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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-28 · Heft 1305 (28.9.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1305 (28.9.1922)
Date
1922-09-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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11100 . W l«t:!&u!rn. Ahhplen in 4er Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder ineinerVerschleiß teile iTrafiV) moBiatl; K 30.000 Itöt Postversand für Wien u. Oestenfi. mopatl. K 30.Q00 Tsoheeho>Slowakei: Mon, K 2p. Ungarn: Mon., X 6ÖÖ. J u g o s 1 awi p nMon. Dinar 30. Polen:' Mon. Mk.2200; Deutschland: Mon. Mark 300. :Frank r., Belgien: Monatl, Frc?. 8 rNaeh.tal^IuBfea MU Preiserhöhungen Vorbehalten T schecho-Slowakei 1 tschech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien,, Bulgarien: Monatl. 60 Lei;-bezw. Lewa Schwei z und' das; übrige Ausland monatlich Frcs*,3;; Redaktion u. Administration! Wien.II., Taborstrasse.I-3: Telephone: 44-Q-38,43rM9,! ab 6 Uhr abends 16-301.. Tel.-Adr.:,Morgenzeitung" - Wien Oesterreichisches Postsparkassen -Konto Nr. 150.693: Nr. 1305 .» "■ .. >-.>'a0.1itz«— ' 1' «.. '' « ' " . Wien» Donnerstag, 28. September 1S2S iV määmmUäkim \ , 4. Jahrgang Die neue christliche Konzentratw« in Ungarn. Wien, 28. Seplember. Der ungarische Ministerpräsident, der sich einen kurzen Urlarw gönnen wollte, '.'mußte-/ diesen plötzlich unterbrechen'und.nach Budapest zurückkehren.'Seine Abwesenheit wurde dazu benützt, um endgAtig eine Sprengung seiner Einheitspartei, die allerdings schon am Tage ihrer Entstehung nichk einheitlich' war, dürchzuführen. Wenn die Gründung der neuen christlichsozialen Konzentration,. ivre -sft schönsärberisch von ihren Initiatoren genannt wird, und eigentlich ein magyarischer Fq^smus. werden will, noch nicht feste Formen angenommen hat, .so liegt der Grund darin, daßauch diejenigen,die. sich . bei dieser neuen Parteisormation zusammengefunden Haben, gleichfalls nicht auf BxuM .gemeinsamer Prinzipien und poliüscher Auffassungen, zusanimestgeführt wurdem Nicht füt eine neues politisches Dogma, auch Nicht für die schärfere Betonung eines bestimmten politischen Zweckes wollen die Schöpfer' der fasMschen christlichen Konzentration kämpfen, ihre Stellungnahme richtet sichvielmehr gegen Bethlen üstd seine'Regienmg. Die Gründe der Gegnerschaft sind bei den verschiedenen Elementen, welche geneigt wären, die Regierungsparteizu verlassen, grundverschieden, und stur der.Haß gegen Bethlen ist, was sie vereinigt. Das bezeichnendste-sür die sonderbare Art dieser neuen KonzenUatioy ist Pie Tatsache, daß Gombös, der Vertreter Horthys,zrnd Stephan Friedrich, noch bis vor kurzer Zeit der eMttertste Gegner Horthys und G'ömbos', bei dieser KoyzentraLiostsbewegung gemeinsame. Sache; wachen. / Die Erklärung ^ierfiir hegt dE:, da^sowö^Fri^ü zoichen dafür hat, daß Bethlen älle.diplv'mattschen Knifft in Bewegung setzt, um dem Regime. Horthy durch die .Hermberufung Zitas und ihres ältesten Sohnes! ein beschleunigtes Ende zu bereiten,' Friedrich wicker, weiler mit Bethlen noch eine alte unerledigte Abrechnung zu führen hat.; Die Gegner jeder reaktionären Politik, und beson» . ders die Juden, können an den.öffentlichen und geheimen' Vorgängen in Ungarn unmöglich , achtlos vorübergehen. Ungarn spielt jetzt, wie schon so oft, sein wohlerprobtes Doppelspiels In Genf ließ die Regierung offiziell durch ihren! Außenminister Banffy versichern, daß die Regierung bereit sei,' ihre sämtlichen Verpflichtungen, die ihr durch den Friedensvertrag auserlegt werden, so ins- . besondere die rechtswidrigen Verordnungen und Gest' wie den Numerus clausus, die Beschränkung der.Koi tionsfrerheit, die Verfolgung^ der Juden auf Wirtschaft- / lichem und polittschem Gebiete, einzustellen, und kaum hat der Völkerbund dieser Erflärung Glauben geschenkt und Ungarn in seine Mitte ausgenommen, hat Banffy,. der. sich persönlich für die Einhaltung der von ihm geleisteten Versprechungen verpflichtet hatte, seinen Posten als Außenminister verlassen, damit sein Nachfolger nicht durch dqs Wort Banffys beengt werde. Banffy hat auch . in Gens versichert, dätz die ungarische Regierung die Wiedereinsetzung der Habsburger-Dynastie in. Ungarn .nicht betreiben werde. Aber seit der Aufnahme Ungarns in den Völkerbund wird die Habsburger-Frage in Budapest wieder mit allem Eifer behandelt! und die Gegner Vehlens sind in der Seine, diesem' nachzuweisen, daß er ait der Spitze'dieser Aktion steht. In Genf hat die unga- , rische Delegation sich verpflichtet, die völlige Entwaffnung Ungarns vertragsgemäß enbltcfy durchzufiihren und der erste'Schritt des Völkerbundmitgliedes Ungarn war eine Zuschrift der ungarischen Regierung an die Mächte, ist welcher die Abberufung der interalliierten militärischen Kontrollkommission verlangt wird, weil ja diese Kommission-angeblich bisher-keine Waffen gefunden habe, was dafür',sprechedaß es in Ungarn auch keine. verborgenenWciffen gebe. Man. muß.Men, die Ententemächte-und der Völkerbund haben sich den Hohn Ungarns verdient. - ' . Die neue christliche Konzentration, die dem Grasen Bethlen jetzt so viel Sorge bereitet, will sich im Zeichen des schärferen RassenscbulMbetätigen.' Damit ist auch die Richtung gekennzeichnet, .welche diese neue Kampforgariisnjiost,,in 'Ungarn einzu'Klagen entschlossen ist: Iw 'Innern Ralliierung aller derzeit zerstreut wirkenden arbeiter- und judenseindlichen Elemente, Wftderäuf- > nuhme des. Antisentttiswus der Tat und schärfster Kämpf genest udie ckstfstrebende ArbetteMchegung. Nach außen hin intensivste Pflege des Jrredentismus in den Nachfolgestaaten, und zu diesem Zwecke Herbeiführung. der Verbiuduna init allen jenen Nationen, die a« Mer Woiulionm Griechenland. Meuterei in Herr und Flotte. — Abdankung des Königs. - Rücktritt dev Regierung. Da» Heer nud die Flotte meutert. Athen, 27. Septembers (Havas.) Ein gus'Mithlene kommendes Fluazeug' warf 'über der Stadt.Proklamationen ab» worin der Kommandant der zweiten. kleinäsiatischen Division, Oberst Gonätas- .Weift,'. daß fcfe° Armee.und' die Flottes ihn beauftragt -hat^Me'Abdankung - des Königs Konstantin/ die Auflösung'des Parlaments, die Bildung eines'! Kabinetts der nationgkeu.Verteidigung und die' Verstärkung' der Ftostt zu fordern. 1; . - Es ist wahrscheinlich, ^äß mr Lause des Tages, dvs Standrecht verhängt "wird. . ' '; Paris, 27. September. Dom „Jntran-sigeaut" wirL be- ' stätigt. daß Lei den .gv«Mchen..-L^tt!estiiPisteN' und. bei der 'Matzne in.Salon'vki' g^tern^ eine. A-ujft« n d s.b e w e-! gUn g auZgchrochen fti. M Kutzis. die .öklrnison veranlaßt, sich. den . Auftühverst von Mytiftne; uÄHids-^usMießm. He- StW'Hbst MM fttzt -ruhig.. In'8hjos habe' (^-eM'-Platsiras die' LÄtung der Bewe- .gUng übernommen. Auch die übrige Flotte schsvne gegen dü Rl.gierustz Partei zu epgreiftn. Die Fcchrzonge „Pilpis"' uNb->^emnM".: sowie nchn ÄrPchoboötzerstover' hatten sich hereits für? die AufftÄMschen eiMärt/ Bei Kap Sünivn sei /eine Abteilung von. Ldststänidischett - gelaivdet., General' Pavulos ft' ihnen tzsttgegsÜg^chM"worden, um fie'dürch UnterhaMstugen ausßichasterr.-Irr.Achen/ wo die! ftnsa- ^nellsteu.Mch^lchftu^herrsche. gvche.. Tvüp-enrchGmgM --gsnW»et.^' Dchon gestern Äbends' habe! öft; Abdankung - KöniW- KbNsWftWft!aIs - unvermeidlich' gegolten. -- >. London, 27. September. (Reuter.) Nach Meldungen aus Athen seien in -Griechenland ernste revolutionäre Unruhen .ausgebröchen, besondersin Larissa, Mithlene und Saloniki: Heer und Mapne seien daran beteiligt. Her Minister' des Innern erklärte gestern, die.Regierung wisse. nicht, wie viele Kriegsschiffe sich der Bewegung angeschwssen! - hätten.' Die Sicherheit des! Königs sei anscheinend unge-! sahrdet. Die Ausständischen verlangen hie' Abdankung , des Bbds«k««g des Köiiigs. .Athen, 27. .'September. (Reuter.) König Konstantin hat abgedankt. Rücktritt der Regieruug. Paris, 27. September. (Tel.-Komp.) Rach Meldungen! aus Athen hat Venizelos an seine Rückkehr nach Griechen-.!land die Begründung-geknüpft,'. daß König Konstantin vor-.^ her abdarcken muffe.! .. . Es sollen im ganzen Lande Unruhen! ausgebröchen sein, drd auchxmf Heer.iyrd-Marine übergegriffen haben; nach- - einer' Erklärung des Marinennnisters weiß man nicht, i mehr, welche Teile der Flotte den Regierungsbefehl-m g&; horchen.. yil! Das griechische Kabinett'hat demissioniert, nachdenr .vorher-zwei Minister ihren Rücktritt erklärt hatten! weil . König- Könftanttn-seine" Abdankung als Vorbeding'.!na der'? Rückkehr Venizelos' abgelehnt hatte. ' k»»-'- Bet«sem,RAsrNftsUL. '' .- J, Mallomd- 27. September. (Tel.-Komp.) Wie Du „Corriere.Zella Sera^ aus AHen meldet, hat die griechische' Regierung über ganz Griechenlaich den. Belagerungszustand > verhängt.. Der ' Köirig^ gab - dem Ministerpräsidenten seine i Absicht tttnd, sich sofort näch'Thrazien zu Begehen. - Pa»ik i» Kanftantinopel. - EagNsche Abda«k»«g Si» Utti«at«m a« Ke«al. London, 27. September. (Reuter.) Die „Times"! melden ' aus Konstartitmopel: General Harringtou hat Mustafa Keniat Pascha auf funkentelegraphischom Wege ersucht, die Räumung der neutralen Dardänellertzone binnen Stunden nach Erhalt der Depesche anKnordnen. Die Gefahr eike» eaglisch-türkischen . Iusammeastatzev. London, 27. September. (Wolff.) Der Berichteytatftr des „Daily Chrnnicle" in KonstantmoPel meldetftmem Blatte, daß. im Aildiz Kiosk Panik Herrsch e. Der Sultan sei durch den'Rücktritt ftiner Minister vollkompten' n ied e r g e sch lag e n. Kemal habe seine Ab-, sicht ausgädrnckh einen nationalen Großwesier in Kon-' stcmtinope^ zum Vertreter der Regierung von Angora zu ernennen. Seine Wahl werde sicher ans .Hamid Bei fallen. Es bestehe wenig Zweifel, daß der Sultan wegen seiner ententefreundlichen HÄtung entthront werde, wenn die -Anhänger von Angora in Konstanttnvpel triumphieren. Der aussichtsreichste Kandwat sei Prinz. Selim. London, 27. 'September. Generalmajor Sir Fvederick Maurice teilt den „Daily News" ans KonstantmoPel mit, daß. türkische Kayallerre Evenköj und Kmwßale weiterhin besetzt halte. General Harringtou und auch General Pelle Krtegsschiffe ««.Bosporus. — Vor der des S«Uau». hätten Kemal Pascha telegraphisch ersucht, die Zurücknahme der-türkischen Truppen aus der neutvalen Zone ,anzuordnen. Bis zum Eintreffen, der Weisung Kemal' Paschas an d e ttirkischen Streltträste, die nicht vor Maus Vvn^. 45 Stunden oinlangen durfte, hätten die britischen Streit-'! kräfte in Tschanak Befehl erhalten, keine offensive Aktion zu unternehmen. General Harringtou erklärt, daß für die' britischen .Streitkräfte in TschaMk keine Gefahr bestche. Konstantinopel, 27.. September. (Havas.) Die kema- . liftische' Abteilung hält noch immer Evenköj in der . neutralen Zone von Tschanak, besetzt, die andere Abteilung Biga nn Norden der neutralen Zone. General Harringtou sprach dem kenialffttschen Vertreter Hamid Beh gegenüber den dringende-: Wunsch nach Räumung der.besetzten Punkte aus. Kemal Pascha über die Orieatfrage. Paris, 37. September. (Wolfs.) Mustafa Kemal Pascha hat in Smyrna einem Korrespöndeitt^n der „Chicago t Tribund" ein Interview gewährt, wobei er - u. a. sagte: Wir, wünschen, daß die Meerengen o s f e n und . sicher sind. Infolgedessen sind wir bereit, die bestchenden BefestiMngen zu beseitigen. Mer unsere Ha-uptstadt liegt am Bosporus und ihre Sicherheit muß verbürgt werden. Die Regierung der großen Nationalversammlung ist . bereit, der ganzen Welt gegenüber die Verpflichtung.. zu. neuerlichen Umwälzung in. Mitteleuropa interessiert sind. Deshalb haben gerade die Elemente der neuen christlichen. Konzentration dem türkischen Vertreter in Budapest die- Glückwünsche der ungarischen Natton anläßlich der Niederringung der griechischen christlichen Armee! durch die muselmannisch-ottomanische in überschwenglichsten Formen überbracht. Die Gefahr, .die allen : liberalen Elementen in Ungarn durch diese neue christliche Konzentration droht, hat zu neuen Versuchen geführt, dem extrem-reaktioistiren Block einen Block aller reaktionsfeindlichen Grup-- pen entgegeyzustellen. Da wie dort sind es hauptsächlich veriönlicke Kraaen. die nock ru überwücken sind. Lüben wie-drüben spielt die Königsfrage eine wichtige Rolle und bildet gleichfalls eist, noch zu überwindendes Hindernis für die Konzerrtra,tton in diesen beiden Lagern. BeachtenAvert ist, daß sich Gras Andraffy, der sich an die Sv'^e einer Sammelaktton unter den ungarischen Aristokraten zugunsten eines großen Zita-Fonds gestellt hat,' beiden Lagern fernhält. Er hat als Habsburger-Freund m beiden Lagern seine Anhänger, seine Gesinnuhg zjeht ihn zur chrfftlichen Koyzentration hinüber,' seine Takttk gebietet ihm jedoch, sich jetzt in dieser Richtung nicht zu exponieren. Zwischen diesen, beiden Lagern steht das arbeitende jüdische Volk, das mit Recht die eine Gruppe fürchtet, und der anderen mißtraut.

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