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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-20 · Heft 1298 (20.9.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1298 (20.9.1922)
Date
1922-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IlizelDimprK HOQ Wien: Znm Abholen in der- Expedition, H,itäVoi’jstr.l-;3, oder in einerVerschlemtelle t Trafik) monatl. - K ‘30.000 1 Mit Postversand für Wien u. Oesteir. monatl. K 30.000 Ts ehe eh o-Slöwak ei: Mon. K 20. Ungarn: Mon. K 600. Jugos lawi en: Mon. Dinar 30. Polen: Mon. Mki 2200. D eut-a ch.Lan d:, Mpn. Mark 300. Erankreich: Monatlich Ffcs. 8 DU* N « e h z * h 1 u n? e n “WO {$'. Preiserhöhungen .Vorbehalten Ar. 1298 Tschecho-Slowakei? tschech. K l.20 . Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien: Mon. 60»Loi Schweiz und das Übrige Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1 —3 Wie», Mittwoch» 20. September 1922 Telephone: 44-0-38,43-3*1 % ab 6 Uhr abends 16-301. Tel-Adr.: ,Morgenzeitüne‘' Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto bir. 150.693 4. Jahrgang 5pomife uub Witfäfift F. W i e n, 20. September. In der Tschecho-Slowakei besteht seil geraumer ^>eit ein' Wirtschaftskrise, welche für die Negierung sowie für den Handel und die Industrie eine schwere Sorge bildet. Der unwiderstehliche Aufstieg der Tscheche- Krone, eine natürliche Folge der - Prager Wirtschaftspolitik, die seit Anbeginn darauf aus ist, die aus einer Noteninflation drohenden Gefahren fiir die Wirtschaftsstabilität zu bekämpfen, hat zu einer immer' wachsenden Absperrung der Absatzgebiete für die tschecho-slowakischen Produkte geführt. Die HandelsbilarH ift«aktiv, der NotenumMf auf ungefähr neun Milliarden gefunken, aber die Industrie zeigt eine sich steigernde Beunruhigung, zahlreiche Werke werden stillgelegt, Ärbeitsverträge gekündigt und die aus der Arhei'tslosigkeitentspringende Not yildet ein ernstes Problem ° für die Lenker des tschecho-slowakischen Staates- Die Krise.wird dadurch verschärft, daß sie mit der Devalvierung der deutschen und der österreichischen Zahlungsmittel zusammenfällt. Aus dieser zeitlich zusammenfallenden Bewegung, welche nach -zwei verschiedenen Richtungen-verläuft, ist klar, ersichtlich, daß nicht der günstige Stand in den Hauptbücher" des -Prager Finanzministeriums an: sich an der herrschenden -Krise die Schuld -hat und es fragt sich, ob e$: von Erfolg wgre, wenn die Regierung den Wünschen dev:-heimischen Industrie nachgäbe, welche eine künstliche Inflation -wünscht, um die verlorene Mportmöglichktzit wieher-zurückzugeprinnen. - Die Spannung zwischen <der> Prager Währung und der. deutschen, wie gar d^r ästerreichischen Balüta/ist so, groß geworden, daß ein versuch.- Prags,-! das -eigene^ Geld zu-entwerten, kaum iMstande^wÄrie^.hier.:mchzujkoMrnen.17 HMöP WhchWÄägen <hcrt- MlMMWrKtzierung geMigt gesehen, eüren Aufruf an das Volk- M evlassen/ ÜÄ1 an'am' Schichten' der Behölketüstg M appeMrech daßsie -durch -entsprechende Maßnahmen/ wie Herabsetzmch^der' Peeisr und -des 'ZlnsfußesL^db geplante Mk-. tiünderRegieruNg fördern möge, welche ihrerseits bemüht sei/'-durcherhöhte-'.Sparsamkeit, /Revision - des Steuer- Wesens, Notständsbäuten usw. der Krise ihre- Schärfe zu. benehmen.' Aber es'Wird eine Weile-dauern, ehe die Wirtschaftskrise iN der Tschechoslowakei,welche eine Folge der Expor t sto ck« ug oder vielmehr der relativ guten Valuta ist, behöben sein wird. . 3 / 3' Es hat sich , nn Laufe der letzten Zeit deutlich gezeigt/ daß . die Tschecho-Slowakei ' wirtschaftlich auf gesunden'Füße steht, und ihrer inneren Wirtschaftspolitik läßt sich Energie, und Zielsicherheit sicherlichnicht absp'rechen. Nichtsdestowenigerist in den ersten. Zeiten der Republik so mancher Fehler begangen worden, der sich jetzt in.'der-Form der schwerenMiftMcHt. Der nationale Chauvinisnms'/hat in der Politik allzülange die Oberhand, innegehabt . und die Leidenschaft, welche. stärker, war als alle ruhigen' .Erwägungen, hat auch' auf die. Wirtschaftspolitik abgefärbst Man .hat sich so lange bemüht, Wien zn drosseln, HäNhel' urw Verkehr. zu erschweren/ man hat so lange den alten und wahrend des' Krieges noch ängeschwollenen Haß auf wirtschaftlichem Gebiet sich , ausleoen zu. lassen gesucht, bis sich die Folgen einstellen/mußten, die man heute nicht nur in Wien , und Oesterreich, sondern im eigenen Lande selbst empfindet. - ' Die Tschecho-Slolvakei ist. nicht, nur aus politischen Gründen, sondern ebenso, sehr ..aus wirtschaftlichen Gründen an Wiens Zukunft interessiert.. Man hat. in. Prag längst zu verstehen begonnen, daß. das Österreich!-. sche Problem im. wesentlichen ein Problem Wien ist und auch die. Einsicht hat nicht lange aus sich warten lassen, daß es nicht, in Prags Interesse gelegen sein kann, den Triumph auszukosten, daß auf den Wiener Straßen das Gras wachse' Wien ist der Hauptabnehmer ' der wichtigsten Industrieprodukte. und. Bodenschätze der. Tschecho-Slowakei und über Wien führt noch immer der Hauptweg nach Europas Süden und Südwesten. - .Die Tatsachen haben dieser Einsicht in Prag längst zum Durchbruch verholfen und rhr Ausdruck ist die Prager Anleihepolitik und die Bemühungen des. Ministerpräsidenten. Benesch und..seiner Regierung, an der Sanierung Oesterreichs aktiv mitzuwirken. 'Die-'- '-Bölkerbundkömmission, die' gegenwärtig die Rettungsmöglichkeiten für Oesterreich 'prüft/, hat' der. Erkenntnis von den wirtschaftlichen'Zusammenhängen her österreichischen Nachfolgestaaten dtzüttichen,' Ausbruch gegeben-, - sie betont, daß keinerlei politische Maßregeln ausreichen können, so lmige nicht' /entsprechende Handelsverträge geschaffen Werden nlidchas Netz der Verbote und Verkehrseinschränkungen zerrissen ist, Mil welchen eigentlich das. vie Uorscbläae des Oölkerbundes fiir Tine Anleihe von 520 Millionen Goldkrone». — Innere Finanzreformen. - EinsetznNg eine^ Kontröllkonnniffio« Gchf, 19. September. In der heutige« Sitzung des zum Studium der österreichischen Frage eingesetzten - Komitees unter Vorsitz Lord Balf o u r s wurden die aus dem Berichte der Unterkommission für Finanzen sich ergebenden positiven Ratschlage vorgetragen. Dir Vo'rschlLge würden a»genommen. . 1 Der vom Komitee angenommene Plan umfaßt folgende Hauptpunkte: 1. Garantie der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit Oesterreichs sowie die GegepverpflichtMg Oesterreichs^ keine mit den finanziellen BerpMtungen gegen die Kreditgeber und garantierenden Mächte in Widerspruch stehenden Verträge abzuschlietzen. 2. Die Begebung eiqer einhe i t lichen A»leihe von 520 Millionen Kronen i» Gold, für die jede der sich anschließenden Machte eine Prozentuell bestimmte Garantie übernimmt. 3. Ausarbeitung eines Programms itineuer sin anziellerReformvn Oesterreichs mit weitgehenden Poll machten für' dieRegierung und Annahme dieses Programms durch das Parlament; ferner Einsetzung einer Kon t r o l l k ö m m i s s i o n des Völkerbundes, die die ^Durchführung dieses Programms zu überwachen und die den Glättbigern zu gewährenden Sicherheiten zu kontrollieren hat. •-. ■*/ , ’ Der angenommene Bericht der finanziellLn Unterkom Mission für Finanzen schließt mit dem Hinweis darauf, daß Oesterreich, wenn es seine Sanierung durchführen WM, nicht sovtfahren dürfe, mehr zu konsumieren.als zu produzieren und Hatz es deshalb ein schwereres Jahr wii^ durchmachen müssen als das vergangene. Mer Oesterreich könne es nur auf diese Weise vermeiden, daß es binnen kurzem in einen Zustand des Elends verfalle, wie er «ür in Rußland bcheht. Dagegen sichere die sofortige Jnanßrifsftahme der notwendigen Reformen Oesterreich eine bessere Zukunft. / V / Die EntsHetbupg der UegierüWn in brr Garantie frage wird fiir Beginn der nächsten Woche erwartet. ' M^/' -///" Frankreich gegrn eine Militärische Intervention. Paris, 19. September. (Tel.-Komp.) Die sranzösische sche Regierung hat durch ihren Gefangen der englischen Regierung belanntgepen lassen, daß sie zwar im Prinzjpe an der Frage der Dardanellen sesthalte, sich aber doch nicht mit den von England ins Auge gefaßten Maßnahmen und Absichten, wie sie aus der FsiWr-Röte vom 14. d. hervorzngchen scheine, einverstanden erklärt. Gleichzeitig hat die französische Regierung ihrer Ueberraschung. AnSVrnck gegeben, nur in d i re k t durch eine offiziöse Rote von den Plänen der englischen Regierung Kenntnis erhalte» zu haben, von denen sie abgeraten hätte, wenn sie vorher regelrecht darüber informiert worden wäre. Frankreich zieht seine TrWperr zlrriick. Gleichzeitig mit dieser Rote an die englische Regierung istdem französischen Oberkommissar in Konstantinopel, der Befehl übermittett worden, die in den verschiedenen Orten der asiatischen Küste stationierten französischen Trupp«; in den nächsten 24- Stunde» z nt ück zu ziehe n, «m jeden Zusammenstoß mit den Türken zu vermeiden. Paris, 19. September/(Wolfs.) Wie der „PetitParifien" zu wissen glaubt, wird dir französische Regierung, um jede Möglichkeit eines Konflikts zu beseitigen, die in Tschanak stehenden französischen Truppen auf das Nordufer der Dardanellenzurückführen lasten. Dem französischen Vertreter in Konstantinopel seien entsprechende Weisungen übermittelt worden. ü «»-' Eine Depesche Lloyd GkOrges. L o n d o n, 18. September. (Wolff.) Lloyd George sandte an die' Premierminister von Australien und Rensetlqntz folgendes Telegramm: ' Mir empfangen mit größter Genugtuung Ihre schnelle Antwort auf ttnsere Frage wegen EnHendung von Truppen,, die notwendig sind, um der. Bedrohung der M e e re n g eü nnd der Unverletzlichkeit G a l l i p o l i s zu begegnen.^ Das britische Reich kann nicht zugeben, daß die Ergebniffe der Kämpfe gnd Siege seiner Söhne in der Levante geopfert werden. - liebet begonnen Lat. Die letzten Vorgänge im tschechoslowakischen Wirtschaftsleben bilden für Mc Ursachen der Not Mitteleuropas die' beste Illustration und auch die .Gewinnung von Krediten für. Oesterreich würde keine völltge Lösung des .Prodlems Meuten, so lange man RAmLnien für die esglische PsliLiki. ' London, 18. September. DaS Reuterfche Bureau erklär^ daß die rumänische Regierung noch keine endgültige Erktarung über ihre Politik abgegeben habe. Es bestehe jedoch Gründ zur Annahme, daß Rumänien mit der Politik der englischen Regierung betreffend Konstantinopel und die Meerengen durchaus einverstanden sei« Da Rumäniens einzige Verbindung Mt den Alliierten durch das Marmarameer und die Dardanellen gehe, habe es ein vitales Int« esse an der Freiheit der Meerenge«. Zugoklawierr für eiAe FuLeiL«ng ThraM«s KR die Türkei. P a r i s, 19 .September. Wie „Echo de Paris" mit» teilt, hat der jugoslawische Minister des Aentzern Nineic in Paris wisse« lassen, daß die Belgrader Regierung nichts gegen eine Zuteilung Thraziens mit Einschluß Adrianopels an die Türken einzuwenden habe. / - Die LyZe! in - Sinyrn«. : London, 18. Schteniber. Das Reutersche Bureau meldet aus Smyrna, daß nach dem letzten von Samstag datierten Berichte ans Smyrna die Meldungen über die Zahl der Todesopfer (ein Bericht spricht von 190.909 getöteten Christen) stich nicht bestätigen, doch stehe fest, daß zahlreiche Armenier sich» unter den Opfern befinden. Ein griechischer Arzt sei in seiner Wohnung durch Plünderer Überfallen und' getötet worden. Das amerikanische Rote Kreuz versorge täglich 16.0H0 Flüchtlinge. Die Gesamtzahl der derzeit Geflüchteten betrage 200.000, in der Mehrzahl Griechen und Armenier. Am Samstag dauerte der Brand in der Stadt noch an. Die französischen und die griechischen Eisenbahnen haben, keinen Schaden erlitten. Aegypttsche/TrU.ppen für Ksnstüntinvpel. , '' /Paris, 19^ Scpiember. (Havas.) Die Blätter rnelden atzs Loüdon. der 'Mmjfterrat habe Verfügungen für einen everrtüöllen Tränspchft. eines Teiles der ägyptischen Streit- -kräftenach KonstWuoPel.getvöffen.- - nicht an eine Revision des ganzen ökonomischen Systems iln Snlne elncr Mivtschaftlichen Vereinheitlichung herantritt, die atich die-wirtschaftliche Kommission des Völker- . bu tdes zum Stndisint . der. .österreichischen. Frage in> Ml mm +*&#&*******+> Iüüii

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