Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1294 (16.9.1922)
- Date
- 1922-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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liiziIanmerKtiOO Wien :.Z«m Abholen in der Expedition, IL.Taborstr. 1 -3, oder in einerVersehleisstelle ^Trafik) monatl. Kl 30.000 Mit Postversand fiirWien u. Oesterr. nionatl. K 30.000 Tsebeeho-Slowalce i: Mon. JC 20. Ungarn: Mon. K 150.,Jugoslawien: Mon; Dinar 25. Polen: Mon. Mlc. 1400. _Deu Ischl and': Mon. Mark 150. F r a n kreich: Monatlich Frcs. 6 JMP Nachiahlungen *S8 bei Preiserhöhungen Vorbehalten Tschechoslowakei r «schach. K1-20 Italien: Monatl. 6 Lire Rumänien: Mon. 40 L©>' S chwei z und das übrige Aasland monatlich Fr«*. 3. Redaktion n. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr' abends 16-301. Tel.-Adr.: ,Morgenzeitang4' Wien Oesterreiehisebes Postsparkassen-Konto Nr. 150.697 Rr. 1294 Wie«, Sa«stag, 16. September 1922 4. Jahrgang Hilfloses st. W i e n. 16. September. Der österreichische Nationalrqt hat den Beweis erbracht,- daß seine Krost gerade noch' hinreichen. wüM^ eitten einzigen vernünftigen Beschluß zu fassen, nämlich den Beschluß, sich äüfzulösen nnd Neuwahlen auf Grund einer gerechten Wahlordnung auszuschreiben. Die Debatte, die dem Bericht des von Gens zurückgekehrten Kanzlers Seipel , folgte, har ein Maß-von Schwäche und Unfähigkeit geoffenbart, das die Tüßlösung dieser Versammlung als Gebot des politischen Anstandes erscheinen läßt, ganz abgesehen von dem Umstande, daß der weitere Bestand dieser Körperschaft in ihrer derzeitigen Zusammensetzung geeignet ist, jedem, der. sich für Oesterreichs Schicksal interesfiert, die Lust/ lwrän zu rauben. Der Kanzler ist mit seinem eigeney Psane nach Prag, 'Verona und Genf gefahren. Seine Aktion trügt persönliche Prägung. Und wenn ihur anonyme Ratgeber zur Seite standen, so sind sie gewiß nicht im österreichischen Nationalrat oder in den Kreisen der hierländischen politischen Macher .zu . Hause. Er hat emeN^ unter den ge- 'gebenen trostlosen Verhältnissen als hervorragend zu ''bezeichnenden.Erfolg errungen, nicht mit Hilfe seines 'Parlamentes, sondern gegen dieses-Parlament. Wer die Verhältnisse im „Volkshause" halbwegs kennt, dem ist eS. auch klar, daß der Kanzler seine Reife nie hätte antreten können, lvenn er die Parteiführer, die Führer seiner eigenen Partei mit inbegriffen, um Rat und. Erlaubnis gebeten hätte. Die Herren, welche von Furcht . Vor jeder.Verantwortung beseM sind -mtd ängstlich hinhorchen, wenn in irgendeinem Parteiwinkel getratscht oder auf der Straße gemurmelt wirtz^ b^n gewiß.Wttel und Wege gefunden, .ihm LustmMMöglichkeit zur Taf zu benehmen. Nuy ist er hier upbUegt oem lwchoL.'die." r-eichischen Pärteisiihrer sich - beistnhtzn. Heden, ^i ^Kanzler zu helfen, an seiner MmnHotHng s teilznnehmen und den von ihm gewiesenen' ÄnMn Weg-M Rettung Oesterreichs zu ebnen.- ' ' : Aber der Nationalrat hat die schwachen Hoffnungen' -.»er hartnäckigsten Zweifler an seinen Fähigkeiten zu unterbieten verstanden. Die inhaltsschweren Ausführungen des Kanzlers haben lediglich hilfloses Gestammel' ausgelöst, bei der-Rechten und bei der Mitte süß-säuerliches, bei der Linken zänkischest ^hriftlichsoziale und; Großdeutsche haben ihrem Regierungschef gerade noch ein schablonenmäßiges Vertrauensvoturn Zerteilt.. Sie haben aber nichts gesagt, tvoraus man schließen könnte, daß Seipel in ihren Reihen tatkräftige Mitarbeit finden wird. Die Furcht, daß die Sache scknef gehen könnte, sitzt 'den Regierungsleuten im Genick. Sie fürchten, an. An-- . sehen einzubüßen. Dabei ist,diese Furcht.'das.allerüberslüssigste Ding, die Furcht vor dein Verlust einer Sache, '.die man schon längst nicht mehr.besitzt. Einen schwarzen Tag hat die Sozialdemokratie zu verzeichnen. Sie hat. es unterno-nmen, dem Kanzler Opposition um jeden Preis zu. Machen, und ist bei diesem Unternehmen in einen leeren, demagogischen Wortschwall geraten, desser^sich der schäbigste, Mrtshausredner 'nach dem vierten Liter Wein schämen müßte. Der Hauptschlager ihres Hauptredners Dr. Otto Bauer war die mit Vehemenz zum Himmel geschleuderte Behauptung, die ungeheure Mehrheit des österreichischen Vylkes sei gewillt: „Lieber aus eigenem Willen die denkbar schwersten Opfer zu bringen, um die Katastrophe zu. verhüten, als sich selber in die Fremdherrschaft hineinzustürzen!" Das Protokoll verzeichnet „anhaltenden Beifall bei. den Sozialdemokraten", und draußen steht ein Volk, das nichts mehr opfern, kann, weil es - ausgehungert und ausgeblutet .ist. Nicht einen einzigen' Gegenvorschlag wußte Dr. Bauer vorzubringen. Cr hat lediglich dem Kanzler Belchrnngen über politische und diplomatische Kunst erteilt, obzwar er selbst erster und.- erfolglosester Außenminister der österreichischen Republik war. Man muß endgülfig darauf-verzichten,iiinv Werke der Rettung Oesterreichs den Nationalrat an der Arbeit zu scheu. Er hat bewiesen, daß er weder genug Lust noch genug. Kraft aufbringt, dem Kanzler. ' ) den fremden Mächten. einen -Teil?.der Mt^nWMung'chbHpehftl^Y. Es ist zu Höffen, daß ihm auch die Hrast fehlen wird, die Rettung zu vereiteln. Mehr, ist nicht'zu erwarten. Llöyd George geht nach Ge»f. ,Hwtzort, '15, .SMLncher...Das 'Rchttersche-''PnWaü Mt ' mit',' daß- PbelstiÄmiMster.-. Ll o y d 4 e:’o r g e Dienstag MiÄiwocb nach Menck ab.Mm wird. 15. September. (Schweiz. Dep.-Ag.) Das Fünfer-KomUee, das vom Bölkerbundrat letzte Woche eingesetzt worden ist, um dasösterreichische Problem zn studieren und, wenn möglich, eme Lösung vorzuschlagen, ist gestern abends zusammengetreten, M-an ersährt hirrM: Die erste Sorge, die sich aufdrängte, war die, die nötige» technischen Unterlagen für diese sehr heikle Frage zn erhalten. Zu diesem Zweck wurden die-Experten für die-finanziellen und wirtschaftlichen Fragen um Auskunft gebeftn. Es handelte sich zum Beispiel darum, eine Bilanz über die Pfänder aufznst eilen, die die österreichische Regierung eventuell zur Bezahlung der Gläubiger bieten kann. Solche Pfänder (Steuern, Zölle usw.) sind, wie bekannt, seit einiger Zeit auf Veranlassung? Frankreichs von der Reparationskommission freigegebe» worden, um die Anstrengungen," Oesterreich wieder anfzuhelfen, zn erleichtern. Mit großer Sorgfalt Wurde der mögliche Reinertrag dieser Pfänder herausgerechnet, was den Finanzexperte^ erlaubte, wenigstens ungefähr den Kredit zu bestimme«; der ohne zu groß es Ris i k o derösterreichischen Regierung gewährt werden kann. Es scheint, daß dieser Kredit die Summe von 15 M i l Hon e y P f « v d S t e rlin g etwas übersteigt. . - Nachdem dies« tpichtlgim Porarheiteä erledigt waren, blieb nur noch übrig, Hg.fauti e st a a t e n z « f in^eq, ba sonst zu bTWWWMt^M''-die -s»Date» Kreditezulange auf sich warten lässen oder Oesterreich M NW OW<mH«ferleßen. Hier Wird? bas Moblem zu einem WMchjm MdlEHkW-W Bolkerbundes-kattn Die endlosen VerhandluNgen. nüd desto kleiner werden auch die Risten sein, die jedes dieser Staaten übernimmt, Im Zusammenhang damit würbe auch die Frage der notwendigen K o n t r o ll e erörtert. / CS scheint sehr wohl möglich, daß die österreichische FrW bald erledigt werdm kan«. Es bleibt uur noch zu wissen übrig, welche Mitgliedstäaten des Völkerbundes unter gewissen B ed in gu nge über ei t sind, die Garantien für Kredite zu übernehmen, die von Privater Seite an Oesterreich gegeben werden. Der Bericht des DMftzrmterkornrLees. Genf, 15. September. Das Finanztmterkomitee hat heute eitten Bericht fertiggestellt, den das zur Beratung der österreichischen Angelegenheiten eingesetzte Fünfer-Komitee in seiner morgen stattfindenden Sitzung in Behandlung nehmen wird. Der Bericht enthalt eine eingehende Untersuchung des österreichischen Budgets. Er bcheichttöt die Maßnahmen, die zu seiner Sanierung notwendig wären, und berechnet das sich für zwei Jahre ergebende Defizit, wobei bemerkt wird, daß für das zweite Jahr infolge der Maßnahmen, die zur Sanierung einzuleiten wären, nur mehr die Hälfte des gegenwärtigen Defizits in Betracht käme.-Der Bericht stellt-fest, daß zur Deckung des Defizits für diese zwei Jahre die in Frage stehende« Kredite zu dienen hatten. Der letzte Teil des Berichtes beschäftigt sich init i der Gründung berHNotenbank, deren Konstituierpng nicht nur gutgeheißen, sondern als not- WeMIge Borau-Sse.tzun'g der Finanzier«ng OeMPerchH?erll8rt.wird>./ . '--,v "'HMe?MHmWgKichat: nuch eine Sitzung des wird . fthq^i^^M«Mßs^KWtWmdW,M^sich mit der ■SB Die ztonWsche Hahres- KonsereH. ' Im folgendes 'Müen wir die auf her Karlsbader Jcchr^koMreuz -' geftkten Resolutronen unid Beschlusse nach. Iewish Agency und ZWHer Kongreß. . Dr. W e.i z m a n n le-gt-e namens . .her - Exekutiv« nachstehende Resolutionen vor:. 1, Die Zionistiische Jahreskynsevenz begvüßt mit tiefer Befriedigung die B-estimmningsn des Artikels 4 des PalästiM- Mänidats. . - 2. Die Ja-Hveskonferonz 'erklärt, - daß die Zionistische Organisation die Rechte und Pflichten,der Jewish Agency über- .nimmt. Als Organ der Jeivish Agency fungiert die Zionistische .Exekutive. , .. - ' 3. Die.Konferenz beauftragt.die Exekutive, Boübereitungen für ^'Einberufung des Zionistenkongvesses im Früh- .som-mer 1923 zu treffen. . . 4. In Erfüllung des Artikels 4 -des Mandats beantragt die. Jcchreskonferenz die Exekutiv«,'-die -größten Anstrengungen .zu machen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die. gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte mitMvirken. Die Konferenz erklärt, daß es der Wunsch der Zionistischen Organisation ist, -daß. die Jelvish Agency idas gesamte jüdische Volk repräsentiere.. 6. .Die Konferenz beauftragtdie Exekutive, vorbereitende j Schxitte für.die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses für den .Wiederä-lvfbau der Mischen, nationalen Heimstätte 'in. Palästing zu unternehmen uwd bis Emde dieses Jahres dem ÄktiynLwmitee.Bericht zu erstatten. . . Püykt.-1 .und. 2 wurde ■ ohne.' -Widerspruch, Punkt 8 mit allen gegen die Stimmen der Misrachi angenommen. Die weitere?Äbstrmmung bis zum Berichte der ResolutionskomM-ßV fron vdrtggt...Hachher, vyüM. folgender Wortlaut der Schluß-^ 'absätze des Phrschlages der Exekutive mit allen gegen. zwei 'HiMtnen, angen ommen: ' ■; den Vorschlag der Exekutive werden als Punkt 4!u>ttib 5 eingeschaltet: [ Äer ^Zentvalvat erklärt, daß. es.her Wunsch der Zionisüschen 'OvgantfchiM ist, daßdie . Jxwish Agency das gesamt« ' MW Holk'repräsentiere.. , ‘ ß,:te anerken-n-t He Einberufung eines jütoi«* scheu W«LÄoÜWss«S für den Wiederau^au Erez Israels ÄS den Weg.zur^ Berlvivkjichung dieses Prinzips, und beaufirägt - die'Exekutive als das Organ der Jewish Agency, die notwendigen Schritte zur BorbeMung dieses Kongresses zu mrtern^jmen imd. bis Ende divses'Jahres deM/ÄktionSkMii-tetz .Ps:- vorzuschlagenr" Das Pülästina-Budges. 'M. Halpern bringt-rmWEn des. Finanzuwd Mrt- - schastsrates das solgende Palästina-Budget für 5683. Pfund Sterlms I. Nachzahlungen in zwölf Monaisraten auf k das Budget-5682 . . . . V. . 114BOO H. Üröentliches Budget: 1. Landwirtschaft . . . . . . . . 90.000 Z. Ämmisrchion. . .- . . 36.009 Arbeit .. . ..... . . . . 24.000 .' Zur Förderung von Sndu- : . strie und Kandwerk . S.ocio 69.(0 i & Erziehung ..... . . 60.000 4. Mechnikum .. . . . ... . . 3,000 S. Hadasfah . . . » « « . . » . 42.(00 ß. Bibliothek - . . . . . . . . . 1,500 7. LandwutschastlichkS Dersuchswesen . 10.800 8..Elektrifizierungsprojekt . . . . . 37.500 S.-Administration ... . . . . . 18,000 10. Mvorhergesehene Ausgaben . . . 9.000 340.BQ» .111. Für Inveßitionen zur Stärkung - landwirtschastlichen und . Siedlung in Palähina . der slädlischen \. .... . . . . 509600 755.000 /Sämtliche Punkte werden gemäß dem Vorschlag des Referenten angenommen. Lediglich bei dem Punkt H a d a s s a h wiEmit Einverständnis des Referenten ein Antrag Dr. Edcrs -auf skvhöhungum 3000. Pfund angenanmren, so daß fiir Hä- -daßH ünsgesa-mt 45.00g. Pfund präliminiert wird. .Hierauf gelangt das Bildget des Londoner Buremis in derselben Hohe -wi« es vom vorigm Kongreß festgesetzt wurde Pwie die von der Exekutive vorgeschlagene Einführung des -„GdMnm Schekels" zur Annahme. - Keren Hajessod. Resolution 1.: '-„Angesichts der Bestätigung des Palästina-Mandats durch den.PÄkerbund, die. die schwere Ansgabe und hohe Berant- -wo:tung für den Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte dem ganzen jüdischen Volk auferlegt, wiederholt die zionistische Jahreskonferenz die Aufforderung, die der 12. Zionistenkong >-eß an olle Juden gerichtet hat: -Auf der Grundlage der Mafserleistung, die den Zionisten zur Pflicht, gemacht ist, - im Keren Hajessod den allgemeinen 'jüdischen Fonds für de» Aufbau Ufet jüdischen Heimstätte tu. Erez Israel zu' schaffen." Angenommen mit alltzn gegen eine stimme (Da Lirm.e),.