Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1283 (26.8.1922)
- Date
- 1922-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tel*-Adr.: .Morgcnzeituag“ Wien Qesterreichisches Postsparkassen - Konto vNr. 150.693 v *.»* i £ •' *■) i 1 (! Rr. 1283 Wir«. ^lMUMWL 4.Iahrga«, LöWng ädev Auflösung. V 1 Die Staaten,. an denen sich die österreichische, Regierung. umstHllfe wendet, zeigen leine Geneigmeit, auf eine politische- Lösung öer Frage einzugeheüst Sie scheinen.^ übereittgekommen 311 sein, eiste chirtschastlichel Aktion zu unternehmen, Mder-Italien und die Tschecho-Slowakei anfgetrenn.ten Megendem gemeinsamen Ziel zustreben. Die Politische Behandlung der Frage wate entweder die Aufteilung, Oesterreichs oder die.Revision' des Saint- Germainer Perftägesst Beide Arten, würdet: gefährliche. Tendenzen und Geliiste wecken. Man. entschließt sich also, Oesterreich dadurch zu 'helfen, daß Herr Benesch seine Sache beim,Völkerbund ,fuhrt-und gleichzeitig der In-' dustrie Oesterreichs zuhilfe.-konmft- 'Italiens Migkeit. soll darin bestehendaß die in. Portörosebeschlossenen Verkehrserleichterungen in Kraft, gesetzt werden, daß der bereits belvilligte Kredit vor: 70 Millionen Lire flüssig gemacht wird und' daß Italien die- Bürgschaft'stir einen Teil des dom Völkerbund in den'Detaits vprzitschlägenden großen Kredits übernimmt. Gru.nddoraussehung fiir alle Schritte bleibt die Auftechterhalsting des s politischen Status quo in Mitteleuropa,-da es nienrand wagt, eine Veränderung vorzünehmen oder-eiE .solche^"auch nur zit: beantrageil. Es liegen zwischen Italien ‘ und Jugoslawien, zwischen der Tschecho-Slowater . und Ungarn. allznviele Entzündungsstoffe aufgehäuft. '. Die große Frage aber ist die, ob nicht die Entwicklung des französisch-deutschenRepgrütiolissLreites: alle Hilfsaktionen uninöglich macht. Die Verhandlungen, die die deutsche Regierung seitPinf Tageli. mit' den Vertretern der Reparationskonlmission führt, drehelr sich-mn - die Alternative: Moratoriuul oder 'Sanktionen. Sie sind am entscheidell^nKunkhangelang^dse NgchrMen. voMhcer lKpgebnisldsigkeit - als bie beiden Delegierten nur dieHaMPMftchWds^ rmdseine finanzielle Kraft zu. prüfen , hatten. Es - wird : ernstlich .ein> Kompromiß - erwogeri,, dessen Einzelheiten : rmbekaunt,bleiben, solgnge' sie . voM'WnzWchen Ministerrat nicht besprochen wordensind. Aber schon - die - Gerüchte über das Scheitern haben zu einer Panik agf.' den Geldrnarkten'und zn AngstrlIen der englischem Im., dustrie Anlaß gegeben. Die Presse Englands spricht von' denl Bankerott der Mark und von der Gefahr der Huilgerrevolten.. Der innige Zusammenhang - qller. Währungeil erklärt es, daß gleichartige Befürchtungen aus alleir europäischen Zentren kommen. Lloyd George hat seinen Urlaub abgebrochen und ift.nn London zu wichtigen.Besprechungen' eingetroffen. Z'nm. ersten Male^ verweist die internationale Weltpresse , auf - die . ' Notwendigkeit, die d'eutsche und die österreichische Frage in - ernsteste Erwägung zu ziehen. Nkan ist sich überall dessen' bewußt, daß der Fall Deutschlands das mitteleuropäische Problem in seiner katastrophalsten Form . lebendig machen würde. Schon hie verhäktmsrüaM . geringfügige östexreichische. Sorge 'spielt um'die Kriegsgefahr.-Wenn nun.gar das große.Wirtschaftsgebiet.zwischen Bodensee und Ostsee bankbrüchlg'wird, dann ist der. neue Weltkrieg da oder, was ihm an Entsetzlichkeit gleichkommt, ' die .Anarchie. , Die Anträge, die der österrelchische Kanzler an die kleine Entente, an Italien und vielleicht .auch an Frankreich stellt, sind der Prüfstein dafür, ob Europa , überhaupt noch aktionsfähig ist. Man hat wieder zwischen einen: tiefgehenden, bis zum Waffengtzb'ranch führenden Konflikt oder- .zwischen cher.. Lösung wenigstens dieses '.kleinen' Problems'zu'wählen,' Mrd sie nicht versucht, dann muß die Lawine ins .Rollen kömlnen. Es ist'selbst- > verständlich, daß alle Anrainer bei der Liquidation der Doimurepublik zur Stelle sein, wollen und. daß. bereits. Fordernngslisten aller Nachbarn, heute auch schon Polens, a ngemeldet werden. Aber; aus diesen sehr grell rmd disharmonisch klingenden' Erklärungen klingt doch die Erkenntnis., durch,', dgß -die Löfllng. möglich, ist und" daß ste anf friedlichem Wege. möglich'ist. Vielleicht kann man zudieser: Sitnatiön sagen: Wenn Oesterreich, nicht; bestünde, so müßte man es schaffen. Es ist das lebhafteste Interesse aller.europäischen Staaten, daß 'Oesterreich bestehen bleibt, däß es als unabhängiger Staat sich ftei entwickle und daß ihm.auf.welche.Weise immer die Mittel gegeben werden, .sein <^ehen '-zü'-HisteN.'. Ob" ZoÄMott mit Italien, ob mifteleüroMWr/Möck'.'-f-. das .ist alles für den Staat gleichMtig.Ich- .fasi sHpn in Agonie, liegt: Für alle Fälle liegt die' Situation.stir Oesterreich nicht gär so' ungünstig.-'Die''europäischen. Kabinette haben die Taktik des Schweigens aüfqegeben und sprechenüber Odsterreich. .-Die' Nachbarn- Oesterreichs sind beunruhigt. Allen''genieinfäm''''ift die^Vebe'rMgiing, 'daß rasch eingegriffen Mderr- Mß. N feite re.iat Ml diese.M in tiema. Vor-A^MHWtd««g. tlet da« Schicksal Oesterreichs. - Hvikwd, Lö.' Wgnst. W^M?>Mr.-MoWrtzeitmrg^;).'. - Heute vormittags um ll Ähr begannen in der PrLfektyr von Veronü die Vethandlungen zwischett dem österreichischen Bundeskanzler - Dtz S ei PK l. und dem Außenminister Schanker. Der -ersten.Unterredung wohnten auch Senator C out arini, der Generalsekretär der Consulta und her österreichische Gesandte am Quirinal hei. Me KMW'Presse iiytzert sich sehr zurückhalte n d iiber die Tragsveite üüd vsrauDsichtlichen Ergebnisse der' Konferenz. 'Aüch hinsichtlich «r Zollunion äußern sich die Matter skeptisch Auf jeM M laste sich die österreichische Krise: niHtstan>einem TageMeheben, weshalb sich die össentliche AeinUtt^ in Geduld Hsen uüifle. stÄiestDZZielLe'"'. ..' (StestHi.) Heute vor-rni-ttags fand die BeMnüng zwischen den: AsLLrrerchschen. Bmcheskar:zler . Dx. -S.e.rpel und ' dem . stdlien'Wen Außemniimstet Schanz.er statt,.der anch.Finchlznünister Segnr, Gesandter Kstvxa tk 0 w s.ki. rstch- .Senator C 0 n t a r i n.i. beiwohnten. Die Besprechungen-wurden uin 1 Uhr nach-" mittags, nnterbrochen und werbest noch heute f 0 r t g es eH.t werdrn. Der: Präfekt '-WMw Äsen Schanzers und :Dr. - Ssipe^?.ei-n - FEhfiüÄ''MWn. ' . - HMe ^lluWMWMLkties. st-- st R 0 m, 25. August. (Tel.-Kostlp)' Eine halbamtliche AfttteikMgc Wagt,, die 'Un^WWg- .'zwischen 1 j Bundes-; kanzler W.': üWMMchistiM 'Pr., Sch a-u-: zx'r,"M t e r haben,7 dg der -italienische AützenMiwstrr in keiner Weise VerPflichtungeu eingeheu' könne^ ohne vorher die ZustiMMstg des KMuesis.rates eiygeholt > zu st haben. Schänzer wert^-jehoch BesWsft Heß Miyistier-. , . . HMedertrrtern gegenüber hät der italienische Äutzenmiyister. inM b r-ede g e st e l sich die Verhandlungen istit, Dr. Seipel um einen Zstiammenschlütz - bei der Stag ten durch ebre Zollunion drehen,. Die Tragweite, der Rrise Dr. Seipels nach . Italien sei von einem Teil der MD«: überftrie.bewworden. Der Entwicklung des Hasens von Triest durch Erhaltung des Verkehrs mit dem Hinterland schenke die Regie-, rung ihre besondere AufmerlsämM. st . Rom, 25. August. (Tel.-Komp.) Die „Tribuna" erfährt von hoher diplornatischer Seite,' daß der Plan eines wirtschaftlicher: und politischen Zusammenschlusses Deutsch- -österreichs' mit Jtalier:' niHt.b ürHsü-h rb ar''fei,- da 'Italien mit 'Rücksicht auf feiste Allstert-en und die kleine! Entente keine Abmachungen treffest - könne, die eine Verschiebüng des-Status quo in'-Mitteleuropa zur - Folgest' hätten: Die Köüferenz zwischen ^.^SchanzLr und Seipel - we^cde sich daher auf bic: Erörterung der Maßnahmen beschränken, die' zur Verhinderung des österreichischen - Züsam'Mnh.rucheS /getwffest: - werden-; müßten. ' > Mailand, 26.' August. (Tel.-Komp.) Wie der Berliner. Korrespondent der stStampa" 'seinem Blatte schreibt/ habe der österreichische Bundeskanzler Dr. 'Seipel in einer Unterredung tMrch-licken lassenst daß er^ n i ch L un di e M ö g licht e i t einer Z 0II int i o ü Zwischen ' Oesterreich und'Italien glaube, weil-es. die finanziellen Verhältnisse Italien nicht gestattestdie österreichischen Schulden zu übernehmen, - obwohl diese in. ausländischen Valuten berhältnismäßig sehr klein sind. Dr. Seipel, hoffe, von Schänzer in Perönct die baldige^ Auszahlung des Lereüs längst gewährten' Kredits von 70 Millionen Lire zu erlangen. Ebenso Höffe er,.daß Frankreich sein Darlehen Oesterreich^^ zur Verfügung stellest tverde. Girr itatte«Wer DNÄMerrKL. O Nom^ 25. August.' (Äl. der-. .«Wiener. Wiorgöns'^iÄing".) Wie „Fl Mondo" meldet,. .fWt. nächste- Woche ein Minister» rat statt, der 'sich^mit der össttreichiMn Frage und der Konferenz in B er o'n.a beschäftig-est-,chixb. - Die Regierung toÄ ihren Stchidp-nykt Wen eÄen^MschlEßst^stetre,ichs an' PeutM-," ,«,sß»«,m> lammmi^.unn ,1.1a«»« "" reitipilligkeit in der tschechischest Republik, : deren' Arbeiterschaft der Nächste Leidtragende hinter dem Sarg des österreichischen Staates ibäre; Die politische Lösung, die Dr. Seipel, anstrcbte, ist Wzeit unmöglich,.vielleicht wird esti8.fekschaMM^WißWg^xsolgen, Die ölterland. und ge-gen eine politische und. finanziielle Vereinigung Oesterreichs, mit der. -Tschecho-Sl»)vakei Jnd Jugoslawien zum Ausdruck, bringen und für die Achtung der Friedensveriräge cintretvn. Italien wekde trotz stintr bevorzugten: Stellung die Zustimmuiig der. Älliierten vor einer eventuellen Lösung der österreichischen Frage einholen. Die Z»ku«st Oesterreichs. Paris, 24. August.' In eine-in Artikel über den ZlveF der Reise Dr. Seipels betont der „Matin", Oesterreich verfüge nicht über genügende Lebensmittel, um den Winter überdauern ■ zu körnten. Dr. Se-tpel habe in ' Prag wohl die Auszahlung eines Vorschusses auf.die Kvedite evwirkt, der Qssterrdich gestatte, seine Ausgaben bis längstens, Ende September zu bestre-iten'; doch befinde sich die Wiener Regierung m voklständigier Ungewißheit - überda-s- Schicksal des Landes, - wenndie Frist'Verstvichen sei.. Es sei daher sehr nottveudkg,' einen Ausweg ^u-^inden. - Drei Möglichkeiten böten sich Dr. Seipel dar-: Die erste sei die t t a lt en ischeLösu n-g, die- Muister- S ch a n z e r beim Abschluß der LondE-r Donfsreuz Llohd George vorgeschlagen habe; die zweite Lösung, wäre die deutsche: Oesterroich würde rmch Anschluß a-n.-B ap er-n-das. ge-inemsame Schicksalder deutschen Staaten-Leilem Falls Oesterreich. von den .-Großmächten fallen.gelassm^vüche und um jeden Preis ein Rettet gesunden We^ürmHt^.-läge dä/eine große-Gefahr! der gegeiWer -FraiErÄch: -sticht- 'inttätig' bl-eibeu .konnte. : Schließlich liege piedritte utch-letzte-Lösung'in einem :e-.ng e/n. p ol i-t üsch en n nd Sv i r tschaftfiche-n Zu- , a MurL'nsch-luß. mi't der Ts ch e'-cho -S.^owa-k-ei * «v v. «. ä r l * ttt .1 , uitAYfjt44«i. IK-m - - VorrnMdMft gestellt MftdWMtüßte/ ± - J- .Mas Blatt "bespricht'M-GrüiHU'Ng' st'd?p^Ujmffivüs-' ststiis Bankiers über eine. Airleihe,, die, -durch diebefreiten Htaats-ll,^' einnahnten und -die' Gar-au-tie W -Mroßntychte sichevgestellt' werden solle. ... st ' ^st-st'stst. Es Uerbe'd^'-HoMlÄrg,'.• d«-ß. der Bölkerbund' in ' der Session,'.'.die.in der.nächsten Zeit in Gerff stattfinden wird, eü:e ällgememe tyachtige Bewegung'-'der' 'gesmnteü öffentlichen -Me-mmyg'^ der'.Welt zugunsten Oesterreichs aus- / losen werde. Eine -. -ßrlche- - HewM-rtz^wütche. den: Wiener- Kabmeft die Möglichkeit bietön, eine Privatanleihe zu verwirklichen, für die. die, Großmächte-- zu eMen: Kwjssen Teil die Garantie übernehmen köMen. .st - „Echo National" weint, es bostüniden Anzeichen für eine Erweiterung der kleinen Entente, die, Jraliei: furchte, da es darin eine Wiederherstellung des habsburgischen Reiches unter einem. anderen Namen erblicke.. Aps diesen Erwägung - enffpringe edr Gedanke der italienischen Re-gievmig, 'Oesterreich unter die..Eenftüß- - sphäve Italiens. zn bringen. Was in Zentt-alouropa im Zuge sei, sei vongrundlegender Bedeutung. „HoiNme Libre^st sagt, Fmrckreich werde im eine A nnexion Oesterxeichs durch Deutschland zugeben. ..Das österreichische--:' Prohsetn* interessiere nicht nur Mitteleuropa, . ' sondern' g a n z E n r 0 p a. EL vcrdi ne, daß man ihm den Vorrang vor der Wiederherstellung Rußlaivds eiuräume. Pslnische BeLrachtrmgerr. . Krakau, 24. August,' Anläßlich der Marienbader Zu» scrntmen-kunft' schreibt der- „Czas": Die Londoner Resultate stellen die Bevölkerung Destervnchs vor die Wahl: entweder Hunger und Anarchie, die sich mit raschen Schritten nähern, odör Ausführung -eines politischen Sprunges: Anschluß an Deuffchland oder Restauration der Monarchie. Es ist. unbekannt, ob ein solchr Schritt ge- ' liWn und ab. er die Lage des unglücklichen'Laiches nicht , noch verschlechtert: wüvde.' Der. ErtriNketche slautimrt. sich ', an den Strohhalm. Jeder Umsturz nt. Oesterreich kann, die durch, die Verträge von Sa'mt-Gerntam und Trianon geschaffene Läge beemMsseii, ja sogpr zmn. Fallen bringen. Därum muß man denken und Polen muß darauf, bedacht - sein, daß eine allfälli'ge Aenderung keine Verschlechterung reichische Oeffeittlichkeit wäre wahrlich auch damit zufrieden nnd sie würde jede Maßregel, die. ihr. das Finanzeteud'' erleichtert' und den Abban der .Beamten besorgt, mit Freuden begrüßen. - - ---- /