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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-31 · Heft 1288 (31.8.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1288 (31.8.1922)
Date
1922-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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liiziIinamerK 600 Wian: Z««i Abholen in der fcxpadition, lI.tTaborstr. 1-3, fder im einer Vor sch lei aßt eile [Trafik) monatl. K 16.000 Sit Postversand für Wien u. esterr. monatl. K 16.000 Ts ehe e h o-S 1 owa k ei: Won. K20. Ungarn: Mon. |C150. Jugoslawien: Mon, Dinar 25. Polen: Mon, Wie. 1400. Deutschland: Mon. Mark 150. Kränkle i e h: Monatlich Frcs. 6 tqp Mbeh^zahlaa x«» -MW kroi«:«-nvl>B»reB vorkek.lt« Nr. 1288 Wiener T scisacM. siewiptt» tschach. K 149 Italien: Monatl. 8 Lire Rnmaniea: Men. 49.Lei Schweiz und das übrij« Ausland monatlich Frei. *3. •Wien, II., Tab erstras so 1 —3 Telephone: 44*0-38,45-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: ,Mvr»oazoitnaz" . . / Wien Oesterreichisches Postspar kassen-Konto Nr. 159.693 ad «MW« Zvieri DsUnerstag,?1. Mgup 1822 4. Iahrga«s Dröngende Sorge». —7. W i e w, 31. «aaftfl. Heute beginnt in Genf die zwanzigste Tagung des Völkerbundrates. Die Tagesordnung betrifft diesmal Fragen, deren Bedeutung für die Konsolidierung Europas in den letzten Wochen aktuellsten Charakter erhalten hat. Das österreichische Problem und die Frage der Minoritäten werden jetzt den Rat des Völkerbundes beschäftigen. Die Wichtigkeit der österreichischen Frage ist von der Donaurepublik selbst herausgearbeitet worden. Der Niedergang der österreichischen Wirtschaft vollzieht sich in so raschem Tempo, daß die Regierung sich zu einem Schritt entschließen mußte, von dem sie vor allem die moralische Wirkung einer. Stärkung des inneren Vertrauens erwartet hat. Sie ist mit den Kabinetten von Prag, Berlin und Rom in direkte Fühlung getreten. Mag auch das zunächst gewünschte Resultat, eine politische Lösung zu erreichen, ausgeblieben sein, so find doch die Regierungen der mitteleuropäischen Staaten und durch sie die Entente gezwungen worden, der bisher vernachlässigten Existenzsorge Oesterreichs mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Londoner Konferenz der Ententestaatsmänner hatte noch knapp vorher die Besprechung der Angelegenheit dem Völkerbund überwiesen. Die Vorgänge in dieser Konferenz sind, insoweit sie Oesterreich betreffen, noch nicht restlos aufgeklärt. So viel ist aber sicher, daß ein englisch-italienisches Abkommen bezüglich Oesterreich besteht, in welchem der italienischen Regierung freie Hand gelassen wird.. Der Preis, den Italien dafür zu zählen haben wird, ist noch unbekannt. Aber dieses Abkommen würde den Beweis' erbringen, daß für Italien die Frage nicht ganz unerwartet gekoiMrm ist und daß dieitalienische Regierung bereits zu ganz präzisen Plänen gelangt ist, über die sie. einstweilen Stillschweigen beobachtet. Fällt der Völkerbund eine Entscheidung in dem von Qestexreich bean-: tragten Sinn, daß nämlich diesem Staat eine internationale Anleihe von fiinfzehn Millionen Pfund unter der. Garantie der Ententestaaten bewilligt wird, dann .würden diese italienischen Absichten für den Augenblick gegenstandslos werden.; Für die' Zukunft bestehen sie weiter, da es für niemanden heute mehr ein Zweifel ist, daß die österreichischen Parteien unfähig sind, die Verwaltung des Staates so weit zu ordnen, daß er sich an den Kreditkrücken aufrichten kann. Für die Diplomatie und frü die Geheimdiplomatie bleibt also firr die weitere Zukunft die Gelegenheit offen, ihre .Künste an dem mitteleuropäischen Problem zu üben. Für alle Fälle hat die österreichische Negierung erreicht, daß sie in Genf nicht allein steht, sondern daß die kleine Entente im eigensten Interesse die Sache Oesterreichs zu der ihren machen muß, um zu verhindern, daß Oesterreich ein Teil der italienischen Interessensphäre und dadurch zum Stützpunkt einer quer durch Europa laufenden Barriere wird, die Nord- und Südslawen voneinander trennt. Die Genfer Tagung wird des weiteren die Minoritätenfrage behandeln müssen. Sie hat dazu einen Auftrag der Genueser Konferenz erhalten, dessen Meritum die Beschlverden der magyarischen Minoritäten in den verlorenen Gebieten bilden. Gleichzeitig kündigt auch Bulgarien die Aufrollung der Frage seiner in Mazedonien lebenden Volksteile an, und da auch, die Interparlamentarische Union gestern den Völkerbund aufgefordert hat, eine ständige Kommission zur Behandlung der Minoritätenangelegenheit zu bilden, ist es leicht möglich, daß es in Gens zu einer Debatte kommen wird, die dieses schmerzlichste Thema der Kriegsliquidation behandelt. Solange diese Frage existiert, ist an einen Frieden nicht zu denken. Die Schwierigkeiten des Problems, die hauptsächlich in der unglücklichen Grenzziehung der neuen Staaten begründetsindlassen sich freilich auch durch den Bestand einer permanenten Kommission nicht an der Wurzel erfassen. Sie werden erst schwinden, bis das Unrecht, das die Friedensverträge geschaffen haben, in seiner, das wirtschaftliche Leben tötenden Wirkung erkannt und durch eine Generalrevision beseitigt ist. . Es ist eine der wichtigsten Sessionen des Bölkerbuudrates, die heute beginnt. Sie wird nicht zu unterschätzen sein, aber auch nicht zu überschätzen. Trotz aller Wünsche der europäischen Massen ist die Institution des Völkerbundes noch immer ein Torso und ihre Beschlüsse finden nicht den Weg zur Tat. Im Vvrjahr hat Nansen vor dem Boikerbundrat seine flammende Rede für das hungernde Rußland gehalten. Sie ist fast erfolglos geblieben. Trotzdem aber kann der Völkerbund wenigstens einen Teil der Sorgen Europas lindern und zumindest in Mitteleuropa durch die Kredithilft für Oesterreich einen erträglichen Zustand schaffen. Es wäre unbillig, pon ihm A.eNWteüa. ♦ L as PEstina-MäNdat. — Der jüdische rtzöttkorrZretz. (Eigenbericht, der „Wiener Morgenzeitung".) Liste der Mitglieder deS Zentralrates. Mitglle-er LesA klionskioruilees: Dr. Leon Reick. Dr. P. tf. C h a j e s. Abr. P v d 1 i s z e w * h t, Lzchak G r ü n d a u m, Dr. 9hfür ß a n 1 h Robert 6 t r icke r A. B e r n har b i, Dr. Dikior J a c o b \ 6 h tu 91. 6 o 1 b» b e r p, Louis Li p s k i. Daoib. R e 1 l i n, Rabbi Meier' B e r l i n." Rabbi F. L. F i! h man. Kermami Struck, L.ewin E pst e i n. K. F a r b ji«i n. Mein Kaplan, Dr. Ab. Kaznelson, Rcchum T w e r § k y» Sälman Rubascho m, F. M e r ritt inj k y. VrSsiöevt de? letzten Kongresses: Pachum S o k o l o w. Derlreter des I. C. T.' r Iran Fischer. Dertreter des I. D. Fl-r.'L G ch o m e m Asrlreier des Sleren Skjesfydr Klllel Z I a iopols k y. Norfitzender des Shrsuzeriri^s r S. G r o n e « v n n. Der ÄonFresjanwaU r Dr. Emil M a r g u 1 i. e s. Vertreter der ÄstmveS-ierdSnde. S^rgenlittjer»; Alexander ß o. 1 d 11 e in: Drastlftn»Dr. Leo Uri e n s h y. Kanada: Louis F I t ch. " ' Dereinisls Slaalsn: Fakob F ish m a n, Dbrahom S -h v- . -M e r» Kenr-iette- S'z o lch: ■ :-,n; r:?. 1 . , äRefepOftu»U»»( 6^init, Stretty SeMemenk«: HalLsti»!«': M Denzion M ä s n s 0 h n. *. Lnnis» Siratzbor^ MLrMEWWsHh.ä:9i e öu SSSafeida: Dr. -Schinaria L e ro t n. . Lelgie», Denlig» Otelien: Di. Äenle L ä t t e r. Hntzowlna.! Dr..Theodor Me i lselb eige r. Lnlgarie» Max M« n a ch e m o w. DeulsÜftand: Felix. Rose n b l ü t h. England: 3. A. G o l d b l o v M. chttsnd: Dr.^ M. S ch w a r z m ä n n.. Griechenlanö:. David F l o r e;n!t i, . Ärlland : Nehemia be L i e m e. 2ngoslap»ftn.: Lao S t e r h, , LeMand: M. F i n k e 1 m' a n n. Lttanen. Kowno: Moses K l e i n m a n ft. Lila«««» Wilna: Dü Lmanuel K a'h a n. Oesterreich: Dr. 31-dvr S ch a l i t, Dr. Josef Löwe n H erz. OstßNlIzi«»: Dr. Fische! R oti e n si r e i ch, Dr. S>. R o » -mar i'n. Polen: Leon L e v i t e. Dr. 3. © o t t i t e b. Dr. Philipp ck o r n grün, Josef D r e g m a n n. Westgattgiirn.: Du Osias T h o n. Loachiin N e i - er. Anmiinien : Dr.' 3. Nie m i r o w e r, M. Schächter. Tkanssilvanien: Rabbmer M. G 1 a ß n e r. Lfchecho-SlowaNet: Dr. Kugo K e r r nt a n tu Türkei: Julius N e uman n. Vertreter der SonderVerbände. Misrachi: Rabb. V r o b t. Dr. Viklvr Schöpfe I d. Dr. -ernharb -K aus n'e r, Berolel Die r§z y n » k i, Dr. Nü r o k. Radd. Isaak D u b inst ein, Radd. Z itro n, Simon Tal, Abraham R e c a n a t i. Ponle Zion: Bert Locke t, D. Den tv u r 11 tt (Achdulh Laawodah). ‘ Attachdnih:’Dr. LH. Arlvsorosf. Zwi K eb 1 er, Getschpn ß a n o ch, Dr. A. L e » in s o lj n. Cham Gründers, Levy S z k o l.n i k (Kapoel Kazair). . geire Fion: Ionah G r ü n f e 1 d, Der! K a tz n e l s o n. Dritte SitzstNA, Sonntag den 27. Attgust, Vormittags halb 11/ Uhr. . Vorsitzender: Dr. L e w i n. Dr. Löwenherz erstattet den Bericht des Verrfila11 ou§ ausf ch u s s e s. Der Ausschuß hat die Frist, für die Ablieferung der Schekel bis zum 26. August verlängert. Demgemäß uehnren an der Iahreskonftvenz rechtmäßig teil 83 Mitglrcher. Bon diesen find 56 gewählte Delegierte, die 319.140 Schekelzähler repräsentieren- Bontden' 56 gewählten Delegierten sind 39 Vertreter der Landesperbände, 9 des Misrachi, 6 der Hidachduth, 2 der Zeire Zion, 1 der Poale Zion, Hazair. Außerdem nimmt ein Delegierter als Vertretet Rußlands mit beratender Stimme teil. ' Der Vorschlag des Berichterstatters des Veristkations» - ausschuffes wird ohne Widerspruch angenommen. Auf Antrag Struck (Misrachi) wird den Vertretern der Sonderverbände für die politische Debatte d i e doppelte Rede zeit eingeräumt. Bernhard (Rumänien) stellt die Frage, ob bezüglich der Anerkennung der Organisation als: Jewish Agency bereits eine formale Mitt'ei.lung der englischen R egie.r.üng an die Orgqnisation vorliege. Kaplyn (Hidachduth): Wir . müsien dagegen 'protestieren, daß man die Alijah abhängig macht von unserer wirtschaftlichen Leistungsfähig--. keit und die Kontrolle von jüdischen' in nicht jüdis ch e Hände übergeben hat. Der politische Kanchf der.Zukunft muß vor allem für freie Einwanderung geführt werden. In dem Kampf um die öffeMiche Meinung haben wir an dem Mangel eines kla r eü p'o l i t r schie n Pro g ramm e s,, ibesörchers bezüglich des Der hältn i'sses z u d e n A rach etn, gelitten. Redner fragt schließlich über die Grenzbestimmungen im Östen ünd Süden. ' Abr. Gvldberg (Amerika) . -bespricht die großen Peränderungen,, in , der allgeuieineu Apolitischen Weltlage, seit-191.7, die auch auf unsere Latze gewirkt haben, ^enn J0[^<mbat: cr^d^^t'%be^^ ist das e t n gr ö ß e r Sn e g. Wir werden auch in Zukunft apolitisch zu kämpfen habenMt).!>a wird die Stellung unserer HnhWr Dr^ Arlosoroff (Hitachbuth): l Wenn das Mandat vielleicht nicht alle ErwarNrngen der letzten drei Jahre erfüllt, so können wir doch seinen Wert nur dann einschätzen, wenn wir es an. dem Maßstab unserer Situation vor 25 Jahren messen. Das Mandat ist ein Start d^r neuen politischen Arbeit und es wird nnmer klarer, daß in deren Mittelpunkt jetztunsere Beziehungen zu de n Ära b e r n rücken. Wir müssen unsere Losungen revidieren. Wir'haben gesehen, welche Schwierigkeiten wir durch das Wort hatten, daß Palästina s o j ü d i s ch w e r d e n s o I l Wie England englisch, obwohl ich glaube, daß dieses Wort nicht -den Sinn haste, den man ihm untergeschoben hat, sondern bedeuten sollte,daß die jüdische Nation sich.ebenso frei entfalten sollte wie die en.g11sche Nation. (Zwischenmf Weizma nn: Sehr richtig!) Aehnliches gilt von der Losung der jüdischen Mehrheit in Paläsüna. Mr können nicht den Arabertr zehnmal am Tag die Losung von der jüdi's.chen Mehrheit an den Kopf werfen, wenn wir uns mit ihnen verständigen wollen. , Von allen Völkern wurde in den Mandatsgebiete!: das Prinzip der „open door" verlangt. Dieselbe Forderung müssen wir . aufstellen für unsere arbeitenden Menschen. Die Jahreskonferenz muß die Exekutive beauftragen, den Kampf zu führen für die offene Tür für die Juden.' Neumann (Smyrna) drückt im Namen der Zionisten im Orient den Führern der Zionistischen Organisation das volle Vertrauen aus und empfiehlt, der Änsiedjung s e p h a r d ischer Chaluzinl besondere Aufmerksamkeit zu schenken, die. Liquidierung von jiidischem Eigentrun in R»tßlaud zu ermöglichen und heim Völkerbund darauf hinz-uNnrken, d a ß b e .i der Aufnahme 11 n g a r n 8 d i e Rechte d e r I u d e n g e w ä h r l e i st e t w e r d e n. Dr. Wilensky (Südamerika): Das Statement (die englisch^ Negierimgserkläruug) behandelt die Araberfrage und die Interpretation unserer Rechte auf Palästina. Zum ersten Punkt kann nicht genug festgestellt werden, daß wir nicht die Absicht haben, die Araber in Palästina zu jüdischen Staatsbürgern moham- Utedanischen Glaubens zu machen. Zum zweiten Punkt: .Die. englische Regierung anerkenrtt im Statement, daß die Juden fühlen sollen, sie seien nicht geduldet, sondern von Rechts wegen in. Palästina. .Dazu ist aber eine Begünstigung der Einwanderung notwendig. Wir können-die jüdische Arbeit uur schaffen, wcnu wir G-ld haben, wir werden Geld haben nur wenn wir die Btöalichlci. haben. Zuden ins. Landm bringe - .: :.

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