Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1301 (23.9.1922)
- Date
- 1922-09-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9fr. 1301 Wien, Samstag - V,M.| . . "».. ..- Ungarn. Wieder eirtrk Aus Budapest» wird uns berichtet: Für die christlichnationalen Geschäftsunternehmungen ist eine böse Zeit hereingebrochen. Es vergeht kein'Tag, an dem nicht der Zusammenbruch einer solchen aus die Instinkte des irregeleiteten Volkes spekulierenden Geschäftsgründung gemeldet würde. Nach dem Palsfy-Krach hat die „Christliche Jmpo>rthandelsgesellschaft" ihre Zahlungen eingestellt und wieder-haben tausende kleine Existenzen sowie gemeinnützige Anstalten ihr Vermögen zu beklagen. Diese -christliche Gründung erfolgte im September 1919, also in der Zeit der Hochkonjunktur des juden? feindlichen, christlichnationalen Kurses und verkündete das Programm, daß der christliche Mittelstand aus' den Klauen des jüdischen Wuchers befreit werden soll. Als gestern der Budapestcr Gerichthof die Zwangsausgleichsverhandlungen begann, stellten sich an tausend geschädigte Menschen ein, die dem Glauben an die christlichnationale Wirtschaft mit ihrem Keinen Vermögen bezahlen mußten Polen. D ieKLNDivaLenverLeikÄUg im tätenblock. Warschau, 21. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Block der nationalen Minderheiten hat bereits iprinzipieller Hinsicht die RÄhenfölge der Kan-; didaturen in den einzelnen Wahlkreisen wie auch auf der ReichZliste festgesetzt. Auf beiden Listen kandidieren an erster Stelle ein Im de, an zweiter ein Deutscher, an dritter und vierter ein Slawe (in diese Gruppe gehören die Weißrussen, Russen und Ukrainer aus Cholm und Wolhynien), an fünfter ein Jude und weiter in der gleichen Ordnung. In dem Wahlkreis Lodz kandidieren an erster und dritter Stelle ein Jude, an zweite« ein Deutscher. In dem Bezirk Lodz an erster Stelle ein Deutscher, an zweiter ein Jude. In den Senat werden von den Juden Kandidaturen ta Bialhstock, Lublin und Warschau a<n erster Stelle, in Wilna, Luck an zweiter Stelle, in BrzeSk 'dagegen an dritter Stelle kandidiert. Bon der Reichslifte sollen den jüdischen Parteien zwölf Mandate zufallen. Hier ist eine spezielle Delegation sämtlicher jüdischen Parteien von Wilna eingetroffen, um eine Einigung zwischen den Bolkisten und dem Block der nationalen Minderheiten zustande zu bringen. Wie bekannt, haben die BoMsten mit Rücksicht darauf daß ihnen die von ihnen verlangte Anzahl von Mandaten nicht bewilligt wurde, auf eigene Faust eine Wahlaktion mit einem heftigen Kamps gegen den Block der nationalen Minderheiten, insbesondere aber gegen dessen führende Persönlichkeit, Abg. G rü n bäum, eingeleitet. Der Führer der Bolttstenpartei Priludski beginnt feinen Kampf in einem persönlichen Ton, der ausschließlich gegen die, Zionisten gerichtet ist. Um das polnisch-jüdische Organ, „NaSz Kurjer" für seinen Block zu gewinnen, hat ev sogar den Herausgeber dieses Blattes Davidsohn auf der Kronländer Häuser und Grundstücke erwerben und dort wo es LiS jetzt nicht gestattet ist wird man sich endlich mtt der Bitte an Äe Regierung wenden die es in solchen Fällen wenn es nicht höhere Rücksichten unmöglich machen) gewiß niemals verweigern wird. Von den bewährten loyalen Gesinnungen Ew Ehrwürden vollkommen überzeugt, darf ich mit Zuversicht erwarten, daß Dieselben die allerhöchste Entschließung vom 2. Oktober so wie sie eben hier erläutert wurde dm Gemeinde Angehörigen mit der avs^rü.cklicben Ermahnung bekannt geben wollen daß sie auch bei dieser Gelegenheit ihre unverbrüchliche Treue an unser erhabenes Kaiserhaus und ihre Regierungsfreundlichen Gesinnungen im Verkehre mit der christlichen Bevölkerung in derselben Weise kund geben mögen, wie sie es in der schwersten Zeit der Prüfung so oft bewiesen haben. .Indem ich es gewiß niemals unterlasse (so es mir nur in meiner Stellung möglich wird) die bewährten patriotischen Gesinnungen der rechtgläubigen Juden zur Kenntnis der hohen Regierung zu bringen, kann ich schon jetzt Ew. Ehrwürden die trostreiche Mitteilung machen, daß man höchsten Orts gesonnen ist, die wahrhaft lauteren religiösen Bestrebungen der orthodoxen Juden in Oesterrreich tvesentlich zü untersttitzen und ich darf es um so gewißer erwarten, daß jeder rechtgläubige Jude in dieser schweren bewegten Zeit fortwährend bemüht sein wird, das Interesse der legittmen Regierung in jeder Richtung nach Kräften fördern zu helfen. Genehmigen Ew. Ehrwürden" usw. Aus dem Rundschreibm können wir deutlich die Gesinnungsart Deutsch' kennen lernen. Für ihn war selbst das Patent vom 2. Oktober, welches die in der Revolutton 1.848 mühselig erworbenen Besitzrechte der Juden zertrümmerte, gut genug, um darin ein Mittel zur Verhinderung der Modernisierung des jüdischen Lebens zn erblicken. Viel deutlicher tritt diese geradezu jesuitische Gesinnung in seinen Bestrebungen um die Durchsetzung der Forderung nach Trennung der jüdischen Gemeinden hervor. Wiener MsrgeUHeit««-. $ Spielbälle, Gummiabsätze, Radiergummi Hartffummikämme sowie sämtliche Chirurg. Gummiwaren zu Fäbrikspreisen 6 n g r o s Export Silrmawi MmIlr. Mii. 2. Bezirk. "' ' . Ilr.4 Telephon 47-0-86 ' 501 Telephon 47-0-86 seine Wahlliste genommen. Charaktcristischrrweise hat selbst die große jüdische Tageszeitung „Der Moment", welche!' von Priludskis Vater redigiert wird und bisnun stets in Diensten der BoMstenpartei gestanden ist, gegenwärtig mit dieser Partei gebrochen und sich für den Block der nationalen Minderheiten ausgesprochen. Wie in gut informierten Kreisen deelautet, dürfte es der Wilnaer Delegation gelingen/die Vollisten tzu einem, Wiedereintritt in den jüdischen nationalen Block zu veranlassen. . Die SknlM-Gruppe soll laut Informationen aus gut unterrichteter'Quelle mit den Nattonaldemokraten einen Block Zwecks Unterstützung von Paderewskis Kandidatur zum StaatSchef abgeschlossen haben. Aus diesem Gmnde werden viele Parteigruppen in den östlichen Randgebieten, die sich für Skulskj ausgesprochen haben, aus seinem Wahlblock austreten und ins Lager der Unken Parteigrupvierung übergehen. Damit wäre Skulskis. Block, welcher unter dem Namen polnisches Zentrum bekannt ist, so gut wie zersprengt. Eine Konferenz der militärischen Experten der baltischen Staaten. Warschau, 22. September. Preßmeldungen zufolge sind hier militärische Delegierte' aus Finnland, Estland, Lettland und Rumänien eingetroffen, um an der Konferenz der militärischen Experten der baltschen'Staaten teilzun-ehmen, auf welcher über den auf der Abrüstungskonferenz in Moskau einzunchmenden Standpunkt entschieden werden soll. Die Jude» gegr« »«s »stgalizische «uto»»miepr«jekt. Lencherg, 22. September. (Tel. der „Wr. Morgenzsitung".) In sämtlichen ostgalizischen Ortschaften finden jüdische Protestversammlungen gegen das AutonomiepvoM statt. In den Resolutionen, die telegraphisch der Warschauer Regiemmg-übermitelt werden, wird gegm den politischen Ausschluß de r Juden bei der Regelung der Autonomie in Ostgalizien Mrffter Protest echoben. Tschecho - Slowakei. Die Kabiurttskrise. Prag, 22. September. Wie die tschechischen Blätter melden, waren die'Mitglieder der Petka mit dem Ministerpräsidenten Dr. Benesch beim Präsidenten Masarik w Lana, wo oin Ministermt stattfand. „Eeske Slovo" meldet, es sei dabei beschlossen worden, daß Svehl a als künftiger Ministerpräfsdent Verhandlungen mit den Parteien über die BÄdamg eines) neuen Kabinetts führen soll, die bereits heute mtt den Sozialdemokmten begonnen haben und in den nächsten Tagen fortgesetzt werden sollen. Lita«e«. Polnische ForderMUpe«. Kowno, 20. September. Die Polen verlangen bei den Wahlen zum litauischen Sejm auf Grund der Verfassung Litauens, die eine Autonomie der nationalen Minderheiten Vorsicht, wie sie bereits für die J u d e n'gilt, einen Minister für polnische Angelegenheiten und einen Polüischen Nationalrat für das Kirchen- und Schulwesen sowie für das gesamte kulturelle Gebiet. Die polnische Bevölkerung fordert in ihrem Politischen Programm die nationale Autonomie in den heuttgen Grenzen des Staates, ~ 23. September 1122_^cite >, verständige Instruktoren bet,den verschiedenen Zweigen. der Huhne r- und' B i e neu z ü cht M pen Dienst gestellt. Aus dem Berichte ist.ersichtlich, daß, obgleich der größte Teil dieser Gruppen noch nicht MM hie ^ersten Schwierigkeiten, hinweggekommen' ist, kein Zweifel däiiiber obwalten kann, daß sie innerhalb der nächsten zwei/' drei Jahre sich bereits selbst werden erhalten können. Farmsiedlungen weisen nennenswerte Fortschritte auf und liefern den Beweis dafür, daß dM gemischte Farmwesen in Palästina Aussicht auf Erfolg hat. Die Gre»ze« von Transsordanien. In einer öfftntlichen Sitzung des VölkerbuudrateS hielt Balfour eine längere Rede über den Artikel 25 des Palästtna-Mandats, laut welchem das Gebiet Transjordanien nicht unter dieselben Bestimmungen zu fasten habe, welche für die Schaffung eines jüdischen Naitonalheims festgesetzt sind. Der Artikel, wurde schließlich in der vorgeschlagenen Fassung angenommen und die Grenze Transjordaniens wie folgt festgesetzt: Zwei Meilen westlich von Aecaba hinauf bis zum Zentrum von Badr Arab.a und dann längs des Toten Meeres unh des Jordans! usses bis zu seinem Zusammenfluß mit - dem Jarmuckfluß. Rvndscha«. Die Arbeit der Völkerbundversam«» . l««g. Das BeistSndiximgsvcrsahren. — Dir »stgalhilche Fragt — Für Georgien und Armenien. Genf, 22. September. (Schweiz. Dep.-Ag) Zu Beginn der heutigen Dormittagssitzmrg der Vollversammlung, des Völkerbundes erstattete' zunächst der japanische De-- legierte Adashi den Bericht über das Verständigung s v e r f a h r e n. Die vorgeschlagene Resolution und das Reglement des BerstäMgungsversahrens werden"<m*| genommen. Die Resolution enthält eine - EmPschluM Hu? alle Völkerbnndmitglttder, mrtevema-nder KönbeWonen'- abzuschließen, die bei Streitfällen ein Eingreifen von Ver-, standigungskomissionen vorschen. , ,.! De Brouckere erstattete 'sodann den Bericht der< Fünften Komission über die Repatriierung der Kriegsge-j fangenen. Aus dem Berich/ Dr. Nansens geht hervor, daßl 427.886 Menschen, die sich aus 26 Nationen vepteilen,. Psii/ch l die Nansen-Hilfe wieder in die Heimat zurückgeführt wurden. Die Versammlung nimmt den Bericht Dr. Nansens unter lautem Beifall zur Kemrtnis. s L e e.o i n i e berichtet darausü^r die g e o rg ische F r a g e. Es wird folgende Resolution angenommen: Der. Völkerbund ladet nach Aussprache über die Lcyge M Georgien, beit Völkerhundrat ein, den Ereignissen in diesem' Teile Welt seine Anfmerffamkeit zu schenken, um die sich bietende Gelegenheit wahrnehmen zu können, wie aus friedliche Weise und genräß den Regeln des internationalen Rechtes eine Rückkehr dieses Landes in normale,Zustande^u-' stände kommen könne. V. : i Lecointe begründet hieraiff die Resolution, worin die Völkerbundversammlung den Wunsch der zweiten Bölkerbundversammlung wiederholt, die den Bölkerbundvat beauftragte, die Ausmerksamkvtt der Verbündeten Mächte auf die Nützlichkeit zu'lenken, die juristische Lage in''O st-, galizren bald zu regeln., - Bundesvat M o t t a trat sodann in beredten > Worten für die Unterstützung der Armenier ein, die ständig Verfolgungen ausgesetzt seien, und schilderte die Lage dieses unglücklichen Volkes. Er bat um die Annahme der Resolution, worin vom Völkcrbundrat verlangt wird, darübep zu wachen, daß in den Friedensverhandlungen mit' ^er Türkei auch die Errichtung einer nationalen Heimstätte für Armenier nicht aus den Augen gelassen werde. Lord Robert Ceeil unterstützte die Resolutiorr mch erwähnte den Vorschlag, der zur Zeit in einer Kommission beraten wird und der dahin geht, eine Studienkommission nach, Kleinasien zu entsenden. Die Versmmylung spvach/sich für? die Annahme der Resolüüow aus. ' ' 1 ■ \ Patts««». La»dwirtsch«ftliche K>l«»is«tio». Oktober 1W1 bis Juni 1922. D<tM Berichte des Departements für r Landwirtschaft der Zionistischen Wxekuttve in Palästina entnehmen wir, dah Me länbwiittschastlich-orgaüisatorische Tättgkett dieser Amtsstelle in dem oben bezeichneten Zeitabschnitt sich hauptsächlich auf folgendes konzentrierte: 1. Die, Errichtung endgülttger abgeschlossener Siedlungen auf den Farmen'des Jüdischen N a ti o n ä l f o n d s. 2. Die Bildung neuere Arbeitersiedlungen (Kleinsiedlungen) auf dem vom Jüdischen Nationalfonds im vorigen Jahre erworbenen Boden. 3. Die Hinüberleiüutst4M Chalm^ zim zur landwirtschaftlichen beit. 4. Die Gewährung von A n l e ih e n an e i n z,e l n e Sie d l er. Den Farmen des jüdischen Nationalfonds Würderern DarleMsbetrag von . 20.000 e rlig li sch e u P frön zur Herstellung von Baulichkeiten, Anschaffung von Maschrüen,^ Bich und Saattorn für die Pflanzungen zugeführtt Ejne. grotze Anzahl' neuer Bauten wurde errichtet und».«M Obstbäurne wurden, eingesührt.. Ebenso wurden Sach"' lUaborstrafie 17 b Uappan prschenluuis I Ult vt.' Ei« Volkrgericht gegen die Minister de» b«lg«rische« Kriegskabinett». Graz, 22. September. Die „Tagespost" Meldet güs^ Sofia: Im Sobranje' wird. ein Gesetzentwurf unterbreitet werden, wonach alle gewesenen Minister der sogenannten Kriegsmmisterien der Jahre 1913" biß |#18 unter A n k l cUg e g e st e l l t und ttn. Wege des Ost väz,i s m u s verurteilt werden sollen. Der Mrnisterrat hat einen Gesetzentwurf für eine allgemeine Abstimmung über die Schuld oder Schuldlosigkeit der Minister aüsgearbeftet. Wem: 50 Prozent dere. SohmnjewMer /für „schuldig"- stimmen, Mendie! MmffM zu' z e M ckha: ^n V e rb a n « u n g, wenn Ä HZrozcht, ^er ^Dinchrer/ flrx ^Wldig" abgegeben werden, zu z e^n . J a h /^n rK e r keH. verurteilt werden. Die, MstinrMng ist inappellabel. Das' Urteil hätte sofort in.:Kraft zu treten./ ..^i,, 1 Abonnenten für tief unter den 55