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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-28 · Heft 1305 (28.9.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1305 (28.9.1922)
Date
1922-09-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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j 1 i i "f f , 1 f f > ' rt \ , ' . ' * ’ ’ '' ..r-'üw. v; -■WK Rr. 1805 Wien. Doynersiag SSicncK anotgenjcituuö» 28. September 1922 Seite L , Wahrend die L)stjuden instinktiv die Bedeutung des . Hp-rastchen' evkannttm und das ihnen 'teure Jüdisch ziemlich rasch aufgaben, ist es mit M deutschen Juden cm, wahrer Jammer. L)atz ihnen die Vorbildung des Qjto fehlt, mag viel zu den Sch^uerigkeiinn beitragen, di-» ihnen oaö Hebräische macht. Sehroftsthltaber aach drr Wille. Wenn deutsche Burschen manchmal ein Jahr und längtt im Land sind und kaum , hebräisch radebrechen können, so ist das ein Beweis grenzenloser Assimilation an Deutschland, die diese Menschen eben nicht überwinden können. Ich machte, vor ein Paar Tagen mii zwei Wiener „Blau-Weißen", einem „blau-weißen" Mädel aus Leipzig und zwei anderen deutschen Mädchen eine Nachtwanderung. Von Jerusalem durch die Neustadt an den Gräben des Sanhedrins und Schimon Hazadiks vorbei aus den Skopusbevg, zum Oelberg und zurück zum Har hazofim, wo wir im Fichtenwald der hebräischen Universität den Sonnenaufgang abwarteten. , Es war sein, sehr sein, als wir mit der Guitarre im Arm, den Rucksack auf dem Rücken, im gleichen Schritt und Tritt durch die nächtlichen Straßen Jerusalems zogen; daß wir aber die Straße Mea Schearims mit dem schönen Lied: „ „Bin i jüngst verwichen Hin zum Pfarrer g'schlichen: Derf i/derf i, derf i 's Deanderl liab'n?" vetzrüßten, mag ebenso wenig dem Lokalkolorit Rechnung getragen haben, wie die Tatsache, daß der Oelberg die Per-* sicherung zu hören , bekam: „Lippe-Detmold, eine wunderschöne ' Stadt . . ." . - f Es ist mir aus der Wanderung selbst gar nicht zu Bewußtsein gekommen, wie viel noch — nach der Ankunst in Palästina an sentimeütaler Bindung an Europa zu Überwinden sei. Ich fteute mich der deutschen Lieder, der Mondscheinwanderung in froher Gesellschaft, der ent-' setzten Augen von Juden und Arabern, die uns wie Verrückten nachstarrten und dachte tveiter nicht nach. Als ich dann aber von der Tatsache hörte, daß rmr 15 Juden sich in der ersten Woche naturalisieren ließen, wurttr ich sehr stutzig und nachdenklich. Und dann kam ein Drittes hinzu. - Ben-Jehuda, der Mann, der mit einzigartiger knergiedas Hebräisch^ zur Umgangssprache in Palästina gemacht hat, erkundigte sich, wann ich meinen deutschen Namen ablegen( und einen hebräischen Namen annehmen wolle. Ich war beinahe über diese Zumutung beleidigt. . Meinen Namen ablegen? N)e! Und dann zeigte er wir, wie dieses „Niel", dieses SichaU-die-Galuth-klammern, dieser übel angebrachte Konservativismüs, unser ganzes Siedlungswerk gefährdet. In Amerika anglisieren, in Rußland rustifizieren die Inden ihre Namen. Kohen wird „Cowen" nt England, ,Myan" im Osten.'Und m Palästma bleibt der Herr Cowen^C die Rückverwandlung in das hebräische Cohen macht er nicht mit. Ein komisch-tragisches Beispiel: die ganze Weltkennt Achad-Haam; kaum ein paar Dutzend Menschm wisien, daß A ch^l d H a a m nur ein Pseudonym des Herrn. Günsburg ist. Trotzdem weigerte sich Achad Haam seinen Name« Günsburg, jetzt, wo er in Jaffa lebt, aufzngebÄr, und den hebräischen Namen anzunehmm. Die Tochter Ben-Jehudas sagte traurig: „Der eine gibt nicht seine Sprache, der zweite nicht seine Staatsbürger-, schaft auf, der dritte kommt überhaupt nicht einmal nach! Palästina und die schon da sind, die wollen ihre Galuthnamtzn als einzige Erinnerung an die Verbannung weiterschlcppen. Und da sollen wir ein Volk werden!" - Ich gebe Ben-Jehuda unh seiner Tochter, im Herzen ganz recht. . Es ist Lächerlich, es ist kindisch, den Namen der Knechtschaft im Lande der Freiheit weitertragen zu wollen. Und doch . . . Namensänderung? „Ich weiß, eS ist ein Vorurteil, Allein es ist mir nun einmal zuwider .. sagt Mephistopheles. •: Ich fürchte, ich werde nicht so bald den Entschluß fassen, um Namensänderung anzusuchen, obwohl das hier ganz leicht und schmerzlos geht. Die Faszisten rücken von den Ungarn ab. Seit kurzem laufen in Horthy-Ungarn Bemühungen, in Ankehmmg und Nachahmung der faszistischen Methoden Italiens einen „christlich"°pogromistischen Faszismus zu begründen. Namentlich erscheint ans diesem. Gebiete Herr Friedrich tätig, welcher die. „Erwachenden" übertrumpfen und ihnen Ms solche Weise. Konkurrenz machen will. Vor einiger Zeit weilte der „Oberkommandievonde" der italienischen Faszisten M u s s ol i n i in Budapest, mn die Gvundlaßen für eine Zusammenarbeit des italienischen mit dem ungarischen Faszisnms zu prüfen. Die Verhandlungen verliefen jedoch ergebnislos und Mussolini erklärte, daß er nichtgewillt fei, den ungarischen Antisemitismus zu akzeptieren, ■; Nunmehr veröffentlicht die Leitung der italienischen Faszisten. das folgende Kommunique: Abgesehen von der Erwägung, daß es ..eine'Mische Frage in unserem-Lande nicht gjbt und, wir wollen hoffen, auch nie geben wird, wenigstens bss der Zionismus> den italienischen Israeliten-die Wahl' Genehmig»«g des Garantievrrtrage«. * , . . . . «ach ■ Genf, 27. Septeniber. An der heutigen Sitzung des ö st erreich i s ch e n K o m i t e e S nahm Bundeskanzler Dr.-S e i p e l. iä Begleitung aller österreichischen Delegierten teil:-Vorsitzender Lord Balfour gab zunächst seiner Freude Ausdruck, den. Bundeskanzler hei dieser so wichtigen Sitzung begrüßen zu können, Hierauf stellte er hinsichtlich der finanziellen Garantien folgendes fest: Die t s ch e ch o - s l o w a k i s ch e Regierunghat sich bereit erklärt, die Garantie für 20 Prozent der Oesterreich zu gewährenden Anleihe zu übernahmen; desgleichen ist die fra nzösisch e Regierung bereit, 20 Prozent zu übernehmen. Er (Lord Balfour) freue sich, auch-namens der englischen Regierung erklären zu können, .daß diese e ben falls 20 Prozent der Anleihe zu garantieren, bereit? sei. Er hoffe zuversichtlich, daß die noch ansstehende-Entscheidung.Jtaliens nicht mchr lan-gr auf sich warten lassen werde. Was die restlichen 20 Prozent de-, trifft, haben bereits mehrereander «Staaten ihre B er e i t w i l l i g k e 11, sich zu beteiligen, erklärt. Der vom juristischen Komitee vorgelegte Entwurf des p o l it-i s ch e n G a r a n.t i e v e r.t r a.g e s wurde, genehmigt. Dieser Berträg besteht aus zwei Teilen: Im ersten verpflichten sich die Unterzeichneten Mächte, die Unabhängigkeit, territoriale -Integrität . und . Souveränität, O est e r reich s"z u w a h r e n,uyd von allen Schritten Abstand 'zu nehmen, die.dieser p'r.ä j u d.i z i e r e n , oder die siMnziesten Sicherheiten für die Ausländsanleihe benachteiligen'könnten. Im zweiten Teile übernimmt- Oesterreich unter Festhaltuna am Wortlaute des Artikels 88 des Staatsvertrages., von Saint- - Eine Äölkerbrmdkommission. kommt Wie«. ■Mwn-izesz—zii—rarzwischen der italienischen Heimat undeiner anderen Heimat, welche von einer großen'fr e in d e n Macht beschützt wird und .deren Politik nicht immer mit der Italiens überertsttimmt, übrig läßt, ergreift die Direktion der faszistischen Parder die Gelegenheit, um zu bemerken, daß, wenn der Faszismüs heute einen internationalen Wert haben kann, wie ihn der GarrbalVismus zu seiner Zeit hatte, er durchaus/;'eht 'italienstcheS' Phänomen stt, wel^rs mit den klaren Tradtttonen unserer Herkunft im Zusammenhang stcht, mrd welches mir in Italien entstehen konnte. Der italienische Faszismus» obwcchl hocherfreut von dessen Aufblühen auch in anderen Ländern, hat nicht die geringste Absicht, eine neue Internationale zu gründen. Die antizionistische Spitze in dieser Erklärung ist weniger aus der Tatsache zu verstehen, daß der Faszismus leider nicht ganz „jndenrein" ist, als aus der bisherigen Haltung der Faszisten, deren expansionistischer Mittelmeerpolitik das englische Mandat M'den-KramMßt....jedenfalls verdient es sestMhasten znweichen,. dgß .Mch die'Faszisten soviel Reinlichkettsgefühl aufbrmKn,>mn den Btidapester Anbiederungen einen Fußtvitt. zu versetzen. Oesterreich. Skatiosalrat. Da der Bundeskanzler kaum vor Anfang nächster Woche aus Genf zuvückkehren wird, ruht der innerpolitische Betrieb fast vollständig. Der Nationalrat hielt gestern zwar eine kurze Sitzung ab, fand aber sem Genügen daran, das Gesetz Wer die Liquidation der O e st e r r e i ch i sch -ungarisch e n B a n k, das die ^Regierung ermächtigt, Bermögenschaften aus der Liquidationsmasse zu erwerben, in d r i t t e r L e s u n g und das Han d e l s übe rei n ko m men mi t U n gär n ohne jede Debatte zu geneH migen. Die ganze Sitzung dauerte knapp zehn Mnuten. / Erst Mittwoch den 4. Oktober, 8 Uhr nachmittags, soll wieder eine NattonalvatssitzuNg stattsinden. Dis dahin glaubt man schon vom Bundeskanzler Genaueres über den Erfolg seiner Genftr Kreditreisen erfahren zu können. DaS Religionsbekenntnis in den amtttchen Jormularien. Bon sozialdemokratischen Abgeordneten tvurde ein Antrag aus Abschaffung der Frage nach^em"Glaubensb e k e n n t n i s s e in den anttlichen 'Fornutlarien gestellt. Die Beantwortung dieser Frage schasse/so meinen die Antragsteller, die Möglichkeit zu einer voreingenommenen' Beurteilung bes betreffenden Staatsbürgers. Im Deutschen Reiche sei bereits mit einer ähnlichen' Praxis - gründlich aufgeräumt worden. Der Antrag fordert schließlich/der Nationalrät möge die Regierung veranlassen, daß künftighin die Frage nach , dem Glaubensbekenntnisse, bezichungstveise die Angabe des Glaubensbekenntnisses in a mtlichen Form u» larien und Zeugnissen' zu unterbleibe^ habe. D««tscharischer Amtsmitzbrauch «« den Grazer Hochschule«. Ein Teil der Hörer der beiden Hochschulen in'.Ära'z, die sich als „deutsch-arisch" bezeichnen, hat Satzungen beschlossen, die..zwar noch nicht die Genehmigung des.zu-. stäMgen Minlstermms. ech^U-rn haben,, weil sie im Widerspruch mit den gescylichen Vorschriften flehen,. gleichwohl maßen sich die Organe der deutsch-arischen Studentenschaft amtlichen Charakter an und verletzen die verfasiungSm'äßig gewährleistete Gleichberechtigung der übrigen-Studenten aufs gröblichste: Sonderbarerweise werden di^e Satzungen von den akademischen Behörden in Graz als gültig und für alle Hörer verpflichtend angesehen. l^ermain die Verpflichtung, auch seinerseits seine polit-it sche Unabhängigkeit zu wahren und keine Verträge zu schließen, durch die es diese direkt oder/ indirekt verletzen wurde. Des. weiteren legte das Finanzkomitee Gmndsätze. für die Einrichtung, der Kontrolle vor. ' ' ' Der Bundeskanzler teilte mit, daß während feiner Anweseivheit in Wien das österreichische Parlament für den Fall der Durchführung 'der vonr Völkerbund in Angriff genommenen. Kveditakbion der Bestellung einer.Finanzkontrolle rmter der Voraussetzung, daß die st a a t l i ch e S e l b st ä n d i g k e i t ge-, wahrt werde, zu gestimmt hat. Der Bundeskanzler begrüßtes es, daß die Kontrollkonmnssion durch den/Völkerbund bestellt, und möglichst sparsam eingerichtet werden solle. Besonderes Ge-' wicht legt er aber darauf, daß Gegenstand und Umfang der Kontrolle genau festgelegt werden. Er beantrage, sofort nach ^Abschluß der zwischen dem Völkerbünde, den garantierenden Mächten und Oesterreich zu treffenden Vereinbarung behufs ihrer raschen Dcrrchfnhmng eine Abordnung des Völkerb u n d e s n a ch W ien zu e nt sende n, mit der die Regierung die in Aussicht zu nehmenden finanziellen Maßnahmen festlegen kann. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Nach Schluß der Debatte teilte der Vorsitzende. Lord. .Balfour mit, daß der Völkevbundrat die-Absicht habe, die t Vollversammlung in der Schlußsitzung am Samstag mit den Ergebnissen der Verhandlrmgen des österreichischen Komitees zu befassen. Die nächste Sitzung des österreichischen Komitees finföei 'morgen nachmittags statt: Einer Interpellation des Abgeordneten Ebner, ÄS dem Nationa^vate. gestern vorgelegt tvurde ist hierüber : loeiters zu enttrehmen: In diesen Satzungen wird als Organ-der Grazer Studentenschaft unter anderem auch eine HochschulkaMmer vorgesehen. Aktives und passives Wahlrecht hierzu genießen nurStudenten deutscher Volks zugechörigkeit ohne Rücksicht aus StaatszuhegöriAeit. Diese Hochschulkammer maßt sich nun in der Verwaltung akademischer Angelegenheiten amtlichen Charakter an, ohne daß die akädemischen Behörden willens oder fähig wären, den Gesetzen des Bundes bei den. jungen Herren die Achtung 'zu verschaffen, von der Leute erfüllt sein sollen, deren Stu-' .diengang m!r durch schwere Opfer aller Bundesbürger für den Fortbestand unserer Hochschulen ermöglicht wird. Wie sehr'sich die akademischen Behörden nicht so sehr als Organe; -des Bundes, sondern als' Büttel einer -p r.i v a.t e n Stude n t.e n v e r e i n i g u n g fühlen, geht , daraus här- -vor, daß das Rektorat der Uni-Versität an-, die Quästur den Auftrag gegeben hat, gelegentlich der Inflriptron zugleich mit den übrigen auf staatlichen Vorschriften beruhenden Taxen und Gebühren von allen Saldierenden ausnahrnsM einen Beitrag.für die Hochschulkammer einzuheben, besten Höhe natiirlich von den deutsch-arischen jungen Herren festgesetzt wird, und die Inskription zu -verweigern, wenn dieser B e i t r a g n i ch t entrichtet, wird. Geradezu ungeheuerlich ist aber die Zumutung an -Ueberzeugungs- und Gesinnungslosigkeit, die darin liegt, daß die Dekanate seit dem Somnlersemester 1921. nicht mehr die Best'ätigung über den.Besuch des Semesters erteilen, wenn die Hörer nicht die Bestätigung des Studenten- Wohnungsamtes beibringen. (Dieses Wohmmgsamt ist natürlich kein Amt, sondern eine Einrichtung der deutschnationalen Studenten). Man scheint zu über- - sehen, daß es Hochschüler gibt, die mit jenem Krakeelertum nichts zu tun haben wollen, das sich als deuffch-arische Sttldenten ausgibt. Der Unterrichtsminister wird schließlich in der Interpellation aufgefordert, die' äkademWen Behörden in Graz dazu zu zwingen, daß sie ihr Amt als Lehrer und Beamte des Bundes unparteistch zu führen haben und daß die ihnen, unterstellten Behörden nicht dazu berufen sind, Büt.tel- und Zu treib er dien sie für Private Vereinigungen von Studierenden zu verrichten, daß sie insbesondere von der U n v e r s ch ä m t heit ablasten, Beamte des Bundes. mit der Eintreibung von Beiträgen für private Vereinigungen zu belasten, die vermutlich ohne diese brüderliche Hilfe an Interesselosigkeit ihrer angeblichen Mitglieder ein-, gehen würden. , D«2genlL«drfcher La«tztäy. Estenstadt, 27. Septelnber. Der LurgMaMsche Landtag wird morgen zur Hevbsttagung zufammeirtreten. Neben der Fesstetzung des Landsvoranschlages werden einige, wichtige Gesetze, darunter die' Gese^entwürse über die Lan'darbeiterordümvg,. ühe-r die Schulaufficht nmiddie Emhöbung einer Luxussteuer zur DeHandlwlig kommen. Ute Grazer Z,»«strie zahlt den Z»dex »nd kündigt die KollektivvertrKqe. Graz, 27. Schtember^ In einer.^ gestern äögehalteoren Versammlung der'J-ndustvieangestellton. wllvde lnitgeteilt, daß die ' Unternchmer.beschlossen haben, den Index für den lauftnden Monat voll zur Auszahlung zw mwl§e vorxerekrtstener LLiron in grosser Auswahl zu 80*11 e f reduzierten Pr eIsen -WU im Waren haus II., TaborstraRe 48 Telephon 47-1-79 En gros En dala» .1 V

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