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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-24 · Heft 1281 (24.8.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1281 (24.8.1922)
Date
1922-08-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mir 4 Wftn.DohMstag Ber deutsche StALtsgerichtrhof. ' Berl^ .^.,'Ä«N^'Wölff.)/-^ß^HieichSMr-W^'' Zerium Hai den auf Grund des' Gesetzes vckn 21. ^Wr zü bildenden Staa ts ge rich-tsh os zlück S ch ütz e d e r Republik mit Wirksamkeit vom 1. SMckber' dieses' Jahres errichtet. ' ' . Y Paris, 23. August. Naßeiner. be§ aus P-Lga hätten die SowM. M: Odessa die U ü ü ohä ngigkeit der Stadt proklamiert. Ä»t»»rt Chnrchils «« die «nt!ziouistrscheaLordr. London, 21. August. (I. C. B.) Kolömalmckrster Churchill beantwortete das antizivnistrsche Mernorandum einer Gruppe von Abgeordneten desOber-undUnterhomfes in einem Schreiben/ au LoÄ Isltngton:dahin, daß die britische Regierung ihre Palästmapolittt nicht ändern wird. Die curtizionistischen Politiker wevdenda-her für die Folgen ihrer Politik, die zu nichts anderem als zu Unruhen in PalästiM führMttmchS/ macht. Skr, ii^l „Meru Rothschild." In der Alserstraße steht ein , alter gebrochener Manu mi fahlem Gesicht, triefenden Augen, zitternden Händen und — bettelt. Drei Jahre schon^Letveibt er dieses „Geschäft". Von seiner „Arbeit" leben er, die Frau und drei Kinder. Alle sind natürlich krank, unterernährt, arbeitsunfähig. Früher einmal war er Kaufmann irgendwo in einer kleinen Stadt Galiziens. Der Krieg vernichtete sein Hüb und Gut — als Flüchtling kam er dann nach Wien. Hier etablierte er sich als fliegender Kaufmann 'und verdiente, um auskommrn zu können. Mit dem Umstürze fiel auch fein Unternehmen. Die Behörde entzog ihm die Lizenz, weil er Ausländer ist., Die Folge war, daß er betteln müßte. Eigentlich ist ja so ein „fahrender. Händler" nichts anderes als ein Bettler, aber die Bettelei verschleiert Kasten, das Geschäft mit Schnürriemen, Zündhölzchen, Knöpfen, Federmessern. Nun fiel der Schleier — er ist jetzt öffentlicher Bettler. Zur Erinnerung an den einstigen Beruf, sozusagen als Symbol der gewesenen Große, hält er noch immer in der Hand eine'Schachtel Zünder. \ ... Es geht ihm gegenwärtig sehr schlecht. Der ";,Perdienst" reicht nicht, um. bloß das dötige trockene Wop. für' die fromilie kauft« M können. Die Gaben der Geber halten nicht Schritt mit der Preissteigerung des Brotes. Manche geben noch immer eMe Krone./ Im allgemeinen sind die Müschen gute Wesen, er hat sogar einen Stock von Stammkunden^ Ern Arzt aus Bulgarien schenkte ihm vorigen Mopat 1000 Kronen. Mtr was ist das schon; wenn er den Hunger seiner armen Kinder nicht einen Tag Men kann. Einenur regt ihn-furcht« bar auf. Nämlich, daß ihm Rothschild nie emen Heller geschenkt hat. Und eigentlich hat'Rothschild ihm gegenüber große Verpflichtungen — er ist ihm, man kann sagen — viel : < v Wie.dft> Korresp.. Herzog .meldet, hat dft.Mgarischj Gierung in Deutschland, eine lehhäste Pröpagandi das desPurgMlandes bü Mgorrn eiiD christlichsozialen Mgeordnefm^H ünd Scholz nach Berlin mit der Aufgabe EmsImH, %tr%'r oft e n deutschen Politiker des Reic^d^ :: österreichischen - Grotzdeutschen ,,.^ ,t? oinzMirkefl, sich in der burgenlLndische.ü. Frage zu dem ungarischen Standpunkte zu bekennen. Brecher sollte auf, die "Notwendigkeit verweisen, , daß-die Lnrgenländischen Deutschen, bet Ungarn bleibem um das' Deutschtum .in.sAy-.- gartt,zu. stärken-, La / sonst. Ungarn nach 'Einbuße, des ' größten. Teiles seiner deutschen Bevölkerung den Verlockungen Frankreichs nicht mehr widerstehenwürde. Wenn, auch die. /Reift Bleyers nach Berlin und München — .dort trat er «st Ludeudsrff, Hein, Kaa.t und %taub'ck Fühlung, die dürchwößs-/eine intränsigen 1 e Hail t uug ffegen den Anschhüß Geschäft wurden nicht verschont. Als ich vor einigen christlichen Nachbarn über das Unheil klagte und über den großen Schaden, den ich erlitt, jammerte, fägte^einer von ihnen mit ironffchem Lächeln: „Na, nä nur nicht so geheuer, dein Rothschild hat Gelb genug, um dir den Schaden gutzumachen." ' ... Ich wußte schon damals recht, was sie damit: meinteü, über es packte mich so ecke Wllt auf diesem meinen Roch^ schild,- daß ich den ganzen Tag diesem Nacken flüchte. Für Mich'war Rothschild der Jrchegriff von Unrecht, 'Raub, Plünderung. Mein Rothschild kostete mich imcker Bürt; ich zahlte für seine Existenz Steuerfür ihn Mußte ich bei jeder Abgabe auflomMen, für ihn zahlte ich die Gründung der Kirchen, Kapellen, christlichen Frieidhöfe. . ' ' ' Als die Russen unsere Stadt besetztem und die Bauern der umliegenden Dörfer in diese Stadt kamen, MbtM sie" ^eriMe Ses HeMs. d es B ür gen l a n des "an 'Oesterreich einnehmen, ditz ft» mit strategischensnatsonälen und sozialen i Argumenten begrÜM i deten^— nicht bas' gewünschte Ergebnis chatte, so hatten die Mäffharen Loch-den ErfolgY daß Kmißdeutschstätrönale , Fä k t o r e n!N Dentschland sich m den' Dienst dermägharfschen Sache gestellt und seinerzeit anch eine eifrige P to p'Ü gästdr g'e ff o n den An sch l u st . Westungarns '. an' - Oesterreich betrieben. -- ' - /Y Auch nach der Uebergabe des BurgenlaMs an Oesterreich blieb' der/Kontakt der erwahnftn deutschen' Kreise mit ' ihren Bttdapester Gesinxckntzsgenosserr' ein sehr' reger. Es bestehstl sehr enge - Verbindungen "zwischen Gömbö r, W olfs, > P'e k ä v'. und dem Erwachendes- UnßaM - einerseits und dett kn '! jümgster Zeit stark romprockitkieALtt deutschen Kreisen anderer- > seits: Noch heute halteü -sich' LM-e Mörder Erzbergers ck l Ungarn auf, wo sie dem Schütz des H e jjas-Detach e me n 1 $ genießen-. Die Dekorierustg.Mjas- und' feiner FackAie mit' der BerbanÄsmöbaille Lud e n b ö t f f 8 durch einen eigens nach ' Budapest-hesendeten Bertrittr, war' die dernonstMive BettztiMtz der Sympathien der deutschen Krerse für die mäffyarihrn Terroristen. ' ' - - . . - ' ' />- rvtseann Vor eck Zwölftel des ermittelten Jahveskousüms^ Selbsti» - verständlich >wird der Betrag der Vorauszahlung auf der Grundlage den jeweiligen Preiskalkulation festgest'ellt. -- - langen." -^ r - - . Und jetzt? Glauben Sie, daß er mir jetzt «och Ruhe' Ich war natürlich gespannt über die Aeußerung des Bettlers? und wollte etwas mehr erfahren. Vrelleicht, daß er verwandt wäre oder in den Rothschildschen Banken ein Depot hätte. , - ' Der Arme klärte mich bald auf, indem er mir folgende „Erlebnisse" erzählte: „Als ich noch als Kind in Eheder mußte, wurde , ich unterwegs des öfteren' von christlichen Buben überfallen' und gründlich ausgeplündert.'S« nahmen mir mecke zwei Kreuzer, die mir Mutter mitgab' zum Frühstück kaufen. Darob weckte ich natürlich bitterlich — was die Räuber nochbelusttgte. Auf mem herzzerreißendes Schreien, daß mcck wir mein Geld zurückgebe, brüllten sie mich an^und ecker rief: „Dein Rothschild hat Geld genug; er wird dir/schon-welches geben." Diesen Nacken hört« ich das erstemal u^d, dachte, es wäre eck Schimpfwort. . - . - Y . Als ich zu Hause meinen Eltern den Ueberfall - erzählte und den Vater fwgte, was- Rothsi^Üd' eigentlich bedeute, sagte er mir: „Dies ist ein sehr reicher Jude." ,»Jst er denn unser Verwandter?" wollte ich weiter wissen. „Alle Juden sind verwandt," sagte Vater feierlich. Ich schwieg nachher, wenn ich auch nicht wußte, wieso ich denn -dazu komme, für einen reichen Verwandten mein armes Geld herzugeben. ' - . Ich kam dann ck die Schule, hiev w'rderholte sich'die Sache; die andersgläubigen Kameraden nahmen mir mein Butterbrot, .Hefte, Bleistifte. Meine tränenhäfte Einwen- - zw'j^W,^r.BerrechnstygSPeriode.^sm^ düng fand wieder nur ein Lächeln bei den Kollern. Ettftr ° weise sechs, PZoHrs ftüher tröstete mich und sagte: „Wirst dir halt andere kaufen." Auf; wohl die Gestehungskosten - deZY MieftÄn mein Jammern, iößk-hätte' keck 'GeW ^stletzyrMev ielüen! Stromes sich^ckzwischen weiter gestesgexf' haLftn^ M^HiM Schrei aus: „Was? Wie hätte - ein Jude kein Geld?! aber auch! die UngerÄiskert beseitet; dvst'ein VerbckuMr, (Ukrainffch: Gdebh Zhd hroschy ne mau?).Dein Rothschild 1 dM^,'Müs«M.. gÄe.K/Begück'-.''eiW',^,neHÜ^ 'hat Millionen." n ,UWÄschMes abWsen, .churbe„ dopPeU. Dh Nun war mir das zu viel. Ich kam nach Haufe \m! 'bezahley.'M^te,. As^Kne IönsMeHftY'.vek^ Mchr. verlangte von meinem Vater, er solle ünbedmgt an unseren , nur urn einen oder, wenige. Tage vorher. W Ende M „Vetter RotWild" ecke« Brief schreiben, -daß.Kt mir allen '- -" " - ' - Schaden ersetze. Mein Vater lächelt guckrntjg.und ruhigte mich, veMnd, Iahte' M' 'um gesftn. Im Städtchen, wo Mm Mein Elend fft dvch so sichtbär, meme- Rot Vor Augen liegend — M doch höre ich oft; ckie man Mir züvuft: „Uü^ verschämter Mensch, er geht betteln,'wo doch Rothschild ecken Reichtum hat wie kecker." Sogar mein Konkurrent, der an' der nächsten Ecke stehh Mmte Neulich: ^Eigentlich verstehe ' ich nicht, warum du mir mein Brot wegnimmst, wo doch dein Rothschild solche Milliarden hat." Sehen Sie, und nicht AehWal . schickte mir ^Rothschild .eine Krone." > Das erzählte mit dkeseE-leböttdä Leichnam in der Alserstvaße. Ich muß. gestehen, daß ich ihm vftles Mchfühlen cknn. ., Auch ich. habe für „meinen" 7 RothschÄ so manchesmal gezahlt. . . . Ich will es -aüch jetzt noch. sür den Bettler-Rothschlld einmal tun und erlege. Kr. ihn 10YKK) K. (zehniäüfend Kronen). Vielleicht finden sich noch andere, die für ihren Rothschild zugunsten des Bettlers ck der Alserstraße etwas zahlen werden. - Dr. Min Mundicü. / Die »öchentttche Preisberechnung s»r <Kas und Strom. Nach -amtlichen Mitteiluügen der Mrektionenher. städiischett Gasünh Elektrizitätswerke wird die geplante neue Bemessungsart der Gas- und Strompreffenach wöchentlichen PpeisPerroden vor sich gehen. Dazu erfahren wir von den Direktionen der erwähnten Werke noch folgendes: - 1;' , Die bisherrg'tz.n Ableseabschnitttz(hei Gas vier W'vcheü,/veM Strock ick -ÄlMnecken . Wöchckj jedöch' drei Wöchtn für die Industrie- und die GroßkoNsüMetttM) ül tz th e«' a« ft ech t. IN Rechnung gestellt wird Met Gas'- oder StrMckeis, der sich Ms deck ärichmekffchM MM der Wochenpreffe wählend des BerechüüngSM-i schüiites'ergöbt. -' . Durch die Berechnurrg dieses Dirrchschnittspreises Wird der Uebelffand beseitigt, daß wbtc Konsumenten am Ende einer Berrech«u«gspetiöde>t^öD.WtfWktzGftrMMWe, nicht mehr zu zahlen hatten Äls 'dieftttiffen; deren Konsum 8 er . Ab'l. September--äs Vierfache. . Der leitende .Vizepräsident... des Vereins 'für - Post-, Telephon- und Verkehrsintevessen Kommerzialrat Oska^ T s ch e l n i tz und Generalsekretär Dr. Julius Steinschneider haben gestern über Emladung des Vertehrs- 'ministermms dort vaHesp^ochtzn-DS^Mrde ihnen die Mitteilung gemacht, daß hie^Delephongehudren ab 1. September. ä-Mllog den PockojMWM M '300 Prozent, das ist auf das V he.rfa-ch e, ck^dex ersten HWe Mo auf 2W00, ckder mittleM Klafft, auf 480.00st d der^ höchsten Klassa auf OöO.OOO KrsRen erhöht werden. ,. ' . Da ecke Ermäßigüng djeser Steigerung für vollständig ' . ausgeschlossen erklärt wurde,, war der Vereiff.üenmht,.im Sinne seiner früheren Äutragff gewissen BevöLkerungsschichten ErlerchterMgen durchzüsetzen'.' In Konsequenz dessen, kann. mWtMckerden, Mst den A e r.z deck, W-ö'h-lfahrtsanstalten und SozialversicheM.ng e n bedeutende. BegÄnstigungeu Mg^stawden. wurden. Der < Veveinsvorsiand ■ hat' beantragt,. durch eine Zusatzbestnnmung zum neuen Tarif, zu evnÄglichen, daß ck .besonders berücksichtigungswerten Fällen, iydividuelle Msncchmen für. die Einreihung , ck billigere TarPlaffew göwahvt. werden. Ueberdfts hat ep angeregt, daß küifftighm-das TeÜphönabonnemenb. nicht MGr halbjährig, soichevn vierteljährig oder monatlich bezahlt werden könne. r ... Der Streik tu der ©emtt&onfeliitott. "Der Streik in der Herrsttkonfektton' dauert Mgeschwacht an. Sowohl Arbeitgeber wie Arbe-itn-chmer stehen sich unnachgiebig gegenüber und vermeiden gegenseitig ecke Annäherung. 'Doch diirfte schon in den nächsten Tagen da- Bundesamt' für soziale Verwaltung abermals einen Ausgleich versuchen. Gegen eine Reihe von Konfektionären, die vor her Beeüdignn'g des Streiks^in der Damenkonfektion mit den AvbsitnehKerorganisationen EiuzelvertrLge.abgeschloffeN haben,' wurden^ Klagen beim Gewerbegericht wegen Nichterfüllung der vereinbarten Verträge 'ettWvacht. Die ibetreffönden Konfektionäre verweigert^ die Bezä'hlÜng des Index zu den neu veninbärten Stücklöhnen Mit der Begründü-Ngdaß sie Mb. Verträge vor der Püblikätion der Indexziffer abgeschlossen hätten. 'Nün wiöd aber in diesck vvn >den Ä-o'nfektionären gef6xtigie.it Verträgen 'Äusdrücklich beiönti dast^sie sich verpflichten, den jeweiligen Index auf den Stiicklvhn ohne Derhcckd'kmg zur. Auszahlung zu bringen. Bisher haben insgesamt zirka 1-10 Filmen Einzel-Verträge abgeschlossen, wovon allerdings nur ein kleiner Bruchteil auf die Mtk^lwuftktckn' entfällt.. E frWven Mschnittes äbgelesen..woröen wg^ Diemeü^^erechlMngKmeiyode 'veMrg't also, /.ecke ^ÄmZhWexe,'/mO Ufo und daher für die Beh'ölkeMng eckragan etnetftS5lnr5erMni>>e?fc« ... - \7;::"s ■... ' Ein«. Äutig, Nacht in Aimds«» M\ P«ßb«rg.: Aus Preßhur21,ch., sen bei PreAuvg gab es Sonntag'ecke bl-üti'gL Rächt. Der tck 'Püständ ck- Än'- GaschAÜS. Der' MM-vedwotgerte-.- Wr die AusftlAütz des verlÄUgkeU' WeckeSs - da der Gast noch - seine ft'üMe-MchnuUg schuldig war^ Darob geviet Koeka ck furchtbare WM cknd'zog ein Messer aÄs der! Tasche. Die ambesenden Lelrt-e Mächten Mene, - -ihü aüs dem Lokal zu entfernm. Der KMLsfellbefitz'.er geriÄ'mM mit dem Landwirt G yü r ko w i e s in einen Wotttvechfel;- der schon geschlichtet schien, als Koeka plötzlich dds'Messer neuerlichzog und!- es dem Landwirt in blinder Wut' in den Kopf-stieß. GhurkowieSftürztie sofdvt lMos'- züsamckenlmd-. vvdschird nach wenigen Mmtten. ' - Der Mörder ergriff die Flucht, wurde aber bald voüüden Dorfburs^en eingeholt. SieMrzten sich mit Knüppeck,-Hämmern

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