Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1300 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980380--12290-2998818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
" ' ‘ . s”' ) v? '' > ' ’' ' , ’ ‘ 1 V»?. 1 ' ' ' ri&FßVfffic? Ilizilaimner K1100 Wi an: Zum Abholen in 6er Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einerVerschleiastelle, ^Trafik) monatl. K 30.000 Mit f ostversand für Wien u. Oesterr, monatl. K 30.000 Ts ch ec Ho-Slowakei: Mon. K20. Ungarn: Mon. K 600. Jugcxal awien: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mk. .2200. Deutschland: Men. Mark 300. Frankreich: Monatlich Frcs. 8 W* Nacbx«hlu»fft>»'”»1 b«i Prei<crliShwx«B vorbenalteo »»«WM»»»»«»» ... «schf «jji. K 1(XO , Ft a 1 i en tMonatLlO Lira Rumänien: ^Mon. 68 Ld Schwei i und das Hbrigd Ausland monatlich Fr«s. 3. Redaktion u. Administrativ? Wien, II., Taborstrasse 1—:• T elephohe: 44-0-38,43-3-19, ab 6 UJhr abends 16-301 Tel-Adr.: .Morgenzeituiy* Wien Oesterreichisches Postspar* lcassen-Konto Nr. 150.693 Rr 1300 Wie«, Freitag, 22. SeptemSer 1022 4. Aahrgaag Völkerbund und Reparationsfrage. F. W i e n, 22. September. Die. gegenwärtige Völkerbundsession wurde durch einen ausführlichen Bericht über die dreijährige Tätigkeit des Völkerbundes eingeleitet, welchem eme ausgedehnte Debatte der Vollversammlung gewidmet war. Obgleich einzelne Redner mit vieler Deutlichkeit die Mängel des Bölkerburwwerkes unterstrichen, wurde dennoch seiner Gesamtleistung hohes Lob gezollt. - In der Tat weist der Bericht des Völkerbundes, an dem von ver-' schiedenen, sonst politisch sehr divergierenden Seiten mit billigem Spott gemäkelt wird, ein reiches Register von Leistungen auf, die sowohl Vermittlungen in territorialer Einsicht wie Beschlüsse sozialen Inhalts, die Anbahnunginternationalen Verkehrs und Denkens und die Errichtung verschiedener internationaler Institutionen 'betreffen, von denen an erster Stelle der internationale Gerichtshof genannt werden mutz. Aber trotz allem erscheint die bisherige Arbeit des Völkerbundes in gewisse einengende Schranken gepresst; nicht nur, weil es noch eine Reihe von Mächten gibt, die ihm bisher freiwillig oder durch die Verhältnisse gezwungen fern geblieben sirw, sondern, auch, weil die Weltatmosphäre für sein unhemmtes Arbeiten noch nicht von genügender Ungetrübtheit ist. Die Entstehungsgeschichte des Völkerbundes ist hinlänglich bekannt. Er ist tta wesentlichen ein Werk Wilsons, dem Amerika die Gefolgschaft weigerte, als matt jenseits des großen Wassers sah, wie sich die Wilsonsche Ideologie zu der.durch die Verträge geschaffenen Realität vexhält. Die Schaffung des Völkerbundes war eine Konzession der gevissenen europäischen Diplomatie ay' den naivereu ÄMMkaWr^demMMMMDe^ Z zu einer Neüochnüng-'Euröpä^Ä'KWnn^'i-welche.7dmch'/- die Reihe der Friedensvertrage hinlänglich gekennzeichnet^ erscheint. Aber der Völkerbund ist trotz allen seinen Mängeln und Unzulänglichkeiten etwas.Größeres geworden als es Clcmencan und die anderen erwartet haben mochten. Das Dichterwort: „Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los", mag. auch in gutem Sinne seine Geltung haben. Der Völkerbundgedcmke ist der srucht- , barste Keim einer künftigen Neuordnung, und jeglicher ' Versuch, die Staatenpolitik auf internationalem Wege zu' beeinflussen,, ja schon die Existenz eines internationalen Forums schlägt unmerklich Bresche in die zum Tode bernrteillcn Systeme bisheriger Politik. Alles, was der Völkerbund bisher schaffen konnte, fand seine Grenzen an der Tatsache, daß neben ihm.noch andere Instanzen bestehen, die auf ihrem vollen Recht verharren, solange in der S^ilt nicht ein wirklicher Friedenszustand herscht. Der Oberste Rat, die Reparationskommission und die verschiedenen Ententen sind solche Gebilde. die einen Eingriff in ihre Sphären bisher nicht zuließen. Man fcrnn ruhig zugeben, daß hier ein bedauerlicher Circulus vitiosus besteht, denn gerade der Völkerbund, der bisher int wesentlichen genötigt war, Wege zu gehen, die er von den Mächten und in den Verträgen schon vorgezeichnet fand, wäre die berufene Autorität, um der Menschheit den wirklichen' Frieden zu geben. Bei den verschiedenen Debatten in Genf kgm diese Situation wiederholt zum Ausdruck, verschiedene Redner wiesen auf dtze Grenzen der Macht des Völkerbundes hin, und es fiel das Wort, daß der Völkerbund kein Ueberftaat sei. Aber gerade das, müßte er werden, wenn er seiner hohen Aufgabe genügen soll. Das natürliche Schwergewicht seiner Existenz, bringt es nun in der Tat mit sich, daß sich der Aufgaberckreis des Völkerbundes ständig erweitert, und die Verkettung von Politik und Wirtschaft, von nationalen und politischen . Fragen, der innere Zusammenhang zwischen den'Noten der einzelnen Staaten zwingt ihn immer wieder, gegen die vorläufig - selbst gesetzten Schranken anzurennen. Eine isolierte Behandlung von. Einzelfragen wird immer unmöglicher, wenn auch, nur papierene Resolutionen zustande kommen sollen. Dies hat sich zunächst bei den Verhandlungen über die Abrüstungsfrage gezeigt, wo Lord Robert Cecil, der in Genf Südafrika vertritt und mit größter Energie an seinen Abrüstungsprojekten festhalt, mit dem französischen Vertreter Jouvenel hart aneinander geriet. Es ist schließlich ein gemeinsamer Vorschlag zustande gekommen, der eine Abrüstung in. geraden: Verhältnis zu den geschaffenen Garantieabkommen borsieht. Eine besondere . Uebervaschung aber bildete Eecils Vorschlag, dem Völkerbund düs Problem der internationalen Schulden und der.Reparationsfrage zu übertragen. Eecils Be-! nstldttjist'ist klar Und einleuchtend: Ohne Lösung dieser Fdageil'gebe es.keinen Abbau der immer drohender werdendest MltwMchastMft, die ihrerseits in der Welt Die Orie«tk»nferenz wirh t« Venelig tagen. Paris, 31. September. (Tvl.-Komp.) Me „New-Dorl Hevalid" erfährt, habest die' Alliierten beschlossen, .die Friedenskonferenz in B en ed i g abzuhasten, falls Mustafa Pascha gegen die Wahl Dieser Stadt nichts Mzuwendtrst hat. Ferner wurde beschlossen, Ruß l astd. von.der.Äonstrenz auszuschließen, da die Sowjätregierung offizKst-Mchi anerkannt sei 7’;- l;':- ■■ ■ ■ Franzöfische and «aglische WlLttrr- . Paris, 21. September. (Havas.) Die Blatter stellen fest, daß, wenn es auch ^rfrüht wäre, einen Men Erfolg der gestern begonnenen Besprechungen zu prognostizieren, das Einvernehmen zwischen Eurzon, Poinvqre und Sförza über die Nützlichkeit der Einberufung, einer Konferenz, einen großen Schritt zur friMchen Regelung. M',^reny>MMs bilde, Hie ..betonen die vollkommene.Identität M MsMimngen Poinoaves und Sforzas, die versöhnliche Haltung Eurzons, die? mit dom. kriegerischen Charakter der letzten britischen Note ' kontrastiere, die Herzlichkeit der Besprechungen ustd M Annäherung an die friedliche Auffassung Poincares, alles wichtige Einzelheiien, die ein baldiges Einveiständnis vovanssD" lassen. Die Blätter führen ans, das britische Kabinett werde nunrnehr. darüber, schlüssig werden müssen, ob es, mchMNsecknäßiger. sei, sich,'einer gomeinsämen diplomatisch^ MhiM' MWschllsßLN. - die geeignet wäre, sichere und raschere Ergeomsse ohne Blujvergießeü'zu erzielen, als bei einer schwierigen isolierten Mist- - MisHmHMt'veütton'zu Marren.r ..'-v -gchen Unmutig; ihret 'F.MHe^tzber das'Hy Men, C«rzön> HKn- : «ire und...Sforza. Mtchkbe'. gefoSnmene. EinjierMmen Ausdruck, : das die infolge der Veröffentlichung der. britischen Note gefährdete Entente.fester zir . knüpfen ermögllche. Die „Times" derosfentilichen ein,'Dchveibon. des.' ehemaligen . Ministersdes Lleußern G r e y, worin die Umnäglichkett einer Regelung der eurcpäischen.Frage ohne ein Zusammenwirken Fmnkveichs und Großbritanniens betont wird. Grey schreibt, Aoyd George habe einen schrecklichen Irrtum bogangen,' als er eine getrennte Aktion begonnen habe, ohne allem Anschein Mch Frankreich befragt zu haben. Eine derartige Politik, werde England zu einer Katastrophe führen. Er spricht -, schließlich die Hoffnung aus, «daß die Besstrechrmgen zwischen Cuxzon und Poinoare eine Aendcrnng ver auswärtigen.Politik Englands herbeifühven lyerden. - Das englische Kabinett Ln Permanenz. Berlin, 21. Septomber. (Tel.-Komp.) „United Telegraph", meldet aus London: i^ie unerwartete'Rückkehr Lloyd Georges nach London erfolgte, auf Grund.'der zahlreichen in Downing Street eingelMfenen Berichte über die Verhandlungen Lord Curzons. Das-Kabinett beschloß aMsichts der' WichtiMt her. in Verhandlung, stehenden Fragen' in Permanenz.zu tagen, um Lord Curzon auf seine Rückfragen jederzeit ohne Zeitverlust neue Instmktionen zngehen tsassen zu können. Lovd Eurzon wird sür'SamStatz in . London zurückerwartet und wird eimm am Montag stattfindenden Ministervat' über seine Verhandlungen berichten: einen Zustand des Mßträuens und der Beunruhigung erzeuge, welcher jeden Plan zur Herabsetzung > der Rüstungen sinnlos mache. Die/ moralische Abrüstung ist die VorbtzdingunZ und sie hängt von der Lösung dieser Fragenab. . Das Interessanteste an dieser Debatte jedoch ist das Verhalten des ftanzösifchen Vertreters, der die Zustim-. mung Frankreichs zu einer Debatte über diesen Punkt zum Ausdruck brachte und bestimmte Vorschläge in Aussicht - stellte. Ihre Form ist bereits bekannt und sie'sind mit besonderer Geschicklichkeit abgesaßt. Nur naive Gemüter könnten der Meinung verfallen, Frankreichs be-. absichtige seinen inder Repärattonsfrage bisher erstge-. nommenen- Standpunkt irgenÄvie zu ändern. Der Hauptton dieser Formel liegt vielmehr aus , den interalliierten Schulden,, welche, .m diesem Falle ftanzösische Schulden an Amerika sinh, und nran weiß, daßi'stch Frankreich seit langem beumht, die Reparationsfrage mit der Schuldenfrage.zusammenzukoppeln. Dje Schulden an Amerika, düs ist die. empfindliche französische Achillesftrse, und in Paris mag man hoffen, im Völkerbund in der Schuldenfrage einen Sekirndanten zu finden. wie dem auch sei, die Vorgänge in Genf istnd.: von symptomatischer Bedeutung. '> Der Stein ist, , /ins,, Rollen gekommen und ö:e Mechanik der Tatsachen wird i Nach den heute. abeüdS vorliegenden Berichten ist die Situation derart, daß in offiziösen Krisen mit einer raschen Ulch befriedigenden Einitzung gerechnet wich. M»b«»h»e« dtt ßriechische«; Regierxng. . ' Athen, 31. September. (Dol.-Kowp.) Äse griechisch^ Re» gierung beschloß, die Kammer zu suspendieren ünd das Parlament erst einzuberufen, sM-lp die'WasfenstlllstandsbedingunGN seststehen und Fri-vdeysverhaMungen beginnen. lieber die Mission des - früheren Ministerpräsidenten Zaimis, der im Auftrag, der griechischen Regierung nach London reist, verlautet,' dai er. der englischen Regierung präzise Vorschläge über die M-ech'ifihen - ZuMLndnUe.'-an.die Angora- Regierung ulsterbreiten soll. . - Sondergesandte'sollen nach Rom, Washiirgton mtd London entsendet werden, stm die. Gerüchte über griechische'Msschreitungen zu widerlegen und von seiten' der Großmächte Garantien fürdie Sicherheit, des Lebens und des<Eigentnms der fremden Bevölkerung in Kleümsien seitens tob Ängova- Regierung zu fordern, .> Keine FlottendemsustrsLZon. Paris, 21. September. (Tel.-Komp.) In der gestrigen Unterredung 'der alliierten. MMster schlug-der englische' Ad- Miräl. Beathy eine alliierH^FMieirdsmonstration CnglaHs,- Frankreichs und Italiens in den Dardanellen vor,' um die Einigkeit der Miierten, zum Ausdruck zu bringen. Der-VdrsHg wuM-Pom französischen AdmiM -GrasM.stnterstiitzt^vou . ÄqA-t«tr.Lti-KK^Mrkische» TUuypen, London, 21. September. ^Bolff.) Generalmajor Frcheric M o u r i ch drahtet dem „Daily Chronicle" aus Konstantinopel: Die türkische KmÄllerie an der Grenze der neutralen Zone aus. der asicstMen' Seite dir' Dardanellen nhitmt im -Stärie zur. Die türkischen Streitkräste sammeln sich nach und nach und führen .zu einer Bedr ohümg derÄes ätzung der as-iat i schen Küste. Mustafa Kemal» heißt es in dem Bericht, habe die Minister von Angora : nach Smyrna berufen, wo gestern eine : Sitzung über die Frage KvjÄg oder Frieden stattfinden sollte. Die''Nervosität und' hte- Besorgnis der chriMchen Bevölkerung iy Konstantinoptzk-Ha^^zugenoimmen. Der Gene-rälntaior erklärt nachdrüMchst/ bei - her a^hMicklichen Stimmung dar Mo- , hammedaner könne^elne Räumung von Jsmid und Tschanak . im gegenwärtigen Augenblick Folgen haben, yor denen der Dvand in Smyrna/verblasse. Der Oberbefehlshaher Sir Charles Harrington habe eine Erklärung veröffentlicht, worin er die .Entschlossenheit der Engländer kundgibt, die neutrale Zone bis zur Entscheidung der^AllWten zu halten,, und sagt, er werde Zeinen kemalistischen Bor'mansch indioser Zone als kriegerische Äktiom ansehen. PRfic i« Paris. Paris, 21. September. (Havas.) Wie, die Blätter melden, ist der jugoslawische-MMerpräsident Pa-sie heute vormittägs in Päris eingertrofsen.. , >»»MW»»»»»»»««»I»a»»»>»»»a»»»»»»»»»»»»»M»»MW»W»»»0UMr!?L.. ihm den weiteren Ar-stoß geben. Was auch das Schicksal dieses Antrages werdest wag, - für die Zukunft des Völkerbundes ist er von lymptornutischer Bchoutung. Eine neue Mächtegruppierung. ' Der letzte Krieg, der'Weltkrieg, hatte, fernen. Urspvtmg am Balkan; die, ungelöste ' südslatvtsche Frage war nicht , die alleinige Ursache aber immerhin der Anlaß zum Weltbrande. Noch hat sich, -die Kultmwelt in vier fögenannten Friedensjahren von den traurigen Konsequenzen' der vier Kriegsjahre nicht erholt -- und wieder droK .voM Balkan neues Unheil. Die Siege'der Türken übei^dieHriechen ^haben alle die^ ungelösten balkanischen Fragest "wisder in den Vordergrund gedrängt. In Belgrad und Bukar e st. befürchtet.nmü i: in sehr seriösen Politischen Kwiserr einen neuen Balkänkpivg, besonders dann, tvenn die Awne-e Kemals in THMzien.cinnmrschiereN und die Türkei wieder ein europäischer MachtMör werden«sollte. Die Gründe dieser Furcht sind rnannigststher Natur.. Bor allenr. kömnrt der englisch-türkische Antagonismus 'betreffs der -HegelNorne in der molrnnmedauffchen Wett -und in Konstantinopel in 'Betracht. 'Für England ist eS'-einr 'Äibensfr^r, Po-- . 'Mon in seinen .Kolonialgebieten zu> tstrkischen Siegehaben nun eine aroße mx, hier