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Wiener Morgenzeitung · 1922-09-01 · Heft 1289 (1.9.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1289 (1.9.1922)
Date
1922-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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UuihnmnerKeoo Ulen: Zn« Abholen in dar Xftpedftien, II.,Taborstr. 1-3, cmerV erschl«iscte!le (Trafik) monatl. K 16.000 MitPo*tver*and fir Wien n. Doatarr. monatl. IC 16.000 Faefcac ho-S lowakei: Ho», IC20. Unsrer»: Men. 050, Jugoslawien: Mon. Diner *5. Polen: Mon. Hk. 1400. Deutschland: Mon. Mark 150. Frank- •eich: MoaatKek Free. 6 Mr Kt«li>ikliipi 'S! 4ei PreUerhSkoaftn Vorbehalte* WßWWWWW Nr. 1289 Das Urieül. —7. Nie», 1. September. Der Präsident des Finanzausschusses des Völkerbundes, Herr Strakosch, hat, wie wir Astern nütteilten, Aeußerungen über den Stand der KiMtfräge Oesterdeichs gemacht, die wegen der PersönlWeit und wegen des Zeitpunktes berechtigtes Aufsehep httvorgerufen Hatzen. Sie zerstören vollends den in Oesterreich bestehenden Plan, daß man der Republik Kredite nur wegen 'hier schönen Augen gewährt und daß Oesterreich selbst jeder Pflicht enthoben sei, seine Politik auf den Stand der Dinge, wie sie nun. einmal find, einzustellen. ES ist vahr, daß der Friedensvertrag von.Saittt-Germain geucür so ein Unglück ist wie alle anderen Friedensverträge und daß das ganze FriedeySwerk im Laufe per nächsten Jahre von der Entwicklung Guropas, und von dein, rauhen Eingriff Amerikas bis apf den Grund niedergerissen werden wird. Aber einstweilen besteht der Vertrag und Oesterreich kann sich geMN die Bestimmünzeü nicht wehren, die seiner wirtschaftsichen Entfaltung mg bemessene Grenzen setzen. Aber die Politik, die von ^en. österreichischen Parteien betrieben Wochen ist, hat das Unheil bis nahe an die Katastrophe gedeihen lassen, und der Staat steht heute unmittelbar vor dem Abgrund. ' Me Geschichte der Republik wahrend der letzten drei Fahre läßt nicht hoffen, daß sich eine mit den Tatsachen' rechnende Ernüchterung emstellen wird.' Selbst jetzt, wo dieschwerste soziale Erschütterung droht, setzen die, Partien ihre Schacherpolitik um RegierungsportefeuUes' fort und jede einzelne Preist ihr Programm als das alleinige Mittel zur Rettung an. Alle Parteien und alle Parteiprogramme haben versagt, keine' einzige Gruppe hch auch nur ainen halbwegs vernstützrgtzn' Vorschlag zur Behebung der Not machen können, riM M P^streM^en des WBlandB, ain wenig^DrMWgM'MMN^stMchpn^ innen heraus durchkreuzt wordem HM St'räNch HWM - Urteil des Auslandes, hart und flar formuliert: SosaNge" Oesterreich ans diesem Wege bleibt', rssÄne Hstse 'ünhen^' bar und auch die neuen' KrediteivüÄest '.in' kürzester' Frist verschleudert.und vergeudet werden.- Das'Bild, das Oesterreich heute bietet, ist nicht pön selbst entstanden, sondern es ist das Erzeilgnis 'einer' ganzen "Kette, von Sünden, die gegen den guten. Geist und gegen' die Lebensnotwendigkeiten des Staates begangen ' Wörden sind. Die Politik des ersten Jahres der'Republik hatte doch wenigstens Ansätze zu einer aktiven Auffassung der Stellung Oesterreichs inmitten der neuen. Staaten gezeigt. Der damals beginnenden Isolierung suchte man auf den vom' Friedensvertrag offen gelassenen Wegen entgegenzuwirken. Diese Wege führten alle zur Angliederung Oesterreichs an ein größeres Wirtschaftsgebiet. Aber sie wurden sehr bald unter dem Druck der Demagogie verlassen, die sich, justament auf -den Weg-begab und den Staat bestreu neu wollte,, den der . Friedensvertrag. ungangbar geinacht hatte, Die finanziellen Maßregeln geschahen immer zu. spät, immer nur auf Forderung Nnveranttvortlicher. und niemals konsequent. Oesterreich, hat eine Steuergesetzgebung, aber keine . Steuern, es hat zu viel Beamte aber an den entscheidenden Stellen zu wenig, es hat Wohnungsnot, aber einen Ueberfluß an Aemtern. urch.Kanzleien. Es hat eiye Notenbank konstruiert, ihren Wirksamkeitsbeginn aber schiebt es immer weiter hinaus; wenn man die maßgebettden Faktoren fragt, was in der'Zwischenzeit bis zur Aktivierung der Bank geschehen'werde, so verweisen ftc Ms den Finanzplan, der aper) gar: nicht.mehr existiert. Cs sind die Sünden von Jahrhunderten, die sich jetzt zeigen. Nicht nur die politische Erziehung der Massen ist sträflich unterlassen worden — auch die führenden Politiker sind der Zeit nicht gewachsen. Alle ausnahmslos sind mit der Schuld am Krieg 'belastet. Sie sind im öffentlichen Leben gestanden, als dev Krieg vorbereitet und angezündet wurde, sie standen während des Krieges, zur Verfügung der Armeeleitung und sie wollen jetzt den Staat und das Volk reiten, an' dessen-Zustand sie selbst die größte Schuld tragen. Von .der . ersten.Lebensstunde . an wurde der Staat als.lebensunfähig verschrien und er. ist. es heute ebenso wenig wie damM.,. Oesterreich ist., blutarm, aber es will den MW'des'Großstaätes.nicht entbehren. .Jeder.arrn gnvproene '-My'M.'verkäüst. i dqs.' Überflüssige,, weil die Sicherung seiner nackten Existenz und des Lebens. seiner FamMe das' Wichtigste sinh'. Oesterreich hat SteuerquMtt in,seuiejt agrarischen. .Gebieten, die es überhaupt nicht erfaßt,'ds'hat Kunstschätze und.Sammlungen, die sein gesamtes Defizit decken und neuen Kredit schaffen könnten. Aber 'eine Politik, in deren Leitung ein Geistesriese vom Schlage des Herrn Wüber steht, eine Politik,^ die immer.'.'nur den Jüö^nreftain .singt, wird überall nur' mit Mißtrauen Honoriert. ' . T schecho« Slowake 11 «schech. K 1.L0 Italien: MoRatl. 6 Lire Rumänien: Mon. 46 Lei Schweiz nnd das übrige Anriand monatlich Fr cs. 3. Redaktion n. Administration Wien, IL,Taborstraisol—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.« Adr.: .Morgenieitang“ Wien Oestorretchisehes Postsparkaasen-Konto Nr. 156.693 SBica, FrettsI» 1. Grptemher 1922 4. Jahrgang Die WWelMche frage vor dem linnifchs» Ves«»Ste« in Konp»» Sn G »« a begRUu. gelangte die österreichische Frage z»r BehnnSinng. De»PrSfisienß »rrwifft a»f Sen Ernst Seö ö st ft rei ch i f ch^nMr'oSl'e tu $ im gegea- »Lrtigen «WgenhttS \ schlug vor, vaS Fi»a»zkomitee znersnche«, sofort nochmatt i» eine P » S fnngderF rage e in» -»trat e n. Die anch^esev-rn Vertreter Seste^reiH-H Votfchaster It« tzorfs nnd A«tzest«i»ßßter G »Snterge r, war de» ers»cht, s»dald al« «Sglich eine Darstellang der Lage eiaznreiche». - Dieöfterreichischen Vertreter werden in den Geichnnsiknngen des HateS glelchberAchtigtß Mitglieder seiKJMDHast.gr Me« %• d »f.'ff schlug vor, die DitzgNg zur Grörternug dUM'NgelegMMsichst e nMitt« ln ,-ch^'asi»nda.tte»..^^. r._,„ ';......„'. WßiMrsisflleD MMEDWtznsihchx Wes t VodWage^ no»'' der.-'MWgstellH»^ siech De--. ' PichtedeS FiNanLkomitees abhLngig. - ' Der OfstzieÄe Berichte J SL^',chr^rst,.. Dre-'-österpeichisDe., Frage sbeht . im t Mittelpunkt« der. Tagung >S. BMMstdes; di« heute in.Kens - ihren. Anfang genommen tyxk. Pie im . Stete vertretenen MäDe 1 wollten ihr besonderes Interesse an,'t^r . österreichischen . Frage .- -knnpgebsn, indem' ssedUD.-WH'LüsiW Tägesochnung der . ersten Sitzung stellten, die -HDe'M,^lb'.'4 Uhr nachmittags - bsgdnn.'.DSn'Pbvfitz führte . d^r'Vertreter Brasiliens da G.a m a. Eugländ'war Mich Lord B a Ff o 'st.klpertreten, Frankreich durch H a'no rau'x, Jwkien^^ durch"Marchese' Imper i a li, 'Japan., durch „beit Pariser..Botschaft«?. V. i s e o u. n t I s h i i, Spanien durch den Pariser BoffchafE'Ls u.r n.o n d e 2e.o.u^ Bel-gien. durch.Hymens und Ehine dürih. Tang Tsai FoN.. Währmh der Behandlung der österreichischen Frage wurden fgtzu-ngsgAHäß auch di«"österreichischen' Vertreter,^Äußemnüliister Doktor Grünche rge.r, der.ehymaM' Botschafter M«nsdv.rff sotyie'^'ständige''Bertröter^b«M"'BöÜ«tNnd Dr. Pflugel, Pie SrktSr»M,ra de» PrSsidenten. . .Präsihent^^'da Mery a.-eMärt«p..e8--handle sich vor-Men ' Dingen darum, das Vorgehen-festznstellen, das bei der Becharrdljrng des öster^lchHchen' Problems:«inzuschlagen.s«l. Er-, führte außr Wir-alte wMn die Wchtigkeit-, undDringlichkeit^ des ö star r e i ch i.s ch.^n P rach l-«m s - seinem Umfange 1 nach?zu. wüMgen-.Der Mh des. Pölkerbundes mutz -lso -darauf--bedacht sein, «in Persahven'ieinzuMagen, Ws. einerseits «in^ gründliches. Studium'der Fraga gestattet, aber jeden Zeitverlust vermeidet.: ' Das. österreichischo;Kroblem7 'ist/schc»n von 'deck Finanzkomitee in allen EinzelheiM einer Prüfung unterzogen worden und der. . Pqs' ches.-KAkeMWeS - hat genaue Empfehlungen über die. Bvr. aussetzMgen-formuliert, unter .denen seiner Ansicht mch-die.F'l- : yaMn Dosterrdichs auf! xjyer festen und dauernden Bdsis.-ästfge« siauL.fvjd^ien: WD-.-GrüNdey/ an Äie '.ich. weiter nicht D'k -. diese CiNPfehlungen ohne Ltfölg geblicbeu ' ' und' die 'ÄrunÄ-bch' andenen -damals,. Lesterreich', litt, -b e-. ■ ff e'h-e u w cTteV -nnd ffrtb vnitr -mit so.bedrohlicher geworden, Nun sind wir eingeladen.worden,..über dir Lage -öesterrcichs, - ' die-immer-ernstere Besorgnis -eittflößt'/ rin Äntachten abzn'geben, Sp-cie’ Rat des Dölkerhundes wird.also zu prüfen haben,.'ob'.er . in drr.'L'age tft,; etirc der wichtigsten Telle des Problems. Ich erlaube mir also, dem Rat« vorzuschliagen, deshalb unverweilt, das heißt «och heute nachmittags, das Finanzkomitee aufzufordern, die Frage, soweit seine Kompetenz reicht, einer Prüfung zu unterziehen und unverzüglich seinen Bericht an den Rat zu erstatten. Es könnte das Komitee beauftragt werden, die Frage genau im Sinne des Briefes zu studieren, den der britische Mnisterpräsident rm Namen der bei der Londorrer Konferenz vertretenen Mächte an den österreichischen Gesandten gerichtet hat, um einen Bericht über die finanztechnische Seite der Frage zu erstatten, die einen Teil des Problems bildet, mit dem der Bolkerbundrat befaßt ist. Ich möchte mir erlauben, zu beantragen, daß, ohne die Beendigung dieser technischen Arbeit des Finanzkomitees abzuwarten, die Arbeit unverweilt in Angriff genommen werde. Der Rat kann einen stimmten Tag festsetzen, zum Beispiel nächsten Mitttvoch, um den öiterreichischen Vertretern, die sich augenblicklich in Genf i aushalten, die Möglichkeit zir bieten, die Lage Oesterreichs in allen Einzelheiten klarzulegen, ^Selbstverständlich wird der Rat 'bei allen - seinen- BssprechüMw! ÜM Entscheidungen in engster Fühlung mit den - österreichischen -Vertretern ^bleiben. Es ist -dies eines der Grundprinzipien des Völkevbundpaktes, daß jedem Landes das nicht im Völkerbundrat vertreten ist, gestattet werde, ' einen Repräsentanten in den-Rästzu entsenden,. der gleichberechtigt Nt den än^rMMWchern des "Rates ist, solange "es sich um.eine Frage , handelt, die den betreffenden Staat besonders interessiert. — Die Vorschläge des Präsidenten werden hierauf einstim- -mig angenommen und das Finanzkomitee verholten, sein Guiachten ehestens zu erstatten. Die Sitzung, in der die österreichischen Vertreter zn Worte gelangen sollen, wird für Mittwoi^ angesetzt. Die FinnNzkoMMissiSK. Genf, 31. August. Die Fmanzkvmmisfion, die sich aus den bekannten Mttgliedern znsammensetzt, dürfte diesmal nicht unter d-e-m Vorsitz Sir Eric Strakosch, sondern vermutlich unter .der Präsidentschaft-des schwedischen Delegierten W all euch e r g beraten. Die letzten, beiden Tage der Woche werden zu vovbereitenden - Arbeiten verwendet werden, so daß die erste Vollsitzung des Finanzkomitees, schon am Montag stattsiuden kann. BesprechNRge« des Antzerrmmistcrs . Genf,. 31. August. Im Laufe des heutigen Tages hatte -Minister des Aenßern Dr. Hrünberger Gelegenheit, mit einer Steche führender-.Persönlichkeiten in Fichlnug zu treten, so mit - Lord Balfonr und mit Lord Ceeil, dann mit dem französischen ' Vertreter beirn Völkerbundrat Hanotaux sowie mit dem frü . Heren belgischen Außenminister Hlzmaus. Die -Misfign Er. GchRAerr. ., ' Siom, 30. August. (Stefam.) In der heutigen Bespre> chung' zwischen dem Schatzminister P a r a t o r e und dem -österreichischen Delegierten Sektiouschef Dr. S ch ü l L c t wurde bezüglich der Durchführung des Gesetzes betreffend die - Bcitragsleistnng zumwirtschaftlichen Wiederaufbau Oesterreichs im Wege ' der diesem gewährten Kredite g r u n d s ä tz l ich eine liebereinstimnmng erzielt. Zum . Zweck? der Durchführung der bezüglichen Maßnahmen setzte der. Schatzkanzler 'beit Sektionschef Dr. Schüller mit dem Generaldirektor des Schatzamtes Coute Rossini in Ver- ^bindnng. ' Was die aIlgemcine Frage anbelangt, ergänzte Seltionschef Dr. Schüller seine Darlegung über dir wirtschaftliche und finanzielle Lage Oesterreichs, erteilte Antwort aus die.an ihn gestellten Fragen und gab berschirdrue vorn Schatzinmister verlangte Aufklärungen. Der Schatzminister glaubt nunmehr i m B e s i tz e a I l e r Ä n g a b e n zu sein, die der österreichische.Delegierte ihm liefern konnte. Er.wird sie im Einvernehmen mit den zuständigen Kollegen prüfen und dann dem Ministerrat darüber berichten. Vor dem Verlassert Roms wird Sektionschef Schüller yßschtNsfaffUag »« alchstea Mittwoch. G e n f»- 31. AugW MelDomp.) In Ser hentige» S0. anßerordentUche« Teg««s *e» Vrlksrb»nSr«te<, Sie,MUt er Verfitz Ses brafi- .. v'W««g >,«x.fsirmf'chtfche« Frage so wie sie jetzt aüfgsrpllt /worden zu versuchen, und weit« ja,.unter>.yelch»n.Bed'l>WNHen.-Das^Problem zerfallMn-'viele' j mit dem Generaldirektor der Zölle Lucioll-i und dem Testsrägen,- und' einzelne.dapon^ sind.-jetzt schwerwiegender -als-: Generaldirektör für Außenhandel Dinola Besprechungen isn Äugenblick, da-das Finanzkomitee zum erstenmal-die,Lage I, haben zum Avecke der Wiedevaufnachrne -der Verhandlungen - prüfte. Die Finanzlage Oesterreichs-mtit allen Berschlimmerun-!' über ein Handelsabkonnmn, die infolge der italienischen Pn» die anderthgch tzahren erlitte« hat, bildst einen ^Miuii^rib' ^pövochen worden wm» a. -i. mmn

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