Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1297 (19.9.1922)
- Date
- 1922-09-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Vollerbundidee liegt der große ethische Gedankezugrunde,; daß in ihm nur jenip Staaten Platz finden können, die ehrlich bestrebt sind, den Frieden mit den Nachbarn zu halten und im eigenen Lande die Menschenrechte eines jeden, einzelnen Bewohners des Landes zu schützen und jedem Staatsbürger die bürgerlichen und politischen Nechte zn gewährleisten.'Dieser Gedanke ist durch die 2lnfnahme Hvrthy-Ungarns in den Völkerbund verletzt worden. Wir wissen nicht, welche geheimdiplomatische Taktik, die im Völkerbund vertretenen Mächte und.ganz besonders die Nachfolgestaaten dazu geführt hat, ihren Widerstand dagegen'' aufzugeben, daß ein Land, in welchem noch immer Banditen die Hauptmacht bilden, als ebenbürtige Träger des Friedens-' und Rechtsordnungsgedankens anerkannt und behandelt werden. Berüchtigte Kastrierer werden neben Männern sitzen, deren Aufgabe es sein sollte; der Wertschätzung der Menschenwürde in der ganzen Welt'die Wege zu ebnen. Hejjas, der noch immer unbestrafte Massenmörder, der Erfinder der paprizierten Mastdarme, ist rehabilitiert und seine Straflosigkeit vom Aeropägdes Völkerbundes farcktioniert^ Mt' Recht nützen die! ungarischen Regierurtgsblätter schon; jetzt den Aufnahmsbeschluß des Völkerbundes dazu aus, um ihren Lesern zu erklären, daß die jüdische Pxeffe vergebens den'Kampf gegen den christ- 'lich-nationaten Kurs geführt habe,- die Elite Europas, der Völkerbund, habe diesen Kurs durch die Aufnahme Harthy-Ungarns unter seine Mitglieder' gntgeheißen. : Der Ischecho-slowakische Delegierte im Völkerbund hat seinen Widerstand gegen "die-Aufnahme Ungarns nnt dem Ausdruck der Hoffnung begründet, daß Ungarn vlS Mitglied des Völkerbundes alle lein'e Vertragsver- Zifkchtnngen", die es bisher" erfüllen und > im Mnern' des. -LMM - Me- -AtmoMMe/ schaffen werde," 'die' geeignet sei, - die SeuüruhrgüW dtzr, MachLarstaatey.über' die derzeitigen' Verhältnisse! irrUngarn zu; beseitigen. Diese H^knung; der Nachbarstaaten wird sich bald als' irüger.ffü erÄversenj? wenn nicht in Ungarn sehr bald mit dem geaeMvärtigen Regime, aufge-. räurrrt wird. Es.-ist der große Fehler der europäischen Diplomatie, daß sie die Zustände in Ungarn immer nur; »rach dem Bilde beurteilt, das ihr von. der Horthy-Regie-! rung stilisiert vorgelegt wird. Die un<,^rische Regierung beruft sich darauf, daß sie varlameütarisch regiere, und kein Mensch kümmert sicb d--um,' daß dieses Parlament durch Terror, durch ein Oktroi des; rückständigen Wahlrechtes, zustande, kam, daß aber , draußen im Lande die ungarischen Bolksmassen, nicht "nnr.die Arbeiter und.die Juden des Mttelstcinoes, unter .dem unglaublichsten Terror der christlich-nationalen.Beamtenschaft und . der von ihr geförderten und durch die Bajonette der'Gendarmerie . gedeckten ..Unveräntwörtlicheir Elemente" furchtbar zu" leiden haben. Es ist nicht leicht verständlich,'.' daß her Vertreter der Tschecho-Slvwakei zur selben Zeit, für die Aufnahme. Ungarns in "den Völkerbund stimmt, in welcher seine Regierung durch "ihren diplomatischen Vertreterin Budapest der Interalliierten Kontrollkommission ein genaues Verzeichnis jener Stellen zur Verfügung stellt, an denen die ungarische Regierung, entgegen dem'Vertrag , von ihre für den künftigen Angriffskrieg gegen die Nachbarstaaten "bestimmten Waffen undMumtionverborgetthält. ...! Der ungarische - Außenminister' Baron Banffh deruft sich' zur Unterstützung Zeines ÄUsnahmsgesuches auf" die Erfahrungen, die die verschiedenen Missionen und j Delegationen in Ungarn ans ihren. Studienreisen. gesammelt haben. Diese Studienreisen; sind das traurigste Kapitel in der Geschichte des Kampfes, um die Rechtsordnung in Ungarn. Dieses'Kommissionen und'' Delegationen haben in Budapest das Natwnalkasino bei Tag und bei Nacht, am. grünen Tisch.und am Spieltisch kennen gelernt, haben.'die berühmtesten Weinkellereien des Landes nü't Kostproben, beehrt; auch das staatliche Gestüt wurde ihnen vorgeführt, aber in Hie Sammelgefängniffe, in diese Borhqllen der Jnt-wnierungshöl-len, und in die Jnterrriernngslager selbst hat.sich - kein Mitglied dieser Delegationen ohne Horchposten der Regierung..begeben, nach Salgo-Tarjan, wo die Bergleute, weil sie ein Menschenwürdiges Dasein ' anstrebten,' niedergeschossen und in Ketten gelegt wurden,..ist.keiner von ihnen gefähren, und so Häven sie oon Ungarn nichts anderes-gesehen als jene dünne -Oberschichten die.'trotz ihrer verschwindenden Minderheit .so schwer-auf:dem Volke.'lastet, daß" es selbst des'freien Atems beraubt est. Keiner dieser Delegierten'hat sich der Mühe unterzogen, die schweren wirtschaftlichen und moralischeü' Folgeü' des Numerus clausus und der Konzessionsraube an Juden, an Mivie gMi' eines neuen LsliranWegez. A«eriks wW eiNgreifen. London, 18. September. (Wolfs.) „Suudah Expreß" berichtet aus New-Dork, daß man dort den Berichten ans dem Orient das größte Interesse, entgegeichringe. Die Vereinigten Staaten erblicken, ist dem Versuch Mustafa Kemals, nach Europa hinüöerzusetzen, ,eine g r o ß e G e f a h.r. Man erwarte das sosortige EiUgreisen Amer ikas in der Orient-Kri s e, sobald Staatssekretär Hughes am '24. d. zürüÄehren'werde.'/--- CAr^on firhrt nach Paris. London, 18. September. (Reuter.) Man glaubt zu wissen,' daß angesichts der Dringlichkeit des Problems des nahen •- Ostens Lord C ü r zÄ n Wahrscheinlich nach Paris reisen Werde,, tunmit der französischen Regierung-zu konferieren. Andererseits sei esntöglich, daß Lloyd George nicht nach Genf gehen, werdx, um an den -Sitzungen des Völkerbundrates tetlzttnehmen. PviRearS. nach /Paris MrKÄLgekehrt. Paris, -18. September. (Wolfs.)' Wie. „New-Dork .Herald" erfährt, .beabsichtigt P o-i n e a x e wegen.der Dringlichkeit- "per.durch, die enMche-Erklärung - -bezüglich der Freiheit der. Dkeerengen,-entstandenen Lage' heute nach Paris zurückzukehren. . .! - . - '' , .Per.61 «ttfcpithfti der A«z»ra-Re- . ' ' gW«M. . .. ,fi 18. -September. (WoW. Nach - -einer - Meldung ^er.:,WiWö' Tribrme" ' aus -Korsitantmopel, hähe' die Kr- BeÄiÜvorWsi der.. jder Meerengen zügLstehen, .sieijer>.oc^ vH der Rsgelüng v6n \ Einzelheiten im EmvernHmen lMt helr Nteiligten 'Mächten abhängig machen werb^, . .. ' - We dasselbe. Blatt.uns-AHen^üeldet. - hcLe die Regierung vörgestern^nn Südfiäwien und Rumänien eine Note gerichtet,, worin sie aüs die Gefahren einer Aenp?rung -des derzeitigerl^ZustaÄes^^ aüs dem BglfilN hmweist.. -i-Der' :;: BelgrM 18. September. ' Die Nachrichten ' über die.' Entwicklung der Ereigmssr ’:tnv nahen Osten? veranlassen die hiesige Oeffentlichkeit, dieser Frage wachsendes Intcresse? eütg'egenzubringen. 'Besonderes ^Gewicht wird däraüf gelegt, daß die durch die Friedensvevträge geschaffene Latze am' Balkan:durch':bie.- neuesten Vorgänge in Kleinasien nicht berührt - werden . rönne. ^Auch' ineiner' amtlichen Mitteilung' luird festgestellt, daß, entgegen einer Meldung des Pariser „Maün", . Mrmster des -Aeußern N i n c i e den -Standpunkt vertrete,daß territoriale Aenderrmgen : anr.Balkan auf!. Grund der! Niederlage ber Griechen in.Kleinasien nicht zulässig seien: Jn' militärffchen Kreisen wird die Aüsinerksanckeit' aus. den Umstand "gelenkt, daß jede Veränderung des StaMs.quo am! BalLiin.schwere Folgen nach.sich 'ziehen : Würde: Falls: man die Türken neuerlich nach Thrazie!n .'.her-! einließe, würde "wiederum! ein Keim zu neuen Verwicklungen^ arw Balkan gelegt werden. Sollte' es dennoch'zu irgendwelchen" Aenderungen in .territorialer Hinsicht! kommen, dann "müßte das Königreich S. H. S! als meist interessierte Macht durch entsprechende Konzess i o ne n e n t s ch ä d i g t werden. Diese könnten naiür--- lich bei einer territorialen Veränderung des Status quo! ebenfalls nur territorialer.NaMr sein. Der Umstand,daß in-, der Frage von Konstaütinöpel ein Einvernehmen zwischen^ den Verbündeten besteht, gibt zu dek' ErwarMng Anlaß, daß: auch in der Frage der Erhaltung des territorialen Status! quo am Balkan eine Einigung zwischen Londoil n.nd Paris' erziell werden wird. Der Vl-lKerbUNÄ soll eMchei^eu. * Melbourne, 18. September. (Reuter-) Prentierministek! Hughes hat an den -australischen Delegierten beim Völkerbund Cock telegraphisch das Ersuchen gerichtet,, den Konflikt! im Orient unverzüglich vor den Völkerbund , .zu! bringen,! . um den Frieden zu sichern. Errglische VerMrkrmgLK.rrach stftEASPLl. Malta, 18. September. (Renter.) Das' erste Bataillon der Gordon Highlätiders iff an Bord des „Terbhshire"^ nach Koifftanttnopel atzgegartgen. ' Der Krwchi.sch-LNrkische Krieg. Türsisch-bulgarische Verhandlungen. Berlin, 18. September, (Tel.-Komp.) United Telegraph meldet 'aus Paris» Die Nachricht, daß A ch m e d R i z a Pascha, der.frühere Präsident des Senates, in Sofia , eingetroffen ist, um mit der bulgarischen Regierung über inilitärisch e Maß nachwen z ü ve rha nd elch hat.'in Paris -große Beunruhigung hervorgeruseu. Eine"! BeNtigftüg der Nachricht, liegt'jedoch noch nicht vor. ' l; 1 Mß reine;- ' Ä n'n'ähLrnwg!chTü " S timinnn"g sums^chBN n g in. Frankreich aüslösen . uttd eine' AeiideÄlNg' der' französischen 'Politik' gegenüber' Kemal Pascha nach sich ziehen würde. I" Die ÄLffakers Athen, 17. September. Die in Athen eiugetroffeueck Flüchtlinge berichten über das tragische Ende Smyrnas, von dem nur das im Süden.gelegene Türkenviertel itufc die im äußersten Norden gelegene Punta-Halbinsel verschont gc- Llreben sind. > . ' . Die .während des Brandes verrichteten Grertcltateit spotten jeder Beschreibung. Das.Jener wurde von regrllären Truppen an verschiedenen Seiten der Stadt gelegt und immer Wieder Mit . Brändbombek unterhalten. Die durch das Feuer aus den Häusern ansgetriebenen W e i b e r n n d Kinder wurden aus den Straßen niedergemacht oder mit Maschinenge wehrfener niedergemäht. Eine Gruppe von etwa 1000 Menschen hatte sich in hie katholische Kvthedrale geflüchtet, wo sie trotz der Einsprache, der die ^Eingänge bewachenden französischen Offizieremederge-! metzelt wurde. Unter den Opfern sind nicht Mur Griechen! und Armeniersondern auch zahlreiche Juden und Aus-! länder zu verzeichnen. Flüchtlinge, die bis zum Kai gelangen - tonnten und dort ins Meer sprangen, kanten darin um.! Es ist bisher unmöglich, auch nur annähernd die Zahl! der Opfer zu bestimmen, die jedenfalls die Zahl vonj 2 00.000-Menschen übersteigt. scheu Kriegerwitwen zp studieren. Sie schöpften ihre Weisheit vielmehr von? jenen wenigen Bankjuden^ bic als Hansjuden der gegenwärtigen Machthaber' .ihre Ge-- ' schäfte rnacheib und keinem, dieser dsstingnierten Fremden. wurde zu den geheimen Kostventikeln der verschiedenen ipredentistischen Geheimbünde,. bic ihre finanzielle Nah-• rüng von der Regierung erhalten, Einlaß gewcihrtj in jene Stätten,! wo.die Kriegsplane gegen -die. Machbar--' staaten, geschmiedet werden. / "!' . In Ungarn werden! jetzt.'in. verschiedenen.. Kreisen isttilne Freudenfeste veranstaltet; sie gelten nicht so sehr der Aufnahme.Ungarns M den Völkerbund, als vielmehr! dem Siege der Türken über'die Griechen. Ziemlich, um. geschickt verhüllt wird das Vordringen der Kemal-Armee' nach' Mro'pa als' eine neue' Möglichkeit, auf dem' Balkan lieütz --Wirkst''.erttsteW' zu 'lassen,'- mit Freuden, zur Kenntnis ^genommen.- Den 'ungarischen Jrredentisten ist' trotz ihres angeblichen ch'ristllch-nateonalen Gefühls selbstdie : Hilfe.' des christenEtichWden Kemäl . erwünscht, wenn dnvch:sie die. von Horthh-Agenten in den Nach-, folgestaaten! geschirrte! Revölution beschleunigt werden . M - Das:.alles..k.qqn::dKchldKß ckmnen- EntzM-IMöglich^ verborsen geblieben leint .! .Das tragische und ernndrigendste für uns Juden an diesem Ereignis ist sicherlich der Umstand, daß es ein Jude, Dr. Aschkenase, sein wußte, der den Antrag ans Aufnahme Horthy-Üngarns in den.Völkerbund nicht nur gestellt, sondern auch befürwortet hat. Es fehlt nur noch, daß die ungarische Regierurrg die Nachsicht, die der Völkerbundrat geübt hat, damit vergelte, daß sie Hejjas als ihren Delegierten m den Völkerbund entsendet. MiederWAhl de« SeNstors/Lodge in' BsstoN. / Ncw-Notk,15. September. (I. E. B.) Der bekannte repnbliLmnsche- Senator L o d g e ist bei den cvnt 12. SepiMber in Boston - stcvttgefrmdsrven Wahlen rnit einer erdrückenden Mehrheit wiedergewählt worden. Wie allgentein bekamrt,-^ ihatte-sich Senator Lodge' in den letzten Monaten Mit allen -Kräften für diejüdische Sa ch e i n Pa l ästina eingesetzt.' Pohatte er'die sogenannte Lodge-Resolution ziugunsten - des. jüdischen' Heimes in Palästina im anterikantschen - Senat eingebracht und bereit Annahme erüyiickt.' Diejüdischein -- Wähber lxrbcn geschlossen für Lodge gesti'mM.' ' '