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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-29 · Heft 1286 (29.8.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1286 (29.8.1922)
Date
1922-08-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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HinltnmerK eoo Ui«»: Znm Abholen inder Expedition, II.,Taboratr. 1 -3j •der ü» einerVerachleisstelle (Trafik) nonall. K 16.000 Mit Postrersand für Wien n. Oesterr. monatl., K 16.000 . fsche eh o-Slowakei: Mon, K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Motu Dinar 25. Polen: Mon. Mk. 1400. Deutschland: Mon. Mark 150. Frank* reich: Monatlich Frcs. 6 MT Naehaafcl-uajeB-T» v« Preji«rh5hunjea Vorbehalten Tscficcfto« Slowakei i «schech.K1.tQ Italien: Mob all. 6 Ure Rumänien: Mon. 40 Lei S c h w i z und da« übrige Ausland monatlich Frcs« 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1 —3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab 6 Uhr abends 16-301; Tel.-Adr.: Jdörgdnieitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr; 150.695 Rr. 1286 Wie«, Dteastes, 29. Aagaft 1822 4. Jahrgang Mensche« «nd Geld! —jr. Bi t», *9. Die zionistische Jahrcskonferenz - in Karlsbadist allzu kurze Zeit nach der Mandatsratifizierung zusamtnengetreten, als daß sie . bereits.jetzt eine Präzise Festlegung der jüdischen Arbeit in Palästina vornehmen könnte. Die politischen Dinge in Europa sind wieder m Fluß gekommen und die Ausstrahlungen machen sich auch in Vorderasien fühlbar. Die Referate, und die Debatten in der Konferenz stehen, wie natürlich, stark unter dem Einfluß der weltpolitischen Vorgänge,,und es scheint in bezug aus die Stellung des Zionismus zu der nichtjüdischen Welt derzeit untunlich, eine schärfe definitive Einstellung zu formulieren. Die Klarheit unserer Ziele ist ungetrübt. Wir wollen die Schaffung der autonomen, freien Heimstätte in Palästina für das jüdische' Volk; wir wollen — und der Mandatsvertrag gibt uns die volle Bewegungsfreiheit dazu — gemeinsam mit der. britischen Mandatsmacht, die einen Auftrag des Völkerbundes zu erfüllen hat, an diesem'Werk arbeiten und - es versteht sich von selbst, daß dem jüdischen Volk und feiner Repräsentation die Hauptlast an dieser Pflicht züsstllt. Da wir die Heimstätte für uns, für das gesamte Judentum errichten, ist es nur recht und billig, daß wir die Elemente zu stellen haben, die zur Bildung dieses Zentrums unerläßlich notwendig sind: Menschen und Geld. ' . , Diese Notwendigkeit zieht den Rahmen, innerhalb dessen sich von nun ab unsere Tätigkeit'zu entwickeln hat. Aus ihr entstehen die Voraussetzungen einer äußeren und inneren Politik für den Zionismus: Wir treten an die schweren, Probleme mit einer gefestigten, in einem Vierteljahrhundert geschulten und erprobten, Organisation b--an. Siehat es-gelernt,, politisch zu den-.' ken„ Forderungen der löpilfe’SiÄ emMnest^ 'UM des. einMnen äst 'die inil)* durchzudenken. Aber sie ist nur ästenropäische Dinge ge-. wohnt.und sie muß ist'vielem umltzrnen,da sie sich vor; die Notwendigkeit gestellt sieht, 'astatische Denkart runden Kreis des Kalküls zu ziehen. Wir Haben in denletzten Jahren sehr hittere Erfahrungen nach dieser Seite hin machen müssen und standen der Frage, die doch schon feit ■ der ersten Lebensstunde des politischen Zionismus bestand, unvorbereitet gegenüber. Auf diesem Feld hatten wir nicht gearbeitet, und so geschah'es, daß sich Lüge, Verhetzung und Mißverständnis zwischen uns nnd die arabische Brudernation einschieben konnten. Das jüdische Volk muß zu den Arabern, mit denen es leben will und muß, in ein freundschaftliches Verhältnis, gelangen und ihnen nachweisen/welche Porteile ihnen ans der jüdischen Nachbarschaft erwachsen, die mit europäischen Wirtschaftsmethoden, mit einem Heer von vortrefflichen Aerzten, Technikern, Arbeitern in das Land ihrer Väter kommt. Dieser. Nachweis ist nur durch die Tat möglich und diese Tat kann nur durch Menschen und Kapital vollbracht werden. Die Planmäßige Besiedelung und Ausschließung des Landes, die Hebung seiner wirtschaftlichen Organisation kann aber nur verbürgt werden und auch auf die Araber einwirk.en, wenn sie einheitlich geschieht und nicht durch Parolen eines aus europäischen Quellen schöpfenden Parteienkampfes verwirrt wird. Es muß die Gewähr bestehen, daß die Arbeit in den Händen derer liegt und bleibt, die vor einem Vierteljahrhundert dazu übergegangen sind, den'Traum von Dichtern und Frommen in quellendes Leben zu wandeln. Was in dieser Zeit an aktiven Werten im Judentum. geschaffen wurde, hat der Zionismus erzielt. Er hat die Kräfte der Nation geweckt und organisiert, er hat das Ideal der Freiheit aus den Wolken'geholt und aus den Boden des Vaterlandes gestellt. Er hat für alle Widerwärtigkeiten einer durch tausend Umstandst bedingten mißgünstigen Entwicklung die Verantwortung vor dem Volk tragen müssen und nichts kann ihn jetzt im Beginn der realen Arbeit von dieser Verantwortung entlasten, die das Mandat durch die Anerkennung der Zionistischen Organisation als Jewish agency ausspricht. Wir haben Palästina nicht fiir die Zionistische Organisation, sondern fiir das jüdische Volk angestrebt. Darüber brauchen wir von niemandem belehrt zu werden. Aber insolange außerhalb des Zionismus nicht die Geneigtheit zu sachlicher, nur dem Volke dienlicber Tätigkeit, nicht der Nachweis der organisatorischen Reife erbracht ist, insolange müssen wir, wie die Pflicht, so das Recht fiir ü»s ungeteilt in Anspruch nehmen. Wer unter dieser Anerkennung Mitarbeiten will, ist herzlich willkommen. / ' Die politischen Berichte, die der Jahreskonseren^ Volt den Treuhändern des jüdischen Volkes, von Weizmann nnd Sokolvw, erstattet wurden/zeigen die Größe der. HemmnM die rrns' aus Unserem Heg' be- &e>eitfcfeier der erste« Bsseler Köngreffes. ///. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzertmig".) .; Karlsbad, 27. August. Ans dem Verlauf der Erösfnungssitzung der zionistischen.J-ühreskonftt'e-'z'''ftagM wir hier jene Reden nach, die an d e n e r st e n B a s e l e r Zio n t ft e nk o ngreßhet am 27. Äugust W? von Theodor,Her-z>'Teröffnet'-lvordest war,,'erinntzm."/'/- •' Nach . den einleitendest Reden Soko l o w 3; und W e i zm an n s, die/beide M das Jubiläum der zionistischen Organisationen ' .erinnerten, ergriff,als erster.Herr das Ao'rftzst einer. hebräMK' Ansprache,. - in der er sagte: Vor 25 Iahrejr wüxestHjr. eine kleine Grtrppe) heute sind wir eine/ g xFße-'/D.r g a n i s a f t o n, dienach Hunderttastsenden zählt, Mrch eine Handbewegung von dieser Tribüne aus werden ' Millionen.'unseres Vrllkes in Bewegung-'gesetzt., .hatten'sstir ein Heiliges Land, dessen Besitz/wir stvar beanspruchten; kein anderer aber wollte dieses Rechstqüttkensten/ 25 Jahre ftttb verflossen und nicht die piye yder die andere Macht, sondern alle Bolket und all e. R e grerungen Anerkannten. iws/Recht./nnseres/V^ unser. Land... Vor; 25 Jahren hasten wir eine Sprache,/die 'bloß Besitz eiNzel-, nerAüserwählter war, die .Sprache/des, MbeteS und/der Buchest P^,ftde/A^ÄWD UM nMMr MüMlis-; -unseres Landes. /M^WW^'KDMind, die^pchche - anerkannt; däs ist stper im Häuft von, ' M Jahren eMWstMW/IWn'wir.-Puch' aus. der'einen Seite in, tieftr,Traner.sistd oh fter .ZOst.lMO- Juden, die im Laufe der letztenJalste verstMet ftWest sind* wir doch voller .Hoffnung. ’ , . /./- . . /.// . . ‘ ' : Dr. Leo Äptzkin: .Dir Hauptinhalt des "Baseler Programms wär die Schaffung' der Heimstätte/-' Wis-,wir?.höute' erreicht' Iahest ist noch niHt di e HaNp tsache; sieist es, die jetzt als' Aufgabe vor uns'stehü " Als ich in London die feierlichen Szenen erlebte, .da MS-7da.s'Mandat.-gekwhrt' würde,'ernpfMd. ich erst, ^^welche V'e rst^f l ich tunst wir vor der Welt übernommen.ha.ben'< Wechi 'erklärest daß' wir'äks eine^ Nation unser Leben in Palästina schaffey wollen, Haben wir auch die Pflicht, dich zu hrwährntumso' stärker, wenn man uns. dqs Mjttel zur. ErxMustg. des.Zieles zugesianden hat.. Als das Mandat nach einer jener Prachtpollen Roden.Baft. fours ist Volkerbnstd genehmigt wMe, hatte /ich.ein merkwürdiges Gefühl' und' deN Eindruck, daß B a l f ö u r, dieser unsbluffremde. Mgnn^ plötzlich fremd... unter den. ändestn wurde, als er für unsere Sache känchftä. Der Kampf, den er. für uns führte, wird in der Geschichte unvergeßlich bleiben. 'v' ' *;: / ■ ■ Dr. HchM Wien): ■■■ ' Ein so ungeheures Erlebnis; wie Basel, trägt man am besten in sich. Für -den einzelnen ist es gut, zu vergessen, ..es ist aber die größte Stärke einer Gesamtheit, nichts und niemals zu vergesftm Die - Erinnerungist das . Kräftereserpöir'für:eine' WHinschast^. So will ich nicht mit Wehmut an Basel ds '.kestÄftnderu nur die Kontinuität inserier Arbei-t'^n -erweisen. Basel loar für rrns die Errichtung Per .ersten Kraftstatwn im Galnth. Ob. Us s i s chk i n und -M n - ans dem zerissensten Rußland nach Basel kaMn oder' C o w e n, Z a n g-w i l l und - G r r e n b e r g aus dem freien England, oder wir jungen' W i e n e r hüv: alle waren nichts anderes als der Ansdruckder alten jüdischest Kraft und wäilwir in Basel schuft»,:die Organisation und 'h^ Programm,' tvar Sch'asff»mg nener'E.tt erg.'ien aus alter Kra ft. 25 Jcihre sind' wir diesen Wäg gegangen, den unser großer M'eistest das Symbob von Kraft/ Stttöchkeit und Schönheit,, uns wies>"und denselben Weg gehen - weiter . die beiden reitet wnstren., „Eilte Front von Hrasilien bis,JernsalemM sagt^Weizniann - istseiner blldhaften.Sprache und' zeichystHNit. die' Schar dc^r Hegner, inder alles/steht,. was'düs Leben der Nation' sö "kftrne erdrosseln möchte/ Diese Pchar ist dqstk destJestigkeit stnserer Führer, dank Balfonr 'und per lvyälest Mstsicht ' der - Vereint gten. Staaten -besiegt■ worden: -Aber ^sie besteht' noch.' ft*e> sieht ans} . Männer, die das jüdische Volk yeben Herzl nennen wird. ‘ % as K a P it el v o n B a sel ist z ü E n d e .und ein neues Kapitel -'beginnt/Die, Arbeit' ist schwer sind -weit . ist der Weg. Unsere Aufgbe'ist es/.nus der gxoßen Füll nationalen Stolzes, die die zionistische Bewegung entfesselt hat, neue Energien zu ziehen. Das Werk, das wir. ausbauen, ist ein Werk der Sittli'chkc it.. Ans der Einheit von Volk und Land werden neue sittliche.Energien für die Menschheit. erwachsen. Feiern wir die Erinnerung, an Basel durch kraftvolle, zielbewnßte. Arbeit! (Beifall) David Hellin (Jerusalem, hebräisch): Wir feiern heüft -ein doppeltes Fest, ein Fest der Erinnerung an den ersten Kongreß vor 25 Jahren,- ein . Fest der. Gegenwart,/ der . beginnenden Erfüllung. Bor 25 Jahren vegannelr wir die Wiederbelebung des jüdischen Volkes zü sehen. Ein Weg führt von B a s e l nb er die alfour-Dekla rabiost, Paris, San Remo zum Ä!andat. Was wir im Traume sahen, hat sich werwixklicht/ Jetzt müssen wir . nochmals den. großen Ruf an/ das' JudMum ergehen lassen: W e r M r i a r b eit c,n to i j l an der Errichtung der Heimstätte Palästina,. d e r r o.Dilti c/t ft darbe i.t e. m i t tt n s/ Die Stunde der Arbeit ist gekornmen und diese Arbeit soll-nienrandem zum 'Bösen gererchen. Das arabische V.o.l.k ist unser. Mudervolk, die Arbeit'des Äufbäues soll in Frieden und Zis^HtzstMei^ersolgen. (Beifall) ZyiL'ttr Dkstnstz. 'Ls: Mnräch.Ar'il'taa'».' Vorsitzender/Ohrrräbhiuer Dr. CHajes dgnkt im eigenen Namen- sowie im Namen seiner Kollegen im Präsidium für .die Wahl und würdigt/in längerer'hebräischer Ansprache die Bedeutung der Jahresko.ttserenz. Er weist daraus hin, welche große Reife schon . der erste ' ' Zionistenkongreß, bewiesen hat, der, obwohl Herzl zuerst den; Gedanken des Judenstäates konzipiert hat, und obwohl der Gedanke des Judenstaates nicht aufgegebcn wurde, dennoch an weiser Erkenntnis des Möglichen schon damals diejenige' -Formulierung unseres politischen Zieles gefunden hat, die heute noch sich ,als geeignet erwiesen hat, in ein internationales Dokument ausgenommen zu werden. Redner be-. tont, daß die.Hauptaufgabe der Konferenz die Organisation der Kräfte.des jüdischen Volkes für die Aufgabe des Auf-, banes .des.jüdischen/ Palästina ist. Hierauf erteilt der Vorsitzende das Wort dem Präsidenten der Organisation, Herrn Dr. Weizmynn. / Dr. W e i z m a n n: Wir haben im allgenteinen Bericht über die Tätigkeit der^lZxekutive, nicht einen politischen Be-, richt Veröffentlicht, sondern die Hauptdokumente, ' die. die jetzige Politische. Situation. beherrschen. Ich will nur einige Bemerkungen daran'knüpfen, und einige^Fragen berühren, die allgemeines Interesse Verdienen., Eine historische Schilderung auch nur des letzten Jahres zu gebest würde zu weit führen. Ich möchte nur im allgemeinen Interesse im allgemeinen sagest daß dieses Jahr seit dem letzten Kongreß unter dem Zeichen - eines schweren Kanipfes stand, Gunter dem Zeichen der Abwehr. Es erstanden Feinde in ganz unerwarteten Lagern, und es entstand eine sehr lange Front, die man zu bewachen hatte, eine.Front, die geographisch von Brasilien bis nach Jerusalem reichte. Nicht im Sinne einer Polemik, sondern als Mahnung und Warnung für uns alle möchte ich bemerken, daß unter de» vielen. Feinden nicht d.i e l e tzte n u n d n -i ch t d i e s ch w ach st e.n n.n s e r e j ü d i s'ch e.n F e i nd.e waren. Wir wollen nachsichtig sein mit den nichtsü'dischen. Feinden, deren Feindschaft oft aus. Unverständnis hervorgeht, während wir bis aus den letzten Aiigenblick von Jilden äufs schärffte bekämpft wurden. . - In meiner.eiijleiwnden. Rede habe ich vielleicht nicht genug die Verdienste von Gesinnnngsgenössen-und Frennunser Werk und lauert auf eine Lücke in unserer Entschlußkraft und unserer Opfersreudigkeit. Ein römischer Feldherr hat nach erfochtenem Sieg seinen Soldaten zn- Mufen-:" „Bindei^- die -Helnft fest, ihr Sieger!" Wir . müssen'-alles tun, uüt unsere Todfeinde zu enttäuschen. Wir mnssell Zion baii'en mit Menschen, imb titit Geld.

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