Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1290 (2.9.1922)
- Date
- 1922-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Das von Deutschland geforderte Moratorium gvurde abgelehnt, nachdem Frankreich und Belgien für diesen Vorschlag Englands nicht zu haben waren, hingegen soll eine radikale Finanzreform in Deutschland eingesührt werden, deren tüchtigsten Punkte ■ die Herstellung des Gleichgewichts im Budget, eine Währungsreform und die Aufnahme äußerer und innerer Anleihen sein sollen. Um für solche radikale Reformen die nötige Zeiten schaffen, hat die Reparationskommission beschlossen, daß an Stelle der in nächster Zeit fälligen Barzahlungen, von Deutschland Schatzbons.,' mit sechsmonatiger Laufzeit anzunehmen seien, für welche die deutsche'Regierung die Garantie in Gold zn über-, nehmen hat. Der Entscheidung der Reparatiöuskommission ist von, allen Seiten mit begreiflicher Spannung entgegengesehen worden, denn der Gegensatz zwischen der englischen und französisch-belgischen These war auf die höchste Spitze getrieben worden, so daß ein Bruch beinahe als unvermeidlich erschien, dxssen Folgen für Deutschland und damit ftir ganz Mitteleuropa geradezu unabsehbar-' gewesen wären. Durch btc Annahme des belgischen Vermittlungsvorschlages wird Deutschlands Forderung nach einem Moratorium 'Wohl abgelehnt, diesem jedoch andererseits eine , Atempause gewährt, welche Deutschland, wie auch die Reparationskommission erkannt hat, dringendst benötigt. Per Beschluß der Reparationskommission, welcher in Paris als ,ein Sieg der französischen- Anschauung bewertet wird, hat alle Aussicht, von Frankreich angenommen zu werden, wy myn in der letzten - Zeit doch, 'erniger maßpG.zup^Sinsicht^M, kommen scheint, daß man den Bogen nicht-nherspanyen darf, und es ist zu erwarten, daß in der heiklen und noch keineswegs bereinigten Frage-der von Deutschland zu leistenden Garantien ans die Bons eine Einigung zustande kommen wird. Die Situation ist nicht danach angetan, um in Paris eine unabhängige Äktion oder eine Nichtbeachtung der Entscheidung, der. Neparationskommission, vor welcher die englische Presse,sehr entschieden warnt, als ratsam erscheinen zu lassen. Der katastrophale Sturz der deutschen Mark, die unmittelbare Gefahr eines totalen Zusammenbruches^, der österreichischen Staats- Wirtschaft und die wachsende Wirtschaftskrise in den an Oesterreich angrenzenden Ländern^ sind Erscheinungen, an denen Frankreich nicht achtlos . vorübergehen darf, wenngleich das französische Wirtschaftsinteresse nach ganz anderen Richtungen tendiert als die'englische Wirtschaft, welche durch die mitteleuropäischen Erscheinungen sehr , fühlbar beeinflußt wird. Das beängstigende, staatsfinanzielle Chaos in Oesterreich und der letzte'Vevzweiflnngsschritt, den Bundeskanzler Seipel unternommen hat, um die allgemeine Aufmerksamkeit Europas auf Oesterreich zu lenken und die unmittelbare Notwendigkeit einer großzügigen Sanierung darzntun, hat in den Staatskanzleien der am österreichischen Problem interessierten Mächte vorläufig nach der einen Richtung gewirkt, daß man die unmittelbar bevorstehende Gefahr erkannt hat, welche für den Frieden Europas, oder was man so nennen mag, durch sogenannte eigenmächtige. Wiener Entschlüsse oder durch die Staatskatastrophe entstünde. Herr Seipel ist, wie wir nach seinen Darlegungen im Ausschuß siir Aenßeres wissen, mit keinem anderen greifbaren Resultat heimgekchrt als dem, daß-sich der Bölkerbundrat an erster Stelle mit dem brennend gewordenen österreichischen Problem befaßt; der Versuch einer Politik der zu schaffenden Wirtschaftseinheit mit einem nördlichen oder südlichen Nachbarn kann vorläufig wohl zumindest als verfrüht geften und der Hinweis auf die Notwendigkeit der Erhaltung des Status quo ist jedenfalls das entscheidende Argument' in der Prager wie tri der italienischen Antwort Bei dem Mangel an Standfestigkeit in den allgemeinen' politischen Verhältnissen in Mittel- und Osteuropa, angesichts der Aspirationen und Wühlereien von Horthy-Ungarn, des ita lienisch-jugoslawischen, des polnisch-deutschen Gegensatzes und der Wirtschaftspolitik, welche der industriell und agrikultuvell hochentwickelten' TWchc?O7äwakei der die Gefahr der Produktionsstockung . bedeutende relative Hochstand' ihrer Valuta ■ diktiert, erscheint der Bestand eines selbständigen Oesterreich als eine Notwendigkeit. Aber dieser für Europas Wirtschaft und mühselig behauptetes Gleichgewicht so wichtige Kleinstaat kann, nachdem die Unfähigkeit und Demagogie seiner Politiker eine Sanierung aus eigener O'rast unmöglich gema- ' haben, nicht länger von dem.Titel leben, ein politischer Die zionistische labrcsKonfew in Am -en Mtzsschen Wettkorraretz. ... (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Siebente Sitzung Montag den 28. 7!n nH UM / D -It.f?* abiiiH. ■ Vorsitzender L i psky: ' . Nenmann (Myrna) glaubt,' daß«' die Debatte durch.-, eine falsche Bescheidei'cheit unserer Führer auf ein schlechtes Gelc'-se gebracht würde. Der Konferenz ist dadurch ein nach dem'Mandatserfolg unbegreifliches „Gepräge-'- mangelHer Begeisterung gegeben worden. Eine Organisation mikffolchen Möglichkeiten wie die unstredarf nicht so mutlos fein. Es sei daher der Vor-- schlag S't r ick e r a l ß m o me st tan einzig richtiger zn ä^eptievLn. Ferner wird beantragt, daß die zionistische Exekutive nach.ihrer KonstiMierung als Iewrsh Agency V ertrauenspersonen ist allen wichtigen Zentren ernenne, was eme PröfiigefraDvon größtem Propagqndawert sei. ' v ■'.! Nev. Göldbloonst (England) , behandelt die Fragen, von wem', wann' und wie' der Kongreß einbernfen werdei.- soll. ÄüfterneZionistische Einladung würden chie von uns gewünschtzrn Kreise nicht reagieren. .Der Kongreß dürfe nicht frßher-stattfinden, bevordas Mandat vor dem. ZionistenkoMeß gewesensei.? . . ::? Meinmanst WtguW? ' . den' Kongreß -AtzHäh"' Änd',- Listige' ^Üistenr'/'tvelche'Mchftens in Äetvachl kontnienl bringen ckeine Mitgift -uM-würden Bedingungen stellen, auf die wir nicht' eingehen können. Schließlich' kostet der Weltkongreß mehr als das zionistische Budget für derart Problematische^Ziele -aüfzuwendenin -der Lage sei. Entäußern wir uns aller Illusionen und -setzen wir die Ltzjährige L-inieb'er-zjoüiftsschen Arbeit sort. ' Dr. Margulies (Tschecho-Slowakei): Die Diskussion des-Weltkongresses, geht v.on-einer falschen Voraussetzung aus, da sie die Kämpfe vergißt, die unbedingt vorausgehen werden. Wir haben bereits einen' jüdischen Kongreß,, der eine Million Menschen repräsentiert, und dieser, muß; seine Anstrengungen verdoppeln. In weiterem führt der.' Redner ans, daß im Mandat etwas geschaffen wurde, was' im Völkerrecht einzig dasteht: Hier ist eine Körperschaft, -bestehend aus Bürgern anderer Staaten, geschaffen worden. mit einem gewissen-öffentlichen Recht, mit .einer Regierung zu verhandeln. Das Volk auf 7 dem Wege habe ^bereits-eine-.Art Souveränitätsrecht bekommen. Wir, Tie offiziell anerkannte Vertretung des. jüdischen Volkes, sollen jetzt zu den; Massen hinausgehen und ihnen,sag?n.: Ihr könnt ein Teil der Iswish Agency werden,- wenn ihr zu uns. zur Zionistischen Organisation, kommt. Wir müssen erklären, daß wir . den betreffenden Pamgraphen des Mandats ratifizieren und die Exekutive beanftcagen, Schritte zur Heranziehung weiterer Kreise emzuleiten, worüber sie dein nächsten Kongreß-berichten, soll. Ueberdies sind wir hier gar nicht berechtigt, die der Zionistischen Organisation als Iewrsh Agency gegebenen Rechte wegzngÄen, sondern nur ocr Kongreß. - Ruvaschow (Poale Zion): Die Idee des'.alljüdischen Kongresses für den Aufbart Palästinas ist zur rechten Stunde ausgetaucht. Seit Jahren "hat die diplomatische Arbeit unsere ganze Tätigkeit überwuchert.' Wir müssen jetzt den Schwerpunkt unserer Bestrebungen auf die P a l a st i n a - A r b e i t verlegen. Wir .Wen uns an zweierlei Elenrente gowandt, an diejenigen, die. uns Geld, und an diejenigen, die uns die Menschen 'geben' sollend Die ersten haben versagt,' die "Masse aber, hie uns die Menschen gibt, hat ungeheure Kräfte zur Entfaltung gebracht. Darum müssen wir uns an das große jüdische'Volk wenden und dessen Kräfte in den Dienst, der Palästina-Arbeit stellen. Wir 'glauben an diese Möglichkeit; well wir an unftre eigem .Kraft'glauben. Wir sollten -nichts mit Notäbeln und mit'den jüdischen Organisationen zu tun haben, die im Verlaus der fontmeubcit Umschichtung des ganzen jüdischen Volkes zusainnrenbrechen werden. Kräfte, die wir jetzt schon heranziehm können, sind daS Pa l äst i n 0 n.s i s ch e Judentunr, das organisierte a m eri ka nisch e I v. beutu m und die autonome Judenheit Litauens. Sobald als möglich aber soll die Verantwortung auf den jüdischen Kongreß. . gemeinsam mit her Zionistischen Organisation, die erhalten bleiben nmß, über¬ Jellin begründet die Anträge, dem. Waad Lenini als Bgrtre» tnng des organisierten Jischuw Vertretung in der Jewi'sh Agency zu geben und als deren Sitz Jerusalem zu bestimmen. Zlatopolsky: ‘ 120.000 Juden haben Geld für den Keren Haiessod ge» geben. Ks muß uns gelingen,- diese Zahl zu verzehnfachen, dann haben wir die b Millionen Pfünd, von denen man anfangs sprach. Das Mittel dazu ist der ästjüdische Koirgveß, welchem K0ngresse in den einzel'n en Länd'evn vorhergeh.en muffen.. Pie.Zionistische^ Organisation aber muß, um den Boden, zu beftuchien, wieder zionWsche Arbeit machen und sich nichtchuf Geldsamn^ln beschränken. -ch:. - ^- ■ ' Dr. Wilensky: .; ■; Wnn wir auf dem Standpunkt stehen, daß? es cin-.jüdi» sches Volk gibt, dann Müssen wir ihm eine Konstitution- "' geben. Der- Kongreß mstß -W^d ingt demokratisch seiu.^^ Die Jewjsh Agency ist der Mmstischen'' Organisation übergeben worderc. weil es noch kein organisiertes, jüdisches" Volk gibt. . . _ V : Rabbi Schönfeld (Misrachi): Der Kongreß ist auch darum wichtig, damit wir dm Argumenten unfern arabischen Gegner, die uns das Recht äbsprechen für das jüdische Volk zu sprechen, eNtgeaeutreten können. Der Kongreß muß sofort einbernfen werden und unbedingt demokratisch sein. Bis dahin muß die Zionistische Organisation allein die Agency bleiben, ohne Beteiligting irgerwwelcher Notabeln. v Dr. Gottlieb (Polen) bezeichnet.den Kongreßgedanken als durchaus antizionistisch» weil er die Vorstellung erweckt, als ob das jüdische Volk als exterritorial eristiererr könne. Unser Gegner ist nicht mehr die Assimilation, sondern der antizionistische jüdische Nationalismus. Wenn «wir das Vertrauen des jüdischen- Volles gewinnen wollen, so ntüssen wir vor allem die Arbeitsmethoden des Zionismus ändern. Unser 'Apparat muß endlich saniert werden. Ein Palästina-Kongreß ist eilt Zionistenkongreß mit geändertem Wahlrecht. Ein Ausschuß der Exekutive soll sofort die Frage untersuchen, wie ein Zusammenarbeiten nril anderen Gruppen 'möglich ist. Das erlvartet man nach dem Mandat von uns. Abr. Goldberg (Ämcrika): - .Die Idee des jüdischen Kongresses für Palästina ist H e x z.l s Gedar> k e. Bisher hatte der Ziotusmus zn 'wenig konkrete Verdienste, um das Volk heranzuziehen. Aber nach dem -Mandat rufen wir das Volk, nicht ettpa, -weil wir Fiasko gemacht hatten, sondern weil unser Selbstvertrauen erst jetzt gewachsen ist. Der Kongreß wird nur zustandekommen, .wen'- er aus dieser Stim.nr.nng berufen wird. 'Der Termin muß s0 fö rt fixiert werden. Der Zionismus nmß, wie bisher, die A v a n t g a r d e bleiben. Gronemann (Berlin): Der Kongreß ist dir einzig, mögliche Form, die anderen Juden heranzuziehen. Das allein ist auch ftir den Zionismn-s annehmbar, denn es besteht die Gefahr, daß wir verflachen uno Kompromiße machen- und dadurch, daß Wirtin den Wahlkampf einireten, wird unser Natronalisnms wieder gestärkt werden. Wir werden im Kongreß den radikalen Flügel bilden und unseren alten radikalen Zionismus wieder vertreten. - mimu Ulli | Jsölierschemel in Mitteleuropa zu sein, und der Völkerj hat für Deutschlands Situation. Einsicl-t -n Zeigen bebnnö-wird gut daran tun, im Jnterc''e inner mittelgönne:', auch..die Behandlung des 'österreichischen Prv« europäischen Viitglieder die Methode der Studien beiseite b!."u:s n^'d nicht länger auf die lange Bank geschoben ■iMyiriMUMwa zu legen und die österreichische Frage mit Eilzugsgej.schWindigkLit. zu. behandeln. Die. ReparaüonsstvmmißiM werden dürfen. » nittäM jgdtLij^.iMy^iaiuBiaar \