Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1306 (29.9.1922)
- Date
- 1922-09-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Redner kam aus Lloyd George zu sprechen u .tV sagte: Ich kenne zwei Lloyd Georges, den einen, V* mH“ genialem Verstand und plastischer Klarheit die Dinge ev* Mrt und die richtigen Konsequenzen zicht, und den zweiten Lloyd George, welcher immer das Gegenteil von vetit modit/ was sein gescheiter Doppelgänger sich tagsoor^r 'oorg> nommen hm. Jeder Nacht folgt einmal ein Tr^z :n:d wenn auch nicht uns, so wird doch der rommend:'- G'w».atw» dieSönne ein:Z gerechten Völlerfrüdens jL'.t»« (Lebhafter Beifall.) ' Abg. M, S rngurer (Pf »"betonte, d.ß alles dar-, grff ankoniwc, p,ne Atmosphäre gegenseitigen Brttrauev/t zu schaffe::. Nun gibt es aber in aj'ten Landern zähe Chauvinisten. w'.lche M energischester-Weisezu bekämpfen die HMptmifzabe oller wahren Firunde des - Friedens ist. Jynner mehr Dertrguen' unter den Völkern zu schaffen, ist das Hauptziel, Lessen Erreichung.sich der Kongreß gesetzt hat. (Lebhafter Beifall.) In der. Debatte über die ethische und-religiöse FriehenZÄDzn legte Abg. Gieß wein (Ungarn) dar, daß die katholische.Lehr" ihrem tiefsten Wesen nach pazifistisch sei und stützte seine Darstellung auf die Lehren der Kirchenväter und der berühmtesten Theologen. Er forderte den K l e r u s a l l e r N a t i o n e n auf, sich in die ersft Reihe der BoEmPftr firr den Frieden zu stellen und Mb schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß. in den Serrywaren das Studium des Völkerechts eingefiih-rt werde. Die gestrige Sitzung befaßte sich mit den Problemen der Ingen derzrehung. Professor Dr.- von H ildebrand (München)/- gab - ein gedankenreiches Expose über Erzichung' und Friären, ebenso Dr. Max Prinz von S a ch s e n, Pvofesior an der Universität Fwvbuvg, und Herr Georges W a l l y (Wien) über die verschiedenen JugendbtzweguMn.- / Empfang beim Bundesprasidentev Dr. Hainisch. . Gestern.mittags wuchert hie. Kougreßieilwchnrer, über' . 8OO.an der -Zahl, unter ihnen viele PaÄaumrtavier/ vom Dündespvastde'nten^Dr. Michael Harnisch eurpsa-ngen. FinanzunÄ Wivtfchaftsfragen im Völdlerp»»«^ - Genf.. 28.. Se^eurber. In. der. heutigen VollsitzuW des . Dölkerbunidch wurde, der Bericht für die.-zweite Ko-inmisiion Aber f'nranMlle/ünd wirtschaftliche Fragen vorgelegt. Der Inhalt dieses Berichtes hebt eine Reihe von Resolutionen hervor. Danach wüchigt -die. Versammlung die Unterstützung, die -das HinanzköMstee?: her Kommisiion bei ihren. Arheiftn, zükommeft hieß, insbesondere bWg ausv die, FtNvWr- Ä<WgS-.'d1e,'ächnischL.Hdtfe' Gesundung der österretchischen Fing uzen. Die Kommission wünscht, daß das Komitee d'e Fragen studiere, die' im Züfantmenhang stehen mit der Mabjlisiemng der Wahrungen und Handelsbilanzen der einzelnen Länder. Der finanziellen Verwirrung, die sich in der Welt gelterch gemacht"hüt, kaün'am besten'durch, eine Anwendung jener Maßnahmen bchcnet, werden, die iu 'V r ü s s e l ausgestellt' und iu G e n u a bestätigt wurden. Das Kö'Mitee hat stets als beratende Instanz den Mitgliederstaaten zur Verfügung zu f^hen. Die Versammlung/hofft, ^daß bi$. Aendernngen, die das Mwtschaftskomitee an den internationalen Konventionen über die Noyale Konkirrrenz vorschlägt, zur DurchfühvüW gebracht. werden. Eine Expertenkonserenz zur Prü^ fung «der Formalitäten im Zollwesen soll einbemfen und Vorschläge über die Niederlassung ausländischer Firmen. sollen ausgearbeitet tvevden. Die . Arbeiten über statistische Öcden, D st m p i N g, 'Wechselrecht nsw. sollen baldigst et und die Enrpfchlungen betreffend die StaMsiemng der Zolltarffe sollen befolgt werden. Die . finauziMe urch wirtschastttche Komnnssion soll' ferner an der Erhebung Über die Ursachen der Arbx-its losigleit MitaMÄeN und die Regierungen werden - gebeten, die Rundfragen dieser' KommissiN: stewisserchaft -zu. beantworten.' A«flös»«g »er HeÄ»lm<>Srg«»is«tt»>» in Nntzla«».. Warschau, 25. September. ' (I.' C. B.) Nach hier «kngStröffsnen zuverlässigen Informationen' in Moskau wurde^ dio Hechaluz-OrgaUi'sat'iön von' den Sowsetbehördey aufgelöst und als illegal erklärt. Das Vermögen des Hechaluz, wie Bodenbesitz, Ackerbaugeräte usw. wurde >bchchlagnahmt. Bekanntlich würde diese Organisation vor kürzem von den Sowjets' ileMisiert, nunmehr jedoch auf Betreiben der jüdischen Kommunisten neuerdings in Bann gelegt uwb'MvMsarn ausgeAt. " . KSsüpfe in 5tö«6for|sÄntew. London, 25. September. (I. C. B.) Einer Meldung des „Exchange Telegraf" aus Kairo zufolge wurdeAWan, die Hcktptstadt Transjordaniens, von den W a h a b r s (eil'.em aufsiändifcherc Bödllinenstamm) umzingelt-' nachdem sie die Araber Trausjordaniens geschlagen hatten. Einer anderen Meldung zufolge befindet sich eine große arabische Streitmacht unter der ‘ Führung von Emir Abdallah im Annrarsche gegen die Wahabis, um 'sie aus Transiopdanien zu vevdrängen. Eine furchtbare Explofi-nskataftrophe. Mailand,?8 September. (Tsl.-Konrp.) Während eines heftigen Gt'witt'rs. hat heute nachmittags um 3 Uhr der Blitz in das Fort Faleonada bei San Cereei, etwa 106 Kilometer pon Sp^cia, ei.ngefchlMn. wodurch Prllverlager'in die Luft flogen Dir Explösiom HE in Änem Umkreis VVN mehreren Kilometern.schreckliche Verwüstungen angerichtet und zahlv.-ick? Häuser zum Einsturz gebracht. Cs sind Wer 100 Mensckenlebcn zu beklagen. Die Explosion wurde auch in Specia gehört Und die Bevölkerung vermutete ein. Erdbeben und stüchtete trotz des heftigen Umvetters ms Freie. Auch in d« Umgebung von Specia wurde großer Schaden angerichtet. In der Stadt würden sofort diq, Truppen alarmiert.. Ins Krankenhaus sind bis jetzt mehrere hundert Verlaine eingeliefert worden. Der,Schaden ist des-! halb so groß, weil das Fort Faleonada auf einer Anhöhe! W\. der Näh? bewohnter -Häuser liegt. .Die meisten Opfer - such Werft- und Metallarbefter sowie Matrosen und W- A ziere des Knegshasens von Specia.. Der Kampf «m den Kndex./. . Die Verhandlungen kn der Metallindustrie. Gestern nachmittags erschientzn auf Einladung.der drei: Präsidenten des 9öationa!rätes die Vertreter des Hauptver-.^ baudes der'Industrie unter Begleitung von Vertretern des Unftrnehmerverhandlungskomitees der Wiener und Wierrer- Noustädter MetalliMtstrisn und Gewerbegenossenschaften, ferner die Vertreter des österreichischen. Metallarbeiter- Verbandes unp der Gewerkschaftskomrnissiio-n im Par'laurent, um die Verhandlungen'zwischen den Unternehmern und Arbeitem fortzusetzen. - Die Vertreter der beiden Teile gaben zunächst je eine eingehende Darstellung der schwebenden Differenzerr. Au diese Schilderung schlyß sich eine längere Debatte, in die/ auch./die drei Präsidenten wiederholt eiingrifftn., i Einvernehmlich wurde ^stgestellt, daß mit Rücksicht auf die großen vollswivtschastlichen, eventuell auch politischen Gefahren, die eine.Ausweitlmg des Konflikts nach sich ziehen könnte, und mit Rücksicht auf die Lage in Genf eine Einigungmn-'bedin gt no-twendig fei, wenn sie sich auch zunächst nur -auf eine ürrze Frist erstrecken könne und die endgUtige Regelung für die Zeit nach den Genfer Verhandlungen Vorbehalten werden mW., Hierauf wurden die von beisen Wlen ^erstatteten 'PorschlaHd'gencri: - formuliert und einander gegenübergestellt. Da die VerhandluWn bereits bis 10 Uhr gedauert - hatten, gaben die Vertreter/^ider Richtungen die EMärrmg: äbmorgen in ftrtgefttzter Vechandkmg die 'endgültige Entscheidüng treffen zu wollen. Es ist zu hoffen, daß die!- Verhandlur.gen morgen zu eiuE ' gimstigen/Abschluß“ konmrc'n. ' ' - - Den Kaffeehaus an ge stellten wurden nme! Vorschläge gemacht Es ist nicht änsgeschloffen, - daß noch! im Lauft des heutigen Tages die Betriebe geöffnet .werden.' Auch unter . den H o t e l a n g e st e l' l t c n ist eine Lohnbervegung im Zuge.; Der Streikder S ch w e r fu h r w e r t e r dürfttz auf, Gritnd bvt tooti den Unternehmern gema;/-:n Vorschläge bald beendet wcHcn.! - Was die S p e d i t i o n s a r b e i t e r an laggt, rechnet Man auf em Einschreiten der Einigrmgsbchörde sowie auf! .eine günstige Rücktrirküng durch die zu göwäriigende Einigung mit den SchwerfHrwerkem. Ein bevorstehender Lohükampf'im Handelsgewerbe. Im Glimpendorser Verbcmdsheim fand gestern eine Persanunütug der^ kaufmännischen Angestellten statt, in welcher- 0)ehilsenokmLnn Abg-. Pick und Gemeiuderat Beer'mann übrrdie LohnverhLlMsie im kaufinännischen Gewerbe und Wer die Lohyvrv'haMungen mit dem Gremium der Wiernr Kauftrmmrschaft Bericht erstatteten. NationalM,Pick teilte unter allgemreitter Bewegung mit,; daß eS im Handelsgeiverbe Angestellte gebe, denen man mit. einer 30jährigen Dienstzeit Monatsgehälter.von 35.000 K. 8ie warten, desto höhere Preise müssen Sie zahlen. Decken Sie daher rasch ihren Bedarf in engl. Stoffen, Regenmänteln, Damenu. Herrenwäsche, Bettwäsche, Strick- und Wirkwaren etc. zu konkurrenzlos billigen Preisen im: Warenhaus wamtnwmmtmmwmtmmmmmBmBBmmKsnmmmKmBnHBmmm II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-7^ En ®ros Cn de-.ail g.Ti>*Mawrtfrtt.Taw'üani,aian >>r Frregkng «yd Erlösung. Von Dr. Robert B e iß (Frankfurt a. M.) > „Damit j der Inhalt des Glaubens . selbstverständkch werde, -ist^es-nötig, daß anscheinend Selbstverständliche to>m Wissen zu einem Absurden gestempelt ser." D ie furchibare Erschütterung, die in den letzten Jahren bis in-das Geheimste und Dieffte des Mischen Volkes eingedvungen ist, läßt die Quellen uvsprünglichster Religipsität wieder reicher fließen. In dieser furchtbaren, aber fruchtbaren Zeit schrieb Franz Rosenzweig sein Buch: „Der Stern der Erlösung"*). / Rosenzweig leitet die. drei Teile seines Werkes mit charakteristischen Borspruchen ein: „In philosophos" —„In cheologoS" — „In tyranuos". Sie zeichnen die geistesgeschichtliche Situation, in. der sich Glauben und Wissen Europas befinden: /daß ,es nottüt, das. Denken ge ge n die bepnfsmäßigen „Denker" und den Glauben gegen dfe berufsmäßigen „Gläübigen" zu vereidigen. Daß es nottut, sich gegen alle FeMn zu empören, die Glauben, Wisien und Loben beengen wollen im Nanren eines konstMierftn Gottes, einer konstruierten Mffenschaft, einer konstruierten Gesellschaft Daß wieder hergestellt werde ein elementarer, ein ursprünglicher Glaube, eine sich hescheidende, grenzenerkennende, aber nicht kt SPezialistentmrt ausgehende Wissenschaft Die Voraussetzung zu diesem allen ist ein gesellschaftliches Leben der Menscheft das nicht aus Zwang und Furcht vor döm Nächsten gegründet ist, sondern <mf einer Liebe zu allem Geschaffenen, zu allem Gottentströmten. Rur in solchem sozialen Zusammenleben können die Tieftn Ms, jedes Menschen, vvn Hr?m gegenwärtigen Berschüttetsoin befreit werden, Unglaube und Uebelwollen aus Unkenntnis, werden nicht mchr unermeßlichen Schaden Le- *) I. Kauffmann Berläa. FranMtrt a. M, gründen: die tatrsrische Seele des Menschen singt in den hellen Morgeu ein Lied der Erlosüng. Bisher hemmte uns der Größenwahn/matevicolMsch- Positivistischen Denkens, der gemeint hat, alle „Welträtsel" in /eindm' .KronerbäNdcheu' gxlöft - -zu haben, und. alle MligiorZNisienschaft Ne, um „Modern" zü bleiben, den. >^LatsaFtzn^ .der Mffensl^^HvchWMtz^.'zü ^tvagew' sich beeilte, bisher haben diese VevirvungLN einer unwifftnschaftlichen. Wissenschaft Und eines ungläubigen Glaübens uns am Selbstbesinnen gehindert. Der Krieg hat unser aller Denken in einer Weise beschleunigt, daß wir nunmehr reif sind, ein Leugnen des VoHündeNftms' »mserer Mherigen Götter, eine^ Kritik gn der Wahrheit'der uns so vertraut gewordenen freisinnigen - Lchren ertragen zu können, ft, - viel mehr, daß wn in uns Bereitschaft fühlen, die Brechen des Wisien^ und die UnermeßlichM des Glaubens wioder anzüerkennen. Philosophie' Mtd Theologie, die gegenwärtig .wie alle moderne Wissenschaft' eine - chrer schwersten, 'ge- _ fähÄichsten Krisen durchmächen, nähek sich wieder dem' Stadium der ArbeitsteUung und'der LÜraus sich ergebenden Zusammenarbeit. „Heute, wo die Philosophie sich um ihrer selbst willen herandrängt zur gemeinsamen Arbeit mft der Theologie. . heute legt das Wisien dem Glaubet sem verloren gewähntes liebstes Kind, das echte Wunder, wieder in die Arme." (138 f.) / ■ Das echte Wunder, das größte Wundes das jeder Mensch erlebt, ist sein Da-Sein. Niemand und; nichts hat sich selbst geschaffen, und die Kenntnis um die-.Eltern, um . die Nreltern ist -die geringste Weisheit von . der Schöpfung Das ist , Ars Erste. ' Mr, wisien. aber auch nicht, wo wir sind. Wir leben.unseren Alltagzünd vergessen, Mß wir uns.auf einem Stern befmden-der> in uns - unbekannter'- Richtung den „Welt"-Rartm durchirrt. Unsere Sprache hat diese drei UrphanomLne unseres Daseins. „Goti", „Welt", „Wusch" gemnnt, wir aber/haben verlernt erschauern, uns Größe--dieser Begriffe be- Ivußt zu werden; Gott, Welt, Mensch zu sagen ist uns so zur Gewohnheit geworden, daß wir darüber vergessen haben, daß die Benennung eines Dinges niemals die: Aussage über.sein Wesen ersetzt. Sind die Bogviffskonrplexe^ Gott, Welt. Mensch nicht M Sammelname für eine Fülle hon Wundern, echtesten Wrtndevn? Fühlen wir nicht alle, W hinter der Tatsache des jährtauserchealten „Jgnorvmus", hes Versagens, des „Nichts" unseres W i s s e n s. um diLse letzten . Dinge, ein urgewaltiges ',Mwas" schümrureri-, has u n s a b e r nicht so un errei chbar ist, wie es bent Rationalisten erschsrnen nvtß, der endlich sich zur Er- ^rmtniS durchgevungen hat, daß Wohl die „Welt" des Menschen durchdenkbar uyd im Denken zur Einheit unserer Weltanschauung werden kann, daß aber die „Welt" des Mervschen, das Ägische, das Drtrchdenkbave, nicht identrsch sit' mit dem All, -mit dsm>- was-'ftnMs unserer mit Smuesorganett erforschbaren und logisch durchdenkbaren Welt existiert mit-dem Meta-Logischen." Im dunkeln Hintergrund «ber Welt stehen als die unerschöpfliche Voraussetzung tauf e NÜ Tote statt ' des einen M'chts, das toirklich Nichts wäre; tausend Richtse, die —- eben weil viele — etwas sind: Die Vielheit des Mchts, 'das von der - Philosophie' Vorausgesetzt wird,- die nicht aus der Welt;u hatmeüde Wirklichkeit des Tod^ . . . sie macht den Grnn-dgedaükeü dtzr Philosophie, den Getzänken des einen und c!f- : gemornen Erkevnens des Alls ^ür Lüge, noch ehe. er gedaeht ist." (9 f.) /;; " ' > Nachdem mit allen MMn exkenntniskritisch ges schülter' Philosophie' : düs akchergöbrachte „Nichts", des ' Wissens durch die' Hinweisung aus das metaphysische, metäkogische undmewethsiche Etwas ersetzt wurde, auf das Etwas, das sich jenseits der uns Mannten Materie, „Welt" urw sittlichen.Mensthennatur verbirgt, versucht Rofenzwdig eine ReuoMNung der Tatsachen des geoffenbavten Glaubens', - die jeder Mensch, ganz besonders aber jeder .Fiche» in sich vorsindet. Die Neuordnung der drei Elemente: