüng der JnteHmskredite in die neue' Anleihe be- Bündeskanzler Seipel richtete einen ernsten Appell an das Komitee, die so'glücklich eingeleitete Mion des Völkerbundes für Oesterreich nicht dnrch eine .weitere Verzögerung nm ihren Wert zu bringem Er stellte/aber zugleich fest, daß diese Aktion nur dann äls erfslgreichsirbgeschlossen betrachtet werden kann, .wenn dje vorbereiteten Bereinbä« rungen von den beteiligten Mächte« bedingungslos unterzeichnet werden, so daß Hre Dür'chsührung nicht etwa erst wieder an nach tzrsi gl i ch e lä rn e?n' gebunden ierscheine^ Er tMnte W JntexeM des BölkerbWdes davor, mit einer scheinbaren oder nnDmzen Lösung vor . die OHentlichbüt'chz-trete».'. i Das Komitee, Leschlotz, zur Überwindung der, ev» wähnten SchwierWite« morgen vormittags abermals zusammenzutreten. Der Borfitzende Lord -Balfonr unddie anderen Mitglieder'des Komitees haben sich entschieden, ihren Aufenthalt in Gesif nötigenfalls um einige Tage zu v e r. l L u g e r n, um d'e österreichische Angrlegenheit der endgültigen Erledigung zuzuführen. - Was die Italiener verlangen. , Rom, 20. September. Eine Mitteilung der Ageuzia Stefani besagt: Der gestrige Ministerrat beschloß nach längerer Debatte über Antrag des Ministers des' Aeutzern Sch a n z e r, der italienischen Abordnung in Gens Weismigen in dem Sinne zu erteilen, daß Italien sich grundsätzlich nicht weigere, sich an der Garantie für die österreichische Anleihe in demselben Maße wie die anderen Machte zu beteiligen, daß Medöch der Meinung sei, die vorgeschlägenen KontrellbesÜmmungen nicht annehmen zu tonnen. Italien verlange vielmehr, daß die Kontrolle^urch die Garantiemächte als direkt interessiert ausgeübt werde und daß Italien in der Kontrollkommission jene Stellung zukommen müsie dic..ihm nicht nur als Großmacht, sondem auch und insbesondere als Hauptgläubiger Oesterreichs zweifellos entspreche- Italien will die Wieverauftichtuug Oesterreichs durch WattesisMon M':WcchettWekänrrt, doch glaubte man, daß das 'römische HMnett den -kWeH/her - offenübudigen Sabotage.nicht betveten Windhund stur durch diplomatische-Ränke die Pläne des Völkerbundes erschweren will. Herr Schanze r scheint. nun sern-e/Possttston in Mitteleuropa auf die.Meise stärken zu wollen, indem et ten , von Dr. Benesch ausge-- crb?itcten Kroditplan für Oesterreich verhindert und m Wien als Kontrollor austveM will. Das Opfer des diplomati-- Aschen Vcrstößes Italiens gegen die PoMik der kleinen Entente soll Oesterreich werbest! Wir woven-hoffen, -daß Ae italienischen Zweideutigkeiten in Genf erfolglos blÄben und "daß die Äreditaktion eventuellauch/ohA^-Htal Le «^gemacht tvexden wirst, MUVOXt -LLL« Elnfalles rm Rucken zu erlvehren. Das Judentum in Mitteleuropa wäre durck einen MeL Kemals. der eiaentlich ein Sieg seiner links und rechts stehenhm Hintermänner und Freunde und eine nicht ' leicht zu überwindende' Niederlage des Slawentums wäre, in seinen Lebensitttereffen 'nicht minder bedroht wie die slawischen Böller, gegen welche der ganze Kampf letzten Endes gerichtet ist. .Nicht daß ist herrte das'Mesen des türkischen Problents, ob der kranke Mann von einst sich wieder auf die Beine stellt, oib die totgesagte Türkei in Europa/ihre. 'Aüferstehüng feiert) sondern der ' Kern der Frage, ist, ob es flir den Frieden Europas, für den Bestand des .Slawentums und für die ruhige- Existenz -des Juden-- lumö in Mittel- und Südostturopa nicht-ein Verhängnis wäre,, wenn der heute so verhätschelte-Frerinv urch Schützling Moskaus, Budapests und Münchens die Polittk dieser Exponenten des. Bolschewismus - beider . Far-, ben in Mitteleuropa, zum Siege flihven würde.- Bon diesem Gesichtspunkte aus muß man wünschen) daß das ttirkische Pm>blern nüchtern erwogest . nnd so gelöst werde, wie es) die He.rechti^".üt gegen die Türkei erfordert und die Sewsterhaliung eines demokrattschen Europa-er-- fr'cfrt. .; ■_ 7 . FArdenMdisÄenWeMoUFreß. Die Forderung nach dem alljudrschen Weltkongreß ist/ die einzige Möglichkeit, Palästina in einer nicht allzu fernen Zukunft - wieder aufzudauen. Der Keren^ Hajessod hat —-' das haben die meisten/MWerteu.'gelegentlich der Jahreskonferenz betont — die in. ihn gesetzten Hoffrmngen nicht erfüllt, er wird sie weiterhin-nicht erfüllen können, wenn Mlliotten Juden der Palästina-Arbeit fern^ bleiben. Man 'tnuß mit der H'ehaütztu-ng,auflstfresi/daß.bei /„Oessnung der GrenM". der Zionismus „verwässert" werde/ Es Muß auch andere als „radikale" Zionisten -geben; Gemäßigte", „Unabhängige". —. auch sie müssen die Möglichkeit -haben,- als vollwertige Glieder sur Zion zu arbeiten, ohne Unterschied oder Beschränkst^ Da-gchtes als sichersten «nd einfachsten - Weg nur den der Einberufung des jüdischen Weltkongresses für Palästina. Ein Weltkongreß ist mW anderes als ein Zionistenko'ngreß, aber in erweiWtvr Iorm.- Darum ..ist es/ Nicht so unlogisch, wie es manchen scheint, einen Weltkon- ÄÄ Li LchaLn. Meicke ReLtL .LO LkLMm allLL. -die Zion wollen! Dasüst' die Forderung, urcht der „Schwächeren", „Schlechteren", „Nttrtloseren", soMrn' der „Gemäßigtest". ^^Das ist' die'Förderung derjenigen, die über-- zestgt sind, daß Uim' "nnverstehen'/ wird/ - wenna l'le, - vi« wollen, Mitarbeiten können. Die aber cnrch befürchten,-daß Evez Israel nie unsere Homrstätte werden, wird, wenn die paar hunderttausend organisierten Zionisten, insbesondere die radikalen, allein sie errichten wollen: die sollen die „Kerntrrrppe" bleiben aber es rnuß auch einen Tram, eine Sanität und vsiltz' ändere- Fornrätionen geben, die jener, helfen und sie unterstützen. Palästina brauch! M i l l i a rd e n, .die ^rntruppe kann nur Mlliwen opfern! '' Die einzige Möglichkeit, rm Laufe von 2000 Jahren — sie kommt vielleicht nie wieder, vielleicht erst in 2000 Jahren nochmals—darf nicht wegen der. Grundsätze ge- Nüfser 5kreise in Frage gestellt werden.. Kein Mensch kann solch« Verantwortung ans sich laden. Darum waren auch unsere allseits anerkannten Führer für die Einberufung des Weltkongresses. Die Kongreßgegner würden anders denken, wenn sie da durch die verursachten möglichen Gefahren bedächten. , . England,. die Mandats-macht, weiß wohl, daß die organisierten Zionisten allein Paläsüna nicht aufbauen, können. Daum hat es die' „Jewifh. Agency" geschaffen. 3Venn auch' die zionistische Weltorganisation auf der JahreskoNferenz diese übernommen, hat, fo darf niemand glauben, . daß der Völkerbund sich damit zufriedengeben wird, wenn dieser Instand ein stabiler sein soll, wie die Weltkongreßgegner, es Hoffell. Denn, der Fragebogen flir den Palästtna- : Mandatar, der als Richtlinie für den Tätigkeitsbericht gedacht ist, den Ellgland alljährlich dem Pölkerbund vorzu-', legen hat, enthält im Artikel 2 („Jüdisches Mttonalheim"). einen Punkt,, der lautet: „Welche Schritte wurden im Einvernehmen mit der britischen Regierung unternommen, um die Mitarbeit aller.Juden, welche an der Errichtung des. Nationalheims; mitzuarbeiteu wünschen, zu. . Wenn die Weltkongreßgegner mit ihren Ansichten Sieger bleiben,, wird-ihnen das Erlebnis nicht erspart bleiben,. . daß. die englische Regierung oder der Völkerbund die Beantwortung dieser Frage als nicht befriedigend ablehnt. Dann wird das Problem erst recht revidiert werden mMe«