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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-03 · Heft 1291 (3.9.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1291 (3.9.1922)
Date
1922-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IlMMlBBHinerK 600 W i en: Znm Abholen in der Mit Postversand für ^ien n. Oesterr. monatl. K 16,000 Ts eh e c h o- Sr I o wa k e i: Mon. K 20. Ungarn: Mon. £150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. P o le n: Mon. M|c. 1400. Deutschland: Mon. Mark 150. Frankr e i e h: Monatlich ■ Frcs. 6 Naehxahlungen "«MB bei Preiserhöhungen Vorbehalten f ichficho>SI««j)ä#i; tschech.K 1.20 11 a lien: Monatl- 6 Lir RuManien: Mon. 40 Lei Schwei? und. das:ührig^ Ausland monatlich Fre«. 3 Redaktion u.Administratioi Wien, II., Taborstrasse 1—1 Telephone: 44*0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301 Tel- Adr.: »Morganzeitung*. , Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.691 Slr. 129t Wien, 6 onntng, I.tzrptemder 1922 4. Jahrgang Die Dwlomatenhutsche. kr. W i e n, 3. September. Ueber denwahr'en Stand der östttreichischen Frage, -ie noch immer sämtliche-europäischen StaatskanzlK-en beschäftigt, hat man bisher von dem Urheber dieser nervösen Geschäftigkeit, vom Buttdeskanzler Seipel, am allerwenigsten erfahren, obgleich er seit dem Antritt seiner letzten politischen Reise mit Worten wahrlich nicht gespart hat. Wohl lassen sich der nach Rom entsandte SeMonschef Dr. Schüller und derin Genf, am Sitze des Völkerbundes, weilende Außenminister Dr. Grünbörger, ab und zu über die von ihnen geführten Ver-. Handlungen vernehmen, aber was sie uns bisher zu ttinden hatten,' bietet gleichfalls kein klares Bild. Weder Über die ivirklichen Absichten der österreichischen Regierung, noch darüber, in welchen: Maße man in der für die Entscheidung über das österreichische Problem maßgebenden Diplomatie geneigt ist, den.Absichten des österreichischen Regierungschefs gerecht zu werden. Gesprächiger sind die offiziösen Preßorgane der kleinen Entente, Italiens und Ungarns. Bemüht man sich, ans diesen Aenßerungen sich ein Bild über den bisherigen Gang und den heutigen Stand der von Bundeskanzler Seipel begonnenen Aktion zu schaffen, so ergibt sich folgende Situation: : Der Beschluß der Londoner Konferenz, . die österreichische Frage an den Völkerbund ' zurückzuverweisen, stellt sich immer mehr als ein diplomatischer Schachzug heraus, um Italien^ das in London die Zustimmung der Entente erhielt,, die Lösung der österreichischen Krise in äie Hand zu nehmen, Zeit Zu lassen, die Vorbedingungen mr eine italienische Lösungssormel schaffen zu können. Die österreichische Regierung war. offenbar über die internen Vorgänge auj der Londoner Konferenz , genau informiert und hat sich unter gewissen Borästssetzungett ' fjM^ine solche Formel zugättgsi^gHiMW'Wast 'Mk? bornherein klar, daß derWeg Se.ipelL nach Italien über Prag, das Zentrum der kleinen Entente, und, mit Rücksicht auf. die Großdeutschen, über Berlin 'führen mußte. Deshalb hat die von der italienischen Regierung beeinflußte Presse die. Reise Seipels nach Prag, obgleich damals die Italien-Reise angeblich noch nicht seststaud, in älter Ruhe erörtert, während die uninformierte ungarische Regierungspresse sofort in überreizte Stimmung geriet und plötzlich mit den aus ihren Verstecken hervorgeholten Säbeln zu rasseln begann.' Dann kam die Etappe Verona. Zwischen Seipel und Grafen Bethlen wurden mit einem Male im Wege ihrer Organe Höflichkeits- und Freundlichkeitserkläruugen .ausgetauscht, dafür wurde man in Prag, Belgrad und Warschau nervös. In Verona soll ursprünglich nicht nur von einem wirtschaftlichen, sondern auch von einem politischen Anschluß an Italien ae'vrocben Wörden sein, und las man hl jenen: Zeitpunkt die Budapester Blätter, so erfuhr man, daß Angarn gegen eine solche Kombination nicht nur nichts einzuwenden hätte, sondern daß es sogar die Möglichkeit scche, in einer solchen Neuorientierung seinen Platz zu finden. .. Seit der Rückkehr Seipels aus Verona hat sich der Italien-Rausch hüben wie drüben merklich abgekühlt. Gesandter Dr. Schüller ist auch bestrebt, durch Interviews zur allmählichen Abkühlung der Gemüter beizutragen. Hingegen ntelbct sich in den letzten Tagen die Konkurrenz Italiens/ die kleine Entente, irnmer eindringlicher1 als radikale Retterin Oesterreichs vor den: Abgrund. Aus der kleinen Entente klinat immer deutlicher der Entschluß heraus, bei. den: Geschäft, das mit der Rettung Oesterreichs gemacht werden soll, nicht das Nachsehen zu haben. Soll Oesterreich — so etwa argumentiert man sowohl in Prag als auch in'Nom 7— unter Zwangsverwaltung kommen, dann können auch wir dtz» Kuratel über.Oesterreich übernehmen. Daß es aber in Wahrheit zu einer Zwangsverwaltung Oesterreichs kommen müsse,, wird hegte nirgends mehr bezweifelt. Kein vernünftiger, e:ngeweihter Politiker zweifelt gegenwärtig daran, daß der Völkerbund auch auf. seiner gegenwärtiaen.Tagung nicht unmittelbar in das Geschick Oesterreichs cutovcifeu wird und auch die Lösung der Krise, in-welche Mitteleuropa durch den -kaum, mehr zu verhüllenden Zusammenbruch Oesterreichs geraten ist, nicht mit eigenen Machtmitteln wird lösen können. Der Völkerbundrat wird schließlich nichts anderes zu be^'"^''^lli''"'.n suchen, als einen Ausgleich zwischen den.beiden konkurrierenden LösunBsormen herbeizuführen, oder-eine der. beiden Eventualitäten so zu-ermögbichen, daß der.Retträkentaut der anderen, nicht beunruhigt werde, Die Verschiebung der Behandlung der östew'"- ^^^en Frage durch den Völkerhundrat un:. einige,Ta^e Beseitigung der, durch das Auffaucheu zweier InteMenvertretu'ngen (Eigenbericht der „Wiener. Morgenzertung".) ( Z'hute Sitzaita, 2S. ßlHgtzst ni,n 9 Uhr a^ettd-. Vorsitzender Li v § k V Lewite (Polen) wendet sich gegen die Ausführungen Ruppins, von dem ,er ^eigentlich neue Richstinienfür die^ Kolonisation Palästinas erwartet habe. Was Ruppin gezeM habe, sei nach dessen eigenen Ziffern sehr traürig./D^ Rnppms bezüglich. der landNnrtschaftllchen 'Külonisation und ihrer Formen kvnn< er nach allem, was er sälbst aus den Zeitungen und Palästinensischen Berichten. wisse, ■ nicht teilen. Wir dürften die bestehenden Formen der landwirtschaftlichen Kolonisation nicht fortsetzen,-weil, die Psychologie der Juden fiir sie Nicht geeignet ist) 'Äie.Juden seien Anhänger der Priva t-w irt schäft und darü-n: könne nur diese zu Erfolgen führen. Eine wirkliche Vergrößerung der Bevölkerung Palästinas kann nur. ermöglicht Werden unter 'dem'Einflüsse' der P.r i v a sti-tt i tsi a t i v e und . in - der Form ^-der iNdüstAellen.DDttWhdn. Alles Bisherige sei verfehltes Experiment, das nicht sörtgesttzt werden dürfe. ' - ' r •'. ,; Blumenfeldr Die Keren .Hajessod-Aktion dauert erst ein Jahr und bei der /Beurteilung der EW'ge nmß nmn bchenken, daß rmfer Werk ein lange Zeit dauernder) allmählicher Prozeßl vyr Hngrn halben Jahve den Mh.stcherUam .Anfangs sdhh einü MigcM^^M^auch'leiMVerriMe-^ < ' rnngist wWK.<Jw iödeM'Mtt^D^tt-Mnz wenige Mett- 7 ' scheu' gearbeitet, auch Hort, wo - l>t£. grotztenlErfolge waren. Die offizielle! Zionistisch: Organisation der. einzelnen Länder hat oft p ä s sti den Wide r stä.n d geleistet. Wir müssen uns hier: fragenwarum das -SesüM.n-Mulanglich ist und wir ivevden erkennen, daß noch , nicht eiumal versucht wurde, Pen Kongreßbeschluß ernsthaft durchzuführen. Mir nmssen uys fragen,, ob wir überhaupt einen derartigen Fonds bräueheu und diese Frage wind von allen bejah t werden. .Mag man auch für andere ^Zwecke, für geschäftliche Anlagen, andere FMuziemugsmöglichkeiten haben, dennoch brauchen wir für alle Zeit den Keren Hajessod als ein Nowpfer. Das Maas-ser-Prinzip ist ein ErziehungsprinziP, Dm'ch- Men Beschluß kann inan niemanden zur Zahlung des .Maasser zwingen. Das -ist die ganze Erziehungsaufgabe, die in der Keren Hajessod- Aktion steckt. - .? . Die Pflichterfüllung der guten Zionisten ist das stärkste Argument. Es gibt schon Länder, wo ^es für'eitten Zionisten einen Makel bedeutet, den Aiaasse'r nicht. gezahlt zu haben. Wennwir das Tempo der Kolonisation beschleunigen wollen- : müssen wir die Maasserforderuug ausrecht erhalten. * Wenn auch die Masse der Juden heute dafür nicht reis ist, so vertragen 'Um' auf die Unwandelbare Kraft der zionistischen Idee. Die Arbeit kann in allen: Lände w ein Heitel, ich gemacht werden. Keren Hajessod ist die Bewährung des Zionismus. Wir nrüssen überall ntenschliche Kmftstationen l^beu. Unsere Leute müssen verstehen, daß. nicht nur das Chaluzideal, das die besten Menschen nach Erez Israel führt, Zionismus ist, sondern der Aufbau des . Landes durch die Bewegung. Diese Menschen müssen wir, wie schon Dr. Le W in angeregt hat, durch eine besondere Erziehung schaffend Der Keren Hajessod Mß. für die Orgäni-. sation Symbolsvert haben. Zirr- Kritik hat niemand das Recht,-der nicht seit dein Kongreß alles in dev Dienst-der Sache gestellt hat. Rc^nerMi-etzÄch.für.Abschaffung', der 20prozentjge:c Abgabe an, den Natiönalfonds und. fiTT den von Nnppin.angeregten KolbnisatiönDfonds im Rahmen des)Keren.Hajessod cm. , ';. ■ , ■DBaBnmaaaaanHnaaaBnMaMHBHowMOMiwiaBiannBaaaBB|aäa>BiMB(g entstandenen Gegensätze/ bevor die Angelegenheit zurDehandlung im Plenuu: ^lcrvgt, und nick't etwa, wie matt ' den gntmütit'ien Zeitungswkern we' - -"-'r:wsll:- um Wie Finanzlage Oesterreichs gründlich 'v studieren' ' Die-Fi- ' nanzlagechieses bereits zugrunde diplomatistertett^Lättdes : ist wahrlich in cher. ganzerr Welt -schon genugsaMi bekannt- und M' Finanzsachverständigen der ganzen Welt-keynett die Situation besser als jeder. Oesterreicher. So genießt der arme-Oesterreicher jetzt das!trauriste - Schauspiel, wie ans seinem. Rückett Diplomatenbütsche. Dr« Hausner (Misrachy kritisiert die Verbindung' von Idealismus rvnd Geschäft im Keren Hajesso^ es sei auch verfehlt gewesen, dieses wichtige Instrument auf der Grundlage einer Steuer cmszubmrem -ohne eine andere Exekutivgewalt zu ha'ben. als. den moralischen Zwang. In' Palästina gehen Dinge vor, mit welchen ei-tt . großer Dell des 'jüdischen Volkes nicht einverstanden ist. Und ^wenn man bedeutende Opfer verlangt, muß mai: der Mentalität des Volkes, wenn^sie auch. Goltls-Mentalität ist, Rechnung tragen-Wir hüben die 'größte -Hochachtung vor' unseren Ehaluzim, aber)auchdie Kolonisation der bürger' lichen Elemente kann uns nicht gl-clchgültrg sein. Dr. Margylies: . Ruppins, Unterscheidung in geschäftliche, Halbgeschäft' lichs und ungeschäftliche .Ausgaben faßt das. Problem nicht an der Wurzel. Unsere Aufgaben kann mau vielmehr ein? teilen in gememwirtschaftliche, die von der Gesamtheit des . Volkes erfüllt werden niüssen, ferner in.solche, di-e der Privatwirtschaft überlassen-bleiben und schließlich solche, bei denen die Gemeinwirtschafr fördernd einzugreisen hat. Erst wenn wir nach diesen Gcstchtspuinkten ein Aares Bild haben, können wir fragen, welche Fonds faMveise in Anspruch zu nehmen sind. Mit den: vielfach eingerissenen Dilletanttsmus schädigen wir die Arbeit iu Palästina.ttyjd die AujbrmgUM.'der Aifttel.,Daher 'evitt«»:" --''grch-' 'beschluß, die - Wirtschäftsmethoden Palästinas 'durch eine - Scrchvorstä wh.W-n'i-vM m i s fr o nuntersuchen .' Kn lassgtt, die. womoglH,^bannt sie,-ganz.vorurteilÄos ist,.aus ’ Pich tzju-d'e wbestehen sv,st./Erst wenn wir von dsr' 8^. kutwe sachliche MrstlärungM 'bekoMttUN, könnenwir.wirklich die ÄrbeitsywlHoddtt ffaDich. kritisieren und disürtieren. . TWersky bedauert, daß kein detaillierter. Plan der landtvirtschastlichen Kolonisation vorliege,, so daß es unmöglich ist, sich in: einzelnen dazu ztv äußern. Er spricht sodann von den: völligen Versagen der Aktionen stir die verschiedenen Institute und weist «darauf.hin, daß der Keren Hajessod in erneu: Jahre nrehr einoenoninren hat, als die Kolonialbank in 20 Jahren. Es urüsse endlich ein System gescyafferr werden für das Zusammenwirken der einzelnen Institute. Ben Gurion: Dr. .Ruppin will sicher, keine sozialistischen Erperinrente i« Palästina machen, sondern es'.handelt sich um die Frage, ob unseve Arbeit national sein soll. Wir müssen uns klar machen, worin dir. zionistische Arbeit in Palästina besteht.. Es gibt niemanden, auch nicht in der extremsten Linken, der nicht, jede .Privatinitiative Legchßen wüche, die wirklich kommt', wir wenden uns mir gegen die Privatinitiative, die im -Ausland gepredigt wird,' um die nationälen Unteruehmungen zu stören. Man hat uns/Palästina nicht g-egvben, um ein paar HäMer dort unterz-ubrrngen, die mit den Arabern Handel treiben, oder einige Soda- ' ivasjerfabriker: in Tel-Awiiv ervichten, sondern dannt wir das' b rachliege n v e L a n d m i t u'm s e r e r w i.r klr..che.n Arb.cit fruchfbar machen.und mrfbauen. IrwH.m e k J e s r e e l ist es uns gelungen, ein bisher Wüst.Ä Gebiet m einr blühende laMvir-tschaftliche Siedlung zu verwandeln. Dieser bchcuterrde Erfolg unserer landwirtsachsflichen Arbeit, im letzten Jahre wird' viel zu wenig gewürdigt. Stäkt .dessenbörtt: wir Klagen, ment habe Geld ftiw Experimente ' hinäusgcworfen und nicht genug..Händler -nach- Jaffa herei ngebracht. Der ganze Zionismus ist. ein ungeheuves .Experiment,, di» .Arbeit im Äinde ist Experiment die Umschichtung iluserer Stadtmenschen in produktive- Berufe ist auch ein Experiment. /Wir Iverden dieses EMiment fortse.tzen ftttd''werden' nicht zulasse^- daß man -dett^Golus wieder nach Erez Israel schleppt. Wir ha'ben zu gespielt wird und wie bald die eine, bald die andere Seite in-die Höhe schnellt oder in die Tiefe sinkst Er kann sich jM.i'ttit-'dem - RÄseltaten vergnügen. und^täglich, je nach /dtzG offiziösen-Meldungen aus der einen- oder der ande- . r'ett' Slaatskanzlei, mit der Frage unterhalten: wer wird ' der Zr^ngsverwalter Oesterreichs? Denn-daß es — ob diese - oder jene Formel zur Annahme gelangt ---- doch - ttür im Wesen aus eine Kuratel hinäuslanfen wird, ' hettte'schon jedernrättn klär.' - --- -- .,>•* ' ' W—11. . —I i m » wjw;

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