Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1277 (20.8.1922)
- Date
- 1922-08-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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KiiztiRBBmierl250 Wi«n: Zorn Abholen jn der Expedition, ILTaborstr. l-S, oder in emerVerschleisst eile IjTrafik) monatlich K 7000 Mit Poatversand für Wien u. Oeflterreieh'monath K 7000 Tsfch e e h o-S I oiva Je e i: , Mon. K 20. Un rrkr n: Mon. K150. J ugo$l awi p,»i: Mon. Dinar 25. polen; Mon. Mark 800. Dentsclilarid : Men. Mark 60. Frank- ••ich: Monatlich Frcäs. 6 NftehnMtmgc.n bd, Preiserhöhung-«» Vorbehalten Rr. 1271 teuer i schßchc»*8ldwakal tseftreh. K 1.20 Italien: Monatl. 6. Lir Rumänien; Mon. 4®. Lo Schweiz und das iibrifi Ausland monatlich Fres. 3 Redaktion «. Administratioi Wien, lI.,Taborstrassel—1 Telephone: 44-0-38,43-3-11, ab 6 Uhr abends 16-301 Wir». 6aanta«, 20. 2t«g«st 1922 Tel.-Adr.: ,Mor«-euzeii;im£-4 . * Wien Oesterreichischcs Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 4. IaHrgaag Der an die Nachbarn. -y. Wien. 20. «aguii. Die Politik derÄuseinandersetzung mit den nächsten Nachbarn des österreichischen Staates wird wieder ausgenommen.. Der Kanzler ^Seipel : tritt heute eine ^eife an, die ihn nach Prag, Berlin und Rom führt. Die Regierung kommentiert diese 'Fahrt,in einer amtlidjert. Mitteilungdie in der gleichen auffälligen Form chic vorgestern auf. die mitteleuropäische Frage^ hinweist, die ach politisches Problem bereits in der nächsten Zeit äufgerolli werden soll. Der Kanzler hat diese Auf-. sassung den Repräsentanten der Ententemächte gegen-, über vertreten und im Anschluß däraN seinen Reiseplan yritgeteilt. Da es die Ententemächte ansonsten gav nichts gngeht, wohin der österreichische Kanzler eine Reise Int, so hat er ihnen wohl andeuten , wollen, in welchen Linien sich die bereits mehrfach angekündigte Umoxientierung der österreichischen Politik, bewegen soll. Bisher hat die Partei, der der Kanzler aNgehört, stark nach Westen gesehen, hie und da-auch nach Budapest geblmzelt. Jetzt richtet sie sich, dem Zwang der Verhältnisse gehorchend, daraus ein. auch die Nachbarn im Norden und. Süden in das Gesichtsfeld zu nehmen. Die Gründe hierfür liegen in der Not der Stunde, in der territorialen Situation des Staates, vor' allem aber in der Notwendigkeit, die von neuem und so unheilvoll eingetretene Isolierung wieder zu durchbrechen. - Die ^Konferenz mit dem tschechischen Mnisterpxäsidenten erklärt sich uns dem Hinweis ausdie Marienbgder - Besprechung der kleinen Entente, die sich stzrdie Pölkerbundtagung auf ein gemeinsames Programm einigen will. Es haben, wie Man aus Prag erscjDt,in dm letzten Tagend mehrfache' Besprechungen zwischen Hrag und Wien stattgesunden, die znt- V'er- % den poWMNr Momenten vE die Rücksicht aüs d;e Sicherung d^"Kohlenversorgnng:HWrr.eichs, dessen Bähsten bei einer Fortdauer her Währnngsseykung stehen bleiben müßten. Ergibt sich schon. - daraus die Notwendigkeit ' für die Tschecho-Slowakei, der Frageihres größten Konsumenten näherzutreten, so muß sie das noch viel eher im Hinblick auf die sozialen' Folgen tun, die sich für ihr staatliches Gefüge aus einem Zusammenbruch Oesterreichs einstellen würden. Der Besuch in Deutschland ift^wohl nur ein Beruhigungsmittel für die Wiener Großdeutschen, wählend die Fahrt nach Italien, wohin den Kanzler auch berufliche Sympathienziehen, sich aus der Absicht erklärt, Mit einer der Ententemächte wieder in direkte Fühlung zu gelangen. Im ganzen ist die Idee Dr. Seipels, die sich ja zwangsläufig aus der Lage Oesterreichs ergibt,, gesund.. Er folgtder in den ersten Lebensjahres der: Republik eingeschlagenen Bahn. Sie wurde mit dem Abgang Ren- .ners verlassen, aber in der Folge mußte, doch jede Regierung darauf zurückkommen,. aus. dem Weg über die kleine Entente den großen Mächtekonzern zu einer Aenderung seiner reservierten Haltung - zu veranlassen. Die 'Christlichsozialen , wären diesem'steten Postulat der österreichischen.. Politik niemals grün, ebensowenig wie sie eine Freundschaft Italiens anstrebten. Ihre Haltung hat .den italienisch-magyarischen Akkord möglich gemacht, den Oesterreich, mit dem Verlust Oedenburgs bjrßen mußte. Daß sie jetzt trotz alles. Widerstrebens die Tschecho-Slowakei und Italien anrufen, spricht für ihre real-politische Einsicht. Vielleicht wird es bei dieser Gelegenheit möglich sein, etwas.Genaueres über die sagenhaften italienischen Kredite zu erfahren. Die Reise Dr. Seipls ist eine in sehr sp.äter.Stunde kommende Fortführung des Schoberschen Planes, zu einer mitteleuropäischen. Konvention zu gelangen, die alleirt die dauernde Heilung all der Fragen bringen kann, die der Friedensvertrag aufgeworfen hat.. Me neuen Staaten seufzen unter der Last dieses Instrumentes, die freilich am stärksten auf Oesterreich druckt. Alle haben die Bewegungsfreiheit ihres. Handels durch eine Unmenge von Schutzzöllen und Ausführverordnungen eingeschränkt, die vielleicht in der 'ersten Zeit der Unabhängigkeit Sinn hatten, heute aber zu drückenden Fesseln geworden sind^ Die Tschechoslowakei hat zuerst die Sachlage -erkannt und durch ihre sreundnachbarliche Hilfe für Oesterreich und durch ihr VertragsMeni eine Milderung versucht. Sie hat auch für Oesterreich in Paris und London sich, eingesetzt. Beide Staaten sind Ärseinander angewiesen und es ist zu begrüßen, daß Dr. Seipel den: Faden da aufnimmtwo ihn Schober infolge der größdeutschen Wähnsinnstaktik hat fallen lassen müssen. Vie Rste»«»»«. M KteF»hr«»ß leichter»«« der,»«tische» L»,e. - -D Xi n, -M August. Äunlich wird verlautbart: Die aus London . , zurückgeketzrteu Verwaltungsröte der A n g lw - O e st e r r c r ch i s ch e n B a n l haben die bereits vorliegenden Meldungen bestätigt, daß der Verwaltungsrat der Beteiligustg der genannten Bank stn der zu erWtenden OesteGichjschen Natiönoilbank z «- ll e st r str m t hak. Eine ängloge Mitteilung, ist von fcoi Ze n trxa he ürp pälsMy Lau d erba nk eing e l a wg t. Die beiden Hrnken haben jedoch ihre Zustimmuttg hpu ^er Äunghme einiger'Ä b 8 n der uu q svorschl ätze zum SMütder Oesterreichischen NationylbaM MLstgig gemqcht, die im wesentlichen iy ÄnlLhnüng an' dir BestzMssr W BküWer Finanzkonferenz die Sicherung der völligen UnWWKgkeit der neuen Notenbank gegenüber der Mglerüng bezwecken. Die englisch^ranzMschen Anregungen gehen darauf hinaus, das st nv in ge s ch r 8 st kte Bert rauen des Auslandes zu der zu g r ü n d eJ d e M B a tt k zu erreichen und dgdnrch die Beteiligung des ausländischen Kapitals ay derselhen zu erleichtern..Djese Vorschläge, die sich aus verschiedene Artikel des Statuts beziehen, bilden gegenwärtig den Gegenstand der Prüfling durch die .zuständigen. Fachreferenten.' ÄnsGrund des ErgebniW de? AeberpMustg wird die Regierung jene Vorschläge brschMett/ die dem Hg^täusschM" dorzulegen. seist St«»tshsrlsh«ltes gesichert. — Er- A»ch Fina»z«i«ister Seg«r fahrt «ach werden. Hiedurch wird allerdings eine kleine Verzögerung in der Errichtung der neuen -N ö t e n b.a u k unvermeidlich, doch wird dieser Nachteil mehr als anfqewogen durch den ^mftand, daß das BaNkprojekt, Wenn die englisch-französischen Vorschläge berücksichtigt werden können, den maßgebenden Finanzautoritäten Englands nnd Frankreichs als einWandfr e.i 'und zielführenh erscheint, was nnzweifelhäft ans den Erfolg der Subskription im Inlande «nd im Auslände, die günstigste Wirkung ansüben muß. Die allgemeine politische Lage ist na/ den ..1dungen über, direkte Verhandlungen zwischen Frankreich und Dentschlä nd als bedeutend erlei ch t e r t a n z n sehen. Die Reise des Bundeskanzlers nach Prag und Berlin, an der auch der Finanzminister Se g ur teiluimmt/ verfolgt einen r e i n p o li t is ch e n Z w e ck, nämlich in der Aussprache zwischen den führenden Staatsmännern, die verschiedenen Wege zur Lösung der zentraleuropäischen Fratze ftstzustellen. Pie Röhricht üher einen von den Bänken der Regewährten MilkiärdenVorschuß -entmichtklen Tatsachen. : Pie . weitere geordnete Führung des Siaatshaushaltes ist gef ich e r t. / m,, . Aus rM-'beMtet^Erne^der.wichtigsttn Ftägen,' welche 'ge^wär^.-.dre,'I.M'.en''Kr y ß rm'manieps, ingbesor^eve. djejestigen der netzen rümLnischen ^biete:beschDlgt,,D die Sprä^ che ns rage upd speziell dre Unte-rrichtsspräche in.den: SGrleN,)-Me" stchckyl'. Zstch. niMÜsterungsbestreblktttzen der rumäMch-natwnüli.Mchen Kreise einersests und a<Mre^sts"das-''ModevonHleWn^ der magya tisch-nationa le n Be wegn n g 'den ehentäls ungarischen Gebieten Macht den'Führern der Jndenschast'besondere Vorsicht -znr^Pflrchk.'"- - ' ' Es würde - ckndieser Stelle ivrederhölt auf das Wesen -dieser Frage hingewiesen. Die 7rrnnänische Retziermigic hat : bei. AnVckenmLng.'der. jiddischen RationaMt - den jüdischen Schicken das Rechteingerämnt, w-nerhalb:einer bestinnnten Frist in ihren bisher mit ungarischer Unterrichtssprache geführten - Schufen eniweder die hebräische oder die Wische Voltsspvache zur Nutrrrichtsspräche Ul erhoben oder «her die rllNlänische Unterrichtssprache emzusührm. Auch in .der Frage der Stäätssübvention für die jühische.n.'Sch ule,n bestehen noch tiefgehende Meimlngsverschiddenheiten zwischen der gegenwärtigen rlrnlänischeN Regierung und den jÄischen nationalenMinpvitättÜ. In: den letzten Tagen haben nun zwei Unterredungen 'ztvifchen Wifchnatisnalyl Führer» mch ^Regiernngspertretern stattgesusideir, in welchen tzlelchfalls die. weitere Entwicklung der SpWchenfrügeden.Ha-üptgetzeuständ -bildete. Anläßlich der M a n d a t s f e.i er m D o r n a-w a t-r-a .in der.Bu'kowma hat der Präsident dep Bukowmaer zionistischen Organisation Dr. E e i e r - E b r die Abwesenheit des gleichsasss in.dieM.Bädeprte ^r,KnrcklvsM^ Mmisterprastdeliten Ichstl' P r ä t i a n ü -hrnützt^-um DM' die Wünsche der BukoHnaer- Iuden pvMtvaUött^Per DM' Merpräisident tzäb Nrnächst->seiuer GenMlMMg iühec ^dje. Erfolge des Aonismtzs Änsdruck, um dann Ms die SM--, chenfvage übeHugehen. Dr. Meier-Ebner beleuchtete die ganze Frage-und schlllg dem Mirnsterpräsidenten vor, in -der nächsten -Zeit eine E n q ü e t e ua'ch - Mlkarest einzubevusen, an welcher sämtliche interessiertest Kreise und auch die ^Vertreter, her . mchtrstmänischen Nationalikäteu tell-. zunehinen hätten. Die von der Regierung angestrebte Rornansti-evuug sei' ^-7 so fuhrst Dr. MeierWbner aus —- 'mrr schrittweise und jedenfalls bloß'n.n t er' eiuv erst a nd». *,licher MitwLrkung der g.esamten Bevölle» r<u ng durchzusilhren. Die heM-emngte oder gewaltsame RonPnisieruNg wützde die hierfür xn Betracht kommende Bevösternyg, von welcher stlst-ganze hundert Proz e nst lesen und'schreiben können in^ eine schwierige .Sitzlatron dringen. Die Regierung mtzsse in dveser Richtznpg Gednld-aU den Tay legen. Mnisterpräsident Bpatianu vertmt wohb den SwndME, >daß/die Regiemng einen bestimmten - Weg gchen müsse, -gab jchoch. zu, daß die - Uml wandluna estwn bOsiDNten» Kntwicklnnsssam dmÄmachen maas&czix* der übrigen MitgllÄder ^^WM^prat-e^sMtändi'g -Äiste -bestintmte Zusage 'yra- Wte er "döch'M. Idee em-er En'g n e t e-für . annehmbar und wolle nach.seiner Rückkehr nach/Bukarest Mit Ün übrigen Mmistevtl Ur dieser Anregim-g Stellung nehmen. - - . '. ■ '; '.^-.-'Schwieriger noch liegen die Verhältnisse in S i eben- - hürge-n und dem Banat..Hier haben die Juden unter untzirrischem Regime die wichtigsten Stützen.-des. NbagyarentUstrs gebildet, die. Zähl der jüdischen Schulen ist ziemlich gwß nstd in allen ist bis heute noch die uu g a risch e ' S-p ra cherdie Unterrichtssprache.^ Bor - einigen Tagen hat . Nun Schnlinspettor stir den . Schulbezirk Großwarveirr'!Grorg Tulbn-re . einem Journalisten .gegenüber zu diesem heiklen Problem in folgender Werse Stellung genourmen: Bekanntlich gibt es nn Siebenbürgcr Judentum zwei Fraktionen: die eine, die rrcologe und auch ein Teil der orthodoxen, 'welche zur ungarischen nationalen Minorität gehören wollen, die ändere Strömung wieder ist die n ationale oder^ionistische Frakti0 n, welche sich stomz gesondert' vom Ungartum als Natio n ale M r-u- Ie'rheiH zu organisieren wün-schü Interessant nun ist ' diesbezüglich -die jüngsle^^ Erklärnug einerführenden jüdischen. Persönlichkeit m Siebenbürgen,'deren Anschauung sich vollkommen mit der.momigen deckt. Es handelt sich nämlich . ü-prvin Interview, welches der Präsident des jüdischen' Nationalverbmches von Siebenbürgen Dr. Fischer dem , Bukarester Tagblatt „Lnpta" gab 'und in. welchem sich durchaus meine Au-sicht widerspie'gelt. Im n-euerr. internationalen Recht — erklärt Präsident Pr, Fis ch'er welches nach den Friedensverträgen geschMenwurde, wird den Inden das volle' Recht eingeränWt, sich/als ..besondere natio-uale oderlchhnische -Mino- 'irW'W.^hetvächtem.Beweis'hi-zeMr ist das vom Völkerbund 'vHHzrette Pala'stista-Mandat, welches dem jüdisHest-Äolke die ÄÄglichkeit zur Schafsirng einer eigenen nattonalen Hemrstätte bietet. Die jüngeren. Elemeute des- Siebenbürger Ju-denttrms sind von nationalen Gesichlen epsiillt. In der älteren Generation, das heißt unter denen, die in der magyarischen Denttlngsart leben und all den rmgarstchen' SümtSc^l^nEen gewöhntwarnt, gibt es noch -solche, die sich als Magyaren betxachten.-L'les erklärt sich auch deckmrch, daß. die JMn im alten UuMrll nicht als ge-U sorcherte MtionalMt figurieren, und die ungarische Statistil hat,' um so vielMagya-von als. nur möglich auszuweisen auch die Juden der magyarischen BolLsmasse^ statistisch emverW-t. Heute hingegen sind Mh? als sechzig Prozent der ^ÄMnhüvger Inden ans nationale.r Gruudlage > E oWtzäisiert mnd -hghtzn --«in. Wunsch, ern-e mit -den übrigen Mjwritäten vollkommen gleichberechtigte. Muorität Ul bilden. Denselben Standpunkt niment meines Wissens auch die. ^Mynänische Regierung ein. Deshalb wünschen die Jndrschnationalen, daß-die Regstrung diesen, ihren Sta-ndpnnkt auch in konkreter Form zum Ansdruck bringe und den WWen Schulen gengn so die entsprechende Subventiou