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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-23 · Heft 1301 (23.9.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1301 (23.9.1922)
Date
1922-09-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^WWWWWW ,, t < ' i,v - *. '. ‘ •" ■ IlizBiutmmer K11O0 Vien: Znm Abholen in der Exp«dition,II.,Taborstr. 1-3, •der in einerVersehleiBstelle (Trafik) noaatU K 30.000 Mit PoslversandfürWien u. Oestenr. neaatl. ’ K 30.000 Tseheeh o-SI owa k ei i Mon.K20. Ungarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Pol en: Mon. Mk. 2200. Deutschland: Mon. Mark 300* Frankreich : Monatlich - Pres. 8 Naaksahlunsee 'VW holten bei Preiierhobangen . vqrbehp T sr.Siecho-Stou.v.Koi: tschech. K 1.20 Italien: Monat!. 10 Lire. Rumänien: .Mon. Q0 Lei. Schweiz und'das fjbirift Ausland monatlich Fr.cs. 3. Redaktion u<Administration Wien, II., Taborstrasse 1 —3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. TeL- Adr.: ,Morgenzeitungw Wien OesterreiehisehesPostspar* kassen - Konto Nr. 150.693 9t«. isoi Wegen brs Neujahrsfestes - erscheiat die nächste Ausgabe unsere» Blatte» Mautag mittag». An der Schwelle der Befreiung. P. W i e n. 23. September. Rosch Haschanah, Neujahrsfest des Wischen Men«' scheu und des jüdischen Volkes, Fest der Einkehr und Selbstbesinnung,' wehmütiger Rückschau und beherzten Zukunftsblicks. In getragenem Ernst gefeiert, be- Ävon dtzr jüdischen Zentralidee, unserem ewigen tt Imperativ, gewandelt durch sie vom zeitlichen Merkstein zur Wegscheide für den irdischen Wandel des einzelnen und glei^"'''^ damit zum Tage des.sittlichen Aufschwungs für das ganze Volk. Denn sowie die jüdische Idee die einer großer Einheit ist und ihr Trennung von Heilig und Profan, National und Religiös letzten Endes unbegreiflich ist, so läßt sie eine isolierte Betrachtung des Individuums auf die Dauer nicht zu. Dem Judentum ist der einzelne stets nur das Glied an der endlosen Kette, die sich aus grauer Vorzeit in ferne-Zukunft'dehnt, ist der einzelne eigentlich nur von Wert als Keimzelle unh Ferment für die Zukunft. Diese soziale Auffassung, die in der Vorstellung von der Bürgschaft des einen für die Gesamtheit ihren moralischen Mederschlag findet, sie zeigt sich aufs deutlichste in der traditionell-geheiligten Liturgie dieser Feste, die dem Juden aUferlegt,' die Beichte über Taten abzulegen, von denen sich sein Gewissen völlig frei weiß, weil er mitveranttvortlich ist für die Taten seines Bruders. So mündet J mtch die individuellste jüdische Betrachtung in den allumfassenden,- allnährenden Schoß des Volkstums ein und wenn nach uraltfrommer Anschauung an diesen Rösch Mascha ^-.^ ^>wer sterben", so treten wir in das Mne Iaht mit der GÄvrKeit: unser Volk, das sich seil huMrt Generätionemseiner Bedränger erwehrt, blüteitd aus unzählbaren Wuydmalen, tausendmal gebeugt und tausendmal ungebrochen, unser Volk, es wird leben. Der Anbruch des neuen Jahres fällt zeitlich zusammen mit dem Eintritt einer neuen Epoche in unserer Volksgeschichte. Wir rüsten uns allgemach, den- Wanderstab aus der Hand zu tun und uns auf den Marsch zu begeben. Em anderes ist verzweifelte, wegmüde Wanderschaft, die christliche Legende im Bilde des rastlosen ewigen Juden Ahasver Umrissen hat, ein anderes gerüsteter planvoller Marsch, der einem von fernher leuchtenden Ziele gilt. Wir wollen nicht länger mehr wandern und beginnen zu marschieren. Unsere Avantgarden sind schon auf dem Weg. Wir, bisher bloß gebundenes Objekt der Geschichte, sind in fie eingetreten als aktiver Faktor. Unser Anspruch auf die Heimat, die nur unsere Hingabe und Tatbereitschaft zu ihrer einstigen Blüte bringen und in den Kulturkreis der Welt einbeziehenkann, ist anerkannt und feierlich verbrieft von den höchsten Instanzen der irdischen Mächte; unsere historische Verknüpfung mit Erez Israel erscheint als unser Rechtstitel angeführt, kraft dessen wir aus ganzem Recht und nicht bloß geduldet festen Fuß fasten sollen mit der nährenden Muttererde, um zu verwachsen mit der Scholle und aus ihr jene Kräfte zu saugen, deren ein Volk auf die Dauer nicht entraten kann. Immer drängender bricht in unseren-Massen der Wille durch nach autonomem (Eigenleben, nach nationaler Selbstbestimmung, die wir als Vorbedingung für eine freie Entwicklung, nicht als Gelegenheit zu brutaler Mächtentfaltung werten. Was wir wollen, ist die Verwurzelung mit der Mutteres um ganz wir selbst zu sein, die Halbheit zu - überwinden und im Konzert der Kulturvölker unseren eigenen Ton anzuschlagen, weil wir noch die schaffende Kraft in unseren Adern fühlen, im Ringen unserer Denker und Dichter erkennen wie in den spotanen Lebensäußerungen der breiten Masten. Die Staatsmänner der Welt haben diese Sehnsucht, die in unserem Blute lebt, verstanden und gewürdigt und nach fiinsundzwanzigjährigem Ringen ward uns der schwer erkämpfte Erfolg. . Eine neue Epoche beginnt. Die Zeit des Aufbaus ist gekommen. Mrmoch -ift der Weg.schwer ^uchmühe- VhllHNvch sinH t^er sLauens nnd^ftichgUtiAefteft, dex vom'Alltäiz des 'Gäluth Zermürbten 'biefcf dä8^ große Werk will gewaltige Opfer und es wird zäher, unverdrossener Arbeit bedürfen, um mit den Widerständen fertig zu werden. ,Es ssilt,.gerüstet zu sein und die Aiehrheit nnseres^PpM un Zeichen unseres AufbüUwiVns zu einen. Mnn 'stoch haben wir die Heiniäi niM' Wir - haben sie .als Zusage dex Mächte urch ihres jnternatio- Wie«, Sa«stag, 23. September 1922 4, Jahrgang Ei« DermittlxagHautrag Nausens. . (Senf, 22. September.. Wie angekündigt, veranlaßt-, hetzte der norwegische Delegierte Fritjof Nansen in der sechsten. Kommission eine Debatte über die Fragen des nahen Orients. Er stellte den Aiurog, der Rat sei zu ersuchen, alles vorzukehren, um.sobald als möglich . eine S ch l i ch t u v g ' des griechisch.türkischen Streites zn erreichen . und seine guten Dienste enzubieten, damit dem K r ie g e Ein h alt geboten werde. Nansen, der gleich zu Beginn der von dem holländischen Delogiertsn Laudon geleiteten Sitzung das Wort verlangte, begründete seinen Antrag mit dev Art:- 3 und 11' des Bölkerbnndpaktes^ die es dem Völkerbund zur Pflicht machen, jeden Krieg. toemt ci* eine« Staat betrifft, der nicht Mitglied des Völkerbundes ist, weim irgend möglich zu vereiteln. Kleinasien MdL seit sechs Jahrhunderten einen Herd von Unruhen. Es sei dringend geböten, die hier krisenhaft konzentrierten internationalen Fragen einer Lösung zuzuführen und dem'stets drohenden. Konfliktein Ende zu bereiten. Ter Vertreter Australiens Sir Cook beglückwünschte Nansen zu^seinem Antrüg. Die australische Weltkönne, nicht verstehe», wdrüm der Nölkcrbntch dem türkischen Kriege ruhig zusehe, ohne. einzugreifett. " - Der persische Delegierte Zok a ed Dowlch versichert zunächst Griechenland ie:nei freundschaftlichsten Gefühle und bittet, 'W 'seines Aenßcrungm' nicht Mel nehmen zu wollen. Er erinnert daran, daß er scheu int'. Vorjahre dd'nVölkerbmw ~ leider Vergehens mifgcfordert?habe/, dem Kriege im nahm Osten eine Ende zu bsreiteni Seither seien wieder viele 7 t-Änch der Vertreter C h iÄ asMfießi. sich im, Nanren der! 400 Drillionen'' dem 'Friede^-- ergebenem' BewÄiuer feines Vaterlandes' mit großer Frmwe demAntvag ^Nansens an, den er allzu bescheiden findet. -! - Fisher- «Mg'and) dankt Nansen, weist.aber darauf hin, daß die Berhandllingen zwischen England, ' Frankreich und Italien bereits' tut vollsten Gang feien uttd. infolge der Einmütigken.'der Alliierten auch.Erfolg versprechen. Redner meint, der Völkerbund sollet diese Verhandlungen - nicht st ö'r.e n. Er schlage daher eine Resolution vor, die den Rat aüsfordert, zur Lösung der Orientfragtz ftine Hilfe zu lerhity, wenn er hierzu von den jetzt Verhandelnden Mächten aufgefordevr werde. ' . / . - , Lord Robert C e eil fmde! es gefährlich', daß mau immer wieder eine „delikate". Situation vorschütze, iiht nichts zu tun. Nach dem Pakte, der dcrt Völkerbund begründete, habe dieser die Pflicht, auch wirklich zu. handeln. Redner könne in der Entschließung Nansen keilte Gewähr erblicken, er glanbe aber, es werde nicht schwer sollen, die Resolution so zu redigieren, daß sitz: allgemeine.' Zustimmung 'fnche.-7 -'' "; ■ Ha notau x schließt /sich : den An.ssührrtngen Fishers vollständig an.Er gibt der Meinung Ausdruck, daß der Böllevbnnd jetzt nicht e i n g r e i fe n s o Ile, da bereits gewisse Verhandlungen in Schwebe seien, die nicht gestört ivepden dürften. Man dürfe die Unterhändler nicht außer Funktion setzen. Die interessierten' Regierungen müßten zuerst zn einer Einigung' zu gelangen suchön. Der Rat habe aber wachsam zu sein und sich in dieser'Angelegenheit ans dem Laufenden zu halten, um eventuell später helfend cingreifett' zu können. Marchese Jmper-ia-li . nnt'erstütztden Antrag Fishers, währeitd -sich der bulgarische Delegierte mü allen Maßnahmen eüwerstan-dett erklärte, die sich int Rahmen des Erreichbaren halten. * ■; Hierauf sprach der erste Delegierte Griechenlands Doktor Streit, der erklärte, die Stellung der griechischen Delegation sei m,dieser Frage besonders delikat,' da es sich, um eine Stellungnahme zu Friedenspräliminarien handle,. an denen die Größürgchte als Vermittler beteUrgt seien. Redüer versicherte, daß sich Griechenland in keiner Weise einer eventuellen B e rmit flu n g des Völkerbundes w i d e r s etze n svevde, falls die schwebenden Verhandlungen nicht zum Ziele führen sollten. Picomte Jshi i verleiht der Meimtng Ausdruck, daß die Tatsache an den Tag getreten sei, - daß keine' wesentlichen MeinÄgsverschiedenheiten mehr bestchen.! Er schließt»sWder Resolution Fisher an. Fisher ergreift nochmals das Wort und erklärt, auch e" sei her Ansicht, daß zwischen dem Antrag Nansen, seiner eigenen -Resolution ttnd der Stellungnahme Cetztl^ keine wesent-- liche Differenz bestehe. Er schlägt, deshalb die. Einsetzung eines Redakblonskomitees vor, nur den. endgültigen Ttxt ft-stzustellen. N a n s e n e r k l ä r t sich mit der A n r e g u ug Fish e r 8 einverstanden. Auch er sei-der -Meinung,: dciß tzine sofo rtige Ein st e l l u n g der FeindseliKeitetf n o -i* w e nd>i g sei und daß die Ausin'erks-mnkeii des Pabes aufdiese Angelegenheit gelenkt werden müsse. Es wäre schade, wenn eine so gute'Maschine wie der Völkerbund nicht in Petvegüng gesetzt würdet Er erklärt-sich - mit einem Redaktionsko'mitee einvet^' standen. - - f ' - Hartotaux macht'-einige juristische Pen^erkungen und stimmtobensö wie^Viwmte'-Jstii'M^lMakttMsromtlve'Nt. - Hieraüsi würde das RsdaktioNskomiteV ernannt, >?be«, Hanötapx, - Fisher, 'JMi, JmperiaLi, .Nänsejt' Und r'LreA <angötz hören/ - >. ^/. , / /q? Vie Pflris«v Hi»nfer«nze». Paris, 22. Ssptember- .^ävas.) Ditz Besprechung. äte- Fr-ligen des nahen O-rienis dauerte bis dveivievtel 6 Ilhr. Lord Cürzon.erklärte, daß die Zusammenkunft morgen nachmittags fortgesetzt werden würde, da noch viel^ zn besprechen sei. .Poincare will vorher,dm Ministertat znsamytenberusen. Die heutige Besprechung bezog sich auf die Form der Einladung an die Türken zur Teilnahme an der Friedenskonferenz Mtz. inKbesondere auf die Feststellung,, ob territoriale Verbessevtmgey, namentlich ans derselben festgesetzt' werden. sollten. hinsichtlich Thraziens, Frsnzösischer Ministerrat. Paris, 22. SeptMber. . PrKdeM Boincape erstattete dein Ministerrate Bericht über die-aüDwrirt-igr Zage, wie sie sich nach der Besprechung ubdr dm' yahen Osten darstellt. Der Zeitpunkt des nächsten Mimsterrates wich je nach den Untstä-nden 'und den' im Gange befindlichen Verhandlärngett festgesetzt' wevden. ' Präsident Adiilevattd Unterzeichnete ein Dekret, womit die beiden- Kammern für den 12. Oktober embevu-fen' werden. ans Dorla ufig keiae ZurücLziehung Lei englische« Streitkräste. . London, 22. September. iWolff.)^ Der diplomatische' Be richterstatter des „Daily Chromcle" schreibt, eine Zurück z.reh-ung der -englischen Streitk-räfte Tschanak komme v o r l ä u fig n o ch. n i ch t in' Fra ge. Zwischen Enrzo.n und Poincare sei in Paris nichts derartiges vereinbart worden. , J-m Gegettteill Curzon fei sehr fest. in. seiner Haltung bezüglich dieser Frage gewesen und habe in seinen Anfragen dringend um eine Rechtfertiigung der französischen Sondevaktion durch Poincave. ersucht, die eine Nichterfüllung eiltcr genternsanten mNtärischein Verpftichi-ung bedeute. Die britischen Tritppm würden auch ohne-die französiwrniaB.^fam nalqn' Areopags, sie. attszubauen als wohnliches Heim für den . Kern Unseres Volkes ist unsete eigene Anftzabe, deren Schwere uns niemand und keine Macht der Erde abn'ehnten kann. ' Worüber.ist die Zeit der Petitionen und der Deklarationen, die Entscheidung ist zu unseren Gunsten gefallen. Die Ausführung aber. ist".'unser. Werl.' Au' ihnr. rufen wir. jene, W zflghM sinpipder^noch heiseite stehen. Das' Hoße^Herß ftiill ^gKH PpfH Nicht Gürch Plistbs^n kamt däs nefle'Zivü aufgebMt werden/'sondern^ nur durch pie. vplleLatitud-Dpserbereitschaft eines,mündigest Volkes, däs aus der Höhe MWh Aufgaben steht und weiß, daß es um das Höchste, geht. ..Die. Mächte der Melt^di^°utzftr^Daseinsrecht dnetzkany^ Haben,^bfiflen^ auf ufls^uno"warttzn'"äüf^msere Ve'MhtMgest.^'Ochon beümnt die Kchvlle. Pie .lange tzexwaiste. der. Mche unserer Pioniere die ersten Früchre zu tragen, schott beginnt auf den verkarsteten Flächen der Wald ztt grünen, der den Namen des großen Rufers trägt und schon regt sich jüdischer Unternehntttttgssinn ttnd Fleiß im Lande unserer Vergattgettheit. Nun gilt es, unsere Bemühungen zu vervielfachen und-den Tausenden die Möglichkeiten zu Heben, ihrem Volke ' sein Heim ^zn bauen, die darauf warten, ihre Mttze Kraft der 'heiligen Aufgabezuweihtzch.. ~ ' Iw Zeichen Ädvs nintett -Zron iret^n»flür! in das neue Jahr. Möge es ein Jahr gesegneter Arbeit für unser Volk sein und uns den: heiß ersehnten Ziele näher bringen, das den Besten unseres Volkes/voranleuchtet!und die Fettersäule war -kn unserer läugen Galuthnacht! - - Mt diesem Wünsche ^treten wir eiO in - das neu^ l! ■j SSMffliasatHi

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