Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1303 (26.9.1922)
- Date
- 1922-09-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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limzsiHvmiaer LIM .Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11..1ahorstr.1-3, oder in einerVersehleis*telle ClWik) mondtl.' K 30,000 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 30.000 Tschec ho-Slowakei: Mon. K20. Ungarn: Mon/ K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30^ Polen: Mon. Mk. 2200. Deutschland: Mon. Mark 300. Frankreich: Monatlich frcs. 8 * N* ch Y ft hlu Prei*erhöh«ngon ■Äf. Rr. ISO» ’ -- - - -- . - ." „ . ..ff .. . .■■■■■■! Tsenachosiowa»ci: . ';iscjlfch.K 1,20iv "iVäire'V: Mo'ö^ MumLnis»: Mon. OS Lei S'chw eiz und das.übrige Ahsland monfitlPcH’Frcs. 3. Redaktion u. Administration ' Wien, IL, /Taboj'a tras$e 1—3 .j. eiepnöne: 44*0-38,43-3-19, ab .6Uhr ahehds 16-501 Tel- Adr.: .Morgenzeitung* ■ Wien- ‘ V/ U0SVI » vivuioCQCS ^ostsp&fi1 kassen-Konto W. 150,693 Frankreich «nd Kemal. P. W i .e n. LS. He-t««-er. Die aus dem Osten drohende Kriegsgefahr scheint, wenn nicht neuerliche Komplikationen eintreten, glücklich gebannt zu sein. Zwischen den Staatsmännern von England, Frankreich und Italien ist es zu einer Ziemlich weitgehenden Einigung gekommen und ihr «Niederschlag liegt in einer gemeinsam der Türkei übermittelten Note vor. In dieser werden die Türken zu einer raschest einzuberusenden' Konstrenz eingetaden, welche einen/ endgültigen Friedensvertrag Herstellen-soll. Dem türkischen Wünsch, Thrazien bis zur Maritza und Ädrianopel. wieder zu erlangen, wird die Unterstützung der drei Regierungen auf der Konferenz jn Aussicht gestellt, unter der Bedingung, daß die Kemaliften die neutrale Zone schonen. Konstantinopel soll nach Abschluß des Vertrages von den: alliierten. Truppen geräumt werden,, hingegen soll' eine Entmilitarisierung gewisser Zonen erfolgen nick die Freiheit der Meerengen unter der Kontrolle -des Völkerbundes garantiert weiden. . ' . . . - Das Fazit der bisherigen Ententckesprechungen ist, daß die Türkei wieder als europäische Macht auftaucht. Die' Entente cordiale zwischen den Kemalisten . und Frankreich ist so offenkundig geworden, daß sich England dem französischem Standpunttanbequemt hat. Dies -- konnte es um so leichter tun, als Frankreich den'Kernpunkt der englischen'For-erilngen> akzeptiert. Die Meerengen sollen frev werden, und mit. derrErfüllungdieser Kardinalfordernyg,. welche vom . Gesichtspunkt, der Sicherung oes Müschen Kolonialbesitzes ' ohneweiters verständllch ist, istder hauptsächliche Streitpunkt aus der Welt geschafft. Wenn Frankreich.versichert/ daß .die Kemalisten die.von den Verbündetest errichtete neutrale Zone refpMercw,werden, so ist dies'angeffchss,des U.m- Decke spjeÜ/desttstch.genug, und eine^^einscune nnlitärische. Demonstration.'ist siiberftnM^Wvorden. Die Pariser Presse , wird nicht müde, FMkreich'. bei dieser Gelegenheit als Friedenshbrt zu preisen üyd 'auch die englische Arbeiterschaft ist über einen neuerlich drohenden Krieg in begreifliche Unruhe geraten. Aber so begrüßenswert ' es ohne jeden Zweifel wäre, daß' die Menschheit vor einer Ausbreitung der kriegerischen Verwicklungen binvahrt bleibe, welche bereits ihre blutige Spur dur ch die Städte/und Dörfer Kleinasiens ziehen, so• darf andererseits nicht übersehen werden, daß es gerade Frankteichsf wohlwollende Neutralität, welche genügend durch die Waffenlieferungen an die Kemalisten gelennzeichnet wird, gewesen ist, die das Aufflammen des Brandes im Osten' gefördert und eine Liquidierung der türkisch-griechischen Angelegenheit verhindert hat, und es ist nichtganz überflüssig, dargn zu erinnern, daß nur ein kleiner Teil vön'der Entschlöffenheit, die Frankreichs .Bertrete'rsiM.fSaargebiet aüWrngen^ äusgereicht hätte, um Ausbruch und Fortgang von Feindseligkeiten zu vermeiden/-welche.'wiederum Tausenden von' Menschen, Mnd nicht Mein waffentragenden,das Leben gekosiet, unbeschreibliches' Elend und"grausige Verwüstung über die klemasiatische Küfte gebracht hat/und eine halbe M'lliönkleinasiatischer Christen aufgepeitschten Türkettinsimkten ausliesert, ' welche im / Weltkrieg — man braucht nur an Armenien und Palästina zu erinnern —- eine volle Probe ihres Könnens' äbgelegt Haben. Die Sprache der Ereignisse rst zu laut, als daß es genügen kö.mte, die kemaliMchen Meldungen über Exzesse vön Griechen, die ja —Ätkg tft befattnttldC) Ärtcg— auch keine reinen Engel, sein mögen/dstrch die offiziöse Pariser Nachrichtenagestturverbreiten zu fassen, Mer. glleS übrige dm Schleier zu breiten' und'weiterhin der traditionelle Beschützer -de'r'-vrrenWW-'WWnW bleiben. Die Türkei wird wieder eine europäische. .Macht. Wahren^ noch Elemenc'eau den Protest der Türken, gegen di: ursprünglichen harten Bedingungen mit dem Hinwus beantwortete, die,Türkei hätte als Werkzeug in Deutschlands. Hand? jeden Anspruch auf Schonung/verwirkt und durch die Grausamkeitihrer Kriegführung ihre Unfähigkeit eMiesen,--über? ftenlde Völker zu herrschen^ während nüch^inl' Sommer von -1920 Millerand, damals Mitnsterpräsident, erklärte, daß Aendernngen an de-n Vertrage von Sevres ausgeschlossen und Thrazien und Smyrna, nur von türkischen Minoritäten 'bewohnt, endgültig von der türkischen Herrschasr befreit, seien, hat die sranzösische .Politik inzwischen gründlich. umgel^xnt' 'urwbringt).sogar ihre backanischen Verbündeten, Jugoslawich, urd Mumänien, '.in.sUrwntze. -Dcr Vertrag von -Angora, in ' Paris als Wassanstillstastd bezeichnet, in Wahrheit. Än regelrechter Bündnisvertrag,. sichert Frankreich uEn^iuAwstqrkenMÄl an der/Pggdqd? bahn derartige wirtichastliche' und politische Vorteile in Gü»stiger Sta«d -ex BWrechüngen. — Die Ue-errmhme der (Garantie. Ge«ß -85.-September. Heute üachmittags fand znnachst eine längere Sitzung des Finanzkomittts ftattt Sodann ttat um 6.Uhr das österreichische Komitee des Völkerbundrates unter dem, Borfitze B a l f o « r s zusammen. Diesem Komitee würden Entwürfe für die Erklärung über dir v n a b h a n gigke i t und Unverletzlich keit Oesterretch s vorgelegt. Auf Grund dieser Entwürfe werden morgen die staatsrechtlichen Sachverständigen unter Beiziehung österreichischer Vertreter einen definitiven Vorschlag feKMckeWMWMsodäM eilt Bericht Her die Anfieilflng der voy den P 8 chieK zu ü b e rst eh men den, finanziellen Garantien zur Sprache. Es wurde vorgeschlagen, daß-jeder der im österreichischen Kornstee vertretenen. Staaten, <E n g l a n d, Frank reich, Italien und die T s che ch o - S l ow ak?echidie Garantien für A Pr »z Mt g ew ä hr e n d e \i Gesamtanleihe übernehmest solle. Die restlichen 20 Prozent werden für .die Beteiligung der im Fünferkomitee nicht vertretenen Staaten reservier^ Da in dem Äerrag der neuen Anleihe die bereits flüssig gemachte« Interimskredite einbezogen werden'sollen, wird die Gesamtsütnme vo u 520 auf 650 Millionen GoldkröNen erhöht. Außerhalb der erwähnten Berhandlungen hatte Bun-, deskanzler Dr. Seipel eine längere Unterredmrg mit Bundesrat. Mott a. Vustdesminifier für Äenßeres Doktor G r ü n b e r g e r hatte. eine, eingehende Rücksprache mit dein kanadischen FinanzmMer F i e l d i st g. .? 5 Die nächste Sitzung M.-WerreichrsDn' für -Mittwoch halb 4 Uhr nachmittags anberaumt. ' Genf, 85. Septeiyhez?.- .Per.,tschecho-slowattsche Ministerpräfident Dr. Nest es H ist heute vormittags aus PragBach. GM zurückgeWrt, nmMn» W DWOng^GeS österreichischen Kyrniiees^>^Wmehjj»en/Äl'^gle;^« ist der Vorsitzende des Finattztswi^es I st st s'e st von ÄKm krrrzen Aufenthalte ln Brüssel wieder in Genf eingAtdffD? Die vorstehende - offizielle Mitteilung entkräftet- - dtt Lügenberichte der, „Spezialberichterstattev" -derjen^eu- Wiener Bläitex, die sei-, einigen Tagen mit großer MschästiMt und. aus durchsichtigsten" Borsengründen -.Meldungen-.-Wer einen - ungünstigen Mand der Kredrtverhandürngen' verbreiten. -- -Die „Dpezialberichte" -des-HerrrrS.ieg'hard-t NN „8 -Uhr-Bwtt" und der „N. e me wF-r.a s'f--^-M- Geyf sind wohl das Schäbigste, was bisher,'an ' Sabotage ans. diesem Gebiete gegen die Sanierungsbestrvbungen unternommen wurde. Sie Vevdiemn auf jeden Fall, . tieftr gehängt zu werden. . -7' Arm«: Pascha will Mtfönlich a« de« FriedknsverhaaLlurigeü tetLvehmen. Paris, 35. September. (W-Komp.) Meldungen aus Koirstantinopel zufolge'bestät^tt es sich, daß Kenml Pascha keine Delegierten zu der bevorste-henden Frisdenskorfferenz entseirden wird, da er dieser Konferenz persönlich beiwohnen wird. Da aber der türkische Eeneralissinms Klernasien unter keinen UnlstÄiden verlassen will, so wivd voraussichtlich'die Konftreirz nür in^e^nem -Orte Kleinasiens statffiuden können. - --? - die Erlaubnis eichalten, Kötfftantinopelzu Verlässen; ba wegen ihrer engkändfreuMichen Hstlürng Befürchtm^-m für ihr Leben bestehen. . Belager»«g«zusta»d i« Athe«, London, 25. Septenwer. (Wolff.) Näch evner Melder „Daily Mail" aus Athen soll das Kabinett, den .Beschluß gefaßt habenüber ganz Griechenland den Belag e r u n gs z u st a n h zu verhangen und in Thrazien die vier letzten Jahresklassen unter die Fahnen zu berufen. Die Türken ränmen die neutrale Jone. London, 25. Seplwwer. Das Routersche Bureau meldet aus Konstantinopel: Die Zusümmenkurfft zwischen Gäneral ''ShstttlcwöM.-stnd/tz^-MrKMst, Kommandanten wstr' überaus freundschaftlich. Der tüMche Befehlshaber stimtnte sofort zu, dir Kavallerie.'hmtKr die neutrale Linie zürückzüzichen, und erklärte/daß die.Kstnälisten keMeswegs in einen Krieg M' EEstM---enWstil«st'st^^ ." Dir Z«'KM«rnstötze in Thrazien. ...London, 85. S^tztenchM. .Dolfl.)- Die..Blsttter melden aus'-Achen, daß General Papuläs zmst Generalgouverneur vost Thvcjzitztt ernannt worden isr.'Bisher kam es dört'nur zu einigen Zusammenstößen zwischen^ türkischen und griechischen Banden. - Die liberale» Türken fliichten ans - N»«fta«tinopel. London, 25.. September. Das Reutersche Bureau meldet ,aus - Kdnstästtinopel,' daß 'Ketnäl Pascha ein/ Glsickwnnschtelegramnl?bes Sultans, worin, dieser ihn „erhÄbestster General" nennt, ünbeantwortet gelassen habe. Eine Änzahl angesehener liberaler Türken soll Konstantinopel trotz'der Bersicheningen, daß eine allge-nre'me Anrnestie auf Grund der Friedensbedingungen erfolgen werde, verläffen habest. In Malta wurden/ aus dem . Wege nach dem Kontinent vcrschiedeüe türkische Prinzen mtd Prinzesfrnnen. angetroffen. Sie Habens wie. verlautet^ von den Alliierten Aufregung in Athen. Athen, 25. SePtember. (Tei.-Konch.) Die von .d^ Alliierten, im Prinzjp beschlossene Rückgabe Thraziens bis zur Maritza stößt ixt allen Bevölkerungsschichten.auf .den stärksten Widerstand. . Die griechische Rogievüng ist entschlossen, eine Nückgabe Thraziens mjt Ädrianopel nicht anzuerkennen, sondern sich mit allen Mitteln .hem Verlust Thraziens zu widevsetzen^.Der griechische Außenminister, erklärte, daß sich GrjechenIaÄd Woh/ mst dern Verluste Kleinasiens-abfinden müsse, eim Besetzung -Thrazkns durch die Türkerr -aber --mit./BwsfentzrkMt^ -perhstchMt. würde. Die Jahrgänge 1912— lOife feien zwar demobllisiert, .dagegen stehen noch die Jahrgänge 1919—1923 unter den Waffen. Griechenland werde in Thrazien eine Arnroe von 150>M Mann emsetzen, falls'die Türken mit oder ohne. Genehmi-- gung der Alliierten über den Bospyms setzen sollten. Eine Berschwörüng gegen die griechiiche Regierung. Athen, 25. September. (Te.l.-KomP^Die der RezÄ vung nahestehende ^Presse ..veröffentlicht, -Emzeilheite^ uzber eine gegen düs'KÄinett gerichtet?Berschwörüng, <ad diüen hervörgeht, daß -dicuBenizelisten einen bis' in--Me Emzelheiten ausgearbeitete: Plan für einen Astfftqnd worberc-ltet hatten. Den Behörden gelang es, Mehre re- -vewzeli stische Waffendepots zu enwecken, wobei-zahlreiche/BM)äftttnMk vörgenommen wurden. Unter den Verhafteten befm-det sich stach der-frühere-- venizeltstische Kritzstsmmister Griväs sowie 38 Offiziere. - -i1-- ^! --- Vorderasien, daß ^Paris darob die mühsam hergestellte Ruhe auf dem Balkan opfert, Denn noch haben die Kemalisten nicht aste Atasken fallen lassen, schon rührt-sich Mowjetrußland, welches - sich bei dev Erörterung/der N' rnengettfragen .nicht nbergeheu lassen, will und. Kemals pffH5rtXcr; ^^^bc^•il’i3nü^^c imo >pnt Ä3aifan C.- -.sich-e'.-:e-starke . ..vsgnnjz-'chestr^hwbae..:• ... \ /.Nochfind 'nicht alle - Kl ippen Wifchifft^ Jnimerhrn hervorgeholt wird. Lber einch «ÄMitt« .EinigM der Mächte hätte Europa einen schmerzlichen ttyiweg. erspart und die Katastrophe in der LevantS vornriede /. Auch kann es kaum als ungefährliches- Beginnen k'rschri- N'»n, den Fanastsnius zu -reizen^'und ihw -zu Trünnphen zu-verhelfen. ihre Freiheit -lind tzs"lb'/öestinnnung in.ebenso, -vollem -Maße 'Die' jedc-.ck anderen-' Volk' Aber die französische KettwliftenplMlk der letzten zwei Jahre gehört-in rein-chnrchstü'sMchereS Kapitel..--^