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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-31 · Heft 1288 (31.8.1922) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1288 (31.8.1922)
Date
1922-08-31
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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9TT. irCTÖ .72^777, * Das Uhcenrnnsemn -er Stadt Wien Nieder eröffnet. 8ine Sehenswürdigküt Wiens, das städtische Uhrenmusewu, l.,,Bez., Schulhof 2, wird Samstag den 2. September wieder »röffnÄ. Besuchstage sind Dienstag und. Samstag um 10 und nm 4 Uhr, Mittwoch nur um 4 Uhr. (Nach diesen Stunden kein Einlaß!) Der Eintritt kostet pro Person (>0 Kronen, dir Führung erfolgt kostenlos. * Die städtische Schnlaiisspeisung. Wie wüederholt 'beuchtet, wird die (Gemeinde Wien Heuer von Schulbeginn an in allen städtischen Schulen /die allgemeine städtische Schulausspeisuug für bedürftige Kinder ciurichten. Tie Kinder werden zunächst ärztlich untersucht, dann die Eltern der für gesmrdheit- «irh beerirftig befundenen befragt, ob sie die Ausspeisnug wünschen und brauchen. Die Angaben der Eltern werdeu durch die Bezirlsjugendämter rasch überprüft, die den Kindern dann sofort den Ausweisschein, der zur Teilnahine berechtigt, ausfolgen. Das städtische-Jugendamt macht die Eltern rechtzeitig darauf aufmerksam, daß die schulärztliche Untersuchung der Kinder am 11., 12. lnrd 1,1 .September in der zuständigen Schule stattfindöt. Die Stunden tverden noch bekänntgegeben werden. Niemand, der für sein Kind diese großzügige Fürsorge-' einrichtung in Anspruch nehmen will, versäume'es, das Kind zur ärztlichen Untersuchung gu senden, ohne die die Teilnahme ausgeschlossen ist. * Das Leopoldstädter Äinderspital. das die Oeffeutlichkeit noch nie mit seinen Sorgen behelligt hat, ist jetzt am Ende seiner Kräfte. Die Brennstoffe zur Beheizung des Hauses allein machen Millionen ans, t>ic. Beleuchtung ist unendlich tsuer geivorden, die Honorare der Aerzte und Angestellten Wersteigen, so sehr sie berechtigt find, alles Maß und sind sicher noch nicht beendigt. Die Kost für die Kinder, und das Hersoual erfordert Summen, die nicht mehr beschafft werden können. Wir schließen uns deshalb dein Aufruf des Kinderspitalvereins voll an. * Erhöhung des Pretzhefspreists. Ab 1 September Kostet im Grotzverschleitz t Kilogramm Pr^ßhew 12.6CO /bisher 7700 £.), beim kilowei'c'N Verkauf 14.000 L. Ei' Deka Ger« kostet 169 K. (bisher iOO §>.). Dre Preissieigsnmg belräat 64^/o» * Verlorene Llbr. Ä-crwg nurde in der Zeit vrn 5 bis 6 Uhr abends auf dem Wege vv,n Ewlaufverem bis z»m Opernkino eine goldene Damenuhr mit Mouosrawm „0. F." verloren. Der redliäe Finder wird, da es sich nm ein teures Familienondenden handelt, gebeten, dm Gegenstand aegen setr gute Belohnung in der Redaktion der ,W>enrr Llllgemeinen Ztzßung", I.» Sckulersiraße 14. obzugeden. Der Untergang des Dampfers „Otata". Von den 322 Personen, die sich an Bord des gefunkenen Dampfers „Otata" befunden hatten, sind nur sechs gerettet worden. * Wetterbericht. Von Westsrankreich her ist Trübung mit Regen nach der Schweiz und nach Holland vorgeschritten. Auch in Teilen Westdeutschlands und in Nordtirol war mittags der Himmel bereits mit Wolken bedeckt. In den östlichen Teilen Oesterreichs und Deutschlands war es noch heiter und sehr warm. Bei lebhaften südöstlichen Winden kam in Wien gegen Abend etwas leichte Bewölkung zum Vorschein. Voraussage: Zunächst nur leichte Bewölkung, warni, für später, vielleicht bereits heilte abends, ist mit stärkerer Trübung mit nachfolgendem Regen zu rechnen, Bereirre» Borträpe ttn^ 'VersmnUrlnntzenf urani a. Keule. 5 Uhr (Grober Saal): Mild-Amka. */,8 Ahr (Großer Saol>: Elsa, Berta. Martha W i e i e nkhal: Kammtr-Tanzabend. hx 6 Ahr (Kleiner Saal): Oberrechmingsrat Robert Baller: Waukierungen in den Sudelen. */*8 libr (Kurs-Saals: Inspektor Franz S (l l e r: Snleresscmle Rechtsfragen des Klengartners, Kleipwirtschastsis und Kleinpächters. II. — Morgen, 5 Ahr (Großer Saal): Vehe.rswer der Löste. ^8 Ahr (Großer Saat): Das Wunde, des Säweefiuh's. V«8 Ukr (Kleiner Saa«): Tr. Fritz S cd n l h o f: Das Atom -er Philosophen. '/„8 Ahr (Kurs-Saat : Anio.-Prok. Dr. Samuel Oppenheim:' Riesen und Zwerge unür dm Siemen. V-8 Akr (Klub-Saal): Robert § r i e 5 « q 11 n: Rußlands Weg vom Nihilismus zum Anarchismus und Sozialismus. I. V/' Ahr (Lehrfach TI): Akod. Maler Emmerich Schafjr a n: 1!eb:r ^le Technik des lasd^chastlichen Skizsieiens. Keren Kajemeth l'ZrsLel, ^udi'cher Nationalsonds. N.. Toborslraße 59-, Tklephon 40-3'lh. Ausweis Nr. 10/7 vom 23. bis 28. Au aus! 1922 — 895.14-4 K. 72 H. '$m Jahre 1922 insgesamt 20,665 572 K. 35 fi. — Dankadresse a n I. R'a t i f i z t e r n n g d. Palästinamandats: Zentrale: S. Picker 10.000, X./XI. Bezirk : Bez.-Sikt. im S. Fürilgarien'19.65912. Ak. Landesv.udand: S. A B. Emuuah /Wien-Bielltzl 2j.000. Kitachduth: Ah. Zion d. M. Dawid 16.0(0. d. M. Singer 4000. Fritz Rcnratk 5000, Misrach.: Rabbncr ,Fricdma>m v. SIryzc.wer 50.000. Welle Kunstädler'Kohn-Grünwald (BraüslanaV 30.000. — Zentrale: Kerm. Ke«dl für erw. Gelälligkeit 5(00. Dio. 500, Donlor Nissan Golüslein u. Frau gratulieren David Dim u. Frau in Karlsbad z. d. Freudenlag.10 0 0 — 1. Bezirk F. Grllbrl 2000, Div. 1000. — tl. Bezirk: S. Pinlo d. Br»,-Rat Plaschkes 100.'CO, E. D. Schlamm 50.000, Simon Menczer (Slorvzynetzi 10.000, Ke'nrich Rost 7000, I. Drechsler 3000, Pralenprengel d. I. Rvth: Benci Stirn II. Pollak 6000. Div. L600. —' III. Bezirk: 5ng. Kans Sobelsohu anl. d. Geburt s. ältesten Tochter Judith 10.000, a. V. seiner Frau G'ete 20.000, i>. 5. Gewllsch: Belh Kakneseh: KrieShader, Dr. Seneider je 2000, Div. 8300. — IV. Bezirk: M. Birken 10.000. — VI. Bezirk: -Menorah d. Emma Keidenfeld-Rubm: Rest Sonnenschein 10022, Bkleucklungshaus Walter 60S2, Klarmann ‘ 9700, Div. 4670. — VM. Bezirk: 1000. Max Fleifchner 15.009. - IX. Bezirk: d. 2ng. Echneidcr: Ä. Vogelbaum'Ggrlen: Dr. Bvgelbaum 2000, Gold. Duchrinlr. Kermann u. Anna Schneider onl. „Goldener Kochzeit" r. deren Kinder 100.0C0 — XIII. Bezirk: G. Jacob 2CO0. — XVI. Bezirk: $. SS aber cOOo. — XX. Bezirk r Samuel Nantcl 5000. 3. Se«all S446, LH. Grebler 2845, SS. Rvsenbaum 2600. I. Reiter 2382, P. Selbmann. Dr. R., Schwarzbrod j« 2000. Dr. S. Mvdlmger 1568, 3. Oppenheim 1660, A. Rv'auer 1535, Div 39 056'60, Prof. Dr. Dosenseld anl. Mandalsrat. 3000, Ak. Landesverband: Libanoniagarten: A. V. Libanonia 0. N. Kendler n.000. a. N. Paul Elsner 6210. Div. 1009, Kadimah: Dr. Samuel Ruß 10 000, Dr. Ztzku Landau 5o00. Dr. yruno Sivgerwann 400^, Ästachdulh: Ah. Zion d. Scharfstein: Saul. Wctmcb 5000. Div. 1000, D>v. 1399, d. S. Weinred: Smlg. b. Rr'lh Ustak Bernhard Mamber: Artur Wolfmann, Dr. Keinreich Wolfmann. Keinrich Spiro, Bernhard Manider je bVOO.Div. 3eM>. — Lstenz: Smlg. Markus Schwarzbach: Lupul' Wuhel« 8509, O'orn Groß 7009. gef. d. S. Biegelei,en: Arank« Mayerho t-r 10 000, 6. Mandl. Ernst Löwenstein fe EOoO, Cf. Wagner SOCO, ' (5Niger 2000. Div. 4000. -- Baden: Gustav. Franziska uud Rulh Seidemann 3000. -- Badgailein d. Dr. Josef Kohn: Mich Sachs (Meran) 40.000. Div. 2000, G»ld. Buchein,r. Dvktvr r-nl Kohn (Por-ribih', d. Dr. Io,es Kahn 40.000. — Gmunden: f «lieb n. Rosa Elles mann 6569. — Innsbruck- Kugo Ornstein 1000. —. Okerhvllsbrunn: Siegm. Srlliuek 2000. — Saljdnrz: d. R. Ornstem: D: Schwarz 70 900. — Steyr 1000. «7reniee MorFrirzekiünss. ENnDrung. Hie LebensmittelMKrkte.!R!nLfteisch btttiger, krringr Nachsrsgd^ Sn S«r GroßmarkIhalle rrar gestern teichliches Angebot in allen Fleischsorlen. R'ndsleisch hat sich, wie bereits gestern cm» gekünrägt, ermäßigt und war vo» 14.000 K. aufLärls pro Kilogramm zu. haben., Der Preisrückgang belrögt hier 1000 bis 200o K., während die iibrigen Flri'chiorlen unverändert geblieben find. Die Nachfrage nach den in reichlichen Mengen ausgebolenen Flrjschaalstmgen und Geflügel war kehr germ,,. während der Markt der Anfrage nach Fischen, vornehmlich Seefischen, kaum nachkomml, Weißst che, weniger begehrt, notierlen 5000 bis 6000 K. pro Kiiogrämm. . Auch der Naschmarki war mit Gemüse und Obst überreichlich versorgt. Karlosstln aller Sorlen waren in einer Ouaniital von 150.060 Kilogramm am Markte. Die Prelle sind unverändert. Herreupilze, dir selw begehrt werden, sind infolge geringen Angebotes dir aut 6000 Hi pro Kilogramm M Preise gestiegen. Ewige Preise: Mehl notiert 10.500 .bis ll.OOO K.. Reis 11.000 K., Mehlspeisen .8892 bis 12.500 'iLrtes il.COj bis 11.500 K., Zucker 24.000 bis 26.000 Ä., Butl.'r 48.060 bis 56.000 K., amerikanisches Schmalz 3S.000 K. Eier fehlen nach wie vor auf dem Mürkie, währeud sie in den Bezirksgeschästen mit 1:00 bis ll'O K. gehandelt.werben. Wojs. Wiedereröffnung der Mitlrlstar>dskliche^ l.. Griechengaste 3. Die lnsolgr Rdaptirrungsarbeilen vvrübercehrnd geschlossen gewesene Mstlelstandsküche, I. Gnechengasse 3, wurde am 27. d. wiederervsiuej. Es wird bem«rkt, daß. Anmeldungen für diese Küche, in welcher vvrläustg noch eine Anzahl von Äns.ehdrigen des Millelstanres. Platz finden kann, a u s s ch l j e tzl i ch in, Zenrrall'ureail, IX., Berggasse 7. Monwa, Millwvch und Donnckeiaz van 4 bis 7,S entgegen geuowwerben können. __ Büh«e «ttd Kmr?'. Ar;S dsrr Theaterrr. Im 2 c u f cü s n Bol k S t h e a i : r r ird Gerßait Kanplinainw D:c.ma „G r a b i e f 6 c!m I 11 n n 5?; I u ä) l" heute (Derreretag) und Sovnlag den 2^ September rriederholt. — Für Scm-'iai len 2. September r,rde dw Komödie ..Erzieh u n g. d u r ch K 0 l 1 b r v' von ßans I. Ael:stsck an» Ses^l. P a s s i 0 n s > p i e! e im W r e e r Komödienh a u s. Die Äufführungen wurdr» bis inklusive 8. September prosoug'.ut. __ Künstfer-Preisausschreiben für ein Perez-Grabdenkmal. Das P?rez-K»mitee in Warschall teilt mit, daß der letzte Termin für die Elnrejchnug der Entwürfe für das Grabdenkmal für I."C. Perez vis 1. Okiovtr vMängört wurde. Das Preisgericht setzt sich zusammen aus Schalorn Asch, H. D. Nombcrg, Dr. G. Lewin; von Künstlern: Bevlewi, Gottlieb und Weinles. Konlursbevingungeir sind: Grabgröße 200 mal 116 Zentimeter, Vorlage des Projektes in plastischer Form aus beliebigem Marerial. In Ansnahmsfällen werden auch Zeichnungen angenommcn, die mit genauen Erklärungen versehen sein müssen, auch bezüglich des beabsichtigten Materials. Der erste Preis betragt 300.000 polnische Nbark, der zweite 200.000 und der dritte 100.000. Die drei anerkannten Projekte bleiben Cigentimr des Komitees. Jeder Enttvnrf muß ein Motto des Autors tragen, dasselbe muß auf einein verschlossenen Kuvert verzeichnet sein, welches Namen unb Adresse des Autors enthält. Der jüngste Träger des Nom-Preises ist der Dentschamerikaner Alfred Floegel (New-Uork), dem er für sein Bild „Musil" z,l.erkannt wurde'. Der Preis schließt ein jährliches Einkonrineit von 1000 Dollar für die Dauer von 'drei Jahren ein. Jloegel ist 27 Jahve alt und stammt aus Leipzig» wo er als Söhn einies Lithographen geboren wurde. Seit Anfang 1914 ist er in N-ew-Aork. Er erhielt seine erste Ausbildung an der Krinstgewevbeschule m Leipzig im Dekorationsmalen. Der Rom-Pr-cis wird aus der „Lazarus-Stiftung" bezahlt; 150 Künstler hatten sich um beutelten beworben. Freie Wohnung und freier Unterhalt in der „American-AcadcnU)" in Rom ist damit verbunden. VolkSVirt. Gestempelte Krone --.008/t Centimes. Anszahlnng Wien -- — .00Vr Centimes. In Zürich nvsterte die österreichische Kronr . . . —.00'/, (--.00'/, om 29. August) die österr. gestempelte Krone. — .00% (—.00*/« a« 29. August) dir tschechische Krone .... 17.26 (16.75 am 29. August) die «ark......... 0.3ö ( 0,37 am 29. August) AUa« .......... 1.427, (1.50 am 29. August) .. 3.— ( 3,— am 29. August) Budapest . . .. 0.30 ( 0.29 am 29. August) Rarschsu..... ... 0.06 ( 0-06»/, am 29. August) Wie AusfichLe» der Bölkerbttndanleihe. Sine vernichtende Kritik der österreichtschen Finanzpolitik. Die heutige Nummer der „Börse" veröffentlicht ein Interview'mit Sir Henry Strakosch, dem Präsidenten des Fi- '31. August .192!? 7 nanzansschnsses des Bölkerbnnbes, an den bekanntlich von der Londoner Konferenz das österreichische Krcdilansnchen verwiesen wurde, und der darüber dieser Tage entscheiden wird. Sir Henry Strakosch stellt zunächst fest, daß der Völkerbund selbst keine Fi na nz0rg anis at i 0n ist und daher weder als G c l d g e b e r -n 0 ch a l s.G e l d v e r m i t t l e r anftreten kann. Was er tun könne, sei lediglich,^nach genauer Prüfung der Lage «ine konkrete E in p fehl u n g bezüglich der nunmehr seiner Ansicht nach zur finanziellen. Sanierung 'des Landes notwendigen Maßnahmen zu erstatten, sei cs, daß es sich hierbei um Maßnahnwn handeln ,üag, die Testerreich selbst zu treffen in der Lage ist, oder um solche, die von der Unterstützung ausländischer Faktoren abhängig sind. Nun wirft Strakosch die. Frage auf, ob der Völkerbund tatsächlich eine dringliche EmPfGung an das Privatkapital,. Oesterreich eine Anleihe z" gelvähren, richten könne, und ob eine solche Enrpfchluug Aussicht auf Erfolg habe. Er spricht es offen <tus, daß die Stimmung für eine Kreditgewährung a n O e st e r r e i ch a u fb c r ganzen Welt dar cha u s nicht günstig i st. Die Begründung hierfür ist so charakteristisch, daß wir sie im Wortla-ut folgen lassen: „Daran ist jedenfalls nicht allein die allgemeine Geldsitnation schuld, wenngleich angesichts der nnaelöst gebliebenen Reparationskrise auch diese naturgernäß ihr Teil an dev Oesterreich gegenüber zu.beobachtenden Zurückhaltung beiträgt. Den größten Teil/der Schuld muß sich aber Oesterreich selbst beimessen, das überall der größten Hilfsbereitschaft und den aufrichtigsten Sympathien begegnete, dessen Unfähigkeit ab'er, auch nur einen einzigen wirksamen Schritt zur finanziellen Selbsthilfe zu tun, alle rorts die peinlichste Enttäuschung hervorgerufen hat. Man stelle sich einen Kaufmann vor, der.durch arge Mißwirtschaft oder, wollen wir selbst milder annehmett, durch die Ungunst äußerer Verhältnisse an den Rand des Ruins gekommen ist und der nun die ganze Stadt mit seinem , Geschrei erfüllt, er müsse, wenn ma.lt ihm nicht schleunigst einen großen Kredit gewährt, unfehlbar zugrunde gehen. Eine m solchen Mann wird n i e m ä n d einen. H e l l e r b 0 r ge n w 0 l l e n. Wenn er hingegen daran geht, still für sich eine aufrichtige Bilanz über sein Soll und Haben anszuftellen und, sich nach der vorhandenen engen Decke streckend, eine bescheidene, aber durchführbare Reorganisation seiner finanzielleu Geschäftspolitik vorzunehmen: 'wenn er weiters mit Fleiß und Eifer die neue Politik befolgt, und dadurch tatsächlich zu einer Ordnung seiner Verhältnisse gelangt, dann wird ihm ansrciä)end-er Kredit ganz von selbst gewährt werden.. Da sich nun Oesterreich ganz in der Lage dieses Kanfnrannes befindet, halte ich nicht nur seinem unausgesetzten Rufe nach Krediten um jeden Preis für eine ungeschickte Politik, sondern ich bin auch der Ansicht, daß die Kredite für das Land an Wichtigkeit chiel weiter zurücktreten als es selbst dies. anzitnehmen scheint und sedcusalls nicht die Rettung bedeuten, wie dies hier stets von neuem betont wird. Vielmehr ist für Oesterreich in erftcr Linie die N e ü- 0 r d u u u g seiner F i n a n z p 0 l i t i k a n f vernünftiger Basis notwendig, ohne die, der im Zustand der Krida befindliche Kaufmann Kredite weder erhält noch. richtig verwenden kann. Die richtige Politik für Oesterreich ist aber einzig und allein die des vollkommenen Freihandels n n d d i e sofortige Beseitigung ä l l e v Beschränkungen, denen der War tu* n n d i 11 sbesonder e der Geldv erkehr uttterliegt!" Von -all dem, was ans den Finanzkonscrenzen °'m Brüssel und Genua gerade im Hinblick ans die österreichischen Verhältnisse und unter Mitwirkung österreichischer Sachverftäirdrger als zweckmäßig empfohlen worden sei, habe Oesterreich das gerade Gegenteil getan. Sir Henry Strakosch nennt in diesem Znsaminenhang die jüngsten Devisenverordnungen Wahnsinn und seine Kritik deckt sich mit der von dieser Stelle aus wiederholt ergangenen Warnungen, daß die Devisenzentralisiernng geeignet sei, „das Land in direkte Hungersgefahr zu stürzen, Fabriken zum Stillstand zu bringen und unzählige Arbeitskräfte lahmzulegen". In seinen weiteren Ausführungen behauptet Sir Henry Strakosch, daß Oesterreich das im vorigen Jahre mit den Telegierteu des Völkerbundes vereiybarte' Programm nicht .eiugehalten habe; verwirklicht sei bloß die Aufhebung der Lebcusmittolzuschüsse, die jedoch durch die Bewilligung des Index an dste Beamten reichlich wettgemächt sei. Die Z W ang 8 an l e i h e ncuut er eine „Farce", die finanziellen Zwangsmaßnahmen „blühen" üppiger denn je, die Notenpresse fei aber keineswegs eingestellt, vielmehr habe sie in der letzten Zeit ein Tempo eingeschlagen, das die Arbeit dev N 01 e n p r e s s e n a ch d e r f r a n z ö s i s ch e n e v 0 l ution, ja selbst die des bolschewikische n R i: ßland weit hinter sich läßt. Und so kommt Strakosch. zu dem Schluß, daß Oesterreich selbst zum größten Teil an seinem Unglück die Schuld trage. Nur vom Gesichtspunkt der Einstellung der Notenpresse -beobachte das Ausland die Bestrebungen zur Errichtung cinev unabhöttgigen Notenbank mit dem Hoffnung 8 v 0 l l st e n I n t e r e s s.e. Ob all crdings heute, wo der Karren bereits so weit Verfahren' ist, das Ausland, und insbesondere das englische Kapital, für die Aktien der Notenbank noch Interesse aufznbringen vermag, erscheine fraglich. Gelingt es aber doch, dieser Inflation Herr zu werden und damit den Geldwert. zu stabilisieren, brauche einem nm das zukünftige Schicksal/Oesterreichs nicht bange zu sein. Aber Oesterreichs Zukunft liege in seiner dominierenden Stellung als Handels- und Finanzzentrunr Zentral- und Osteuropas, die A n l eh n u'n g Oesterreichs an den einen oder anderen seiner Nachbarn könne vom Völkerbund nnr als p r 0 v i s 0cische Lösung der österreichischen Frage gewertet werden. Seme volle Unterstützung hingegen würde dieser allen jenen. Maßnahmen mit Freuden zuteil werden lassen, welche die Lage Oesterreichs durch die Herstellung der größtmöglichen Wirte schaftsfreiheit zu. verbessern geeignet sind. mruo Atlres <:•: Wien. I;. Lothringers!:!-. & Tel. interurbnn öS 2 W»^L»LSL«LLL unä 2Uer Art ExacuJi n&cb, jiLea l

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